Jahr: 2026

Was wir schützen…

Blicken Sie noch durch beim „Schutz“? Tierschutz, Artenschutz, Pflanzenschutz, Klimaschutz… das klingt alles so herrlich einfach und nach „heiler Welt“. Und was haben diese Schlagworte mit uns als Landwirten zu tun? 1. Tierschutz: Das Wohl von Kuh Emma und Co. Beim Tierschutz geht es um das Individuum. Hat die Kuh genug Platz? Ist das Schwein gesund? Fühlt sich das Huhn „pudel“wohl? Und wieviel Tierschutz ist ökonomisch noch sinnvoll? Sagen die Haltungskennzeichnungen wirklich etwas über den Tierschutz aus? Unsere Rolle: Wir stehen jeden Tag im Stall. Tierschutz ist für uns kein Paragraph, sondern Handwerk. Wenn es dem Tier nicht gut geht, geht es dem Bauern nicht gut. Punkt. Egal, ob Haltungsstufe 1 oder 5. 2. Pflanzenschutz: Die Medizin für den Acker Hier wird es oft emotional. Pflanzenschutz bedeutet schlicht, meine Ernte vor Krankheiten, Pilzen und Schädlingen zu bewahren. Das kann ich mit Brennesseljauche machen oder ein chemisch hergestelltes Präparat nehmen. Unsere Rolle: Wenn meine Weizenpflanze vom Rostpilz befallen wird, dann brauche ich „Medizin“. Wer Pflanzenschutz pauschal verteufelt, muss sich fragen: Wollt ihr Brot aus gesundem Getreide …

Die weltweit größten permanenten Methanquellen…

Die weltweit größten permanenten Methanquellen finden sich nicht in deutschen Mooren, sondern in Regionen, von denen viele der Leser vermutlich noch nie etwas gehört haben. https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/umwelt/satellitendaten-zeigen-die-zehn-groessten-methanquelle-der-welt-13379847 Auf Platz 1 steht das Sudd-Feuchtgebiet im Südsudan, gefolgt von Öl- und Gasfelder in Turkmenistan. Auf Platz 3 steht das Ibera-Feuchtgebiet in Argentinien. Weitere sehr große und permanente Methanemissionen finden sich in China. Auf weiteren Plätzen folgen Bangla Desh, Russland und die USA.  Europa spielt bei den ständigen Methan-Emissionen keine Rolle. Ich denke, dass diese Auswertung wichtig ist, um den Einfluss der Landwirtschaft (Wiederkäuer, Reisanbau) in einem größeren Rahmen zu sehen. Hier der Original-Artikel in englischer Sprache: https://acp.copernicus.org/articles/24/10441/2024/

Das Feld ist die Fabrik – warum industrielle Landwirtschaft wichtig ist

Es wird viel über diverse Formen der Nahrungsmittelproduktion diskutiert. Ich habe bereits über „Essbare Insekten“ und „Urban Farming“ gesprochen, die trotz aller medialen Aufmerksamkeit bis heute Randthemen geblieben sind. Es gibt drei fundamentale Gründe, warum die industrielle Landwirtschaft auf absehbare Zeit die einzige Möglichkeit bleiben wird, die Menschheit zu ernähren 1. Die „Kalorien-Arithmetik“ Urban Farming konzentriert sich auf wasserhaltiges Edelgemüse. Die Weltbevölkerung überlebt aber durch Kalorien. Ein Weizenfeld produziert pro Hektar Millionen von Kalorien mit minimalem technischem Aufwand. Um dieselbe Menge Kalorien in einer Vertical Farm zu produzieren, wäre der Energieaufwand so gigantisch, dass das Brot am Ende 20 Euro kosten müsste. Solange wir keine Lösung für den energieeffizienten Anbau von Grundnahrungsmitteln in Hallen haben, bleibt es – auf absehbare Zeit – ein Nischen-Hobby für die Oberschicht. 2. Geografie schlägt Technologie Es ist ökonomisch fast immer sinnvoller, Lebensmittel dort anzubauen, wo die Natur die besten Bedingungen bietet (Sonne, Wasser, Boden), und sie zu transportieren, als die Natur in einer teuren Box in der Stadt nachzubauen, denn die Transportkosten machen bei den meisten Grundnahrungsmitteln nur einen …

Kampf um´s Wasser – in Deutschland!

