Bauer Willi
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Im Dialog: Eine Fernseh-Journalistin und die Landwirtschaft

Iris Rohmann ist Journalistin und Buchautorin. Wir haben schon länger Kontakt miteinander.  Jetzt hat sie sich meinen kritischen Fragen gestellt: Zur Arbeit einer Journalistin, zu Vorgaben des Senders, ihrer persönlichen Einstellung zur Landwirtschaft usw.. Gleich die erste Antwort hat mich sehr verblüfft, andere Antworten haben mich nachdenklich gemacht. Vielen Dank für die offenen Worte.

 

  • Frau Rohmann, Sie sind ja freie Journalistin und arbeiten viel für das WDR-Fernsehen. Da bekommen Sie doch sicherlich einiges an Vorgaben, wie ein Bericht über Landwirtschaft auszusehen hat, damit der auch gesendet wird, oder?

 Vorgaben wie ich über Landwirtschaft zu berichten habe? Ehrlich gesagt nein. Ich hoffe, das enttäuscht Sie jetzt nicht. Themen für Beiträge entstehen durch gemeinsame Gespräche mit Redakteuren und KollegInnen, wir verstehen uns als Team. Manche Themen schlage ich selbst vor, manchmal kommen andere auf mich zu, wenn sie denken, ein Thema „wäre was für mich“. Zuweilen entstehen Ideen auch beim gemeinsamen Mittagessen. Ich spreche mit vielen Menschen über Landwirtschaft. Sie alle steuern Informationen bei, nur selten sitze ich ganz allein im Büro und tüftele einen Beitrag aus. Natürlich lese ich auch viel, fast unverständliche juristische Abhandlungen, chemische Forschungsergebnisse, oder ich grabe mich durch hunderte von Seiten in dicken Abschlussberichten wie: „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“.

  • Ist es Ihnen schon passiert, dass Kommentare von der Redaktion „verändert“ wurden, damit es in den Zeitgeist passt?

Ich würde zunächst gern die Gegenfrage stellen: Was ist Zeitgeist? Zeitgeist ist vielleicht, dass allerorten eine Art Ich-Religion praktiziert wird, und das Goldene Kalb dieser Ich-Religion könnte das Schnäppchen sein? Zumindest kommt es mir manchmal so vor, als ginge es in unseren Leben nur noch um Konsum, um Wachstum, um ewige Jugend, um Selbstoptimierung, um Ablenkung, und darum, dass unsere Bedürfnisse immer unmittelbarer befriedigt werden, schneller, mehr und besser – und natürlich billiger! Das alles ohne Reue, ohne Übergewicht, und ohne über die Folgen unseres Tuns nachzudenken zu müssen. Aber das haben Sie sicherlich nicht gemeint. Obwohl auch die Landwirtschaft unter diesem Zeitgeist leidet.

Also nochmal von vorn. NEIN. Ich habe es noch nicht erlebt, dass meine Beiträge zensiert worden sind. Es ist NICHT üblich. Zumindest nicht in den Redaktionen, für die ich seit längerer Zeit arbeite. Für unsere jüngste WDR-Reportage „Wie gut ist unsere Milch“ haben meine Kollegin Monika Kovacsics und ich fast ein Jahr lang recherchiert. So lange, bis mir die Milch zu den Ohren rauskam und ich zuweilen das Gefühl hatte: Ich verstehe gar nichts mehr. Es ist zu komplex. Jeder sagt etwas anderes. Am Ende waren wir vollkommen frei darin, die Essenz all dessen, was wir erfahren, gesehen und gehört hatten, in dreißig Minuten aufzubereiten, nach bestem Wissen und Gewissen.

Dabei sind zwei Dinge wesentlich: Ein Beitrag sollte verständlich sein. Und: Zuschauer sollen sich eine eigene Meinung bilden können. Dafür liefern wir nicht nur Fernsehbeiträge, sondern in den Internet-Auftritten zu unseren Sendungen massenweise Zusatzinformationen und Links, auch Multimediareportagen wie „Woher kommt unser Fleisch“, damit Interessierte sich weiter in einem Thema fortbewegen können. Ich möchte gern Impulse geben. Und dabei nehme ich schon eine klare Haltung ein. Aber ich manipuliere nicht.

