Alle Artikel in: Bauer Willi

Glyphosat: Sieg der Vernunft, der Justiz, der Wissenschaft!?

Gestern ging es durch die Nachrichten: „Bayer erreicht wichtigen Sieg im Streit um Glyphosat“ oder so ähnlich. https://www.deutschlandfunk.de/bayer-gewinnt-vor-us-supreme-court-102.html https://www.welt.de/wirtschaft/article6a3d38b1507c0ee6f17a818e/pflanzenschutzmittel-bayer-gewinnt-im-glyphosat-streit-vor-us-supreme-court-aktie-steigt-deutlich.html Im Wesentlichen ging es darum, dass die Zulassungsbehörde EPA kein Krebsrisiko durch Glyphosat gesehen hat und Bayer daraufhin auch keinen Warnhinweis gegeben hat. Viele Klagen hatten sich darauf bezogen und werden jetzt wohl zurückgewiesen. Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)  “ kommt zu dem Schluss, dass von dem Wirkstoff Glyphosat nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen ausgeht.“ Man darf gespannt sein, wie sich die diversen NGO´s nun neu positionieren. Dass Lebensmittel, die mit neuen genomischen Techniken (NGT) hergestellt wurden, im Supermarkt nicht gekennzeichnet werden müssen, dürfte ihnen auch nicht gefallen haben.

Teures Heu

Der Preis für Heu ist in der Crau-Ebene bei Marseille von 250 €/t auf 150 €/t gefallen. Warum? Die Ernte war gut und gleichzeitig sinkt die Nachfrage. Das Heu aus Crau ist etwas besonders, weil es sehr reich an Kräutern ist. Desweitern enthält es viele  Proteine, Mineralstoffe und Vitamine und wird seit dem 19. Jahrhundert geschätzt – zunächst für Pferde in den Städten, später auch für Rennpferde im In- und Ausland. https://www.focus.de/finanzen/nachfrage-bricht-zusammen-bauern-bleiben-auf-bergen-von-heuballen-sitzen_068634de-bf73-4be6-86d1-48315e679240.html Doch jetzt ändert sich der Markt.  Zitat: „Heute steckt die Branche jedoch in einer tiefen Krise, wie „Les Échos“ berichtet. Seit der Pandemie haben viele Kunden auf günstigere Alternativen umgestellt. Hinzu kommen ein sinkender Fleischkonsum, politische Förderungen für andere Eiweißpflanzen, neue Konkurrenzregionen durch den Klimawandel sowie steigende Transportkosten. Dadurch ist der Preis für Crau-Heu innerhalb von nur zwei Jahren von 250 auf 150 Euro pro Tonne gefallen und liegt damit fast auf dem Niveau gewöhnlicher Futtermittel. Für viele Erzeuger ist das ein Zeichen dafür, dass Qualität am Markt immer weniger zählt.“ Und damit ist es auch eine Meldung wert, denn das gute Qualität …

Heißer Mittsommer…und die Konsequenzen

Kurz bevor ich diese Zeilen schreibe (21.6. 2926) habe ich im Wetterbericht gelesen, dass sich in den nächsten zwei Wochen eine Omega-Wetterlage einstellt, die ein Hoch genau über Mitteleuropa fixiert. Die Konsequenz: es bleibt heiß und die Regen/Gewitterwahrscheinlichkeit nimmt ab. Dabei hatten wir bei uns noch Glück: Der Mai war mit 110 mm Niederschlag sehr gut und auch im Juni haben wir bis heute 61 mm Regen bekommen. Was uns jetzt bevorsteht (wenn es denn so kommt wie prognostiziert) habe ich schon einige Male erlebt. Mitten in die Kornfüllungsphase des Weizens werden die Ähren regelrecht verbrannt. Die Hitze ist so groß, dass die Pflanze das Wasser, dass ja im Boden ausreichend vorhanden ist, nicht schnell genug in die Körner transportieren kann. Egal in welchem Stadium sich der Weizen gerade befindet: er beendet die Kornfüllung. Bei früh gesätem Weizen ist dies weniger kritisch als bei Weizen, der erst spät im Herbst gesät wurde (weil vorher da noch Kartoffeln oder Zuckerrüben standen) Hier wird der biologisch mögliche Ertrag nicht erreicht, es wird weniger und kleinere Körner geben. …

Kompromisse oder Konfrontation?

