Monate: Januar 2026

Bürokratie, Ratten und das Seminar

Es ist zum verrückt werden: da redet Gott und die Welt und Alois Rainer (wer ihn nicht kennt: das ist unser Landwirtschaftsminister) über Bürokratieabbau und dann kommt zum 1. Januar wieder ein Bürokratiemonster um die Ecke: Landwirte sollen für das (chemische) Bekämpfen von Ratten und Mäusen zukünftig einen „Schein“ machen. Der normale Sachkundenachweis soll dafür nicht mehr ausreichen. Und welch ein Zufall: die Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft (DLG)  bietet gleich die passende Schulung an: https://www.dlg-akademie-agrar.de/de/veranstaltungen/schaedlingsbekaempfung Kosten: 450 €, Dauer 2 Tage Statt sich dafür einzusetzen, dass dieses weitere Bürokratiemonster abgeschafft wird, verdient diese landwirtschaftliche Organisation noch daran. Aber zur Sache: was ist neu (aus agrarheute) Dauer- und Permanentbeköderung verboten Einsatz nur nach vorheriger Befallsermittlung (Monitoring) Antikoagulanzien nur noch für geschulte, berufsmäßige Anwender Pflanzenschutz-Sachkunde künftig nicht mehr ausreichend (Übergangsfrist bis 28.07.2027) Einsatz nur zur akuten Bekämpfung (max. 1 Monat) Strengere Umweltauflagen: innerhalb von 5 m zu Gewässern nur in gesicherten Köderstationen Prävention gewinnt stark an Bedeutung Alternativen möglich (z. B. Cholecalciferol, Schlagfallen in Innenräumen) Was sind die Inhalte der zweitägigen Schulung (Zitat)  (ich kann nur noch mit …

„Bauern müssen sagen was sie wirklich wollen“

Die ganze Überschrift lautet: „Dagegen zu sein genügt nicht. Bauern müssen sagen, was sie wirklich wollen“. https://www.welt.de/wissenschaft/article69708ce5568b91954b0e9b30/landwirtschaft-dagegen-zu-sein-genuegt-nicht-bauern-muessen-sagen-was-sie-wirklich-wollen.html? Bevor jetzt das Journalisten-Bashing losgeht: Ich habe heute mit der Verfasserin Claudia Ehrenstein telefoniert. Es war ein sehr gutes Gespräch. Es geht ihr im Artikel unter anderem um eine Studie, die die Gründe für die Bauern-Proteste in vier europäischen Staaten untersucht hat und die zu dem Ergebnis kommt, dass die Gründe im Prinzip gleich, aber unterschiedlich gewichtet sind. Das ist wenig überraschend. Eventuell werde ich über die Studie noch berichten. Jetzt aber soll es um die Frage gehen, was „die Bauern wirklich wollen“. Ich weiß nicht, was „die Bauern“ wollen, habe ihr aber gesagt, was ich mir nicht nur wünsche, sondern was ich erwarte: ich erwarte, dass die Rahmenbedingungen für uns Bauern langfristig und verlässlich sind. Ständige Änderungen von Vorschriften verzerren den Wettbewerb, verursachen unnötige Kosten und fressen wertvolle Zeit. ich erwarte, dass die Marktgegebenheiten für unsere deutsche und europäische Landwirtschaft kalkulierbar werden, sind und bleiben. Wenn es z.B. überraschende Importe aus der Ukraine oder die Umgehung des …

