Autor: Bauer Willi

Glückwünsch, Herr Özdemir

Sehr geehrter Herr Özdemir, Zum Zeitpunkt, als ich diesen Artikel geschrieben habe, liegen zwischen Ihrer Partei und der CDU  0,6%. Das ist nicht viel, aber es würde reichen, dass Sie zum Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg gewählt werden könnten. Ich bin ehrlich: ich habe bis vor ein paar Tagen nicht damit gerechnet. Es gehört sich aber für Demokraten, dass man anerkennt, wenn ein Anderer als der Erwartete als „Sieger vom Feld“ geht. Was mir am heutigen Abend gefallen hat: Sie haben zum Ausdruck gebracht, dass Sie ihre Politik am Wohl des Landes und nicht an den Vorgaben der Partei ausrichten wollen. Sie wollen Politik für alle machen, auch für die, die Sie nicht gewählt haben. Das haben zwar schon viele gesagt und dann nicht gehalten, aber für den Moment nehme ich Ihnen das erst einmal ab. Gut fand ich am heutigen Abend auch, dass Ihr Wettbewerber Hagel von der CDU Ihnen zum Wahlerfolg gratuliert hat. So gehört sich das auch unter Demokraten. Und wie sagten Sie sehr richtig: ein Koalitionspartner ist kein Feind. Das hätten Sie in …

Omega-3-Fettsäuren – was ist wirklich dran?

Es gibt eine Reihe von Lebensmitteln, aber auch von Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Gehalt von Omega-3-Fettsäuren werben. Allgemeines Wissen dürfte sein, dass Fisch einen relativ hohen Gehalt (pro Portion etwa 4.000 mg) hat. Auch Milch enthält Omega-3-Fettsäuren, allerdings in einer deutlich geringeren Konzentration. Um eine Portion Lachs (ca. 200 g) zu ersetzen, müsste man etwa 20 Gläser Milch trinken. Heumilch oder Weidemilch enthalten etwas mehr Omega-3-Fettsäuren, da die Kühe überwiegend (frisches) Gras und Kräuter fressen. Unter den Milchalternativen ist Mandeldrink zu nennen. Allerdings müsste man davon täglich über 10 l trinken, um nur annähernd in den Bereich von einer Portion Fisch zu kommen. Aber was bringen Omega-3.Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt und ist der Hype darüber berechtigt? Das wurde von Ärzten untersucht. https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2019/2019-03-04/supplemente-mit-omega-3-fettsauren-gibt-es-evidenzbasierte-indikationen Das Ergebnis in Kürze: (Zitat): Die aktuelle Studienlage liefert keine Rationale dafür, die derzeit verfügbaren ω3FS-Supplemente bei irgendeiner Patientengruppe zur Senkung des kardiovaskulären Risikos einzusetzen. Gleiches gilt für die Anwendung zur Prophylaxe oder Therapie von Demenzen, neurodegenerativen Erkrankungen, Depressionen, Tumorkachexie und für die unspezifische Anwendung bei kritisch Kranken. (Zitatende) Wer mehr wissen will, …

Brot haben…

Ein Text von Anke Lautner Alle reden über Bio. Mein Vater nicht. Er ist 95. Er hat Krieg, Hunger und echte Knappheit erlebt. Ihm ist egal, ob das Brot bio-zertifiziert ist. Ihm ist wichtig, dass das Brot da ist. Das ist der Teil, den viele Salon-Moralisten nicht mehr verstehen. Bio ist für einen Teil der Gesellschaft ein Lifestyle. Für den anderen Teil ist Essen immer noch Überleben. Während hier darüber philosophiert wird, ob die Möhre „rein genug“ ist, steht woanders jemand vor dem Regal und rechnet. Reicht das Geld bis Monatsende. Oder nicht. Für die einen ist Bio eine Haltung. Für die anderen ist Bio ein Luxus. Und Luxus steht nicht auf der Prioritätenliste, wenn der Kühlschrank leer ist. Wer dann von „böser“ Landwirtschaft redet, weil nicht alles bio, regional, saisonal und moralisch maximal steril ist, zeigt nur eines: Wie weit er sich von der Realität entfernt hat. Landwirtschaft hat zuerst eine Pflicht. Menschen satt machen. Alle. Nicht nur die, die genug Geld und Zeit haben, um über Ideale zu diskutieren. Mein Vater misst Landwirtschaft …

