Monate: November 2020

REWE, EDEKA, Lidl, Aldi – entsetzt!

Das BMEL setzt das europäische Gesetz gegen unlautere Geschäftspraktiken um. Ministerin Klöckner trägt dies in einer Pressekonferenz vor. Prompt beschweren sich die Vorstandsvorsitzenden der vier großen Lebensmittelketten mit einem Brandbrief bei Angela Merkel. Sie seien entsetzt. So viel Scheinheiligkeit und Arroganz entsetzt mich. https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/landwirtschaftsministerin-chefs-von-aldi-edeka-rewe-und-lidl-beschweren-sich-ueber-julia-kloeckner-/26643650.html https://amp.focus.de/finanzen/boerse/wirtschaftsticker/aldi-lidl-und-edeka-grosse-handelsketten-beschweren-sich-ueber-ministerin-kloeckner_id_12686166.html Hier das Video der Pressekonferenz (Dauer 10 min). https://www.bmel.de/SharedDocs/Videos/DE/Presse/201118-utp.html Ich kann nicht erkennen, was an der Darstellung in dieser Pressekonferenz falsch oder übertrieben sein soll. Es geht unter anderem um kurzfristige Stornierung von frischer Ware ohne Bezahlung, nicht eingehaltene oder zu lange Zahlungsziele, einseitige Änderungen der Standards, Auslistung bei Beschwerden, etc. . Alles Fälle, die jeder Landwirt zu Genüge kennt. Danke an Julia Klöckner, die sich konsequent für die Landwirte und gegen unlautere Geschäftspraktiken einsetzt. Liebe Vorstandsvorsitzenden der oben genannten Firmen Ich möchte Ihnen sagen, dass die Aufzählungen von Frau Klöckner bei weitem unvollständig sind. Weitere Beispiele: eigenmächtige Kürzungen an Rechnungen, die den Lieferanten dazu zwingen sollen, Marketingmaßnahmen mitzufinanzieren Beanstandung von einwandfreier Ware mit dem Zweck, den vereinbarten Einkaufspreis nachträglich nach unten zu verhandeln, Auch das gehört zu den unfairen …

Hohe und stabile Milchpreise…

Die Milchbauern schlittern von einer Milchkrise in die andere. Und immer wieder wird darüber diskutiert, wie man dies verhindern kann. Es geht vor allem darum, Mengen zu begrenzen. Doch das ist nicht für alle vorstellbar und Solidarität ist unter Wettbewerbern am Markt nicht zu erwarten. Ich habe wenig Ahnung vom Milchmarkt. Deshalb habe mit Benjamin gesprochen, der sich Gedanken gemacht hat, wie es für Milcherzeuger interessant sein kann, die Menge zu reduzieren Hier der Podcast:   Wie können Milchpreismodelle aussehen Das Gebot der Stunde lautet, mit unternehmerischen Mut und Geschlossenheit aktiv in das Marktgeschehen einzugreifen, um diese Preiskrise zu überleben und zukünftige Krisen zu umschiffen. Und was bedeutet das für die Molkereien? Sich von den einfachen und liebgewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden, neue Ideen für die Vermarktung zu entwickeln und im Marketing (noch etwas) pfiffiger aufzutreten. Zum Beispiel mit Milch von vegetarischen Kühen… 🙂     1+

Wir können alles!

Ende Oktober hat die EU-Kommission eine Einigung zur GAP präsentiert. Erfreut über die Ergebnisse zeigte sich Ministerin Köstinger: „Damit ist der bisherige österreichische Weg und unser Agrarmodell gesichert.“ Doch können die Bauern wirklich zufrieden sein? Wohl kaum.In ganz Europa stellten viele von ihnen in jüngster Vergangenheit grüne Kreuze auf ihre Flächen – als stiller Protest. Was hat die Landwirte dazu gebracht? Es ist die blanke Angst. Angst um die Zukunft ihrer Betriebe und ihrer Familien. Und es ist immer noch die Angst, bei den imme neuen Pakten, Deals und Strategien nicht mehr mitzukommen und schließlich den Betrieb aufgeben zu müssen. Deshalb bedarf es eines neuen Aufbruchs. Wir brauchen im wahren Sinne des Wortes eine Agrarwende! Eine Agrarwende hin zu einer Politik der Realitäten – weg von den theoretischen Phantasien urbaner Eliten. Es gibt einige Gruppierungen, die sich für etwas Besseres halten und ihre Meinung gerne zur gesellschaftlichen Meinung erklären möchten. Dafür haben sie aber keine Legitimation. Ein Grundprinzip, dass uns Landwirte leitet: Wir können alles. Wir können Nahrungsmittel, wir können Natur-, Arten- und Klimaschutz. Wir …

