Monate: Februar 2026

Mit Tee krank statt schlank

Ein Gastbeitrag von Ludger Wess Pflanzenschutzmittel stehen häufig im Fokus öffentlicher Kritik. Weniger beachtet wird, dass auch natürliche Inhaltsstoffe in Tees und Nahrungsergänzungsmitteln wirksam sind und gesundheitliche Risiken bergen können. In regelmäßigen Abständen wird in den Medien die Angst vor Pflanzenschutzmitteln geschürt. Überall seien Rückstände nachweisbar und vor allem werde übersehen, dass auf Obst und Gemüse «nicht nur ein Pestizid haftet, sondern viele – und diese Mischungseffekte kaum bewertet werden». Nun bedeutet Nachweisbarkeit gar nichts, denn nachweisbar ist heute dank moderner Analytik die sprichwörtliche Erbse in einem Güterzug mit Bohnen, der halb um den Äquator reicht. Entscheidend ist wie immer die Dosis. Ein Fliegenpilz im Pilzragout ist nicht schlimm, aber acht machen sich bemerkbar. Das führt uns zum Thema der Grenzwerte, und da deren Einhaltung regelmässig überwacht wird, gibt es darüber Statistiken. 2024 analysierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) 16’423 Lebensmittelproben auf das Vorhandensein von Pflanzenschutzmittelrückständen. Rund die Hälfte dieser Proben wies überhaupt keine quantifizierbaren Rückstände auf. Im Vergleich zu 2023 entspricht dies einem deutlichen positiven Trend: Der Anteil der Proben ohne messbare Pestizidrückstände stieg um rund …

Deutsches Obst und Gemüse sind sauber

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) berichtet jedes Jahr über die Rückstände in Lebensmittel. So auch für das Jahr 2024. Im Berichtsjahr wurden 16.423 Proben in mehr als 6,3 Millionen Analysen auf 1.064 Stoffe untersucht. Das Ergebnis (Auszug) Die Hälfte der untersuchten Proben weisen keine quantifizierbaren Rückstände auf. Rückstände oberhalb des Grenzwertes: in Deutschland 1,0% der Proben bei Importen aus EU-Ländern 1,5% der Proben bei Importen aus Nicht-EU-Ländern 6,7% der Proben 80% der biologisch erzeugten Lebensmittel wiesen keine quantifizierbaren Rückstände auf. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln sind nur dann zulässig, wenn sie die geltenden Höchstgehalte nicht überschreiten und demnach gesundheitlich unbedenklich sind. Ein Überschreiten des festgesetzten Rückstandshöchstgehalts ist aber im Umkehrschluss nicht gleichbedeutend mit einem gesundheitlichen Risiko. Die Festsetzung eines Höchstgehalts geht von der Menge an Rückständen aus, die bei ordnungsgemäßem Einsatz der Präparate zu erwarten ist. Ein Risiko für die Gesundheit darf dabei nicht vorhanden sein. Bei einigen Lebensmitteln mit mehr als 100 untersuchten Proben wiesen mindestens drei Viertel der Proben Mehrfachrückstände auf, vor allem bei Kirschen, Grapefruits, Birnen, Rucola, Tafeltrauben, Erdbeeren, Orangen, …

EU-Farmbook: Hilfreich oder nicht?

Mehr durch Zufall habe ich von dieser Datenbank erfahren, die von der EU zur Verfügung gestellt wird. Dort werden wissenschaftliche Arbeiten rund um Land- und Forstwirtschaft erfasst und können über Suchbegriffe aufgerufen werden. https://eufarmbook.eu/de Und so beschreibt sich das Portal: „EU-FarmBook ist ein Horizon Europe Projekt, das auf regionaler, nationaler und europäischer (EU) Ebene am Aufbau einer Online-Plattform arbeitet. Sammeln und Teilen von land- und forstwirtschaftlichem Wissen. EU-FarmBook ist die Antwort auf die tatsächlichen Bedürfnisse von Landwirten, Forstwirten und Beratern. Das Horizon Europe Projekt bietet einen interaktiven, mehrsprachigen Treffpunkt für land- und forstwirtschaftliche Gemeinschaften und ermöglicht den Zugang zu vertrauenswürdigen Wissensobjekten gemäß den Grundsätzen für auffindbare, zugängliche, interoperable und wiederverwendbare Daten (FAIR). Die Nutzer von EU-FarmBook können interagieren und innovative Wege zur Lösung ihrer täglichen Herausforderungen erkunden.“ Ich habe die Datenbank einmal ausprobiert und den Begriff „regenerativ“ eingegeben. Es wurden 6 Ergebnisse gefunden. Beim Suchbegriff „Bioschweine“ waren es 11 Ergebnisse, beim Suchbegriff „Stallbau“ immerhin 16 Ergebnisse. Wirklich überzeugt haben mich die Ergebnisse allerdings nicht, aber vielleicht findet der ein oder andere doch was Brauchbares.

