Monate: März 2026

Aktuell: „Frittensteuer“

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, sind zum 1. April drei neue Steuern geplant Fettsteuer Salzsteuer Stärkesteuer Mit diesen Steuern will das Bundesgesundheitsministerim (BMG) seiner Aufgabe, für eine „gesunde Lebensführung in der Bevölkerung“ zu sorgen, nachkommen. Im Volksmund wird diese Kombination von Steuern auch „Frittensteuer“ genannt, weil bei der Herstellung der bei der Bevölkerung so beliebten Kartoffel-Spezialität alle drei Substanzen zum Einsatz kommen. Nach den Plänen des BMG soll die Salzsteuer 0,40 €/kg betragen. Bei Fett und Stärke, dass in der Regel nur in verarbeiteten Produkten vorkommt, soll die Steuer pro Prozent Fett erhoben werden, wobei die ersten 5% Fett steuerfrei bleiben. Danach nimmt die Steuer nicht linear sondern progressiv zu, so dass von einer deutlichen Verteuerung auszugehen ist.  100 g Pommes Frittes sollen zukünftig so auf ein Preis von 5,00 € kommen. Die Grünen hatten ja schon vor Jahrzehnten gefordert, dass Pommes 5 Deutsche Mark kosten müssten. Wie nicht anders zu erwarten, haben diverse Verbände gegen die Einführung dieser Steuern Widerstand angekündigt. Desweiteren haben Salzburg und das Salzkammergut Klage wegen Verunglimpfung …

Internationale Handelsabkommen und die Landwirtschaft

Die EU schließt immer wieder Handelsabkommen ab um den Marktzugang für heimische Unternehmen zu verbessern und gleichzeitig die Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln zu sichern. In den letzten zwei Jahren (2024 bis Anfang 2026) gab es zahlreiche Abkommen bei denen ich den Bereich Landwirtschaft besonders beleuchtet habe, weil sie oft das sensibelste Thema der Verhandlungen darstellte. Hier eine Übersicht der wichtigsten Abkommen und deren Auswirkungen auf den Agrar- und Lebensmittelsektor: EU-Neuseeland: Das am 1. Mai 2024 in Kraft getretene Freihandelsabkommen gilt als das „grünste“ Abkommen der EU. Deutsche Exporteure profitieren vom Wegfall der Zölle auf hochwertige verarbeitete Lebensmittel wie Schokolade, Zuckerwaren, Wein und Schweinefleisch. Um den heimischen Markt vor Billigimporten zu schützen, wurden für sensible Produkte wie Rindfleisch, Butter und Käse Zollkontingente festgelegt. Das bedeutet, nur begrenzte Mengen dürfen zollfrei oder vergünstigt eingeführt werden. Neuseeland ist einer der weltweit effizientesten Milchproduzenten. Um die deutschen Molkereien nicht zu überrollen, wurden die Quoten über einen Zeitraum von 7 Jahren gestaffelt eingeführt: Butter: Die Quote steigt schrittweise auf 15.000 Tonnen (bei einem reduzierten Zollsatz von 5%). Käse: Hier …

Weltwassertag…und wieder Fehlinformationen

Am 22. März war Weltwassertag. Ich hätte davon nichts mitbekommen, wenn mir nicht ein Freund einen Post von LinkedIn geschickt hätte, in der das Portal landwirtschaft.de schreibt, dass für ein Kilo Kartoffeln 119 Liter Wasser verbraucht werden. Er wollte wissen, ob das stimmt. Ich habe dann im Portal nachgesehen, was dort über den Wasserverbrauch landwirtschaftlicher Produkte geschrieben steht. https://www.landwirtschaft.de/umwelt/natur/wasser/wasserfussabdruck-wie-viel-wasser-steckt-in-landwirtschaftlichen-produkten Und dann habe ich mich sehr geärgert: Dort steht neben der Zahl für Kartoffeln, dass für ein Kilo Rindfleisch 15.400 l Wasser „verbraucht“ werden. Ich habe hier schon mehrfach darüber geschrieben, dass diese Zahl in doppelter Hinsicht falsch ist. Zum einen „verbrauchen“ landwirtschaftliche Kulturen kein Wasser, denn es ist ja nicht weg sondern kehrt in den Wasserkreislauf zurück, zum anderen wird in den sogenannten „Verbrauch“ auch der Regen eingerechnet, der auf die Fläche fällt, auf der die Kultur wächst. Geärgert habe ich mich aber besonders darüber, weil das Portal landwirtschaft.de der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung  gehört, die als staatliche Organisation eigentlich sauber recherchieren und wissenschaftlich argumentieren sollte. Immerhin hat sie 1.800 Mitarbeiter. Was auch unwissenschaftlich …

