Monate: Juli 2018

Bio-Futter knapp – und nun?

Ich habe in den vergangenen Tagen versucht, herauszufinden, was Bio-Bauern tun können, die durch die Trockenheit zu wenig eigenes Futter haben. Dazu habe ich in der Bioland-Zentrale nachgefragt und man hat mir einen Rückruf versprochen. Der kam aber nicht und so habe ich es einen Tag später wieder versucht. Diesmal hat man mich an die Bioland-Hotline verwiesen. Die hatten von dem Problem schon gehört, aber Anweisung gegeben, Nachfragen an die zuständige Behörde (in NRW das LANUV) weiterzuleiten. Auf deren Seite habe ich dann nach dem passenden Ansprechpartner gesucht aber nicht gefunden. Alois ist ja Bio-Bauer bei Naturland und hat es zweimal bei seinem Berater versucht. Auch ihm wurde jedes Mal ein Rückruf zugesagt, der aber nie kam. Um in der Sache weiterzukommen, habe die es dann beim BÖLW (Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft) versucht. Die Antwort: „wenn andere Bio-Bauern nichts mehr haben, darf man auch Raufutter aus Umstellungsbetrieben nehmen. Aber nur nach Antrag bei der zuständigen Behörde“. Wer die ist, konnte man mir nicht sagen, aber ich solle es doch bei der Landwirtschaftskammer versuchen. Das habe ich dann gemacht. Auf dem …

Nationale Katastrophe…

Pommes werden vermutlich teurer und auch kürzer. Erste Auswirkungen der Dürre. Und alle berichten. Doch es wird nicht bei Preiserhöhungen für Kartoffeln bleiben, Auch Futter für die Viehhalter wird teurer. Aber darüber berichtet kaum einer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/duerre-in-deutschland-uebergrosse-kartoffeln-fuer-pommes-werden-knapp-a-1220669.html https://www.zdf.de/nachrichten/heute/duerre-trifft-kartoffeln-pommes-koennten-teurer-werden-100.html https://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_84189604/schlechte-kartoffelernte-wegen-duerre-pommes-werden-vermutlich-teurer.html https://www.stern.de/panorama/schlechte-kartoffelernte-wegen-duerre—pommes-teurer–8189584.html https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ernteausfaelle-pommes-koennen-teurer-werden-und-kuerzer-1.4073800 https://weather.com/de-DE/wetter/deutschland/video/focusonl-kartoffeln-duerre-pommes https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Pommes-koennten-teurer-und-kuerzer-werden/-/id=47428/did=4811422/5htvrh/index.html Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den unzähligen Meldungen. Wer sich über die aktuelle Preisentwicklung bei Kartoffeln informieren möchte, dem sei diese Seite empfohlen. https://www.kaack-terminhandel.de/de/eex-kartoffeln.html Die Preisentwicklung bei Weizen findet ihr hier: https://www.kaack-terminhandel.de/de/matif-weizen.html Das sind aber Börsenpreise und nicht das, was der Bauer für seine Produkte bekommt. Die liegen niedriger, weil Erfassung und Lagerung auch noch bezahlt werden müssen. Wenn ihr mich fragt (mich fragt aber keiner): Da für die nächsten 2 Wochen keine grundlegende Wetteränderung angesagt ist, wird sich der Preistrend nach oben fortsetzen. Davon profitiert aber nur der, der auch was zu verkaufen hat. Eine gewisse Menge haben wir Landwirte schon vor Monaten in Kontrakten zu wesentlich niedrigeren Preisen abgesichert. Ich auch. Da bleibt nur noch eine kleine Menge, die ich jetzt verkaufen kann. Mist, wird wieder nix mit dem …

