Monate: April 2018

Es gibt Tage, da möchte man…

…die Brocken einfach hinschmeißen. Letzte Woche hatte ich so ein paar Tage. Am letzten Sonntag das heftige Gewitter, dass all unsere Rüben verschlämmt hat. Darauf hin Kommentare wie „Zucker ist sowieso ungesund“ oder „So eine Monokultur braucht kein Mensch“. Dann will uns Julia Klöckner erklären, dass das mit dem Verbot von Neonicotinoiden so schlimm ja nicht ist, weil es ja mechanische Verfahren gegen Insekten gibt. Die Frau ist Landwirtschaftsministerin! Weiß sie es nicht besser? Die Grünen stellen einen Antrag, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in 4 Jahren um 40% zu senken. Und selbst die AfD klatscht Beifall. Wie die Alternativen aussehen sollen, sagen sie alle nicht. Wollen sie nicht oder können sie nicht? Im Dorf hat sich jemand beim Ordnungsamt darüber beschwert, dass es bei der Ausbringung von Gärsubstrat stinkt. Dabei wird es mit dem Ausbringfahrzeug direkt eingearbeitet. Besser geht es nicht. Mineraldünger stinkt nicht, will aber auch keiner. Was denn nun? Überhaupt nicht mehr düngen? Eine Brücke, die unsere Felder miteinander verbindet, wurde abgerissen. Ersatzlos. Jetzt müssen wir einen Umweg von 3 km fahren, der durch …

Jubel und Frust

Es darf wieder gejubelt werden. Endlich sind die Neonicotinoide verboten. Okay, im Gewächshaus sind sie noch zugelassen, aber wie nicht anders zu erwarten, geht das einigen – wieder einmal – nicht weit genug und sie verlangen, dass es dort auch verboten wird. Aber das interessiert mich als Bauer ohne Gewächshaus nur am Rande. Auch die Anwendung von Glyphosat ist für mich durch die vielen Auflagen und Einschränkungen faktisch nicht mehr möglich, was einem Verbot gleichkommt. Und auch hier wird gleich wieder der monoton wiederholte Satz: „Das geht uns nicht weit genug“. Volkes Stimme klatscht Beifall, denn endlich ist dieses „gefährliche“ Mittel vom Markt und „vergiftet“ nicht mehr die Nahrung. Doch schon kommen neue Forderungen:  Man müsse mittelfristig dazu kommen, dass „Pestizide“ generell nicht mehr eingesetzt oder zumindest deutlich in der Menge(die Grünen fordern 40%) reduziert werden, denn ein „weiter so“ dürfe es nicht geben und die „Landwirtschaft müsse grundsätzlich umgebaut werden“. Wer wird dem als Bürger nicht zustimmen? Bei mir als Bauer macht sich jedoch Frust breit. Ich bin weder von Bayer noch von Monsanto gekauft, sondern ich …

Bauer? Landwirt?

Neulich wollte mir ein älterer Herr den Unterschied zwischen Bauer und Landwirt erklären. Seine Definition: Ein Bauer sei jemand, der Ackerbau und Viehhaltung betreibt, ein Landwirt jemand, der nur Ackerbau macht. Das wollte ich nicht glauben und habe bei Wikipedia nachgeforscht. Hier die Definition für beide Bezeichnungen: Voraussetzung für die Anerkennung des Berufs ist – in Europa – der Besuch einer landwirtschaftlichen Berufsschule und/oder Landwirtschaftsschule. Meisterprüfung und höhere schulische Ausbildung (Fachwirt und Techniker) können die Grundlage für ein Studium der Agrarwissenschaften sein. Voraussetzungen für den Beruf sind etwa: Interesse an Natur und Umwelt sowie am Umgang mit Tieren, Handwerkliches Geschick und kaufmännisches Verständnis, Körperliches Leistungsvermögen und Ausdauer. Was meint ihr? Seht ihr einen Unterschied in der Berufsbezeichnung? Gibt es eventuell regionale Unterschiede? Ist der Begriff Bauer eurer Meinung nach diskreditierend. diskriminierend oder zurücksetzend? Das fragt euch BAUER Willi 0

In eigener Sache – Facebook und Netzhygiene

Liebe Leser, liebe Kommentatoren, wir werden ab sofort einige Änderungen vornehmen. Die Kommentare von Facebook werden wir nicht mehr auf unseren Blog www.bauerwilli.com übernehmen. Dies hat zwei Gründe: erstens werden diese schon längere Zeit nicht mehr mit dem Namen angezeigt, zweitens müssen wir leider feststellen, dass dort die Diskussionen schneller eskalieren, weil sich immer wieder Trolle einfinden denen es überhaupt nicht um eine sachliche Diskussion geht. Wenn nun diese, teilweise sinnlosen und persönlich geführten, Streitereien auf unserem Blog erscheinen werden dort die Kommentatoren verwirrt und verärgert. Im Blog wird übrigens wesentlich tiefgründiger und ausführlicher kommentiert! Doch damit nicht genug. Aufgrund einiger unschönen Entwicklungen bei Facebook werden wir insgesamt die Strategie mit Facebook verändern. Deshalb posten wir ab sofort nicht mehr den vollständigen Inhalt unserer Blogbeiträge auf Facebook, sondern nur noch den Link auf den Artikel im Blog (wie früher). Liebe Facebook-Follower: kommt also zukünftig zum vollständigen Lesen der Beiträge auf unseren Blog und diskutiert dort mit. Es ist nur der EINE Klick mehr. 🙂 Wir werden sehr häufig nach Informationen und Links zu bestimmten Themen gefragt. Anders als …

