Bauer Willi
Kommentare 38

Im Dialog: Fragen an Felix zu Löwenstein

Felix zu Löwenstein ist Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft und Vorstandsmitglied des Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Er ist der gleiche Jahrgang, bewirtschaftet ebenfalls einen landwirtschaftlichen Betrieb und fährt die gleiche Schleppermarke. Grund genug ihm ein paar Fragen zu stellen.

 

Wann und aus welchem Gründen haben Sie Ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt?

Aus recht unspektakulärem Anlass: In den Jahren 1986 bis 1992 habe ich konventionell gewirtschaftet und hatte ein zunehmendes Unbehagen im Umgang mit Stoffen, die ganz offensichtlich nicht in die freie Natur gehören. Und bei deren Verwendung man allzu oft zu unerfreulichen Kompromissen genötigt ist. Z.B. wenn man das Spritzfass nicht leer hat, der Wind stärker wird, man aber nicht aufhören kann, weil bald Regen angesagt ist und man die Spritze nicht halbvoll auf dem Hof stehen lassen will. Als ich mitbekommen habe, dass Ökolandbau anbautechnisch funktioniert und es auch eine Vermarktung gibt, habe ich ein Rechenwerk (mit Bleistift und Taschenrechner…!) erstellt, das man heute einen „businessplan“ nennen würde. Das habe ich einem Professor in Bad Kreuznach vorgelegt, von dem ich wusste, dass er Ökolandbau richtig blöd fand – ich wollte es mir ja nicht schönrechnen. Als er meine Zahlen bestätigt hat, habe ich mir gesagt: wenn’s ohne Chemie geht, weshalb soll ich dann mit Chemie weiter machen?

Wir Landwirte stoßen in der Bevölkerung zunehmend auf Unverständnis, wenn wir noch spät abends oder auch am Wochenende unserer Arbeit nachgehen. Kennen Sie das auch?

Vor Jahren habe ich das auch einmal erlebt, als wir in Dorfnähe nachts gepflügt haben. Und als mein Fenchel so stark ins Neubaugebiet hinein geduftet hat, dass dort niemand mehr Husten hatte. Aber generell erlebe ich die Leute zustimmend und positiv – was vielleicht auch etwas damit zu tun hat, dass sie über viele Veröffentlichungen in der lokalen Presse recht genau wissen, was wir machen.

Wie ist das Verhältnis zwischen Verbrauchern und Erzeugern im Bio-Bereich, wenn Sie einmal den Direktverkauf außen vor lassen? Sehen Sie da Unterschiede zum konventionellen Bereich?

Ich glaube, dass es da einen sehr großen Unterschied gibt – vor allem, wenn es um die Kunden im Naturkostladen geht, die meist die „intensiveren“ Biokäufer sind. Sie interessieren sich dafür, wie erzeugt wird und wer das macht. Es gibt Zeitschriften wie „Schrot und Korn“, die Riesenauflagen haben, in denen zwar auch Rezepte oder Wellness-Themen abgehandelt werden – aber immer auch etwas über Bauern und das was sie tun. Ich wüsste nicht ein einziges solches Kommunikationsmittel im normalen Lebensmittel-Einzelhandel.

Natürlich ist Bioweizen ein ebenso anonymes Massenprodukt, wie konventioneller. Es ist aber nicht von ungefähr, warum die stark anwachsenden Soziale-Landwirtschaft-Projekte („community supported agriculture“) oder Modelle wie www.bio-mit-gesicht.de, die Erzeuger und Verbraucher näher zusammenbringen, gerade im Ökologischen Landbau so erfolgreich sind.

In den Medien gelten die Bio-Betriebe meist als die Guten, die konventionellen Betriebe als die Bösen. Wie ist ihre Meinung dazu?

Ich halte das für untaugliche Kategorien. Es geht nicht um Moralisches. Es geht darum, welches der richtige Weg für eine zukunftsfähige Landwirtschaft ist, nicht um: hier sind die Ökologischen Lichtgestalten und dort die Konventionellen Finsterlinge! Ich hatte vor zwei Wochen einen amerikanischen Gast, der das sehr schön formuliert hat. Es meinte, dass die konventionelle Landwirtschaft sicherlich noch viele Jahrzehnte so weiter funktionieren könne. Aber sicher nicht noch einmal so lange, wie bei ihnen schon Ackerbau betrieben wird: Zehntausend Jahre. Und darum geht es: welcher Weg taugt für die nächsten Jahrtausende?

So sehr wir Bauern brauchen, die mit uns diesen Weg weiter entwickeln, so klar ist für mich auch: Die Lösung bekommen wir erst, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass es rentabel ist, das Richtige zu tun und unrentabel das Falsche. Das gilt übrigens nicht nur für die Landwirtschaft.

Was uns allen aber auch künftig zu schaffen machen wird, ist, dass die politische Diskussion um solche Rahmenbedingungen nicht geführt werden kann, in dem man sagt: alles ist richtig, deshalb ist es egal wer wie wirtschaftet.

Bekannt ist ja, dass die Erträge im Bio-Bereich niedriger sind als im konventionellen Bereich. Die Frage, ob Bio alleine den Verbraucher versorgen könnte, ist Ihnen sicherlich nicht neu. Wie antworten Sie darauf?