Den Zusammenhang herstellen

Mittlerweile ist der Ausdruck des „Bedauerns“ über den Rückgang der Biodiversität in den Medien zum täglichen Ritual geworden. Meist werden in Richtung intensiver Landwirtschaft auch die Ursachen dafür verortet und „Gegenmaßnahmen“ lautstark von Politik, NGO’s und auch LEH gefordert. Ganz besonders scheinheilig wird es, wenn LEH und NGO’s  Partnerschaften schließen, um mit Spenden und gutem (Geschäfts-)Willen zu retten, was die böse, moderne Landwirtschaft da scheinbar angerichtet hat. Doch so einseitig ist die Sache nicht. Es gibt einen logischen Zusammenhang zwischen den „marktwirtschaftlichen Forderungen“ von Handel und Verarbeitern und der Intensivierung der modernen Landwirtschaft. Wie bei jedem guten Krimi sollten wir die Fragen nach dem Motiv stellen: Warum wird intensiviert und wer fordert dies? Die Antwort macht ganz schnell klar, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Normen unserer „Leistungsgesellschaft“ die Motive sind und dass zwei potente Auftraggeber hinter dieser Intensivierung der Landwirtschaft stecken: Wirtschaftlichkeit = Handel Konsum, Wohlstand = Gesellschaft, Verbraucher und Politik „Bezahlbare Lebensmittel“ hat jede unserer politischen Parteien im Programm. Nicht zuletzt deshalb, damit mehr Geld für Konsum und Wohlstand übrig bleibt bzw. auch ärmere Bevölkerungsschichten mit …

Rettung als Geschäftsmodell – Scheinheilige Konsumwelt

Die Krefelder Insektenstudie hat jetzt auch den Lebensmitteleinzelhandel kreativ werden lassen. Diese Gelegenheit zum Greenwashing kann man sich doch nicht entgehen lassen. Hier die Bienenrettung von EDEKA https://www.edeka.de/minden-hannover/unsere-region/die-region-minden-hannover/bienenaktion/wildbienenschutz.jsp Da steht dann auch zu lesen, dass „die Landschaft beispielsweise durch Monokulturen, … häufiges Mähen und den Einsatz von Pestiziden zunehmend unbrauchbar wird.“ Da darf REWE natürlich nicht hinten anstehen. Das Titelbild stammt aus der Zeitschrift Stern und ist ganzseitig aufgemacht. REWE selbst hat nichts gemacht, das waren die Landwirte! Also die, die mit Hut und Mistgabel abgebildet sind (Kasten rechts). Und der NABU ist natürlich auch dabei. https://www.rewe-group.com/de/newsroom/pressemitteilungen/1638-schutz-der-artenvielfalt-ein-jahrzehnt-engagement-der-rewe-group/ ALDI Süd bietet dann auch gleich ein Insektenhotel an, dass von Fachleuten allerdings als relativ unbrauchbar abgewertet wird. https://www.aldi-sued.de/de/angebote/angebote-von-mo-75/detailseite-kw19-mo07052018/ps/p/gardenline-bienen-und-insektenhotel-07052018/ Aber es gibt auch eine spezielle Aktion von ALDI: https://www.mehr-als-honig.de/     Auf der Seite ist dann auch zu lesen: „Ohne Bienen fällt 1/3 unserer Nahrung weg!“ Und das Aldi sein Gelände mit bienenfreundlichen Pflanzen aufhübscht. Mag ja sein, aber das habe ich noch nirgends gesehen. LIDL ergeht es nicht viel besser. Hier wird beschrieben, warum das Insektenhotel von diesem Discounter auch nicht …

Gewürzgurken aus Indien…saisonal, regional, …egal

Gewürzgurken aus Indien kauft wahrscheinlich keiner bewusst. Gibt es aber bei LIDL im Onlineshop und auch in der Filiale, und da werden sie dann doch gekauft. Hier der Beweis: https://www.lidl.de/de/freshona-cornichons-premium-scharf-wuerzig/p211056 Da frische Gurken nicht transportfähig sind, werden diese in Indien in die Gläser verpackt und mitsamt dem Wasser nach Deutschland transportiert. Die Gurken selbst enthalten zwischen 94 und 96% Wasser… Übrigens ist bei uns gerade Gurkenzeit. Das Einlegen ist relativ einfach. Und statt 95 Cent für 160 g sind heimische Einlegegurken auch preiswerter und regional. Und saisonal. Das wollt ihr doch. Die Gewürzmischung für mehrere Gläser gibt es für ein paar Cent fertig zu kaufen. Nur so mal als Tipp für die Sommerzeit… Euer Bauer Willi Bildquelle: www.lidl.de 0