Grüner Parteitag – wenn sich die Geister scheiden

Gestern war der erste Tag des Parteitags der Grünen. Ich habe drei verschiedene Positionen zum Agrarbereich und zur Gentechnik gefunden, die diskutiert werden und dann in das Grundsatzprogramm der Grünen aufgenommen werden. Zuerst die Hardliner. Nach längerer Einführung ist dem Papier zu entnehmen, dass alles so bleiben muss wie es ist. Und wie zu erwarten in dieser Gruppe mit dabei: Renate Künast, Anton Hofreiter, Harald Ebner, Martin Häusling, Christian Meyer, Norwich Rüße, Martin Hahn, Ophelia Nick… https://www.gruene.de/artikel/agrarwende-statt-gentechnik In ihrem Vorschlag lesen sich dann auch solche Sätze: „Doch wenn es konkret um höhere Erträge oder Klimaanpassungen wie Trockenheits- und Salztoleranz geht, sind konventionelle Züchtungsmethoden gentechnischen Verfahren bislang meist eindeutig überlegen.“ Wissenschaftler sind in dieser Gruppe offensichtlich unterrepräsentiert. _____ Dann gibt es eine Gruppe, die namentlich nicht festzumachen ist sondern einen Beschluss der BAG Landwirtschaft (und Christ*innen) zur Diskussion stellt. Grob zusammengefasst ist ihre Position: Rote Gentechnik unter Auflagen erlauben, klare und kompromisslose Ablehnung der grünen Gentechnik. https://www.gruene.de/artikel/resolution-der-bag-landwirtschaft-laendliche-entwicklung-und-der-bag-christ-innen-zu-gentechnischen-verfahren _____ Und dann gibt es eine Gruppe, die darüber diskutieren will, ob die neuen Techniken vielleicht doch Vorteile haben …

Trump, Corona-Leugner und Glyphosat-Gegner

Was haben alle diese Personen gemeinsam? Sie nehmen die Realität anders wahr. Doch woran liegt das? Ich habe mich auf die Suche nach möglichen Gründen gemacht. Und das hier gefunden: Emotionale Beweisführung Dabei betrachtet man die eigenen Gefühle als Beweis für die Richtigkeit von Behauptungen. In Sachen Corona bedeutet das etwa: „Ich fühle mich nicht wohl mit einer Maske, also ist sie schädlich.“ Für Glyphosat heißt das: „ich höre so viel Gefährliches darüber und ich möchte mich keiner Gefahr aussetzen“. Ob diese Gefahr faktisch besteht, spielt keine Rolle bei der Wahrnehmung. Die Bedrohung der eigenen Gesundheit und die der Kinder ist ein Motiv, das starke Gefühle mobilisiert. Aussage eines NGO-Campaigners: „Wenn die Leute keine Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder haben, geht das Portemonnaie nicht auf“.  Dann muss man nur noch einen Gegner identifizieren, der sowieso keiner mag (Monsanto, Nestle, Bayer) und man kann seine Argumentation auf den typischen David-gegen-Goliath-Konflikt reduzieren. Das klappt immer. Angst Ein starker Beweggrund ist Angst. Wenn man Angst hat, existiert definitiv ein Grund, um Angst zu haben. Wenn …

Sind Obstbauern Mörder?

Heute bin ich als Key Note Speaker (=Referent)  auf der „Interpoma“ in Bozen, dem „Weltkongress des Apfels“ eingeladen. Leider ist es keine Präsenzveranstaltung. Ich wäre jetzt so gerne in Südtirol. Dazu passen die folgenden Ereignisse: Gestern (18.11.2020) erschien in der Tageszeitung in Südtirol ein kurzer Artikel, in dem der Autor des Buches „Das Wunder von Mals“ Aussagen widerspricht, die er gemacht haben soll, bzw. die er gemacht hat. Er ist deshalb von über 1.000 Südtiroler Obstbauern verklagt worden. Als erstes hier das Video, in dem erklärt, dass er die Aussage, dass Obstbauern Mörder sind, so nicht gemacht hat. Er bittet darum, die Anklage gegen ihn fallen zu lassen. https://www.tageszeitung.it/2020/11/18/obstbauern-sind-keine-moerder/ Drei Wochen vorher hatte er ein anderes Video online gestellt, wo er dazu aufruft, seine Petition zu unterschreiben: https://vimeo.com/471539662 Im zweiten Link findet ihr ein Interview mit Landesrat Arnold Schuler von September, der die Klage unterstützt. https://www.tageszeitung.it/2020/09/13/sind-keine-moerder/ Am Ende des Artikels die beanstandeten Aussagen, die er in seinem Buch bzw. in einem Interview gemacht hat : „Es handelt sich eher um fahrlässige Tötung. Oder eigentlich, nein, …