Es geht um´s Wasser. Viel Wasser. Es geht darum, dass die Spree trockenfallen könnte. Nicht nur in Berlin, sondern auf dem gesamten Flusslauf. Und das hätte gewaltige Konsequenzen: für die Landwirtschaft, für die Touristik, für die Industrie und viele anderen Branchen. Um was geht es ? Im Einzugsgebiet der Spree zeichnet sich ein strukturelles Wasserproblem ab. Im Braunkohletagebau abgepumptes und in die Spree eingeleitetes Grundwasser hat zu einem hohen Wasserangebot und zur Steigerung des Wasserverbrauchs von Industrie und Haushalten geführt. In der Lausitz entwässert der Braunkohlebergbau seit rund 100 Jahren die Abbaugebiete und leitet das gehobene Grundwasser in den Fluss. Wenn mit dem Ende des Braukohletagebaus auch die Tagebaupumpen abgestellt werden, führt dies zu einer Reduktion der Wassereinleitung um die Hälfte bis zu drei Vierteln der jährlichen Wassermenge, die durch die Spree fließt, in besonders trockenen Sommermonaten zum Teil bis zu 90 Prozent. Der Wasserverbrauch der Gemeinden entlang des Flusses, des Spreewaldes und der Industrie sowie die Binnenschifffahrt haben sich über viele Jahrzehnte an die künstlich erhöhte Durchflussmenge angepasst und wären durch ein Ende der …

Vegan: die Party ist vorbei

Der Branche der Fleischersatzprodukte geht es nicht gut. Lag der Aktienkurs von Beyond Meat im Juni 2021 noch bei rund 150 USD, so lag er Mitte Mai 2026 bei nur noch 0,80 USD. Und es besteht Potential für einen weiteren Rückgang. Grund dafür ist ein deutlicher Rückgang der Nachfrage (- 18%) auf dem amerikanischen Markt. https://www.boerse-express.com/news/articles/beyond-meat-aktie-barclays-senkt-ziel-auf-050-dollar-903814 Einem Brutto-Gewinn von rund 2 Mio. US$ stehen gewaltige Schulden gegenüber: https://www.boerse-express.com/news/articles/beyond-meat-schulden-von-543-millionen-uebersteigen-barreserven-898182 Wie ich aus gut informierten Kreisen erfahren konnte, verlangsamt sich der Trend zu Fleisch-Alternativen auch in Deutschland. Nur wenige Hersteller – meist die Marktführer – können noch leichte Zuwächse verzeichnen. Da immer mehr vegane Produkte auf den Markt gekommen sind, kannibalisieren sich diese nun selbst und können nur noch über den Preis verkaufen. Das schmälert die Marge für alle. https://www.ksta.de/wirtschaft/produktion-von-fleischersatzprodukten-sinkt-erstmals-fleischkonsum-steigt-wieder-1282808  

Urban Farming: der Gegner ist die Physik

Ich habe ja kürzlich über das viel diskutierte Thema „Essbare Insekten“ geschrieben, von dem heute niemand mehr redet. Ein ähnliches Thema ist „Urban Farming“. Einst als wichtiges Standbein für die Ernährung diskutiert, redet heute kaum einer mehr davon. Was sind die Gründe? Das Thema Urban Farming ist ein Paradebeispiel für die Schere zwischen technischem Enthusiasmus und ökonomischer Realität. Während die Vision von begrünten Hochhäusern faszinierend ist, zeigt ein Blick auf die harten Fakten, dass Urban Farming aktuell eher eine Ergänzung als eine Revolution der globalen Ernährungssicherung ist. Hier ist eine Analyse der Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit: 1. Die ökonomische Hürde: Energie und Fläche Der größte Endgegner des Urban Farmings (speziell des Vertical Farmings) ist die Physik. Energiekosten: In geschlossenen Systemen ersetzt LED-Licht die Sonne. Das ist extrem energieintensiv. Selbst bei sinkenden Strompreisen für Erneuerbare bleiben die Betriebskosten pro Kilogramm Ertrag oft deutlich über denen des Freilandanbaus. Investitionskosten (CapEx): Die Errichtung einer hochtechnisierten Farm in einer Metropole kostet Millionen. Diese Fixkosten müssen über den Verkaufspreis wieder eingespielt werden. Flächenkonkurrenz: In Städten konkurriert Urban Farming mit Wohnraum und …

Reise an den Amazonas: noch sind Plätze frei!

Ende Mai endet die Anmeldefrist für unsere Agrarreise an den Amazonas. Vorher sehen wir die Hauptstadt Brasilia und landwirtschaftliche Betriebe im Bundesstaat Goias. Noch sind Plätze frei. Hier das Programm und auf Seite 2 das Anmeldeformular: 2026-BauerWilli-Brasilien Unten ein paar Bilder von unseren Reisezielen, die mir Sandy geschickt hat und die etwas „Geschmack“ auf die Reise machen sollen. Daniel wird wieder unser Reisebegleiter sein und seine landwirtschaftliche Expertise einbringen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns Ende November am Flughafen Frankfurt sehen.        

