Monate: August 2025

Mich interessiert eure Meinung

Folgende Situation, die vermutlich jeder von euch kennt. Ihr seid auf einer Familienfeier. Mit dabei ein angeheirateter Verwandter, den ihr nicht so oft seht, aber für ganz vernünftig haltet und gegen den ihr in keiner Weise irgendeinen Groll hegt. Irgendwann kommt das Gespräch auf Landwirtschaft und vom entfernten Verwandten werden so ziemlich alle Narrative ausgepackt. Dass die normale Landwirtschaft (er meint Bio) ja ohne Pestizide auskommt, dass die konventionelle Landwirtschaft die Natur zerstört und „dass man unbedingt weniger Pestizide einsetzen sollte, am besten die Hälfte“. Dann folgen noch ein paar Seitenhiebe gegen die Massentierhaltung und „dass die Lebensmittel ja alle viel zu billig sind. Man sollte viel mehr Bio kaufen“. Wer mit „man“ gemeint ist, bleibt offen. Wie reagiert man auf einen solchen Kontakt bei der Familienfeier. In einem früheren Fall habe ich es damit versucht, klar und deutlich seiner Meinung meine Argumente entgegenzuhalten. Als das dann schließlich auch andere Gäste mitbekamen und  meine Frau mir böse Blicke zuwarf, habe ich diesen Dialog (vorzeitig) beendet. Danach kam ich mir etwas isoliert vor. Bei meiner letzten …

Tomaten – Wissenwertes aus der Schweiz

Welche Tomaten sind besser? Dieser Frage geht Jürg Vollmer aus der Schweiz nach. Er betreibt mit „Countryside“ eine sehr interessante Seite mit Themen rund um Landwirtschaft und Ernährung, die es lohnt zu abonnieren. https://www.countryside.info/p/gewachshaus-tomaten-vergleich-bio-konventionell? Es geht nicht nur darum, welche besser schmecken, sondern auch um die Frage von Energieeinsatz, Pflanzenschutz, Wasserverbrauch und viele weitere Aspekte. Mit Ergebnissen, die ich so nicht erwartet hätte. Oder wussten Sie, dass 96% der Tomaten, die in Deutschland verzehrt werden, importiert werden?  

„Wir werden nicht verhungern“ – Ein Interview

Wegen eines Post bei „X“ habe ich mich dort zu Wort gemeldet und den Unfug kritisiert, den Prof. Quaschning (wieder einmal) verbreitet. Der Herr ist Professor für Erneuerbare Energiesysteme: https://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Quaschning Meine Antwort ist Kontrafunk aufgefallen und habe ich dort ein Interview gegeben. Aussage:  Brot und Bier wird nicht knapp werden. https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/politik-und-zeitgeschehen/kontrafunk-aktuell/kontrafunk-aktuell-vom-27-august-2025 Meinen Beitrag findet ihr in ab etwa Minute 19 und dauert etwa 20 Minuten. (Warum Kontrafunk? Weil sie mich gefragt haben. Ich gebe gerne auch anderen Sendern Interviews wenn sie mich ansprechen)  

Mindestlohn und Lebensmittelpreise – ein Zielkonflikt

Man muss es schon fast erstaunlich nennen, wenn eine Redaktion eine enge Beziehung zwischen steigendem Mindestlohn und steigenden Lebensmittelpreisen feststellt. https://www.swr.de/swraktuell/mindestlohn-landwirtschaft-saisonkraefte-obst-und-gemuese-bald-teurer-100.html Allerdings ist die Weitergabe eines noch höheren Mindestlohns schwierig, zumal wenn der Mindestlohn in den Nachbarländern in der Regel deutlich niedriger ist. So heißt es im Artikel: “ „Zweifellos lag bereits der 2024 geltende Mindestlohn in Deutschland von 12,41 Euro pro Stunde schon deutlich höher als der in vielen anderen Ländern der EU, mit denen heimische Landwirte konkurrieren. In Spanien liegt der Mindestlohn beispielsweise bei 6,87 Euro, in Polen bei 6,10 Euro.“ Etwas verwundert bin ich über die Argumentation des Thünen-Institutes. „Es gibt für die Betriebe nicht nur das Problem, dass der Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten ansteigt. Es gibt ja auch ein Problem, dass es einen Arbeitskräftemangel gibt. Man muss sich darum bemühen, genügend Arbeitskräfte zu bekommen. Und da ist ein höherer Lohn natürlich ein Argument.“ (Hildegard Garming, Agrarökonomin am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft) Beim Anbau von Erdbeeren und Spargel zeichnet sich seit Jahren ein starker Rückgang ab. Vom Verband Süddeutscher Spargel- und …

