Bauer Willi
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Anders denken – Design Thinking

Ich gebe es ja ehrlich zu, dass es mir schwerfällt, anders als in den gewohnten Bahnen zu denken. Und genau das war gefragt bei einem Workshop, der auf Einladung des Forum Moderne Landwirtschaft kürzlich in Düsseldorf stattfand und der von zwei Mitarbeiterinnen der Andreas-Hermes-Akademie geleitet wurde. Die mir bisher unbekannte Methode: „Design Thinking“.  Das Thema: „Landwirte und Verbraucher – Wie wollen wir zukünftig unsere Beziehung miteinander gestalten“.

Dazu hatte das Forum eine paritätisch besetzte Gruppe von Landwirten und Verbrauchern eingeladen. In den vier Stunden ging es Schlag auf Schlag, immer war die Uhr im Rücken, die erbarmungslos die Zeit stoppte, die für die einzelnen Schritte zur Verfügung standen. Wir hätten eigentlich bei jeder Stufe gerne etwas mehr Zeit gehabt, weil wir so schön ins Plaudern kamen. Im Nachhinein habe ich aber auch selbst gemerkt, dass man unter Zeitdruck effektiver und konzentrierter arbeitet. Es ist zwar anstrengend, aber lohnend.

Wie lief das ganze nun ab? Kurze Vorstellungsrunde, für jeden eine Minute. Der Wecker klingelt. Dann ein Austausch darüber, wie die Situation von Landwirten und Verbrauchern sich darstellt, verbunden mit Interviews, in denen man sich gegenseitig befragte. Da kamen sehr unterschiedliche Bilder zum Vorschein. Im Kopf geblieben ist mir auf der einen Seite die jüngere Teilzeit-Veganerin, die im Bioladen einkauft, aber auch gerne mal eine Tiefkühlpizza oder Pommes verspeist. Dann war da auf der anderen Seite die etwas ältere Schweinemästerin mit 3.000 Tieren, die für ihren Beruf brennt und sich nichts Schöneres wünschen kann. Klingt erst mal nach Konfrontation, war es aber nicht, denn das Grundprinzip lautete: alle Meinungen sind erlaubt, keine Gegenrede. Das kann ganz schön schwer sein…

Nun kam es zur Synthese: wo gibt es Themen, die beide Gruppen verbindet? Das war schon schwieriger, denn jeder war immer noch gedanklich damit beschäftigt, seine eigene Position zu beschreiben und dem anderen klarzumachen, warum man daran eigentlich nicht allzu viel ändern kann. Doch dafür war keine Zeit denn wieder klingelte der Wecker und die nächste Aufgabe wurde aufgerufen: Entwickeln sie Ideen, wie die gemeinsamen Interessen verbunden werden können! Ein Beispiel gefällig? Mehr Transparenz bei Lebensmitteln. Etwas, was sowohl Landwirte als auch Verbraucher verstehen. Ein anderes Beispiel: Mehr Kenntnisse über Lebensmittel. Wer würde das nicht begrüßen?

Wichtig war dabei, dass wir alle auch ungewöhnliche, ja verrückte Ideen haben sollten. Ich war da so mittelmäßig, gerade die jüngeren Teilnehmer waren da kreativer. Diese Ideen galt es nun zu bündeln, sich auf einen Schwerpunkt zu einigen und daraus etwas Anfassbares weiterzuentwickeln. Logisch, dass jeder gerne seine Idee als Schwerpunkt der gemeinsamen Überlegungen gesehen hätte. Ging aber nicht, also musste der Konsens gesucht werden.

