Bauer Willi
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Sind Obstbauern Mörder?

Heute bin ich als Key Note Speaker (=Referent)  auf der „Interpoma“ in Bozen, dem „Weltkongress des Apfels“ eingeladen. Leider ist es keine Präsenzveranstaltung. Ich wäre jetzt so gerne in Südtirol. Dazu passen die folgenden Ereignisse:

Gestern (18.11.2020) erschien in der Tageszeitung in Südtirol ein kurzer Artikel, in dem der Autor des Buches „Das Wunder von Mals“ Aussagen widerspricht, die er gemacht haben soll, bzw. die er gemacht hat. Er ist deshalb von über 1.000 Südtiroler Obstbauern verklagt worden.

Als erstes hier das Video, in dem erklärt, dass er die Aussage, dass Obstbauern Mörder sind, so nicht gemacht hat. Er bittet darum, die Anklage gegen ihn fallen zu lassen.

https://www.tageszeitung.it/2020/11/18/obstbauern-sind-keine-moerder/

Drei Wochen vorher hatte er ein anderes Video online gestellt, wo er dazu aufruft, seine Petition zu unterschreiben: https://vimeo.com/471539662

Im zweiten Link findet ihr ein Interview mit Landesrat Arnold Schuler von September, der die Klage unterstützt.

https://www.tageszeitung.it/2020/09/13/sind-keine-moerder/

Am Ende des Artikels die beanstandeten Aussagen, die er in seinem Buch bzw. in einem Interview gemacht hat :

„Es handelt sich eher um fahrlässige Tötung. Oder eigentlich, nein, auch dieser Begriff trifft es nicht ganz genau. Nicht fahrlässig. Vorsätzlich! Tötung durch vorsätzliches Ignorieren von Gefahren. Das lässt sich wahrscheinlich sogar statistisch beweisen

Das (…) geht nicht in Südtirol, wo eine Kultur von Kriechern und Heuchlern jeden kreuzigt, der weder kriecht noch heuchelt.“   

„Ich finde die Idee, dass man (…) sich nicht zu Wort melden darf, wenn die Kinder sozusagen am Kinderspielplatz vergiftet werden, ein klein wenig absurd.“      

Neben Alexander Schiebel sind auch noch weitere Personen, unter anderem aus Deutschland, angeklagt. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchner-umwelthilfe-giftige-gruesse-aus-bozen-1.3625356

Man darf gespannt sein, wie das Gerichtsverfahren ausgeht. Ich werde berichten.

 

 

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25 Kommentare

  1. Paulus sagt

    Ein Keynote Speaker ist so etwas wie die Vorgruppe bei einem Konzert der Rolling Stones. Also sozusagen ein Anheizer. Die wahre Klasse kommt erst danach. Unsereins wäre indes schon damit zufrieden wenn die Tiroler ganz einfach vernünftige Äpfel liefern.
    Nicht das mich jemand falsch versteht, ich fand die Bezeichnungen auf meinen Visitenkarten auch schon immer ziemlich bescheuert.
    Eine wahre Begebenheit noch: Eine indische Progammierschmiede wurde von der Auftraggeberseite auf diverse Mängel hingewiesen. Daraufhin verlangte der Head of was weiß ich was mit einem Manager zu sprechen. Verbunden wurde er schließlich mit dem Facilitymanager, der war nur gerade mit der Pflege der Außenanlagen beschäftigt und verstand kein Wort.

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  2. Friedrich sagt

    Ja , wir müßen uns gegenüber diesen Leuten wehren , sonst artet das aus . Der gute Mann zieht ja schon alles zurück , warum wohl ? Sprüche klopfen und damit Geschäfte mit der Angst machen , daß ist das Geschäftsmodell dieser Leute , denn es bleibt immer was hängen und diese Gutmenschen , die von dieser Schlechtigkeit leben , werden immer mehr. Nur in der Krise sind die Systemrelevanten gefragt , die hier ständig den Laden am Laufen halten. Essen , Trinken und medizinische Pflege braucht jeder , aber Klamauk zum Nachteil einzelner , darauf kann man verzichten. Der z. Zeit laufende wirtschaftliche Niedergang wird viele von diesen angstmachenden Besserwissern zum Schweigen bringen , weil Spenden und Wertschätzung dann stark nachlassen. Die Welt retten muß man sich schließlich leisten können . Die Zeit des „Tanzes um das Goldene Kalb“ ist jedenfalls jetzt vorbei und jetzt ist sich jeder selbst der Nächste. Damit werden sich mit der Bundestagswahl im nächsten Jahr neue Schwerpunkte für die Neugewählten notgedrungen ergeben. Viele der jetzt Wichtigen , werden dann abgemeldet sein. Sicherlich wird es die „Große Transformation “ geben , aber nicht so , wie man sich das z.Zeit vorstellt. Die jetzigen Traumtänzer werden dann jedenfalls nicht mehr benötigt.