Ein schwieriges Thema – und (fast) ein Tabu

Um was geht es? Es geht um Suizide (Selbstmorde) in der Landwirtschaft. Vor einiger Zeit habe ich darüber schon einmal berichtet. Keiner redet gerne davon und doch kennen viele im Verwandten- oder Bekanntenkreis jemanden, der mit diesem Schicksal in Berührung gekommen ist. Weil dieses Thema oft ein Tabu ist, will Madeleine, die ich vor ein paar Jahren kennengelernt habe, sich dieses Themas annehmen. Ich habe Sie gebeten, sich selbst vorzustellen und zu schreiben, was sie vorhat. Bitte lesen Sie den Brief aufmerksam durch und überlegen, ob Sie sie unterstützen können.  Aufruf: Geschichten von Betroffenen gesucht – Suizide in der Landwirtschaft Ich bin Journalistin und arbeite seit vielen Jahren zu gesellschaftlichen Themen, unter anderem für DIE ZEIT, das SZ Magazin, ARD und ARTE. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich erneut mit einem Thema, das mich nicht loslässt: der psychischen Belastung von Landwirtinnen und Landwirten – und den tragischen Folgen, die sie in manchen Fällen haben kann. Darüber habe ich bereits mehrere Reportagen geschrieben: https://www.zeit.de/2021/04/psychische-erkrankungen-bauern-depression-landwirtschaft-suizid https://www.welt.de/gesundheit/plus69158ff5c44f28b297ea4d09/suizid-unter-landwirten-wer-versorgt-jetzt-die-tiere-war-ihre-erste-frage.html Aktuell entwickle ich eine Dokumentation für das ARD-Format ARD Story. Darin …

Teure Lebensmittel – Verlogener Lebensmittelhandel

Lebensmittel sind teuer. Stimmt. Sie sind auch deshalb teuer, weil sich das Oligopol von Rewe, Edeka, Lidl, Aldi und ihren Tochtergesellschaften derzeit dumm und dusselig verdient. Die Preise für viele Rohstoffe sind in den letzten Wochen und Monaten nämlich enorm gefallen. Die stark gesunkenen Preise gibt der Lebensmittelhandel aber nicht oder nur in Trippelschritten an den Konsumenten weiter. Beispiel gefällig? Für Brotweizen bekommt der Landwirt aktuell nur knapp 16 € /100 kg. Es ist noch nicht lange her, da wurde dafür deutlich mehr als 20 € bezahlt. Der Preis für Schweinefleisch beträgt aktuell 1, 45 €/kg. Vor gut einem halben Jahr waren es noch über 2 €. Auch der Milchpreis ist auf Talfahrt. Wenn Milch billiger wird, müsste in der Folge auch die gesamte „Weiße Linie“ (Produkte aus Milch) ebenfalls billiger werden. Geradezu schamlos ist das Agieren bei Kakao und Schokolade: hier ist der Preis von Januar 2025 bis heute von rund 11.500 USD auf 5.000 USD gefallen. Die Schokolade bleibt aber nach wie vor teuer. https://www.finanzen.net/rohstoffe/kakaopreis Nicht von ungefähr ist daher die Schokolade von …

„ErlebnisBauernhof“ – für wen?

Der nachfolgende Text ist von der Facebook-Seite von „WIR vom Land“ geklaut. https://www.facebook.com/profile.php?id=61578847153179 Da ich in diesem Jahr nicht nach Berlin fahre, hier die Frage, ob ihr den Eindruck der Autoren teilt. Hier der Text: *ErlebnisBauernhof* Wenn Symbolik die Realität ersetzt Wer auf der derzeit laufenden INTERNATIONALEN GRÜNEN WOCHE 2026 die Halle 3.2 mit dem Titel ErlebnisBauernhof betritt, liest groß den Anspruch: 👉 „Nahrung sichern – Natur schützen“. Wer sich dann umschaut, erlebt jedoch eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zwei Traktoren. Keine relevanten landwirtschaftlichen Maschinen. Keine Exponate, die ernsthaft zeigen, wie Lebensmittel heute produziert werden. Kein Stallkonzept. Keine Technik zur Bodenbearbeitung. Keine Erntetechnik. Keine Lösungen für Tierhaltung, Pflanzenschutz, Wasser- oder Nährstoffmanagement. Stattdessen: Handelskonzerne, Lebensmittelindustrie, Verbände der Ernährungswirtschaft. Das ist kein Zufall. Es ist ein Symptom. Vom Bauernhof zur Schaufensterfläche Der sogenannte ErlebnisBauernhof ist kein Ort mehr, an dem Landwirtschaft erklärt wird, wie sie tatsächlich stattfindet. Er ist eine ideologisch weichgespülte Bühne, auf der über Landwirtschaft gesprochen wird – aber nicht mit ihr. Der Apfel wächst hier rhetorisch noch am Baum. Praktisch endet die …

