Autor: Bauer Willi

„Man darf ja heute nichts mehr sagen“

Es ist eine der beliebten Aussagen unserer Zeit: „Man darf ja heute nichts mehr sagen!“ Richtig laut wird dieser Satz seltsamerweise immer dann, wenn jemand etwas gesagt hat – und zwar extrem laut, öffentlich und ohne jede Rücksicht. Wer einen kritischen Artikel schreibt, ein Video veröffentlicht oder einen Podcast der nicht dem Mainstream entspricht, wird danach oft von einem Sturm aus Wut, Pöbeleien und persönlichen Beileidigungen geflutet. Es sind oft dieselben Stimmen, die für sich eine grenzenlose Meinungsfreiheit einfordern, diese Freiheit anderen aber absprechen wollen. Sobald Fakten benannt, Widersprüche aufgedeckt oder kritische Fragen gestellt werden, schlägt die Verharmlosung in Aggression um. Die Botschaft hinter dem Shitstorm ist eindeutig: Du sollst nichts mehr sagen. Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße. Sie schützt das Recht, Positionen zu beziehen – sie schützt aber nicht vor der Reaktion darauf. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wer gegenseitigen Respekt durch digitale Erpressung und persönliche Beleidigung ersetzt, um kritische Berichterstattung einzuschüchtern, zeigt vor allem eines: dass die Argumente ausgegangen sind. Das Grundgesetz schreibt: (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift …

Die Spaltung der Gesellschaft durch Lautstärke

Im Nachgang zu einem Artikel der letzten Woche, in der es in den Kommentaren hoch herging und sich zwei langjährige Kommentatoren aus dem Blog verabschiedet haben, hab ich mich gefragt, woran das liegen kann. Diese Dynamik beschränkt sich übrigens nicht nur auf Kommentarspalten, sondern sickert tief in das gesellschaftliche Miteinander ein und treibt die Polarisation auf mehreren Ebenen voran. Dies kann man auch feststellen, wenn man in einer größeren Gruppe (Verwandtschaft, Nachbarn, Vereine)  diskutiert. Es umfasst auch nicht nur die Politik, sondern auch andere Themen wie – z.B. zu Zeiten von Corona – die Impfung. Warum sind bestimmte Diskussionen so schwierig? – Zerstörung des gemeinsamen Debattenraums: Wenn Kritik nicht mehr als inhaltlicher Beitrag, sondern als feindseliger Angriff gewertet wird, bricht der konstruktive Diskurs zusammen. Es geht nicht mehr um Argumente, sondern nur noch um die Abwertung der Gegenseite. Beweise dafür finden sich täglich in den Kommentarspalten der sozialen Medien. Bisher wurde dieser (mein) Blog weitestgehend davon verschont. (Den Kommentar, dass ich ein Narzisst sei, habe ich locker weggesteckt, weil er wahr ist. Ohne ein gesundes …

Einsichten aus Österreich

Auf den Artikel von Arnold Krämer hin habe ich diesen sehr emotionalen Brief von einem Landwirt aus dem Waldviertel in Österreich bekommen. Wir in Österreich haben gerade ein massives Dürreproblem erlebt, das mit einem Dürrepaket „erledigt“ wurde, das man nicht als Hilfe bezeichnen kann. Unser Landwirtschaftsminister hat mit dem Finanzminister dabei etwas ausgehandelt, das bei mehr als 1 Milliarde Schaden aufgrund der Dürre vorne und hinten nicht reicht (Die gesamte Bruttowertschöpfung der österreichischen Landwirtschaft liegt im langjährigen Schnitt bei rund 3 bis 4 Milliarden Euro.) Ein unkompensierter Schaden von einer Milliarde Euro reduziert die Wertschöpfung des gesamten Sektors rein rechnerisch um 25 bis 30 Prozent. Das ist bei uns noch viel mehr und flächendeckender als in Deutschland. Die Dürrehilfe bedeutet praktisch genau NICHTS an Hilfe: Es gab 3 Punkte – eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge, für das letzte Quartal, das finanziert wird aus der eigenen Sozialversicherung, – Zinszuschüsse für Kredite, wo die meisten viehhaltenden Betriebe gar kein Futter kaufen konnten dafür, weil keines am Markt war und – einen 10-prozentigen einmaligen Zuschuss zu einer Dürreversicherung für …

7 Jahre später…

Ich bin 2019 von der CDU/CSU-Fraktion angefragt worden, ob ich vor rund 300 Bundestagsabgeordneten im Reichstagsgebäude ein Referat halten würde, in dem ich auf die aktuelle Politik eingehe und Erwartungen formuliere. Und, im Gegensatz zu so manchen lauten Medien, auch Lösungen anbieten. Schimpfen und jammern kann ja jeder. Heute sind wir knapp 7 Jahre weiter. Urteilen Sie selbst. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren

KI: Analysiere die Position der AfD zur Landwirtschaft und bewerte diese

Damit eines klar ist: die AfD ist für mich als Bürger aus verschiedensten Gründen nicht wählbar. Ich weiß, dass das viele – auch viele Landwirte – anders sehen. Mich hat interessiert, welche Position diese Partei zum Thema Landwirtschaft bezieht und habe daher der KI Gemini die oben genannte Aufgabe gestellt. Daraufhin habe ich folgende Analyse und Einordnung bekommen Der KI-Text ist blau gekennzeichnet, ich habe ihn unverändert übernommen. Die Agrarpolitik der Alternative für Deutschland (AfD) verknüpft marktliberale Ansätze mit starkem nationalen Protektionismus und der Ablehnung europäischer Umwelt- und Klimaschutzvorgaben. Kernelemente der AfD-Position zur Landwirtschaft Marktwirtschaft und Deregulierung: Die AfD fordert den Abbau von Bürokratie, Aufzeichnungspflichten und Auflagen. Staatliche Eingriffe in den Markt sollen minimiert werden. Lockerung von Umwelt- und Düngevorgaben: Auflagen zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln und Düngebeschränkungen (wie die EU-Nitratrichtlinie) lehnt die Partei ab. Flächenstilllegungen für Öko-Maßnahmen sollen rückgängig gemacht werden, um maximale Flächen für die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen. Ablehnung des Green Deals & Klimaschutzmaßnahmen: Da die AfD den menschengemachten Klimawandel bestreitet oder als vernachlässigbar ansieht, verwirft sie CO2-Bepreisungen, den Umbau zu ökologischer Landwirtschaft sowie …

„Warum die Agrarpolitik so ist, wie sie ist, und nicht wie sie sein sollte“

Ein Gastbeitrag von Arnold Krämer Der Ärger über Politik, auch Agrarpolitik ist weit verbreitet. Die Diskutanten nicht nur hier im Blog von Bauer Willi liefern dafür regelmäßig die entsprechenden Beispiele und Belege. Die spürbare Verdrossenheit im Berufsstand, Folge von Ermüdung, Frustration und Desillusionierung, hat seine Gründe, auf die nachfolgend näher eingegangen werden soll. Die Anregungen dazu stammen aus einem Artikel der Monatszeitschrift Cicero, „Magazin für politische Kultur“. https://www.cicero.de/wirtschaft/linke-wirtschaftspolitik-bis-zum-bitteren-ende. Die Überschrift meines Beitrags stammt dagegen von dem renommierten Göttinger Agrarökonom Prof. Dr. Günther Schmitt. Dieser hatte 1984 in der Zeitschrift „Agrarwirtschaft“ die fehlende Berücksichtigung volkswirtschaftlicher und wohlfahrtsökonomischer Aspekte in der Gestaltung der EU-Agrarpolitik beklagt. Er hoffte, dass „die Interessen weniger [damals aber] einflussreicher Gruppen zurückgedrängt werden“ und sich „soziale Gruppen finden, die den Auffassungen von Agrarökonomen innerhalb des demokratischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse die notwendige politische Legitimation vermitteln“. Sein Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. In den letzten Jahrzehnten haben sich unbestreitbar wichtige zusätzliche Erkenntnisse rund um das Thema Landwirtschaft ergeben. Deshalb bestimmen in der EU- und in der Berliner Agrarpolitik nicht wie gehofft, ökonomische Aspekte das …

Wie Landwirte zu Interessenvertretern von Bauernverbänden und Agrarkonzernen werden

Ein Gastartikel von Jürg Vollmer, Agrarjournalist in der Schweiz, der eine erfundene Geschichte erzählt, die so aber auch tatsächlich passiert sein könnte. Er berücksichtigt dabei die Situation nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Österreich, Der Artikel ist länger als sonst, aber bis zum Schluss lesenswert. Theoretisch sind die Landwirte «Eigentümer» von Bauernverbänden und Agrarkonzernen wie zum Beispiel Molkereien. In der Praxis agieren Verbände und Agrarkonzerne oft gegen die Interessen der Landwirte. Landwirte sind Mitglieder ihrer Verbände und bei vielen Genossenschaften zugleich deren Eigentümer. Trotzdem entscheiden professionelle Funktionäre und Manager über Milchpreise, Investitionen und Marktstrategien. Wie kommt es, dass jene, die formal Einfluss besitzen, sich in der Praxis oft nicht durchsetzen? Die folgende Fallstudie ist frei erfunden. Personen, Orte und Organisationen dienen der Veranschaulichung. Die beschriebenen Entscheidungswege und Interessenkonflikte orientieren sich an öffentlich dokumentierten Strukturen in der Landwirtschaft des deutschsprachigen Raums. Herbst 2026. Im Gasthaus «Krone» von Hintermoos liegen dreissig weisse Briefumschläge auf den Tischen. Einer für jeden Milchbauern der Region. Absenderin ist die Alpenmilch AG. Der Abnahmepreis müsse um 4 Cent …