Umfrage zu Klimazertifikaten in der Landwirtschaft

Folgende Mail erreichte mich. Ich habe an der Umfrage teilgenommen, es geht wirklich fix und es sind ein paar interessante Fragen dabei. Wir sollten jede(n) Agrar-Student*in unterstützen. (jetzt fange ich auch schon an zu gendern…) Mein Name ist Lars Nolting und ich studiere Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Momentan befasse ich mich im Rahmen einer Projektarbeit in Zusammenarbeit mit dem Start-up agriportance mit Klima-Zertifikaten in der deutschen Landwirtschaft. Dazu führe ich derzeit eine Online-Befragung durch und befrage landwirtschaftliche Betriebe. Ziel der Projektarbeit ist es, die zentrale Fragestellung „Welche Größe hat der Markt für Klimazertifikate in der deutschen Landwirtschaft“ zu beantworten. Es wäre super, wenn Sie mich unterstützen könnten und die Umfrage auf Ihrer Webseite oder auch bei Facebook posten könnten und an Landwirte/Landwirtinnen weiterleiten. Die Umfrage ist über den folgenden Link erreichbar: https://fhswf2017.limequery.com/683185?lang=de Für Ihre Antwort und Unterstützung bedanke ich mich schon einmal im Voraus.   0

Armut bringt Vielfalt

Prof. Kunz kennt sich aus mit Naturschutz. Er hat jedoch eine andere Herangehensweise als viele andere Naturschützer. Sein Plädoyer: Um Artenvielfalt zu fördern, muss unsere Landschaft „unordentlicher“ werden. Das zu erreichen, geht nur mit den Landwirten. Landwirte müssen dafür bezahlt werden, dass sie bestimmte Biotope neu schaffen. Da kann auch mal der Bagger eingesetzt werden. Hier sein Vortrag:   Klicke, um auf Baunatal_2020_Vortrag.pdf zuzugreifen 0

Wenn Bauern retten – ja, was dann?

Normalerweise bin ich ja ein Fan von Oberösterreich. Und von der Steiermark. Jetzt hat mir Hans aus Niederösterreich einen Brief geschrieben und ist ganz stolz. Weil er etwas gerettet hat, eine ganze Fabrik… Sehr geehrter Bauer Willi, Mir ist dieser Tage dein Spruch in den Sinn gekommen, wo du immer sagst, „Wir Bauern können alles“. Wir Bauern können sogar Zuckerfabriken retten – man braucht uns nur nett darum zu bitten. Sagenhaft – isn´t it ? Ich habe es also geschafft. Die Agrana-Zuckerfabrik ist gerettet. https://www.noen.at/niederoesterreich/wirtschaft/agrana-leopoldsdorf-bauern-liefern-vereinbarte-38-000-hektar-ruebenflaeche-wien-leopoldsdorf-im-marchfelde-redaktionsfeed-agrana-zuckerrueben-stephan-pernkopf-redaktion-zuckerfabrik-232824626 Erleichterung, Aufatmen und Jubel allerorts. Und das obwohl: seitens der CEFS (Comité Européen des Fabricants de Sucre, European Association of Sugar Manufacturers, Verband der europäischen Zuckerindustie) kein Ohrläppchen bewegt wurde, um in irgendeiner Form Solidarität zu zeigen. Es hätte ja sein können, daß sich diese Organisation der noch nie dagewesenen Besonderheit annimmt, daß eine ganze Fabrik durch auftretende Schädlinge in einer Region womöglich eingestellt werden muß. Was wäre das doch für ein tolles Thema in der CEFS-Arbeitsgruppe  für Umweltangelegenheiten gewesen (Working group on environmental affairs; https://cefs.org/about-cefs/#organisation). seitens der Mutter Südzucker …

Man kann das auch anders sehen…

Wie würden Außerirdische reagieren, wenn sie sehen, wie eng die Menschen in ihren Wohnsilos zusammengepfercht sind? Was hat das Durchschnittsgewicht mit der Düngeverordnung zu tun? Und warum ist das Ehebett nicht 3 Meter breit? Diese und andere Vergleiche können die Diskussion um die Landwirtschaft erleichtern. Jürgen ist Landwirt, hat aber auch Theologie studiert. Und folglich kennt er sich aus mit Gleichnissen. Er hat ein paar Themen aus der Landwirtschaft in Gleichnisse übersetzt. So müssten es unsere Mitbürger eigentlich leichter verstehen.   Menschenrechtler Stellen wir uns mal vor es gäbe Außerirdische. Und diese Außerirdischen hätten vor 2000 Jahren die Erde besucht und die Spezies Mensch kennen gelernt. Wie sie damals lebte, in kleinen Sippen, im Familienverbund. Es wurde gejagt und gesammelt. Die Hauptaufgabe war sich um die grundlegendensten Dinge zu kümmern. Essen besorgen, Behausung, Kleidung und die Sorge um Familie und Sippe. Die Notdurft wurde hinter der Hütte im Wald verrichtet. Nun stellen wir uns vor, die gleichen Außerirdischen würden heute mitten in München oder Berlin landen und die Spezies Mensch sehen. Menschenmassen, stockwerkweise übereinander, vor …