Monate: März 2026

Agrarwissenschaft aktuell

Ich habe die News der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen abonniert, die auf der Seite Agrardebatten.de veröffentlich werden. So versteht sich das Portal: „Der Blog richtet sich an alle, die sich für agrarwissenschaftliche Themen interessieren. Mit objektiven Informationen und mit wissenschaftlichem Anspruch werden diverse Perspektiven zu verschiedenen Themen rund um die Agrarwissenschaft eingenommen. Denn auch die Wissenschaft ist sich nicht immer einig und das ist auch gut so! Daher möchten wir an dieser Stelle drauf aufmerksam machen, dass die Autor:innen für ihre Beiträge selbst verantwortlich sind. Der Blog steht für die Vielfalt der Meinungen und spiegelt nicht eine einzige Fakultätsmeinung wieder.“ In der neuesten Mail von Februar wurden unter anderem folgende Themen veröffentlicht: Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen Hier geht es unter anderem darum, dass Schafe bei Hitze und Sonnenschein unter den Solarmodulen den Schatten nutzen. Ein weiteres Forschungsfeld ist die …

Es war nicht die Landwirtschaft

Ein Gastartikel von Jürgen Donhauser Jahrzehntelang mussten sich Landwirte in Sachen Glyphosat und Gewässerverschmutzung  Vorwürfe gefallen lassen, bis sich jetzt immer mehr bestätigt:  Sie sind nicht die Schuldigen. Glyphosat entsteht in Kläranlagen. Ebenso verhält es sich jetzt mit der Unwahrheit, die intensive Tierhaltung sei der Verursacher von Antibiotikaresistenzen. In einer rumänischen Eishöhle wurden multiresistente Keime gefunden, 5000 Jahre alt – ein Superkeim und gleich gegen 10 Antibiotika resistent. Dies ist übrigens nicht der erste Fund. Bereits vor einigen Jahren wurde in der Lechuguilla-Höhle in New Mexico auch ein multiresistenter Keim gefunden. Wie kann das sein? In den Medien wurde bei dem Begriff „Antibiotika-Resistenz der Fokus weg von der Humanmedizin, hin zur Veterinärmedizin gewendet. „Die bösen Bauern mit ihrer Massentierhaltung sind schuld, dass immer weniger Antibiotika wirken“- so hieß es. Es war also wieder ein „gefundenes Fressen“ für angebliche „Tier- und Umweltschützer“ um gegen die moderne, konventionelle Landwirtschaft ins Feld zu ziehen. Dass Antibiotika-Resistenzen in anderen Ländern kaum eine Rolle spielen, wurde ebenfalls verschwiegen. Die Niederlande beispielsweise haben in den Krankenhäuser ein anderes (besseres) Hygienesystem. Schon …

Glückwünsch, Herr Özdemir

Sehr geehrter Herr Özdemir, Zum Zeitpunkt, als ich diesen Artikel geschrieben habe, liegen zwischen Ihrer Partei und der CDU  0,6%. Das ist nicht viel, aber es würde reichen, dass Sie zum Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg gewählt werden könnten. Ich bin ehrlich: ich habe bis vor ein paar Tagen nicht damit gerechnet. Es gehört sich aber für Demokraten, dass man anerkennt, wenn ein Anderer als der Erwartete als „Sieger vom Feld“ geht. Was mir am heutigen Abend gefallen hat: Sie haben zum Ausdruck gebracht, dass Sie ihre Politik am Wohl des Landes und nicht an den Vorgaben der Partei ausrichten wollen. Sie wollen Politik für alle machen, auch für die, die Sie nicht gewählt haben. Das haben zwar schon viele gesagt und dann nicht gehalten, aber für den Moment nehme ich Ihnen das erst einmal ab. Gut fand ich am heutigen Abend auch, dass Ihr Wettbewerber Hagel von der CDU Ihnen zum Wahlerfolg gratuliert hat. So gehört sich das auch unter Demokraten. Und wie sagten Sie sehr richtig: ein Koalitionspartner ist kein Feind. Das hätten Sie in …

Omega-3-Fettsäuren – was ist wirklich dran?

