Autor: Bauer Willi

Nutztierrisse durch den Wolf – Veränderung 2015 zu 2025

Das Thema Wolf und Nutztierrisse ist – nach meiner Wahrnehmung – in letzter Zeit aus den Medien und der allgemeinen Wahrnehmung verschwunden. Für die Betroffenen bleibt es aber ein großes Thema. Und die Veränderungen sind enorm. https://www.nutztierhaltung.de/nachrichten/details/bzl-infografik-anzahl-nutztierrisse-2025-in-deutschland/ Seit 2015 hat sich die Zahl der getöteten Nutztiere verfünffacht. Gerissen wurden vor allem Schafe, aber auch Pferde und selbst Alpakas waren betroffen. Die höchste Zahl von gerissenen Tiere wurden in Niedersachsen gezählt, gefolgt von Brandenburg und Sachsen. Für mein Bundesland NRW ist festzustellen, dass 2015 keine Risse gezählt wurden, 2025 hingegen 109. Weitere Zahlen entnehmen Sie der Infografik im obigen Link. Eine bemerkenswerte Entwicklung gibt es in der benachbarten Schweiz. Dort will man zukünftig den Abschuss nach Quote freigeben, nicht nach Schäden. https://www.tagesanzeiger.ch/woelfe-schweiz-parlament-will-abschussquote-fuer-kantone-779882116806 Aktuell werden in der Schweiz rund 350 Wölfe gezählt. Für Deutschland werden rund 1.600 Exemplare, für Schweden und Norwegen jeweils 500 Wölfe genannt. Mit rund 3.300 Tieren ist Italien das Land mit der höchsten Wolfspopulation. (vor allem Alpen und Apennin)    

„Broder“ – Ein landwirtschaftlicher Aufklärungsroman?!

Eine Buchbesprechung von Arnold Krämer Die norddeutsche Erfolgsautorin Dörte Hansen (Debüt 2015 mit „Altes Land“) hat kürzlich einen Roman veröffentlicht, dessen Inhalt vermutlich manchen Leser überraschen wird. https://www.penguin.de/buecher/doerte-hansen-broder/buch/9783328604556?utm_campaign=OM_PRHVG_Thema_PerformanceMax_affklick&utm_source=google&utm_medium=cpc&gad_source=1&gad_campaignid=20412371505&gclid=EAIaIQobChMIt-iGwfCplwMV0Y5oCR0MZRQgEAMYAiAAEgJjsvD_BwE#bewertungen-4595556 Es geht um Landwirtschaft, tierärztliches Arbeiten, Dorfleben, Menschen im norddeutschen ländlichen Raum, genauer an der Westküste Schleswig-Holsteins. Wer es in die Hand nimmt und zu lesen beginnt, dürfte wie ich meist schnell gefesselt sein vom Sprachstil der Autorin, von den Sprachbildern die sie nutzt, ohne den Leser zu überfordern. Im Gegenteil, hier ein Auszug: „Es gibt hier draußen nichts zu tun in dieser Zeit (im Januar). Die Ängste haben freie Bahn. Sie jagen über leere Koppeln, treiben sich auf nassen Äckern und in kahlen Knicks herum und bilden Banden. Seuchenängste, Wetterängste, Schuldenängste rotten sich zusammen, und dann stürmen sie die Höfe, spielen Fangen mit den winterkranken Bauern. Nicht wie Kinder, sondern wie die Katzen mit den Mäusen, und im besten Fall bleibt es bei Kratzern, die im März verheilen, wenn die durchweichten Böden endlich trocken sind und die Maschinen auf die Felder können“. Broder ist als weichender …