Aktuell: Lebensmittelpreise steigen wegen Iran-Krieg sprunghaft an

Wie der Verband der deutschen Bauern (VDB) in seiner Pressekonferenz vom 3.3.2026 mitteilt, sehen sich die deutschen Bauern gezwungen, die Preise für ihre Produkte deutlich zu erhöhen. Folgende Basispreise gelten ab dem 6. März: Raps:           600 €/t Weizen:      250 €/t Kartoffeln:  40 €/dt Zuckerrüben: 60 €/t Schweinefleisch: 2,50 € kg SG Milch:    0,65 €/l (Biomilch + 20 Cent) Diese Preissteigerungen sind notwendig geworden, weil durch den Krieg im Iran nicht nur Diesel und Düngemittel deutlich teurer geworden sind, sondern auch weitere Hilfs- und Betriebsstoffe sowie die Logistik. Da damit zu rechnen ist, dass auch Pflanzenschutzmittel teurer werden, darf die Liquidität der Betriebe nicht über Gebühr strapaziert werden. Was die Forderungen an die Politik angeht, schließen sich die Landwirte den Aussagen des Geschäftsführer des BVE, Christoph Minhoff an. https://www.bild.de/politik/inland/preis-knall-wegen-iran-krieg-lebensmittel-industriewarnt-vor-kosten-tsunami-69a6dfb9674e1629a77d1e82? Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, wollen die Mitglieder des BVE (u.a. Nestle, Coca-Cola, Ferrero, Haribo etc.) einen Teil der Preissteigerung für verarbeitete Lebensmittel durch Verzicht auf die Gewinnmarge auffangen. Zitat eines Mitgliedes des BVE: „Wir haben …

„Neue genomische Techniken“ – ein wissenschaftliches Interview

Das folgende Interview hat Ludger Wess mit Prof. Dr. Andreas Weber von der Uni Düsseldorf geführt.  Der Artikel ist zuerst in der Zeitschrift „Cicero“ erschienen. Ich darf ihn dankenswerterweise im Original auch bei mir veröffentlichen. https://www.cicero.de/wirtschaft/neuregelung-der-neuen-genomischen-techniken-in-der-pflanzenzucht-durch-die-eu-die-neuen-regeln-konnten-eine-welle-von-innovationen-auslosen Interview Prof. Dr. Andreas Weber zur Neuregelung der neuen genomischen Techniken in der Pflanzenzucht durch die EU Als vor mehr als 20 Jahren die Gentechnikrichtlinie der EU verabschiedet wurde, gab es Züchtungstechnologien wie Gene Editing noch nicht. Diese neuen genomischen Technologien, NGT genannt, können sehr elegant Veränderungen in einer Pflanze hervorrufen, die von einer natürlichen Veränderung nicht zu unterscheiden sind und daher auch kein besonderes Risiko darstellen. Doch im Juli 2018 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass auch solche Pflanzen unter die geltende Gentechnik-Gesetzgebung fallen – selbst wenn keine neuen Gene eingeführt werden und selbst dann, wenn die gleiche Veränderung auch zufällig in der Natur oder durch traditionelle Züchtung hätte entstehen können. Das Urteil bedeutete ein De-facto-Verbot für diese Pflanzen. Damit wurde klar, dass eine Anpassung der veralteten EU-Gentechnik-Regeln an die neusten Entwicklungen notwendig war. Nach langem Zögern, vielen Gutachten, …

Bio boomt – aber die Bauern machen nicht mit

In der Presse der letzten Wochen wird immer wieder angeführt, dass sich der Markt für Bio-Lebensmittel deutlich im Aufschwung befindet. Von einem Umsatzplus zwischen 7 und 10% ist die Rede. Somit erreichte er einen Jahresumsatz von rund 18 Milliarden. Zum Vergleich: der Umsatz 2024 des stationären Lebensmitteleinzelhandels wird mit rund 210 Mrd. angegeben. Diese Zahlen gelten aber nur für den Umsatz im Laden. Auf der Seite der landwirtschaftlichen Erzeuger ist festzustellen, dass kaum neue Betriebe hinzukommen. Die Zahl derjenigen, die mit Bio aufhören und die neu einsteigen hält sich halbwegs die Waage. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bioprodukte-boomen-mit-Milliardenumsatz-id30346139.html https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/landwirtschaft-bio-kraeftig-im-plus-aber-nicht-auf-den-feldern-01/100187126.html Nicht neu sind die Aussagen seitens des Verbandes und der Politik: „Forderung an die Politik Die BÖLW-Chefin verlangte klare Signale aus der Politik, um das 30-Prozent-Bio-Ziel in der Nachhaltigkeitsstrategie zu verankern. Der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer müsse sich dafür in Brüssel einsetzen, dass die EU-Agrarpolitik die Bezahlung der Umweltleistungen des Ökolandbaus in den Fokus nimmt. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) forderte Landwirte zur Umstellung auf Bioerzeugung auf. Die Ministerin sagte, die Chancen für Unternehmen, die eine Umstellung planen, seien so gut …

Gespräch eines Veganers mit einem Bauern

Ein Netzfund (nur so für zwischendurch) Aktivist: „Vegan zu leben wird den Planeten retten.“ Bauer: „Vegan zu leben bedeutet, mehr Lebensmittel aus industriellen Monokulturen zu importieren.“ Aktivist: „Aber die lokale Rindfleischproduktion verbraucht zu viel Land.“ Bauer: „Auf diesem Land wächst nichts anderes.“ Aktivist: „Dann lasst es doch einfach wild.“ Bauer: „Es wurde jahrtausendelang von wilden Wiederkäuern beweidet.“ Aktivist: „Rinder sind nicht wild.“ Bauer: „Die Rinder machen das, was die wilden Auerochsen gemacht haben.“ Aktivist: „Aber das Methan.“ Bauer: „War schon immer Teil des Ökosystems.“ Aktivist: „Wir müssen die Tierhaltung reduzieren.“ Bauer: „Und was baut man an diesem felsigen Hang an?“ Aktivist: „Etwas Nachhaltiges.“ Bauer: „Gras ist nachhaltig. Deshalb wächst es hier.“