Es gibt eine Reihe von Lebensmitteln, aber auch von Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Gehalt von Omega-3-Fettsäuren werben. Allgemeines Wissen dürfte sein, dass Fisch einen relativ hohen Gehalt (pro Portion etwa 4.000 mg) hat. Auch Milch enthält Omega-3-Fettsäuren, allerdings in einer deutlich geringeren Konzentration. Um eine Portion Lachs (ca. 200 g) zu ersetzen, müsste man etwa 20 Gläser Milch trinken. Heumilch oder Weidemilch enthalten etwas mehr Omega-3-Fettsäuren, da die Kühe überwiegend (frisches) Gras und Kräuter fressen. Unter den Milchalternativen ist Mandeldrink zu nennen. Allerdings müsste man davon täglich über 10 l trinken, um nur annähernd in den Bereich von einer Portion Fisch zu kommen. Aber was bringen Omega-3.Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt und ist der Hype darüber berechtigt? Das wurde von Ärzten untersucht. https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2019/2019-03-04/supplemente-mit-omega-3-fettsauren-gibt-es-evidenzbasierte-indikationen Das Ergebnis in Kürze: (Zitat): Die aktuelle Studienlage liefert keine Rationale dafür, die derzeit verfügbaren ω3FS-Supplemente bei irgendeiner Patientengruppe zur Senkung des kardiovaskulären Risikos einzusetzen. Gleiches gilt für die Anwendung zur Prophylaxe oder Therapie von Demenzen, neurodegenerativen Erkrankungen, Depressionen, Tumorkachexie und für die unspezifische Anwendung bei kritisch Kranken. (Zitatende) Wer mehr wissen will, …

Brot haben…

Ein Text von Anke Lautner Alle reden über Bio. Mein Vater nicht. Er ist 95. Er hat Krieg, Hunger und echte Knappheit erlebt. Ihm ist egal, ob das Brot bio-zertifiziert ist. Ihm ist wichtig, dass das Brot da ist. Das ist der Teil, den viele Salon-Moralisten nicht mehr verstehen. Bio ist für einen Teil der Gesellschaft ein Lifestyle. Für den anderen Teil ist Essen immer noch Überleben. Während hier darüber philosophiert wird, ob die Möhre „rein genug“ ist, steht woanders jemand vor dem Regal und rechnet. Reicht das Geld bis Monatsende. Oder nicht. Für die einen ist Bio eine Haltung. Für die anderen ist Bio ein Luxus. Und Luxus steht nicht auf der Prioritätenliste, wenn der Kühlschrank leer ist. Wer dann von „böser“ Landwirtschaft redet, weil nicht alles bio, regional, saisonal und moralisch maximal steril ist, zeigt nur eines: Wie weit er sich von der Realität entfernt hat. Landwirtschaft hat zuerst eine Pflicht. Menschen satt machen. Alle. Nicht nur die, die genug Geld und Zeit haben, um über Ideale zu diskutieren. Mein Vater misst Landwirtschaft …

Aktuell: Lebensmittelpreise steigen wegen Iran-Krieg sprunghaft an

Wie der Verband der deutschen Bauern (VDB) in seiner Pressekonferenz vom 3.3.2026 mitteilt, sehen sich die deutschen Bauern gezwungen, die Preise für ihre Produkte deutlich zu erhöhen. Folgende Basispreise gelten ab dem 6. März: Raps:           600 €/t Weizen:      250 €/t Kartoffeln:  40 €/dt Zuckerrüben: 60 €/t Schweinefleisch: 2,50 € kg SG Milch:    0,65 €/l (Biomilch + 20 Cent) Diese Preissteigerungen sind notwendig geworden, weil durch den Krieg im Iran nicht nur Diesel und Düngemittel deutlich teurer geworden sind, sondern auch weitere Hilfs- und Betriebsstoffe sowie die Logistik. Da damit zu rechnen ist, dass auch Pflanzenschutzmittel teurer werden, darf die Liquidität der Betriebe nicht über Gebühr strapaziert werden. Was die Forderungen an die Politik angeht, schließen sich die Landwirte den Aussagen des Geschäftsführer des BVE, Christoph Minhoff an. https://www.bild.de/politik/inland/preis-knall-wegen-iran-krieg-lebensmittel-industriewarnt-vor-kosten-tsunami-69a6dfb9674e1629a77d1e82? Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, wollen die Mitglieder des BVE (u.a. Nestle, Coca-Cola, Ferrero, Haribo etc.) einen Teil der Preissteigerung für verarbeitete Lebensmittel durch Verzicht auf die Gewinnmarge auffangen. Zitat eines Mitgliedes des BVE: „Wir haben …