Wenn man diese Frage seriös beantworten will, braucht es sehr viel mehr Platz, als in einem solchen Interview zur Verfügung steht. Ich habe mich sehr intensiv damit befasst und das Ergebnis sind zwei Bücher: „FOOD CRASH – Wir werden uns ökologisch ernähren, oder gar nicht mehr“ und „Es ist genug da. Für alle. Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur.“ Unzureichend und knapp zusammengefasst lautet die Antwort: Ja, wir können mit Bio die Verbraucher versorgen. Aber nicht, wenn wir mit dem Erzeugten so umgehen, wie bisher. Wenn wir die Hälfte des in Acker und Stall Erzeugten in die Tonne treten, ehe es auf dem Teller liegt und wenn der überwiegende Teil des Getreides im Futtertrog landet. Auf den Rest des Planeten hochgerechnet, geht das ohnehin nicht – mit keiner Form von Landwirtschaft, uns sei sie noch so produktiv!

Lieber Herr Löwenstein, vielen Dank für dieses Gespräch. Wir sehen uns bestimmt mal wieder.

Ihr Bauer Willi

(Aufrufe 1.945 gesamt, 3 heute)

38 Kommentare

  1. Schweinebauer Piet sagt

    Sehr geehrter Herr Löwenstein, wie sieht es in der Bio-Landwirtschaft mit Mykotoxinen im Getreideanbau aus?

    Gestern erst habe ich mit einem Ferkelproduzenten gesprochen, dem der eigene Anbau sehr wichtig ist um das Problem selber im griff zu haben, um Fruchtbarkeitsproblemen vorzubeugen.

    Im Studium hat ein Dozent der Phytopatologie sogar gesagt, dass er eine schwangere Frau niemals empfehlen würde zum Bio-Bäcker zu gehen. Wie stehen Sie dazu?

    0
    • Felix Löwenstein sagt

      Lieber Schweinebauer Piet,

      Ihre Frage beleuchtet auf erschütternde Weise die Überbelastung des landwirtschaftlichen Lehrkörpers. Denn offenbar ist es einem Dozenten nicht gelungen, Zeit für die Lektüre der entsprechenden Studien zu finden, ehe er seinen Studenten Erkenntnisse mit auf den Weg gibt. Sonst wüßte er, dass es genau anders ist: Die Mykotoxinbelastung ist in Biogetreide geringer, als in konventionell erzeugtem.

      Ich zitiere der Einfachheit halber meinen Kollegen Stefan Palme, der die Studien vor ein paar Monaten als Reaktion auf eine entsprechende Pressemeldung zusammengestellt hat:

      •vom Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) aus dem Jahre 2010 (www.mil.brandenburg.de/media_fast/4055/Mykotoxine_web.pdf ). Unter Punkt 5.5 (Seiten 46-49) wurden die Mykotoxinbelastungen von ökologisch und konventionell erzeugtem Getreide aus den Ernten 2000-2008 verglichen. Es wurde folgendes festgestellt: „Die Belastung von ökologisch angebautem Weizen und Roggen war in allen Jahren geringer als die der Proben aus konventionellem Anbau“.
      •Thüringen (S. 12, http://www.tll.de/ainfo/pdf/olbt1013.pdf ) und
      •Baden-Württemberg (S. 15, http://www.untersuchungsaemter-bw.de/pdf/oekomonitoring2013.pdf ).
      •Die umfassendste Literaturstudie zu diesem Thema wurde von Charles Benbrook verfasst: „Breaking the mold – impacts of organic and conventional farming systems on mycotoxins in food and livestock feed” ( http://www.organic-center.org/reportfiles/MycotoxinReport.pdf ). Darin wurden vergleichende Erhebungen über die Häufigkeit und die Menge von Mykotoxinen in konventionellen und ökologischen Lebensmitteln durchgeführt (Biffi et al., 2004b; Birzele et al., 2000; Birzele et al., 2002; Brandt et al., 2005; Cirillo et al., 2003; Doll et al., 2002; Jestoi et al., 2004; Leblanc et al., 2002; Schollenberger et al., 1999; Schollenberger et al., 2002; Schollenberger et al., 2005; Skaug et al., 1998; Skaug 1999a). Die Ergebnisse sind auch hier: Im Mittel von 24 publizierten Studien, welche konventionelle und ökologische Lebensmittel verglichen, wurden in konventionellen Lebensmitteln 50 Prozent häufiger Mykotoxine gefunden als in biologischen. Die Mykotoxin-Gehalte waren im Durchschnitt bei konventionellen Proben doppelt so hoch wie in biologischen. Zehn der Studien beschäftigten sich mit Weizen oder Weizenprodukten. Die Mykotoxin-Gehalte waren in 8 von 10 Vergleichen beim konventionellen Weizen höher, in einem Vergleich gleich hoch und in nur einer Studie war der Mykotoxin-Gehalt im Bioweizen höher als im konventionellen. Die Hauptursache der höheren Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) in konventionellem Getreide wird in der intensiven Düngung gesehen, welche zu dichten Pflanzenbeständen führt. Diese bleiben länger feucht, was die Bildung von Schimmelpilzen trotz Fungizidbehandlungen fördert.

