Monate: April 2019

Gekaufte Agrarpolitik?

Bildquelle: ARD Ich habe mir die Sendung gestern abend in der ARD, trotz später Stunde, doch noch angesehen. Hier der Link: http://mediathek.daserste.de/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Gekaufte-Agrarpolit/Video?bcastId=799280&documentId=62367506 Ich kenne Valentin Thurn, der die Reportage gemacht hat, persönlich gut und er war auch schon bei mir auf dem Hof. Daher bin ich etwas befangen, weil er mir als Mensch eigentlich ganz sympathisch ist. Filmisch ist der Beitrag gut gemacht, was anderes hätte ich auch nicht von ihm erwartet. Inhaltlich habe ich allerdings so meine Probleme denn eigentlich hätte er das Fragezeichen hinter dem Titel „Gekaufte Agrarpolitik“ gleich weglassen sollen. Im gesamten Beitrag wird der Eindruck erweckt, dass die Agrarpolitik tatsächlich gekauft ist. Was als investigativ verkauft wird, ist seit langem bekannt: viele Funktionäre in Politik und Verbänden sind in Aufsichtsräten oder in anderen Funktionen von Unternehmen vertreten. Dazu hätte es den Film nicht gebraucht. Das ist übrigens nicht nur in der Agrarbranche so und das ist eines meiner Probleme. Warum wird dies jetzt, vier Wochen vor der Europawahl thematisiert?  Warum am Beispiel der Landwirtschaft? Wenn man sich den Schnitt des Filmes …

Klima-Bilanz – die Fakten – Kohlendioxid CO2 (1)

In zwei Artikel möchte ich die Situation um Klimagase und Landwirtschaft beleuchten. Im ersten Teil geht es um CO2 (Kohlendioxid), im zweiten Teil um Methan und Lachgas. Im April 2019 hat das Bundesumweltministerium ein Papier vorgelegt, in dem die Treibhausgasemissionen nach Verursacher beziffert sind. https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/pi-thg_abbildungen_bf.pdf Es handelt sich um die derzeit gültige Fassung. In der ersten Veröffentlichung hatte sich das BMU im Sektor Landwirtschaft verrechnet und fälschlicherweise eine Zunahme herausgegeben. Dieser Fehler wurde kurz danach korrigiert. Die Landwirtschaft ist am Kohlendioxid-Ausstoß mit 2,9 Mio. t beteiligt. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 0,4% an der Gesamt-CO2-Menge in Deutschland. Diese erstaunlich niedrige Zahl ist so in den Medien kaum zu finden. Und noch mal zur Verdeutlichung. Allein die Energiewirtschaft emittiert das Hundertfache. der Verkehr mehr als das 55-fache. Die oben aufgeführte verlinkte Tabelle ist auf der Seite des BMU unter der Rubrik Klima-Bilanz zu finden. Diese Überschrift ist  irreführend, weil in einer wirklichen Bilanz Input und Output aufgeführt wird. Bei den Emissionen wird aber lediglich aufgeführt, was die jeweiligen Branchen in die Atmosphäre entlassen haben. Die …

War früher alles besser?

Bildquelle: LK Oberösterreich 2018 Christian von der LK Oberösterreich hat einen lesenswerten Artikel zur Rolle des Pflanzenschutzes geschrieben und erinnert an große Schadensereignisse der Vergangenheit. https://ooe.lko.at/streitthema-pflanzenschutz+2500+2927420 Im übrigen wütet der Derbrüssler 2019 schon wieder in Zuckerrüben. Erst 2018 waren ihm in Österreich rund 10.000 Hektar zum Opfer gefallen. Das Bild oben stammt aus 2018. In früheren Zeiten wurde die Bekämpfung mit Arsen empfohlen. Wahlweise auch das Absammeln durch Kinder. Ersteres ist heute verboten, zweiteres…? Bauer Willi   0

Danke, Frau Klöckner!