Natürlich gibt es auch die andere Seite. Eine Redaktionsleiterin wollte mir vorschreiben, wie ich zu arbeiten hätte. Der Zeitgeist war zu jener Zeit, dass man „Emotionen um jeden Preis“ hervorrufen wollte. Konkret ging es darum, dass ich vor laufender Kamera nach einem Flugzeugunglück bei den Angehörigen der Opfer klingeln sollte, und dann „draufhalten“. Damals arbeitete ich für einen Privatsender, und es gab Kollegen, die solche Dinge gemacht haben. „Witwenschütteln“ nannte man das zynisch. Das gibt es leider heute noch – vor allem bei Boulevard-Formaten in TV-, Radio oder Print. Ich muss die Paradebeispiele hier nicht nennen oder? Jedenfalls habe ich mich damals geweigert, das zu tun, und es hat mich den Job gekostet. Ich habe daraus gelernt, und mir im Laufe der Zeit Auftraggeber gesucht, die zu mir „passen“, wo ich und meine Arbeit geschätzt werden und ich mich nicht verbiegen muss.

  • Sie haben ja bereits einige Agrarthemen bearbeitet. Hat sich im Laufe der Zeit etwas in Ihrer Einstellung gegenüber den Landwirten/Landwirtschaft geändert?

Da kann ich nur Ja und nochmal Ja sagen. Die unmittelbarste Änderung, als wir 2013/2014 an unserer Reportage: „Woher kommt unser Fleisch“ arbeiteten, war: Ich hörte auf, Fleisch zu essen.

Stimmt nicht ganz. Ich hörte auf, billiges Fleisch zu essen. Anfangs fiel es mir schwer, weil ich aus einer „fleischfressenden“ Familie stamme – ich habe 4-5mal in der Woche Fleisch gegessen. Doch je mehr ich über Landwirtschaft erfuhr, und auch mit Tieren und unterschiedlichen Haltungsbedingungen in Kontakt kam, desto leichter ist mir der Verzicht gefallen. Heute esse ich 1-2 Mal Fleisch im Monat und betrachte es als Luxus! Ich weiß, woher mein Fleisch kommt, und bezahle gern den höheren Preis. Es ist eine Frage, welche Prioritäten man setzt, glaube ich.

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Bild: WDR Servicezeit „Wie gut ist unsere Milch“

Etwas ähnliches passierte dann mit Milch – und überhaupt mit landwirtschaftlichen Produkten. Meine Ernährung ist heute eine andere, als vor Beginn der Beschäftigung mit der Landwirtschaft. Und insgesamt ist es auch nicht so wahnsinnig viel teurer, als wenn ich im Supermarkt Erdbeeren im Winter essen will oder zur Tiefkühlpizza greife – nur ich fühle mich erheblich besser damit. Ich habe gelernt, dass Fleisch, Eier, Gemüse keine Konsumartikel, sondern wertvolle Naturprodukte sind, für die andere Menschen hart gearbeitet haben. Für die Tiere ihr Leben gelassen haben – und persönlich bin ich der Meinung, dass jeder Verbraucher einmal einen Schlachthof besuchen sollte, um das wirklich zu verstehen. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte: Unser Boden, und die Produkte die er hervorbringt, sind die Basis des Wohlstandes dieses Landes. Autos, Industrieprodukte und rosa Luftballons werden vergehen. Sogar das Internet! Der Boden bleibt derselbe – das Wasser, die Bäume und die Felder. Sie finden das romantisch? Wir können uns gern in 1.000 Jahren auf einer Wolke treffen und gemeinsam runter schauen. Ich wette, ich behalte recht.

Ein Sternchen noch, bevor ich abhebe: Ich sündige auch manchmal. Dann esse ich schnell ein Hähnchen-Sandwich beim Billigheimer, obwohl ich weiß, was ich weiß…

  • Der überwiegende Teil der Berichte über Landwirtschaft sind kritisch und anklagend? Halten Sie das für berechtigt? 

Das war vielleicht einmal so, aber für die aktuelle Medienlage teile ich Ihre Wahrnehmung nicht. Ehrlich gesagt kann ich manchmal das Weinen der Bauern auch nicht mehr verstehen. Zumindest nicht, wenn es um die Medien geht – wenn es um ihre Arbeitsbedingungen und fallende Erzeugerpreise geht, kann ich das sehr wohl.