      Ich vermute darüber hinaus, dass auch die weiteren Fruchtfolgen eine Rolle spielen und der geringere Maisanbau.

      Herzliche Grüße
      Felix Löwenstein

      4+
      • Bauer Willi sagt

        Lieber Herr Löwenstein, ich muss zugeben, dass mir diese Ergebnisse auch neu sind. Folglich war auch mein Lehrkörper vor nunmehr 35 Jahren schon überfordert 🙂 . Allerdings ist die Herleitung, warum die Mykotoxin-Belastung im Bioanbau niedriger ist, verblüffend einfach, wenn man das Grundverständnis für das Auftreten von Pilzkrankheiten, insbesondere Fusariosen hat. Wenn man dann noch das eigene Gehirn einschaltet, hätte man auf die Lösung kommen können.

        Vielen Dank, ich habe in mehrfacher Hinsicht etwas dazugelernt!
        Bauer Willi

        1+
      • Schweinebauer Piet sagt

        Hallo Herr Lowenstein, vielen Dank für die Antwort und Links zum Studieren. Im Studium gab es sehr gute und auch schlechte Dozenten. Von einem guten kann man z.B. auch sehr gute Filme über Pilzkrankheiten bekommen.

        Ich denke im Leben muss man immer prüfen, ob man das glauben kann, was einem gerade erzählt wird.

        0
  2. Eigentlich ist die Landwirtschaft im Vorteil:
    Ressourcenforscher, Ökologen und viele Ökonomen haben es ja klar formuliert: Künftig müssen alle Wirtschaftsbereiche mit weniger Ressourcen auskommen: die Autoindustrie, die Chemiefabriken, die IT-Branche…

    Die Landwirtschaft hat dabei den großen Vorteil, dass sie schon ein paar Jahrtausende Erfahrung damit hat, wie es gehen kann, nämlich als solare Landwirtschaft. Die die Kraft der Sonne nutzt, möglichst wenig Input von außen braucht und auf Naturkreisläufe setzt. Die Mist produziert und keinen Müll.

    Das ist mit Blick auf die kommenden Knappheiten, Peak Oil, Peak Phosphat … eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Darauf sollte sich auch die Forschung richten!

    1+
    • bauerhans sagt

      ja eigentlich,aber „uneigentlich“ ist sie im nachteil,weil zuviel produziert wird.

      0
      • Alois Wohlfahrt sagt

        es wird deshalb zuviel produziert, weil es möglich ist Unmengen an Energie in den Produktionsprozeß zu stecken. Weil nur mit billiger oder bezahlbarer Energie rechnet sich die hochtechnisierte Landwirtschaft.

        0
        • Felix Löwenstein sagt

          Das spannende ist: alles hängt mit allem zusammen.
          Die Landwirtschaft kann hohe Mengen zu geringen Preisen produzieren. Wer sich im Wettberwerb behaupten und nicht auf der Strecke bleiben will, muss da mithalten. Auch wenn ihm klar wäre, dass er in Wirklichkeit höhere Kosten verursacht. Weil alle anderen diese Kosten auf die Allgemeinheit überwälzen können (Stichworte: Ressourcenverbrauch, Biodiversitätsverminderung, Gewässerbelastung etc) bleibt dem Einzelnen nur:
          a) in diesem System mithalten und das Gleiche tun
          b) das System verlassen und eine neues aufsuchen: Ökologische Landwirtschaft. Und nach den hier geltenden Regeln und Wettbewerbsverhältnissen arbeiten.
          Wir können auch das konventionelle System verändern (das konventionell heißt, weil es die Mehrheit ausübt, also zur Konvention geworden ist). Wir müssen das sogar, brauchen dafür aber langen Atem, Bereitschaft zur Auseinandersetzung und politische Kraft – ein dickes Brett.
          Für mich ist der Ökolandbau nicht nur eine heute schon gangbare Alternative für den einzelnen, sondern hat die Aufgabe, den Pfad auszutreten, der für alle zum Weg werden kann. Und nochmal: nicht statisch, nicht fertig und perfekt, sondern sich entwickelnd, Neues ausprobierend.
          Felix Löwenstein

          2+
          • Thomas Pa. sagt

            Herr Löwenstein!
            Sie können doch das System gar nicht verlassen, sie haben die gleichen Bedingungen, nur einen anderen Markt. Wenn die Marktsättigung erreicht ist, kommen Sie da an, wo die konventionelle Wirtschaft schon ist.
            Deswegen die Versuche mit der Solidarischen LW. Funktioniert nur im begrenztem Markt.
            Sie habe es schon beschrieben, Sie(Öko LW) brauchen andere Rahmenbedingungen.
            Grundrahmenbedingungen für die gesamte Wirtschaft.

            Bsp. Aldi…..hat den Vorteil, er kann sich extrem auf sein Geschäft konzentrieren und nur darauf und nichts anderes. Und ist darin sehr erfolgreich. Die LW, soll alles mögliche und nichts richtig. Das ist heute nicht mehr zu leisten?! Wenn Aldi, das schon vermeidet, aus Angst sich zu verzetteln?!

