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Der „Sojaboom“ in Österreich

Ein Gastbeitrag von Christian aus Österreich (sorry, Oberösterreich) Er ist dort Direktor an der Landwirtschaftskammer in Linz.

Der „Sojaboom“ in Österreich wird mittlerweile auch anderswo wahrgenommen. So berichtete kürzlich die Frankfurter allgemeine Zeitung unter dem Titel „Die Sojabohne steht vor den Toren Wiens“ über die erstaunliche Entwicklung des Sojaanbaues in Österreich.

Es gibt viele Gründe sich intensiv mit dieser faszinierenden Kultur auseinanderzusetzen, wobei naturgemäß der ökonomische Erfolg für den Landwirt im Vordergrund stehen muss.

Der Sojamarkt global und lokal

Sojabohne ist Weltwährung Nummer 1der Eiweißpflanzen. Keine andere Kultur hat eine so dynamische Entwicklung genommen  – innerhalb der letzten 30 Jahre wurde die globale Produktion faktisch vervierfacht.

Abbildung 1: Entwicklung der weltweiten Ernten für Sojabohne, Raps und Sonnenblume; 80er Jahre bis heute. Mengen in Mio to.

Getrieben wurde dieser Trend durch den vermehrten Fleischkonsum in den sich entwickelnden Volkswirtschaften – allen voran China. Der Trend scheint ungebrochen (auch wenn viele dies bezweifeln) und man geht davon aus, dass mittelfristig der Sojabedarf deutlich über 400 Millionen Tonnen steigen wird.

In dieser Entwicklung liegt aber auch eine gewisse „crux“, denn der globale Produktionsanstieg geschah hauptsächlich mittels gentechnisch veränderter Sorten und in Südamerika (Brasilien) teilweise auf gerodeten Regenwaldflächen, die nunmehr als Ackerland genutzt werden. Beide Aspekte – Gentechnik und Regenwaldrodung – kommen bei den sensiblen Konsumenten in Europa zunehmend in Verruf.

Chance für Europa/Österreich

Die zuvor beschriebenen Aspekte sind eine Chance für Europa den Sojaanbau zu forcieren und letztlich Importsoja zu verdrängen

Abbildung 2: Sojaernten 2017 in Europa (Zahlen in 1000 Tonnen)

Mit einer Ackerfläche von zwei Prozent  (gerechnet an der EU-Ackerfläche) steuert Österreich sieben Prozent zur EU-Sojaernte bei. Österreich ist Vorreiter des Sojaanbaus in Europa bzw. setzt die vielgeforderte Eiweißstrategie längstens um.

Soja – mehr als eine Alternative:

Der Erfolg einer Kulturpflanze steht und fällt mit leistungsfähigen Sorten. Es gibt in Österreich (Saatzucht Donau) aber auch in anderen Ländern Europas (Frankreich, Schweiz, Serbien) ein sehr vitale Züchterszene, die für ordentlichen Sortennachschub sorgt. Aktuell sind in Österreich 67 Sorten eingetragen und in nächster Zukunft ist im frühreifen Bereich der 000- und 00-Sorten noch mit essentiellen Fortschritten zu rechnen.

Verarbeitung für Futtermittel:

Weitet man den Sojaanbau aus muss sie vermehrt im Futtermittel verwertet werden. Der Einsatz vollfetter Sojabohne ist im Futter nur bedingt und beschränkt möglich. Daher ist eine Verarbeitung der Sojabohne in Ölmühlen notwendig. In Österreich gibt es dazu die BAG Güssing, die jährlich etwa 70.000 t Soja verarbeiten kann. Im bayrischen Straubing – nahe der österreichischen Grenze – gibt es die Ölmühle des internationalen Konzernes ADM. Diese Ölmühle wird zunehmend auf die Verarbeitung von europäischem Soja umgestellt – die potentielle Verarbeitungskapazität liegt bei 700.000 t pro Jahr.

Also insgesamt recht gute Rahmenbedingungen für Soja aus Österreich. Damit der Sojaanbau gelingt sollte man einige essentielle Punkte beachten:

  • Standortvoraussetzungen: Im Prinzip gedeiht Soja in den Gunstlagen des Ackerbaus. Die Anbaugebiete decken sich weitestgehend mit den Körnermaislagen Österreichs Die Bodenreaktion sollte neutral sein (pH 6,5 – 7) – dies vor allem damit die Knöllchenbakterien sich voll entwickeln können.
  • Richtige Sortenwahl – in Oberösterreich und Westbahngebiet dominieren Sorten der Reifegruppe 000; in Gunstlagen auch 00-Sorten. Im Burgenland sowie in Gunstlagen Kärntens und der Steiermark kann man auch später reifende 0-Sorten (oder sogar I-Sorten) erfolgreich anbauen
  • Bestandesdichte sollte bei frühreifen Sorten etwa 50 Pflanzen/m² betragen – mindestens jedoch 40 Pflanzen/m². Später reifende Sorten vertragen durch die bessere Verzweigung geringere Bestandesdichten.
  • Drill- oder Einzelkornsaat/Anbauabstand: Alles ist möglich. Biosoja wird üblicherweise in Reihenabständen von etwa 45 cm angebaut. Dies aber vor allem deshalb, damit mechanische Unkrautbekämpfung mit Hacke ermöglicht wird.
  • Inokkulation: entscheidender Faktor für Ertrag und Qualität (Eiweißgehalt). Z-Saatgut wird heute inokkuliert angeboten. Allerdings können die Mikroorganismen bei unsachgemäßer Lagerung (zu warm) schnell abbauen. Eine zusätzliche Inokkulation ist überlegenswert. Die Maßnahme ist vergleichsweise billig und wird als „Versicherung“ empfohlen. Es gibt eine Fülle neuer Inokkulationspäparate, die recht vielversprechend sind. Vor allem beim erstmaligem Sojaanbau auf einem Feld ist der Inokkulation größtes Augenmerk zu schenken.
  • Ernteverluste: durch den tiefen Hülsenansatz natürlich ein Thema. Versuche zeigen, dass bis zu 300 Kilo am Feld bleiben können. Minimierungsstrategie beginnt schon beim Anbau, indem man möglichst optimal einebnet. Wer die Möglichkeit hat mit Flexi-Schneidwerk zu ernten sollte dies unbedingt nutzen. Die Mehrkosten werden durch die geringeren Ernteverluste sicher eingespielt.
  • Unkrautbekämpfung: mit Sicherheit die Kernmaßnahme für erfolgreichen Sojaanbau. Soja selbst ist wenig konkurrenzfähig und öffnet vielen Problemunkräutern Tür und Tor. Egal ob bio oder konventionell: Die Unkrautbekämpfung muss konsequent sein, ansonsten kann es passieren, dass man im Unkraut untergeht, massive Ertragsverluste hat und/oder Ernteerschwernisse. Details dazu im Beitrag von Dipl.-Ing. Hubert Köppl in lk online Unkrautbekämpfung in Soja – viel ist zu beachten: https://ooe.lko.at/unkrautbekämpfung-in-soja-viel-ist-zu-beachten+2500+2699756

Fazit:

Soja ist in Österreich inzwischen mehr als eine Alternative. Mit zuletzt 65.000 Hektar (2017) war Soja Nummer 4 in der Ackernutzung Österreichs. Wichtig wird sein die Erträge auf höherem Niveau zu stabilisieren. Der wirtschaftliche Erfolg des Sojaanbaues steht und fällt mit den erzielten Erträgen. Helfen werden uns dabei die neuen Sorten, die sehr vielversprechend sind und fast einen Quantensprung gegenüber dem bisherigen Material darstellen. Und wenn die Sensibilität der Konsumenten hinsichtlich GVO und/oder Regenwaldrodung bleibt (oder sich möglicherweise noch verstärkt) wird gentechnikfreier Soja aus Österreich und Europa gefragt sein. Unser Vorteil in Österreich ist, dass wir viel know-how mit Soja haben, sei es in der Züchtung, Verarbeitung, Produktionstechnik. Hier macht sich die langjährige und nach einem Modewort – nachhaltige – Aufbauarbeit in Österreich der letzten 30 Jahre bezahlt. Dieses know-how müssen sich andere Länder erst mühsam aneignen.

Bild 1(Quelle: DI Hubert Köppl, LK OÖ)  Amaranth in Soja. In vielen Gebieten ein Problemunkraut in Soja. Neuerdings gibt es leider schon Sulfonylharnstoff-Resistenzen.  Unkrautbekämpfung wird immer mehr als Thema in die Fruchtfolgegestaltung einfließen (müssen).

Bild 2 ( Quelle DI Christian Krumphuber, LK OÖ), Knöllchen an Sojawurzel; Der N-Bedarf der Soja – und dieser ist durchaus hoch – wird überwiegend von den Knöllchenbakterien an der Sojawurzel gedeckt. Mangelnder Knöllchenbesatz ist ertrags- und qualitätsmindernd.

Freundliche Grüße

DI Christian Krumphuber

Abteilungsleiter

(Aufrufe 501 gesamt, 1 heute)

9 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Für den Anfang ganz gut , aber um 12 – 14 Mill. Tonnen zu ersetzen braucht es rd. 4 Mill. Hektar. Das sollte nicht vergessen werden. Für die EU-Nordländer wird es nicht gehen., weil das Wetter nicht passt. Die Südländer müßten dann rd. 20 % Sojaanbau betreiben ? Dann brauchten wir kein Getreide mehr aus der EU zu exportieren, sondern wären Importland ? Passt das dann mit der Welternährung noch ? Wenn ich 8 to Weizen oder mehr je Hektar ernte und nur 3 – 4 to/ha Soja wie sieht das dann aus ? Müssen dann wo anders Menschen hungern ?

    0
    • Ich seh das so sagt

      Was heißt in Österreich, weltweit wie die Grafik doch zeigt. Und dann geht man auch noch davon aus, daß die Menschen MEHR Fleisch essen werden (wollen), obwohl wir doch in Deutschland und Österreich uns so die Finger wund schreiben, daß sie weniger essen sollen müssen.

      Es ist kaum auszuhalten, wenn die reale Realität auf die herbeigefühlte Realität trifft.
      So was aber auch …..

      3+
      • Brötchen sagt

        der eigentliche Grund für den steigenden anbau ist, das Fisch- und tiermehle nicht mehr so genutzt werden. früher gab es auch federmehle und …..soja hat ja noch den doppelnutzungseffekt wie Raps…öl und das sehr sehr proteinreiche entölte Extrakt oder Kuchen. ist ausserdem sehr energiereich und wird gern gefressen. beste Preis Leistung! wurde wohl um die Jahrhundertwende in Halle untersucht für Anbau und ist dann erst in Amerika in den Fokus gekommen und da optimiert.

        1+

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