Ich lese viele Artikel zum Thema Landwirtschaft in so vielen Zeitungen, ich sehe Fernseh-Berichte, höre Radiofeatures – viele davon sind positiv, auf Seiten der Landwirte, und jede neu eröffnete Milchtankstelle wird im Lokalteil der regionalen Zeitung ausführlich beworben – auch wenn das die Milchwirtschaft nicht rettet.

Aber es gab und gibt sie – kritische Berichte. Und negative Emotionen gegenüber Missständen in der Landwirtschaft, die dann auf andere übertragen werden. Anfangs habe ich solche Fehler auch gemacht. Ich denke das hatte mehrere Gründe. Erstens: Landwirtschaftliche Themen waren nicht im Gesichtsfeld der gesellschaftlichen oder medialen Aufmerksamkeit. Zweitens: Man hat sich auf die schwarzen Schafe konzentriert. Drittens: Die Stimme der Landwirte war nicht zu hören. Sie ist bis heute nicht laut genug, deshalb ist Bauer Willi so wichtig! Viertens: Viele Landwirte hielten (und halten) Journalisten für doofe Stadtmenschen, die keine Ahnung von nix haben, und sich nicht die Schuhe dreckig machen wollen… Wie oft ist mir dieses Vorurteil entgegengeschlagen. Nur weil ich gern rote Schuhe trage…

Summa Summarum denke ich: Wir sind auf einem guten Weg miteinander. Dialog ist wichtig. Und das geschieht auch mehr und mehr – unser Gespräch ist ein Beispiel dafür. Schauen Sie Berichte wie „Kleine Bauern, große Bosse“ (NDR), oder „Die Gülleflut“ (WDR), „Mut gegen Macht – die Milchrebellen“ (WDR), „Armes Schwein“ (NDR) oder – last but not least: „Wie gut ist unsere Milch?“ (WDR). Und ich nenne jetzt nur ARD-Produktionen. Das sind informative Dokumentationen, die in Zusammenarbeit von Journalisten und Landwirten entstanden sind.

  • Billige Lebensmittel auf der einen Seite, der Wunsch nach mehr Tierwohl auf der anderen Seite. Wie sehen Sie die Rolle des Bürgers, des Verbrauchers und des Lebensmitteleinzelhandels? Warum kommen diese beiden Gruppen in den Medien relativ wenig vor, bzw. gut weg?

*Seufz* Ja – warum sagen Verbraucher in allen Umfragen, sie würden mehr Geld ausgeben für mehr Tierwohl, doch an der Fleischtheke greifen sie dann doch zu den Rinderrouladen für 4,99 das Kilo? Ich höre viele Argumente von Verbrauchern – die meisten davon haben mehr mit Bequemlichkeit zu tun als mit Geldproblemen.

Vielleicht ist es so, dass wir Menschen instinktiv auf schnell und billig anspringen – „All you can fress“ wie es in einem Film so schön heißt? Vielleicht ist es einfach nur schwer, Gewohnheiten zu verändern? Davon kann ich schließlich ein Lied singen. Und wenn Ethik auf der einen Waagschale liegt – und Rinderrouladen für 4,99 – was wiegt wohl stärker? Ich sehe mich selbst an der Wegkreuzung stehen. Auf dem rechten Schild steht: „Sinn des Lebens“. Auf dem linken steht: „Bäckerei“. Für welchen Weg entscheide ich mich? Und Sie? Und wir alle? Als Gesellschaft? Und die nächste Frage wäre dann: Für welche Form der Landwirtschaft entscheiden wir uns? Jetzt und in der Zukunft?

Ich möchte Stephanie Strotdrees vom gleichnamigen Biolandhof zitieren: „Die politische Entscheidung jedes Verbrauchers sitzt in seinem Portemonnaie.“ Das ist die Rolle des Bürgers, der Verbraucher ist. Martin Hofstetter, Agrarexperte von Greenpeace, würde wohl hinzufügen: „Wenn wir mehr Tierwohl wollen, müssen wir bereit sein, den Aufpreis zu zahlen. Das sollte es uns wert sein.“ Ich weiß nicht, wie oft ich solche Statements schon in meine Beiträge rein geschnitten habe. Oder wie viele Lebensmittelskandale Verbraucher noch benötigen, damit etwas sich ändert – und zwar so, dass alle davon profitieren – Verbraucher, Landwirte, Tiere, Böden. Ja – wir sind entfremdet von dem, wovon wir leben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir als Spezies noch zur Vernunft kommen. Vom Homo oekonomicus zum Homo sapiens – einem wissenden und verständigen Wesen, und das in jeder Hinsicht.

