Monate: Mai 2015

Im Dialog: Fragen an Felix zu Löwenstein

Felix zu Löwenstein ist Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft und Vorstandsmitglied des Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Er ist der gleiche Jahrgang, bewirtschaftet ebenfalls einen landwirtschaftlichen Betrieb und fährt die gleiche Schleppermarke. Grund genug ihm ein paar Fragen zu stellen.   Wann und aus welchem Gründen haben Sie Ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt? Aus recht unspektakulärem Anlass: In den Jahren 1986 bis 1992 habe ich konventionell gewirtschaftet und hatte ein zunehmendes Unbehagen im Umgang mit Stoffen, die ganz offensichtlich nicht in die freie Natur gehören. Und bei deren Verwendung man allzu oft zu unerfreulichen Kompromissen genötigt ist. Z.B. wenn man das Spritzfass nicht leer hat, der Wind stärker wird, man aber nicht aufhören kann, weil bald Regen angesagt ist und man die Spritze nicht halbvoll auf dem Hof stehen lassen will. Als ich mitbekommen habe, dass Ökolandbau anbautechnisch funktioniert und es auch eine Vermarktung gibt, habe ich ein Rechenwerk (mit Bleistift und Taschenrechner…!) erstellt, das man heute einen „businessplan“ nennen würde. Das habe ich einem Professor in Bad Kreuznach vorgelegt, von dem ich wusste, dass …

Im Dialog: Heute mit Tanja Busse

Tanja Busse hat das Buch „Die Wegwerfkuh“ geschrieben, das für viel Diskussionsstoff sorgt. Die Öffentlichkeit ist erschreckt, viele Landwirte hingegen fühlen sich angegriffen. Konfrontation bringt niemanden weiter. Wir wollen Dialog. Deshalb hat Willi an Tanja einige Fragen gestellt. Bilden Sie sich selbst eine Meinung und diskutieren Sie mit.   Willi: Tanja, Du kommst von einem Bauernhof. Was war der Grund, ein Buch mit einem solchen Titel zu schreiben? Tanja: In einem Vortrag hatte ich gehört, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer von Milchkühen deutlich unter drei Jahren liegt – und das hat mich umgehauen. Ich bin ja in den siebziger Jahren auf einem Hof mit Milchkühen aufgewachsen, daher kenne ich das enge Verhältnis der Milchbauern und -bäuerinnen zu ihren Kühen. Ich wollte rausfinden, wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet Kühe so früh vom Hof gehen – und warum? Da investieren die Landwirte in moderne Boxenlaufställe mit viel Licht und Platz und züchten wertvolle, leistungsfähige Tiere, die gigantische Milchleistungen bringen – und dann kollabieren die Kühe und werden mit vier oder fünf Jahren zum Schlachten geschickt? Wo …

Aldi und die Milch-Antwort

Manche Leser waren „entsetzt“, dass Bauer Willi zu einem „Bettelbrief“ an Aldi aufruft. Doch wir wollen Dialog, haben wir uns auf die Fahnen geschrieben. Und so ist eine persönliche EMail an Aldi auch eine Form der Kommunikation zwischen Verbrauchern und dem Handel – außerhalb von kaufen oder nicht kaufen. Aldi und Co sollten wissen, wie wir und andere darüber denken. Also müssen wir es ihnen sagen. Die große Resonanz des Aufrufs hat uns jedenfalls bestätigt, dass hier viel „Emotion“ liegt. So wie viele andere hat Willi natürlich auch eine EMail an Aldi gesendet. Erstaunlich ist schon, dass jede EMail per Ticketsystem verarbeitet wird. Auch wenn es ein Standardtext ist. Es ist trotzdem eine persönliche Antwort. Wir sehen dadurch auch, wie wichtig einem Giganten wie Aldi sogar die Einzelkommunikation mit Verbrauchern ist. Da kann man durchaus was lernen. Darum veröffentlichen wir die Kommunikation von „Verbraucher Willi“ mit Aldi, damit jeder sich selbst ein Bild darüber machen kann. Es bleiben die Zweifel, was diese Preissenkung wirklich bringt? Ausser der Ansage, dass alle die Preise senken. Willi schrieb …