            Trotz der Einwände, großes Lob für Ihre sehr durchdachten Thesen!

            Thomas Pa.

            0
            • Felix Löwenstein sagt

              Lieber Thomas Pa.

              Offensichtlich ist für das, was ich ausdrücken will, das Wort System nicht eindeutig. Ich nenne es System, weil es um Produktion, Vermarktung und Konsum geht und weil das alles zusammenhängt. Natürlich erleben auch wir bei Marktsättigung Preisverfall. Nur machen wenigstens drei Gesichtspunkte das System (oder das Marktsegment, wenn Sie wollen) anders:

              Erstens, weil es ein anderer Markt ist, kann ich ohne (oder jedenfalls mit erheblich weniger) Schäden an Ressourcenvorrat und Umwelt produzieren, weil meine Wettbewerber es ebenso wenig dürfen, wie ich. Das wird durch Regeln, Zertifizierung und Kontrolle möglich und weil vertrauend darauf die Kunden einen höheren Preis und der Staat ein Leistungsentgelt zahlen.

              Zweitens: weil systemimmanent weniger produziert wird (z.B. Milchleistung/Kuh und Kuh/Hektar), wesentlich deshalb, weil die Tierhaltung an die Fläche gekoppelt ist, kommt es auch nicht so leicht zu Überschüssen. Kann aber trotzdem passieren!

              Drittens: Weil der Konsum (z.B.: Wieviel Fleisch esse ich, wieviel werfe ich weg) viel mit dem Preis der Produkte zu tun hat, ändert dieser sich bei den Verbrauchern dieses anderen Marktes – mit der Folge, dass der geringere Flächenertrag durch einen geringeren Anspruch an die Fläche ausgeglichen wird.

              Und nochmal, damit ich nicht falsch verstanden werde: ich halte die Marktwirtschaft für ein sehr funktionsfähiges System und will sie nicht abschaffen. Entsprechende Versuche sind immer in die Hose gegangen. Aber der Markt funktioniert nicht, wenn die Preise das falsche Signal aussenden, weil sie Allgemeinkosten nicht abbilden. Wenn ich von der Notwendigkeit einer Systemänderung spreche, dann meine ich das: die Internalisierung der Kosten. Dass sich das leichter hier hin schreibt, als man es in konkrete, mehrheitsfähige politische Massnahmen umsetzt, ist mir bitter bewußt….! Genau deshalb braucht es die Diskussion in unserer Gesellschaft – so, wie wir sie hier führen.

              Felix Löwenstein

              4+
              • Thomas Pa. sagt

                Lieber Herr Löwenstein!

                Vielen Dank für die schnelle Antwort!
                Bin leider auf den Button gekommen, wollte keinen Daumen runter haben!

                Zum 1. Punkt…

                Das Problem ist glaube ich die EU bzw. ein erweiterter Markt. Wir haben ja jetzt schon das Problem, das andere in diesen Markt mit Mengen überliefern, so dass paradoxerweise im Biobereich gleiche, wenn nicht manchmal auch günstigere Preise entstehen. Oder im letzten Jahr waren Bioschweine nicht abzusetzen, in diesem Jahr sind sie gesucht. Zur Marktkontrolle, wir haben jetzt schon das Problem, der „Überzertifizierung“, was fast niemand mehr leisten kann…..Z.b. braucht ein BIO Betrieb trotzdem extra noch eine QS Zertifizierung, das müßte entschlackt werden bzw. müßten Teile automatisch anerkannt werden.

                Tierhaltung muss unbedingt an die Fläche gekoppelt werden und Prämien bezogen auf die Fläche wegnehmen bzw. kürzen.

                Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach, das wir ein „Demokratiedefizit“ haben. Dadurch fühlen sich die Menschen nicht einbezogen und nehmen automatische „Nachteile“ nicht hin. Dadurch entsteht diese „Lügenmentalität“ also etwas anders fordern und sagen ,gegenteilig handeln. In der Schweiz haben wir eine sehr gute direkte Demokratie, das stehen die Menschen mehr hinter politischen Regelungen.
                Die Diskussion müsste in dem Zusammenhang mit laufen. Ich weiß nicht, ob das in so einem großen föderalen Land geht?

                Thomas Pa.

                0
    • Thomas Pa sagt

      Frau Busse!

      Die Forschung für die LW läuft seit Jahren auf absoluter Sparflamme. Es gibt nur noch wenige Universitäten, die ernsthafte Kapazitäten haben. Die angewandte Forschung ist noch extremer zusammengestrichen. Die Krux bei der Lw ist, das sie alle möglichen Anforderungen erfüllen soll, vom Landlustidyll bis zum fachlich sehr anspruchsvollen Verfahren. Mit immer ungeeigneteren Leuten. Kein Wirtschaftszweig macht das und kann das. Autobauer bauen nur Autos, Ventilatorenbauer bauen 20 Arten Ventilatoren, Schuhverkäufer verkaufen Schuhe. Unser Problem ist, wir müssen uns auf unseren Job konzentrieren und dafür kämpfen, was wir wirklich wollen und können!!! Das geht uns über den ganzen Anforderungen verloren, die an uns herangetragen werden.

