Der Preis für Heu ist in der Crau-Ebene bei Marseille von 250 €/t auf 150 €/t gefallen. Warum? Die Ernte war gut und gleichzeitig sinkt die Nachfrage. Das Heu aus Crau ist etwas besonders, weil es sehr reich an Kräutern ist. Desweitern enthält es viele Proteine, Mineralstoffe und Vitamine und wird seit dem 19. Jahrhundert geschätzt – zunächst für Pferde in den Städten, später auch für Rennpferde im In- und Ausland.
Doch jetzt ändert sich der Markt. Zitat:
„Heute steckt die Branche jedoch in einer tiefen Krise, wie „Les Échos“ berichtet. Seit der Pandemie haben viele Kunden auf günstigere Alternativen umgestellt. Hinzu kommen ein sinkender Fleischkonsum, politische Förderungen für andere Eiweißpflanzen, neue Konkurrenzregionen durch den Klimawandel sowie steigende Transportkosten. Dadurch ist der Preis für Crau-Heu innerhalb von nur zwei Jahren von 250 auf 150 Euro pro Tonne gefallen und liegt damit fast auf dem Niveau gewöhnlicher Futtermittel. Für viele Erzeuger ist das ein Zeichen dafür, dass Qualität am Markt immer weniger zählt.“
Und damit ist es auch eine Meldung wert, denn das gute Qualität nicht mehr bezahlt wird, ist ein Trend, der sich immer mehr durchsetzt.
Und dann folgt noch eine kleine Notiz über einen Bauern in Belgien, der Kartoffeln verschenkt:
Zitat:
Nicht nur Heubauern: Auch viele Kartoffelbauern klagen derzeit über eine zu gute Ernte. Die vielen Kartoffeln müssen nun teuer eingelagert werden. Christian Simoens, ein Landwirt aus Marquain, sitzt auf so vielen Knollen, dass er sie verschenkt, wie die belgische Tageszeitung „L’Avenir“ berichtete.
Den ersten Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „klagen über eine zu gute Ernte“. Ich war gestern Nachmittag in den Zuckerrüben und habe Schosser gezogen (was das ist? fragen Sie einen Bauern). Wenn ich gesehen habe, was jetzt schon unter dem üppigen Rübenblatt an Rübenkörper gebildet wurde, kann erahnen, dass uns auch bei Zuckerrüben wieder einmal eine „sehr gute Ernte droht“. Die bewusste Anbaueinschränkung, die europaweit vorgenommen wurde, könnte wirkungslos bleiben.
Zu beiden Meldungen passt der Satz von Dwight D. Eisenhower:
„Farming looks mighty easy when your plow is a pencil and you’re a thousand miles from the corn field.“


Ist zuviel Heu vorhanden, so sinkt ja der Preis, klar. Und weil es immer weniger Nutztiere in Europa gibt, sinkt der Verbrauch von Heu immer mehr. Heu hat ein Ablaufdatum, zweijährige Ware wird oft fast verschenkt, nur um Lager frei zu bekommen. Gibt es allerdings trockene, heisse Sommer, so ist genug Heu lebensnotwendig für Rinderhalter. Zu teure Zukaufsware rentiert sich jedoch nicht und man überlegt es sich dreimal, ob man die eine Kuh noch im Herbst verkauft oder wirklich jetzt nochmal besamt. Die Haltung jeder einzelnen Kuh muss man sich einfach auch leisten können – ein regelmässiger Zukauf von Futtermittel geben die Milchpreise längst nicht mehr her.
Die geschlachtete Kuh ( und das eigeschläferte Pferd ) kriegt keinen Nachwuchs mehr und braucht kein Heu mehr. Und so gibt es ein Überangebot von billigem Heu. Der Heubauer mag nicht mehr so viel düngen weil es sich nicht mehr rentiert (Diesel und Löhne, Strassentransport und Steuern bleiben ja trotzdem). Auf der Wiese breiten sich Giftpflanzen (Kräuter ?) aus… die eine Lieferung kommt zurück. Und dann kommt halt mal der Mulcher zum Einsatz, so lange bis der Heupreis bzw. die Nachfrage gross genug ist.
Bei Silageballen für Rinder bezahlt man oft nur Diesel, Plastikmaterial und Transport, das Gras darin ist „gratis“ – Hauptsache weg von der Wiese.
