Monate: Juli 2026

„Mähdrusch“- Ernte 2026 beendet

Am 29.7.2026 haben wir den letzten Raps geerntet. Mit der Weizenernte waren wir schon rund eine Woche früher durch. An der Genossenschaft kommen nur noch vereinzelt Fahrzeuge mit Raps an, 98% der Mähdruschfrüchte (Gerste, Weizen, Triticale, Hafer, Raps etc) sind unter Dach und Fach. Der Ertrag Das Ergebnis: wir sind dankbar, dass die große Katastrophe ausgeblieben ist. Der Weizenertrag liegt je nach Sorte zwischen 90 und 100 dt/ha und damit unter dem Vorjahr, dass allerdings auch sehr gut war. Überrascht hat uns der Raps. den wir in einem Zeitraum von einer Woche geerntet haben, weil die unterschiedlichen Felder unterschiedlich reif waren, obwohl die gleiche Sorte gesät wurde. Begonnen haben wir mit 45 dt/ha, die letzte Parzelle hatte 55 dt/ha, was uns sehr gefreut hat. Wie sich die Unterschiede erklären lassen? Wir wissen es nicht, denn auch der Saattermin war bei allen Rapsparzellen gleich. Eine mögliche Erklärung ist der Niederschlag. Das Feld mit dem höchsten Ertrag hat möglicherweise eine Regenschauer mehr bekommen als die anderen und das zum richtigen Zeitpunkt. Die Qualität Die Qualität war beim …

„Der ist ja nur ein Nebenerwerbslandwirt“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Kommentar in meinem Leben gehört habe. Tatsächlich habe ich den größten Teil meines Einkommens außerhalb der Landwirtschaft bekommen. Und auch verdient. So wie mir geht es mehr als die Hälfte der Landwirte in Deutschland. Laut der Agrarstrukturerhebung von 2023 sind es 55% der Betriebe, die weniger als 50% des Einkommens aus der Landwirtschaft erzielen. Was sind die Gründe, warum Landwirte in den Nebenerwerb wechseln? In den allermeisten Fällen (auch in meinem) ist der Betrieb zu klein, um davon eine Familie zu ernähren. Oft kommt auch noch die Altenteiler-Familie hinzu, die vom Einkommen des Betriebes ernährt werden muss. Die gesetzliche Rente ist sehr niedrig. Dazu die SLFVG: „Die gesetzliche Alterssicherung für Landwirte ist als Teilabsicherung konzipiert und beträgt nach 30 Beitragsjahren als Landwirt monatlich 588,66 Euro brutto (Stand: 1. Juli 2026). Für mitarbeitende Familienangehörige liegt die Bruttorente bei 294,69 Euro pro Monat“. Zum Vergleich: Das BAFÖG beträgt zwischen 670 und 990 €/Monat. https://www.studierendenwerk-oldenburg.de/geld/bafoeg/wie-viel-bafoeg-gibt-es Nun könnte man ja sagen: wenn es für eine Familie nicht reicht, warum verpachtest (oder verkaufst) …

Erfolgsorientierte Agrarprämie

Von einem Leser bin ich auf eine Veröffentlichung aufmerksam gemacht worden, in der man sich mit einer anderen Form der Agrarprämie beschäftigt. Sie soll  ökologische Leistungen finanziell fördern. https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/551/806 Die Urheber haben ihre Idee mit Landwirten aus ganz Deutschland diskutiert. Die Ergebnisse werden ebenfalls vorgestellt. Wie ist Ihre Meinung?

Regional? Warum dann Kirschen aus der Türkei?

Ich habe am Freitag einen Brandbrief der Fachgruppe Obstbau  und einen Brief der Obstbauern vom Bodensee erhalten, die ich hier gerne weitergeben möchte. Einer der vielen Auslöser ist die katastrophale Preissituation bei Kirschen. Deutschland hat eine sehr gute Kirschenernte, trotzdem importiert der Lebensmitteleinzelhandel Kirschen aus der Türkei. Der Verkaufspreis im Laden (siehe Titelbild) entspricht in etwa den Herstellungskosten in Deutschland (3,50 – 4,00 €/kg), der in diesem Jahr wegen des höheren Mindestlohns und der explodierenden Energiepreisen nochmal gestiegen ist.  Übrigens: einzelne Discounter bieten Kirschen auch für 3,30 €/kg an. Hier der Brandbrief der Fachgruppe Obstbau, der sich an Politik, Handel und Verbraucher richtet: https://www.fruchthandel.de/news/brandbrief-der-deutschen-obstbauern-wollen-wir-deutschland-ueberhaupt-noch-heimisches-obst Was die Fachgruppe Obstbau den Mandatsträgern in der Politik zu sagen hat, ist hier nachzulesen: FO_BRIEF_MDB_MDL2026-07-24_ Hier der Brief der Obstbauern vom Bodensee, der sich besonders an die Konzernspitzen des Lebensmitteleinzelhandels richtet. 26_07 Offener Brief Konzernspitzen LEH Hilferuf Bauern Das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V. hat aktuell eine Umfrage zur Zukunft der Betriebe gemacht. Mehr als 50% der Betriebe gibt an, dass ihre Zukunft ungewiss ist oder sie den Betrieb …