Zwei mal Alpauftrieb

Im Mai und Juni werden im Oberallgäu die Tiere auf die Alpweiden gebracht. Je höher diese Alpen liegen, desto später werden diese Weiden „beschlagen“. Ich zeige Euch hier zwei unterschiedliche Varianten, wie das so zugeht im Oberallgäu. Variante 1: Traditionell und sogar romantisch: Der typische Alpauftrieb. Die Kühe ziehen mit festlichem „Gschealt“ auf die Alp. Diese Variante findet man fast nicht mehr. Aber dieser Bauer zieht zwei mal im Jahr mit seiner gesamten Kuhherde an meinem Hof vorbei. Seine Kühe laufen dabei jedesmal 14 km. Von Wertach bis nach Immenstadt. Und im Herbst wieder zurück. Ein tolles Schauspiel:   Variante 2: Modern und nicht mehr so romantisch: Transport der Tiere mit Traktor und Viehwagen. Dast ist die heute übliche Variante. Ich zeige Euch hier den Alpauftrieb, oder sagen wir besser die Alpauffahrt zu meiner eigenen kleinen Alpe am Grünten. 0

Brillenschaf? Villnöss!

Ich bin ja im Urlaub. Eigentlich wollte ich nichts schreiben, aber was ich am Samstag gehört habe, war so positiv, dass ich das einfach mal in die Tastatur hämmern musste. Es ist das absolute Gegenmodell zu Aldi. Es zeigt, wie Landwirte einen Markt entwickelt haben und ihnen heute ein Einkommen ermöglicht, das unabhängig von großen Lebensmittelketten funktioniert. Es geht um das Villnösser Brillenschaf. Hatte ich vorher noch nie von gehört, aber die laufen ja bekanntlich rund um unsere Ferienwohnung. Was ich auch nicht wusste, dass diese Rasse beinahe ausgestorben wäre. 1998 gab es noch 200 Tiere. Bis ein paar engagierte Menschen auf die Idee kamen, das Aussterben zu verhindern. Einer davon war Günther, der Zuchtwart für die Region zwischen Bozen und Brenner (ich hoffe, das stimmt so) Günther ist aber nicht nur Zuchtwart, sondern auch ein Typ. Anfang 40, Bart, wettergegerbte Haut, Frauentyp. Und kann einem einen Knopf an die Backe reden. Nicht aufdringlich sondern überzeugend. Einen eigenen Webauftritt hat er natürlich auch http://www.villnoesser-brillenschaf.eu/ Drei Bauern gab es 1998 noch, die diese Rasse hielten. Heute …

Aldi und die Milch – Ein Aufruf zum handeln

Aldi Süd schreibt auf seiner Homepage, dass das Unternehmen sich für Nachhaltigkeit und Tierschutz einsetzt und senkt gleichzeitig ohne erkennbaren Grund die Erzeugerpreise für Milch. Verstehen Sie das? Ich nicht. Tatsache ist auch, dass für die Initiative Tierwohl, an der sich Aldi beteiligt, nicht genügend Geld zusammenkommt. Ein großer Teil der Landwirte bleibt -zumindest vorerst – auf den Kosten sitzen. Und Aldi zahlt weniger für die Milch. Finden Sie das gerecht? Wenn Sie ein Verbraucher sind, der nicht versteht, warum der Landwirt jetzt 4 Cent pro Liter weniger für seine Milch bekommt als noch im April, der möchte, dass der Landwirt für mehr Tierwohl einen finanziellen Spielraum bekommt dann schreiben Sie eine Mail an Aldi: mail@aldi-sued.de oder impressum@aldi-nord.de Ein Textvorschlag: Ich bin ein verantwortungsvoller Verbraucher und bitte Sie: Nehmen Sie die Preissenkungen bei Milchprodukten wieder zurück und zahlen Sie den Landwirten einen fairen Preis. Sorgen Sie für eine solide Finanzierung der Initiative Tierwohl, die die Landwirte nicht auf ihren Kosten sitzen lässt. Noch mehr Tierschutz gibt’s nicht zum Nulltarif. Schicken Sie diesen Aufruf auch an …

