Bauer Willi
Kommentare 27

Wie geht das?

Fair-Trade war uns bisher eher aus Dritte-Welt-Läden bekannt.  Jetzt stellt Lidl sein Sortiment bei Bananen auf dieses Siegel um. Doch das ist nicht ganz unkritisch, weil gleichzeitig auch der Preis gesenkt wird.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bananen-im-supermarkt-wie-billig-kann-fair-sein-16148748.html

Lidl ärgster Konkurrent, Aldi, war schon früher in die Schlagzeilen geraten, weil sie massiven Preisdruck auf die Erzeuger in Süd- und Mittelamerika ausüben. Einzige Begründung: billiger sein als die Konkurrenz

http://www.taz.de/!5571446/     

https://www.derwesten.de/panorama/aldi-wirtschaft-discounter-banane-id215837739.html

Die Konsequenz: viele Kleinbauern geben auf, werden arbeitslos und verarmen. Dabei wäre ein fairer Preis die beste Armutsbekämpfung. Wer stoppt diesen Wahnsinn?

Bauer Willi

 

 

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27 Kommentare

  1. Obstbäuerin sagt

    Auf einer Veranstaltung mit einer columbianischen Bananenbäuerin, die von ihrem Betrieb berichtete (mit Fotos von Plantage und Hof), der faire Bananen für Europa produziert, erfuhr ich von einer ganz anderen Seite des fairen Handels. Der Betrieb hatte eine Größe von 4 ha. Davon lebten der Altbauer und die Familien seiner 3 Söhne, die auch auf der Plantage arbeiteten. Sie beschäftigten außerdem 29 Saisonarbeiter und auf dem Gelände lagerten Bananenkisten wahrscheinlich für die nächsten 100 Jahre. Auf meine Nachfrage, ob der Betrieb tatsächlich nur 4 ha groß ist, antwortete die Bäuerin sehr umständlich und mit vielen Worten – mit ja. Keinem der Anwesenden kam auch nur der Gedanke, dass da etwas nicht stimmen kann.

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  2. Paulus sagt

    Fair-Trade praktizieren wir ca. 2x wöchentlich in den von uns geschätzten Hofläden. Die benötigen weder ein Label noch die Zertifizierung irgendwelcher selbsternannten Institutionen, sondern bieten ganz einfach beste Qualität und dahinter stehen auch noch Menschen die wir kennen, das ist schlicht alles. Um es noch einfacher auszudrücken: wir bezahlen das was die Erzeuger oder Betreiber der Hofläden meinen für ihre Ware bekommen zu müssen.
    OK, es gibt dort keine Bananen – aber wenn ich mir vorstelle, die müssten sich erst mal zu einer Kooperative zusammen finden, sich kostenpflichtig zertifizieren lassen um sich dann von Dritten vertreten dem Preisdiktat der Großabnehmer zu unterwerfen, könnte es schwachsinniger nicht sein.
    Dieser ganze Fairtrade-Schwindel ist eine Geschäftsidee aus der das Einkommen der Betreiber bzw. der Organisation generiert wird, unter dem verlogenen Deckmäntelchen angeblicher Wohltätigkeit. Nicht mehr und nicht weniger. Bauer Willi stellt mit Aldi und Lidl mal wieder die falschen an den Pranger.

    4+
    • Bauer Willi sagt

      @Paulus

      bis auf den letzten Satz stimme ich Dir in allen Punkten zu. Allerdings ist das Fair-Trade-Siegel ja mal aus einer guten Idee entstanden. Aldi und Lidl springen aber auf jeden Label-Zug auf, der irgendwo vorbeifährt. Wenn es nicht läuft, steigt man an der nächsten Haltestelle dann auch wieder aus.
      Schlimm ist es, wenn die vielen Kleinbauern, die in der Hoffnung auf anständige Preise jetzt zur Aufgabe gezwungen werden, weil der LEH die Preise drückt. Siehe auch der Artikel „Wie billig kann fair sein“.
      Was die Zertifizierung angeht: Ich könnte über diesen Blödsinn Bücher schreiben.

      5+
    • bauerhans sagt

      Paulus,ich behaupte,hofläden rechnen sich nicht!!
      umsatz ist meist im verhältnis zu personalkosten zu gering bzw. es werden keine angesetzt.