Lebensmittel, Energie und Ethik

Ich habe für unsere Pelletheizung, die den ganzen Hof mit Wärme versorgt, Holzpellets gekauft. Ich habe tatsächlich den niedrigsten Preis der letzten Monate bezahlt (299 €/t), aktuell steigt der Preis wieder an. Derzeit kosten die Holzpellets rund 320 € pro Tonne brutto. (Bei meiner Postleitzahl und bei 6 t Bestellmenge) Weil wir ein großes Lager haben bestelle ich immer einen ganzen Silozug, da ist es noch 6 €/t billiger. Bei der gleichen Genossenschaft, bei der ich die Holzpellets gekauft habe, bekomme für meinen Brot-Weizen aktuell rund 178 €/t, für meinen Futterweizen rund 170 €/t. Roggen wird mit rund 144 €/t gehandelt. Preise auch brutto. Wir haben in diesem Jahr zu rund 80% Futterweizen, weil die Proteingehalte für Backweizen zu niedrig sind. Billiger wäre es also für mich, mein eigenes Getreide zu verfeuern. Der Brennwert von Weizen liegt bei rund 85% von Holzpellets. Und jetzt kommt mir nicht mit technischen Details wie Asche-Erweichungspunkt, Chlorgehalt und höherem Schlacke-Anfall. Das weiß ich schon alles, es geht hier ums Prinzip: Darf ich meinen Weizen verheizen? Und dürfen wir Pflanzen …

DLG: Warum wir modernen Pflanzenschutz brauchen

Die Deutsche Landwirtschafts Gesellschaft, kurz DLG genannt, hat gerade ein Positionspapier zum Pflanzenschutz herausgegeben. https://www.dlg.org/mediacenter/alle-publikationen/strategische-positionspapiere/warum-wir-einen-modernen-pflanzenschutz-brauchen Den Grund für dieses Papier beschreibt sie wie folgt: „Die Vorbehalte gegenüber der Landwirtschaft wachsen und betreffen nicht selten die ganze Breite moderner landwirtschaftlicher Produktionsmethoden. Mit seinem vorliegenden Positionspapier plädiert der DLG-Ausschuss für Pflanzenschutz für eine sachgerechte Bewertung des modernen Pflanzenschutzes und für die Anerkennung seiner Funktion als systemrelevante Technologie im integrierten Pflanzenbau.“ Hier ein Auszug: „Moderne Pflanzenschutzmittel sind effizienter und weisen geringere unerwünschte Nebenwirkungen auf als frühere Generationen von Wirkstoffen. Angesichts der weiteren Entwicklung und Ausbreitung von Schaderregern und der zunehmenden Herausforderungen durch den Klimawandel bleibt ein effektiver Pflanzenschutz essenziell, um die Erzeugung gesunder und qualitativ hochwertiger Lebensmittel in ausreichenden Mengen zu gewährleisten. Dafür braucht es einen Werkzeugkasten mit einem breiten Spektrum an Instrumenten, zu dem auch eine ausreichende Vielfalt an modernen Pflanzenschutzmittelwirkstoffen gehört.“ Was für Landwirte selbstverständlich erscheint, dürfte bei Kritikern der konventionellen Landwirtschaft Widerspruch auslösen.  

Moore statt Kühe…

Ein Interview mit Prof. Taube, der Forderungen aufstellt, die so extrem sind, dass sie mir unerfüllbar erscheinen. Denn die Reformen, die er anstrebt, werden nicht ohne weiteres finanzierbar sein. Ausserdem stößt er damit viele Landwirte vor den Kopf, was er entweder billigend in Kauf nimmt oder aber bewusst so macht, um sich interessant zu machen. Da ich ihn persönlich kenne, tippe ich auf zweiteres. https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/moore-statt-mast-professor-fordert-radikale-reformen-landwirtschaft-635891?utm_campaign=share-link&utm_source=agrarheute&utm_medium=email Ich hatte in den letzten Tagen Gespräche mit Bundes- und Landespolitikern. Meine Wahrnehmung war, dass man sich über die Unmöglichkeit der Erreichung bestimmter Ziele im Klaren ist, sie aber weiterhin propagiert.

