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Buchbesprechung: Unsere Landwirtschaft besser verstehen

Eine Buchbesprechung von Arnold Krämer

Langjährige und regelmäßige Leser wie Diskutanten im Blog von Bauer Willi, die gleichzeitig auch agrarpolitisch interessiert sind, kennen seinen Namen: Dr. Hermann Onko Aeikens.

Der seltene 2. Vorname gibt einen Hinweis auf seine ostfriesische Herkunft, genauer aus dem Rheiderland, einem fruchtbaren Landstrich südwestlich von Leer. Nach Agrarstudium und Staatsdienst beim Land Niedersachsen war Dr. Aeikens nach dem Fall der Mauer Abteilungsleiter, später Staatssekretär und dann Minister im Landwirtschafts- und Umweltministerium in Magdeburg, Sachsen-Anhalt (von 1990 bis 2016) und gegen Ende seiner beruflichen Laufbahn Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium unter den Ministern Schmidt (CSU) und Klöckner (CDU).

Dr. Aeikens, privat wie beruflich westdeutsch sozialisiert, hat sein umfangreiches Wissen und seine jahrzehntelangen beruflichen wie privaten Erfahrungen aber in ganz Deutschland und auch zeitweise in Brüssel erworben.  Niemand sonst im agrarpolitischen Raum hat meines Erachtens einen so umfassenden Blick auf das ganze „agrarische“ Deutschland wie er.

Die Zeit nach dem Eintritt in den Ruhestand Ende 2019 hat er nun genutzt, um ein „Aufklärungsbuch“ zu schreiben, das kürzlich unter dem Titel „Unsere Landwirtschaft besser verstehen-Was wir alle wissen sollten“ beim „Mitteldeutscher Verlag“ in Halle veröffentlicht wurde.

Auf rund 250 Seiten behandelt der Autor, gut und übersichtlich gegliedert, praktisch alle relevanten Fragestellungen im Agrarsektor. Im Einzelnen sind dies folgende Punkte:

  • Die Agrarbranche ist systemrelevant.
  • Kennen wir eigentlich unsere Bauern?
  • Was produzieren unsere Bauern?
  • Was passiert zwischen Bauernhof und Ladentheke?
  • Wie ernähren wir uns?
  • Wie funktioniert Agrarpolitik?
  • Was könnte politisch auf die Landwirtschaft zukommen?
  • Warum stehen Bauern in der Kritik?
  • Wie steht es um unsere Böden?
  • Landwirtschaft und ländlicher Raum.
  • Eine bessere Agrarpolitik.

An einen Gliederungspunkt: WIE produzieren unsere Bauern? hat er sich aus verständlichen Gründen aber als Ökonom nicht herangetraut. Vermutlich hätte es auch den Rahmen des Buches gesprengt. Das eine oder andere wichtige produktionstechnische Detail z.B. bei den Oberthemen Bio, Böden, Tierwohl bleibt aber natürlich nicht unerwähnt.

Richtig stark ist das Buch dort, wo die besonderen Berufserfahrungen und -kontakte des Autors zum Tragen kommen. Dies ist z. B. der Fall, wenn er fast anekdotisch von der Arbeitsweise der EU-Gremien oder der nationalen Bund-Länder-Kommission berichtet. Eindeutig ist seine Aussage, dass die wirklich relevante und für alle Landwirte wirksame Agrarpolitik vor allem in Brüssel vorbereitet und verordnet wird. Die agrarpolitischen Gestaltungsspielräume der Bundesländer sind dagegen besonders eng und oft kaum erkennbar. Hier sind es eher die Umweltministerien, die auf die Wirtschaftsweise der Landwirte zusätzlich mehr oder weniger eingrenzend Einfluss nehmen. Deshalb spricht sich der Autor auch dafür aus, zumindest auf Länderebene Agrar- und Umweltministerien in jeweils einem Haus zusammenzuführen. Damit könnten sachliche und parteipolitische Konflikte eher ausgeglichen oder gänzlich vermieden werden.