Herr Grethe, Sie irren…

Wie angekündigt, werde ich ab sofort immer am Samstag einen Artikel bringen. Quasi als „Wort zum Sonntag“. 🙂   Und eventuell auch mittwochs. In der top agrar gibt es ein Interview mit Prof. Grethe, in dem er nach dem Erfolg bzw. Misserfolg von Borchert-Kommission, ZKL und anderen Initiativen zum Tierwohl gefragt wird. Er ist der Meinung, dass das Thema weiter wichtig bleibt. Ich bin da anderer Meinung. https://www.topagrar.com/schwein/news/stillstand-beim-tierwohl-ist-keine-option-20022255.html Über viele Jahre haben  sich Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft bemüht, das Thema Tierwohl eigenverantwortlich zu bearbeiten. Die ITW (Initiative Tierwohl) hat mehrere Haltungsformen beschrieben, deren Nomenklatur von 1 bis 5 heute auf fast jedem Stück Fleisch und  Wurst zu finden ist. Es gibt kaum einen Verbraucher, der diese Nomenklatur nicht schon mal gesehen hat. Die frühere Bundesregierung hat zusätzlich mit dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz ein staatliches Siegel für Schweinefleisch eingeführt, das im Wesentlichen dem der ITW entspricht. Bis heute ist davon aber nichts im Markt zu sehen,weil sein Inkrafttreten auf 2027 verschoben wurden. Zuviele Fragen in der Umsetzung sind bisher einfach offen geblieben.  Meiner Meinung nach kann es weg, es braucht …

Der SPD-Deutschland-Korb

Wenn Sozi´s in den Markt eingreifen wollen: Wie kann man nur auf so eine Idee wie den „Deutschland-Korb“ kommen. (Ok, ich kenne auch ein paar wenige vernünftige SPD-Wähler) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/spd-vorschlag-lebensmittelpreise-deutschland-100.html Was steckt dahinter? Zitat: „Bei der Idee des „Deutschland-Korbs“ ist Griechenland Vorreiter. Im November 2022 wurde ein „Haushaltskorb“ als Reaktion auf die hohe Inflation in dem Land eingeführt. Supermärkte müssen ab einer bestimmten Umsatzgröße wöchentlich ihre Preise für 51 Produktkategorien auf einer staatlichen Plattform veröffentlichen. So können Verbraucherinnen und Verbraucher vergleichen. Der Deutschland-Korb – ein freiwilliges Tool, mit dem so ganz nebenbei auch noch konsequenter gegen versteckte Preiserhöhungen vorgegangen werden soll. Das würde dann allerdings der Staat übernehmen.“ Logisch, dass die „Big Four“ des Lebensmitteleinzelhandels dagegen Sturm laufen. Und wenn „der Staat“ meint, er könnte in die Preisbildung des LEH eingreifen, dann glaubt er auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Ja, ich weiß, ich wollte etwas kürzer treten, aber das mit dem Korb ist nun doch wirklich Blödsinn…oder etwa nicht?    

