Monate: Oktober 2020

Schmetterlingskalender 2021

Für so ein tolles „Produkt“ mache ich gerne Werbung.  Auch deshalb, weil es von der Obstbäuerin und ihrer (konventionellen) Obstbaumanlage stammt. Das schreibt sie dazu: „Im Oktober 2019 hatte ich die Idee, aus meinem Schmetterlingsarchiv Fotos von seltenen und schönen Schmetterlingen (mit Verweis auf den Fundort in oder unmittelbar neben unseren Obstanlagen) in einem Kalender zu präsentieren. Der Kalender wurde auf verschiedenen berufsständigen Veranstaltungen gezeigt und ich bekam eine ganze Reihe Bestellungen von Kollegen. Darüber hinaus habe ich den Kalender als Beweis der Artenvielfalt und Biodiversität in unseren konventionellen Obstanlagen genutzt und an Politiker und andere Aktivisten verschenkt. Ob das immer so gelungen ist, weiß ich nicht. In diesem Jahr kamen vor ein paar Wochen Anfragen, ob ich wieder einen Kalender gestalte. Das habe ich dann auch getan und als Thema für 2021 den »Schmetterling in Gesellschaft« gewählt. Manchmal hocken zwei verschiedene Falter auf einer Blüte oder es befinden sich Hummeln, Käfer oder andere Insekten in ihrer Nähe. Solche Schnappschüsse sind mir natürlich auch nicht so oft in entsprechender Qualität geglückt, da musste ich schon …

Rekord!

„Die deutsche Sojabohnenernte liegt auf Rekordniveau“. So titelt ein landwirtschaftliches Wochenblatt. „Gegenüber 2018 rund 60% mehr.“ https://www.wochenblatt-dlv.de/feld-stall/pflanzenbau/deutsche-sojaernte-2020-rekordniveau-563041 Klingt gut. Tatsächlich wurden in diesem Jahr 94.100 t Sojabohnen in Deutschland geerntet. Zum Vergleich: Die Erntemenge von Winterraps liegt bei 3 bis 4 Mio. Tonnen! Der Anbaufläche von 32.900 ha in Deutschland stehen 68.414 ha in Österreich gegenüber Und Österreich hat nur rund 2,7 Mio ha landw. Nutzfläche, Deutschland 16,7 Mio ha. Zumindest beim Soja ist uns also Österreich überlegen. (Beim Fußball ist es ja anders… 🙂 ) Bei aller verständlichen Euphorie über den Zuwachs an Soja in Deutschland ist doch eine nüchtere Betrachtung angebracht. Es ist noch sehr viel Luft nach oben! Wer wissen will, welches Land wieviel Soja anbaut: https://www.atlasbig.com/de-de/weltweit-sojabohne-produktion Nicht erschrecken: Nur USA und Brasilien zusammen über 200.000.000 t 0

Europa hat die “Farm” in Farm to Fork vergessen

Eine Meinung aus den USA zur Farm to Fork -Strategie der EU. Immerhin ist die USA ein großer Player bei Agrarprodukten und da sollte uns deren Meinung interessieren. Man muss sie ja nicht teilen.  https://euobserver.com/opinion/149489 Hier die deutsche Übersetzung: Die Vereinigten Staaten und Europa teilen eine große Geschichte, eine Geschichte, die Jahrhunderte zurückreicht und noch Jahrhunderte weitergehen wird. Diese gemeinsame Geschichte hat das Aufkommen neuer Technologien erlebt, die das Leben verändert und die menschliche Existenz verbessert haben. Da die Weltbevölkerung weiter wächst, stehen wir alle vor der gemeinsamen Herausforderung, wie wir genügend Nahrungsmittel produzieren und gleichzeitig die Gesundheit der Umwelt erhalten können. Während wir in den USA das Engagement der EU für Nachhaltigkeit teilen, sind wir uns nicht einig, wie dies am besten erreicht werden kann. Ich bin davon überzeugt, dass die Einbeziehung von Innovation und Technologie in der Landwirtschaft die einzige Möglichkeit ist, die Welt für die kommenden Jahrhunderte nachhaltig zu ernähren. Landwirte und Produzenten auf der ganzen Welt stehen vor den gleichen beiden übergreifenden Herausforderungen: Erstens, genügend Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Produkte zu produzieren, …

