Alle Artikel in: Bauer Willi

Werden Lebensmittel teurer?

Aktuell wird in den Nachrichten davon berichtet, „dass Lebensmittel teurer werden“. Im gleichen Zusammenhang wird dann auch der Deutsche Bauernverband zitiert, der „Entlastungen beim Diesel“ fordert. https://www.deutschlandfunk.de/bauernverband-befuerchtet-rueckgang-der-erntemengen-und-steigende-lebensmittelpreise-102.html Doch wie hängt beides zusammen? Und hängt es überhaupt zusammen? Zunächst einmal die Einschätzung für Deutschland (gilt bedingt auch für Westeuropa): Diesel Viele Landwirte haben Diesel im vergangenen Winter eingekauft und haben diesen im Tank auf dem Hof liegen.  Grund war damals die bevorstehende CO2-Steuer, die man vermeiden wollte. Ausserdem war im Dezember der Dieselpreis noch vergleichsweise günstig. Nur wer jetzt dringend nachkaufen muss, muss die extrem hohen Preise akzeptieren. Dünger Hier geht es vor allem um Stickstoffdünger, der mittels des Haber.Bosch-Verfahrens  hergestellt wird. Dieser ist aktuell sehr teuer. Die Preisentwicklung ist hier zu sehen: https://www.agrarmarkt-nrw.de/duengermarkt.shtm Interessanterweise steigen die Preise für Kali und Phosphor fast gleichsinnig wie für Stickstoff. Ein logischer Zusammenhang besteht nicht, denn Kali und Phosphor sind Mineralien, die abgebaut werden. Es handelt sich um typische „Mitnahmeeffekte“, nach dem Motto „Wenn alles teurer wird, schlagen wir auch was drauf“. Ein wunderbares Beispiel, wie die Wettbewerbsbehörden versagen. …

Kein Plan? Wohin führt der Weg in der Tierhaltung?

Auf der KTBL-Tagung in Bamberg wurde viel über die „Transformation der Tierhaltung“ diskutiert. Folgenden Beitrag von Dirk Gieschen habe ich bei LinkedIn gefunden und halte ihn für diskussionswürdig. Danke an Herrn Gieschen für die Überlassung des Textes, der zuerst in der Fachzeitschrift „eilbote“ erschienen ist. Vielen Dank auch für die Überlassung des Titelbildes. Wohin führt der Weg in der Tierhaltung in Deutschland? Mit dieser provokanten und letztlich für die gesamte Agrarbranche sehr wichtigen Leitfrage präsentierten sich die KTBL-Tage 2026 Ende März in Bamberg als Weckruf zur Transformation der Nutztierhaltung. Das Fazit: Der Engpass für die „Transformation“ liegt nicht mehr in der Erkenntnis, sondern in der Umsetzung, stellte die KTBL-Präsidentin Prof. Dr. Nicole Kemper fest. Handeln oder Nicht-Handeln? Meine Einschätzung: Die Zukunft der Tierhaltung entscheidet sich jetzt durch Handeln oder Nicht-Handeln von Politik, Verbänden und den landwirtschaftlichen Betrieben. Aber wo bleibt dieser Zukunftsplan? Und was heißt das konkret für die Landwirtschaft und speziell für die Landtechnikbranche? In meinem Newsletter-Editorial für die Fachzeitschrift „eilbote“ am 2.4.2026 habe ich die Konsequenzen für die Land- und Stalltechnikbranche sowie den Landmaschinenhandel …

Wir könnten unabhängiger sein…

Manchmal frage ich mich ja wirklich, warum wir Landwirte so wenig selbstbewusst und so einfallslos sind. Da bauen wir auf unseren Feldern Raps an, lassen hochwertiges Öl daraus pressen – und fahren dann trotzdem mit teurem Diesel vom anderen Ende der Welt über den Acker. Ganz ehrlich: Normal ist das nicht. Schauen wir uns mal die Zahlen an. Ein Liter Diesel kostet heute irgendwo zwischen 2,30 und 2,50 Euro. Und das ist noch freundlich gerechnet und könnte noch weiter steigen. An der Autobahn kostet es auch schon mal 2,90 Euro. Beim Blick auf die Zapfsäule schluckt man ja mittlerweile mehr als der Traktor selbst. Und Rapsöl? Liegt bei ungefähr 1,40 bis 1,60 Euro pro Liter. Wenn ich das selbst produziere, wird’s oft sogar noch günstiger. So eine Rapspresse kostet nicht die Welt und wenn die Genossenschaft sie betreibt, könnten alle ihre Mitglieder davon profitieren. Der eigene Acker als Tankstelle Wir reden immer von Energiewende und Unabhängigkeit. Aber die Lösung wächst bei uns doch längst auf dem Feld. Rapsöl rein, Diesel raus. Klar, ganz so einfach …

