Monate: Februar 2018

„Der Wahnsinn mit dem Weizen“

Das ist der Titel der Sendung ZDF Zoom, der heute, Mittwoch, um 22:45 Uhr ausgestrahlt wird, aber laut Ankündigung schon ab 16.00 Uhr online verfügbar sein wird. Im Sommer war die Journalistin Katarina Schickling einen ganzen Tag mit einem Filmteam bei mir auf dem Hof. Rund eine Stunde Filmmaterial mit interessanten Fragen sind da zusammengekommen. Wie ich von Frau Schickling erfahren habe, werden davon knapp drei Minuten verwendet. Was davon in welchem Zusammenhang gebracht wird, konnte ich nicht erfahren. Also bin ich genau so gespannt wie ihr. Bei dem Titel ahne ich aber schon, in welche Richtung der Film abzielt. Hier die Vorankündigung. https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-der-wahnsinn-mit-dem-weizen-100.html https://www.fernsehserien.de/zdfzoom/sendetermine/zdf/28.02.2018-22:45-Uhr Übrigens schreibe ich gerade wieder an einem Text für ein Erdkunde-Schulbuch des Westermann-Verlages mit. Nach Weizen ist jetzt die Milch dran und wieder geht es auch um Afrika und die EU. Auch zur Milch und Afrika hat Frau Schickling für ZDF Zoom einen Film gedreht. https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/der-irrsinn-mit-der-milch-100.html Egal, was bei der Sendung oder dem Erdkunde-Buch nachher veröffentlicht: ich bin ich jedenfalls froh, dass ein Bauer mitwirken kann und gefragt wird. Oder wie seht ihr das? …

Wie viel Frost verträgt…

…Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und Winterraps? Das ist wohl die Frage, die die Bauern in fast ganz Europa derzeit am meisten umtreibt. In vielen Regionen liegt kein Schnee, der die Kulturen vor Frost schützen würde. Es kommt also zu sogenannten „Kahlfrösten“. Der Frost kann ohne Schnee“decke“ folglich ungehindert in den Boden eindringen. Dazu kommt noch der starke Ostwind und der intensive Sonnenschein, der die Blätter zusätzlich austrocknen lässt. Die Pflanze kann ja von unten kein Wasser bekommen, weil dieses gefroren ist. Schlimmer noch wären allerdings Wechselfröste, also ein Wechsel zwischen Frost und Auftauen des Bodens. Dann können durch den physikalischen Effekt des Anhebens des Bodens die Wurzeln abreißen. Da in Norddeutschland im Herbst kaum Wintergetreide gesät wurde, ist der Markt für Saatgut von Sommergetreide so ziemlich „leergefegt“. Da die starken Fröste nicht nur in Deutschland sondern auch weite Teile Europas erfasst haben, (auch in Russland liegt wohl wenig Schnee) warten jetzt alle Landwirte gebannt auf das Ende der Frostperiode, die für das Wochenende angesagt ist. Es bringt nicht viel jetzt zu spekulieren, wie viel Frost die Pflanzen vertragen, denn …

Der Narrenfreiheit ein Ende setzen

Wer kontrolliert die unberührbaren, unfehlbaren, unantastbaren, ungewählten Hypermoralisten? Diese Frage hat sich Bauer Fritz gestellt. Und haut ganz schön „auf die Sahne“. Die jüngst aufgedeckten Vorkommnisse rund um Sexskandale bei der NGO Oxfam böten einmal mehr eine Chance für einen kritischen Journalismus oder Qualitätszeitungen die sich diese Prädikate nicht einfach selbst zuschreiben, sondern es sich Tag für Tag verdienen Es gibt wohl keinen anderen Bereich mehr im wirtschaftlichen oder politischen Leben, wo die Akteure und Aktionen so völlig unhinterfragt und sakrosankt dargestellt werden wie bei NGO´s. Den Unhinterfragen der Medienwelt und Lieblingen der „sozialen“ Medien wird seit Jahrzehnten eine Narrenfreiheit zugestanden, die ihresgleichen sucht. Diese Unantastbarkeit zeitigt immer schlimmere Auswüchse. Egal ob Sexskandale, Kooperation mit Schleppern, Ablaßzahlungsdeals mit Konzernen, Ausbeutung von Freiwilligen oder aber Spitzengagen in den oberen Etagen, Korruptionsvorwürfe, Spendenmißbräuche, vorsätzliche Falschmeldungen und Fake-Studien etc. , der Teflonschutz der Scheinheiligkeit, die Strahlkraft der vorgeblichen Uneigennützigkeit, nichts kann das Naheverhältnis zur veröffentlichten Meinung trüben. Beim Aufflackern von kleinsten Brandherden wird sehr rasch der mediale Schutzmantel darüber geworfen, indem schon binnen Tagesfrist das Thema auf nachrangigen …

