Jahr: 2026

Es wird ernst…die Trockenheit nimmt kritische Ausmaße an

Ich notiere seit Jahren die Niederschläge bei uns auf dem Hof. Seit dem 19. Juni hat es bei uns  das erste Mal wieder am 3. und 4.8. geregnet. Insgesamt waren es 10 mm in Form von Gewittern. Wie sieht es aktuell in unserer Region im Feld aus? Nur darüber kann ich berichten, ich weiß aber, dass es in Nord- und Ostdeutschland besser aussieht. Die Zuckerrüben-Blätter hängen über Tag, kommen aber mittlerweile auch morgens nicht mehr hoch. Der untere Blattapparat ist abgestorben, die welken Blätter liegen am Boden. Die Rüben sind etwas geschrumpft, so dass rund um den Rübenkörper ein kleiner Spalt entstanden ist und die Rüben bei Berührung darin wackeln. Der Mais ist, je nach Bodengüte, zwischen 1,2 und   2 m hoch. Die Rispe ist geschoben, viele Pflanzen haben keine Kolben gebildet. Aus anderen Regionen höre ich, dass dort in Kürze mit dem Häckseln begonnen wird. Dies ist notwendig, weil noch Feuchtigkeit eine Silierung möglich macht. Wenn die Blätter noch trockener werden, ist eine Silierung nicht mehr möglich. Körnermais wird es in unserer Region in …

EU-Geld für Mineraldünger – eine gute Idee?

Wenn es „Geld vom Staat“ gibt, freuen sich diejenigen, die es bekommen. Alle anderen fragen sich, ob ihr Steuergeld vernünftig ausgegeben wird. Und genau an dieser Stelle bin ich zwiegespalten. Warum? In der Presse war zu lesen, dass die EU den Kauf von Mineraldünger („Kunstdünger“) finanziell bezuschussen will. https://www.agrarheute.com/politik/duengerpreise-landwirte-erhalten-zuschuss-duengerkosten-eu-641721 Nun könnte ich mich als Landwirt ja freuen. Ich habe vor ein paar Tagen Stickstoffdünger für die Ernte 2027 vorgekauft. Je nach Marktlage machen wir das oft im Herbst für die nächste Düngesaison. In den letzten Jahren war es eher ein Glücksspiel, denn „günstige“ Preise gab es eigentlich nie. Durch die diversen Krisen und Kriege schwankte und schwankt der Preis sehr. Ob wir in diesem Jahr mit dem Vorkauf richtig liegen, wird sich zeigen. Wie lautet der „schlaue“ Spruch: „Prognosen sind immer dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Um welche Beträge geht es? Deutschland soll aus der Agrarreserve 60 Mio. € bekommen. Deutschland hat 11 Mio. Hektar Ackerland und 5 Mio. Hektar Grünland. Teilt man 60 Mio. € durch 16 Mio. Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche kommt …

Aktive Land- und Forstwirtschaft ist praktizierter Brandschutz

Wenn – wie in diesem Jahr – die Waldbrandgefahr offensichtlich wird, wird viel über Feuerwehren, Löschhubschrauber und Einsatzkräfte berichtet. Doch ein entscheidender Teil der Brandbekämpfung findet lange vor dem ersten Funkenflug statt – direkt auf den Feldern und im Forst. Waldbrände gibt es aktuell auch in Deutschland: https://www.merkur.de/bayern/regensburg/waldbrand-oberpfalz-ausser-kontrolle-warnung-fenster-tueren-einsatz-strasse-gesperrt-94424522.html Eine aktiv bewirtschaftete Kulturlandschaft bildet ein natürliches und organisatorisches Schutzschild gegen Großflächenbrände.  Die Land- und Forstwirte sind sehr effektive Akteure im vorbeugenden Brandschutz. Warum ist das so?. 1. Reduzierung der Brandlast Unbewirtschaftete Flächen neigen dazu, über Jahre hinweg extrem viel Biomasse anzuhäufen. Totholz, dichtes Unterholz und ungemähtes, ausgedörrtes Gras wirken im Ernstfall wie Brandbeschleuniger. Forstwirtschaft: Durch gezielte Durchforstung wird der Totholzanteil kontrolliert und der Abstand zwischen den Baumkronen reguliert. Dies verhindert, dass sich ein Bodenfeuer rasch zu einem unkontrollierbaren Kronenbrand ausweitet. Totholz im Wald war früher ein wertvoller Brennstofflieferant, weshalb kaum Totholz zu finden war. Landwirtschaft: Die Beweidung durch Schaf-, Ziegen- oder Rinderherden hält Freiflächen und Waldränder frei von trockenem Altgras. Diese biologische „Rasenpflege“ entzieht dem Feuer die leicht entzündliche Nahrung. Werden Flächen stillgelegt, folgt dem Grasaufwuchs …