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  3. Es geht, wie es immer geht: Auf Kosten anderer Menschen anderswo und auf Kosten ANDEREN Lebens.

    Der fairste Handel überhaupt, bedeutet, ohne Geld über möglichst kurze Distanzen zu handeln.

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  4. Alexander Borchert sagt

    Das Problem ist doch nicht der Handel und auch nicht der Konsument.

    Der Handel macht doch eigentlich nur faire Geschäfte. Er kauft so billig ein, wie es eben geht. Durch die Konkurrenz untereinander gibt er an uns die günstigen Preise weiter.
    Oder glaubt ihr, dass Lidl und ALDI an einem Kilo Bananen viel verdient??

    Wir alle profitieren von diesem Handelsgebaren. Wenn wir billige Bananen essenm, brauchen wir schon keine überteuerten Äpfel kaufen. Der Magen ist nur einmal leer…..

    Die Zeche zahlen natürlich die Bauern weltweit. Aber eigentlich sind die Bauern das Problem, weil sie aufgrund ihres Überlebenswillen durch ausgefeiltere Produktionstechnik und durch Selbstausbeutung immer mehr produzieren. Mit diesen Produktionsmengen schaufeln sie sich letzten Endes ihr eigenes Grab.

    Angebot und Nachfrage bestimmen immer den Preis. Das war sogar im „Sozialismus“ auf dem Schwarzmarkt so. Das Problem jeglicher Landwirtschaft sind die Überschüsse.

    7+
    • Stefan Häfele sagt

      Dann ist der Überlebenwille der Landwirte also schuld an allem – sollen sie doch besser gleich aufgeben. Sehr einfach!?
      Die zwei „Likes“ hab ich übrigens versehentlich vergeben, war gewiss nicht meine Absicht!

      3+
    • Altbauer Jochen sagt

      Ich bezweifle das wir mit einer Mangelwirtschaft
      (wer kann das steuern?) statt Überschüssen die Bauern
      weltweit „retten“ können.
      Genau der Schwarzmarkt wäre die Folge, die cleversten
      verdienen sich dumm und dämlich, der Rest verarmt.
      Die Wohlhabenden im Lande könnten sich alles leisten
      für die Geringverdienenden Schichten wird es noch schwerer.
      Ich weiß auch keinen gangbaren Weg aus der Zwickmühle.

      1+
      • bauerhans sagt

        da der bauer unelastisch unflexibel in der natur mit chemischen hilfsmitteln produziert,gibts überschüsse,die eigentlich der staat regulieren müsste (milch/rübenquote).
        gäbe es eine unterproduktion,würde der staat sofort regulieren!!
        chemie oder kapitalismus verbieten?? (wie heute auf der BAYER HV)

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    • Bergbäuerin sagt

      Die EU produziert aber letztendlich eh nur noch 97% des Lebensmittelbedarfs. Dazu gehört allerdings auch jenes Drittel, welches weggeworfen wird. Die Weltbevölkerung wächst, letztes Jahr wurde schon mehr Getreide verbraucht als produziert, die Lager leeren sich. Ich bezweifle, dass der Überschuss gar so groß ist.

      6+
    • Thomas Apfel sagt

      Das ist so nicht ganz richtig. Der Handel nimmt schon die maximale Spanne mit. Das Beispiel „Überteuerte Äpfel“ ist hier genau das richtige: Die Endverkaufspreise des Vorjahres unterscheiden sich nur geringfügig, der Bauer hat voriges Jahr bei knapper Menge um 75 Cent bekommen, dieses Jahr um 20 Cent.
      Endverkaufspreis oben halten und Einkaufspreis drücken, das ist die hohe Kunst der Handels. Ein schönes Beispiel ist auch die Praxis der Benzinpreisvariabilität nach Tageszeit und Wochentagen. Zeitgleich fast auf die Minute ändern sich die Tageszeit-aktuellen Preise an den Tankstellen der „verschiedenen“ Konzerne auf immer gleichem Abstandslevel. Das Ganze nennt man Monopolisierung und Preisabsprache und das folgt bei genügender Konzentration der Marktmacht in wenigen Händen auf den Preiskampf „zu Gunsten des Kunden“.