      Viele Grüße Thomas Pa.

      0
  3. An Biobauer Andreas,
    die „Politik“ besteht aus Menschen, die für 4 Jahre gewählt, um ihre Wiederwahl bangen. Was soll man da erwarten? Die langen Gurken, hieß es vor kurzem, wurden nicht von der EU Kommission „lang und gerade“ gemacht, sondern der Handel setzte die Normen, damit alles in die Kiste paßte. Was krumm und kurz war, wurde auf den Müll geworfen.
    Der „Verbraucher will kein fettes Schweinefleisch“ hieß es, aber sicher das wässrige, schrumpfende Stück. Der Handel erzählt, was „Verbraucher“ wollen.
    Verbände erzählen den Politikern, was sie haben wollen und spenden den Parteien. Wer viel Geld für den Wahlkrampf bringt, bekommt auch einen guten Listenplatz…siehe oben.
    Gesetze werden von Verbänden verfaßt und wortwörtlich übernommen. Ein großer Verband kann viel bewirken, besonders, wenn die richtigen an der Spitze stehen.

    0
  4. Als ich in den 70er den Hessenbauer las, fragte ich mich: Was haben die Bauern ohne BASF gemacht? Genauso merkwürdig finde ich die Fragen, was wir machen werden, wenn das Öl oder die Mineraldünger nicht mehr zur Verfügung stehen. In Hamburg wurde in einer öffentlichen Toilette zunächst zum Test eine Anlage eingebaut, die letztlich eine Alternative zur jetzigen Aufbereitung von Abwasser sein soll. Flüssiges und Festes werden getrennt. Aus dem flüssigen Teil werden die Mineralstoffe gewonnen und der feste Teil wird etwa 10 Jahre gelagert und dann auf mögliche Rückstände untersucht. Sind diese abgebaut, hat man Material zur Bodenverbesserung. Gegenwärtig kommt Gülle auf den Acker mit den Ausscheidungen werden auch multiresistente Keime auf den Acker gebracht – siehe Udo Pollmer.
    Bei allen möglichen Erfindungen hat man sich in den 80er gefragt, welche mögliche andere Erfindung in den Schubladen liegt.
    Im heutigen brasilianischen Urwald hat es Siedlungen gegeben und man kann auf Satelittenaufnahmen sehen, daß es Felder gab. Man hat die Erde untersucht und nannte sie Terra preta – heute wird sie hergestellt und verkauft! Was vor Jahrhunderten gut war, wir auch heute vermarktet. Tradition kann ruhig die Jahrtausende im Blick haben, denn was sich bewährt hat, braucht kein Werbegeschrei.

    0
  5. Hans Coenen sagt

    Es gibt leider nicht „die“ Lösung für „die“ Wekternährung. Wir in den entwickelten Ländern sitzen vor übervollen Tellern und műssen versuchen, durch Verzicht – u. a. auf überzogenes Qualitäts- und Sicherheitsdenken – von diesem übervollen Teller etwas wegzulassen. In Entwicklungländer sitzen leider viele Menschen vor einem leeren Teller und kämpfen darum, dass da etwas drauf kommt. Die Lösung kann nicht „die“ eine und gleiche sein. Was wir uns bei einer Überversorgung leisten können und sollten, ist bei Unterversorgung nicht realisierbar.
    Außerdem ist es zu einfach, Landwirtschaft nur auf die Bereitstellung von Nahrungsmittel für Menschen und Tier (!!) zu fokusieren. Die Diskussion um Energie ist erst am Anfang. Alle reden von CO2: Pflanzen speichern dies nicht, sondern bauen CO2 ab und liefern den für uns alle übrrlebensnotwendigen Sauerstoff. Und diese natürlichen Sonnenkraftwerke wollen/sollen wir zunehmend nicht mehr nutzen? Wie steht es um die Beteitstellung von Landschaft für Freizeit und Erholung? Wo wohnen und siedeln wir? Leider bevorzugt da, wo es auch gut wächst. Was ziehen wir an? Wie steht es um unsere Kleidung? Wir werden uns wundern, wenn wir alles, von der Brille bis zu Schuhen und Socken, ablegen, was auf Erdöl basiert.
    Es ist bedauerlich, dass wir es nicht zu schätzen wissen, dass wir auf der nördlichen Erdhalbku gel in einem gelobten Land leben. Der Verlust dieser Wertschätzung hat auch etwas zu tun mit dem Verlust von Respekt landwirtschaftlicher Arbeit und der Wertschätzung landwirtschaftlicher Produkte.