Eine Woche Grünland im Mai

Das Grünland im Oberallgäu beeindruckt Anfang Mai mit sehr intensiven Wachstum. Das ist der Grund warum die Bauern in dieser Zeit sehr „auf Zack“ sein müssen. Denn innerhalb einer Woche verblüht das Gras. Nach der Blüte wächst keine Energie mehr dazu sondern nur noch Rohfaser. Das Gras „verholzt“. Ich zeige Euch in dem Video auch wie ihr mit einem Blick erkennen könnt, ob eine Wiese intensiv bewirtschaftet wird, oder extensiv (Bio). 0

Udo Pollmer über Bauer Willi und die billigen Lebensmittel

Udo Pollmer, bekannter Lebensmittelchemiker und Sachbuchautor,  nimmt im Deutschlandradio Bezug auf Bauer Willi und sagt: …Endlich hat die Landwirtschaft eine Stimme, die auch gehört wird. Unter dem Pseudonym „Bauer Willi“ hat ein Landwirt vom Niederrhein einen Brandbrief an die Verbraucher gerichtet…. Doch nach dem Zuspruch mahnt Pollmer zu mehr Nachdenklichkeit: …Sein Frust ist verständlich, aber glaubt er ernsthaft, dass das Geld in seinen Taschen landet, wenn die Kunden das Doppelte bezahlen?… Pollmer sinniert weiter: …Es ist nicht klar, wem es mehr an Wertschätzung für unser Essen mangelt – dem Verbraucher oder dem Erzeuger…. Um letztlich ein bemerkenswertes Resumee zu ziehen: …Die Diskussion, die „Bauer Willi“ angestoßen hat, ist wichtig – aber gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter, doch das wird er längst selbst wissen. Es stimmt auch, dass viele Verbraucher geradezu abenteuerliche Vorstellungen von der Landwirtschaft haben, und es ist nur logisch, dass Landwirten bei den oft unqualifizierten Angriffen der Geduldsfaden reißt. Allerdings gilt das auch umgekehrt. Vielen Bauern fehlt jede Vorstellung davon, wie Verbraucher ticken. Dank Bauer Willi beginnt sich das zu ändern. Mahlzeit! Den vollständigen …

„Wut“bauer – ratlos

So langsam könnten die Medien ja mal aufhören mit dem Begriff „Wutbauer“. Obwohl ich am Sonntag bei Jauch im Gasometer kurz davor war, mal wieder aus der Haut zu fahren. Was Schinken-Abraham und „Experte“ Roeb da vom Stapel ließen, war schon derb. Dass die Bauern an den niedrigen Preisen selbst schuld sind, darauf war ich, ehrlich gesagt, noch nicht gekommen. Da muss der Ehrenpräsident des BVE die Statistik schon ganz schön verbiegen, um behaupten zu können, dass wir Bauern überall Überschüsse produzieren um dann bei der Nahrungsmittelindustrie zu betteln, dass die doch bitte unsere Produkte kaufen. Nachdem ich mir im Netz die Sendung noch zweimal angeschaut habe, erschließt sich mir immer noch nicht, was Experte Roeb meint, wenn er sagt, das wir Landwirte immer „haben, haben, haben wollen, aber ansonsten auf dem Stand von 1970 stehen geblieben sind“. Eigentlich ein persönliche Beleidigung, da er mich dauernd dabei anschaut. Gleichzeitig schimpft er dann, dass ich Besitzer eines halben Fendt bin. Das es nur ein halber ist, hätte er erfahren können, denn es ist nachzulesen, dass ich …