Heu ist nebst Wasser das wichtigste Nahrungsmittel für Pferde. Dass Rinderhalter 2.50 Euro pro Kilo Heu bezahlen, kann ich mir nicht vorstellen. Das ist ja deutlich mehr als Kraftfutter.
Die Zahl der gehaltenen Zuchtstuten geht zurück und klar spart der Züchter bei sinkendem Absatz erstmals beim Luxusheu.
Als zweiter, fast wichtigerer Grund kann ich mir vorstellen, dass viele Heuhändler ihren Kunden hochpreisiges Heu nur noch mit Heuanalyse verkaufen können. Dies ist umständlich, teuer und, wenn der Zuckergehalt nicht passt oder sogar (von Auge unsichtbare) Schimmelpilze nachgewiesen werden, echt doof.
Noch vor 20 Jahren wurde ein Pferd mit gesundheitlichen Problemen vom Tierarzt therapiert, aber wenn alles nichts nutzte, schickte es der Schlachter auf die ewigen Weiden. Jetzt macht man das nicht mehr, man lernte viel über Heuanalysen ( Zucker, Eiweiss, Rohfaser, Vitamine, Mineralstoffe, Giftstoffe, Schimmelpilze…).
Darmprobleme, Magenprobleme, Lungenprobleme, Hufprobleme, 100 verschiedene Stoffwechselprobleme: bei Allem ist das gefütterte Heu zumindest „mit schuld“. Und somit wird der Heufütterer fast genötigt – ob zu Recht oder nicht – nur noch Heu mit Analyse zu verfüttern. Denn wird das Pferd der „falschen“ Pferdebesitzer krank und diese „suchen nach Gründen“, ist der Stallbetreiber bald einmal vor Gericht wegen krank machendem Heu. Jetzt ist Heu ein Produkt das nicht wirklich skaliert werden kann, jedes Wetter, jede Wiese, jede Balle ist etwas anderes: aber das vergessen die Pferdebesitzer.
Viele deutsche Pferde sind deutlich zu dick und werden zu wenig bewegt. Denen fehlt der tägliche Sport und werden somit eben krank. Aber weil oft die Zeit und Lust fehlt, das eigene Pferd mehr zu bewegen, versucht man das Übergewicht durch Heu mit weniger Zucker zu reduzieren. Ein bereits erkranktes Pferd kann auch nicht mehr einfach so trainert werden, wegen der gesundheitlichen Probleme.
„Rennpferdeheu“ ist bestimmt sehr zuckerhaltig, die brauchen ja Energie für den Hochleistungssport. Da reissen ein paar Kräuter nichts raus.
PS: es ist mein Lieblingsjob, Pferde wieder gesund zu trainieren :). So eine Haltung und Fütterung mit gutem Heu ist nicht gerade billig, aber immer noch sehr viel billiger (und schmerzfreier) als unbezahlbare Tierarztkosten das restliche Leben lang.
Oft haben die Pferdehalter nur sehr wenig Ahnung von Pferdefütterung. Freizeitpferde stehn praktisch überwiegend im Stall oder auf der Weide und werden nur wenig bewegt. Für allen SchnickSchnack wird unglaublich viel Geld ausgegeben… Von der ganzen Ausrüstung, über den Tierarzt, den Hufschmied und die Leckerlies…… Meistens reicht dann das Geld nur mehr für das billigste Heu am Markt und somit nimmt alles seinen Lauf.
Guten Morgen
Bei mir in der Nachbargemeinde ist ein Kollege der einen Heu Handel und mit seiner Trocknungsanlagen selbst Qualitätsheu produziert. Dafür das er einen Nachweis über die Qualität hat, lässt er sein Heu auf Energiegehalte Untersuchen. Dabei wurden auch schon Gehalte ermittelt die Kraftfutter für Hochleistungsmilchkühe festgestellt wurden.
Der Kollege fährt deshalb auch sehr oft in die Bergregionen der Schweiz mit seinen Lkw.
Was der Preis für sein Heu ist weiß ich nicht, ich kann und darf sein Heu wegen fehlender Biozerifikate nicht kaufen.
Wünsche weiterhin allen einen schönen Tag.
„Jedenfalls: Besässe ich ein edelblütiges Rennpferd, bekäme es garantiert nur das nach Sommer und Provence duftende Superheu aus der Crau serviert. Gleiches gälte, wenn ich einen Hochleistungshamster oder ein Wettbewerbsmeerschweinchen hätte. Und wäre ich einer der Heiligen Drei Könige gewesen … ich hätte gewusst, was ich dem Jesuskindlein mitbringen würde. Sicher nicht Myrrhe.“
(Max Küng ist Reporter bei «Das Magazin».)
einfach köstlich…“Geld wie Heu“ …naja…
Landwirtschaft passt eben nicht wirklich zur klassischen Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage stehen in keinem konstanten Verhältnis.