Agrarministerkonferenz und Bauerndemos

Vom 23.-25. September fand in Würzburg die Agrarministerkonferenz statt. Im Vorfeld hatte der Deutsche Bauernverband zu einer Demonstration eingeladen. Es ist zwar alles zwar schon eine Weile her, aber ich habe mich mal auf die Suche nach Ergebnissen gemacht. Das erste Ergebnis: etwa 500 Landwirte haben an der Demonstration in Würzburg teilgenommen.  Darüber berichtet das Bayerische Wochenblatt: https://www.wochenblatt-dlv.de/politik/agrarministerkonferenz-mehrere-hundert-bauern-protestieren-wuerzburg-586481 Bemerkenswert ist, dass der Bayerische Bauernverband, LsV Bayern und die junge AbL zu Aktionen aufgerufen haben. Dies waren die Forderungen der Landwirte: https://www.bayerischerbauernverband.de/themen/politik-foerderung/amk-herbsttagung Das zweite Ergebnis ist das Protokoll der AMK in Würzburg. https://www.agrarministerkonferenz.de/documents/endgueltiges-protokoll-amk-wuerzburg-2026.pdf Da es 122 Seiten lang ist und 62 (!) Tagesordnungspunkte umfasst, hier die wichtigsten Themen: Tierhaltungskennzeichnung: Eine Mehrheit von elf Bundesländern sprach sich für die Aufhebung des bisherigen Entwurfs für ein Tierhaltungskennzeichnungsgesetz aus. Düngerecht: Die Minister streben ein Regionalisierungsmodell zur Entlastung der Betriebe an, das bis 2027 umgesetzt werden soll. Saisonarbeitskräfte und Beschäftigung: Gefordert wurden weitere Drittstaatenabkommen; zudem befürwortete man die Verlängerung der Kurzfristbeschäftigung von 70 auf 90 Tage. Risikomanagement: Die AMK forderte die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage sowie den Ausbau von Mehrgefahrenversicherungen …

Bio-Schweinefleisch – Preisdruck durch Importe

Der Marktanteil für Bio-Schweinefleisch liegt in Deutschland in einer Größenordnung unter 2%. Daran hat sich in den letzten Jahren nichts wesentliches verändert. Jetzt fallen die Preise, weil der Lebensmitteleinzelhandel im Ausland einkauft. Dort ist Bio-Schweinefleisch billiger. https://www.topagrar.com/markt/news/bioschweinefleisch-preisdruck-durch-importe-20029311.html? Auch die Zeitschrift „Biowelt“ kritisiert dieses Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels: https://www.biowelt-online.de/news/hauptsache-billig-bio Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel: „Fatale Doppelstrategie: Große Handelsketten treiben den Bio-Schweinefleischmarkt vor sich her. Sie setzen im konventionellen Segment fast flächendeckend auf den 5D-Standard. Besonders beim Bio-Angebot der Discounter zählt jedoch offenbar nur der Preis – nicht die Herkunft. Statt heimische Bio-Ware anzubieten, greifen sie auf billige EU-Importe zurück. Für ordentlich Druck in den Ställen der deutschen Bio-Ferkelerzeuger und Mäster sorgt Spaniens Bio-Offensive. Die Importmengen schürten in Insiderkreisen die Vermutung, dass die Vorgaben der EU-Bio-Zertifizierung in Spanien nicht eingehalten wurden und konventionelle Ferkel als Bio auf dem deutschen Markt landeten.“ Und weiter „Ein Bio-Mäster berichtet auf Anfrage von BIOwelt, dass er aktuell 1,60 Euro pro Kilo bekomme. „Pro Schwein zahle ich 300 Euro drauf. Wenn ich meinen Stall leer habe, dann bleibt er auch leer“, sagt …

BMLEH bietet kostenloses EDV-Programm an

Bei dieser Pressemitteilung habe ich mich gefragt, für wen diese Anwendung vom JKI entwickelt wurde. Es geht um ein EDV-Programm, mit der die Dokumentation von Pflanzenschutzmitteln erfolgen kann. Hier die Meldung in Kürze: „Das Julius Kühn-Institut (JKI), das Forschungsinstitut für Kulturpflanzen aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), hat heute die Web-App DiPAgE („Digitale Pflanzenschutz-Anwendungsdaten-Erfassung“) veröffentlicht. Die kostenfreie Anwendung unterstützt berufliche Anwenderinnen und Anwender von Pflanzenschutzmitteln dabei, die neuen EU-Vorgaben zur Dokumentation unkompliziert, elektronisch und maschinenlesbar zu erfüllen.“ https://www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/084-dipage.html Die Dokumentation ist bereits seit vielen Jahren Pflicht und wird – nach meinen Erfahrungen – ganz überwiegend digital erfasst. Bereits vor über 20 Jahren habe ich im Rahmen meiner ausserlandwirtschaftlichen Tätigkeit diverse digitale und – ganz wichtig – mobile Schlagkarteien vorgestellt, die nahezu alle Tätigkeiten auf dem Acker festhält. Damals ging dies noch mit einem Gerät der Fa. Palm, einem Vorläufer des heutigen Smartphones. https://de.wikipedia.org/wiki/HP_Palm So wie sich die Pressemitteilung liest, ist das vorgestellte Programm nur für den Anwendung am PC/Laptop geeignet.  