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    • Thomas Apfel sagt

      Hallo @firedragon,
      ich war eigentlich erstaunt, dass der „Green Deal“ nur 7 bis 12 % Reduktion ergeben soll.
      Bauer Willi hatte die Studie ja vor kurzem im Originaltext eingestellt. Möglicherweise liegt es daran, dass die Ami´s , nach eigenen Angaben, die mögliche Entwicklung im Öko-Sektor bewusst völlig unberücksichtigt gelassen haben.

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  3. Jochen Böhrer sagt

    Der eigentliche Skandal ist die Einmischung von Renate Künast. Aus ihrer Position als deutsche Bundestagsabgeordnete heraus hat sie den Südtiroler Landesrat aufgefordert, die Klage fallenzulassen.

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  4. Ehemaliger Landwirt sagt

    Nehmt mal die Südtiroler als Vorbild und pflanzt die Äpfel auch so an,
    das war vielfach zu hören, als bei uns die Äpfel auf hochtämmigen Bäumen hingen.

    Ja, das gab es auch einmal, damals waren wir für die deutsche Bevölkerung die Rückständigen.

    Ehrlich gesagt, beim Apfelanbau machten uns die Südtiroler damals was vor.

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    • Thomas Apfel sagt

      Im Apfelanbau liegen die Hektarerträge im Durchschnitt Südtirols immer noch 33 % über denen in Deutschland. Wobei sich in allen Regionen sowohl in Südtirol, als auch in Deutschland Betriebe finden, die bei 80 bis 100 t/ha, also dem Doppelten des Durchschnitts, liegen. Ich persönlich bin ja im Interesse der Ressourcennutzung für größtmögliche Intensität in den Produktionsflächen. Ertrag ist aber nicht Alles. Am Ende entscheiden die Stückkosten über den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes. Da den richtigen Weg (Sortenspiegel/ Aufwand/ Ertrag usw ) zu finden und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist schwierig wie überall und nicht nur von der absoluten Höhe der Erträge abhängig.

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      • Arnold Krämer sagt

        Wasser, Licht, Wärme geraten in Südtirol nicht so häufig ins Minimum wie in Deutschland. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund für den durchschnittlichen Minderertrag. Für fast alles andere ist der Betriebsleiter verantwortlich zu machen.

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        • Thomas Apfel sagt

          Nach dem was ich gesehen habe, sind es eher die Anbausysteme mit mit 17.000 bis 20.000 Quadratmeter produktiver Fruchtwand je ha. Die Erträge je qm Fruchtwand liegen in Deutschland wie in Südtirol bei 3,8 – 4,5 kg. Wir haben hier in unmittelbarer Nähe einen Betrieb dessen Eigentümer aus Südtirol kommen. Die haben ihr Anbausystem mitgebracht und fahren die gleichen Erträge wie in Tirol ein. Allerdings muss auf unseren Sandböden alles (Nährstoffbedarf und Wasser) permanent berechnet und per „Tropf“ zugeführt werden (Fertigation).

          So, jetzt ist der Regen durch und ich muss erstmal wieder raus, was tun.

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      • Arnold Krämer sagt

        Den wirtschaftlich richtigen Weg zu finden ist bei der Komplexität aller landwirtschaftlichen Betriebszweige in der Tat sehr schwierig. Hohe (nicht Höchst-) Erträge sind wichtig, weil sie den Nenner in der entscheidenden Stückkostenrechnung bilden. Die Kunst liegt darin, mit relativ geringem Aufwand hohe, angepasste Erträge zu erzielen. Das fällt vielen Landwirten aber schwer, weil man dazu „Nein sagen“ können muss, z.B. gegenüber dem Verkaufsberater, dem möglichen Höchstertrag auf dem Acker, der absoluten Spitzenleistung im Stall.

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  5. Harald Müller sagt

    Ein Gewinner steht jedenfalls schon fest:
    Das Münchner Umwelt“institut“.

    Wie viele zusätzliche Spendeneinnahmen die wohl durch die jahrelange kostenlose PR der ihnen wohlgesonnenen deutschen Medien einstreichen?

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    • Thomas Apfel sagt

      Das ist doch auch wieder so ein tendenziöses Geschwätz (der verlinkte Artikel) das keineswegs beide Seiten zeigt. Die Bio-Anbau liegt bei den Südtiroler Äpfeln bei etwas über 10 % der Fläche mit 60 % Ertrag ggü. IP Betrieben. Die Bio-Betriebe liegen halbhektarweise in den konventionellen Anlagen eingebettet. Die beiden Außenreihen werden konventionell, der Innenbereich als Öko vermarktet. Hinsichtlich des Pflanzenschutzes profitieren diese Betriebe von der Arbeit der umliegenden IP-Betriebe (insbesondere bei den Schadinsekten).
      Wir waren im vorigen Jahr drei Tage lang zum Thema Nachbau bei Apfel im Vinschgau und Raum Kaltern unterwegs. Da ist man sehr pragmatisch, wenn Öko Flächen im Nachbau angelegt werden müssen, gehen sie für ein bis 2 Jahre zurück in IP Bewirtschaftung, es wird gegen Nachbauschäden behandelt, und dann wieder neu bepflanzt und auf Öko rückumgestellt. Das gilt sicher nicht für alle Öko-Betriebe, ist aber ansonsten sinnvolle pragmatische Praxis weil insbesondere Apfelbäume im Ökoanbau stärker mit Wuchsdepressionen im Nachbau reagieren als solche im IP System und zum Schluss müssen Äpfel zum verkaufen da sein, allein von Propaganda können NGO´s leben, aber nicht Bauern.