      2+
    • Georg Summerer sagt

      Da liegen Sie aber ganz schön daneben Herr Borchert. Eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln gibt es nur bei Überversorgung der Märkte. Sobald auch nur kleinste Anzeichen für Mangel vorhanden sind reagieren die Lebensmitteleinkäufer mit Panik. Das konnte man an der „Butterkrise“ im Herbst 2017 sehr schön sehen. Es gab Anzeichen dass die Nachfrage nicht immer sofort bedient werden kann und schon ging der Butterpreis durch die Decke. Herrschte etwa grosse Not? Stellen Sie sich nun dieselbe Situation auf dem Getreidemarkt vor. Der Verbraucher geht zum Bäcker und der sagt Brot gibts erst morgen wenn wieder Mehl da ist. Das Chaos würde ausbrechen mitsamt Gelbwesten und Co. Keine Regierung, egal welcher Farbe, lässt sich auf so etwas ein und darum wird mit allerlei Mitteln für Überversorgung gesorgt. Ich denke da an Bauförderung, Zollsenkung, Handelsabkommen usw.. Wie es da der Bevölkerung in den Exportländern geht ist dann egal. Erinnern Sie sich noch an die Tortilliakrise in Mexiko? Die grossen Handelsunternehmen Aldi, Lidl usw. wissen selbstverständlich dass Preisdruck durch ihre Einkaufspolitik Massnahmen zur Stabilisierung der Marktversorgung durch Regierungen auslöst. Deshalb müssten diese Oligopole schon längst zerschlagen werden, was aber keine Regierung derzeit wagt, schliesslich würden Lebensmittel dadurch deutlich teurer und ein Politiker will ja schliesslich auch gewählt werden.

      6+
  5. Wenn sich der Handel bei realistischen oder wirklich fairen Preisen so einig wären wie bei Billig……dann brauche es keine speziellen Labels……egal ob hier zu Lande oder Import…..
    Gruß Klaus Weber

    2+
    • Inga sagt

      Warum kann die Politik den Handel nicht dazu zwingen,
      nur Faire Dinge mit dem wahren Preis zu verkaufen.

      Das ist auch für den Verbraucher ehrlicher. Und er weiß,was er hat.
      Und bekommt eine Beziehung dazu.
      Schön fühlt es sich für ihn durchsichtiger an, hat eine größere Beziehung dazu und bestimmt mehr Lebensqualität.
      Er braucht nicht mehr fremdbestimmt auf Schnäppchenjagd zu gehen.
      Er kann die Zeit für sich selber einsetzen.
      Er ist nicht mehr dem Handel sein Knecht und von ihm abhängig, er oder sie braucht sich nicht mehr seinen Tages- und Lebenslauf von ihm abhängig zu machen.

      2+
  6. Sabine sagt

    Naja, vllt. sollten wir zuschlagen, bevor es keine Bananen mehr gibt. Okay, die Banane ansich wird es noch geben, aber eben unsere Fruchtbanane nicht. Wenigstens nicht mit dem Geschmack und dem Aussehen wie wir sie gewohnt sind.
    Diese Bananesort gibt es quasi nur als Klon, weil wir keine Saat in der Banane wollen, ist es fast fast unmöglich diese Banane auf normalem Weg zu kreuzen und züchterisch zu bearbeiten. Jahrzehntelang war das auch nicht so schlimm, denn sie galt als RT-Pilz resistent. Sie war zwar empfindlich, aber eben nicht gegen diesen Pilz gegen den es kein Mittel gibt.
    Die vom Pilz hervorgerufene sog. Panama-Krankheit hat die Vorläufer der jetzigen Bananensorte wurde vor gut 50 Jahren so gut wie ausgerottet. Der Pilz entwickelte sich weiter, die Banane nicht. Die derzeitig für den Export angebaute Fruchtbanane, die schlechter zu transportieren und zu kultivieren ist, wurde darauf hin zu der Banane. Die ganze Industrie ist auf diese Sorte ausgelegt.
    In den 90igern tauchte der neue Pilz in Asien auf und bewegte sich seitdem bis nach Afrika. Sollte er je in den Amerikas auftauchen, war es das mit „unserer“ Banane. Den großen Bananenfirmen sind auch daher die kleinen Plantagen ein Dorn im Auge. Eine große Plantage kann man einfacher gegen die Pilzerkrankung schützen. Denen wird es nur recht sein, wenn die kleinen Bauern verschwinden.
    Und u.U. ist es auch besser wenn die sich eine andere Frucht und einen wirklich fairen Markt suchen.
    Und vllt. ist es auf lange Sicht auch nicht schlecht, wenn diese Frucht ganz aus unseren Supermärkten verschwindet. Schaut man in die Geschichte „unserer“ Banane ist sie eine recht widerlich-bittere Frucht.