    5+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Hans, lieber Herr Barkmann und andere,
      von Gesprächen mit Herrn Löwenstein habe ich mitgenommen, dass er in der Tat Bio neu definiert. Das hat nichts mit handgestrickten Pullovern zu tun, sondern ist professionelle Landwirtschaft mit anderen Mitteln. Und er sagt ja auch sehr deutlich im Interview „Die Lösung bekommen wir erst, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass es rentabel ist, das Richtige zu tun und unrentabel das Falsche.“ Und damit ist die Ökonomie gemeint. „Wert“-schätzung hat ja auch was mit Geld zu tun. Und da ist dann wieder der Verbraucher in der Pflicht, höhere Kosten auch zu bezahlen, wozu aber derzeit nur wenige bereit sind.
      Bauer Willi

      3+
      • Biobauer Andreas sagt

        Lieber Willi, ich glaube Felix ist der begrenzte Einfluss des Verbrauchers durchaus bewusst, ein paar treue Biokunden, ein paar Mitglieder solidarischer Landwirtschaft.
        Ich glaube mit Rahmenbedingungen meint Felix schon die, welche durch die Politik gesetzt werden. Gerade kam die Meldung über die grössten Subventionsempfänger 2014, unter den Top 9, die alle über 2 Millionen bekommen (ich bekomm trotz, bzw. wegen Bio 6.000 €) und Du 12800…)
        ist soweit ich das sehe kein Biobetrieb darunter.

        Wenn wir doch alle einig sind, dass ein modernes modifizietres Bio die vernünftigere Wirtschaftsweise für die ferne Zukunft ist, dann muss die Politik die Rahmenbedingungen auch entsprechend setzen. Das würde aber auch bedeuten, dass der Bauernverband, der m.E. eine „alte“ Form der Landwirtschaft mit mehr Effiziens, mehr Exporten etc. vertritt, aufhört auf die Politik Einfluss zu nehmen.
        http://www.agrarheute.com/direktzahlungen-veroeffentlicht-die-9-top-empfaenger

        4+
        • Bauer Willi sagt

          Hallo Andreas, kleine Korrektur: ich bekomme 12.853 € 🙂 Habe gerade nachgeschaut. 🙁
          Bauer Willi

          0
          • Biobauer Andreas sagt

            Ja Willi ich habe abgerundet… was ich mich eher frage: hätte die Genossenschaft auf Platz 1 mit den 2,3 Mio den neuen Stall für 400 Kühe auch gebaut ohne Subventionen und wie wäre deren Betriebsergebnis ohne Direktzahlungen? bei 28 ct Milchpreis.. Oder anders: warum eigentlich sollte der Steuerzahler einen defizitären Milcherzeuger finanzieren, wenn wir soviel Milch haben, dass wir sie bis China exportieren müssen? Die einzige Rechtferigung wäre: es ist ein vorbildlicher Betrieb, mit langlebigen Kühen mit ganz niedrigen Kälberverlusten usw. Aber da habe ich grosse Zweifel, zurecht?

            Möchtest Du ihn mal danach fragen, mir wird er sicher keine Auskunft darüber geben

            2+
              • Biobauer Andreas sagt

                bauerhans,
                was genau meinst Du sei „polemische Feststellung“ ? Polemik meint „strittig“, also ob der 400er Betrieb Defizite macht oder ob er vorbildlich ist, beides weiss ich nicht, und werde es auch nicht erfahren.

                0
            • Bauer Willi sagt

              Hallo Andreas,
              ich habe da gerade einen Aussetzer, kann aber auch am Alter liegen: wen meinst Du mit der Genossenschaft auf Platz 1 und dem Stallbau? Wenn ich das weiß, kann ich mich um eine Antwort bemühen. Ich weiß wirklich nicht wer das sein soll! Es ist aber auch schon 0:10 Uhr und ich komme gerade von einem Vortrag…
              Bauer Willi

              0
              • Biobauer Andreas sagt

                Lieber Willi, nee das konnte man so auch nicht verstehen, ich hab es gestern während dem Backen geschrieben, also…
                Ich habe bei Agrarheute mal den obersten Betrieb angeschaut, aber der war Platz 9 und nicht Platz 1 der Subventionsempfänger. Hat auch „nur“ 250000 € Direktzahlungen aber eben 2 Mio andere Fördermittel. Dann hab ich mir diese Genossenschaft mal gegoogelt und gefunden, sie haben einen neuen Stall für 400 Kühe mit dem Geld gebaut. Nun wissen wir aber, es gibt zuviel Milch…
                Im Allgemeinen halte ich eh nix davon einzelne Betriebe an den Pranger zu stellen, sondern das System. Und vielleicht könntest Du das Thema: gerechte Verteilung der Subventionen, bzw. ist das, was die Empfänger damit machen eigentlich der Wille der Bezahler, sprich Steuerbürger oder mauschelt da Politik und Lobbyismus zusammen irgendwas hin. Man weiss ja dass D in der EU die Deckelung der Prämien verhindert hat.

                0
  6. bauerhans sagt

    wenn sich das rechnet,wie herr von löwenstein von einem agrarfachmann bestätigt bekommen hat,wieso gibts dann bei uns nur ca.5% bioanbau??

