Jahr: 2022

60 Jahre bis zum Ende – eine Zahl ohne Fakten

Nur noch 60 Ernten? „Wenn wir weitermachen wie bisher, unsere Böden belasten und auslaugen, haben wir laut @FAO weltweit noch 60 Ernten, bevor Schluss ist.“ Zuletzt twitterte Sarah Wiener, Mitglied der Gruppe der Grünen im Europaparlament am 13.10.22 dieses Statement. https://twitter.com/wienerofficial/status/1580564766392975363?s=20&t=6o7NSduZ6XCLSzEWBeb2tw Macht man sich auf die Suche nach einer Quelle, wird man auf den Seiten von www.fao.org leider nicht fündig. Googelt man „FAO 60 Ernten“, so landet man bei diversen NGOs, allen voran dem BUND Bund Natur und Umweltschutz Deutschlands, der 2018 sogar behauptete: „Einer Studie der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zufolge ist die Qualität von einem Drittel der weltweit nutzbaren Böden schlecht. Jedes Jahr verliere die Menschheit etwa zehn Millionen Hektar fruchtbaren Boden. Die Böden der Erde könnten nur noch für etwa 60 Erntejahre ausreichende Erträge liefern.“ https://www.bund-rlp.de/service/meldungen/detail/news/studie-boeden-werden-immer-schlechter-nur-noch-60-ernten-moeglich/ 3Sat beruft sich sogar auf eine Studie der „Vereinten Nationen, Abteilung Ernährung und Landwirtschaft“  https://www.3sat.de/wissen/nano/boden-burnout-100.html Die Botschaft wird in Wissenschaftsmagazinen wie TerraX https://terrax.podigee.io/12-sind-unsere-acker-noch-zu-retten-andrea-beste und Talkshows wie Riverboat verbreitet (Dirk Steffens, Umweltexperte) https://www.youtube.com/watch?v=X9BRohIe__8 (10:33), und soeben erschien ein Buch des britischen Autors Philip Lymbery mit dem Titel „Sixty Harvests Left: How to Reach a Nature-Friendly Future“. https://www.bloomsbury.com/uk/sixty-harvests-left-9781526619327/ Doch woher stammt …

Massentierhaltung – wissenschaftlich betrachtet

Eine Buchbesprechung von Arnold Krämer Die Bremer Historikerin Veronika Settele hat ein Buch geschrieben, das aktueller und wichtiger nicht sein könnte. Hinter der „Geschichte der Massentierhaltung von den Anfängen bis heute“ verbirgt sich eine gut lesbare wissenschaftliche Arbeit mit umfangreichen Quellenangaben über die Entwicklung der Fleisch- und Milchproduktion der letzten rund 170 Jahre in Deutschland und anderen westlichen Staaten. Die Verwendung des Begriffs Massentierhaltung im Buchtitel sollte nicht abschreckend wirken und von der Lektüre abhalten. Die Autorin weist darauf hin, dass dieser wie selbstverständlich in der agrarischen Fachwelt benutzt wurde, bevor er ab den 1970er Jahren zum Kampfbegriff der Gegner einer ökonomisch und auf Effizienz getrimmten Tierhaltung wurde und seitdem von der „grünen Seite“ konsequent gemieden wird. Im ersten Teil des Buches schildert die Autorin, wie allgegenwärtig die Nutztiere in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts in den großen Städten dieser Welt waren. Sie waren die „Lebensversicherung der Ärmsten“. „In Kellern hausten mitunter ein Mann, eine Frau, drei Kinder und 5 Schweine“. Fleisch war dennoch auch in Friedenszeiten so knapp, dass um 1912 regelrechte Aufstände in …