Ein möglicher Nachfolger

Der derzeitige Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, wird zur nächsten Wahl nicht mehr antreten. Ein möglicher Nachfolge-Kandidat ist Holger Hennies aus Niedersachsen. Hier ein Interview mit ihm: https://www.agrarticker.de/nachrichten/detail/gesetzliche-auflagen-muessen-sinken/ Da sich der Artikel hinter einer Schranke befindet, hier ein Auszug: „Sie bewerben sich als Nachfolger von Joachim Rukwied als Präsident des Deutschen Bauernverbandes zur Wahl im Juni 2027 in Aachen. Was sind Ihre Beweggründe, dieses Amt auszuführen, und was wollen Sie anders machen – beispielsweise in der politischen Durchsetzung von Forderungen? Wir wollen und müssen die Rahmenbedingungen für die Landwirtinnen und Landwirte verbessern – auch damit der Berufsnachwuchs den Mut behält, weiterzumachen. Das steht für Joachim Rukwied und das gesamte DBV-Präsidium in den nächsten zwölf Monaten im Fokus, zumal sich danach das Zeitfenster für politische Veränderungen langsam schließt. Wir brauchen einen zügigen Abbau der aktuellen Überregulierung. Unsere Landwirtschaft muss im europäischen und internationalen Wettbewerb wieder bestehen können. Dazu gehören schnellere Genehmigungen und verlässliche Bedingungen für Investitionen. Wir werden unsere Rolle als Lösungsanbieter in diesem entscheidenden Jahr noch umfangreicher als bisher besetzen müssen und zwar auf …

Schweinehalter in Not

Es ist jetzt auch in den Medien angekommen, dass es den Schweinehaltern nicht gut geht. Der WDR berichtet darüber. https://www1.wdr.de/nrw/ostwestfalen-lippe/kreis-hoexter/schweinehalter-not-preise-100.html Zitat: „Die aktuelle Entwicklung sei aber mit früheren Krisen nicht mehr vergleichbar, so Tillmann. Denn die Kosten, gerade für Sauenhalter, seien massiv gestiegen. Ställe müssten umgebaut werden. Wer jetzt Investitionen über 20 Jahre abschreiben müsse, denke darüber nach, ob sich das lohne, erläutert der Landwirt im Gespräch. Und auch die Kosten für Futter, Energie und Löhne steigen. Unter dem Strich können viele Betriebe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.“ Trotz Grillsaison und Fußballweltmeisterschaft ist der Preis in den letzten Wochen immer weiter gesunken und liegt – wieder einmal – weit unter den Gestehungskosten. Wer Verluste macht, kann die immer neuen Anforderungen nicht umzusetzen. Dazu kommt, wie schon in früheren Artikeln dargestellt, dass der LEH beim Thema Tierwohl zurückrudert. Der Grund: der Verbraucher hält sich beim Kauf von Fleisch aus höheren Haltungsstufen wegen des höheren Preises zurück. Schließlich kann man dem Produkt nicht ansehen, wie es produziert wurde. Die Schweinehalter befinden sich in einer schwierigen Lage: wer in …

„Krieg auf dem Acker“

Die Überschrift habe ich nicht selbst gewählt sondern ist der Titel eines Beitrages des RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) . Es geht um den Preisanstieg bei Düngemitteln bei gleichzeitig niedrigen Erlösen für landwirtschaftliche Erzeugungen. Die EU-Kommission will Geld in die Hand nehmen, um die Landwirte beim Kauf von Dünger zu unterstützen. Für Deutschland sind 60 Mio € geplant, jedes Land kann aber aus seinem eigenen Etat aufstocken. Minister Rainer „will prüfen“, was in Deutschland möglich ist. Wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland rund 11 Mio Hektar Acker und 5 Mio ha Grünland haben (zusammen 16 Mio LN) sind 60 Mio  € nicht gerade viel. (3,75 €/ha) Damit rettet man keinen Betrieb, der ums Überleben kämpft. https://www.rnd.de/wirtschaft/krieg-auf-dem-acker-wie-die-duengerkrise-den-landwirten-das-leben-schwer-macht-TA2JEMKBONC5FFNIVTBINCMC4Y.html Der Grüne-Politiker Karl Bär ist ohnehin der Meinung, wir müssten weg vom Kunstdünger. Und jetzt meine Frage: was wäre eigentlich, wenn wir Landwirte für die nächste Anbausaison einfach nur die Hälfte des üblichen Mineraldüngers kaufen und einsetzen würden. Ist das vorstellbar? Ja, das würde bedeuten, dass wir weniger ernten. Aber wenn dadurch die Ware knapp und teurer würde, wäre es …

Zeit, einmal „Danke“ zu sagen….

