Monate: September 2025

Realismus statt Schwärmerei und Utopie

Arnold Krämer war auf einer Konferenz zum Thema „Agrar und Ernährung“ und berichtet in diesem Gastkommentar über einen unerwarteten Verlauf… Die bekannte große Wochenzeitung „Die Zeit“ organisiert und veranstaltet Konferenzen zu verschiedenen Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, erstmalig offensichtlich auch zum Thema „Agrar und Ernährung“. https://studiozx.de/events/zeit-konferenz-agrar-ernaehrung-2025/ Die Initiative für eine solche Veranstaltung, die am 24. September 2025 in Berlin stattfand, ging nach meinen Informationen von der DLG (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) bzw. den DLG-Mitteilungen aus. Partner waren die BASF, die Firma Krone, Spelle (den Landwirten bekannt) und das Berliner Startup „Food Campus Berlin“ (https://www.foodcampus.berlin/) An dieser Veranstaltung konnte ich teilnehmen und bin mit positiven Eindrücken wieder ins Emsland zurückgefahren. Warum? Wie selbstverständlich hatte der Veranstalter mit den üblichen Floskeln von Bio, Nachhaltigkeit, Verzicht, Klimafreundlichkeit, Regionalität u. ä. für seine Veranstaltung geworben. Entsprechend war wohl auch die Erwartungshaltung vieler Teilnehmer, zu denen u.a. auch die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast und die FDP-Agrarpolitikerin Carina Konrad gehörte. Mit der Themensetzung, der Auswahl der Diskutanten und der Moderatoren war es jedoch möglich, manchen Teilnehmer aus dem nicht-landwirtschaftlichen Umfeld (diese stellten …

Familie oder Staat?

Ich habe neulich einen Podcast verlinkt mit dem Titel „Realität gegen Alarmismus“. Darin wird mehr Markt statt staatlicher Eingriffe gefordert. Aber in Diskussionen wird immer wieder der Anspruch geäußert, „dass das doch der Staat regeln muss“. Doch wer ist der Staat? Wie sollen die Ansprüche finanziert werden? Und wer hat diese Aufgaben eigentlich „früher“ wahrgenommen? Und was ist mit Kündigungsschutz, Mindestlohn und dem Sozialsystem?  Ich habe mich darüber mit Jürgen Donhauser unterhalten, der Landwirt war und jetzt Diakon ist. Den Betrieb hat er an die nächste Generation weitergegeben. Jürgen, wie viele Generationen leben bei euch? Und wo leben Sie? Im Haus zusammen direkt am Hof derzeit nur 2 Generationen – meine Eltern mit fast 88 und 89 Jahren und meine Ehefrau und ich. Simon, als Hofnachfolger, hat sich mit seiner Frau und zwei Kinder vergangenes Jahr in der Nähe ein eigenes Haus gekauft. Auch als Kapitalanlage, denn in Sachen Geldsicherheit und Inflation wollte er lieber sein Erspartes in physische Werte anlegen. Aber alle unsere Söhne wohnen in unmittelbarer Umgebung. Nur Josef, der Mittlere, ist vor …

Deine Meinung ist gefragt! Mitmachen!

Die EU macht eine Umfrage zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit. Diese ist seit dem 16. September geöffnet. Antworten kann man bis zum 14. Oktober. Bisher (26.9. um 15 Uhr) sind EU-weit 21 Antworten eingetroffen, davon nur eine Handvoll aus Deutschland. https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/14824-Lebensmittel-und-Futtermittelsicherheit-Omnibus-Vereinfachungspaket_de Darum geht es konkret: „Mit dieser Initiative soll die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte und der Lebens- und Futtermittelindustrie in der EU gestärkt werden; außerdem soll der Verwaltungsaufwand für die Zulassung von Produkten verringert werden, der den Behörden der Mitgliedstaaten entsteht. Geplant ist, den Zugang zum EU-Markt für biologische Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel zu beschleunigen die regulatorischen Anforderungen an Pflanzenschutzmittel, Biozidprodukte, Futtermittelzusatzstoffe, Lebensmittelhygiene und amtliche Kontrollen sowie andere Maßnahmen zur Vereinfachung des EU-Lebensmittelrechts zu vereinfachen und klarer zu gestalten“ Mir fällt dazu einiges ein, was ich nun in die Umfrage einstellen werde. Ich hoffe doch, dass bis Montag morgen die Zahl der Beiträge auf über 100 gestiegen ist. Schön wäre es auch, wenn auch die Berufsvertretungen (DBV, LsV) auf diese Umfrage aufmerksam machen würden. Sind ja noch ein paar Tage Zeit….