Wohin damit – Pflanzenschutzmittel ordnungsgemäß entsorgen

Wann haben Sie das letzte Mal in Ihren Arzneischrank geschaut? Ich habe das vor ein paar Wochen getan und alle Medikamente aussortiert, die schon lange abgelaufen waren. Dann habe ich in der Apotheke angerufen und gefragt, wann ich die vorbeibringen kann. Die unerwartete Antwort: werfen sie die in die graue Tonne. So ist es bei uns in NRW. Landwirte wissen, dass man das mit nicht mehr brauchbaren Pflanzenschutzmittel nicht tut. Dafür gibt es jedes Jahr einen Termin, an dem man diese abgeben kann. http://pre-service.de/sammelstellen-und-termine.html Aber warum gibt es die? Es gibt Pflanzenschutzmittel, deren Zulassung abgelaufen ist und von denen es noch Reste gibt. Es kann auch sein, dass Pflanzenschutzmittel unsachgemäß gelagert wurden und durch Frost unbrauchbar geworden sind. Es kann auch sein, dass man bei Opa im Schrank aufgeräumt hat und da noch Mittel gefunden hat, deren Namen man kaum noch kennt. Soll nicht vorkommen, gibt es aber. Übrigens nicht nur bei Landwirten, sondern auch bei Privatanwendern und gewerblichen Unternehmen. Auch die können Produkte an diesen Terminen abgeben. Was sollte man noch wissen: Die Packungen …

Das Meinungskarusell

Bauer Fritz (Ober-Österreich) hat mir einen Brief geschrieben. Passt.  Hallo Willi, Man hat sich ja dieser Tage in der EU auf die Agrarreform geeinigt. Waren viele Agrarexperten aus allen Mitgliedsländern dabei und haben ihre Köpfe rauchen lassen (hoffe ich mal). Herausgekommen ist (wie üblich und normal) ein Kompromiss. Es dauerte keine paar Minuten, da haben die üblichen NGO´s nach genauester Prüfung der Vereinbarung ihren diffizilst ausformulierten Kommentar der Welt kundgetan (Standardvariante: alles zu wenig, zu spät, vertane Chance, wir werden alle deshalb demnächst sterben, die Agrarlobby hat wieder mal ….; und die Gesellschaft, die Insekten und die Umwelt schauen durch die Finger). Natürlich haben sie in den paar Minuten alles genauestens geprüft, alle Details bedacht und alle nur erdenklichen Folgen abgewogen. Einen Tag später haben alle Zeitungen, die was auf sich halten, durch ihre Wirtschaftsredakteure oder Lifestyle-Redakteure oder einfach durch den jüngsten Praktikanten diese EU-Agrarvereinbarungen ebenfalls auf Herz und Nieren geprüft und sind nach Bedenken aller Details und nach Pro- und Kontra-Abwägen aller nur erdenklichen Folgen zu fachlich hochstehenden Kommentaren und Beschreibungen gekommen, die sie …

Liebe Tagesschau: warum lügt ihr?

Dieser Kommentar der Tagesschau erschien am 21.10.2020. Er ist mehr als ärgerlich, weil er in manchen Dingen einfach lügt: („Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Empfänger sie glaubt.“ Quelle Wikipedia) https://www.tagesschau.de/kommentar/eu-agrarreform-113.html Hier nur einige Punkte: Subventionen für die Landwirtschaft sind wichtig. Ohne sie könnten die Bauern in Europa keine Lebensmittel erzeugen. Stimmt nicht. Wir Bauern können ohne Subventionen Lebensmittel erzeugen. Die sind dann nur wesentlich teurer. Oder sie kommen billig aus dem Ausland, mit niedrigeren Standards. Somit machen Subventionen Lebensmittel billig. Das nutzt dem Verbraucher. Nur ein Viertel der Insektenbestände in Deutschland hat die letzten 30 Jahre Intensivlandwirtschaft überstanden. In den Feldern sieht man Rebhühner und Lerchen nur noch selten. Stimmt nicht. Der Rückgang der Masse der Fluginsekten in Naturschutzgebieten ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen. Die Landwirtschaft ist nur ein Teil davon. Wenn Sie Rebhühner sehen und viele Lerchen singen hören wollen, kommen Sie zu uns. Unser Grundwasser ist mit Nitrat belastet, der Einsatz von …

Haben wir den Hauch einer Ahnung?

Der Gastkommentar stammt heute von Dr. agr. Thomas Aßheuer (60) aus Berlin. Thomas arbeitet seit 10 Jahren in der öffentlichen Forschungsförderung des Bundes im Projektmanagement und betreut überwiegend Projekte der Agrarforschung. Er ist Agraringenieur, Fachrichtung Pflanzenproduktion und hat im Bereich Agrarökologie im Gießener Bodenbearbeitungsprojekt promoviert. Danach folgten viele Jahre als selbstständiger Shiitake-Pilzzüchter im Familienbetrieb und vier Jahre als Produktentwickler in der Biotechnologie. Er äußert hier seine private Meinung. Haben wir den Hauch einer Ahnung, was Biodiversität eigentlich ist? von Dr. agr. Thomas Aßheuer, Berlin, Oktober 2020  Vor ein paar Wochen schrieb ich eine Antwort auf einen Tweet von Bauer Willi, der sich – zu Recht wie ich finde – über eine Grafik des WDR aufgeregt hat. Thema: Biodiversitätsverlust. Hauptübeltäter: Die Landwirtschaft, natürlich. Mein Kommentar dazu: „Lieber Willi, ich habe über Biodiversität auf dem Acker promoviert[1] und zwei Dinge dabei gelernt: Traue keiner Zahl und wir haben nicht den Hauch einer Ahnung was Biodiversität eigentlich ist. Bitte machen Sie weiter Ihre Arbeit und lassen Sie sich nicht provozieren oder entmutigen.“ Natürlich führen Tweets zu starken Verkürzungen, …