Anders düngen: Gute Ratschläge…

Das Thema Dünge- und Lebensmittel wird mittlerweile in den Medien breit diskutiert. Hier ein paar Bemerkungen zu Aussagen, die ich so oder ähnlich dort in den Kommentaren gefunden habe Die Bauern sollen jetzt mehr Gülle und Stallmist einsetzen Bereits heute wird sämtliche Gülle und ihre „Derivate“ (Gärrest) in der Landwirtschaft verwertet. Wurde er in manchen Jahren kostenlos abgegeben, ist er aktuell deutlich im Preis angezogen. Wenn er vom Lohnunternehmer ausgebracht wird, muss ein Aufschlag für den höheren Dieselpreis gezahlt werden. Wer „Alt-Kunde“ ist, bekommt die Ware, wer jetzt erstmalig bestellt, muss warten, ob noch was übrig bleibt. Noch etwas gebe ich zu bedenken: Wenn wir mehr Gülle und Stallmist haben wollen, müssen wir mehr Tiere halten. Das geschieht aber nur, wenn sich damit Geld verdienen lässt und das ist im Augenblick sehr schwierig. Stallmist fällt heute nur noch in wenigen Betrieben an und wird selten über weite Strecken gehandelt. Ausnahme: Champost. Das ist Pferdemist, der in einer Mischung mit anderen Substraten zur Anzucht von Champignons verwendet wird. Dieser Markt besteht aber schon seit langem und …

Mindestlohn: Gespaltene Union

Die Diskussion um den Mindestlohn in der Landwirtschaft läuft seit geraumer Zeit. Auf dem Parteitag der CDU wurde gefordert, dass es für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft Ausnahmen geben soll. Gerade im Obst-, Gemüse und Weinbau kommen ausländische Arbeitskräfte nur für einige Wochen. https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/cdu-will-weiter-ausnahmen-vom-mindestlohn-agrarministerium-sagt-nein-20023986.html? Nun macht das BMLEH („Landwirtschaftsministerium“) klar, dass es beim Mindestlohn keine Ausnahmen für die Landwirtschaft geben wird. Interessant ist dies deshalb, weil das Ministerium mit Alois Rainer durch ein Mitglied der CSU besetzt ist. Die Sprecherin wird wie folgt zitiert. „Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn sind nicht möglich. Der Mindestlohn ist als absolute Lohnuntergrenze gesetzlich verankert. Damit sind Ausnahmen für bestimmte Branchen – wie die Landwirtschaft – nicht vereinbar“, Es könne auch keine Ausnahmen für geringfügig Beschäftigte – wie Saisonarbeitskräfte – geben. Dies ergebe sich aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes.“ Völlig unverständlich wird es, wenn man weiterliest: (Zitat aus top agrar) „Dass der bundesweite Mindestlohn zur Belastung für viele deutsche Höfe wird, sieht auch das Agrarministerium. Kostensteigerungen könnten wegen der knappen Gewinnspannen häufig nicht oder nicht vollständig von den Betrieben kompensiert werden. Laut …

Bauern düngen jetzt nur noch die Hälfte

Dünger ist innerhalb weniger Wochen extrem teuer geworden. Mittlerweile ist dies auch ein Thema in den Medien. Am 18. März war es ein separates Thema im Morgenmagazin, aber auch andere Portale berichten darüber. https://www.zdfheute.de/video/zdf-morgenmagazin/diesel-landwirtschaft-kosten-100.html Einen Tag vorher hat mich das Portal EuroNews zum Thema befragt. Unter anderem wollte die Redakteurin wissen, was die Regierung nun wohl machen würde um die Situation für die Landwirte zu entspannen. Ich fand die Frage „interessant“. https://de.euronews.com/2026/03/20/landwirte-dungemittel-russland Wie sollen und können Bauern jetzt reagieren? Mein Vorschlag: alle Bauern weltweit düngen in 2026 die Hälfte des Bedarfes, vor allem bei Stickstoff. Dieser Nährstoff ist essentiell für das Wachstum, von daher wird eine Halbierung der Ernährung zu dem führen, zu dem es auch beim Menschen führt: zu Hunger. Eine hungernde Pflanze wird nicht nur zu weniger Ertrag sondern auch zu deutlich schlechterer Qualität führen. Möglicherweise wird der geerntete Weizen nur noch als Tierfutter verwendet werden. Sollte es eine (geringe) Menge an Qualitäts-Backweizen geben, wird dieser deutlich im Preis steigen. Wenn alle Kulturen nur noch die Hälfte des notwendigen Düngers erhalten, wird es …

Agrarkommunikation für Landwirte

Durch einen Zufall habe ich von dem Portal „Agrarkommunikation.de“ erfahren. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen   Wenn man oben auf der Seite den Button YouTube anklickt, landet man auf der Seite DLG- Landwirtschaft, die etwas über 700 Abonnenten hat. Gleiches passiert, wenn bei Facebook nachsieht. Hier ist es DLG. e.V. , die auf diesem Portal immerhin 5.800 Follower hat. Die gleichen Inhalte werden auch auf Instagram geteilt. Doch zurück zu „Agrarkommunikation.de“ Das Portal ist untergliedert in Öffentlichkeitsarbeit Initativen Agenturen Toolbox Blog Bei Initiativen findet man regionale und überregionale Portale, wie z.B. Dialog Milch oder Die bayerischen Bauern. Manche dieser Initiativen sind sehr bekannt, andere weniger. Bei Agenturen werden kommerzielle Agenturen angezeigt, deren Schwerpunkt Landwirtschaft im weitesten Sinne ist. Durchaus hilfreich, wenn man selber in Werbung für den eigenen Hof und/oder eigene Produkte machen will. Sehr interessant und für den Praktiker hilfreich …