Übrigens, was die Qualität des Heus betrifft, so insinnuiere ich mal, dass Qualität in diesem Fall an eine Erzählung gekoppelt ist, welche in Finanzstarken Kreisen geglaubt werden wollte und konnte. Ist wie mit den Heilkräutern von der Kräuterfrau.
Widerspruch! Landwirtschaft ist klassische Marktwirtschaft. Eine wesentliche Besonderheit ist nur, dass das Angebot nicht so zu steuern ist wie bei unbelebten Produkten.
Widerspruch!
„Der Staat greift in einer idealen Marktwirtschaft nur begrenzend ein, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die Wettbewerb und Funktionsfähigkeit der Märkte sichern. Dazu gehören Ordnungspolitik, Bereitstellung öffentlicher Güter, Schutz des Eigentums, Vertragsfreiheit und Wettbewerbsfreiheit
. In der sozialen Marktwirtschaft, wie sie in Deutschland existiert, reguliert der Staat zusätzlich Mindeststandards zum Schutz von Arbeitnehmern und Konsumenten und verfolgt wirtschaftspolitische Ziele.“
Nach dieser Definition haben wir mindestens keine funktionierende Marktwirtschaft, weder frei, noch sozial. Darüber können wir gerne intensiv und ausführlich streiten…ich bleibe natürlich bei meiner Einschätzung. 🤘😎
Wir sind uns einig, dass der Staat längst überzogen hat mit seinen Eingriffen.
Planwirtschaft in der Marktwirtschaft funktioniert eben nicht. Das ist nicht Fisch, nicht Fleisch! Und die Stärken der (sozialen) Marktwirtschaft gehen verloren. Ist doch in D bereits deutlich erkennbar. Die Menschen „spüren es durch den Holzschuh“.
Ja,
man muss auf die Gesetze der Natur achten!
@RS
Wie defniert man Qualität? Wenn das Heu mehr Kräuter enthält als „normales“ Heu hat es einen USP. (unique selling point). Dafür darf man mehr verlangen.
Warum ich die Meldung bringe: weil offensichtlich dem Käufer diese höhere Qualität jetzt nicht mehr Geld wert ist.
Möglicherweise meldet sich jetzt gleich Elisabeth Ertl und sagt, dass ich Verbraucherbashing betreibe…:-)
Es ist doch die klassische Entscheidung des Kunden, in dem Produkt einen persönlichen Mehrwert zu erkennen, und dafür auch bereit zu sein mehr zu bezahlen. In dem Moment, wo er sein Geld zusammenhalten muss, wirft er den Mehrwert über Bord und negiert seine eigenen Maßstäbe. „It’s the economy, stupid“
DAS ist das, was so viele Menschen nicht akzeptieren wollen und deshalb immer wieder eine Regulierung, einen Zwang einführen möchten, um das vermeidlich Gute erzwingen zu wollen. Siehe E-Auto oder Wärmepumpe…..
@RS
Oder der Verbrenner, weil daran leider immer noch viele Arbeitsplätze hängen.
In Deutschland werden niemals konkurrenzfähige E-Autos hergestellt werden (können).
Die Chinesen haben nach der EU-Verordnung zum Verbrenner-Aus die Roboter angeworfen und den E-Auto-Markt überschwemmt. Sie wussten, dass die EU ein so großer und lahmer Tanker sein würde, dass sie die Rücknahme nicht kurzfristig umsetzen würde.
Hätte man den Verbrenner belassen, hätte China niemals so extrem auf E-Produktion umgestellt, und die Autobranche könnte nun das, was die Japaner, Chinesen und Koreaner umsetzen machen können: Hybride Antriebe. Dieser Übergang hätte etwas retten können, ist aber ebenfalls verschlafen bzw. „wegverordnet“ worden. DAS kommt dabei raus, wenn man die Welt retten möchte. Sie können es schlicht nicht….
…und es sind ja nicht nur die Elektrokarren!
Die gesamte „Energiewende“ hängt ganz wesentlich an China: insbesondere bei Solarzellen und Batterien gibt es weit überwiegend chinesische Hersteller (Northvolt läßt grüßen), und von den Top Ten bei der installierten Windradleistung kommen sieben Firmen aus China.