Für den Leser wird an vielen Stellen des Buches deutlich gemacht, dass der nationale Rechtsrahmen für die Landwirtschaft (entwickelt aus dem westdeutschen Agrarecht) oft nicht stimmig ist für die so unterschiedlichen Verhältnisse im Süden, Osten und Nordwesten unseres Landes. Das gilt insbesondere für das Bodenrecht und das Förderecht. In diesen Bereichen werden nach den Erfahrungen des Autors die (auch selbst nicht einigen) Politiker mit sehr unterschiedlichen Interessen, vertreten durch starke Lobbygruppen konfrontiert. Aus seiner Sicht wünschenswerte Änderungen waren deshalb bisher nicht (z. B. bei Anteilskäufen im Erwerb von Bodeneigentum) oder nur sehr eingeschränkt (z. B. bei der EU-Förderung für sehr große Betriebe) möglich.

Ausführlich und meist sehr differenziert geht der Autor auf viele gesellschaftliche, mediale und NGO-Vorwürfe gegenüber der (konventionellen) Landwirtschaft und der Agrarpolitik ein. Hier hätte der Autor meines Erachtens aber vereinzelt auch deutlich kritischere Worte finden können. Gesetze waren und sind Menschen- bzw. Politikerwerk und auch juristisch-handwerklich nicht immer fehlerfrei oder lückenhaft. Die nicht ganz zu Unrecht kritisierte Konzentration der flächenunabhängigen Veredlung im Nordwesten Deutschlands war z.B. nur möglich, weil Politiker die Hinweise in den 1980er Jahren auf dortige Fehlentwicklungen sehr lange ignoriert haben. Die regionale Nitratproblematik verschärfte sich dann erneut, weil ausgerechnet die erste Bundeslandwirtschaftsministerin der Grünen, Frau Künast, die Nährstoffe der Gärreste aus den massiv geförderten Biogasanlagen juristisch „vergessen“ hatte, und dieser Mangel erst ab 2017 mit der novellierten Düngegesetzgebung beseitigt wurde.

Mit dem Hinweis auf die Zuständigkeiten der Länder (der Bund hat praktisch nur in wenigen Randbereichen eine eigene Agrarverwaltung) lässt sich dann auch das eine oder andere an Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten im Agrarsektor begründen bzw. erklären.

Für die Zukunft mahnt Aeikens eine mehr wissenschaftsbasierte Agrarpolitik an mit Handlungsbedarf insbesondere bei den Themen Umwelt und Tierwohl. Er glaubt dafür auch mittlerweile mehr Akzeptanz bei den Landwirten und deren Verbänden feststellen zu können und macht dies fest an den Ergebnissen der ZKL (Zukunftskommission Landwirtschaft) und der sogenannten Borchert-Kommission. Dabei unterschätzt er aber meines Erachtens das Unbehagen und den Unmut der breiten landwirtschaftlichen Basis mit deren Ergebnissen, die bekanntlich ohne Beisein der Politik und hier insbesondere des Finanzministers formuliert wurden. Die Enttäuschung der landwirtschaftlichen Basis hat sicherlich auch damit zu tun, dass der deutsche Finanzminister nicht bereit ist, jährlich viele Milliarden zum Umbau der Tierhaltung bereit zu stellen, abgesehen davon, dass eine solche „Sonderfinanzierung“ aus EU-rechtlichen Gründen mehr als unsicher wäre.

Der Autor spricht sich für mehr ordnungsrechtliche Regelungen aus, fordert dafür aber gleichzeitig eine deutliche bürokratische Entlastung des Agrarsektors und ein klares, einfacheres Regelwerk. Letzteres wird sicherlich die Zustimmung aller Landwirte finden.

