Alle Artikel in: Bücher

Alle satt? von Urs Niggli (Buchbesprechung)

Am Samstag morgen habe ich das Buch bekommen, am Sonntag mittag hatte ich es gelesen. Das sagt eigentlich schon alles. Urs Niggli war von 1990 bis 2020 Leiter des Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz. Wer sich für Bio-Landbau interessiert, muss ihn eigentlich kennen, denn er hat diesen, zumindest in Europa, entscheidend mit geprägt. Was mir an dem Buch  sehr gut gefällt und warum ich es allen, Landwirten und Nicht-Landwirten uneingeschränkt ans Herz legen möchte: Urs Niggli ist zuerst Agrar-Wissenschaftler. Als solcher interessieren ihn die Fakten, dann erst redet er über Machbares oder auch Unmögliches. Zu Beginn schon dieser Satz: „Mich interessieren vielmehr die zahlreichen Widersprüche, die wir scheinbar nicht erklären können.Die Menschen kaufen und essen zum Beispiel nicht so, wie sie es der Theorie und dem normalen Menschenverstand zufolge tun müssten.“ Dass er Wissenschaftler ist, belegt seine Meinung zu bestimmten Strömungen in der der Bio-Landwirtschaft: „Manche ihrer Vertreter führen nicht erklärbare Phänomene auf eine metaphysische Kraft zurück oder sehen paranormale Phänomene als Teil ihres Berufes“. In 50 Jahren Forschung konnten keine signifikanten …

Eine Fundgrube: Statistisches Jahrbuch für Ernährung und Landwirtschaft

Soeben erschienen ist das oben genannte Buch. Den Link sollte man sich abspeichern! https://www.ble-medienservice.de/0227/statistisches-jahrbuch-fuer-ernaehrung-landwirtschaft-und-forsten-2020?c=152 Das Jahrbuch, das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)    herausgegeben wird, ist eine Fundgrube für jeden, der mit Landwirtschaft und Ernährung zu tun hat. Schadet ja auch nicht, wenn man mit belastbaren Zahlen argumentiert… 🙂 +2

Bauern, Land – Ein Dialog mit der Autorin

Bücher über das Land, die Landwirtschaft und über Bauern gibt es nicht viele. Uta Ruge hat ein solches Buch geschrieben. Sie ist zwar Bauerntochter, aber ihr Beruf als Journalistin hat sie in die „große weite Welt“ gebracht. Statt einer Rezension habe ich mich mit ihr unterhalten. Ich bin sicher, dass die Antworten dazu animieren werden, das Buch zu lesen. Liebe Frau Ruge, wie ich im Einband Ihres Buches „Bauern, Land“ gelesen habe, haben Sie Germanistik und Politik studiert. Wie und wann, und vor allem warum sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben Das Studium ist lange her, aber geblieben ist immer das Interesse am Schreiben und an der Politik sowieso. Ich bin Journalistin geworden und habe Jahrzehnte lang viele Rundfunkreportagen auch aus anderen Ländern geschrieben. Da war es für mich eine schöne Herausforderung, jetzt über das Dorf und die Landschaft zu schreiben, in der ich aufgewachsen bin. Es hat mich immer gereizt, den eigenen Blick und objektive Fakten so miteinander zu mischen, dass ein Text einerseits auch menschlich interessiert, andererseits die LeserInnen …

Ein schwieriges Buch…

Die nachfolgende Buchbesprechung ist mir nicht leicht gefallen und es kann sein, dass sie eine rege Diskussion auslösen wird. Ich habe das Buch „Das wahre Leben der Bauernhoftiere“ unaufgefordert vom Verlag Klett-Kinderbuch (gehört nicht zum Klett-Schulbuchverlag) zugeschickt bekommen. Beim ersten Durchblättern sind mir die foto-realistischen Zeichnungen aufgefallen, die auch von der Autorin angefertigt wurden (Leseprobe weiter unten). Ja, dachte ich, so sieht es in den Ställen aus, auch wenn der sachkundige Experte kleine Fehler in der Darstellung finden wird. Mir sind sie nicht aufgefallen, aber ich bin auch kein Experte für Tierhaltung. Zu den Texten: Die Autorin Lena Zeise hat mehrere konventionell und ökologisch arbeitende Betriebe besucht und vor Ort recherchiert. Auf der Rückseite des Buches steht: „Sachkundig und ohne zu werten zeigt es die Unterschiede zwischen der industriellen und ökologischen Tierhaltung“.  Das stimmt, allerdings ist mir und anderen Lesern, denen ich das Buch ohne jeglichen Kommentar in die Hand gedrückt habe, aufgefallen, dass die ökologische Tierhaltung sowohl was die Farbigkeit der Bilder als auch die Texte angeht, definitiv besser wegkommt als „industrielle“ (!). Konventionell …