Winterarbeit…

Es ist mächtig kalt geworden. Am Samstag habe ich mit unserem Sohn noch draußen mit der Motorsäge gearbeitet. Von der Strasse war ein morscher Baum in unser Feld gekippt und den können/müssen wir jetzt selbst zerlegen. Aber was macht man sonst, wenn im Feld nichts zu tun ist? Am Freitag habe ich den Antrag auf Steuerentlastung für land- und forstwirtschaftliche Betriebe (auch Dieselrückvergütung genannt) gestellt. Also alle Belege raussuchen, noch mal nachschauen, wie die Agrardieselnummer lautet (vergesse ich immer) und schon kann es losgehen. Nach zwei Stunden bin ich schon fertig. Letztes Jahr hatte ich einen Fehler gemacht und musste eine Änderung nachreichen. Wir haben nämlich einen kleinen Wald von ein paar hundert Quadratmeter gekauft und den hatte ich nicht angegeben. Ich brauche da keine landwirtschaftliche Maschinen, verbrauche da also auch keinen Diesel. Aber Ordnung muss sein und argumentieren bringt nichts. Hoffentlich ist diesmal alles richtig… http://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steuern/Verbrauchsteuern/Energie/Steuerbeguenstigung/Steuerentlastung/Betriebe-Land-Forstwirtschaft/Antragsverfahren/antragsverfahren_node.html Dann war ich noch bei der Versammlung unserer Genossenschaft, um mich unter anderem über die neue Düngeverordnung zu informieren. Im Titelbild seht ihr einen kleinen Ausschnitt von einer …

Recht-Sprechung

Nein, ich bin kein Jurist. Ich habe die Kommentare zum Freispruch der Tierschützer gelesen und nicht nur mir sind da einige Gedanken durch den Kopf gegangen, weil sich an diesem Thema sehr gut festmachen lässt, das dabei auf verschiedenen Ebenen gedacht und argumentiert wird. Da ist der Jurist, der streng nach Vorschrift überprüft, ab es eine Schuld, ein Vergehen gibt, das es zu ahnden gilt. Im Falle der Tierschützer hat das Oberlandesgericht dies in zweiter Instanz abgelehnt und den Einstieg in den Stall nicht als Einbruch gewertet und die Tierschützer freigesprochen. Der Richter hat sachlich erläutert, wie er zu dieser Entscheidung gekommen ist. Er ist der Jurist. Auf der anderen Seite sind die Landwirte, die diese Entscheidung für untragbar halten. Es macht sich ein Gefühl von Hilflosigkeit, ja auch von Zorn breit. „Sind wir denn jetzt auf unseren Höfen vor nichts mehr sicher, fällt uns jetzt auch noch der Staat in den Rücken, was sind Gesetze heute noch wert? Fallen wir nicht zurück in die längst vergangenen Zeiten der Selbstjustiz?“ Hilflosigkeit, Zorn und Wut sind …

Hilfreicher Frost

Im Video, aufgenommen am 18. Februar, sieht man unseren Weizen. Gesät wurde der in Mulchsaat nach Kartoffeln und nach Zuckerrüben. Weil die Erntereste (Kartoffelkraut, Rübenblatt) auf dem Acker verblieben sind, sieht es zwar etwas „unordentlich“ aus, aber für die Bodenlebewesen ist das besser, als wenn wir die durch Pflügen vergraben hätten. Die Regenwürmer werden die Erntereste im Verlauf des Jahres in den Boden ziehen und zu Humus umarbeiten. Die Nachtfröste führen zu einer guten „Frostgare“. Die kommt dadurch zustande, dass der Frost das Wasser im Boden gefrieren lässt und durch die Ausdehnung die Erdpartikel quasi „sprengt“. Wenn vom Weizen jetzt ein paar Blätter abfrieren ist das nicht schlimm. Im Gegenteil: eventueller Pilzbefall aus dem Herbst wird so auch reduziert. Solange der Vegetationskegel keinen Frost abbekommt, werden sich die Pflanzen im Frühjahr schnell wieder erholen. Nachtrag vom 24.2.: Mittlerweile wird mir schon etwas ängstlich ums Herz. Die niedrigen Nachttemperaturen und der strahlende Sonnenschein tagsüber trocknen die Pflanzen jetzt aus, weil sie aufgrund des Frostes kein Wasser nachziehen können. Hoffen wir, dass es gut geht. Aber das …