„Neue genomische Techniken“ – ein wissenschaftliches Interview

Das folgende Interview hat Ludger Wess mit Prof. Dr. Andreas Weber von der Uni Düsseldorf geführt.  Der Artikel ist zuerst in der Zeitschrift „Cicero“ erschienen. Ich darf ihn dankenswerterweise im Original auch bei mir veröffentlichen. https://www.cicero.de/wirtschaft/neuregelung-der-neuen-genomischen-techniken-in-der-pflanzenzucht-durch-die-eu-die-neuen-regeln-konnten-eine-welle-von-innovationen-auslosen Interview Prof. Dr. Andreas Weber zur Neuregelung der neuen genomischen Techniken in der Pflanzenzucht durch die EU Als vor mehr als 20 Jahren die Gentechnikrichtlinie der EU verabschiedet wurde, gab es Züchtungstechnologien wie Gene Editing noch nicht. Diese neuen genomischen Technologien, NGT genannt, können sehr elegant Veränderungen in einer Pflanze hervorrufen, die von einer natürlichen Veränderung nicht zu unterscheiden sind und daher auch kein besonderes Risiko darstellen. Doch im Juli 2018 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass auch solche Pflanzen unter die geltende Gentechnik-Gesetzgebung fallen – selbst wenn keine neuen Gene eingeführt werden und selbst dann, wenn die gleiche Veränderung auch zufällig in der Natur oder durch traditionelle Züchtung hätte entstehen können. Das Urteil bedeutete ein De-facto-Verbot für diese Pflanzen. Damit wurde klar, dass eine Anpassung der veralteten EU-Gentechnik-Regeln an die neusten Entwicklungen notwendig war. Nach langem Zögern, vielen Gutachten, …

Bio boomt – aber die Bauern machen nicht mit

In der Presse der letzten Wochen wird immer wieder angeführt, dass sich der Markt für Bio-Lebensmittel deutlich im Aufschwung befindet. Von einem Umsatzplus zwischen 7 und 10% ist die Rede. Somit erreichte er einen Jahresumsatz von rund 18 Milliarden. Zum Vergleich: der Umsatz 2024 des stationären Lebensmitteleinzelhandels wird mit rund 210 Mrd. angegeben. Diese Zahlen gelten aber nur für den Umsatz im Laden. Auf der Seite der landwirtschaftlichen Erzeuger ist festzustellen, dass kaum neue Betriebe hinzukommen. Die Zahl derjenigen, die mit Bio aufhören und die neu einsteigen hält sich halbwegs die Waage. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bioprodukte-boomen-mit-Milliardenumsatz-id30346139.html https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/landwirtschaft-bio-kraeftig-im-plus-aber-nicht-auf-den-feldern-01/100187126.html Nicht neu sind die Aussagen seitens des Verbandes und der Politik: „Forderung an die Politik Die BÖLW-Chefin verlangte klare Signale aus der Politik, um das 30-Prozent-Bio-Ziel in der Nachhaltigkeitsstrategie zu verankern. Der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer müsse sich dafür in Brüssel einsetzen, dass die EU-Agrarpolitik die Bezahlung der Umweltleistungen des Ökolandbaus in den Fokus nimmt. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) forderte Landwirte zur Umstellung auf Bioerzeugung auf. Die Ministerin sagte, die Chancen für Unternehmen, die eine Umstellung planen, seien so gut …