    0
    • Felix Löwenstein sagt

      Weil es nicht nur mit Geld zu tun hat. Tatsächlich: im Moment weist der Agrarbericht geringere Einkommen bei Biobauern aus, als bei konventionellen. Bis vor drei Jahren war das umgekehrt und zwar viele Jahre lang. Wenn’s nur ums Geld gehen würde, hätten ja damals alle umstellen müssen.
      Es geht aber auch um die Bereitschaft, ein ganzes System zu verändern oder um das Ansehen bei den Nachbarn – und noch mehr Gesichtspunkte, die bei jedem anders sein mögen.
      Was das wirtschaftliche betrifft: 25.000 Bauern gelingt das in Deutschland, also 8%. Das ist zu wenig, aber aber auch nicht nichts. Am Ende zählt aber, ob es für den jeweils einzelnen Betrieb ökonomisch hinhaut. Und da muss jeder für sich einen soliden, am Besten durch eine gründliche Beratung vorbereiteten Plan machen. Es geht ja schließlich um Arbeitsplatz, Familieneinkommen, Erhaltung des Betriebes.
      Felix Löwenstein

      6+
      • Matthias W. sagt

        und ergänzend noch das Umstellrisiko: Wenn der Betrieb auf Bio umstellt, sind die erzeugten Produkte in der Umstellphase (3 – 5 Jahre) erst mal für Jahre nicht als Bio zu verkaufen. Das Risiko übernimmt kein Verbraucher…

        0
  7. Moin Willi! Die Dialogserie finde ich sehr spannend.
    Ich finde den absoluten Ansatz („FOOD CRASH – Wir werden uns ökologisch ernähren, oder gar nicht mehr“) von zu Löwenstein zu extrem… und auch nicht richtig. Neueste Zahlen der FAO zeigen, dass wieder mehr Menschen (ca. 1000 Mio) satt wurden und gleichzeitig die Zahl der Hungernden leicht sank. Das zeigt doch, dass die vielfältige Form der Landwirtschaft in der Welt die Kraft hat, einen Großteil der Bevölkerung zu ernähren. Zur umfassenden Hungerbekämpfung müsste man für weniger Krieg, Vertreibung und bessere Regierungen sorgen- ein Ziel, das momentan wohl weit weg ist.
    Aber wenn ich dieses Interview richtig verstanden habe, können wir die These „Wir werden uns ökologisch ernähren, oder gar nicht mehr“ nicht beweisen oder widerlegen, weil jetzt plötzlich nicht mehr in Generationen gerechnet wird, sondern Jahrtausenden.
    Sicher ist, dass auf uns Landwirte (weltweit) einiges zu kommen wird. Die fossilen Rohstoffe sind endlich und die Ackerflächen werden nicht mehr allein zur Ernährung, sondern auch für Energie (Mobilität und Wärme) und nachwachsende Rohstoffe für Kleidung, Industrie etc. bewirtschaftet werden. Das sind riesige Herausforderungen, die nicht ohne Innovation und technischem Fortschritt zu bewältigen sind.

    8+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Bernhard
      das ist auch etwas, was mich umtreibt. Wenn es stimmt, dass die Phosphatvorräte noch für 60, von mir aus auch für 100 Jahre reichen: Was dann? Was ist mit Oil-Peak? Egal, ob das Öl noch für 200 Jahre reicht: Was dann? Wenn die Kalkulationen zum Bevölkerungswachstum stimmen und wir demnächst tatsächlich 10 Milliarden Menschen ernähren müssen? Was dann?
      Ich habe da auch keine Antworten!! Beim Wegwerfen sind wir Verbraucher in der Pflicht, nicht nur bei Nahrungsmitteln. Und auf dieses Thema weisen viele hin, aber ernsthafte Aktivitäten? Sehe ich keine. Ich bin da auch ratlos.
      Bauer Willi

      4+
      • Eines ist sicher: die konventionelle Landwirtschaft muss besser werden- sie muss sicher auch viel von ökologisch wirtschaftenden Betrieben abgucken, aber 100% Öko? Daran glaube ich einfach nicht, das ist mir zu ideologisch. Aber vielleicht wird ÖKO ja auch bald neu definiert und dann würde zu Löwenstein tatsächlich echt bekommen! 😉

        Irgendwann werden die land- und forstwirtschaftlichen Produkte zuerst genutzt bzw. gebraucht werden müssen (als Nahrungsmittel und auch als verarbeitetes Produkt bei Kleidung, Baustoffe etc.) und danach energetisch (Biogas, Heizkraftwerke) verwertet werden, wenn das Recycling nicht möglich ist.

        4+
        • bauerhans sagt

          die konventionelle landwirtschaft wird doch immer besser,was ja auf der anderen seite ihr problem ist: wir produzieren zuviel und die preise sind im keller……..

          0
        • Felix Löwenstein sagt

          Lieber Herr Barkmann,
          schön, auf diese Weise unser Gespräch fortsetzen zu können!