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    • Edakteur sagt

      @ Elisabeth Ertl: super Beitrag in der WOZ – alerdings schon aus 2016. Ist also kein neues Thema sondern ziemlich abgehangen…
      War beruflich 15 Jahre in Südtirol tätig (Bruneck) und kann sagen, dass die Obstbauern nicht nur aus Imagegründen sehr maßvoll mit Pflanzenschutzmitteln umgehen.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      „TouristInnen, die mit ihren Bikes nach Süden Richtung Meran rasselten, klagten über entzündete Augen, Atemprobleme und Hautreizungen.“

      Manche sind schon von Mobilfunkanlagen Krank geworden, die noch gar nicht in Betrieb
      waren.

      „Im Biorestaurant Anna im Zentrum von Schlanders sitzen ein paar Obstbauern beim mittäglichen Kartenspiel.“

      Na klar, die Obstbauern haben nichts zu Tun und sitzen Mittags bein Kartenspiel.
      Bei und sitzt kein Obstbauer Mittags beim Kartenspiel.

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      • Brötchen sagt

        @Ehemaliger….die BIO!Bauern sitzen entspannt beim Kartenspiel und kraulen sich ihre Bärte…….übersetze Framing……KonviBauerninnen sind gehetzt und raffen ihr Geld zusammen…….der Artikel ist ein Meisterwerk der Journalistik!

        werdet Biobauern dann seid ihr entspannt, dann könnt ihr auch das Waschwasser der Äpfel als Bionade an die Elektroradelomis am Straßenrand verkaufen und dabei Pfeife rauchen…

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  6. Arnold Krämer sagt

    Eine Regierung, die ihre Landwirte öffentlich verteidigt für gesetzlich zulässiges Arbeiten. Welch ein Unterschied zu unserem Land.

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  7. Thomas Apfel sagt

    Jetzt bin ich etwas irritiert. Meines Wissens ist die Klage zurückgezogen worden (was ich sehr kontraproduktiv fand) ??
    Wir hatten Gestern ein Treffen mit der hiesigen NABU Regionalgruppe um die weitere Zusammenarbeit zu sondieren und abzustimmen. Die werden zunehmend von Teilen der Mitglieder angegangen, weil sie mit uns zusammenarbeiten. Die machen draußen eine ganze Menge an Erfassungen, ich kann mich aber des Eindruckes nicht erwehren, dass das durchaus tendenziös ausfallen kann. Wir wollen eine Pappelreihe umlegen und den Schutzstreifen umgestalten, die Regionalgruppe will das auch (weil dann eine artenreichere Heckenflanzung mit dauerhaftem Stilllegungsstreifen das Ganze ersetzen soll). Da kam dann die Bemerkung: „Den und den dürfen wir dann aber nicht zu Beurteilung mitnehmen, die finden garantiert etwas, was die Fällung verhindert“.
    Das Problem ist, dass die von oben verstärkt das Thema „Umweltvergiftung“ durch Spritzmittel auferlegt kriegen und da sind wir mit einem Behandlungsindex von 26 die „Bösen“ (Mais hat Index 2,6), Dann sehen sie aber, im völligen Widerspruch der offiziellen NABU-Meinung, gerade draußen bei uns die extrem gute Bio-Diversität .

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    • Arnold Krämer sagt

      Zum Sachstand folgender Textauszug von der Internetseite „Suedtirolnews“, Datum 28.10.2020:
      „Das Landesgericht Bozen hat in seiner heutigen Entscheidung den Antrag der Staatsanwaltschaft bestätigt, die Ermittlungen gegen Verleger Jacob Radloff und die Mitglieder des Umweltinstituts München aus Mangel an Beweisen einzustellen. Die Betroffenen begrüßen die Entscheidung als einen bedeutenden Teilsieg für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Pestizidprozesse gegen oekom-Autor Alexander Schiebel und Agrarreferent Karl Bär vom Umweltinstitut München gehen jedoch weiter. Die nächste Verhandlung findet am 27. November 2020 gegen Karl Bär statt.

      https://www.suedtirolnews.it/politik/pestizidstreit-strafverfahren-gegen-verleger-archiviert

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  8. Paul Richter sagt

    Mein Opa hatte Magenkrebs, weil er schimmliges Brot gegessen hat. Er hätte vor seinem Tod ruhig mal den Bäcker anklagen können… 😅

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    • Warum, ist denn der Bäcker daran schuld, hat er es schon im verschimmelten Zustand verkauft!

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  9. bauerhans sagt

    im film Oekozid,gestern in der ARD,wird ja die Kanzlerin wegen umweltvergehen angeklagt.
    müssten nicht alle menschen in den wohlstandsländern angeklagt werden………..was würde das bringen.

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