Heute möchte ich mich mal bei einer ganz besonderen Person bedanken: meiner Frau. Wir sind (gestern) seit 40 Jahren verheiratet. Allein diese Tatsache ist schon etwas Besonderes, wenn man sich die Scheidungsrate in Deutschland ansieht. Seit fast 11 Jahren hat Sie mal mehr, mal weniger Verständnis dafür, dass ich den Blog betreibe, gleichzeitig auch noch bei Facebook, Instagram, Twitter und YouTube unterwegs bin. Sie ist kein Fan von „Bauer Willi“ weil sie merkt, dass mir manche Kommentare, auch noch den vielen Jahren, immer noch „unter die Haut“ gehen. Die sozialen Medien müsste man in den Fällen, wo es nur um persönliche Beleidigung geht, eigentlich „asoziale Medien“ nennen.. Sie fragt mich dann, warum ich mir das eigentlich noch antue. Sie achtet eben auch auf meine geistige Gesundheit. Auf meine körperliche sowieso. Diese Frage, warum ich es nach fast 11 Jahren immer noch mache, ist berechtigt. Schließlich investiere ich jeden Tag einen Teil meiner Zeit in dieses Engagement, die ich auch für die Familie nutzen könnte. Dafür, dass sie Verständnis dafür aufbringt, dass ich mein Ding mache …

Lebensmitteleinzelhandel: Was kümmert mich mein Geschwätz…

Es war zu erwarten: Wenn das Geld nicht mehr so locker sitzt, wird wieder billiger eingekauft. Das merkt auch der Lebensmitteleinzelhandel und bewirbt zunehmend Fleisch aus den Haltungsstufen 1 und 2. Vergessen sind die Beteuerungen, dass man bis zum Jahre 2030 nur noch Fleisch aus den Haltungsstufen 3 und 4 anbieten will. Wenn der Kunde nicht mitspielt, vergisst man halt man schnell seine großkotzigen Ankündigungen von gestern. Dazu schreibt top agrar einen ausführlichen Artikel https://www.topagrar.com/schwein/news/tierwohlfleisch-steigt-der-handel-aus-b-20027139.html Hier einige Zitate: „Immer deutlicher zeigt sich, dass der Lebensmitteleinzelhandel seine Strategie bzw. Ziele beim Thema Tierwohl korrigiert. Das Ziel „100 % HF 3 und 4 bis 2030“ ist längst nicht mehr bei allen in Stein gemeißelt. Und der LEH baut in Gesprächen mit der Wertschöpfungskette massiv Druck auf die vorgelagerten Stufen auf. Hintergrund dürfte sein, dass der Absatz von Fleisch aus höheren Haltungsstufen schlechter läuft als gedacht. Die Verbraucher kaufen angesichts der angespannten Lage der privaten Haushalte lieber preiswertes Fleisch. Zu beobachten ist auch, dass der Handel sich in seinen Tierwohlzielen nicht mehr einig zu sein scheint. Verschiedene Handelsunternehmen …

Bericht vom Feld 15.7.2026

Seit dem letzten Bericht hat sich viel getan. Ich berichte nur über die Region, die ich übersehen kann, oder was ich von Berufskollegen aus anderen Regionen gesagt bekomme. Gerne schreiben Sie in  die Kommentare über die aktuelle Situation bei Ihnen, dann aber bitte mit Ortsangabe oder Postleitzahl. Hier in der Region dürfte der Weizen zu 90% geerntet sein. Die Strohbergung ist auch in vollem Gange, so dass wir ein Bild haben wie im Herbst. Mit der Rapsernte haben wir gestern begonnen und wieder aufgehört. Das Rapsstroh ist noch zu grün und ein paar grüne Schoten sind auch noch zu finden. Ich habe gelernt dass man bei der Rapsernte nur einen Fehler machen kann: zu früh dreschen. (Weil dann die grünen Schoten nicht richtig ausgedroschen werden und der Ölgehalt niedriger ist) Wie sieht es mit den Erträgen aus? Wintergerste (wir selbst haben keine) soll gut bis sehr gut gewesen sein. Beim Weizen hatten wir eine Sorte mit einem guten Ertrag, aber niedrigem Proteingehalt (11,2 bis 11,6%) und eine zweite Sorte mit niedrigerem Ertrag, aber hohem Proteingehalt …