Das Buch überzeugt durch eine angemessene Breite und Tiefe bei einem höchst komplexen, aber alle Menschen mehr oder weniger betreffenden Thema. Der Autor ist in der Lage, die vielen, teils großen Zielkonflikte und Widersprüche, die es praktisch überall im Agrarsektor gibt, deutlich anzusprechen. Die politische Wertung bzw. Güterabwägung bei diesen Punkten durch die Menschen, die an den Hebeln der Macht in Brüssel und Berlin sitzen, wird neben dem, was auf der großen weltpolitischen Bühne geschieht, die Zukunft der Höfe und der Menschen, die dort leben und arbeiten, bestimmen.

Das Buch richtet sich genauso an den fachkundigen Leser aus dem Agrarsektor und dessen Umfeld wie an den interessierten Nichtlandwirt. Es ist durchgängig stilistisch einheitlich und verständlich geschrieben und nicht mit Zahlen und Daten überfrachtet.

Auch der fachkundige Leser wird für sich Neues und Unbekanntes finden.  Man kann das Buch mit Gewinn lesen, auch wenn man nicht mit allen Wertungen und Feststellungen des Autors einverstanden ist und auch nicht sein kann, angesichts der sehr komplexen Thematik und sicherlich auch unterschiedlicher individueller Betroffenheit und Erfahrungen.

https://www.mitteldeutscherverlag.de/geschichte/kulturgeschichte/aeikens,-hermann-onko-unsere-landwirtschaft-besser-verstehen-detail

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34 Kommentare

  1. Hauke Jaacks sagt

    Den Aspekt mit der Zusammenlegung von Umwelt und Landwirtschatsministerium finde intressant,leider wurde es in Schleswig Holstein wieder aufgegeben damit zumindest das Umweltminsterium in grüner Hand bleibt

    • Gut
      aber Land- und Frorstwirtschaft haben nun mal sehr viel mit der natürlichen Umwelt zu tun.
      Die sdüefen gegen, sondern miteinander arbeiten.
      Also gehören doch unter ein Dach.

  2. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Fiel mir gerade wieder ein:

    Bleibt auf dem Lande und wehret euch täglich!

    Glaube,das hatte ich bei der EJL in Bethel aufgeschnappt.

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  3. “Warum stehen Bauern in der Kritik”

    Das ist eines der interessantesten Themen daraus ,
    Und wenn man diese Kritik beseitigt hat, dann landet man anfangen NATURGESETZE verständlich zu erklären und zu respektieren.
    Unser Erdball braucht das .

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  4. Frikadellen piet 45 sagt

    moin gibt es das Buch auch als Hörbuch würde mich interessieren schönen Sonntag

  5. Stadtmensch sagt

    Dank an Herrn Krämer für die Buchvorstellung.

    Einen Satz habe ich mir rausgepickt:

    “Aus seiner Sicht wünschenswerte Änderungen waren deshalb bisher nicht (z. B. bei Anteilskäufen im Erwerb von Bodeneigentum) oder nur sehr eingeschränkt (z. B. bei der EU-Förderung für sehr große Betriebe) möglich.”

    Heißt das, der Autor ist ein Verfechter der “Share Deals”, um außerlandwirtschaftliches Kapital in den Agrarsektor zu leiten? Das wäre doch auch mal eine lohnende Diskussion, ob wir zum Preis der fortschreitenden Eigentums- und Kapitalkonzentration den Investitionsstau (gibt es den?) auflösen. Also wenn immer alle nur AN der Landwirtschaft verdienen, muss man quasi sicherstellen, dass man sie nicht abwürgt. Share Deals wären dann die “Lösung”.

    Natürlich wäre mir persönlich ein entgegengesetzter Trend (Genossenschaft: https://www.realfictionfilme.de/das-kombinat.html) viel lieber, statt weiter zu wursteln mit der Aussicht, irgendwann Almosen, “Freiheits- oder Bürgergeld” dafür zu erhalten, keine Ansprüche mehr zu stellen. Zufrieden zu sein mit einer Welt, in der ein paar Wenige das große Rad drehen.