Die Rolle des Einzelhandels? Die Lebensmittel-Konzerne streichen viele Millionen Gewinne ein. Sie können ja mal nachfragen, wie viel genau – da werden die Auskünfte dann sehr vage. Das ist eine grundverkehrte Stellschraube unseres Wirtschaftssystems. Gewinn ist alles. Gier wird belohnt. Sozialverträglichkeit, Arbeitnehmerrechte, Qualität der Produkte, Förderung regionaler Wirtschaftsstrukturen – klar, da gibt es Feigenblätter und Pilotprojekte, doch im Grunde läuft alles über den Preis. Kartoffeln aus Zypern oder aus Ägypten sind billiger, als die vom Landwirt um die Ecke. Bio aus Israel ist billiger, als vom Biobauern vor Ort. Das geht in meinen Augen in die falsche Richtung. Der Einzelhandel könnte konkreter und umfassender regionale, saisonale Ware fördern. Viel mehr als die momentanen Pilotprojekte, denen sich sogar Aldi angeschlossen hat – der Discounter, der Milliarden mit der Armut der Menschen macht, aber nicht einmal eine anständige Pressestelle unterhält. Es müssen existenzsichernde Erzeugerpreise gezahlt werden. Aber wie soll das gehen, in unserem gewinnorientierten, auf Wachstum geeichten Wirtschaftssystem? Bin für Ihre Vorschläge offen!

Als nächstes werde ich mir dann ein paar Fragen für Sie ausdenken… 😉

Iris Rohmann

@iris_rohmann

 

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107 Kommentare

  1. Walter Parthon sagt

    @Marco G.

    “ Überdüngung und resultierende Auswaschung von Nährstoffen in das Grundwasser (Nitrat im Trinkwasser“

    Ihnen ist schon klar das Millionen von Autos auf den Straßen fahren. Es ist ja einfacher alles der Landwirtschaft in die Schuhe zu schieben

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    • Marco G. sagt

      Es ging hier insgesamt um Landwirtschaft auf dieser Seite und wollte daher beim Thema bleiben.

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      • Mr Tom sagt

        Mich würde ja brennend interessieren, wo es solch billigen Dünger zu kaufen gibt, dass ich mir „Überdüngung“ leisten könnte.

        Mittlerweile halten GPS – gestützte Technologien in Verbindung mit Sensortechnik Einzug, um den Dünger noch präziser und bedarfsgerechter zu verteilen – und zwar dann, wenn er von der Pflanze gebraucht wird.

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        • Schweinebauer Piet sagt

          Düngun mit dem N-Sensor ist klasse! Es wird dem Bedarf entsprechend gedüngt. Das spart Dünger und das dreschen geht besser.

          Toll wenn ich nun noch günstigen Dünger bekomme, der gut ist!

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  2. Walter Parthon sagt

    @Fendt wie immer falsche Angaben keine 14000 Tonnen

    Insgesamt sind im Jahr 2014 1.238 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Die Hauptabgabemengen bilden, wie in den vergangenen Jahren, Penicilline mit etwa 450 t und Tetrazykline mit etwa 342 t, gefolgt von Sulfonamiden mit 121 t, Makroliden mit 109 t und Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 107 t.

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  3. Walter Parthon sagt

    @Marco G. in deiner Aufzählung hast folgendes vergessen

    Sie sind unsichtbar, aber dennoch kommen sie mit dem Trinkwasser aus jedem Wasserhahn: Überbleibsel von Medikamenten. Tausende Tonnen davon gelangen jährlich in den Wasserkreislauf. Mit dabei sind unter anderem Wirkstoffe wie das allgegenwärtige Schmerzmittel Ibuprofen, verschiedene Antibiotika und der Wirkstoff der Anti-Baby-Pille.
    Menschen scheiden die Stoffe aus oder werfen sie – in Form von abgelaufenen Medikamenten – gleich in die Kloschüssel. Hinzu kommen die Medikamente, vor allem Antibiotika.