Wollen ja, können nein – warum wir uns anders ernähren

Eine Studie der Techniker-Krankenkasse hat sich mit den Ernährungsgewohnheiten der Deutschen beschäftigt und kommt zu dem „überraschenden“ Ergebnis, dass Aussage und Verhalten auseinanderklafft. https://rp-online.de/panorama/deutschland/deutsche-wollen-gesund-essen-sie-scheitern-aber-am-alltag_vid-110370907 Hier ein Auszug: „Für 92 % ist Gesundheit einer der wichtigsten Aspekte beim Essen. Aber weniger als zwei Drittel der Befragten essen täglich Obst oder Gemüse. Bei den 18-39-Jährigen greift nicht mal die Hälfte (49 %) täglich in die Obstschale. Mehr als jeder Dritte nascht oft nebenbei Chips, Schokolade oder Ähnliches.“ Was für mich immer wieder erstaunlich ist: wir belügen uns selbst. Warum? Vermutlich, weil man sich gerne die sozial erwünschte Antwort zurechtlegt. Was die Studie auch sagt: 2% der Deutschen ernährt sich vegetarisch, 1% vegan. Die öffentliche Wahrnehmung ist eine völlig andere: da wird -gefühlt – jeden Tag behauptet, dass man ja neuerdings ja auf Fleisch verzichtet… oder zumindest weniger konsumiert. Die Zahlen dazu findet ihr auch im Artikel.

Was schafft wirklich Vertrauen?

Anke Lautner habe ich auf LinkedIn entdeckt. Sie schreibt Texte zum Nachdenken. So zum Beispiel über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Ur-Salz, das Millionen Jahre alt ist. Und warum wir an solche Zahlen glauben. https://www.linkedin.com/in/anke-lautner-51447b34b/ Es lohnt sich, Anke Lautner zu folgen: Ur-Salz Millionen Jahre alt. Mindesthaltbar bis 2028. Ursalz. Hat Eiszeiten überlebt. Kontinentalverschiebungen. Komplette Ökosysteme, die kamen und gingen. Und jetzt braucht es ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Nicht, weil Salz schlecht wird. Sondern weil du dich sonst nicht sicher fühlst. Weil ein Datum beruhigt. Ein Stempel Vertrauen schafft. Und Bürokratie das Gefühl gibt, jemand hätte alles im Griff. Willkommen in derselben Gesellschaft, die Landwirten erklärt, wie Natur funktioniert. Wir reden hier über ein Mineral. Kein Protein. Kein frisches Lebensmittel. Kein biologischer Prozess. Und trotzdem: Ohne Datum → Panik. Ohne Aufdruck → Misstrauen. Ohne Kontrolle → Angst. Genau diese Denkweise zerstört jede ehrliche Diskussion über Landwirtschaft. Ihr wollt: Null Risiko. Null Rückstände. Null Insekten. Null Pilze. Null Wetter. Aber bitte: volle Regale. immer verfügbar. billig. regional. bio. und emotional beruhigend gelabelt. So wie das „abgelaufene“ Ursalz. Das Problem ist …

… aber fair?

Am Mittwoch vergangener Woche bin ich von der Redaktion von „Hart aber fair“ angefragt worden, ob ich am kommenden Montag in die Sendung kommen wollte. Sie hätten meinen Blog gesehen und würden mich gerne als „Stimme der Landwirtschaft“ dabei haben. Es soll um das Thema „Zuckersteuer“ und „Werbeverbot für Zucker“ gehen. So die Aussage am Mittwoch. Ich habe zugesagt. Hätte ich abgesagt, wäre es fraglich gewesen, ob die Landwirtschaft dort vertreten gewesen wäre. https://presse.wdr.de/plounge/pressetermine/2026/02/20260223_hart_aber_fair.html Am Donnerstag abend erhielt ich die Nachricht, dass man meine Einladung zurückziehen müsste. Nach telefonischer Auskunft wurde mir gesagt, dass man den Schwerpunkt der Sendung auf den medizinischen Aspekt legen würde. Wenn man sich die Liste der Teilnehmer ansieht, so ist es nicht schwer zu erraten, wer sich gegen Zucker, für eine Zuckersteuer und eventuell auch ein Werbeverbot für Zucker aussprechen wird. Lauterbach: gegen Zucker Hirschhausen: gegen Zucker Foodwatch: gegen Zucker Neutral oder pro Zucker: Vertreter Fritz-Cola: Zucker ist wichtig, aber es geht auch mit Süßstoff Nicole Büttner (FDP, Generalsekretärin) Es tut mir leid, aber mir ist Nicole Büttner völlig unbekannt. …