Ob der Schwindel jetzt aufhört?

Für viele weitgehend unbeachtet ist am 27. September 2026 eine neue EU-Regelung in Kraft getreten, die die Werbung mit Begriffen wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „ökologisch“ strenger regelt. https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/empcorichtlinie-was-sich-beim-einkaufen-fuer-verbraucherinnen-aendert-125940? Allgemeine Umweltaussagen müssen erklärt oder durch staatliche Umweltzeichen, wie zum Beispiel den „Blauen Engel“, belegt werden. Wirbt ein Unternehmen zum Beispiel auf einer Verpackung mit „nachhaltig“, muss direkt dort – also auf derselben Verpackung – stehen, was damit genau gemeint ist. Das gilt auch für Werbeaussagen auf einer Website, einem Plakat oder im Prospekt. Besonders bedeutsam ist diese Regelung für den Bio-Bereich, weil z.B. der Begriff „ökologisch“  in mehrfacher Hinsicht interpretiert werden kann. Dazu folgender Link, der die Problematik umfassend erläutert. https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/bio-verarbeitung/unternehmensfuehrung/umweltaussagen-auf-bio-produkten-die-empowering-consumers-richtlinie/ Ich halte diese EU-Regelung für eine sinnvolle Maßnahme, sowohl für den Verbraucher als auch für den Bio-Produzenten.  

Was in Frankreich geht…

Was in Frankreich geht, müsste eigentlich auch in Deutschland gehen. Ein Bekannter hat mir dieses halbwegs aktuelle Bild aus Frankreich zugeschickt. Wie unschwer zu erkennen ist, ist Super-Benzin nicht wesentlich günstiger als bei uns. Was auffällt, ist E85, eine Mischung aus 85% Bioethanol und 15% Erdöl-basiertem Benzin. Ihre erste Reaktion wird sein, „dass das die Motoren in Deutschland ja nicht vertragen“. Nun ist der Automobilbau ja mittlerweile europaweit organisiert und dieses Argument zählt nicht. Es gibt auch auf dem deutschen Markt Modelle, die morgen E85 und alle möglichen Mischungsverhältnisse mit Super tanken könnten. Allerdings: Es gibt in Deutschland aktuell keine Neuwagen als Flex-Fuel-Vehicles (FFV) ab Werk zu kaufen. Nach dem Auslaufen der Steuerbegünstigung für Bioethanol (E85) in Deutschland im Jahr 2016 haben die Automobilhersteller das Neuwagenangebot für FFV auf dem deutschen Markt komplett eingestellt. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt finden sich weiterhin Fahrzeuge aus den Modelljahren ca. 2005 bis 2016, die ab Werk für den Betrieb mit Bioethanol (E85) und Benzin ausgelegt sind. Dazu gehören viele Modelle der Marken Ford, Saab und Volvo. Aber auch bestimmte Modelle …