    Wissenschaftler warnen schon länger vor den Folgen dieser Verschmutzung für die Tier- und Pflanzenwelt. So konnten Forscher nachweisen, dass die Medikamenten-Rückstände die Fortpflanzung zum Beispiel von Fischen beeinträchtigen. Das Alarmierende: Die Mittel reichern sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr im Wasser an, weil sie sich schlecht bis gar nicht abbauen. Über die langfristigen Folgen dieses Effekts ist bisher kaum etwas bekannt.

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    • Andreas Fendt sagt

      über 14.000 Tonnen Antibiotika die jährlich in der Landwirtschaft eingesetzt werden, lösen sich auch nicht in Luft auf und sind vor allem eines: weitestgehend überflüssig, wenn man auf das richtige landwirtschaftliche System setzen würde.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Insgesamt sind im Jahr 2014 1.238 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Die Hauptabgabemengen bilden, wie in den vergangenen Jahren, Penicilline mit etwa 450 t und Tetrazykline mit etwa 342 t, gefolgt von Sulfonamiden mit 121 t, Makroliden mit 109 t und Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 107 t.

        Quelle:
        Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

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    • Marco G. sagt

      @Walter Parthon: Besten Dank für die Ergänzung, das habe ich wirklich vergessen. Aber wir sehen: der Boden als „Filter“ ist nicht unbegrenzt belastbar, wenn jegilche Stoffe mittlerweile den Grundwasserkörper erreichen.

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  4. Marco G. sagt

    Nur eine Randbemerkung: Als Bodenkundler kommt mir da natürlich das Thema Boden immer zu kurz. Bodenverdichtung, Humusschwund, Wind- & Wassererosion, Überdüngung und resultierende Auswaschung von Nährstoffen in das Grundwasser (Nitrat im Trinkwasser), Rückstände von Herbiziden/Pestiziden/Fungiziden im Bodengefüge, Klimawandel und Bewässerungsnotwendigkeit….DAS sind Probleme die uns die Böden mittelfristig unfruchtbar machen könnten in einer industriellen Landwirtschaft. Natürlich ist bekannt, dass der Markt dies mitbringt und ein Landwirt als Unternehmensleiter alles tun muss, um bei diesen Preisen mitzuhalten. Die Wissenschaft warnt dennoch seit Jahren davor – gehört wird es selten. Lassen sie mich mit einem in der Szene bekanntes indianisches Sprichwort enden: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“. Erde = Boden.

    4+
    • Andreas Fendt sagt

      Vielleicht nimmt der Willi das wichtige Thema mal auf seine Themenliste (kann dauern, aus gut informierten Quellen weiss ich der Willi hat in diesen Tagen viel Stress und wenig Zeit, jaja mühsames Rentnerdasein 🙂 )
      Gerne auch in Verbindung mit den Auswirkungen von Glyphosat auf das Bodenleben oder einem Interview mit einem Pionier der schonenden Bodenbearbeitung unter Biobedingungen Friedrich Wenz.
      Als Biobauer verehre ich meinen Boden, obwohl ich durch ihn steinreich bin. Wie bei einer schönen Frau vermeide ich ihn nackt in der Öffentlichkeit rumliegen zu lassen und versuche vieles damit es ihm gut geht…

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      • Marco G. sagt

        Das wäre mal was 🙂 Es gibt viele Boden-Themen die in den Medien untergehen. Dabei gibt es Kohorten von preisgekrönten und international renommierten Wissenschaftlern die ihr Wissen gerne mit der Welt außerhalb der Universitäten und Forschungseinrichtungen teilen würden. Wir haben ein Recht darauf: über Steuergelder finanzieren wir die Forschungsprojekte.

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        • Andreas Fendt sagt

          ich fordere seit Jahren mehr Forschung z.B. zu langfristigen Auswirkungen einer bioveganen Landwirtschaft auf die Böden. Da gibt es nix vernünftiges dazu. Ebensowenig zu Nachteilen der Standard pfluglos Methode mit massivem Glyphosat Einsatz.