Dem ein oder anderen ist vielleicht bekannt, dass ich eine Petition mit recht ungewöhnlichen Forderungen zur Rettung von Bienen und Klima gestartet habe. Mittlerweile wurde diese von fast 100.000 Menschen unterschrieben. https://www.change.org/p/bundesumweltministerium-gemeinsam-f%C3%BCr-bienen-und-klima Diese Petition habe ich an Svenja Schulze (BMU) geschickt, mit der Bitte, mir zumindest kurz den Erhalt zu bestätigen, weil sich die Petition an das Umweltministerium richtet. Julia Klöckner erhielt diesen Brief auch. Liebe Frau Ministerin Schulze, liebe Frau Ministerin Klöckner Vor wenigen Tagen erhielt ich eine Antwort von Ministerin Julia Klöckner, handschriftlich unterzeichnet. Da er an mich persönlich gerichtet ist, möchte ich auf eine vollständige Wiedergabe verzichten. Nur so viel: Sie begrüßt die Vorschläge, die in der Petition gemacht werden, weil es nur gemeinsam geht. Auch das Papier des BfN mit weiteren Vorschlägen, wie sich die Landwirtschaft einbringen kann, ist ihr bekannt und wird seinen Niederschlag finden. https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/ina/Dokumente/Tagungsdoku/2018/2018-Vilm_11Punkte_final_clean.pdf Weder von Ministerin Svenja Schulze noch vom Bundesministerium für Umwelt habe ich bis heute eine Reaktion erhalten. Falls sich das noch ändern sollte, würde ich mich natürlich auch dort bedanken. Bauer Willi 0

Wie geht das?

Fair-Trade war uns bisher eher aus Dritte-Welt-Läden bekannt.  Jetzt stellt Lidl sein Sortiment bei Bananen auf dieses Siegel um. Doch das ist nicht ganz unkritisch, weil gleichzeitig auch der Preis gesenkt wird. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bananen-im-supermarkt-wie-billig-kann-fair-sein-16148748.html Lidl ärgster Konkurrent, Aldi, war schon früher in die Schlagzeilen geraten, weil sie massiven Preisdruck auf die Erzeuger in Süd- und Mittelamerika ausüben. Einzige Begründung: billiger sein als die Konkurrenz http://www.taz.de/!5571446/      https://www.derwesten.de/panorama/aldi-wirtschaft-discounter-banane-id215837739.html Die Konsequenz: viele Kleinbauern geben auf, werden arbeitslos und verarmen. Dabei wäre ein fairer Preis die beste Armutsbekämpfung. Wer stoppt diesen Wahnsinn? Bauer Willi     0

Die Lösung? Einfach machen!

Einem Bauern aus Oberösterreich gehen die ständigen Diskussionen auf die Nerven. Seine Forderung: …dann macht doch endlich! Ein Gastkommentar von Bauer Fritz. All ihr Politiker, ihr Inaugurierten und Emeritierten, ihr Professoren und Ministerialdirigenten, ihr Experten und Imperten, ihr Besserwisser und Klugscheißer – MACHT DOCH ENDLICH Ihr wollt, daß Fleisch teuer wird – macht doch endlich. https://derstandard.at/2000091351058/Suendensteuer-gegen-Voellerei Kann doch nicht so schwer sein. Von mir aus 100% auf jeder Verarbeitungsstufe mehr verlangen oder vorschreiben – aber macht es endlich. Die Politik will es, die NGOs wollen es, der Handel will es, die Bauern werden ohnehin nicht gefragt, aber werden sich wohl nicht besseren Preisen verschließen. Quatscht nicht – tut es. Verpaßt jedem Konsum-Depp eine Aufsichts-App, damit sein Fleischverbrauch sich solange um mindestens 10 kg pro Jahr reduziert, bis der Weltrettungsbarometer mit dem aktuellen Ernährungstrend in Einklang gebracht ist. Verpasst jedem deutschen Fleischstück ein Bundeslabel, wodurch die einkaufbare Menge an nur deutschem Regionalfleisch von der individuellen Einzelzuteilungsguthaben abgebucht wird. Kann doch nicht so schwer sein – in Zeit der Digitalisierung. Wenn doch ohnehin alle dadurch gewinnen !! …

Ist das Ende nahe?

„Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre“ Dieser Satz stammt von einer 16jährigen Schwedin, die derzeit in den Medien große Aufmerksamkeit erfährt. Panik: ein Begriff, der mich umtreibt. Denn er erzeugt eine Endzeit-Stimmung, ein Gefühl der Unumkehrbarkeit, der Hilflosigkeit und Angst. Nicht nur die junge Schwedin, sondern auch andere Organisationen, Parteien und Verbände arbeiten immer mehr mit diesem Stilmittel. „Alles muss sich ändern, wir fordern die Wende“ ist das neue Mantra, das in der Lage ist, die Massen zu mobilisieren. In den sozialen Medien, in Presse, Rundfunk und Fernsehen vergeht kaum ein Tag, an dem mit dem ein oder anderen Thema der Eindruck erweckt wird, dass die Apokalypse droht, wenn nicht die jeweilige Forderung (möglichst sofort) erfüllt wird. Der Ruf nach einer Energiewende, einer Mobilitäts- und Verkehrswende und nicht zuletzt auch einer Agrarwende sind Forderungen, die an die regierenden Parteien gestellt werden, meist von der Opposition und ihnen nahestehenden Organisationen. Der Atomausstieg vor einigen Jahren kam schnell und für viele überraschend. Es war das Ergebnis …