    Weiß schon was jetzt kommt: “Mach doch! Niemand hält dich auf! Jeder kann es mit der gekauften Agrarpolitik (Doku, Arte) aufnehmen! Musst nur das Buch lesen, da steht alles drin…”

    😉

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    • Reinhard Seevers sagt

      Wir können ja schon froh sein, wenn es nicht zu den von den Grünen geforderten sozialistischen Enteignungen und Verstaatlichungen kommen wird…🙄

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      • Stadtmensch sagt

        “Sozialistische Enteignung” hieße “Zwangsvergenossenschaftung”. Hat in der DDR funktioniert. Und vor allem kann es bei der damit einhergehenden Planwirtschaft (die wir mit dem bürokratischen und regulatorischen Korsett für das agrarische Wirtschaften ohnehin schon haben) nicht mehr zu solchen Fehlallokationen von Kapital, wie zum Beispiel der Konzentration der Tierhaltung in einem bestimmten Landesteil kommen.
        Aber Planwirtschaft ist leider unmöglich geworden, weil das handelnde politische Personal unfähig zu sein scheint. Siehe oben im Text der politisch forcierte Biogasboom, ohne sich Gedanken über die Verteilung der Gärreste zu machen.

        Mag gar nicht dran denken, wenn wir die Früchte der politisch transformierten LW ernten, was dann wieder alles nach hinten losgegangen sein wird: Fotovoltaik-Äcker mit Nebenerwerbs- Hobby Landwirtschaft für Prepper, Ponny- und Gnadenhof, sonstige Spaßpferdehaltung, handgestreichelte Strohschweine Produktion für ganz wenige, die sich das leisten wollen und können.

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        • Reinhard Seevers sagt

          “Sozialistische Enteignung” hieße “Zwangsvergenossenschaftung”. Hat in der DDR funktioniert. “……

          Mit ” funktioniert” meinst du, es gab nur begrenzte demokratische Widerstandsmöglichkeiten? Oder wie ist das gemeint?

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          • Stadtmensch sagt

            Es wurde halt Nahrung produziert. Nach Plan. Aus dem Nähkästchen kann ich leider nicht plaudern, weil ich zu der Zeit nur Flausen im Kopp hatte.

            Da fällt mir ein, ich habs dieses Jahr wieder nicht nach Schloss Blankenhain geschafft. Deutsches Landwirtschaftsmuseum.
            Vielleicht kann ein Besuch da im nächsten Jahr meine nostalgischen Phantomschmerzen etwas lindern…

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        • Arnold Krämer sagt

          “….. kann es nicht mehr zu solchen Fehlallokationen von Kapital, wie zum Beispiel der Konzentration der Tierhaltung in einem bestimmten Landesteil kommen”.

          Von Fehlallokation würde ich nicht sprechen. Es gab aber Kollateralschäden im Umweltbereich, die zu verhindern gewesen wären und deren gewollte Vermeidung in anderen Landesteilen heute hohe volkswirtschaftliche Kosten verursachen. (Stichworte u.a. Düngegesetzgebung, Bau- und Immissionrecht)

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        • Smarti sagt

          “Hobby-Landwirtschaft” für Prepper, Ponny – oder Gnadenhof..
          Mein Mann war heute die Pacht zahlen und kam recht traurig nach Hause. In zwei Jahren verlieren wir fast 10 ha Wiesen und etwas Ackerland, weil der Besitzer das Land verkauft. Wir können und wollen es nicht kaufen, es ist voller Obstbäume, hügelig und viel Waldrand. So richtiges zukünftiges wildes Wolfsgebiet mit Wildschwein, Dornen und viel unbezahlter Arbeit. Das bedeutet für uns, dass wir etwa 10 Milchkühe weniger füttern können, die werden verkauft.
          Zum Ausgleich für das fehlende Milchgeld werde ich zwei Einstellerpferde (sonstige Spasspferde) brauchen. Ich finde es nicht allzu schlimm… schon wieder ein grosses Stück freier :). Noch 20 ha weniger, und wir werden auf sämtliche Subventionen verzichten. Kann gut sein, dass dies früher geschieht als gedacht.