Oktoberfest: Alles wird teurer. Wirklich alles?

Wie dem nachfolgenden Artikel zu entnehmen, kostete die Maß Bier 1992 umgerechnet 4,40 €. Heute sind es 15,80 €. Die prozentuale Steigerung mag jetzt jeder selbst ausrechnen https://www.focus.de/panorama/oktoberfest/4-40-euro-fuer-mass-bier-alte-karten-zeigen-ausmass-der-oktoberfest-preisexplosion_53d6245d-ea1e-4f03-8776-2df67b4efc2f.html Das Wiesn-Hendl kostete damals rund 6,50 €, heute sind es 17 €. Aktuell kosten 100 kg Braugerste rund 17,50 €. Laut Statistischen Landesamt Baden-Württemberg lag der Preis im September 1992 bei 33,70 DM/100 kg, also umgerechnet rund 17,28 €/100 kg. Die Preissteigerung von 17,28 auf 17,50 mag sich jeder selbst ausrechnen. https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/BWHeft_derivate_00016759/4111_92009.pdf Und jetzt eine Frage: wieviel Hendl kann sich ein Bauer von 100 kg Braugerste heute kaufen? Wieviel waren es 1992? Ja, ich weiß, alles ist teurer geworden. Energie, Geräte, Personal und so weiter. Aber eben auch für die Bauern…

Rapsöl? Palmöl? Wo ist der Unterschied?

Habt ihr euch eigentlich auch schon mal gefragt, wo der Unterschied zwischen Rapsöl und Palmöl ist? Und warum nimmt man nicht überall Rapsöl, wo doch Palmöl „aus fernen Ländern“ kommt und allein daher schon nicht besonders nachhaltig ist? Ich habe mich mal auf die Suche gemacht und mir dabei auch Hilfe von der KI geholt. Der Unterschied zwischen Rapsöl und Palmöl ist in vielerlei Hinsicht gravierend und lässt sich in drei Hauptbereiche unterteilen: gesundheitliche Aspekte, Eigenschaften und Verwendung sowie Nachhaltigkeit und Umweltbilanz. 1. Gesundheitliche Aspekte Hier liegt der wohl entscheidendste Unterschied aus Ernährungssicht: Rapsöl: Es gilt als eines der gesündesten Pflanzenöle, insbesondere wegen seiner Fettsäurezusammensetzung. Hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren: Rapsöl enthält einen sehr hohen Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Dazu gehören die wertvolle Ölsäure (einfach ungesättigt, auch in Olivenöl) sowie ein sehr gutes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure). Dieses Verhältnis ist für eine gesunde Ernährung von großer Bedeutung und kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Niedriger Anteil an gesättigten Fettsäuren: Rapsöl hat einen der niedrigsten Anteile an gesättigten Fettsäuren unter den …

Fischler: Bauern mit 50 ha Acker arbeiten einen Monat im Jahr

Bauern arbeiten noch weniger als Lehrer! So jedenfalls die Meinung von Franz Fischler, dem Ex-Agrarkommissar. Bevor Sie jetzt Schnappatmung bekommen: so Unrecht hat er nicht. https://www.topagrar.com/oesterreich/franz-fischler-ein-50-ha-ackerbauer-ist-30-tagejahr-beschaftigt-20018124.html Bevor Sie jetzt Schnappatmung bekommen: so Unrecht hat er nicht. Wer einen reinen Ackerbaubetrieb (Getreide, Mais, Zuckerrüben, Raps) ohne besonders arbeitsaufwändige Kulturen hat, kann mit 8 Stunden Feldarbeit und 2 Stunden für sonstige Tätigkeiten (Einkauf, Verwaltung, Dokumentation) durchaus hinkommen. Dann sind es rund 500 Stunden für 50 ha. In den Wintermonaten gibt es viel Freizeit. Jetzt kommt höhere Mathematik ins Spiel: wenn wir einmal annehmen, dass ein Landwirt an 5 Tagen in der Woche (unerlaubt!)  10 Stunden pro Tag arbeitet und dann noch 6 Stunden am Samstag (= 56 Stunden/Woche) ergibt dies laut meinem Taschenrechner 8,93 Wochen. In Deutschland und vermutlich auch in Österreich hat ein Monat rund 4 Wochen (exakt 4,33) . Teilt man 8,93 durch 4,33 ergibt dies exakt 2,06 Monate. Herr Fischler, rechnen Sie noch mal nach…. Und jetzt wieder ernsthaft: in Deutschland wurden 2023 rund 54% der landwirtschaftlichen Betriebe im Nebenerwerb bewirtschaftet. In Österreich waren …