Spätsommer-Lektüre

Heike hatte mir ihr Buch schon im Frühjahr („vor Corona“) geschenkt. Gelesen habe ich es im Urlaub, an zwei Nachmittagen, also fast an „einem Stück“. Um was geht es? Eine Bäuerin, Anfang fünfzig, bewirtschaftet den Betrieb mit Milchvieh nach dem Tod ihres Mannes in Mecklenburg weiter. Bei einem Spätsommergewitter sucht eine Gruppe Musiker Schutz auf dem Bauernhof. Darunter Piet, Bauernsohn aus Norddeutschland, jetzt Trompeter. Es stossen aufeinander: Ostdeutsch und westdeutsch sozialisiert, Atheistin und Gelegenheits-Christ, beide ohne Illusionen. In die Liebesgeschichte der Beiden eingewoben die Gedanken der Milchbäuerin über Milchpreise, Kälbergeburten, Futterwerbung, Arbeitszwänge und über die Zukunft ihres Betriebes. Und genau das hat mir so gut gefallen, weil es sehr authentisch und ohne jedes Pathos beschrieben wird. Ich verstehe jetzt die ostdeutsche Seele etwas besser. Außerdem öffnet sich die Tür zu einem modernen Milchvieh-Betrieb. Lesenswert für alle. Geschrieben hat das Buch Heike Müller, Jahrgang 1965, die an der Uni Rostock Tierproduktion studiert hat. Sie ist im Ehrenamt auch für den Bauernverband und die Landfrauen unterwegs. Und bei Facebook, und bei Instagram… und… Ich kann nicht alle …

„Der Konsum-Kompass“ (Buchbesprechung)

So lautet der Titel des neuen Buches von Katarina Schickling, erschienen Ende April 2020. Also noch druckfrisch. Ich kenne Frau Schickling und sie mich. Nicht immer sind wir einer Meinung. Sie, die Journalistin (aus der Großstadt München) , ich der Bauer (vom Dorf bei Köln). Ich habe gerade ihr neues Buch gelesen, in nur wenigen Tagen, denn es liest sich flüssig und ist, trotz des Themas unterhaltsam geschrieben. Die fünf Überschriften Müll, Verkehr, Energie, Essen sowie politisch korrekter Konsum sind in viele kleinere Kapitel unterteilt, so dass man das Buch immer wieder mal weglegen kann. Vor allem aber ist es auch ein gutes Nachschlagewerk, nicht nur dank des 7-seitigen Registers. Wenn man das Buch in die Hand nimmt, fallen einem (zumindest mir) zwei Sachen auf: Der Umschlag ist aus griffigem Papier  (zu 60% aus recyceltem Kaffeebecherpapier hergestellt), zum zweiten gibt es in den vorderen und hinteren Umschlagsseiten Saisonkalender für Obst (vorderer Teil) und Gemüse (hinterer Teil). Es wird unterschieden, was zu welcher Zeit aus heimischen Anbau kommt und was vor allem importiert wird. Sehr aufschlussreich, …

Deutschland ab vom Wege

Eine Buchbesprechung von Bauer Fritz Deutschland ab vom Wege – Eine Reise durch das Hinterland (Henning Sußebach; Erstveröffentlichung im April 2017) Vorbemerkung: Es gibt sehr viele, sehr lesenswerte Rezensionen zu diesem Buch. Diese ist eine, in der ich mir persönlich einprägsame Sätze, besondere Passagen mit Bezug zur Landwirtschaft und ausgewählte Gedanken des Autors hervorheben möchte. Sie haben an Aktualität nichts verloren – ganz im Gegenteil. Henning Sußebach durchmisst etwa Mitte des Jahres 2016 Deutschland, aber ab vom Wege. Also nicht im Auto oder im Zug, also nicht im Schnell-oder Eiltempo und somit nicht en passant. Sondern zu Fuß und dann auch noch so gut es geht nicht auf Straßen, sondern eher querfeldein. Da stört im Zuge eines Sonntagsspaziergangs durch die Natur plötzlich eine Straße den Gehenden. Der Gehende ist Redakteur bei der „Zeit, dem Zentralorgan des deutschen Bildungsbürgertums“ und lebt und arbeitet in Hamburg. Er erlebt unverhofft seine bisherige Welt als „ein Leben auf toter Fläche“. Er erlebt seine gewohnten und geschätzten Freiheiten als Stadtmensch unverhofft eigentlich „als fixierte Bewegungsabläufe auf begradigten Bahnen“, stellt fest, …

Muss man lesen!