Wasch mich, aber mach mich nicht nass…

…so oder ähnlich verhalten sich die Abnehmer, also Weiterverarbeitung und Handel beim Thema Ferkelkastration. Und nicht nur die: auch die politischen Entscheidungsträger sind auf Tauchstation gegangen. Kein Wunder bei dem heißen Wetter. Nadine Henke von Brokser Sauen hat die „Player“ in der Fleischszene befragt und zum Teil auch Antworten bekommen. Ihr Fazit: „Ich bin nicht schlauer als vorher“. Hier ihr Text, den sie am 24.7.2018 veröffentlicht hat. https://broksersauen.wordpress.com/2018/07/24/quo-vadis-ferkelkastration/ 0

Es tut so gut…

…wenn man auf Verständnis trifft. Frau Isabell Prophet hat einen Brief geschrieben, der nicht nur im landwirtschaftlichen Bereich große Beachtung gefunden hat. Wer ihn nicht kennt, hier der Link: http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Stullen-fuer-die-Landwirte Ich wollte wissen, welcher Mensch hinter diesem Brief steckt und habe nachgefragt. Und habe dabei auch viele gute Hinweise bekommen, wie ich/wir reagieren sollten/könnten/müssten. Liebe Frau Prophet, Sie sind Journalistin und Buchautorin und haben einen Brief geschrieben, der im Netz viel beachtet und gerade von Bauern sehr begrüßt wurde. Was hat Sie dazu veranlasst, diese Zeilen zuschreiben? Haben Sie eventuell sogar einen landwirtschaftlichen Hintergrund? Isabell Prophet: Ich komme aus einer Kleinstadt, aus Celle in Niedersachsen. Einen landwirtschaftlichen Hintergrund habe ich nicht, aber seit ich ein kleines Kind bin, laufe ich zwischen Feldern hindurch, verstecke mich im Mais oder bestaune die Traktoren. Natürlich fällt ein Dürrejahr dann auf. Als ich kürzlich meine Heimat besuchte, fand ich eingerollte Maisblätter vor und kümmerliche Ähren. So ist mir bewusst geworden, wie schlimm es teilweise um die Ernte steht. Ich habe dann ein wenig recherchiert – und bin auf einen Zeitungsartikel …

Neue Züchtungsmethoden

Morgen wird bei der EU über die Bewertung der neuen Züchtungstechniken entschieden. Zum Thema GVO habe ich eine interessante Grafik gefunden. Dargestellt ist die Zahl der Toten durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln nach Ländern weltweit. 0

Agrar-Gipfel zur Dürre – das wär doch was!

Die AbL hat aktuell eine Pressemeldung herausgebracht, die ich persönlich für einen sehr guten Vorschlag halte, zumal nahezu alle bedeutsamen Aspekte Berücksichtigung finden. Jetzt sollte es keine Rolle spielen, wer die Idee zuerst hatte, denn es betrifft alle, die ihre „Werkstatt in der Natur“ haben. Hier der Text in vollem Wortlaut: Nicht Hilferufe nach staatlichen Geldern, sondern alle Marktpartner und Politik sollen Verantwortung übernehmen Der Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL e.V.) fordert Agrarministerin Julia Klöckner auf, sehr zeitnah einen Agrargipfel der gesamten Agrar- und Ernährungsbranche einzuberufen, von den Bauern über die Verarbeiter bis zum Handel. Alle Akteure sollen gemeinsam rasche, unbürokratische Hilfsmaßnahmen auch jenseits finanzieller Unterstützung diskutieren und beschließen. „In dieser prekären Situation vieler dürregeschädigter Höfe müssen die Marktpartner der Landwirtschaft wie Molkereien, Schlachthöfe und Getreidehandel, aber auch wir Bauern, Verantwortung übernehmen. Eine existenzbedrohliche Krise kann nur gemildert werden, durch eine schnelle und faire Anhebung der Erzeugerpreise“, so Martin Schulz, Bauer aus dem Wendland und Ottmar Ilchmann, Bauer aus Ostfriesland in einer Stellungnahme. Die AbL-Sprecher weiter: „Wir Bauern werden mit der schwierigen Situation allein …