„Wir melden uns nach kurzer Pause wieder“

Im Moment habe ich viel um die Ohren und daher kommt heute, am Sonntag, kein neuer Artikel. Gestern hatten wir Besuch von lieben Bekannten, heute haben wir Besuch von lieben Verwandten. Daher mal eine kurze Auszeit. Ihr müsst euch also keine Sorgen machen. Es  ist nichts passiert, ich habe nur aktuell keine Zeit. Außerdem will ich mir ein paar Tage zum Nachdenken nehmen. In der Zwischenzeit würde ich euch um Themenvorschläge bitten, die ihr für diskussionswürdig haltet. Schreibt die einfach in die Kommentare. Weil es immer einige gibt, die meine Artikelauswahl (oder deren Inhalte) kritisieren: jetzt habt ihr diei Chance, Einfluß zu nehmen. Was aber nicht gleich bedeutet, dass ich das dann auch mache. Da bin ich wie die Politiker… 🙂 Ich melde mich nächste Woche nach kurzer Pause wieder. Euer Bauer Willi

Realität statt Alarmismus – ein Podcast

Weil heute Samstag ist und samstags erfahrungsgemäß der Blog wenig frequentiert wird, hier ein Podcast mit Daniel Stelter, der überschrieben ist mit „Realität statt Alarmismus“. Eswerden viele Beispiele genannt, warum die Welt besser ist, als es uns durch unsere Medien vorgespielt wird und wir es daher auch so wahrnehmen. Wenn Sie also zum sonnigen Wochenende auch noch ein paar gute Nachrichten hören wollen, nehmen Sie sich die Zeit für den Podcast. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen  

Die „Transformation der Landwirtschaft“ wird nicht stattfinden

Nachdem die Ampel-Regierung es nicht geschafft hat, die Ausarbeitungen der Borchert- Kommission und der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) auch nur im Ansatz umzusetzen, ist schon jetzt erkennbar, dass auch die jetzige Koalition die erforderlichen Mittel bei weitem nicht zusammenbringt. In der Summe von Borchert-Kommission und ZKL wären für den Umbau der Landwirtschaft grob 10 Milliarden € jedes Jahr notwendig. Der Bundeshaushalt 2025 bleibt im Wesentlichen unverändert und es ist nicht zu erwarten, dass sich dies im Haushalt 2026 und folgende grundlegend ändert. Anders sind die bisherigen Äußerungen von Minister Alois Rainer nicht zu verstehen. Wenn man sich etwas wünscht, aber dafür kein Geld hat, dann kann der Wunsch nicht erfüllt werden. So einfach ist das. Die Borchert-Kommission hat ihre Tätigkeit inzwischen eingestellt, weil der Namensgeber Borchert es für sinnlos gehalten hat, Papiere zu produzieren, die nicht umgesetzt werden. Es wird Zeit, dass  sich auch die Zukunfts-Kommission Landwirtschaft auflöst.  Neue Vorschläge sind ohnehin nicht zu erwarten. Die Mitglieder können sich natürlich weiter auf freiwilliger Basis zusammenfinden. Wichtig wäre es jetzt, `der Gesellschaft“ und „den Medien“ klarzumachen, dass für …

Agrarhaushalt…

Ich habe mir gestern, 16.9.2025, im Fernsehen die Bundestagsdebatte um den Agrarhaushalt  angesehen. Was mir aufgefallen ist: ich kannte kaum einen Namen der Redner und Rednerinnen, die sich zu diesem Thema geäußert haben. Weil dort viele Zahlen genannt wurden, habe ich mal nachgesehen, wofür der Agrarhaushalt verwendet wird. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sollen 2025 6,88 Milliarden Euro zur Verfügung stehen – 2024 waren es 6,93 Milliarden Euro. Die Landwirtschaftliche Sozialpolitik umfasst Ausgaben von 4,09 Milliarden Euro (2024: 4,11 Milliarden Euro). Davon entfallen 2,39 Milliarden Euro auf die Zuschüsse zur Alterssicherung der Landwirte (2024: 2,44 Milliarden Euro) und 1,54 Milliarden Euro (2024: 1,52 Milliarden Euro) auf die Zuschüsse zur Krankenversicherung der Landwirte. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw38-de-landwirtschaft-1104018 Im obigen Link findet ihr auch die Reden des Tages. Unter „mehr anzeigen“ findet ihr auch die Rede von Minister Alois Rainer, der dort auch Aussagen zur den Förderung von Tierwohlställen macht. Die Rede von Ophelia Nick, ehemalige Staatssekretärin unter Cem Özdemir ist dahingehend „interessant“, weil sie genau das kritisiert, was sie, ihr Minister und ihre Partei in der Regierung nicht „auf die …