Alle Artikel mit dem Schlagwort: Verbraucher

Greenwashing: REWE und die Eiweißstrategie

Vor ein paar Jahren durfte ich bei einer REWE-Veranstaltung auftreten. Eingeladen wurde ich von Alain Caparros, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden von REWE International. Der Sitz der REWE ist in Köln. Die Veranstaltung fand in Berlin statt. Eingeladen waren alle „Stakeholder“, von Wettbewerbern über NGO bis hin zu Politik. Auch Renate Künast war anwesend. Ich habe mich mit dem Nachhaltigkeitsbeauftragten von REWE über deren Verhalten gegenüber den Lieferanten, insbesondere der Landwirtschaft unterhalten. Ein Thema war auch damals die „Eiweißstrategie“ von REWE. Ich habe mich an dieses Gespräch erinnert, als ich durch Zufall von der „Proteinstrategie“ von REWE erfahren habe. Wie man sieht, wurde aus „Eiweiß“ nun „Protein“, ansonsten hat sich nicht viel verändert. https://www.rewe-group.com/content/uploads/2025/08/proteinstrategie-positionspapier.pdf Es lohnt sich, die vier Seiten zu lesen. Es findet sich einiges über „kultiviertes Fleisch“ (Laborfleisch), eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Pflanzendrinks, und weitere Forderungen an die Politik. Ausser ein paar nichtssagenden Phrasen ist über den Bereich Landwirtschaft nicht viel zu lesen. Bei der Veranstaltung musste der Nachhaltigkeitsbeauftrage schließlich auch zugeben, dass es für REWE unerheblich ist, ob die Erbsen oder Bohnen aus …

Liebe Ölkonzerne

Liebe Ölkonzerne Mit großem Ärger beobachte ich eure willkürliche Preisbildung an den Tankstellen. Gerade in den letzten Tagen hebt ihr die Preise wieder an, denn ab dem 1. Mai gilt ja der Tankrabatt von 17 Cent. Ich werde am 2. Mai um 12 Uhr mit dem Traktor zum Tanken kommen. Meine Frau kommt mit unserem Auto. Unser Sohn tankt auch Diesel und kommt auch am 2. Mai um 12 Uhr zu eurer Tankstelle. Unser Nachbar will auch den Traktor tanken. Er hat einen guten Freund, der eine Spedition mit mehreren LKW hat, die er auch am 2. Mai um 12 Uhr tanken will. Es gibt sicherlich ein schönes Bild, wenn an diesem Datum und zu dieser Uhrzeit so viele Fahrzeuge zu eurer Tankstelle kommen. Wir werden aber nur tanken, wenn der Dieselpreis am 2. Mai um 12 Uhr auf deutlich unter 2,00 €/l gefallen ist. Wenn das bei eurer Tankstelle nicht der Fall ist: wir Landwirte sind gut vernetzt und werden dorthin fahren, wo der Diesel weniger als 2 € kostet. Sollte das nirgends der …

Studie Windschutzscheibe

Für eine wissenschaftliche Studie möchte ich meine Leser bitten, mir mindestens zehn Jahre alte Detail-Aufnahmen von Windschutzscheiben zu schicken. Bitte das Datum angeben und wieviel Kilometer seit der letzten Grundreinigung gefahren wurden. Die Studie soll belegen, ob die von vielen Bürgern geäußerte Behauptung, dass früher mehr Insekten an der Windschutzscheibe klebten, tatsächlich wissenschaftlich belegt werden kann oder dem wissenschaftlich belegten Phänomen der Erinnerungsverfälschung (auch Pseudoerinnerungen genannt) zugeordnet werden muss. Ein von mir zu beauftragendes Institut soll die Bilder auswerten und in Versuchen nachstellen. Ich erhoffe mir,  so zu belastbaren Daten zu kommen. Diese werden dann in dem von mir gegründeten IFES (Institut für erfundene Statistiken) ausgewertet.  Wie ihr vielleicht gemerkt habt, handelt es sich beim obigen Text um eine Satire. Sie soll verdeutlichen, dass man mit solchen Methoden einem Problem nicht wirklich auf den Grund gehen kann. Dazu bedarf es wissenschaftlich fundierter Methoden, die von allen Seiten akzeptiert sind und, wie in der Wissenschaft üblich, auch nachgeprüft und statistisch einwandfrei sind. Subjektive, also auch beeinflussbare Wahrnehmungen einzelner sind zudem nicht dazu angetan, den Ursachen auf …