Wie ich schon sagte: Zukunft findet woanders statt.
Hier hat man den „Verbraucher“ gezielt verarmt, so dass er sich nicht mal mit Förderung ein E-Auto leisten konnte. Der Markt hat dann zu allem Überfluss noch dazu geführt, dass zig inkompatible Ladesäulen-Standards rumschwirren.
Die Familiy-Offices und Vermögensverwalter der Leute, denen letztlich sämtliches Kapital zufließt orientieren sich auf lukrative Sachen in aller Welt. Denen ist good ol Germany dann doch nicht so wichtig.
Ganz normaler Neofeudalismus. Staat nicht handlungsfähig. (Ok, Kriegskredite gehen immer)
Aber zurück zum Heu: ihr habt Sorgen…
Die Chinesen müssen aber auch mit den Problemen leben lernen… schaun mer mal.
China erwartet bis 2030 pro Jahr 1,1 Millionen Tonnen alte E-Auto-Akkus – die Regierung greift ein – FOCUS online https://share.google/hDtrwExiWcFQJMfSm
RS: So ist es! Der Verbrenner wird uns noch Jahrzehnte erhalten bleiben! Es gibt genug alternative Kraftstoffe( Biokraftstoffe, E-Fuels,Re-Fuels, HVO)! Deutschland hat sich mit der E-Mobilität verzockt! Typen wie Diess ( ehemals VW) haben VW ins Abseits gewirtschaftet! Bin ja ein Fan von China’s Wirtschaftspolitik und die haben es eben drauf, solchen Hype bei den Antrieben schnell zu realisieren ! Deutschland sollte sich weiter auf den Motorenbau und die Abgassysteme konzentrieren ( Porsche 6-Taktmotor, Patent in USA angemeldet) bzw. wie BMW auf selbiger Plattform nach Bedarf des Kunden Autos bauen! Ich selbst fahre seit Jahren immer wieder 6-Zylinder Diesel PKW dienstlich und jetzt privat…
… im Agrarbereich ist es Bio und Tierwohlfleisch, die zwar bisher staatlich nicht verordnet wurden, aber durch „vorauseilenden Gehorsam“ bei Handel und bei Berufsverbänden „durchgedrückt“ werden sollen. Das funktioniert aber nicht im offenen EU-Markt und schon garnicht, wenn dieser sogar geöffnet ist für Drittländer.
Es wird sich auch nichts ändern, weil der Staat trotz aller Moral immer noch günstige Lebensmittel will. Allerdings zwingt er die eigene (Land-) Wirtschaft in die Knie.
@AK
Schenkelklopf!
Die Politik wollte beim LEH etwas durchgedrückt?
Die Öffnung für Drittländer geschieht, weil die unsere industriellen Ladenhüter abnehmen; z.B. die Verbrenner.
Ich rufe hier gern noch einmal in Erinnerung, der ldw. BIP-Anteile liegt bei 0,76%! Wieso sollten man also, aus wirtschaftlichen Gründen, Rücksicht auf die Landwirtschaft nehmen?
@Kemetbauer
„Die Politik wollte beim LEH etwas durchgedrückt?“
Habe ich nicht geschrieben!“
„Sauber bleiben“ beim Kommentieren.
Treiber sind bestimmte Medien und NGO’s und die „Bückbürger“ in Politik, Verbänden und Gesellschaft machen mit.
@BW
Vielleicht haben sich die geschmacklichen Prioritäten der Edelblüter geändert. Vielleicht hat sich auch die Zusammensetzung der Grünlandnarbe und somit die Qualität des Heus geändert. Vielleicht …. . Vielleicht ….. . Nichts ist mit einem ewigen Wert versehen.
Das auf dem Foto zu sehende Grüngut, scheint auch eher eine Anwelksilage werden zu wollen.
Wie immer sucht man den Schuldigen sofort beim Landwirt. Die meisten Pferde werden nicht richtig gehalten…. und damit meine ich nicht den Stall, sondern die meist fehlende Bewegung. Der Tierhaltende Landwirt hätte längst die Veterenärverwaltung am Hals, wenn Er Seine Pferde wie Gartenzwerge halten würde. Oftmals ist dann beim Töchterlein das Geld noch knapp, so dass das billigste Heu am Markt gekauft werden muss und dann nimmt eben alles seinen Lauf.