Diskussion auf Augenhöhe

Den obigen Text habe ich von jemandem erhalten, der im Agrarbereich unterwegs ist und sich bemüht, den Mitmenschen Landwirtschaft zu erklären. Diskussionen werden schwierig, wenn Wissen fehlt. Mir ist das auch schon so gegangen. Wie soll ich reagieren, wenn eine Journalistin eines großen Fernsehsenders anruft und mich fragt, wie ich als Bauer reagieren würde, „wenn demnächst Nitrat verboten wird?“ (Es ging um die Düngeverordnung) Wie soll ich reagieren, wenn eine Journalistin, die auch schon mal im Presseclub sitzt, auf die Frage, was ich denn anbauen soll, wenn ein Zuckerrüben-Anbau wegen fehlender Betriebsmittel unmöglich wird, auf Leinsamen, Buchweizen und Lupinen verweist. Wie soll ich reagieren, wenn der Präsident des Deutschen Imkerbundes dafür plädiert, deutschlandweit mehr Leindotter anzubauen, weil das gut für die Honigbienen ist. Ich bringe die Beispiele nicht, um die Personen lächerlich zu machen. Es ist nicht schlimm, wenn jemand etwas nicht weiß. Aber etwas nicht zu wissen und darüber zu urteilen, ist das Problem. Weil dann eben keine Diskussion auf Augenhöhe mehr möglich ist. Und was Leinsamen angeht: https://www.lr-online.de/lausitz/weisswasser/warum-in-der-lausitz-der-rohstoff-fuers-leinoel-knapp-ist-33271998.html Das mit den 82 Millionen …

Abenteuer Ernte – eine wunderbare Reportage

Selten habe ich eine Reportage gesehen, die so umfassend und – das ist das Besondere – ohne jede Wertung über die moderne (andere sagen „industrielle“) Landwirtschaft berichtet. Ein ganz großes Kompliment und vielen Dank an den NDR und an die sehr sympathischen Moderatoren. 🙂 Hier die Ankündigung, die Appetit auf mehr macht: „So haben viele die Landwirtschaft noch nie gesehen: Ein Vollernter holt sechs Tonnen Bohnen in nur einer Stunde vom Feld, ein 32 Hektar großes Weizenfeld wird innerhalb von drei Stunden komplett abgemäht oder eine einzige Pflanzmaschine bringt pro Tag bis zu einer Million Eisbergsalatpflänzchen in den Boden. Das sind Dimensionen, kaum vorstellbar!“ Das waren rund eineinhalb Stunden, in denen ich viele neue Einblicke gewonnen habe. Ist was für einen Regentag oder das Wochenende. Unbedingt anschauen! https://www.ndr.de/fernsehen/Abenteuer-Ernte,doku1890.html https://www.ardmediathek.de/ndr/video/abenteuer-ernte/ndr-fernsehen/Y3JpZDovL25kci5kZS9lZGY0ZWQyZi05MjRlLTRlZWYtYTUxNy1jZmM2ODhkMDAzOTg/   +3

Es ist Zeit, aufzuhören…

Am 20. Oktober 2020 hatten wir die Generalversammlung „meiner“ Genossenschaft. Wegen Corona leider in digitaler Form. Es war meine letzte Aktion als Vorstandsmitglied. 13 Jahre durfte ich die Wege der Genossenschaft mit begleiten und es hat viel Freude gemacht. Ich habe mein Amt niedergelegt und an einen Jüngeren abgegeben, der als bisheriges Aufsichtsratsmitglied über alle Belange Bescheid weiß. Ein ruhige, geplante und einvernehmliche Übergabe des Staffelstabs. Es ist gut, wenn die Nachfolge vorbereitet und früh genug geregelt wird. Es ist nicht nur das Alter, dass mich veranlasst hat, aufzuhören. Es war die Überlegung, dass es für das Unternehmen Genossenschaft das Beste ist, wenn neue und andere Ideen Raum finden können. Es geht ja um die Sache und nicht um Personen und Posten. Und dann ist da noch was: Ich bin bisher immer mit 100% wiedergewählt worden. Ich wollte nicht warten, bis die Zahl kleiner wird, Kritik einsetzt und schließlich unüberhörbar wird. So bleibt man (hoffentlich) in guter Erinnerung. Man muss halt wissen, wann es Zeit wird, aufzuhören.           +2