Zwischen Zierkürbis und Biertheke…

Wenn Anfang Oktober das Erntedankfest ansteht, erstrahlen die Altäre vieler Kirchen in sattem Gelb, Orange und Rot. Getreidegarben, holzige Zierkürbisse, frische Äpfel, Nüsse und selbst gebackenes Brot werden liebevoll arrangiert. Doch abseits dieser hinlänglich bekannten Bilder zeigt ein Blick in den Alltag der meisten Menschen eine ernüchternde Realität: Das Erntedankfest ist für den Großteil der Bevölkerung zu einer hohlen Hülle verkommen – ein Datum im Kalender, mit dem kaum noch jemand etwas anfangen kann. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Unsere Lebensmittel kommen in der Wahrnehmung unserer Mitbürger nicht mehr vom Feld nebenan, für das wir den Launen der Natur ausgeliefert sind, sondern aus dem Supermarkt. Wer Johannisbeeren im Dezember und Tomaten im Februar kaufen kann, verliert jegliches Gefühl für Saisonalität und Abhängigkeit. Warum sollte man für eine erfolgreiche Ernte danken, wenn das Ernten heute aus dem Auflegen einer EC-Karte am Selbstscanner-Terminal besteht? Für uns Landwirte ist das Erntedankfest ein wichtiger Termin zum Innehalten und Dank für die Ernte zu sagen. Für den Städter ist die ursprüngliche Idee – danke zu sagen für das, …

Landtechnik, KI und China

Ich hatte vor einiger Zeit die Gelegenheit, eine Stunde mit dem Geschäftsführer eines großen, international tätigen Landmaschinenherstellers zu reden. Mich hat interessiert, wie er die Welt sieht, speziell natürlich im Bereich Landwirtschaft und Landtechnik. Es ist unmöglich, dass gesamte Gespräch wiederzugeben. Ich will mich auf ein paar Dinge beschränken, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Die Endfertigung der Landmaschinen wird auch in Zukunft noch in Deutschland erfolgen. Man hat aber mittlerweile (kleine) Werke in China. Viele deutsche Zulieferer sind ebenfalls dort engagiert. So kommen heute schon Teile von deutschen Zulieferern aus Produktionsstätten in China. Das Unternehmen hat Verbindungen nach Indien. Dort arbeiten Ingenieure, aber auch ein Teil der (Finanz-) Verwaltung findet dort statt. Es ist normal, dass dort 50 Stunden/Woche gearbeitet wird. Die Gehälter, die von der deutschen Firma dort gezahlt werden, sind für einen indischen Fachmann sehr lukrativ. Sie liegen rund 70% unter den deutschen Löhnen. In Deutschland ist es in der letzten Zeit etwas einfacher geworden, Fachkräfte zu bekommen. Aufgrund der Krise in der Automobilindustrie kommen mittlerweile Anfragen aus dieser Branche, ob …

Schweiz: Ernährungsinitiative abgelehnt

Die Schweiz ist für ihre Volksabstimmungen bekannt. Am 27.9.2026 ging es um eine Initiative, deren Ziel es unter anderem war, die Ernährung auf mehr pflanzliche Kost auszurichten. Desweiteren ging es um Ernährungssouveränität und Trinkwasserschutz. Die Initiative wurden mit 72,5 % der Stimmen abgelehnt. In keinem Kanton konnte eine Mehrheit dafür erreicht werden und von den 23 Ständestimmen stimmten 23 dagegen. https://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmung-vom-27-september-ernaehrungsinitiative-scheitert-mit-72-5-prozent-nein-stimmen Die Bundeshausredaktorin Mirjam Spreiter kommentiert das so: „Mit Cervelat, Fondue und der Warnung vor einem «Vegan-Zwang» wurde die Ernährungsinitiative politisch zerlegt. Die Gegner trafen den Nerv vieler Stimmberechtigter, während es Initiantin Franziska Herren nicht schaffte, Umweltverbände und politische Verbündete hinter ihrer Vorlage zu vereinen. So blieb eine breite Debatte über die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft weitgehend aus.“ Etwas ausgewogener und realistischer kommentiert es die Tagesschau: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/schweiz-ernaehrungsinitiative-selbstversorgung-100.html „Die Schweizer Regierung, der Bundesrat und das gesamte Parlament lehnen in seltener Einigkeit die Initiative ab. Immer wieder hört man, die Idee sei ja in Ansätzen vielleicht nicht verkehrt, schieße aber komplett übers Ziel hinaus, greife in den Menüplan der Bürgerinnen und Bürger und in die unternehmerische Freiheit …