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          • Stadtmensch sagt

            “..und kam recht traurig nach Hause”

            Das macht mich auch traurig. Bald werden da bestimmt neue Urlaubsquartiere und Buswartehäuschen gebaut. Das bringt einfach mehr Nullen auf des Eigentümers Konto. In diesem Wirtschaftssystem geht es allein darum, das Maximum an Profit aus allem und Jedem rauszuziehen. Auch wenn man es von außen nicht gleich erkennt.

            Schade, dann importieren wir eben unser Essen und schauen uns die Dokus zur restlosen Verwertung der Welt an. Wälder weg, Plantage hin, Müll ins Meer. Das ist die Logik des Marktes driven by greed, wie es einer ihrer Top-Ökonomen mal erklärt hat.

            Kann man nix machen. Eigentum geht vor…

          • Wolfsfeind sagt

            vor Jahren hat ein Landwirt in der Nähe einen Fahrsilo und Stadel gebaut das Ganze wurde nach 2 Jahren abgerissen. Seitdem steht dort eine Spedition und die Fläche ist versiegelt.
            Und ja es geht mit weniger Fläche wenn die Kohle stimmt.

    • Arnold Krämer sagt

      “Heißt das, der Autor ist ein Verfechter der “Share Deals”, um außerlandwirtschaftliches Kapital in den Agrarsektor zu leiten?”

      Genau das Gegenteil ist der Fall. Er ist strikter Gegner der Landnahme durch außerlandw. Großinvestoren.

      Leider macht die Politik nicht nur die kleineren, sondern auch die starken mittelständischen Landwirte kaputt, so dass sich fast automatisch eine Konzentration ergibt, die dann aber wiederum das in den Bereich des Denkbaren und Machbaren rückt, wovor nicht nur Herr Seevers Angst hat.

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      • “so dass sich fast automatisch eine Konzentration ergibt, die dann aber wiederum das in den Bereich des Denkbaren und Machbaren rückt, wovor nicht nur Herr Seevers Angst hat. ”

        Ausschließen kann man das leider nicht. Aber nach meiner Einschätzung sind viele der außerlandwirtschaftlichen Investoren “starke Hände”. Und die lassen sich so leicht nichts wegnehmen…
        Ansonsten hat mir die Leseprobe gezeigt, dass Herr Aeikens wirklich viele Aspekte anspricht. Da kann sich jeder etwas Interessantes herausziehen. Gut hat mir gefallen, dass der Autor in den zu lesenden Seiten auch nicht unbedingt eine abschließende Bewertung abgegeben hat. Kein “das ist so”, sondern viele Facetten aufgezeigt hat.
        Es muss sicher niemand begründen, warum er das Buch nicht lesen möchte. Weitere Beurteilungen finde ich allerdings etwas seltsam.

  6. Reinhard Seevers sagt

    Eine Buchempfehlung ist eine Buchempfehlung, ist eine Buchempfehlung……
    Soziologen beschreiben die gesellschaftlichen Zusammenhänge, Einzelexperten die speziellen Bereiche und Auswirkungen politischer Handlungen, selbsternannte Experten finden immer neue Probleme, die aus der Landwirtschaft erwachsen…..Landwirte handeln!
    Wenn dieses “Handeln” verunmöglicht wird, sind Retrospektiven wenig hilfreich, weil es immer noch an politischen und gesellschaftlichen Leitplanken fehlt. Die Frage ist doch weiterhin: Was muss getan werden, um diese Tatenlosigkeit zu beenden und zurück zufinden zu machbaren Umsetzungen?

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    • Arnold Krämer sagt

      Die politischen und gesellschaftlichen Leitplanken sind da. Sie sind aber nicht stabil und vertrauenswürdig für landw. Unternehmer, die mangels Fläche nur im Bereich der Tierhaltung oder über Nischenproduktion und -vermarktung ausreichende Einkommen erwirtschaften können und die mit ihrem ganzen Vermögen haften im Gegensatz zu allen politischen Akteuren.