Dem Höhenflug folgt der Absturz…

Einem der großen Herstellern von Fleischersatzprodukten, der Firma Beyond Meat aus den USA, geht die Puste aus. Der Aktienkurs ist im letzten halben Jahr um rund 80% regelrecht abgestürzt. Zuvor war die Firma und die Aktie gehypt worden. https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/beyond_meat-aktie-kursbewegung-14-10-2022-11201255 Von den rund 1.100 Mitarbeitern sollen nun 200 entlassen werden. https://www.ecoreporter.de/artikel/beyond-meat-senkt-erneut-prognose-streicht-stellen/ Ähnlich geht es auch dem Hersteller von veganen Lebensmitteln „Veganz“. https://www.ecoreporter.de/artikel/veganz-umsatz-und-ergebnis-brechen-ein/ Und auch die Aktie des Haferdrink-Herstellers Oatly wird nicht mehr auf der Gewinnspur gesehen: https://www.ecoreporter.de/artikel/schlechtes-konsumklima-credit-suisse-stuft-oatly-aktie-herab/ Doch nicht nur die Aktien der Hersteller von Ersatzprodukten haben Schwierigkeiten. Auch der Bio-Fachmarkt leidet unter sinkender Nachfrage: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/alnatura-lebensmittel-inflation-bio-supermarkt-1.5659199? https://www.lebensmittelzeitung.net/handel/nachrichten/krise-im-biohandel-alnatura-chef-goetz-rehnsieht-verzerrten-wettbewerb-167204 https://www.topagrar.com/oekolandbau/news/agrarwissenschaftler-rechnet-bei-oekoprodukten-mittelfristig-mit-absatzdelle-13212223.html Fazit: In Zeiten der Krise schaut der Verbraucher noch mehr als bisher auf niedrige Preise und alle Vorsätze bezüglich Nachhaltigkeit, Klima- und Tierschutz sind vergessen. Diejenigen, die sich darauf verlassen haben, dass höhere Standards auch in höheren Preisen entlohnt werden, werden jetzt enttäuscht.  Im Bereich Tierwohl kündigen die Schlachter gerade die ITW-Verträge, weil der Absatz rückläufig ist. https://www.fleischwirtschaft.de/nachrichten/nachrichten/fleischkonsum-schlachter-kuendigen-itw-vertraege-53802 Wie heißt es bei Berthold Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ Gut wäre es, wenn das politische Berlin …

Tagung für Öko-Junglandwirte

Von einer Bekannten bin ich auf diese Tagung aufmerksam gemacht worden. Es sind noch Plätze frei! Vielleicht finden sich ja mögliche Interessenten in der Leserschaft https://schweisfurth-stiftung.de/wp-content/uploads/2022/09/Oeko-Junglandwirte-Tagung_2022-final.pdf Und hier das Programm: https://www.dropbox.com/s/3294n1m5onm4o8v/Oeko-Junglandwirte-Tagung_2022-Sept22.pdf? Irgendwie sind die Themen etwas andere als sonst im landwirtschaftlichen Umfeld.  

Supermärkte einfach nicht mehr beliefern…

Die Firma Mars hat eine Reihe von Markenartikeln von Lebensmittel bis Tiernahrung in ihrem Sortiment. Jetzt liefert sie diese nicht mehr an Edeka und Rewe, sowie Penny und Netto. Unternehmen/mars-liefert-seine-produkte-nicht-mehr-an-edeka-und-rewe-18381206.html#? Eigentlich ist so etwas nicht neu. Schon in der Vergangenheit hat es solche Situationen gegeben, wobei es auch schon vorgekommen ist, dass Supermarktketten oder Discounter einen Markenhersteller ausgelistet hat. In beiden Fällen, Liefersperre oder Auslistung, geht es immer nur um eines: um den Preis. Interessant ist die Begründung, warum der Streit nicht beigelegt werden kann: „Man sehe trotz intensiver Verhandlungen keine Basis, die von Mars geforderten Preiserhöhungen zu akzeptieren, teilte Rewe am Mittwoch in Köln mit. Manche Forderungen, die nicht mit höheren Kosten für Energie und Rohstoffe zu begründen seien, lehne man «strikt ab». Edeka sieht es ähnlich. «Die aktuellen erheblichen Preisforderungen des Herstellers Mars sind aus unserer Sicht sachlich nicht begründet», sagte ein Edeka-Sprecher.“ Übersetzt bedeutet dies: Die Lebensmittelhändler entscheiden, welche Kosten weitergegeben werden „dürfen“ und welche nicht. Das deckt sich auch mit der Aussage eines Einkäufers von REWE, die er mir persönlich gegenüber …

Özdemir auf dem Bundesparteitag

Einfach mal auf das Video klicken. Rede von Özdemir auf dem Bundesparteitag der Grünen in Bonn. Vielleicht auch zweimal anschauen und dann kommentieren… Und mal auf die Kommentare klicken.. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen

Wo kommt unser Essen her?