Selten habe ich ein Buch so schnell gelesen wie das soeben erschienene Buch von Andreas Möller. Da schreibt ein Nicht-Landwirt über Landwirtschaft. Na, dachte ich, das kann ja was werden. Ja, und es ist etwas geworden, nämlich ein Blick auf die Landwirtschaft von außen, den Landwirte normalerweise nicht akzeptieren, weil „die ja eh keine Ahnung haben“. Das ist bei diesem Buch anders. Andreas Möller hat sich wirklich in die Landwirtschaft „reingearbeitet“, lässt kein Thema aus und reflektiert mit dem Leser gemeinsam, warum die heutige Landwirtschaft so ist wie sie ist. Groß, klein, bio, konventionell, Hofladenbetreiber und Agrargenossenschaften, eben bunt. Für mich sehr spannend und lehrreich war das Kapitel 6 „Die Öffentlichkeit“. Da geht es um die unterschiedliche Sicht der Dinge, um die Schlachten, die mit Studien geschlagen werden und die Mechanismen der Mediengesellschaft. Es geht um Fakten und Moral, um Wissen und Gefühl, das mit dem Satz gut beschrieben wird, der da lautet: „Was interessieren mich Zahlen und Fakten der anderen, wenn ich trotzdem ein ungutes Gefühl habe“. (Übrigens gilt das auch für andere Lebensbereiche, nicht …

Terra Preta (Buchbesprechung)

Ich habe das Buch „Terra Preta“, erschienen im Oekom-Verlag (19,99 €), geschenkt bekommen, weil jemand meinte, das könnte mich als Bauer interessieren. Weil ja das Wort „terra“ drin vorkommt und das heißt „Erde“. Hat es auch, denn warum sollte man sich nicht mit Methoden beschäftigen, die wir in der Schule nicht gelehrt bekommen haben? Umso enttäuschter, ja verärgerter war ich, als ich die ersten Kapitel unter der Überschrift „Grundlagen“ gelesen habe. Los geht es mit den „Irrtümer der fossilen Landwirtschaft“. Mal ein paar Auszüge: Mit der industriellen Landwirtschaft, die per Chemie und Großtechnik einen Krieg gegen die Natur führt, wird die Erde zu Dreck.. Die konventionelle industrielle Landwirtschaft …verwüstet auf Dauer den Boden… Die Agrokonzerne mit ihren schweren Maschinen und chemischen Keulen sind es, die der Erde die Haut abziehen…und hat die Hungerkrise (mit)verursacht Die meisten essen indirekt Gensoja – und zwar in Form von Fleisch. Skrupellose oder ahnungslose Menschen versprühen Glyphosat in der Landwirtschaft, in Kleingärten und sogar vor Schulen und Kitas. Und das ist nur ein Ausschnitt aus den ersten rund 40 Seiten. …

Besser einkaufen (Buchbesprechung)

Aktuell, im Februar 2018 ist das Buch „Besser einkaufen“von Katarina Schickling erschienen. Ich kenne sie ja persönlich (von ZDF Zoom) und bin nicht immer ihrer Meinung. Deshalb war ich sehr gespannt. Zunächst ist da der Untertitel: „Der Lebensmittel-Ratgeber für kritische Verbraucher“. Beim Begriff Ratgeber runzele ich meist die Stirn, denn davon gibt es ja reichlich. Doch mit diesem Buch kann ich was anfangen, denn ich erfahre dort in sehr komprimierter Form (rund 200 Seiten) sehr viel über die Herstellung unserer Lebensmittel, den Lebensmittelmarkt und die Lebensmittelindustrie. Das Kapitel „Die ungute Macht der Handelsketten“ habe ich ebenso verschlungen wie „Wie geil ist Geiz?“. Auch deshalb, weil hier eine Lanze für die Bauern gebrochen wird, die unter dem Preisdiktat der vier großen Ketten meist nur durch noch niedrigere Stückkosten reagieren können. Und das hat Folgen. Im weiteren Verlauf geht Katarina Schickling auf die Begriffe regional und bio ein. Es ist schon merkwürdig, was sich alles regional und bio nennen darf. Regionale Alpenmilch aus Polen zum Beispiel. Sie schreibt auch offen, dass Bio nicht immer anders schmeckt oder …