Seit längerer Zeit beschäftigt mich schon die Frage, welche Richtung wir Landwirte in der Gesellschaft zukünftig einschlagen sollen. Sollen wir Kompromisse suchen oder sollen wir auf Konfrontation gehen? Diese Frage müssen sich ja auch diejenigen stellen, die unseren Beruf nach außen vertreten. Kompromisse Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) war ein Gremium, dass sich über mehrere Monate zusammengerauft hat, um einen sogenannten „Gesellschaftsvertrag“ zu unterschreiben. Das ist gelungen, alle Seiten mussten Zugeständnisse machen. Man kann natürlich – wie immer – darüber streiten, welche Seite mehr und welche weniger Federn lassen musste. Im Ergebnis hat die ZKL nichts gebracht, weil der Gesellschaftsvertrag ein „Vertrag zu Lasten Dritter“ war. Das Gremium stellte Forderungen auf, die vom Staat (das sind wir alle) hätte finanziert werden müssen. Dazu sahen sich die diversen Agrarminister und -ministerinnen nicht in der Lage. Oder sie wollten auch nicht. Kompromisse mit BUND, NABU, Greenpeace oder auch PETA? Sind sie gewollt? Sind sie überhaupt möglich? Konfrontation Angesichts der vielen Konflikte in der Welt möchte wohl jeder mehr Frieden und Ruhe haben. Wenn man aber nahezu jeden Tag …

Wer weiß was über „Kooperative Naturschutzmaßnahmen“?

Ich habe hier schon mal über das „Holländische Modell“ berichtet, in dem eine Gruppe von Landwirten einer Region Naturschutzmaßnahmen gemeinsam umsetzen. Jetzt möchte das Thünen-Institut wissen, was Landwirte über solche und ähnliche „Kooperative Naturschutzmaßnahmen“ wissen und wie sie solche einschätzen. Dazu habe ich folgenden Brief erhalten: Sehr geehrter Herr Kremer-Schillings, im Rahmen des Projekts Modell Naturschutz-Kooperativen (MoNaKo) führt das Thünen-Institut aktuell eine bundesweite Online-Umfrage unter Landwirtinnen und Landwirten durch. Ziel der Befragung ist es, zu verstehen, wie die Landwirte und Landwirtinnen kooperative Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen einschätzen und was Voraussetzungen für eine Teilnahme wären. Bislang gibt es hierzu nur wenige Erkenntnisse aus der landwirtschaftlichen Praxis. Die Umfrage richtet sich an alle Landwirte, unabhängig davon, ob bereits Erfahrungen mit kooperativen Agrarumweltmaßnahmen bestehen oder nicht. Die Teilnahme dauert etwa 10-15 Minuten und erfolgt anonym. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Umfrage über Ihre Kommunikationskanäle (z. B. Newsletter, Website oder Social Media) teilen könnten. Zur Umfrage: https://thuenen.limequery.com/489247?lang=de Ich habe schon an der Umfrage teilgenommen und würde mir wünschen, wenn viele  Berufskollegen und -kolleginnen mitmachen würden.

Steigt die DLG bei der Eurotier aus?

Heute, am 18. Juni enden in Bernburg die DLG-Feldtage. Sie sind ein Treffpunkt für die Ackerbauern aus nah und fern. Wegen privater Verpflichtungen bin ich in diesem Jahr nicht dort gewesen. In diesem Jahr gibt es eine Besonderheit: PETA, eine Organisation, die die Abschaffung der Tierhaltung fordert, hat auf diesem Feldtag einen Stand. Das ist deshalb etwas besonders, weil die DLG der Ausrichter der Internationalen Messe „Euro-Tier“ ist. Christian Lohmeyer hat in einem Video sein Unverständnis darüber ausgedrückt, dass ein erwiesener Feind der Nutztierhaltung auf den Feldtagen Werbung für die Abschaffung der Nutztierhaltung machen darf. Christian Lohmeyer ist Mitglied der DLG. (Ich bin es nicht, die Gründe dafür sind vielfältig) Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren   Wie PETA die Anwesenheit auf den DLG-Feldtagen kommentiert, kann man hier nachlesen: https://presseportal.peta.de/peta-praesentiert-tierfreie-landwirtschaft-bei-den-dlg-feldtagen-2026/ Dass die DLG bei der Eurotier aussteigt, ist mehr eine rhetorische Frage. …