Ein Protest – aber Menschen für Menschen

Schon wieder Protest? Ja und nein. Wer ist nicht mit Teilen der Politik einverstanden? Aber statt zu streiken oder auf die Trecker zu steigen hatte Jürgen Donhauser eine andere Idee „Taten statt schweigen“. In dieser Challenge geht es darum, in einem Video zu erläutern, was im eigenen Bereich, der eigenen Branche nicht gut läuft. Zu Beginn hält man einen 50 €-Schein hoch und stellt sich vor, dann erfolgt die Begründung und zum Schluß sagt man, an wen man die 50 € spendet und wen man als nächstes nominiert. Bei mir sind es Bernhard Barkmann, Markus Wipperfürth, Ralf Pauelsen und Ludger Wess. Da Jürgen mich nominiert hat, habe ich mir auch Gedanken darüber gemacht, was nicht gut läuft. Es sind (in aller Kürze): Bürokratie, Lebensmittelimporte und Erbschaftssteuer. (Das Video kann ich hier leider nicht hochladen) Meine 50 € gehen an die BAG Familie und Betrieb e.V. die landwirtschaftliche Familienberatung machen und Sorgentelefone betreiben. Ich denke, da ist das Geld gut aufgehoben. Überhaupt finde ich es gut, wenn wir Bürger auch privates Engagement zeigen und nicht alles …

„Ich möchte gerne die alten Sorten“

Immer wieder liest man, dass es ja „schade ist, dass es die alten Sorten nicht mehr zu kaufen gibt“. Meist mit dem Zusatz, dass statt dessen „nur die Sorten der industriellen Landwirtschaft angeboten werden“. Was ist da dran? Dass es diesen Wunsch gibt, ist erst einmal zu akzeptieren. Wahr ist aber auch, dass es die alten Sorten durchaus zu kaufen gibt. Sogar bei uns im Ort bei Kartoffelkult, die sich auf alte Kartoffel-Sorten spezialisiert haben. Unser Sohn hat sich damit auch eine Zeitlang beschäftigt, dann aber auf die Produktion für den Eigenverbrauch reduziert. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Sorten wie z.B. Bamberger Hörnchen oder Blauer Schwede ein- oder zweimal gekauft werden, aber nach dem ersten Spontankauf der Verbraucher zum Gewohnten zurückkehrt. Und bei Getreide? Mittlerweile gibt es Emmer, Einkorn und Dinkel nicht nur im Reformhaus zu kaufen sondern auch beim gutsortierten Supermarkt. Auch hier macht man ähnliche Erfahrung: nach einem ersten Probieren sind nur wenige Käufer bereit, den höheren Preis dafür zu bezahlen. Und der Preis muss höher sein, weil die Erträge dieser alten …

Moralische Totalität, moralische Expansion…

Zum Sonntag etwas zum Nachdenken. Es hat mit Landwirtschaft eher nichts zu tun, sondern ist ein gesamtgesellschaftlicher Text, den man überschreiben könnte: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ https://www.cicero.de/kultur/deutschlands-moralischer-allmachtsanspruch-vom-eroberer-der-welt-zum-retter-der-welt Hier ein Auszug: „Dabei ist Begrenztheit kein moralisches Versagen, sondern eine anthropologische Konstante. Kein Individuum, keine Gesellschaft und kein Staat kann unbegrenzte Verantwortung tragen, ohne sich selbst zu destabilisieren. Wer diese Tatsache ignoriert, ersetzt Realpolitik nicht durch Humanität, sondern durch Ideologie. Ideologien scheitern selten an ihren Idealen, sondern an ihrer Blindheit gegenüber Nebenfolgen. Ideologien zeichnen sich weniger durch falsche Werte aus als durch ihre Immunität gegenüber Realität. Sie dulden keine Gegenargumente, weil jede Begrenzung als moralischer Verrat interpretiert wird. Deutschlands aktuelle Herausforderung ist nicht ein Mangel an Moral, sondern der Verlust des Maßes. Ein Sozialstaat, eine Migrationspolitik, eine Klimastrategie ohne Begrenzung verlieren ihre Tragfähigkeit. Der moralische Daueralarmzustand stärkt uns am Ende nicht, sondern schwächt uns. Vielleicht liegt der eigentliche zivilisatorische Fortschritt nicht darin, die Welt retten zu wollen, sondern darin, anzuerkennen, dass wir es nicht können. Reife zeigt sich nicht im Anspruch auf Allmacht, sondern in …