Die Pestizid-Lüge (Buchbesprechung)

Ich habe von einer guten Freundin unserer Familie das Buch mit obigem Titel (erschienen 2018 im Oekom-Verlag)  zugeschickt bekommen mit der Bitte, meine Meinung dazu zu sagen. Hier meine Antwort: Liebe C. Vielen Dank für das Lügen-Buch, das Du mir geschickt hast. Und da fängt es schon an: Immer wenn ich so was im Titel lese (gibt ja auch Bücher mit Fleisch-Lüge, Zucker-Lüge usw.) reagiere ich generell kritisch. Der Verfasser Andre Leu war Präsident der ökologischen Landbaubewegung.  Renate Künast und Vandana Shiva (ich kenne beide persönlich), beide vehemente Agrar-Kritikerinnen, haben ein Vorwort geschrieben. Von daher ist das Buch schon mal sehr neutral (Vorsicht: Ironie) Was steht drin: Chemikalien sind gefährlich. Keine wirklich neue Erkenntnis. Es wird kein Unterschied gemacht zwischen Gefahr (Haie sind gefährlich) und Risiko (in der Nordsee kann man bedenkenlos baden, obwohl es dort Haie gibt). Da Pestizide (im Buch auch Agrargifte genannt) Chemikalien sind, sind sie auch gefährlich. Nicht aber Pestizide, die im Bio-Anbau verwendet werden, die sind ungefährlich. (Kupfer ist ein Schwermetall, also ungiftig??) Pyrethrum (Bio) ist ungiftig, nicht aber, wenn es synthetisch hergestellt …

Freispruch

Gestern hat das Oberlandesgericht in 2. Instanz den Freispruch von drei Tierschützern bestätigt, die 2013 in einen Stall einbrochen waren. Bemerkenswert ist die Begründung des Richters und die Reaktion der politischen Parteien. http://www.radio912.de/infos/aus-aller-welt/brennpunkte/art205,1562444 0

Ein wunderschöner Morgen…

Bin heute morgen mal wieder zu den Schafen gefahren. Ein friedliches Bild, ich könnte stundenlang daneben stehen und ihnen zusehen. Die denken nicht an Politik, sehen keine Nachrichten, haben keine Uhr und müssen nirgendwo hin. Und die ersten Vögel singen auch schon. Einfach herrlich. Ich habe wirklich einen schönen Beruf… Euer Bauer Willi 0

Die andere Meinung: Agrarwende und EU-Außenschutz

Wir haben in den letzten Tagen einige Beiträge erhalten, in denen Leser unseres Blogs ihre persönliche Meinung zu Dingen rund um Landwirtschaft und Gesellschaft äußern. Diese Beiträge wollen wir in loser Reihenfolge unter der Rubrik „Die andere Meinung“ veröffentlichen. Und wie heißt es so schön im Presse-Deutsch: „Der Text gibt nicht immer die Meinung der Redaktion wieder“. Er soll aber zur Diskussion anregen. Diesmal hat Eckehard Niemann uns seine Meinung zur Agrarwende, einen EU-Aussenschutz und Drittlandsimporte mitgeteilt. Wie ist eure Meinung?   In Deutschland und in der EU stehen in den nächsten Jahren gravierende Veränderungen der Landwirtschaft an: im Umwelt-, Natur- und Tierschutz – und unbedingt gleichzeitig Maßnahmen zur Sicherung bäuerlich-mittelständischer Agrarstrukturen, Maßnahmen zum Abbau von Überschuss-Erzeugung und Maßnahmen für politisch abgesicherte faire Erzeugerpreise und Einkommen. Hauptinstrumente zur Umsetzung sind (neben anderen): – Mengenregulierungs-Programme (mit Anreiz-Prämien und politischer Absicherung) zur rechtzeitigen Verhinderung von Überschuss-Produktions-Krisen (zumindest teilweise schon einmal umgesetzt durch – halbherzige und zu späte – EU-Programme zur Beendigung der Milchüberschuss-Krise), – EU-weite ordnungsrechtliche (gesetzliche) Tierschutz-, Natur- und Umwelt- Maßnahmen zur Erzeugung von Klasse statt Masse …