Bauer Willi
Kommentare 46

Wie viel Frost verträgt…

…Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und Winterraps? Das ist wohl die Frage, die die Bauern in fast ganz Europa derzeit am meisten umtreibt. In vielen Regionen liegt kein Schnee, der die Kulturen vor Frost schützen würde. Es kommt also zu sogenannten „Kahlfrösten“. Der Frost kann ohne Schnee“decke“ folglich ungehindert in den Boden eindringen. Dazu kommt noch der starke Ostwind und der intensive Sonnenschein, der die Blätter zusätzlich austrocknen lässt. Die Pflanze kann ja von unten kein Wasser bekommen, weil dieses gefroren ist. Schlimmer noch wären allerdings Wechselfröste, also ein Wechsel zwischen Frost und Auftauen des Bodens. Dann können durch den physikalischen Effekt des Anhebens des Bodens die Wurzeln abreißen.

Da in Norddeutschland im Herbst kaum Wintergetreide gesät wurde, ist der Markt für Saatgut von Sommergetreide so ziemlich „leergefegt“. Da die starken Fröste nicht nur in Deutschland sondern auch weite Teile Europas erfasst haben, (auch in Russland liegt wohl wenig Schnee) warten jetzt alle Landwirte gebannt auf das Ende der Frostperiode, die für das Wochenende angesagt ist.

Es bringt nicht viel jetzt zu spekulieren, wie viel Frost die Pflanzen vertragen, denn das hängt neben der örtlichen Temperatur auch von der Bodenart, der Sorte, dem Wassergehalt des Bodens und vielen weiteren Faktoren ab. Ich habe schon mal überlegt, ein paar Pflanzen auszugraben und ins Haus zu holen. Aber das ist zum einen kaum möglich, zum anderen wäre der schnelle Temperaturwechsel auch nicht realistisch. Beibt also nur die Hoffnung, das wir mit einem blauen Auge davonkommen. Bisher war bei uns im Rheinland die tiefste Temperatur – 8 Grad, aber beim Alois im Allgäu ging das Thermometer bis -19 Grad zurück.

Insektensterben

Einen positiven Effekt könnte der Frost auf Schädlinge und Krankheiten haben. Insekten wie z.B. Blattläuse bzw. deren Larven könnten den Frost nicht überleben. Es käme zu einem Insektensterben, aber das will ja auch keiner…So ein Mist aber auch.

Wollte ich euch nur mal erzählen, damit ihr wisst, was für uns Bauern gerade aktuell ist.

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 1.185 gesamt, 1 heute)

46 Kommentare

  1. Hans-Günter Felser sagt

    Ach, Bauer Willi, für das Insektensterben braucht es heutzutage keinen Frost mehr. Da gibt es überall auf der Welt Super-„Spezialisten“, die sorgen schon dafür, dass aber auch gar nichts mehr aufkommt. Nach den Insekten kommen die Vögel und Amphibien, auch die Fische. Kein Feldhase oder kein Feldhuhn kann noch überleben, der Feldhamster ist ausgestorben z.B. in NRW (Wo sollte er auch noch leben können?) Die Greifvögel sitzen derzeit an und suchen und suchen – die fallen bald alle von der Stange – da ist nichts mehr! Wo noch ein Maulwurf überlebt hat, sinniert der stolze Landwirt, wie er dem den Garaus machen kann. Und das (!) liegt nicht am Frost!

    0
    • Bauer Willi sagt

      Das mag ja in Jülich so sein. Hier, in der Nähe von Köln kann ich das nicht feststellen. Greifvögel ohne Ende, Fledermäuse auch, Fischreiher nicht zu vergessen und Wanderfalken brüten bei uns jedes Jahr. Und ich sinniere nicht über die Vernichtung der Maulwürfe sondern freue mich, weil sie mir anzeigen, dass mein Boden intakt ist. Bei uns hat es diese Nacht geschneit und ich sehe überall die Fährten der Feldhasen.
      Gerade höre ich im Büro die Eichhörnchen, die unter unserem Dach ihren Kobel eingerichtet haben…
      Bauer Willi

      0
    • Brötchen sagt

      Goggeln sie mal nach Feldhamster Bericht zum Status des Feldhamsters (Cricetus cricetus) – Bundesamt für Naturschutz
      PDF https://www.bfn.de › skripten › skript385

      Wen man sich die Karten ansieht, gibt es ein nachweise, wo das Tier ausgestorben sein soll.