Die Macht der Gesetze

Die Gesetze der Ökonomie sagen:  Das Engelsche Gesetz: Es ist ein Zeichen für den Wohlstand eines Landes (und jedes einzelnen Haushalts) wenn der Anteil des Einkommens der für Ernährung ausgegeben wird, so gering wie möglich ist (= gegen 5% geht). https://de.wikipedia.org/wiki/Engelsches_Gesetz Das Petty Gesetz: Es ist ein Zeichen einer hochentwickelten Volkswirtschaft, wenn der Anteil des Primärsektors (= der Landwirtschaft) so gering wie möglich ist (gegen 1% geht). https://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Sektoren-Hypothese Wieso versuchen alle, den Bauern vorzugaukeln, sie wollen gerne mehr zahlen und sie wollen, daß es mehr bäuerliche Betriebe gibt. Lügt uns doch nicht an ! Und vor allem: Lügt euch doch nicht selbst an. Ihr könnt gar nicht anders – wegen der Gesetze. Und wie´s mit dem Wollen aussieht, zeigt sich täglich an den Supermarktkassen …. Lesenswertes dazu: https://www.salonkolumnisten.com/das-engelsche-gesetz-und-die-gruene-blase/ Es geht unter anderem darum, warum auch Geringverdiener doch bitte gefälligst Bio kaufen sollten. So wie das gehobene Bildungsbürgertum. Dabei gibt es ganz einfache Lösungen: Leute, fahrt raus aufs Land, kauft beim Bauern das, was gerade wächst, lasst Aldi und Lidl links liegen und handelt endlich so, …

Frohe Ostern!

Dank des nun sonnigen und warmen Wetters dürften die Saat- und Pflanzarbeiten zügig vorangehen oder schon abgeschlossen sein. So bleibt hoffentlich etwas Zeit und vor allem Ruhe und Muße, das Osterfest zu feiern. Viele Bauern schauen jedoch schon wieder mit Sorge auf den Wetterbericht, der uns dieses sonnige, warme und vor allem trockene Wetter noch für viele Tage im Voraus ansagt. In Teilen von Brandenburg wurde bereits der Waldbrandindex 5, also die höchste Stufe ausgerufen und auch in weiten Teilen Deutschlands gilt Stufe 3 oder 4. https://www.dwd.de/DE/leistungen/waldbrandgef/waldbrandgef.html Eine hohe Waldbrandgefahr bedeutet aber auch Trockenheit im Boden und das ist Stress pur für alle Pflanzen. Vieles erinnert an 2018. So eine Situation müssen wir nicht noch einmal erleben.Ja, ich weiß, Bauern jammern immer. Aber Sorgen machen wir uns trotzdem…ich auch. Euer Bauer Willi, der Ostermontag mal Pause macht 0

Das Ende der Fastenzeit

Viele Religionen haben Zeiten, in denen weniger oder überhaupt nicht gegessen werden soll. Ob dies nun die Fastenzeit, der Jom Kippur oder der Ramadan ist. Die Hintergründe dazu sind verschieden, die Regeln auch. Allen gemeinsam ist jedoch der Verzicht. Und so verzichten viele Mitmenschen, obwohl sie der Kirche eher fern stehen, in dieser Zeit auf irgendetwas. Als Landwirten gehen uns in der Fastenzeit aber noch andere Gedanken durch den Kopf: Es ist Frühjahr, die Natur beginnt wieder zu erwachen. Das Getreide, die Wiesen und Weiden bekommen wieder Farbe, langsam sprießen die ersten Blätter, Knospen öffnen sich und bald beginnt die Obstblüte. Rüben werden gesät, Kartoffeln gepflanzt und alles wird getan, dass die Ernte, die im Spätsommer oder Herbst erfolgen soll, gut wird. Es ist die Zeit der Vorbereitung. Wie die Fastenzeit, die uns auf Ostern vorbereitet. Und diese Zeit endet mit der Osternacht. Also heute. Es ist auch die Zeit, daran zu denken, dass bei anderen Menschen Nahrung knapp ist. Wir in Europa haben von allem genug, vielleicht schon zu viel. Hunger muss es in der in …