Jung macht Mut

In den vergangenen Wochen war ich zu Vorträgen von Andechs bis Würzburg unterwegs und immer ging es um Fleckvieh. Ich war eingeladen, um ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern – darüber, wie wir Landwirte eigentlich mit der Gesellschaft kommunizieren (oder warum wir es oft eben nicht hinkriegen). In den Sälen saßen gestandene Bauern aber, und das war sehr erfreulich und für mich unerwartet, sehr viele Junglandwirte, Hofnachfolger, Agrarstudenten – die Bude war voll mit der nächsten Generation. Beim Vortrag in Triesdorf hatte man sogar einen Clown eingeladen, der im Vorraum des „Alten Reithaus“ die Kleinsten (von etwa 3 bis 7 Jahren) während der Veranstaltung beschäftigt und bespasst hat. Wenn man das sieht, kann ich nur sagen: Das macht Mut! Wenn ich in diese jungen Gesichter geschaut habe, dann habe ich da keinen Frust gesehen (okay, ein bisschen über die Bürokratie schon, das gehört dazu), sondern Bock auf Landwirtschaft. Was Kommunikation angeht: Die junge Generation weiß, wie man ein Smartphone bedient. Die haben keine Berührungsängste, ihren Alltag auf Instagram oder TikTok zu zeigen. Die reden …

Nutztierhaltung – nicht wegzudenken!

Im Januar war ich zu Vorträgen in Triesdorf, in Würzburg und in Raisting von den dort tätigen Zuchtverbänden eingeladen. Für mich waren es Tage, in denen ich einiges gelernt habe, zumal ich von Tierhaltung wenig Ahnung habe. Die führende Rasse in diesen Gebieten ist das Fleckvieh. Diese Rasse hat zwar nicht die gleiche Milchleistung wie Holstein-Frisian in Norddeutschland, aber bringt es doch auf 8.000 bis 9.000 kg. Weil die Rasse gleichzeitig gutes Fleisch liefert, werden Kälber von 85 – 100 kg zu Preisen von 550 € an aufwärts gehandelt. Wir (meine Frau und unsere Tochter waren auch mit) konnten selbst bei der Kälberauktion in Ansbach dabei sein, wo an einem Tag über 1.100 Kälber versteigert wurden. Eine weitere Rasse, die aber mittlerweile selten geworden ist, war im Zuchtverband Franken das Gelbvieh. Hier liegt die Milchleistung mit 5.500 bis 7.000 kg deutlich niedriger als beim Fleckvieh. Diese Rasse steht meist in kleineren Betrieben, deren Zukunft ungewiss ist. Wenn diese Betriebe aufhören, ist es um die Zukunft des Gelbviehs schlecht bestellt. Im Zuchtverband Weilheim spielt neben dem …

Aktuell: Der NABU gegen den gesunden Menschenverstand

In Berlin wurde für einen begrenzten Zeitraum der private Einsatz von Streusalz erlaubt. Dagegen hat der NABU e.V. geklagt und heute Recht bekommen. Dies kritisiert selbst Ricarda Lang: https://www.spiegel.de/panorama/berlin-ricarda-lang-kritisiert-nabu-im-streusalz-streit-a-17679c8b-cd74-473f-960b-f74880685eaf Der Versuch des NABU nach Schadensbegrenzung (siehe Link) dürfte nicht jeden überzeugen. https://www.facebook.com/NABUBerlin Auf mich wirkt er zynisch…

Rukwied: Auszüge aus einer Rede

Am 2. Februar war ich auf der Mitgliederversammlung unseres Rübenbauerverbandes. Als Hauptredner war der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, eingeladen. Aus seiner mehr als einstündigen, frei gehaltenen Rede hier einige Auszüge (Reihenfolge wie gesprochen). Europa ist nicht mehr auf dem Spielfeld sondern steht auf der Seitenlinie Europa hat bisher Klimaschutz und Biodiversität über alles gestellt Farm to fork und Green Deal müssen, so wie es derzeit diskutiert wird, gestrichen werden Wir müssen die EU reformieren. Nur so kommen wir wieder aufs Spielfeld Wir haben noch nicht den Politikwechsel, der dringend nötig ist Ich kann es nicht akzeptieren, dass Lebensmittel aus Übersee auf unseren Markt kommen, bei denen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die bei uns nicht zugelassen sind Wir sind gegen Mercosur (Bezug zum Video, in dem Bundeskanzler Merz dem DBV „dankt“. Er erläutert den Hintergrund, der zu dieser Formulierung geführt hat) wir brauchen die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit „Naturflächenbedarfsgesetz“ im Koalitionsvertrag: Wir brauchen diese Flächen um Lebensmittel darauf herzustellen Wir brauchen mehr Vertrauen in unsere Arbeit. Wir sind sehr gut ausgebildet und wissen, was gut für …