Aktuell: Lebensmittelpreise steigen wegen Iran-Krieg sprunghaft an

Wie der Verband der deutschen Bauern (VDB) in seiner Pressekonferenz vom 3.3.2026 mitteilt, sehen sich die deutschen Bauern gezwungen, die Preise für ihre Produkte deutlich zu erhöhen. Folgende Basispreise gelten ab dem 6. März: Raps:           600 €/t Weizen:      250 €/t Kartoffeln:  40 €/dt Zuckerrüben: 60 €/t Schweinefleisch: 2,50 € kg SG Milch:    0,65 €/l (Biomilch + 20 Cent) Diese Preissteigerungen sind notwendig geworden, weil durch den Krieg im Iran nicht nur Diesel und Düngemittel deutlich teurer geworden sind, sondern auch weitere Hilfs- und Betriebsstoffe sowie die Logistik. Da damit zu rechnen ist, dass auch Pflanzenschutzmittel teurer werden, darf die Liquidität der Betriebe nicht über Gebühr strapaziert werden. Was die Forderungen an die Politik angeht, schließen sich die Landwirte den Aussagen des Geschäftsführer des BVE, Christoph Minhoff an. https://www.bild.de/politik/inland/preis-knall-wegen-iran-krieg-lebensmittel-industriewarnt-vor-kosten-tsunami-69a6dfb9674e1629a77d1e82? Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, wollen die Mitglieder des BVE (u.a. Nestle, Coca-Cola, Ferrero, Haribo etc.) einen Teil der Preissteigerung für verarbeitete Lebensmittel durch Verzicht auf die Gewinnmarge auffangen. Zitat eines Mitgliedes des BVE: „Wir haben …

Wir können alles!

Ende Oktober hat die EU-Kommission eine Einigung zur GAP präsentiert. Erfreut über die Ergebnisse zeigte sich Ministerin Köstinger: „Damit ist der bisherige österreichische Weg und unser Agrarmodell gesichert.“ Doch können die Bauern wirklich zufrieden sein? Wohl kaum.In ganz Europa stellten viele von ihnen in jüngster Vergangenheit grüne Kreuze auf ihre Flächen – als stiller Protest. Was hat die Landwirte dazu gebracht? Es ist die blanke Angst. Angst um die Zukunft ihrer Betriebe und ihrer Familien. Und es ist immer noch die Angst, bei den imme neuen Pakten, Deals und Strategien nicht mehr mitzukommen und schließlich den Betrieb aufgeben zu müssen. Deshalb bedarf es eines neuen Aufbruchs. Wir brauchen im wahren Sinne des Wortes eine Agrarwende! Eine Agrarwende hin zu einer Politik der Realitäten – weg von den theoretischen Phantasien urbaner Eliten. Es gibt einige Gruppierungen, die sich für etwas Besseres halten und ihre Meinung gerne zur gesellschaftlichen Meinung erklären möchten. Dafür haben sie aber keine Legitimation. Ein Grundprinzip, dass uns Landwirte leitet: Wir können alles. Wir können Nahrungsmittel, wir können Natur-, Arten- und Klimaschutz. Wir …

Sind Bauern „systemrelevant“…???

Wir, Alois und Willi, haben seit mehreren Wochen einen Text zu dem Thema „Systemrelevant“ in Vorbereitung, bei dem wir es nicht geschafft haben, in allen Dingen „auf einen Nenner“ zu kommen. Deshalb veröffentlichen wir heute und morgen unsere jeweilige Version. Hier die Version von Willi: „Die Bienen sind systemrelevant“, sprach unsere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Und nimmt dies als Rechtfertigung zu handeln. Sogar gegen das – an sich – heilige Marktprinzip: „Was für Bienen schädlich ist, muss weg vom Markt.“ Der Begriff „Systemrelevanz“ wurde geprägt durch die amerikanische Finanzwirtschaft. Als systemrelevant oder too big to fail (englisch „Zu groß zum Scheitern“) werden Unternehmen bezeichnet, die eine derart bedeutende wirtschaftliche Rolle spielen, dass ihre Insolvenz vom Staat möglichst unterbunden wird. Droht diese dennoch, wird sie in der Regel mit öffentlichen Mitteln (sog. Bail-outs) abgewendet. *Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Systemrelevanz Die Bienen haben nun das geschafft, was wir Bauern auch gerne wären: Systemrelevant! Die Banken sind es schon lange. Natürlich halten sich Bauern selbstverständlich für „systemrelevant“. Schließlich erzeugen sie das lebenswichtige Essen für die Menschen, so ihre Begründung. Doch Globalisierung und …

Der unbelehrbare Verbraucher?

