Monate: Juni 2026

Zielkonflikte…

Landwirtschaft ist immer ein Eingriff in die Natur. Den größten Zielkonflikt stellt die Frage dar, ob wir Nahrungsmittel erzeugen sollen, so wie wir es bisher getan haben, oder ob wir andere Ziele verfolgen sollen, wie Naturschutz, Artenschutz und Klimaschutz. Das können wir auch machen, wenn die Richtlinien klar festgelegt werden und uns der entsprechende Deckungsbeitrag gezahlt wird. Diese Frage möchte ich von der Gesellschaft beantwortet haben. Weitere Beispiele wären der Konflikt Weidehaltung – Wolf,  bäuerliche Landwirtschaft – Anbindehaltung, Verbot Glyphosat – Humusaufbau oder auch Wohnungsbau – Artenvielfalt. Ganz grundsätzlich ist jedoch der Zielkonflikt Ertrag – Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger, ein Konflikt, der oft diskutiert wird und zu vielen Mißverständnisse führt. Aus meiner Sicht sind diese Zielkonflikte nicht zu lösen, weil das eine Ziel dem anderen diametral widerspricht. Wenn ich Weidehaltung in einer Region mit Wölfen haben möchte, dann geht das nur, wenn ich 1,80 Meter hohe Zäune errichte und diese möglicherweise noch unter Strom setze. Dann sind zwar die Weidetiere geschützt, aber die Wildtiere können das Gebiet natürlich nicht mehr passieren. Wenn ich die …

Konkurrenz für die Tierhaltung? Protein aus dem Fermenter

Heute nur in Hundefutter, morgen vielleicht schon im Müsli-Riegel. Ein Startup hat ein Verfahren entwickelt, um aus Sekundär-Rohstoffen (früher „Abfall“ genannt“) Proteine herzustellen. Den Prozeß hat sich der Gründer patentieren lassen. Derzeit fehlt noch die Zulassung als Nahrungsmittel. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/lebensmittel-proteinwerk-in-leuna-soll-taeglich-150.000-huehnchen-ersetzen/100205080.html So wie es vom Handelsblatt beschrieben wird, könnte dieses Verfahren eine ernsthafte Konkurrenz zu tierischen Proteinen darstellen. Wenn man sieht, wer den Förderbescheid überreicht, scheint es sich nicht um eine Eintagsfliege zu handeln. https://microharvest.com/microharvest-leuna-plant/ Allerdings: Insektenprotein wurde ja auch schon mal eine große Zukunft vorhergesagt….

Strategische Reserve bei Lebensmitteln

Von einem Leser bin ich auf das Thema einer „strategischen Reserve bei Lebensmitteln“ aufmerksam gemacht worden. Nach einen Telefonat haben wir beide festgestellt, dass wir darüber nichts oder nicht viel wissen. Was hat es also damit auf sich? Gibt es diese bei Lebensmitteln überhaupt? Wenn ja, was wird wo gelagert und für wie lange würde diese reichen? Wer würde diese Reserve freigeben und wie würde sie verteilt? Wenn man was nicht weiß, fragt man heute die Künstliche Intelligenz, die dazu folgendes ausspuckt: Viele Staaten halten strategische Reserven für bestimmte Lebensmittel oder landwirtschaftliche Rohstoffe vor — allerdings unterschiedlich organisiert und oft weniger sichtbar als Ölreserven. In Deutschland gibt es vor allem zwei relevante Systeme: Staatliche Notfallvorsorge Der Bund hält sogenannte zivile Notfallreserven. Dazu gehören lagerfähige Grundnahrungsmittel wie: Reis Hülsenfrüchte Kondensmilch Getreide Ziel ist die Versorgung bei: Krieg schweren Lieferkettenstörungen Naturkatastrophen längerfristigen Krisen Pflichtlager / Marktmechanismen Auf EU- und nationaler Ebene existieren teilweise Vorgaben oder Fördermechanismen für Agrarrohstoffe. Viele Reserven liegen indirekt bei: Mühlen Großhändlern Landwirtschaft Futtermittel- und Saatgutlagern Die genaue Größe der deutschen Lebensmittelreserve wird nicht …

Super-Sommer 2026 wegen Super-El Nino?