      Kraniche sind zur Zeit bei uns überall auf den Maisflächen zu sehen. Da kann man auch Recht nah dran.

      0
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Das mit den Fischen, das hat was.
      Vor 50 Jahren habe ich verbotenerweise die letzte Forelle aus dem naheliegenden Bach gefangen. Nach langer Überredungskunst habe ich meine Mutter überzeugt, mir diese Forelle braten zu müssen.
      Hätte sie mir das Vieh in Diesel angebraten, hätte sie nicht anders gestunken. Selbst unsere Katze hat sich standhaft geweigert, diesen „Leckerbissen“ zu fressen.

      Jetzt gibt es wieder jede Menge Forellen im Bach, obwohl intensiver Wein und Obstbau im Einzugsbereich des Baches betrieben wird.

      Übrigens: Sämtliche Maulwürfe schicke ich zum Nachbar, der freut sich über die schönen Maulwurfshügel in seinem „heiligen“ Rasen. 🙂

      0
  2. Altbauer Jochen sagt

    Dies Woche haben wir im nördlichen S-H soviel Schnee
    wie seit langem nicht mehr .Es schneit immer noch und
    der frische Wind bringt Verwehungen.
    Der strenge Frost dringt erstmal nicht tiefer ein in den Boden
    und die Pflanzen sind geschützt.
    Dafür macht der Schnee Arbeit beim beseitigen vor
    den Stalltüren und den Silohaufen.
    Als Altbauer erinnere ich mich an so manchen Schneewinter
    in dem es viel zu schaufeln gab.
    Heut hat man ja auch mehr schweres Gerät um Schnee
    zu räumen.
    Die Güllesituation hat sich durch die Nachtfrost / Tages- Tau Phase
    Anfang Februar hier erstmal entspannt.

    0
  3. Hans Lauppe sagt

    Was ist ein bäuerliche Familienbetrieb ?
    Das ist eine Produktionsstätte auf der
    Kleine Kinder die schon einen Stroh oder
    Heuballen schleppen können , alte Leute die
    ihn noch schleppen können ,dazu die ganze
    Verwand u. Bekanntschaft am besten umsonst mithelfen ,damit einer so tun kann , als ob er noch jemand sei !
    Unsere Branche ist vielfach nicht in der Lage
    Zeitgemäße Löhne zu erwirtschaften u.auch keine zeitgemäße Arbeitszeiten einzuhalten.
    Man mutet uns aber zu ,jeden Tag mitansehen zu müssen wie Leute Geld bekommen ohne dass man lhnen sagt:Tut etwas dafür !
    Das macht die Moral kaputt ,Nicht nur bei Bauern.

    1+
  4. Lieschen Müller sagt

    Was ist denn aus dem Gülleproblem in Norddeutschland geworden? Ich finde es ja gut hier, dass nicht nur Befürchtungen geäußert werden (Frost, Dürre, Überschwemmung) sondern nach ein paar Monaten auch mal gesagt wird, wie es denn nun ausging mit den Erträgen.
    Kennt ihr noch den DDR-Witz: „Was sind die 4 größten Feinde des Sozialismus?“ „Frühling, Sommer, Herbst und Winter.“ In der Landwirtschaft ist das scheinbar manchmal auch so….

    0
    • Ottmar Ilchmann sagt

      Das Gülleproblem hat sich zum Glück sehr entspannt. Pünktlich zum Beginn des Ausbringungszeitraums kam Anfang Februar der Frost, so dass nach einigen Tagen die nassen Flächen gut befahrbar waren. Über Tag taute der Boden aber noch auf, und deshalb war die Ausbringung der Gülle fachlich zulässig (bei tiefgefrorenem Boden ist sie nicht erlaubt). Ohne den Frost wären nur einige hochgelegene, trockenere Flächen gedüngt worden, und die Lager wären weiter voll gewesen, da ja die Tiere noch lange im Stall bleiben müssen. Also sind wir noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen.

      0
  5. Ottmar Ilchmann sagt

    Nicht nur die Ackerkulturen, auch viele Grünlandbestände sind durch den Kahlfrost gefährdet, gerade wenn sie wie bei uns in Norddeutschland bedingt durch Nässe im Herbst nicht ein letztes Mal geschnitten werden konnten und viel zu lang und üppig in den Winter gegangen sind.

    1+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.