Zu diesem Ergebnis muss man kommen, wenn man den nachfolgenden Beitrag liest. Alle Bemühungen einer Supermarktkette in England, die Verschwendung von Lebensmitteln beim Konsumenten zu reduzieren, sind gescheitert. Jetzt wurde das Projekt erfolglos beendet. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/lebensmittelverschwendung-sainsbury-s-stoppt-projekt-15582582.html Immerhin hat es mal jemand versucht, statt nur zu reden. Ich kann die Sprechblasen  von „mehr Wertschätzung unserer Lebensmitteln“ bald nicht mehr hören. Egal von welcher politischen Partei oder den diversen Nicht-Regierungsorganisationen. Diese Sprüche sind genau so hohl wie die ständigen Absichtserklärungen für ein Schulfach Ernährung und Landwirtschaft. Und dann passiert wieder nichts. Alles was weggeworfen wird, hat einmal Kosten verursacht. Für die Arbeit, die Energie usw. Jeder weiß das. Doch wie bekommen wir das hin, dass sich etwas ändert??? Es hilft ja nicht, es ständig zu beklagen. Habt ihr neue Ideen? Welche, die auch einfach umzusetzen sind? Und wer fängt damit an? Euer Bauer Willi

Warum die Brötchen billiger geworden sind

Einer meiner ersten Texte aus Januar 2015. Passt immer noch. Vorgestern Mein Urgroßvater fährt das Getreide mit Pferd und Wagen zur Windmühle nach Stommeln. (3 km). Das Pferd frisst Heu (gibt es auf dem Hof), die Windmühle braucht Wind (gibt es hinterm Haus). Der Müller bringt das Mehl mit dem Pferd zu Bäckern in Stommeln und Umgebung. Außerdem verkauft er Mehl an Hausfrauen, die davon Brot backen. In seinem Betrieb hilft der Sohn mit, der Lehrling bekommt Kost und Logis und ein Taschengeld. Der Bäcker backt Brot und verkauft es. In seinem Betrieb hilft der Sohn mit, der Lehrling bekommt Kost und Logis und ein Taschengeld. Auch der Handwerker im Ort backt sein Brot im Holzofen selbst. Das Holz holt er aus dem Wald. Jeder handelt mit jedem einen fairen Preis für sein Produkt aus. Kein Mensch redet vom Brötchenpreis. Gestern Mein Vater fährt das Getreide mit dem Traktor (braucht Diesel) zum Landhändler im Ort. Der fährt das Korn zur Mühle nach Neuss.(20 km) Die Mühle wird mit Strom (RWE) betrieben und hat etwa 20 Mitarbeiter. …

Ein Gesellschaftsvertrag mit der Landwirtschaft

„Gesellschaftsvertrag“. Eigentlich ein alter Begriff, der in letzter Zeit aber auch im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Gesellschaft benutzt wird. Was ist  das Ziel eines solchen Vertrages? Wenn man sich die Texte dazu ansieht, dann soll es darum gehen, zwischen den Wünschen der Gesellschaft und der praktischen Landwirtschaft einen Konsens herzustellen. So nach dem Motto: Wir reden solange miteinander, bis wir uns einig sind, wie und unter welchen Voraussetzungen unsere Lebensmittel erzeugt werden. Beispiele für solche Ansätze findet ihr am Ende des Artikels reichlich. Nun finde ich Dialog ja gut und so ein Gesellschaftsvertrag wäre eine gute Sache für beide Seiten, damit die Kritik aneinander weniger wird. Doch ich habe da ein paar Fragen: Die Gesellschaft, wer ist das? Wer sitzt am Tisch, wenn dieser Vertrag ausgehandelt wird? Wer vertritt die diversen Gruppierungen, wer nimmt für sich in Anspruch, „die Gesellschaft“ zu vertreten? Sind das politische Parteien, sind es die Kirchen, sind es NGO´s, ist es die Wissenschaft?  Nun könnte man ja sagen, dass alle oben genannten Gruppen zu einem solchen Dialog eingeladen werden. Aber wo …

Anders denken – Design Thinking

Ich gebe es ja ehrlich zu, dass es mir schwerfällt, anders als in den gewohnten Bahnen zu denken. Und genau das war gefragt bei einem Workshop, der auf Einladung des Forum Moderne Landwirtschaft kürzlich in Düsseldorf stattfand und der von zwei Mitarbeiterinnen der Andreas-Hermes-Akademie geleitet wurde. Die mir bisher unbekannte Methode: „Design Thinking“.  Das Thema: „Landwirte und Verbraucher – Wie wollen wir zukünftig unsere Beziehung miteinander gestalten“. Dazu hatte das Forum eine paritätisch besetzte Gruppe von Landwirten und Verbrauchern eingeladen. In den vier Stunden ging es Schlag auf Schlag, immer war die Uhr im Rücken, die erbarmungslos die Zeit stoppte, die für die einzelnen Schritte zur Verfügung standen. Wir hätten eigentlich bei jeder Stufe gerne etwas mehr Zeit gehabt, weil wir so schön ins Plaudern kamen. Im Nachhinein habe ich aber auch selbst gemerkt, dass man unter Zeitdruck effektiver und konzentrierter arbeitet. Es ist zwar anstrengend, aber lohnend. Wie lief das ganze nun ab? Kurze Vorstellungsrunde, für jeden eine Minute. Der Wecker klingelt. Dann ein Austausch darüber, wie die Situation von Landwirten und Verbrauchern sich darstellt, …