Bauer Willi
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Schweinekrise: ein Problem, zwei Meinungen (eine Lösung?)

In der vergangenen Woche wurde erneut die Notierung für Schlachtschweine gesenkt. https://www.vezg.de/preisinfo-schweine.html

Damit verschärft sich die Situation für Ferkelerzeuger und Schweinemäster immer mehr. Ich habe am 6.11. mit zwei Gesprächspartnern darüber gesprochen,

  • was die Ursachen für die Schweinekrise sind
  • wer in der gegenwärtigen Situation helfen könnte
  • was geschehen muss, damit sich diese Situation nicht wiederholt

Zuerst habe ich mit Dagmar Klingelhöller gesprochen, die in ihren Betrieben seit vielen Jahren Ferkel erzeugt. Sie hat einen Sitz im Vorstand der ZHKL. Die ZKHL dient dazu, „die  Zusammenarbeit in der Lebensmittelkette nachhaltig zu verbessern. Dabei soll der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft – unter Einbeziehung der gesellschaftlich relevanten Themen und Verbraucherwünsche – besondere Beachtung geschenkt werden“

Im Vorstand der ZKHL sitzt auch Björn Fromm. Als Präsident des Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. und selbständiger Lebensmittelkaufmann mit Geschäften in Berlin (Edeka) hat er – verständlicherweise – eine etwas andere Sicht auf die Dinge als die Erzeuger.

Von ihm wollte ich – unter anderem-  wissen, welchen Einfluss der Handel auf die Marktsituation hat und was vom Handel getan werden kann, um eine Wiederholung der jetzigen Situation zu verhindern.

Hier das Interview mit Dagmar Klingelhöller

Und hier das Gespräch mit Björn Fromm

Meine Meinung: Nach diesen beiden Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass man inhaltlich nicht allzuweit auseinander liegt. Jetzt würde die Chance bestehen, für die Zukunft einen gemeinsamen Weg zu finden, mit der jede Seite (Erzeuger und Handel) leben kann. Mit dem Herkunftskennzeichen „Gutes aus Deutschland“ ( dem „Trecker“), das von der ZKHL auf den Weg gebracht wurde, ist ja ein guter Anfang gemacht worden.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist wichtig, aber auch die Gastronomie spielt eine wichtige Rolle. Diese kauft beim Großhandel ein.

Mir liegt ein Prospekt der METRO vor, in dem Schweinelachse (ohne Knochen, ohne Kette) bei einer Abnahmemenge ab 18 kg für 3,29 €/kg (vor Steuer) angeboten wird. Der Hinweis „Deutsche Zerlegung“  und das fehlende QS-Logo macht klar, dass das Fleisch nicht aus Deutschland stammt.

https://prospekte.metro.de/wochen-angebote-021126-071126/page/6

Ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt die Systemgastronomie (McDonalds, Burger King, KFC, l`Osteria…) die erhebliche Mengen direkt beim Schlachter einkaufen.

Laut Statistik (und Wikipedia) landen etwa 35 bis 45% des Fleisches (nicht nur Schweinefleisch) im Ausser-Haus-Verzehr (also incl. Catering, Kantinen, Imbissen etc.) Hier findet man in der Regel keine, für den Konsumenten erkennbare, Herkunftskennzeichnung. Gleiches gilt für weiterverarbeitete Produkte.

Vielleicht fragen Sie beim nächsten Besuch einer Kantine oder Würstchen-Bude mal danach, woher das Fleisch kommt….

(Aufrufe 249 gesamt, 232 heute)

9 Kommentare

  1. Jan Köpcke sagt

    Über Dönerbuden spricht kein Mensch!
    Im Fastfoodbereich mittlerweile wohl Marktführer in Deutschland geht das am Schwein völlig vorbei! Ist nicht zu ändern, aber auch ein Teil des Schweinepriblems!

  2. Malte Voerste sagt

    Ich kenne es auch, dass trotz fester Anbindung die Ferkel bei Knappheit statt im 8 Wochen Rhythmus erst nach zehn Wochen geliefert werden mit 24,5kg und bei Überangebot nach 7 Wochen mit 33 kg. Da scheint der Sauenhalter schlecht zu planen. Die Tiere die ich kaufe laufen aber prima im Stall. Deshalb beiße ich mir auf die Lippe. Ansonsten hätte ich schon Konsequenzen angedroht. Pacta sunt servanda

  3. Malte Voerste sagt

    Ich produziere als Schweinemäster kontinuierlich mit fester Anbindung seit Jahren die selbe Anzahl Schlachtschweine. Von mir ist keine Angebotsausweitung oder Verknappung ausgegangen. Der Schlüssel dazu liegt beim Sauenhalter. Preise sind Signale. Ich habe einen festen Aufschlag zur Notierung vereinbart an den ich mich in guten und schlechten Zeiten halte. Da gibt es aber auch andere Marktteilnehmer die jedesmal neue Bedingungen verhandeln.Mein Modell bedeutet Planbarkeit. Dabei muss ich aber auch auf die Notierung des Ferkelpreises vertrauen können. Für mich sind die Glücksritter diejenigen Ferkelerzeuger, die freie Ferkel erzeugen. Für Willi gesprochen sind das C- Rüben. Die Menge muss runter. Natürlich nicht bei mir. Ich habe sie ja nicht ausgeweitet.

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    • Karl Timme sagt

      Nur Malte was machst du mit Neueinsteiger nach Betriebsübernahme? Der Markt ist nun einmal nicht Statisch (Planwirtschaft), dort ist die höchste Planbarkeit. Ist natürlich für dich sehr schön, wenn du es Vertraglich geschafft hast stabile Verhältnisse zu schaffen, das kann aber anderen nicht den Marktzugang verwehren.

    • Bauer Willi sagt

      @Malte
      Wenn nur alle so vernünftig wären wie Du…
      Es geht hier um Lösungen für alle. Das diskutieren wir ja in den Interviews.

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