      Das europäische Agrarsystem ist im Prinzip nicht reformierbar, weil radikale Einschnitte zwar denkbar sind, aber keine breite Unterstützung erfahren würden. Die Interessengegensätze sind doch schon allein bei der EU-Förderung unüberbrückbar.

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      • Die Zukunft der Europäischen Union ist äusserst ungewiss. DIe Wirtschaftsleistung der Länder, die sie im Wesentlichen tragen geht zurück, gleichzeitig steigen die Erwartungen der Nettoempfängerstaaten sowie die Ausgaben in Bereiche, die es bisher noch gar nicht gab. Dies ist zum einen der beabsichtigte Aufbau einer eigenständigen militärischen Handlungsfähigkeit sowie die weitere Aufnahme höchst fragwürdiger Beitrittstaaten. Nicht zuletzt die beabsichtigte Aufnahme der Ukraine wird die EU politisch und wirtschaftlich sprengen, was dann auf jedenfall auch die Beendigung der bisherigen EU-Agrarförderung bedeutet. Letzteres wäre jedoch das kleinste Probleme im Zusammenhang einer solchen Entwicklung.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Eine dringend notwendige Reform der EU wird gesellschaftlich, medial und politisch als Zerstörung der EU betitelt. Ich glaube, man ist nicht gewillt, die EU zu reformieren. Also muss die EU-Wahl ein Signal setzen. Aber auch nach einem evtl. Denkzettel glaube ich nicht an eine Reform des Agrarbereiches, weil ganz oben auf der Agenda die Transformation steht, in dessen Namen weiterhin jedweder Eingriff in die Handlungen des Agrarbereiches bleiben wird. Gerade in Fragen der Förderung wird man die Erpressung fortführen und für staatliche Gelder eben auch Transformation fordern…..ich bin ratlos.

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  7. Christian Bothe sagt

    Da ziehe ich diese Broschüre zur praktischen LW als Informationsmedium vor…
    Agrarfakten
    Ernährung – Umwelt – Klima
    Landwirtschaft, quo vadis?
    Das Konfliktfeld Landwirtschaft, Umwelt, Natur- und Klimaschutz findet in den letzten Jahrzehnten ein
    hohes öffentliches Interesse. Die ureigene Aufgabe der Landwirtschaft besteht in der Deckung des
    Bedarfs an qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln zu erschwinglichen Preisen. Leider wird dieser
    Aspekt in der öffentlichen Diskussion kaum gewürdigt.
    Moderne Technologien, Mineraldünger, Pflanzenschutz- und Tierarzneimittel sowie die Automatisie-
    rung und Digitalisierung bewirken – verbunden mit wachsenden Feld-, Stall- und Betriebsgrößen – ein
    emotionales Unbehagen gegenüber einer wissenschaftlich fundierten, produktiven Landwirtschaft.
    44 Autoren befassen sich in 40 Beiträgen mittels eines themenbezogenen Frage-Antwort-Katalogs mit
    diesen Vorbehalten und vermitteln wissenschaftlich belegte Fakten zu den Stärken und Schwächen der
    Landwirtschaft.
    Gerhard Breitschuh und Manfred Munzert
    Jena/Freising, Dezember 2022
    Herausgeber:
    Prof. Dr. Gerhard Breitschuh, Jena und Dr. Manfred Munzert, Freising
    ISBN 978-3-00-073111-2
    © Selbstverlag Gerhard Breitschuh, Talsteinstraße 9, D-07751 Jena 2022
    Format 17 x 24 cm, Paperback, Weimarlanddruck, D-99510 Ilmtal-Weinstraße
    292 Seiten, 25,- € + Porto
    Sollten Sie Interesse am Erwerb des Buches „Agrarfakten: Ernährung, Umwelt, Klima – Landwirt-
    schaft, quo vadis?“ haben, bitten wir, nachfolgende Angaben an info@agrarfakten.de zurückzumai-
    len.
    Name, Vorname
    Lieferadresse
    Anzahl
    Sie können die Bestellung auch unter http://www.agrarfakten.de/agrarfakten-buch/ auslösen.