Was glauben Sie, aus welchem Land wir Deutschen die meisten Lebensmittel beziehen? Aus welchen Ländern kommt unser Kaffee? Einige überraschende Erkenntnisse bringt der nachfolgende Artikel. Wieder was gelernt. https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/von-reis-bis-schokolade-von-diesen-laendern-haengt-die-deutsche-lebensmittelversorgung-ab/?

Prädikat: empfehlenswert!

Geschenkte Bücher kann man sich ja nicht aussuchen. So auch das Buch von Marietta Slomka, das ich von meinem ältesten und wohl auch besten Studienfreund geschenkt bekommen habe. Und weil ich immer ehrlich bin, habe ich ihm gesagt, dass ich „die Slomka“ nicht leiden kann. Das Buch habe ich natürlich trotzdem genommen. Und jetzt die Überraschung: das Buch liest sich sehr gut, es ist in lockerer Sprache geschrieben und erläutert mit praktischen Beispielen und auch Anekdoten, wie Politik funktioniert. Dabei schreibt Frau Slomka parteipolitisch tatsächlich völlig neutral. Ich habe durch das Buch auch gelernt. Viele Insider-Begriffe, die ich schon häufiger gehört habe, werden verständlich erklärt. Man findet diese auch noch mal im Register am Ende des Buches, zum Nachschlagen. Wussten Sie, was genau eine False Balance ist? Oder was einen Hinterbänkler eigentlich zum Hinterbänkler macht? Was ist eine Morgenlage und wer nimmt daran teil? Was hat Microtargeting mit Wahlen zu tun? Und was wird in einer Trollfabrik produziert? Sie merken schon, das Buch ist breit angelegt und besonders für Klugscheisser gedacht. Vielleicht hat mir mein …

Misereor: wir ändern unsere Meinung nicht!

Ich hatte ja die stille Hoffnung, dass Misereor von der gemeinsamen Diskussion gelernt hätte. Der nachfolgende Beitrag des Deutschlandfunk zeigt, dass dies ein Irrtum war. https://www.deutschlandfunk.de/freie-bauern-protestieren-gegen-kirchliche-appelle-zum-fleischverzicht-dlf-c34cecdf-100.html Doch es gibt auch kirchliche Einrichtungen, die die gemeinsame Petition von Misereor und Greenpeace kritisieren. Überschrift: „Polarisieren spaltet“. https://blogagrar.de/kirche/katholiken-kritisieren-misereor/ Der Hauptgeschäftsführer von Misereor gibt folgende Stellungnahme ab: Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren   Die Bildquelle Kathrin Harms @Misereor ist angegeben

Sparen, verzichten, einschränken….

Wir Menschen sind geneigt, uns selbst etwas vorzumachen. Im Bereich Landwirtschaft und Ernährung kennen wir das. Bürger und Verbraucher sind zwei unterschiedliche Wesen. Jetzt geht es um den kommenden Winter, es geht um steigende Preise, es geht um die Frage, ob wir eine gespaltene Gesellschaft bekommen. Meine Frage an euch/Sie: Schränken Sie sich irgendwo ein? Sparen Sie an etwas? Wenn Sie jetzt an etwas sparen oder sich einschränken, wo ist das? Gibt es etwas, bei dem Sie sich definitiv nicht einschränken? Für meine Person: wir haben die Heizkörper noch zugedreht. Nur bei unserer Mutter (99 Jahre) ist es so warm wie immer. Beim Essen können wir uns nicht einschränken, weil wir bis auf Fleisch alles aus dem eigenen Garten/Feld auf dem Tisch haben. Wir fahren mehr mit dem Fahrrad, allerdings erwische ich mich dann doch, auch kurze Strecken wieder mit dem Auto zu fahren. Was Kleidung angeht haben wir in den letzten Jahren ohnehin nur Ersatzbeschaffungen gemacht. Wenn die Arbeitsjeans durch ist, wird die Jeans „für gut“ eben zur Arbeitsjeans umfunktioniert. Wo wir nicht gespart …