Warum Haselnüsse – wieder einmal – teuer werden

Im meinem Berufsleben habe ich mich – unter anderem – mit Agrarrohstoffen aller Art befasst. Dazu gehörten auch Haselnüsse, die einen wesentlichen Anteil von Nuss-Nougat-Creme ausmachen, aber auch beim Backen verwendet werden.  Weihnachten ist ja nicht mehr fern… 🙂 Schon damals (2014/15)  hatte es Spätfröste an der Nordküste der Türkei am Schwarzen Meer gegeben. In dieser Region produzieren rund 150.000 Kleinbauern etwa 75% der Haselnüsse, die weltweit  wachsen. Es sind meist kleine Familienbetriebe, die auf Flächen von wenigen Hektar recht extensiv wirtschaften, oft auch im Nebenerwerb. Weitere Erzeugerländer sind Italien (vorwiegend Norditalien) und Oregon in den USA. In diesem Frühjahr kam es wieder zu Spätfrösten Ende April, so dass man derzeit davon ausgeht, dass es zu Ertragseinbußen von etwa 36% kommen könnte. Damit fehlt ein wesentlicher Teil der weltweiten Produktion und wie immer, wenn etwas knapp ist, steigt der Preis. Zu den Spätfrösten kommen aber auch noch zunehmende Probleme mit der Stinkwanze, die die Haselnüsse befällt. Zuletzt haben wir dies bei Kakao gesehen, der in nennenswerten Mengen an der Elfenbeinküste  (ca. 40%) wächst. Ghana produziert …

Kartoffelpreise…

Neben meinem Blog bauerwilli.com bin ich auch noch auf Facebook und Twitter unterwegs, wo ich das obige Foto aus unserem landwirtschaftlichen Wochenblatt „LZ Rheinland“ veröffentlicht habe mit dem kurzen Hinweis, dass dies der Preis für Industriekartoffeln ausserhalb des Vertrages – sogenannte „freie Ware“ – ist. Bei Facebook hat dieser Post aktuell rund 680.000 Aufrufe, bei Twitter rund 400.000. Für die allermeisten Leser ist diese Information neu. Interessant sind auch die vielen Kommentare, die mir die Möglichkeit gegeben haben, darauf zu reagieren und Informationen zum Marktgeschehen weiterzugeben. Innerhalb von wenigen Tagen über 1 Million Leser zu erreichen schafft man nicht jeden Tag, zeigt aber, dass die sogenannten sozialen Medien auch Chancen bieten. Was die Sachinformation angeht hier ein Artikel, der erläutert, dass die „freie Ware“ wohl nur in Biogasanlagen oder in der Fütterung eine Verwendung finden werden. Mittlerweile ist der Markt ausgesetzt, was heißt, dass es keine Käufer mehr gibt. https://www.agrarticker.de/maerkte/alle-maerkte/detail/trog-oder-biogasanlage/ Zum Thema Öffentlichkeitsarbeit noch eine kleine Ergänzung: ein Video, dass eine Rundballenpresse bei der Arbeit zeigt, wurde auf meiner Facebook-Seite 80.000 aufgerufen, ein Video mit …

Nachhaltigkeit: ein Begriff, viele Interpretationen

Es gibt kaum eine Firma, kaum eine Strategie, kaum eine Homepage, auf der nicht der Begriff  „Nachhaltigkeit“ auftaucht. Zum Thema Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft hat sich der Noch-Geschäftsführer des Deutschen Bauernverbandes auf dem Portal der DLG Gedanken gemacht, die ich für lesenswert halte. https://www.dlg.org/magazin/nachhaltige-parallelwelten Hier ein Auszug, den ich voll unterstreiche: „Das 13. Bewertungstool für den Klimafußabdruck und die Nachhaltigkeitsmessung bringt keinerlei Mehrwert für irgendeinen Akteur in der Kette – den jeweiligen Anbieter ausgenommen. Messungen und Nachhaltigkeitsberichte dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Am Ende zählen konkrete Maßnahmen.“