„Mähdrusch“- Ernte 2026 beendet

Am 29.7.2026 haben wir den letzten Raps geerntet. Mit der Weizenernte waren wir schon rund eine Woche früher durch. An der Genossenschaft kommen nur noch vereinzelt Fahrzeuge mit Raps an, 98% der Mähdruschfrüchte (Gerste, Weizen, Triticale, Hafer, Raps etc) sind unter Dach und Fach. Der Ertrag Das Ergebnis: wir sind dankbar, dass die große Katastrophe ausgeblieben ist. Der Weizenertrag liegt je nach Sorte zwischen 90 und 100 dt/ha und damit unter dem Vorjahr, dass allerdings auch sehr gut war. Überrascht hat uns der Raps. den wir in einem Zeitraum von einer Woche geerntet haben, weil die unterschiedlichen Felder unterschiedlich reif waren, obwohl die gleiche Sorte gesät wurde. Begonnen haben wir mit 45 dt/ha, die letzte Parzelle hatte 55 dt/ha, was uns sehr gefreut hat. Wie sich die Unterschiede erklären lassen? Wir wissen es nicht, denn auch der Saattermin war bei allen Rapsparzellen gleich. Eine mögliche Erklärung ist der Niederschlag. Das Feld mit dem höchsten Ertrag hat möglicherweise eine Regenschauer mehr bekommen als die anderen und das zum richtigen Zeitpunkt. Die Qualität Die Qualität war beim …

„Der ist ja nur ein Nebenerwerbslandwirt“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Kommentar in meinem Leben gehört habe. Tatsächlich habe ich den größten Teil meines Einkommens außerhalb der Landwirtschaft bekommen. Und auch verdient. So wie mir geht es mehr als die Hälfte der Landwirte in Deutschland. Laut der Agrarstrukturerhebung von 2023 sind es 55% der Betriebe, die weniger als 50% des Einkommens aus der Landwirtschaft erzielen. Was sind die Gründe, warum Landwirte in den Nebenerwerb wechseln? In den allermeisten Fällen (auch in meinem) ist der Betrieb zu klein, um davon eine Familie zu ernähren. Oft kommt auch noch die Altenteiler-Familie hinzu, die vom Einkommen des Betriebes ernährt werden muss. Die gesetzliche Rente ist sehr niedrig. Dazu die SLFVG: „Die gesetzliche Alterssicherung für Landwirte ist als Teilabsicherung konzipiert und beträgt nach 30 Beitragsjahren als Landwirt monatlich 588,66 Euro brutto (Stand: 1. Juli 2026). Für mitarbeitende Familienangehörige liegt die Bruttorente bei 294,69 Euro pro Monat“. Zum Vergleich: Das BAFÖG beträgt zwischen 670 und 990 €/Monat. https://www.studierendenwerk-oldenburg.de/geld/bafoeg/wie-viel-bafoeg-gibt-es Nun könnte man ja sagen: wenn es für eine Familie nicht reicht, warum verpachtest (oder verkaufst) …

Erfolgsorientierte Agrarprämie

Von einem Leser bin ich auf eine Veröffentlichung aufmerksam gemacht worden, in der man sich mit einer anderen Form der Agrarprämie beschäftigt. Sie soll  ökologische Leistungen finanziell fördern. https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/551/806 Die Urheber haben ihre Idee mit Landwirten aus ganz Deutschland diskutiert. Die Ergebnisse werden ebenfalls vorgestellt. Wie ist Ihre Meinung?

Regional? Warum dann Kirschen aus der Türkei?

Ich habe am Freitag einen Brandbrief der Fachgruppe Obstbau  und einen Brief der Obstbauern vom Bodensee erhalten, die ich hier gerne weitergeben möchte. Einer der vielen Auslöser ist die katastrophale Preissituation bei Kirschen. Deutschland hat eine sehr gute Kirschenernte, trotzdem importiert der Lebensmitteleinzelhandel Kirschen aus der Türkei. Der Verkaufspreis im Laden (siehe Titelbild) entspricht in etwa den Herstellungskosten in Deutschland (3,50 – 4,00 €/kg), der in diesem Jahr wegen des höheren Mindestlohns und der explodierenden Energiepreisen nochmal gestiegen ist.  Übrigens: einzelne Discounter bieten Kirschen auch für 3,30 €/kg an. Hier der Brandbrief der Fachgruppe Obstbau, der sich an Politik, Handel und Verbraucher richtet: https://www.fruchthandel.de/news/brandbrief-der-deutschen-obstbauern-wollen-wir-deutschland-ueberhaupt-noch-heimisches-obst Was die Fachgruppe Obstbau den Mandatsträgern in der Politik zu sagen hat, ist hier nachzulesen: FO_BRIEF_MDB_MDL2026-07-24_ Hier der Brief der Obstbauern vom Bodensee, der sich besonders an die Konzernspitzen des Lebensmitteleinzelhandels richtet. 26_07 Offener Brief Konzernspitzen LEH Hilferuf Bauern Das Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände e.V. hat aktuell eine Umfrage zur Zukunft der Betriebe gemacht. Mehr als 50% der Betriebe gibt an, dass ihre Zukunft ungewiss ist oder sie den Betrieb …