Der „Sojaboom“ in Österreich

Ein Gastbeitrag von Christian aus Österreich (sorry, Oberösterreich) Er ist dort Direktor an der Landwirtschaftskammer in Linz. Der „Sojaboom“ in Österreich wird mittlerweile auch anderswo wahrgenommen. So berichtete kürzlich die Frankfurter allgemeine Zeitung unter dem Titel „Die Sojabohne steht vor den Toren Wiens“ über die erstaunliche Entwicklung des Sojaanbaues in Österreich. Es gibt viele Gründe sich intensiv mit dieser faszinierenden Kultur auseinanderzusetzen, wobei naturgemäß der ökonomische Erfolg für den Landwirt im Vordergrund stehen muss. Der Sojamarkt global und lokal Sojabohne ist Weltwährung Nummer 1der Eiweißpflanzen. Keine andere Kultur hat eine so dynamische Entwicklung genommen  – innerhalb der letzten 30 Jahre wurde die globale Produktion faktisch vervierfacht. Getrieben wurde dieser Trend durch den vermehrten Fleischkonsum in den sich entwickelnden Volkswirtschaften – allen voran China. Der Trend scheint ungebrochen (auch wenn viele dies bezweifeln) und man geht davon aus, dass mittelfristig der Sojabedarf deutlich über 400 Millionen Tonnen steigen wird. In dieser Entwicklung liegt aber auch eine gewisse „crux“, denn der globale Produktionsanstieg geschah hauptsächlich mittels gentechnisch veränderter Sorten und in Südamerika (Brasilien) teilweise auf gerodeten Regenwaldflächen, …

Über den Umgang mit Trollen

Aus gegebenem Anlass (gemeint ist die Diskussion über den Artikel Wer braucht Nachhilfe) hat mich dazu gebracht, nach einem brauchbaren Artikel zum Thema Trolle im Internet zu suchen. Der nachfolgende Link hat einige nützliche Tipps. Bitte nicht füttern – der richtige Umgang mit Trollen 0

Tomaten mit langer Anbindehaltung

Tomatenanbau mit „Fußbodenheizung“. Die Wärme kommt aus dem nahegelegenen Kraftwerk Niederaussem. Wusstet ihr, dass die Tomaten bis zu 13 m lang werden? Ich wusste es nicht und auch sonst habe ich viel gelernt. Übrigens hat Michael Bong auch Paprika, Spargel, Erdbeeren und Rhabarber, der mit Abwärme früher als normal angeboten werden können. 0

Wer braucht Nachhilfe?

Hier ein Ausschnitt aus einem Interview des Deutschlandfunk mit Julia Klöckner zum Thema Neonicotinoide: May: Dann schauen wir uns das mal von einer anderen Seite an. Was sagen Sie den Bauern, deren Felder leergefressen werden, weil sie möglicherweise keine Alternative haben? Klöckner: Die Felder werden nicht leergefressen werden. Jetzt gehen wir mal wirklich ins Fachliche rein. Wir gehen zu den Zuckerrüben. Bei der Zuckerrübe ist es so, dass es jetzt einfacher ist in der Tat zu beizen, einfacher ist, beim Ausbringen der Zuckerrübe diesen Wirkstoff zu nutzen. Wenn dieser nicht mehr genutzt werden darf, dann ist man angewiesen zum Beispiel auf nicht chemische Maßnahmen. Das sind dann auch mechanische Maßnahmen. Es gibt Alternativen. Die sind aufwendiger. Das muss man auch ehrlicherweise sagen. Aber man muss sich dann auch entscheiden, ob man sich auf wissenschaftlicher Basis einig ist oder nicht, und ich finde, man kann wissenschaftliche Studien nicht nur dann heranziehen, wenn einem das Ergebnis gefällt. Das Interview in voller Länge hier: http://www.deutschlandfunk.de/eu-abstimmung-ueber-verbot-von-neonicotinoiden-wir-werden.694.de.html?dram:article_id=416088 Welche mechanische Maßnahmen Frau Klöckner zur Bekämpfung von z.B. Drahtwürmern, Rübenfliege oder Blattläusen in Zuckerrüben als …

Der Tag danach…

Am Sonntag war hier bei uns in der Gegend Weltuntergangsstimmung. Es wurde dunkel, dann wieder hell aber dann kam es knüppeldick. In wenigen Minuten (15-20 min) kam ein Wolkenbruch (12 mm) mit Sturm und leichtem Hagel auf, der fast den Hof unter Wasser gesetzt hätte, weil das Wasser so schnell nicht ablaufen konnte. Im Text zum Rübensaat-Video hatte ich noch gesagt: „Was wir jetzt nicht brauchen können ist ein Gewitter mit viel Regen in kurzer Zeit“. Wobei die Menge allein es nicht ist, sondern der starke Wind, die großen Tropfen und der leichte Hagel, der selbst größere Erdkrümel einfach zerschlagen hat. Dann fängt der Boden an zu verlaufen und selbst die organischen Reste an der Bodenoberfläche (wir machen 100% Mulchsaat) können das nicht verhindern.  Jetzt ist der Boden verschlämmt, aber heute (Montag) ist der Boden zum Glück noch nicht abgetrocknet. Man kann selbst mit Stiefeln kaum auf den Acker. Der Boden darf jetzt so lange nicht abtrocknen, bis die Rüben gekeimt und aus dem Boden kommen. Bis dahin heißt es abwarten, denn es wird mindestens noch …