Süsse-Steuer…

Im Augenblick gehen die Wogen bezüglich der sogenannten „Zuckersteuer“ hoch. Wenn man den Medien glaubt, sollte die Steuer nicht nur auf mit Zucker gesüßte Getränke erhoben werden sondern auch auf Getränke, die mit Süßungsmittel gesüsst wurden. Das würde zum Beispiel auch Fruchtnektar und Haferdrinks einbeziehen. https://www.welt.de/politik/deutschland/video6a8d1555511d4fd3bc4e2d93/auch-auf-cola-zero-eine-doppelte-steuererhoehung-regierung-plant-ab-2027-zuckersteuer-auf-getraenke.html https://www1.wdr.de/wirtschaft/zuckersteuer-zero-gesund-100.html Vor wenigen Stunden (26.8. um 19:00 Uhr) erteilt Finanzminister Klingbeil diesen Plänen eine Absage. https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/zuckersteuer-lars-klingbeil-verwirft-steuer-auf-zero-getraenke-a-687f724c-e1ca-40e1-b987-c7afadefb70a Mir geht es nicht um Sinn (?) und Unsinn (!) der Zuckersteuer. Was ich kritisiere ist das Vorgehen. Man setzt die rot-grüne Bevormundung der abgewählten Ampel-Regierung nahezu unverändert fort und merkt nicht, dass der normale Bürger dies mehr als leid ist. Und um das Chaos perfekt zu machen, nimmt man der Plan, die Steuer auf Süsse (es müsste dann ja Süsse-Steuer heißen) nach kurzer Zeit wieder vom Tisch. Damit merkt ja auch der letzte Bürger, dass es weniger um unserer aller Gesundheit sondern nur um eine neue Geldquelle geht. Die Konsequenzen dieser handwerklich schlechten Politik sind nicht abzusehen. Oder doch: sie sind abzusehen und das ist es, was mich ärgert. Es wäre nämlich …

Agrarsysteme der Zukunft

Mehr durch Zufall habe ich diese Seite gefunden, die sich nach eigenen Angaben mit den „Agrarsysteme der Zukunft“ beschäftigt. https://agrarsysteme-der-zukunft.de/ Ich habe lange gesucht, was dort für einen praktischen Landwirten zu finden ist. Etwas, das mir sagt, wie die Agrarsysteme der Zukunft aussehen werden. Etwas wirklich Brauchbares habe ich nicht gefunden. Schauen Sie mal unter „Konsortien“, mit welchen Themen man sich aktuell beschäftigt. Die dort verwendeten Abkürzungen habe ich noch nie gehört. Bei „GreenGrass“ geht es – Überraschung – um die Weidewirtschaft, bei „Suskult“ um Indoor-Lebensmittelproduktion. Die dort gemachten Aussagen halte ich für sehr gewagt. Was ich mich auch frage: für wen werden solche Arbeiten gemacht? Wo werden die Ergebnisse umgesetzt? Oder ist es doch Selbstbeschäftigung im Elfenbeinturm?  

Doch kein Protest gegen Tönnies in Lorup

Ein Gastartikel von Arnold Krämer Clemens Tönnies, Inhaber des mittlerweile größten deutschen Schlachtunternehmens, auch mit einer Produktionsstätte im Emsland, war kürzlich auf Einladung der hiesigen CDU-Kreisverbände ins Emsland eingeladen. Er sollte über die Perspektiven der Veredelungswirtschaft in der Region referieren. Angesichts der aktuell desaströsen Schweinepreise hatte der LSV („Land schafft Verbindung“, zum DBV alternativer Berufsverband) zu lautstarken Protesten und Blockaden aufgerufen, weil man auch Clemens Tönnies für die Misere speziell im Schweinesektor verantwortlich macht. Rund 350 Landwirte und Vertreter aus dem wirtschaftlichen Umfeld waren der Einladung auf das Betriebsgelände der EZG Hümmling gefolgt. Außer einigen Pfiffen gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es aber keinerlei Proteste. Von blockierenden Schleppern war weit und breit nichts zu sehen. https://www.noz.de/lokales/werlte/artikel/warum-bauern-in-lorup-nicht-gegen-toennies-protestierten-51033727 So konnte C. Tönnies seine Sicht der Dinge vortragen und den Vorschlag für einen mit dem Berufsstand, den Schlachthöfen und dem LEH abgestimmten festen Halbjahrespreis für Schlachtschweine formulieren. Dieser ist mittlerweile von seinem Unternehmen weiter präzisiert worden. https://www.topagrar.com/schwein/news/tonnies-will-schweinepreise-stabilisieren-und-investitionen-absichern-20028232.html https://www.topagrar.com/schwein/news/neue-liefervertrage-tonnies-will-eigenen-schweinepreis-ansetzen-20028355.html Angesichts des Veranstaltungsverlaufs stellt sich grundsätzlich auch die Frage nach der Wirksamkeit von Protestaufrufen. So sollen jetzt die bekannten …