    3+
  7. Eckehard Niemann sagt

    SRF – 28.6.2018: Kritik an Fairtrade – Wie fair ist Fairtrade wirklich?

    Fairtrade ist oft ungerecht, das sagt der senegalesische Ökonom Ndongo Samba Sylla. Er hat ein Buch geschrieben mit dem provokanten Titel «Marketing Poverty to Benefit the Rich» – zu Deutsch: Armut vermarkten, damit die Reichen profitieren.
    SRF: Warum dieser provokative Buchtitel?
    Ndongo Samba Sylla: Ich will damit sagen, dass Fairtrade eine gute Strategie ist, eine grosszügige Geste der Solidarität. Aber es gibt zwischen der Idee und der Wirklichkeit einen grossen Unterschied.
    Der Handel mit Fairtrade-Produkten kommt den Ärmsten nicht zugute. Im Gegenteil: Gerade die Ärmsten werden marginalisiert.
    Warum ist das so?
    Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der erste Grund ist, dass die wirklich Armen Mühe haben, sich zu organisieren. Sich zu Kooperativen zusammenzuschliessen ist aber Voraussetzung für die Zulassung zu Fairtrade.
    Sie haben auch Mühe, ihre Produktion zertifizieren zu lassen, weil das zu teuer ist. Ein Beispiel: Produzenten in Guinea-Bissau konnten ihre Produkte nicht zertifizieren lassen, weil ihnen das Geld fehlte für die Busfahrt in die Hauptstadt. Das sind die Realitäten in Afrika.
    Das heisst aber auch, dass Fairtrade-Organisationen die Bauern zu wenig unterstützen, damit diese ihre Produktion zertifizieren lassen können.
    Ja, darum geht es. Auch wenn viele Fairtrade-Organisationen einiges tun, um den Zugang zur Zertifizierung zu verbessern. Aber die Ärmsten werden nicht erreicht, weil dieses Systems ganz auf den Export ausgerichtet ist. Die Ärmsten bauen ihre Produkte meist für den eigenen Konsum an.
    Der Titel Ihres Buches sagt, dass von Fairtrade vor allem die reichen Länder profitieren. Warum?
    Die Grundidee des Fairtrade-Systems besagt, dass die Konsumenten im Norden mehr bezahlen. Was sie mehr bezahlen, wird zu den Produzenten im Süden transferiert, um dort die Armut zu bekämpfen.
    In der Realität bleibt dieses Mehr, das bezahlt wird, aber zu einem grossen Teil in den Ländern des Nordens. Das Geld kommt den Grossverteilern zugute, den Supermärkten und den Fairtrade-Organisationen.
    Dazu kommt, dass die Mehreinnahmen durch den fairen Handel sehr gering sind – so gering, dass man nicht sagen kann: Hier wird Armut wirklich bekämpft.
    Das heisst, wenn ich Fairtrade-Mangos aus Guinea-Bissau, Senegal oder Burkina Faso kaufe, unterstütze ich vor allem den Grossverteiler?
    Das ist die Regel. Es mag sein, dass in einigen Wertschöpfungsketten etwas mehr zu den Produzenten gelangt. Aber global gesehen, ist das die Regel.
    Aber immerhin können die Produzentinnen im Fairtrade-System ihre Landwirtschaftsprodukte zu fixen Mindestpreisen verkaufen. Sie sind also keinen Preisschwankungen ausgesetzt. Ist das nicht schon ein grosser Vorteil?
    Die fixen Preise sind das eine. Das andere ist die Menge. Denn leider kann in vielen Fällen nur ein kleiner Teil der Produktion zu Fairtrade-Bedingungen geliefert werden. Der grösste Teil aber muss auf dem freien Markt verkauft werden, weil es zu wenig Abnehmer für Fairtrade-Produkte gibt.