Der Hype ist vorbei

Es ist noch nicht lange her, da war die Erzeugung von essbaren Insekten ein viel diskutiertes Thema. Es galt für viele (meist Theoretiker) als ein mögliches Standbein für landwirtschaftliche Betriebe. Jetzt ist  es still geworden. Wie ist der Stand in der Praxis heute? Die Branche der essbaren Insekten in Europa befindet sich aktuell (Stand 2026) in einer massiven Konsolidierungsphase. Während der Sektor lange Zeit als „Hype-Thema“ galt, zeigt die Realität, dass echte „Profitabilität“ ( früher nannte man das Gewinn) bei reinen Lebensmittel-Insekten (Food) bisher die Ausnahme ist. Die erfolgreichen Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell daher meist auf Tierfutter verlagert, da dort die Abnahmemengen groß genug sind, um die hohen Produktionskosten zu decken. Hier ist eine Analyse der wichtigsten europäischen Akteure und ihres wirtschaftlichen Status: 1. Protix (Niederlande) Protix gilt derzeit als das wirtschaftlich stabilste Unternehmen der Branche. Profitabilität: Protix strebt für 2025/2026 einen Umsatz von ca. 80–100 Mio. € an. Das Unternehmen arbeitet operativ hocheffizient. Es erzielt Gewinne nicht nur durch den Verkauf von Insektenprotein, sondern zunehmend durch Technologie-Lizenzierung (geschätzte Einnahmen hieraus: 12–15 Mio. € in 2025) …

Heilige Kuh, armes Schwein – moralische Willkür im Stall

Dass die Kritik an der Schweinehaltung oft lauter ausfällt als bei Rindern oder Geflügel, liegt an einer Mischung aus biologischen Faktoren, Haltungsformen und psychologischen Wahrnehmungen. Es ist ein komplexes Thema, bei dem Emotionen und Fakten oft aufeinanderprallen. Doch woran liegt das? 1. Die „Intelligenz-Falle“ und Empathie Schweine gelten wissenschaftlich als kognitiv hoch entwickelte Tiere – oft werden sie in puncto Problemlösung und Sozialverhalten mit Hunden oder sogar Primaten verglichen. Es gibt also keine „dummen Schweine“. In der Gesellschaft herrscht ein gewisser moralischer Konflikt: Je intelligenter wir ein Tier einschätzen, desto schwerer fällt uns die Akzeptanz einer reinen Nutzhaltung auf engem Raum. Zudem ist uns das Schwein körperlich bei vielen Organen recht ähnlich ist. (Beispiel: Herzklappen). Anders als beim sehr aktiven Schwein wirken Rinder auf viele Menschen eher stoisch und „gemütlich“, während Geflügel eine geringere kognitive Komplexität zugeschrieben wird. 2. Haltungsbedingungen und „Naturferne“ Die Schweinehaltung findet in Deutschland fast ausschließlich in geschlossenen Ställen statt, oft auf Vollspaltenböden ohne Einstreu. Während man Rinder (zumindest in der Milchviehhaltung oder Mutterkuhhaltung) noch häufig auf der Weide sieht, bleibt das Schwein …

Natürlicher Zucker, Industriezucker und die Zuckersteuer

Es gibt eine hitzige Debatte darüber, ob „natürlicher“ Zucker besser ist als der weiße – von diversen Kreisen auch „Industriezucker“ genannte – aus der Tüte. Chemisch und ernährungsphysiologisch betrachtet ist die Antwort jedoch einfach: Für den Körper macht es kaum einen Unterschied, woher die Saccharose stammt. 1. Die Chemie: Zucker bleibt Zucker Ob im Apfel oder in der Cola – die Moleküle sind identisch. Der handelsübliche Kristallzucker (Saccharose) besteht zu jeweils 50 % aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). In den meisten Früchten liegt genau diese Kombination ebenfalls vor. Sobald der Zucker den Dünndarm erreicht, spaltet der Körper die Saccharose in ihre Einzelteile auf. Die Leber und die Zellen „wissen“ nicht, ob die Fruktose gerade aus einer Bio-Birne oder einem Gummibärchen stammt. Die biochemische Umsetzung, insbesondere der Stoffwechsel in der Leber, bleibt bei gleicher Menge identisch. 2. Der „Natürlichkeits-Fehlschluss“ Oft wird argumentiert, dass Fruchtzucker gesund sei, weil er aus der Natur kommt. Doch isolierte Fruktose, die oft als Süßungsmittel verwendet wird, ist exakt derselbe Stoff, der in Obst für Süße sorgt. Die Menge macht das Gift: …