Das Wort zum Sonntag…

Die Reaktionen auf meinen Artikel von Montag hatte ich so nicht erwartet. Zum einen, weil diese durchweg positiv waren (was mich gefreut hat), zum anderen, weil er als eine Art „Abschiedsbrief“ interpretiert wurde. Wie im Text beschrieben, werde ich kürzer treten,“einen Gang runterschalten“ aber nicht „den Mund halten“. Alle, die das erwartet hatten, muss ich enttäuschen. 🙂 Damit eine gewisse Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit in die Texte kommt, habe ich geplant, jeweils am Samstag einen Text zu veröffentlichen, der dann am Sonntag und nachfolgenden Tagen kommentiert werden kann. Wenn es genügend Material gibt, werde ich zusätzlich mittwochs einen weiteren Text zur Diskussion stellen. Damit bleibt der Blog (hoffentlich) lebendig. Und wenn es dann noch etwas ganz Wichtiges sein sollte, erlaube ich mir, mich dazwischen auch noch zu Wort zu melden. Aber es soll ja nicht in Arbeit ausarten… 🙂 Wenn Ihnen als Leser interessante Themen auffallen, die Sie gerne diskutiert haben wollen, können Sie dies hier in den Kommentaren tun oder per Mail an willi@bauerwilli.com. Aktuell bin ich unterwegs nach Raisting am Ammersee. Vergangene Woche war …

Elf Jahre Bauer Willi – Zeit, einen Gang runterzuschalten

Am nachfolgenden Text habe ich seit langem gearbeitet. Ich habe ihn immer wieder umformuliert, Zeilen gestrichen, andere ergänzt. Vermutlich ist er immer noch nicht ganz fertig, aber er muss jetzt raus.  Liebe Freunde, Wegbegleiter und treue Leser, alles hat seine Zeit. Am 12. Januar 2015, also vor genau elf Jahren habe ich den ersten Beitrag auf diesem Blog veröffentlicht. Mein Ziel war es immer, Brücken zu bauen – zwischen der Landwirtschaft und den Verbrauchern, zwischen Stall und Supermarkt. Nach über einem Jahrzehnt intensiver Debatten und wunderbarer Begegnungen habe ich mich entschlossen, das Projekt „Bauer Willi“ in seiner bisherigen Form nicht weiterzuführen. Elf Jahre sind in der digitalen Welt eine Ewigkeit, und ich merke, dass es Zeit ist, einen Gang runterzuschalten. Ein Rückblick voller Dankbarkeit Wenn ich heute zurückblicke, bin ich stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Der Blog und seine vielen Kommentatoren haben der Landwirtschaft ein Gesicht und eine Stimme gegeben und hitzige Debatten durch echte Einblicke geerdet. Dass heute etwas anders über die Arbeit auf dem Acker und im Stall gesprochen wird, …

Mercosur…Merz…Mist…

Nach 25 Jahren Verhandlung wurde das Mercosur–Abkommen von seiten der EU-Kommission verabschiedet. Das EU-Parlament muss noch zustimmen. Deutschland hat dem Abkommen zugestimmt, Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich und Irland votierten dagegen.  Damit es wirksam wird, muss das EU-Parlament es noch absegnen. https://www.deutschlandfunk.de/eu-staaten-billigen-mercosur-abkommen-unterzeichnung-steht-bevor-100.html Bundeskanzler Merz begrüsst, dass das Abkommen nun unterzeichnet werden kann. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressemitteilungen/bundeskanzler-merz-zur-einigung-zum-eu-mercosur-abkommen-2402138 Mit keinem Wort erwähnt er, dass die Landwirte aus ganz Europa vehement protestiert haben. Er verhält sich wie die ehemalige Kanzlerin Merkel: beide hatten und haben für diese Branche nichts übrig. Was bei Merz jedoch hinzukommt: er macht sich nicht einmal die Mühe, die Kritik der Landwirtschaft aufzunehmen und zu erklären, warum er trotzdem für Mercosur gestimmt hat. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Länder wie Frankreich, Polen oder auch Österreich dagegen votiert haben. Diesen Regierungen sind ihre Landwirte noch etwas wert. Zugegeben: die französischen Bauern haben radikaler demonstriert, wenn man das Abkippen von Mist denn als radikal bezeichnen will. In Deutschland haben die Bauern offensichtlich inzwischen resigniert. Es waren nur noch wenige am 8. Januar auf der Strasse. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/mercosur-kompromiss-warum-immer-noch-bauern-protestieren,mercosur-136.html Von Seiten …