So geht das mit dem EU-Antrag

Dieser Artikel richtet sich vor allem an diejenigen, die nicht wissen, was ein Landwirt beim EU-Antrag und sonstigen Regelungen zu beachten hat. Unser Wochenblatt, die LZ Rheinland, gibt dazu jedes Jahr im Frühjahr ein Heft „Ratgeber Förderung“ heraus, dass in diesem Jahr 86 eng beschriebene Seiten umfasst. Eine Doppelseite mit den „GLÖZ“ (ich komme noch darauf) sind im Titelbild zu sehen. In NRW heißt das Programm, mit dem der EU-Antrag gestellt wird, ELAN. Ich weiß nicht, wer sich diesen Namen ausgedacht hat, aber die meisten Landwirte werden wohl mit wenig Elan an das Ausfüllen der vielen Formulare gehen. Was bei den Artikel im Heft auffällt: für jeden Sachverhalt gibt es einen anderen Autor oder Autorin. Die Regelungen sind so speziell und diffizil, dass es kaum jemand schafft, alles zu übersehen. Wir Landwirte sollen dies jedoch leisten. Logisch, dass sich da schnell Fehler einschleichen können. Welche „Subventionen“ gibt es denn? Alle Angaben sind ohne Gewähr, die Beträge sind vorläufig und gerundet.Es können auch nicht alle Bedingungen aufgeführt werden, unter denen die Prämien gezahlt werden. Dazu müsste …

Über was reden wir eigentlich?

Diesen Beitrag habe ich von Andreas Sommers übernommen. Auf seinem Blog https://www.andreas-sommers.de/ beschäftigt er sich vor allem mit Brot und Backen. Sein Text erinnert mich sehr an Diskussionen, wie wir Landwirte sie auch häufig führen. „Mir fällt immer wieder auf, vor allem in persönlichen Diskussionen, wenn es um die Ernährung geht, dass Missverständnisse entstehen.  Ganz einfach, weil nicht klar ist, über was eigentlich geredet wird. Am deutlichsten zeigte es die Diskussion über „den Weizen“ in den letzten Jahren. Ich bin Ernährungsberater und Getreideexperte. Ich bin mit auf den Feldern, auf denen das Getreide gedeiht. Bekomme es aus dem Drusch (Ernte), mahle es, siebe es, verarbeite es mit meinen Sauerteigen zu köstlichen und gesunden Lebensmitteln. Ich denke also, ich weiß, über was ich rede. Trotzdem gibt es immer wieder Animositäten, wenn ich auf Menschen treffe, die mir andeuten, dass sie sich ja auch mit Ernährung beschäftigen. Oft ist die Eingangsfrage: „Haben Sie etwas ohne Weizen?“, auch gern genommen: „Haben Sie glutenfreie Produkte?“. Hinterfrage ich diese Fragen, wird es oft wirr. Ich möchte das hier jetzt nicht …

Dünger ist knapp und teuer – na und?

So oder ähnlich könnte der Verbraucher auf die Meldung reagieren, dass Dünger teuer geworden ist. So titelt das Handelsblatt: „Droht deutschen Bauern ein Dünger-Desaster?“. Dabei wird verkannt, dass der Düngermarkt ein Weltmarkt ist und weniger Dünger nicht nur die Landwirte betrifft. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/irankrieg-droht-deutschen-landwirten-ein-duenger-desaster/100206234.html Table-Briefings hat den Ernst der Lage auch erkannt, sieht aber vor allem die Nahrungsmittelversorgung in Afrika gefährdet. Das ist durchaus realistisch, denn knappe Ware bekommt derjenige, der auch bezahlen kann, also über die notwendige Liquidität verfügt. https://table.media/africa/news/ernaehrungssicherheit-wie-der-iran-krieg-die-duengerpreise-erhoeht Laut Aussage des europäischen Bauernverbandes sind die Importe von Düngemittel im Frühjahr 2026 dramatisch eingebrochen. Es ist die Rede von einem Rückgang zwischen 70 und 80%. Hinzu kommt der „Klimazoll“. Für die jetzt anstehende Frühjahrsdüngung im Getreide dürften viele Landwirte bereits gekauft haben, aber für spätere Termine könnte die Ware ganz einfach fehlen. https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/iran-krieg-und-klimazoll-eu-bauernverband-warnt-dunger-knappheit-20023962.html Nun könnte man auf die Idee kommen, den mineralischen Dünger (sogenannter „Kunstdünger“) durch organischen Dünger (in der Regel Gülle oder Gärrest)  zu ersetzen. Dies ist theoretisch möglich, praktisch stößt dies jedoch an Grenzen, weil die verfügbare Menge begrenzt ist und viele Ware …