    Es gibt bei vielen Produkten eine Überproduktion. Das heisst, dass die Produzentinnen einen Verlust einfahren. Der Vorteil, den sie durch das Fairtrade-System haben, wird so unterlaufen.
    Die reichen Länder müssen endlich die ungerechten Handelsstrukturen verändern.
    Sie kritisieren auch, dass im Fairtrade-System Bauern ihre Rohstoffe an die Verarbeiter im Norden liefern, statt sie selber zu verarbeiten. Ist das ein Fehler im System?
    Nein, das ist kein Fehler. Das ist einfach die Grenze des Modells. Es geht davon aus, dass die Produzentinnen im Süden einen Zugang zu den Märkten im Norden brauchen. Dieser Zugang besteht aber schon seit Jahrhunderten. Nur werden ausschliesslich unverarbeitete Produkte verkauft.
    Mir ist kein einziges Beispiel bekannt, bei dem ein Land sich durch den Verkauf von rohen Landwirtschaftsprodukten hat entwickeln können. Das einzige Modell, das funktionieren kann, ist den Ländern des Südens endlich zu erlauben, auch verarbeitete Produkte zu exportieren.
    Nur so wird man einen Wissenstransfer zu uns in den Süden haben, werden Arbeitsplätze schaffen und wird den Ländern in Afrika ermöglicht, sich wirklich zu entwickeln.
    Was soll man also tun?
    Man muss sich im Klaren sein, dass die Fairtrade-Bewegung im Kontext der 1980er-Jahre entstanden ist. Zu einer Zeit also, in der die Handelsstrukturen im Zuge des Neoliberalismus weltweit liberalisiert wurden.
    Heute ist auf der Makroebene alles weitestgehend liberalisiert, aber auf der Mikroebene, im fairen Handel, haben wir so etwas wie starre Preisstrukturen. Da versucht man die Dinge im Kleinen zu ändern.
    Deshalb sage ich – die reichen Länder müssen endlich ihre Verantwortung ernst nehmen und die ungerechten Handelsstrukturen verändern.
    Nehmen Sie das Beispiel Schokolade. Die Schweiz, Belgien oder auch Frankreich produzieren Schokolade. Aber sie schotten ihre Märkte so ab, dass die Länder im Süden nur rohen Kakao exportieren können.
    Das ist nicht nur nicht liberal, es zementiert auch ungerechte Strukturen. So lange das so ist, bleibt der faire Handel ein Tropfen auf den heissen Stein.
    Das ist die makroökonomische, die weltpolitische Ebene. Aber was soll ich als Konsument tun?
    Für mich ist wichtig: Der Konsument ist auch Bürger. Das ist eine wichtigere Rolle als die des globalen Konsumenten. So kann man die realen Probleme der Länder des Südens in den Blick bekommen.
    Das Geld kommt den Grossverteilern zugute, den Supermärkten und den Fairtrade-Organisationen.
    Ein Beispiel: Die Partnerschaft, welche die Europäische Union den Ländern Afrikas aufzwingt, besagt, dass alle Länder ihre Märkte öffnen müssen – für europäische Produkte.
    Das gilt auch für hochsubventionierte landwirtschaftliche Produkte. Damit tötet man die Wirtschaft der Länder Afrikas, oder das, was davon noch übrig ist.
    Darum ist es zwar gut, im Supermarkt Fairtrade-Produkte zu kaufen. Aber noch wichtiger wäre es, aufzustehen und zu sagen, dass man diese ungerechten Strukturen nicht will.
    Das Gespräch führte Christoph Keller.
    Buchhinweis:
    Ndongo Samba Sylla: «The Fair Trade Scandal. Marketing Poverty to Benefit the Rich.» Pluto Press, 2014.