Geld für Ideen…

Ich habe lange darüber nachgedacht, welchen passende Überschrift ich dem Artikel geben soll. Worum geht es? In einer aktuellen Pressemitteilung vom 8. Juni 2026 hat das BMLEH („Landwirtschaftsministerium“) mitgeteilt, dass „Verbände und Unternehmen für eigene Projekte und Ideen eine Förderung erhalten können. Die Projekte sollen dazu beitragen, der Bedeutung der Außenwirtschaft im Agrar- und Ernährungsbereich Sichtbarkeit zu verschaffen, die Umsetzung der Agrarexportstrategie zu unterstützen und neue Förderansätze im Rahmen des Agrarexportförderprogramms zu erproben. Es können zum Beispiel Studien, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und Veranstaltungen wie Seminare oder Fachkongresse bezuschusst werden.“ https://www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/052-aussenhandel.html Abgabetermin ist der 15. Juli., also ca. 5 Wochen nach Bekanntgabe. Die genauen Modalitäten wurden im Bundesanzeiger veröffentlicht und umfassen 5 Seiten. https://www.bundesanzeiger.de/pub/publication/u5iabiYsbUfAzkjat6c/content/u5iabiYsbUfAzkjat6c/BAnz%20AT%2005.06.2026%20B7.pdf?inline Wer kann einen Antrag auf Zuwendung stellen? Zitat: „Zuwendungsempfänger kann grundsätzlich eine überregionale nichtstaatliche Organisation als juristische Person sein, die im Bereich der deutschen Agrar-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft einschließlich Land- und Forsttechnik sowie der Bioökonomie tätig ist und die eine Niederlassung in der Bundesrepublik Deutschland hat. Zuwendungen können nicht an einzelne Unternehmen und Zusammenschlüsse von weniger als fünf Unternehmen bewilligt werden.“ Ich …

Quo vadis?

Wenn man in den letzten Tagen mit Berufskollegen gesprochen hat, so gab es meist ein  Hauptthema: Was tun mit dem Düngervorkauf für 2027? Die Frage mag dem Nicht-Landwirt banal erscheinen, ist es aber nicht. Seit vielen Wochen ist die Lieferung von nennenswerten Mengen von Dünger durch die Blockade der Strasse von Hormuz unterbunden. Produktionsstätten sollen durch den Krieg zerstört worden sein, aber „nichts genaues weiß man nicht“. Eins dürfte klar sein: selbst wenn morgen der Transport wieder unbegrenzt möglich sein würde, so ist es höchst unwahrscheinlich, dass die erforderlichen Mengen rechtzeitig auf den weltweiten Märkten ankommt. Die Düngesaison ist auf der Nordhalbkugel für 2026 fast durch, auf der Südhalbkugel ist derzeit Winter und in wenigen Wochen beginnt das Frühjahr und damit auch die Düngesaison. Was werden unsere Berufskollegen in Brasilien machen? Werden sie den teuren Dünger kaufen, werden sie den Einsatz reduzieren oder werden sie sogar Flächen nicht bestellen? Schließlich ist auch der Diesel teuer und es könnte lohnend sein, nichts anzubauen. Schließlich will man kein Geld ausgeben, dass man nicht wiederbekommt. Der Düngerpreis liegt …

Zielkonflikte…

Landwirtschaft ist immer ein Eingriff in die Natur. Den größten Zielkonflikt stellt die Frage dar, ob wir Nahrungsmittel erzeugen sollen, so wie wir es bisher getan haben, oder ob wir andere Ziele verfolgen sollen, wie Naturschutz, Artenschutz und Klimaschutz. Das können wir auch machen, wenn die Richtlinien klar festgelegt werden und uns der entsprechende Deckungsbeitrag gezahlt wird. Diese Frage möchte ich von der Gesellschaft beantwortet haben. Weitere Beispiele wären der Konflikt Weidehaltung – Wolf,  bäuerliche Landwirtschaft – Anbindehaltung, Verbot Glyphosat – Humusaufbau oder auch Wohnungsbau – Artenvielfalt. Ganz grundsätzlich ist jedoch der Zielkonflikt Ertrag – Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger, ein Konflikt, der oft diskutiert wird und zu vielen Mißverständnisse führt. Aus meiner Sicht sind diese Zielkonflikte nicht zu lösen, weil das eine Ziel dem anderen diametral widerspricht. Wenn ich Weidehaltung in einer Region mit Wölfen haben möchte, dann geht das nur, wenn ich 1,80 Meter hohe Zäune errichte und diese möglicherweise noch unter Strom setze. Dann sind zwar die Weidetiere geschützt, aber die Wildtiere können das Gebiet natürlich nicht mehr passieren. Wenn ich die …

Konkurrenz für die Tierhaltung? Protein aus dem Fermenter

Heute nur in Hundefutter, morgen vielleicht schon im Müsli-Riegel. Ein Startup hat ein Verfahren entwickelt, um aus Sekundär-Rohstoffen (früher „Abfall“ genannt“) Proteine herzustellen. Den Prozeß hat sich der Gründer patentieren lassen. Derzeit fehlt noch die Zulassung als Nahrungsmittel. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/lebensmittel-proteinwerk-in-leuna-soll-taeglich-150.000-huehnchen-ersetzen/100205080.html So wie es vom Handelsblatt beschrieben wird, könnte dieses Verfahren eine ernsthafte Konkurrenz zu tierischen Proteinen darstellen. Wenn man sieht, wer den Förderbescheid überreicht, scheint es sich nicht um eine Eintagsfliege zu handeln. https://microharvest.com/microharvest-leuna-plant/ Allerdings: Insektenprotein wurde ja auch schon mal eine große Zukunft vorhergesagt….