In den Nachrichten wird aktuell darüber berichtet, dass ein El Nino bevorsteht. Dieses Klima-Phänomen ist seit langem bekannt und spielt sich im Wesentlichen auf der Südhalbkugel zwischen Südamerika und Australien ab, wo dann die Zufuhr von kaltem Tiefenwasser an der Küste Chiles unterbunden wird. Das führt zu starken Niederschlägen dort und großer Trockenheit in Australien. Weil diese Phänomen kalendarisch oft mit dem Weihnachtsfest zusammenfällt, hat man es „El Nino“ (der kleine Junge) getauft. Laut einiger Medien soll dieser Effekt in diesem Jahr besonders stark ausfallen. Welche Auswirkungen könnte es für Westeuropa in den kommenden Monaten haben? Ich habe mal geschaut, was die Medien dazu sagen: Im Artikel der FAZ (hinter der Bezahlsperre) ist zu lesen: „Irgendwann in den nächsten Wochen wird die Unsicherheit über die Zukunft des El Niño 2026/27 verschwunden sein, sagt der Physiker und Klimamodellierer Thomas Jung vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhavener. Das wird der Lackmustest für die Modelle – und für die Klimaforschung überhaupt. Denn treten die frühen, extremen und massiv gehypten Vorhersagen vom Monster-El-Niño nicht ein, so fürchtet jedenfalls Mojib Latif, „könnte …

Wie viel Subventionen bekommt Bauer Willi?

Wer wissen will, wieviel Geld unser Betrieb in 2025 aus dem Agrarfonds erhalten hat, kann dies ganz einfach ermitteln. Er gibt in das nachfolgende Formular den Namen „Kremer-Schillings“ ein. Die Anschrift kann man sich sparen, denn es gibt nur einen Empfänger mit diesem Namen. Dann noch die CSV-Datei herunterladen und man erfährt, dass es 6113,18 € waren. Die müssen allerdings auch versteuert werden. Nimmt man einfach mal 33% an, so bleiben davon nur rund 4.000 € einkommenswirksam übrig. https://www.agrarzahlungen.de/agrarfonds/suche Geben Sie jetzt mal aus Spaß und Dollerei „Bund für Umwelt und Naturschutz“ ein. Richtig toll wird es aber, wenn Sie als Suchbegriff „NABU“ eingeben. Ich zähle dort 166 Einträge für diverse Orts- und Landesverbände. https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/unternehmen/agrarsubventionen-das-sind-die-top-empfaenger-2025_article1780179268.html Auf der nachfolgenden Karte kann man sehen, welche höchste Einzelsumme im jeweiligen Kreis gezahlt wird. https://www.proplanta.de/karten/agrarsubventionen-2025-top-empfaenger-liste-uebersichtskarte1779209005.html Ich möchte jetzt hier keine Diskussion über Sinn oder Unsinn der Agrarzahlungen führen. Nahezu jeder Bürger profitiert ja von staatlichen Subventionen. Sie glauben das nicht? Dann lesen Sie hier mal nach: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/staat-subventionen-finanzhilfen-100.html Zitat: „Den Schwerpunkt der Finanzhilfen des Bundes markierte danach die Umwelt- und …

