Monate: September 2015

Skuriller Trend

Geht es Ihnen auch so wie mir? Kaum schalten Sie den Fernseher an, sehen Sie mal wieder eine Koch-Show. Und zwar auf allen Kanälen, zu fast jeder Tageszeit. Im öffentlich-rechtlichen genauso wie auf den Privatsendern. Gleichzeitig kann man bei einem Marktforschungsunternehmen nachlesen, dass der durchschnittliche Deutsche für die Zubereitung seiner Mahlzeiten 29 Minuten am Tag verwendet. Damit liegen wir knapp hinter den Amerikanern. Die können es noch schneller, mit 27 Minuten. In 29 Minuten ist Kartoffel schälen schon drin. Sie wissen, was Kartoffeln sind? Das sind diese runden, braunen Erdfrüchte, die die Bauern aus der Erde holen… Wir Deutsche sind schon ein komisches Völkchen. Irgendwie scheinen wir eine gespaltene Persönlichkeit zu haben. In kaum einem anderen Land ist der Einkauf von Lebensmitteln beim Discounter so beliebt, wird ein so geringer Anteil des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben. Gleichzeitig führen wir in Deutschland eine permanente Diskussion über Ernährung, lesen in den Zeitungen, wie gefährlich das ein oder andere Lebensmittel ist, dass Zucker dick macht, und dass der Fleischverzehr in seiner Gesundheitsgefährdung dem Rauchen ja schon sehr nahe …

Im Dialog: Eine Fernseh-Journalistin und die Landwirtschaft

Iris Rohmann ist Journalistin und Buchautorin. Wir haben schon länger Kontakt miteinander.  Jetzt hat sie sich meinen kritischen Fragen gestellt: Zur Arbeit einer Journalistin, zu Vorgaben des Senders, ihrer persönlichen Einstellung zur Landwirtschaft usw.. Gleich die erste Antwort hat mich sehr verblüfft, andere Antworten haben mich nachdenklich gemacht. Vielen Dank für die offenen Worte.   Frau Rohmann, Sie sind ja freie Journalistin und arbeiten viel für das WDR-Fernsehen. Da bekommen Sie doch sicherlich einiges an Vorgaben, wie ein Bericht über Landwirtschaft auszusehen hat, damit der auch gesendet wird, oder?  Vorgaben wie ich über Landwirtschaft zu berichten habe? Ehrlich gesagt nein. Ich hoffe, das enttäuscht Sie jetzt nicht. Themen für Beiträge entstehen durch gemeinsame Gespräche mit Redakteuren und KollegInnen, wir verstehen uns als Team. Manche Themen schlage ich selbst vor, manchmal kommen andere auf mich zu, wenn sie denken, ein Thema „wäre was für mich“. Zuweilen entstehen Ideen auch beim gemeinsamen Mittagessen. Ich spreche mit vielen Menschen über Landwirtschaft. Sie alle steuern Informationen bei, nur selten sitze ich ganz allein im Büro und tüftele einen Beitrag aus. …

Erntedank

„Erntedank-Fest? Ach ja, das ist der Sonntag, wo die Bauern und andere in der Kirche Obst und Gemüse so dekorativ um den Altar stellen. Ich gehe ja nicht oft in die Kirche, aber da gehe ich manchmal hin, weil man da günstig an Lebensmittel kommen kann. Weil die Bauern das ja spenden. Ist  billiger als beim Aldi und auch richtig frisch. Weiß zwar nicht, ob das auch Bio ist, aber dafür ist es halt günstig. Ansonsten stehe ich ja mit den Bauern eher auf Kriegsfuß. Ist ja schon schlimm, wie die mit ihren Pestiziden unsere Nahrungsmittel verseuchen. Und in den letzten Wochen sind sie wieder mit den großen Güllefässern über den Acker gefahren. Das hat vielleicht gestunken und die schwarze Brühe ist bestimmt nicht gut für unser Trinkwasser. Da ist jetzt bestimmt Nitrat drin, drum trinke ich auch lieber Cola oder Sprudel. Und dann quälen die ja auch die Tiere. Sieht man ja im Fernsehen, wie die armen Schweine und die Hühner da in riesigen Ställen zusammengedrängt leben müssen. Furchtbar, müsste man eigentlich sofort abschaffen.“ So, oder so ähnlich …

Zuckerrübe komplett: Vom Acker bis in die Zuckerfabrik

Heute ein Gang durch die Zuckerfabrik. Ihr könnt aber gleich auf Minute 2:30 springen, weil ihr das andere schon gesehen habt. Tim Wischmann erklärt die einzelnen Stationen. Zum Schluss verlässt alles, was in die Zuckerfabrik reingekommen ist, das Werk auch wieder. Im Wesentlichen sind das Zucker (logisch), Futtermittel als Preßschnitzel oder Pellets, Carbokalk und Rübenerde. Und der Tim erklärt das wirklich gut! Danke Tim, du könntest glatt bei der „Sendung mit der Maus“ mitmachen. 0

Geld stinkt nicht

Da der Milchpreis im Keller und eine Erholung nicht in Sicht ist, hat mich Alois aus dem Allgäu, erfahrener Tierhalter und kreativer Marketing-Experte auf ein neues Produkt hingewiesen, dass die Misere für viele Milchviehhalter beenden könnte: Kuhscheiße! Da ich von Tierhaltung nicht viel verstehe, hier seine Rechnung: Erlös Kuhscheiße Eine deutsche Durchschnitts-Kuh produziert am Tag rund 0,055 Kubikmeter Gülle. Umgerechnet auf organische Trockensubstanz (oTS) ergibt das rund 4,4 kg trockenen Rinderdung. OBI verkauft 12,5 kg Rinder-Dung für 15,99 €, was einem Kilopreis von 1,28 € entspricht. Dies ergibt somit einem Erlös von 5,63 € pro Kuh und Tag. Erlös Milch Die durchschnittliche Milchleistung in Deutschland 2013 betrug 7.400 Liter pro Kuh und Jahr, was einem Output pro Tag von 20,27 Liter entspricht. Bei einem Erlös von 0,26 € pro Liter ergibt sich ein Erlös von 5,27 € pro Kuh und Tag. Was will uns das sagen und welche Folgen sind zu erwarten? Diese Rechnung belegt eindeutig, dass Milchviehhalter das falsche Produkt verkaufen. Kuhscheiße bringt mehr ein! (gut, das mit dem Trocknen haben wir mal außen vor …

Sonntagsfrage

Lokführer streiken, Piloten streiken, Fluglotsen streiken, Erzieherinnen legen die Arbeit nieder. Warum? Sie alle wollen auf eine, aus ihrer Sicht, nicht zufriedenstellende Situation aufmerksam machen, und sei es nur, dass sie mehr Geld fordern. Bauern streiken nicht, sie sind auch keine Angestellte, sondern selbständig. Doch auch viele Bauern sind mit ihrer Situation (und den Preisen) unzufrieden und wollen darauf aufmerksam machen. Doch wie? Das wollen wir von euch wissen. Ich könnt abstimmen oder auch Kommentare schreiben. Wäre schön, wenn sich auch Nicht-Landwirte daran beteiligen würden. [yop_poll id=“3″] 0