    5+
    • Bauer Willi sagt

      „Der Konsument ist auch der Bürger“. Irgendwie kommt mir der Satz bekannt vor…Der Konsument kauft Dinge, die er als Bürger ablehnt. (Citizen-Consumer-Gap)

      Und: „Das Geld kommt den Grossverteilern zu, den Supermärkten und Organisationen“. Von daher fände ich es zielführend, diesen etwas mehr „auf die Finger zu klopfen“. Der LEH macht die Bauern kaputt, hier und anderswo.

      9+
      • Bergbäuerin sagt

        „Die Supermärkte“ sind es auch nicht. So ein Geschäftsführer hat noch weniger Möglichkeit, etwas zu ändern, als der Konsument. Der steht unter der Fuchtel seiner Shareholder mit ihren Börsencomputern. Es muss verboten werden, Geld in ein Unternehmen zu stecken, ohne DORT sein Gesicht zu zeigen und moralisch gerade zu stehen für das, was dort geschieht. Wie es Rainer Voss sagt: Die FINANZWIRTSCHAFT ist kein anonymes System, das sind Menschen, die persönlich nie zur Verantwortung gezogen werden. Der Geschäftsführer einer Supermarktkette hat ein Gesicht, aber der hat es auch nicht leichter als ein Bauer.

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    • Ostendorf ( Am Ende mit nur einem "F" ) sagt

      Ich hatte vor ca eimem Monat eine Gespräch einer Mitarbeiterinn von „Fair Trade“.
      Ich bebe Ihr die Frage gestellt:
      „Wieviel von dem Geld , welches der Deutsche Verbraucher für „Fair-Trade“ gehandelte Ware mehr ausgibt, gelangt auch tatsächlich bei den Kaffe-Kacao-oder Bananenbauer in Südamarika oder Afrika tatsächlich an “

      Ich erhilte eine nichtsbesagende Antwort über die Unterstützung der Bauern und Unterstützung deren Gesundheitssystem und Bla. Bla. Bla“

      Obwohl ich diese Frage insgesammt 4 mal stellte, bekam ich immer die gleiche, nichtsbesagende Antwort ( Frame), aber keine konkrete Zahl.
      Auch auf meine Fünfte Frage, “ ob der Geldbetrag nun mehr als 5 % der Geldsumme seie „, bekam ich keine Antwort.

      0
  8. Bergbäuerin sagt

    Anderes Wahnsinns-Beispiel:
    Bei uns war der Preis für Schlachtlämmer bisher recht akzeptabel. Die Inlandsnachfrage kann aus heimischer Produktion nicht gedeckt werden. Jetzt stellt der Handel auf billigeres Fleisch aus Neuseeland um. Dort zerstört die intensive Tierhaltung jetzt massiv die einzigartigen Ökosysteme, während bei Aufgabe der Weide in den Alpen teilweise Desertifikation droht. https://orf.at/stories/3119281/
    Die Natur wird nicht von den Landwirten zerstört, sondern vom Kapitalismus.

    11+
    • Bergbäuerin sagt

      Dazu noch ein Kommentar von Heini Staudinger, einem erfolgreichen Unternehmer:
      „Ich glaube schon, dass wir den Kapitalismus-Neoliberalismus überwinden müssen. Aber es schaut nicht besonders gut aus, dass wir das schaffen. Und trotzdem gibt es keine sinnvollere Möglichkeit an Lebensbewältigung, als daran zu arbeiten, dass dieser Kapitalismus verschwinden muss ….. Es schaut nicht gut aus, aber ich finde es vernünftig, alles zu tun, als könnte es uns doch gelingen, ich glaube, dass das die sinnvollste Methode ist, auch die eigene Würde zu pflegen. “

      1+
      • Inga sagt

        Danke Bergbäuerin!

        Der Wanderzirkus unsere Boanch ist unehrlicher,
        Steuern Versicherung zahlen unsere Mitarbeiter,
        aber die dieser Konzerne, die diese Billigschuhe verkaufen leisten nicht, also müssen wir mit Steuern dann mal nachzahlen, wie bei dem Ökoproblem auch ist.

        So klauen wir unseren Kindern die Zukunft!

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    • Christian Bothe sagt

      Sind ja alles super Darstellungen des Fair Trade Handels,H.Neumann.Aber interessiert das wirklich den Handel??Alles in dieser Richtung dient der reinen Profitsteigerung im LEH trotz eventueller Bekundungen.Kapitalismus pur und das wollen ja alle…Leider auf Kosten afrikanischer Bauern. Übrigens haben das schon Marx und Engels im Kapital erläutert.

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      • Eckehard Niemann sagt

        Das sind ist ja eine interessante Informationen, dass Marx und Engels behauptet hätten, dass „Kapitalismus pur“ von „allen gewollt“ sei. Wissen Sie noch mehr darüber, lieber Herr Bothe?

        1+
        • Christian Bothe sagt

          Lieber H.Neumann,halte Sie eigentlich für so intelligent, das Sie wissen welchen Satzbezug ich in Hinsicht auf Marx und seine Philosophie meine und was die Realitäten mit dem heutigen Verhalten in unserem System zu tun haben.

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