          Ich spreche (und schreibe in meinem Buch), wenn es um die große Frage der Welternährung geht, nicht von „Ökolandbau“ sondern von „Ökologischer Intensivierung“. Es geht nicht um einen Zertifzierungsstandard, sondern um eine grundsätzlich andere Methode des Umgangs mit der Natur. Und dass das anders aussehen wird, wenn wir davon endlich 100% haben, das will ich doch schwer hoffen. Wir brauchen doch Entwicklung! Damit die in die richtige Richtung geht, muss aber vor allem eines gegeben sein: die Preise müssen die ökologische Wahrheit sprechen. Wenn man nur dann Chancen auf dem Markt hat, wenn man Kosten für die Allgemeinheit produziert, um billig anbieten zu können, dann wird die Entwicklung auch so weiter gehen – in Richtung übermäßigem Ressourcenverbrauch. In der Landwirtschaft ebenso wie in der gesamten sonstigen Wirtschaft.
          Einstweilen können uns die Verbraucher helfen, die durch ihre Kaufentscheidung ein „Internalisierung der Kosten“ möglich machen. Und Agrarumweltprogramme. Aber auf Dauer hilft nur eines: die richtigen Rahmenbedingungen. Und die setzt der Markt nicht selbst. Die müssen wir als Gemeinschaft setzen, also politisch.
          Weil das ein dickes Brett ist, dürfen wir keine Zeit verlieren, zu bohren…!
          Felix Löwenstein

          4+
          • Moin,
            dann könnte ich von konventioneller (oder klassischer) Ökologisierung sprechen.
            Die herkömmliche Landwirtschaft hat in einigen Bereichen erhebliches Verbesserungspotential, wenn es um die Ressourceneffizienz geht. Die Zukunft wird es zeigen, dass mit deutlich weniger Einsatz von Dünger, PSM und Fläche (und beim Nutztier weniger Futter und Medizin) ein gleichbleibend hoher Ertrag erzielt werden kann.
            Diese Bestrebungen gibt und gab es ja eigentlich schon immer. Die Landwirtschaft ist immer in Bewegung.

            Ich glaube, es wird Zeit, dass ich endlich ihr Buch lese- im Regal steht es bereits… 😉

            1+
    • Gülle-Doktor sagt

      Die Antwort kann nur in einer Produktion auf höchstem Effizienzniveau bestehen. Allerdings darf man den Begriff Effizienz nicht zu eng fassen. Dazu gehören auch die Betrachtung externer Kosten, Möglichkeiten der Wiederverwendung – Willi sprach das Thema Phosphat-Vorräte an – und vieler anderer Aspekte.

      Der Ansatz der Bio-Landwirtschaft – wir verzichten auf Dünger und Pflanzenschutz aus der chemischen Industrie – greift meiner Meinung nach viel zu kurz. Betrachten wir nur an das komplexe Thema Bodenbearbeitung: In der pfluglosen Bodenbearbeitung oder gar der Direktsaat ist chemische Unkrautbekämpfung nahezu unumgänglich. Allerdings sind ihre Vorteile bezüglich Bodenfruchtbarkeit, Erosionsschutz, biologische Aktivität im Boden und Energiebedarf riesig groß. Sollen wir auf diese ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile verzichten nur, um keine chemische Unkrautbekämpfung durchführen zu müssen? Meiner Meinung nach wiegt der Verzicht auf diese Vorteile deutlich schwerer als der mögliche Nutzen, der durch den Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutz aus dem ´Chemielabor zu erwarten ist.

      3+
      • Biobauer Andreas sagt

        Warum soll man auf Chemie verzichten? Ganz einfach am Bsp Glyphosat, wenn, wie die WHO annimmt das Zeug Krebserregend ist nutzt es nichts damit Unmengen zu erzeugen und die Abnehmer sind inzwischen an Krebs gestorben. Die einzige nachhaltige Form der Landwirtschaft ist die ökologische, auch wenn damit sicher nicht die Umsetzung des hierzulande regulierten EU-Bioanbaus gemeint ist. Entwicklungshilfe in Afrika hat z.B. gezeigt dass ökologischer Anbau, wenn er beraten wird nach der Rückumstellung von westlichem Saatgut samt Pflanzenschutz und Dünger wesentlich nachhaltig höherer Erträge liefert, ganz einfach: weil Kompost und selbstvermehrtes Saatgut steht jedem zur Verfügung der Land hat, alles andere muss er kaufen und dazu hat er kein Geld.

        4+
        • bauerhans sagt

          bei glyphosat gehts nicht darum,obs krebserregend ist,sondern mit dem zeug ist nix mehr zu verdienen ,deshalb die aktionen.

          0
    • Felix Löwenstein sagt

      Ja, es braucht technischen Fortschritt – aber eben einen, der uns davon wegbringt, Ressourcen zu verbrauchen, die uns nicht nachhaltig in dem Umfang zur Verfügung stehen, in dem wir sie nutzen. Die Agrarforschungs-Anstrengungen sind in den letzten Jahrzehnten aber nur in winzigen Bruchteilen auf „systemare Lösungen“ ausgerichtet gewesen.

      Was die grundsätzliche Frage nach der globalen Ernährungssicherung betrifft: Ich habe ja darauf hingewiesen, dass man die nicht seriös in einem Interview in ein paar Zeilen beantworten kann. Aber die Antwort gibt es – und zwar für das hier und jetzt. Das Bild mit den 10.000 Jahren habe ich verwendet um deutlich zu machen, welche Perspektive wir einzunehmen verpflichtet sind, wenn es um den Umgang mit der Schöpfung geht.
      Felix Löwenstein

      3+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.