Ausgerechnet die TAZ… Ost trifft West

Ausgerechnet die TAZ hat mich gefragt, ob ich an einem Podcast zum Thema „Mauerecho – Ost trifft West“ teilnehmen wollte. Dabei war es gerade die TAZ (oder genauer Jost Maurin) der vor einigen Jahren einen sehr unfairen Artikel über mich verfasst hat. Das war beim Podcast anders. https://taz.de/Wenn-Preise-steigen-wird-Politik-spuerbar/!6169393/ Hören Sie sich den Podcast an, und sagen, wie Sie zu dem Gesagten stehen. Es geht übrigens nur wenig um Landwirtschaft aber viel um Gefühle und Meinungen. In vielen Dingen war ich anderer Meinung, aber ich bin auch kein Leser der TAZ, die man eher dem politisch linken Spektrum zuordnen kann. Mein roter Faden in der Diskussion: Es gibt  für komplexe Probleme keine einfachen Lösungen. Weder von Links noch von Rechts oder irgendeiner anderen Richtung.  

Warum die Bauern jetzt nicht demonstrieren

Die Stimmung in der Bevölkerung ist zur Zeit sehr aufgewühlt. Die obigen Äußerungen bedürfen daher einer Erläuterung. Die ersten Bauerndemonstrationen im Jahr 2019 verliefen zunächst still (Grüne Kreuze), im November 2019 kam es dann zu einer Sternfahrt nach Berlin, bei der ca. 8.000 Traktoren und 40.000 Personen teilnahmen. Damals richtete sich der Protest vor allem gegen eine geplante Gesetzesänderung der Ministerinnen Klöckner (CDU) und Schulze (SPD). Im Dezember 2019 endete dieser Protest zunächst in einem Agrargipfel im Kanzleramt, der, betrachtet man es in der Rückschau, im Wesentlichen ohne Ergebnis endete. Von den Vorschlägen der dort initiierten „Zukunftskommission Landwirtschaft“ wurde letztendlich keiner von der Politik umgesetzt 2024 beschlossen die Spitzenpolitiker der Ampel-Koalition mehrere einseitige Belastungen für die Landwirte, die selbst den damaligen Agrarminister Özdemir (Grüne) überraschten. Die darauf folgenden Proteste der Landwirte richteten sich – entgegen anders lautender Meldungen – nicht nur gegen die Aufhebung der Belastungen beim Agrardiesel, sondern ganz generell gegen die im stärker ausufernden Produktionserschwernisse. Dieser Aspekt wurde jedoch von den Medien nicht transportiert, sondern lediglich auf den Agrardiesel fokussiert. Dies mag auch …

Düngermangel: Panikmache oder reale Bedrohung?

Ich bin in den letzten Tagen von mehreren Freunden und Bekannten angesprochen worden, was es mit einem möglicherweise bevorstehenden Düngermangel auf sich hat und ob es eine echte Gefahr für uns darstellt. Um es gleich vorweg zu sagen: eine seriöse Aussage dazu ist meines Erachtens derzeit dazu nicht möglich. Was aber erlaubt ist: Szenarien anzustellen, die eintreten könnten. Was sind derzeit die Fakten: Die Strasse von Hormuz ist für fast alle Schiffe gesperrt. Damit ist auch der Export von Dünger (und anderen Produkten) auf den Weltmarkt unterbrochen. Inwieweit Schiffe mit Ziel China durchgelassen werden, ist nicht verlässlich zu überprüfen. Laut Recherche der Deutschen Welle werden monatlich etwa 1,33 Mio. t Düngemittel auf diesem Weg transportiert. Die Herkunftsländer sind diesem Artikel zu entnehmen: https://www.dw.com/de/iran-krieg-folgen-f%C3%BCr-die-ern%C3%A4hrungssicherheit-global-lebensmittel-d%C3%BCnger-indien-brasilien-afrika/a-76354869 Besonders gefährdet ist Indien, das bis zu zwei Drittel seines Stickstoffdüngers und einen großen Teil seines Harnstoffdüngers aus den Golfstaaten bezieht. Die Aussaatzeit während des Monsuns steht vor der Tür; ein Mangel an Düngemitteln würde zu einem starken Anstieg der Produktionskosten für Reis, Weizen und andere Grundnahrungsmittel führen, von denen hier 1,45 …

Bürokratieabbau? Vergessen Sie es!

Arnold Krämer war auf einer KTBL-Tagung zur Tierhaltung und hat sich dort angehört, was auf die Landwirte in den kommenden Jahren zukommt oder zukommen könnte. Hier seine Ausführungen:  „Politiker und Parteien fordern häufig (wir müssen…, wir sollten…), aber versprechen selten wirklichen Bürokratieabbau. Sie werden mittlerweile ja von allen nicht nur wirtschaftlich aktiven Gruppen mit zunehmend unerträglichen Bürokratielasten konfrontiert.  Und immer wieder gibt es Hoffnung nach Wahlen und enttäuschenden Ergebnissen für die etablierten Parteien, dass endlich gehandelt wird. Es passiert aber nichts, rein gar nichts. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Warum ist das so? Eine gängige und verständliche Definition für Bürokratie lautet: Bürokratie ist das Ausführen von Verwaltungstätigkeiten nach klaren Vorgaben und innerhalb festgelegter Strukturen. Die Vorgaben existieren in Form von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen und Dienstvorschriften; sind vielleicht doch nicht immer so ganz klar und bieten Ermessensspielräume, die dann nicht selten durch Gerichtsurteile bis hin zum Bundesverfassungsgericht „einkassiert“ oder verschärft werden. Nicht wenige Politiker und Interessenvertreter meinen, Bürokratiebelastungen der (Wirtschafts-) Bürger mit Hilfe von Digitalisierung spürbar mindern zu können. Das sieht dann fast immer so …