Zum Schluß kamen verschiedene Projekte heraus, die jetzt noch visualisiert werden sollten, damit man sie den anderen Gruppen illustrieren konnte. Und wieder war dazu nur kurz Zeit, bis auch hier der Wecker klingelte. Ich war da ganz schwach, aber wozu hat man ein Gruppe? Es war unglaublich kreativ, was da schließlich auf dem Tisch stand. Die Projekte im Einzelnen zu erläutern würde hier jetzt zu weit führen, aber was so toll daran war, dass sich Landwirte und Verbraucher mit dem gemeinsamen Ergebnis identifizieren konnten. Beispiele gefällig: eine App, die auch bei verarbeiteten Produkten alle Herkünfte und die Herstellungsverfahren erläutert. Oder zum Thema Wissen über Lebensmittel: Aktionen, in denen bundesweit in Schulen eine  einheitlich konzipierte Fortbildung von Landwirten mit Schülern  und Lehrern durchgeführt wird und an deren Ende eine (Über)-Leben(s)-Urkunde steht. Klingt vielleicht etwas futuristisch, aber genau darum ging es ja: anders denken.

Warum das alles? Um Ideen zu finden, die abseits der gewohnten Denkmuster liegen. Um zeitgemäße Techniken zu entwickeln,  und so so eine größere Zahl von Menschen näher zusammen zu bringen. Um gemeinsame Zielsetzungen statt gegenseitiger Anklage. Die Frage lautete ja: Wie gestalten wir zukünftig unsere Beziehung? Und da ist es doch klug, sich gemeinsam dazu an einen Tisch zu setzen. So wie wir in Düsseldorf. Und demnächst auch  in Hamburg und München. Ihr habt jetzt auch Lust bekommen?  Dann schreibt es in die Kommentare.

Im Video mal ein paar Szenen aus dem Workshop. Schaut einfach mal rein.

Euer Bauer Willi

 

 

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51 Kommentare

  1. Paulus sagt

    Als erfahrener Workshopteilnehmer kann ich berichten, dass derartige Veranstaltungen allein dem Selbsterhaltungsbestreben der Veranstalter dienen. Egal welches Bildungswerk oder welche Institution dahinter steckt. Immer die gleichen Methoden, die man für unterschiedliche Themen anwenden kann.
    Naja, Hauptsache es haben alle genügend bunte Zettelchen auf die Flipchart geklebt.
    Als Landwirt würde ich mich mit ernsthaften Dingen beschäftigen, statt an infantilen Kindergartenspielchen teilzunehmen.
    Aus welchem Grund das hier manche ganz toll finden erschließt sich mir nicht. OK, ich bin in der realen Wirtschaft tätig, nicht in der bäuerlichen LW, dort gelten wohl immer noch andere eingebildete Maßstäbe. Und jetzt träumt weiter.

    6+
    • Bauer Willi sagt

      Vielen Dank für die Bewertung als „infantile Kindergartenspielchen“. Ich traue mir aber zu, nach 37 Arbeitsjahren in der freien Wirtschaft und Landwirt beurteilen zu können, ob eine solche Veranstaltung Sinn macht. Ich habe jedenfalls eine Reihe von neuen Erfahrungen gemacht. Auch weil mir der Aufbau und Ablauf des Workshops neu war.
      Bauer Willi

      1+
    • Inga sagt

      Außer mit Bodenunterschiede, Lage, Witterung und Klima, daher die verschiedenen beheimateten Pflanzen, die dort am besten wachsen, oder die man dort anbauen sollte.

      Its very costly technology and rural level poor farmers can not afford it.

      Gut erkannt Paulus,

      in der künstlichen Realwirtschaft, die mit Natur nichts zu tun hat und nur Rohstoffe verarbeitet, geht es anders zu als in der rohstofferzeugenden Landwirtschaft.

      Weil diese „Realwirtschaft“ vom Verarbeiten der Rohstoffe zu Waren und dann mit mehr oder weniger verlogenen Werbung an den Mann gebracht wird (der Verkauf) geht es anders zu.

      Was will der Verbraucher mit Rohstoffen?
      Sie müssen verarbeitet werden, deswegen hat er keinen Kontakt mehr zu dem Rohstofferzeuger.