Ein möglicher Nachfolger

Der derzeitige Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, wird zur nächsten Wahl nicht mehr antreten. Ein möglicher Nachfolge-Kandidat ist Holger Hennies aus Niedersachsen. Hier ein Interview mit ihm: https://www.agrarticker.de/nachrichten/detail/gesetzliche-auflagen-muessen-sinken/ Da sich der Artikel hinter einer Schranke befindet, hier ein Auszug: „Sie bewerben sich als Nachfolger von Joachim Rukwied als Präsident des Deutschen Bauernverbandes zur Wahl im Juni 2027 in Aachen. Was sind Ihre Beweggründe, dieses Amt auszuführen, und was wollen Sie anders machen – beispielsweise in der politischen Durchsetzung von Forderungen? Wir wollen und müssen die Rahmenbedingungen für die Landwirtinnen und Landwirte verbessern – auch damit der Berufsnachwuchs den Mut behält, weiterzumachen. Das steht für Joachim Rukwied und das gesamte DBV-Präsidium in den nächsten zwölf Monaten im Fokus, zumal sich danach das Zeitfenster für politische Veränderungen langsam schließt. Wir brauchen einen zügigen Abbau der aktuellen Überregulierung. Unsere Landwirtschaft muss im europäischen und internationalen Wettbewerb wieder bestehen können. Dazu gehören schnellere Genehmigungen und verlässliche Bedingungen für Investitionen. Wir werden unsere Rolle als Lösungsanbieter in diesem entscheidenden Jahr noch umfangreicher als bisher besetzen müssen und zwar auf …

Schweinehalter in Not

Es ist jetzt auch in den Medien angekommen, dass es den Schweinehaltern nicht gut geht. Der WDR berichtet darüber. https://www1.wdr.de/nrw/ostwestfalen-lippe/kreis-hoexter/schweinehalter-not-preise-100.html Zitat: „Die aktuelle Entwicklung sei aber mit früheren Krisen nicht mehr vergleichbar, so Tillmann. Denn die Kosten, gerade für Sauenhalter, seien massiv gestiegen. Ställe müssten umgebaut werden. Wer jetzt Investitionen über 20 Jahre abschreiben müsse, denke darüber nach, ob sich das lohne, erläutert der Landwirt im Gespräch. Und auch die Kosten für Futter, Energie und Löhne steigen. Unter dem Strich können viele Betriebe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.“ Trotz Grillsaison und Fußballweltmeisterschaft ist der Preis in den letzten Wochen immer weiter gesunken und liegt – wieder einmal – weit unter den Gestehungskosten. Wer Verluste macht, kann die immer neuen Anforderungen nicht umzusetzen. Dazu kommt, wie schon in früheren Artikeln dargestellt, dass der LEH beim Thema Tierwohl zurückrudert. Der Grund: der Verbraucher hält sich beim Kauf von Fleisch aus höheren Haltungsstufen wegen des höheren Preises zurück. Schließlich kann man dem Produkt nicht ansehen, wie es produziert wurde. Die Schweinehalter befinden sich in einer schwierigen Lage: wer in …

„Krieg auf dem Acker“

Die Überschrift habe ich nicht selbst gewählt sondern ist der Titel eines Beitrages des RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) . Es geht um den Preisanstieg bei Düngemitteln bei gleichzeitig niedrigen Erlösen für landwirtschaftliche Erzeugungen. Die EU-Kommission will Geld in die Hand nehmen, um die Landwirte beim Kauf von Dünger zu unterstützen. Für Deutschland sind 60 Mio € geplant, jedes Land kann aber aus seinem eigenen Etat aufstocken. Minister Rainer „will prüfen“, was in Deutschland möglich ist. Wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland rund 11 Mio Hektar Acker und 5 Mio ha Grünland haben (zusammen 16 Mio LN) sind 60 Mio  € nicht gerade viel. (3,75 €/ha) Damit rettet man keinen Betrieb, der ums Überleben kämpft. https://www.rnd.de/wirtschaft/krieg-auf-dem-acker-wie-die-duengerkrise-den-landwirten-das-leben-schwer-macht-TA2JEMKBONC5FFNIVTBINCMC4Y.html Der Grüne-Politiker Karl Bär ist ohnehin der Meinung, wir müssten weg vom Kunstdünger. Und jetzt meine Frage: was wäre eigentlich, wenn wir Landwirte für die nächste Anbausaison einfach nur die Hälfte des üblichen Mineraldüngers kaufen und einsetzen würden. Ist das vorstellbar? Ja, das würde bedeuten, dass wir weniger ernten. Aber wenn dadurch die Ware knapp und teurer würde, wäre es …