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  8. feizelmeier sagt

    Dieses Buch kann ja lesenswert sein. Aber ob der Autor die Landwirtschaft in der Praxis kennt, bezweifle ich. Der müsste einmal als Landwirt gearbeitet haben, dann hätte ich ihm volle Kompetenz zugebilligt. Aber die Landwirtschaft nur vom Schreibtisch aus oder Hofbesuchen zu kennen ist mir zu wenig. Das Buch selber scheint mir aber eine Diskussionsgrundlage zu sein.

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    • Dr.Aikens war sicherlich eine Koryphäe der deutschen Agrarpolitik und es war der wichtigste Zug von J.Klöckner, ihn ins BMEL als Staatssekretär zu holen, konnte er doch die mangelnde Sachkompetenz von Fr. Klöckner kompensieren.

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      • Ostbauer sagt

        Leider hat es auch er nicht geschafft, dieses unselige Strafverfahren der EU zur Wasserrahmenrichtlinie , hervorgerufen duch Dilettantismus, Überheblichkeit und Untätigkeit der “Fachkräfte” im Unionsgeführten LW-Ministerium vor dem EUGH zu verhindern.

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          • Ostbauer sagt

            Er war aber an prädestinierter Stelle im System.
            Gab`s da mal nicht so einen Spruch: Mir ist egal, wer unter mir Minister ist?
            Mit seiner Kompetenz und Vita hätte er da mehr machen können und müssen!
            Aus der Verantwortung lasse ich ihn nicht raus.

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        • Bauer Willi sagt

          Das war zu der Zeit, in der er tätig war, längst gelaufen. Auch heute wird vieles von Brüssel bestimmt. Und anständige Deutsche befolgen das auch. Zu 110%.

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    • Arnold Krämer sagt

      Aeikens stammt von einem landwirtschaftlichen (allerdings längst verpachteten) Betrieb im Rheiderland, Kreis Leer, Ostfriesland. Seine Praxiskontakte sind durch seine privaten Kontakte aus der Studienzeit (darunter auch noch heute aktive Landwirte) und durch seine erste berufliche Tätigkeit nach der Promotion in Göttingen ziemlich weitgehend. War er doch persönlicher Referent des damaligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers Gerhard Glup, Land- und Forstwirt aus Thüle im Kreis Cloppenburg.

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  9. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Warum soll ich dieses Buch oder andere Bücher über Agrarpolitik lesen,wenn ich weiss,dass die Politik nichts mit uns Bauern “am Hute hat”,im Gegenteil,wir sind die Bösen,die es zu bekämpfen gilt! Den Verbraucher interessiert sein Vorteil,was jetzt ja im Bürgergeld gipfeln wird: “Warum arbeiten,wenns auch ohne geht”!

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    • Bauer Willi sagt

      Ich glaube nicht, dass die primäre Zielgruppe für das Buch die Landwirte sind. Aber zu wissen, wie Agrarpolitik “funktioniert”, ist schon interessant.

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      • Arnold Krämer sagt

        Auch Landwirte sollten die Zusammenhänge kennen und eine Ahnung davon haben, wie relevante Teile der CDU “getickt” haben und noch “ticken” und dass die Gestaltungsspielräume auch nationaler Agrarpolitik (gewollt) relativ gering waren und sind. Das mindert das Ausmaß und den Schmerz von Enttäuschung, also dem Auflösen von (Selbst-) Täuschung.
        Dass die Gestaltungsspielräume auf nationaler Ebene mehr und mehr zu Lasten der deutschen Landwirtschaft genutzt werden, steht noch auf einem anderen Blatt und ist besonders bitter für die Betroffenen und die Menschen in den ländlichen Räumen. Letztere werden den Schaden vermutlich zu spät merken und in ihren Wahlentscheidungen berücksichtigen. Die Niederländer sind da vermutlich schon etwas weiter (die Bayern auch?? aber mit welchen politischen Möglichkeiten auf der Landesebene?)

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