      Aber weil es hier um Nahrungsmittel geht, will der Verbraucher wissen

      1. wo kommen die Nahrungsmittel her, wie beschafft der Bauer die?
      2. warum wird dem Bauer sein Hof und Maschinen immer größer
      3. gesundes oft gesteigertes Misstrauen
      4. warum verlangt der Bauer immer mehr für seine Rohstoffe, weil sie im Supermarkt immer teurer werden?
      5. Wer hat die Wertschöpfung des Nahrungsmittelproduktes?
      6. Warum sterben so viele Bauernhöfe, die doch die Vielfalt in der Ökologie erhalten?

      Und um das zu erfahren muss der Bauer zum Verbraucher oder der Verbraucher zum Bauer kommen. Wie funktioniert das, diese Strategie lässt sich am Flipchart gut aufzeichnen.

      Wenn aber diese Strategie nur halbherzig und wegen des Selbsterhaltungstriebes gemacht wird, dann kommt sie auch nicht an und verliert ihren Sinn.

      Na ja, wenn NABU dabei war?

      0
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Natürlich ist eine derartige Fortbildung erst einmal ein Gewinn und ein Geschäft für den Veranstalter. Die Teilnehmer und auch der Veranstalter – und Dank unseres Berichtes und Video – auch die Blog-Leser gewinnen daraus Gedanken und Denkanstösse. Wenn dann die Gedanken verflogen sind und man wieder zurückkehrt in das gewohnte Denken, dann hat es nichts gebracht, ausser einem guten Gefühl.
      Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter zu solchen Workshops zur Weiterbildung schickt, dann werden dort meist handfeste Ziele versucht zu erreichen. Die geschulten Mitarbeiter sind dann angehalten das Erlernte umsetzen. Das macht den Unterschied.

      0
    • Johann Meyer sagt

      Es wird allerhand unternommen um den gesunden Menschenverstand beim Bauern zu manipulieren.
      Wir haben eine Inflationierung von Selbstdarstellern und selbsternannten Vordenkern aus allen Branchen,die sich dringend um unser Wohl kümmern müssen.
      Fangt bloß nicht an eigenständig zu denken, liebe bäuerlichen Kollegen.
      Wir werden täglich weniger ,also beeilt euch .

      0
  2. Nutzt aber alles nichts und wird nicht von langer Dauer sein, solange die Masse Nahrung nicht als das wertschätzen kann/will, was Nahrung von Natur aus ist: ein Medium, das Lebendigkeit erhält. Wenn die Masse eher auf den Preis gucken will/muss, dann bleibt Wertschätzung auf der Strecke. Ist es nicht so, dass insbesondere im reichen Deutschland die meisten Menschen im Diskounter ihre Nahrungsmittel einkaufen, während in den meisten europäischen Ländern mehr auf Qualität geachtet wird? Ich meine es mal irgendwo gelesen zu haben.

    Übrigens, das am meisten missachtete und am wenigsten wertgeschätzte Nahrungsmittel ist Wasser, welches, vor allem im Diskounter, in Plastikflaschen zuhauf verschleudert wird.

    0
  3. Friedrich sagt

    Alles tolle Ansätze , aber wenn wir es nicht schaffen die Marktmacht des LEH zu reduzieren , wird die Masse der Verbraucher weiter im Supermarkt kaufen. Die bestimmen heute was läuft und drücken knallhart die Preise. Die Erzeuger und Weiterverarbeiter sind dem LEH egal, hauptsache billig. Die haben bei uns eine Gemüsefrosterei wegen 6 ct/Packung Spinat in die Pleite laufen lassen und einen Eishersteller erst genötigt die Produktion zu verdoppeln und dann nach einem halben Jahr die Kontrakte auslaufen lassen. Der Eishersteller ging dannauch in die Pleite.

    6+
  4. bauerhans sagt

    „Das Thema: „Landwirte und Verbraucher “

    vertreter vom LEH waren nicht dabei.
    weil sie nicht sollten oder wollten?
    bringt dann solch workshop überhaupt etwas!

    1+
    • Bauer Willi sagt

      Hier ging es erst einmal darum, die unterschiedlichen Sichtweisen zusammenzubringen. Logisch, dass für eine mögliche Umsetzung der LEH mit dabei sein könnte/sollte/muss.
      Bauer Willi

      0

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