„Lass ihn. Er ist total verblendet“

Morgen ist Ostern. Vor ein paar Tagen war im Fernsehen eine Umfrage, bei der die Menschen gefragt wurden, ob sie wüssten, weshalb wir Ostern feiern. Wissen Sie es? Wir gehen heute abend in die Osternacht. Wie jedes Jahr. Wir sind Christen. Wir führen eine konfessionsverschiedene Ehe. Seit bald 40 Jahren. Das geht, trotz unterschiedlicher Ansichten. „Lass ihn. Er ist total verblendet“ schreibt ein Kommentator einem anderen Kommentator in meinem Blog und meint damit mich. Weil ich andere Ansichten als die beiden geäußert habe. Es ging um Politik. Was bringt Menschen dazu, einen Dialog in dieser Art und Weise ad absurdum zu führen?  Warum können wir unterschiedliche Meinungen immer weniger tolerieren? Wir müssen sie ja nicht annehmen. Würde es helfen, nicht zu jedem Thema seinen Senf dazu zu geben? Einfach mal nichts sagen? Unmöglich? Nächstes Ereignis: „Willi, wach doch endlich auf“. So versuchte ein von Facebook bekannter Influencer mich – mit lauter Stimme – davon zu überzeugen, dass er „die Wahrheit“ kennt. „Deutschland erwache“ war einmal ein Spruch aus einer düsteren Zeit, die vermutlich keiner von …

Emissionen: Landwirtschaft besser als die Prognose

Das Umweltbundesamt veröffentlicht in regelmäßigen Abständen die Emissionen der verschiedenen Sektoren. https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11850/publikationen/ergebnisse_kompakt_2025_2_auflage.pdf Hier das Ergebnis für die Landwirtschaft: (Zitat) „Der Sektor Landwirtschaft übererfüllt die kumulierten Jahresemissionsmengen zwischen 2021 und 2030 um 21 Mio. t CO2-Äq.. Damit liegen die kumulierten Emissionen in der Periode 2021-2030 um 2,3 Mio. t CO2-Äq. niedriger als in den Projektionsdaten 2024. Seit Festlegung der Ziele im KSG haben neben tatsächlichen Minderungen auch methodische Anpassungen zu einer rechnerischen Verringerung der Emissionen geführt, die bereits in den Projektionsdaten 2023 und 2024 (Harthan et al., 2024, 2023) erläutert wurden. Mit dem Berichtsjahr 2025 gab es weitere methodische Änderungen, z.B. bei den Lachgasemissionen oder der Anzahl der in Deutschland gehaltenen Pferde, welche sich leicht emissionserhöhend auswirken“. (Zitatende)  Den Rückgang sieht der Bericht vor allem in zwei Gründen: (Zitat) „Der Trend eines Rückgangs der Tierbestände (Rinder und Schweine) sowie ein kontinuierlicher Rückgang der Verwendung von Stickstoffdüngemitteln setzt sich aus den Projektionsdaten 2024 fort.“ (Zitatende)  Mein Fazit: wenn wir die Tierhaltung aus Deutschland vertrieben haben und unsere Pflanzen nicht mehr düngen, werden sich die Emissionen noch weiter …

Der Wal, der Wolf und der Mensch

Ich habe lange überlegt, ob ich mich zum Thema „Timmy, der Wal in der Ostsee“ äußern soll. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, es nicht zu tun. Was mir allerdings bei der Berichterstattung aufgefallen ist: die Medien haben mehrheitlich als „Experten“ ganz überwiegend nur Mitarbeiter von Greenpeace befragt. Die wirklichen Experten von Meeresforschungsinstituten etc. standen in der zweiten Reihe oder tauchten erst gar nicht auf. Das ist keine saubere Berichterstattung, denn ich möchte von Menschen informiert werden, die sich mit dem Thema auskennen und keine monetären Interessen haben. Und monetäre Interessen hat Greenpeace unzweifelhaft. Da hilft die kostenlose Unterstützung durch die Medien natürlich beim Spenden einsammeln. Dass unsere Mitbürger am Wohlergehen des Wales interessiert sind (bzw. waren) ist zu begrüssen. Empathie für Mitgeschöpfe ist gut, sollte aber auch für Mitmenschen gelten. Womit wir beim Wolf in Hamburg wären. Wissen Sie, wie es der Frau geht, die vom Wolf gebissen wurde? Ich habe nur lesen können, dass sie wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Empathie für das Opfer? Fehlanzeige. Alles dreht sich nur darum, ob es …