Greenwashing: REWE und die Eiweißstrategie

Vor ein paar Jahren durfte ich bei einer REWE-Veranstaltung auftreten. Eingeladen wurde ich von Alain Caparros, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden von REWE International. Der Sitz der REWE ist in Köln. Die Veranstaltung fand in Berlin statt. Eingeladen waren alle „Stakeholder“, von Wettbewerbern über NGO bis hin zu Politik. Auch Renate Künast war anwesend. Ich habe mich mit dem Nachhaltigkeitsbeauftragten von REWE über deren Verhalten gegenüber den Lieferanten, insbesondere der Landwirtschaft unterhalten. Ein Thema war auch damals die „Eiweißstrategie“ von REWE. Ich habe mich an dieses Gespräch erinnert, als ich durch Zufall von der „Proteinstrategie“ von REWE erfahren habe. Wie man sieht, wurde aus „Eiweiß“ nun „Protein“, ansonsten hat sich nicht viel verändert. https://www.rewe-group.com/content/uploads/2025/08/proteinstrategie-positionspapier.pdf Es lohnt sich, die vier Seiten zu lesen. Es findet sich einiges über „kultiviertes Fleisch“ (Laborfleisch), eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Pflanzendrinks, und weitere Forderungen an die Politik. Ausser ein paar nichtssagenden Phrasen ist über den Bereich Landwirtschaft nicht viel zu lesen. Bei der Veranstaltung musste der Nachhaltigkeitsbeauftrage schließlich auch zugeben, dass es für REWE unerheblich ist, ob die Erbsen oder Bohnen aus …

Ein Lob an die Kommentatoren…

Diese Mail hat mich gefreut: Lieber Willi „Landwirtschaftliche-gesellschaftliche Themen interessieren mich schon immer. Ich bin in einer Nebenerwerbslandwirtschaft auf dem Land großgeworden und nun seit einem Jahr mit einer Vollerwerbslandwirtin verheiratet. Deine Beiträge zu diesem Thema sind für mich stets sehr informativ und zusammen mit den Kommentaren ist Deine Webseite eine Wissensquelle, die ich mittlerweile sehr schätze. Ich bin froh, dass Du Deine Seite betreibst und danke Dir jetzt endlich einmal dafür. Sympathisch an Deinem Forum ist nicht zuletzt eine gepflegte Diskussionskultur, die (meist) auch bei kontroversen Themen herrscht – Einige Personen meinen immer Ausnahme sein  zu müssen. Aber allgemein gilt doch: Fortiter in re, suaviter in modo – und das ist gut. Ich verstehe, dass Dich das Forum auch gelegentlich ansch… und freue mich daher umso mehr, dass Du dennoch weitermachst. Hast ein bemerkenswertes Durchhaltevermögen.“ Dann folgt noch Fachliches. Das Lob an die Kommentatoren, die ja diesen Blog im Wesentlichen ausmachen, wollte ich weitergeben. Übrigens: der lateinische Satz bedeutet übersetzt: „Hart in der Sache, sanft in der Form“  und stammt aus dem Jahr 1606.

War der Mai 2026 heiß?

Das Erreichen der 30-Grad-Marke im Mai – meteorologisch als „Heißer Tag“ definiert – war in Deutschland früher eine absolute Seltenheit. Durch den Klimawandel kommt es in den letzten Jahrzehnten allerdings fast in jedem Jahr irgendwo im Land zu mindestens einem Tag mit über 30 °C im Mai. Wie sind die statistischen Daten? Wann war es im Mai 2026 wirklich heiß? Heißer als in anderen Jahren? Ich habe mal recherchiert, denn was überzeugt mehr als Fakten. Tatsächlich gab es solche Temperaturen im Mai bereits in früheren Jahren (hier eine Auswahl besonders markanter Jahre): 2022: Ein extrem warmer Frühsommer. Bereits am 20. Mai wurden in Ohlsbach (Baden-Württemberg) 33,7 °C gemessen. 2018: Das Jahr der großen Dürre startete fulminant. Ende Mai kletterten die Temperaturen verbreitet über die 30-Grad-Marke (Spitzenwert: 34,2 °C in Lingen). 2017: Ein sehr heißes Monatsende brachte am 29. Mai Temperaturen von bis zu 35,0 °C in Trier. 2005: Hier wurde am 28. Mai im bayerischen Mühldorf am Inn mit 35,4 °C eine der höchsten je im Mai gemessenen Temperaturen in Deutschland registriert. 2003: Das berüchtigte …