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          • bauerhans sagt

            „Ebensowenig zu Nachteilen der Standard pfluglos Methode mit massivem Glyphosat Einsatz. “

            es gibt bei pfluglos keine nachteile und auch keinen massiven einsatz von glyphosat,allerdings muss man speziell den ackerfuchsschwanz im griff haben.

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            • Andreas Fendt sagt

              ich arbeite selbst weitestgehend pfluglos, aber Standard ist eben der Einsatz von Roundup und DAS ist der entscheidende Nachteil von pfluglos heute. Bin gespannt, wie sich das entwickeln wird, wenn Glyphosat endlich nächstes Jahr verboten wird.

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              • Schweinebauer Piet sagt

                Seit über 15 Jahren arbeiten wir pfluglos und setzen kaum Glyphosat ein. Auch das immer häufig genannte Problem der Pilzkrankheiten im Getreide gibt es nicht. Eher im Gegenteil, wenn die Stoppeln durch gute Nacht Stoppelbeabeitung verrotten ist es besser als unterplügen und in einem Jahr wieder rauf pflügen.

                Prof. Schlüter von der FH Kiel in Rendsburg hat hier gute Erkenntnisse.

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            • Schweinebauer Piet sagt

              Bei Ackerfuchsschwanz sollte man immer schön die Keimruhe beachten und nicht zu früh drillen. Lieber einmal öfter mit leichten Eggen, wie dem Supermaxx über die Stoppeln. Der mischt auch gut, was der Pflügelschargrubber nicht kann.

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      • Weserwirt sagt

        Ja, das finde ich einen guten Hinweis mit den Böden. Da kann Willi mal von seinen „Schokoladenböden“ erzählen, zumal wir ja auch das „Jahr des Bodens“ haben. Er hat ja auch schon vom „Hundegang“ des Rübenvollernters berichtet in seinem Rübenernte-Video, die Lastenverteilung auf eine größere Fläche. – Andererseits ist es enorm schwierig, Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen. „Bodenkundler“ wie „Marco G.“ sind ja bereits festgelegt, was raus kommen soll.

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        • Marco G. sagt

          Das Spannungsfeld lautet:

          Marktwirtschaft vs. Bodenschutz vs. Klimaschutz vs. Naturschutz vs. Artenschutz.

          Alles politisch oder gesellschaftlich gefordert. Wird an einer Stellschraube gedreht, verändert sich die andere. Äußerst komplex. Aber dieses Konstrukt muss einem immer bewusst sein, wenn man Änderungen fordert.

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          • Andreas Fendt sagt

            man kommt immer wieder rasch an die Grundfrage: wie nachhaltig und ethisch ist unsere aktuelle, sogenannte „moderne“ Landwirtschaft. Und die Antwort ist klar: sie ist weder nachhaltig (In Bezug auf Verbrauch an Böden, Wasser, Erdöl, aber auch Phosphat und Ausstoss von CO2 u.a.) und sie ist nicht ethisch in Bezug auf Welthunger, siehe unsere inakzepable hoher Fleischproduktion der die damit verbundene ineffektive Ackerflächennutzung. „Moderne“ Landwirtschaft ist dumm und egoistisch!

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            • bauerhans sagt

              „“Moderne” Landwirtschaft ist dumm und egoistisch!“

              schreibst du das,um zu provozieren oder bist du davon überzeugt…….
              schliesslich bist du selbst ein teil davon.

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            • Andreas Fendt sagt

              bauerhans! ich würde mich nicht als Teil „moderner“ Landwirtschaft bezeichnen, sondern konvervativer (im wahrsten Sinne des Wortes = bewahrende) Landwirtschaft. und ja, das meine ich vollkommen ernst.

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    • Erich Grantzau sagt

      Während vor Jahrzehnten das Studium der Pedologie – so meine Annahme – in aller Regel verbunden war mit einem Agrar-Fach (Forstwirtschaft, Landwirtschaft…) ist heute das Studium der Bodenkunde vermehrt auch als eigenständige Disziplin üblich.
      Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden – im Gegenteil!
      Wenn der frei von agrarischem Grundwissen agierende Bodenkundler jedoch sehr pauschal lediglich das greenpeace gesteuerte „Grundwissen“ in Sachen Bodenkunde (s. auch „Bodenatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung wiedergibt, dann läuft hinsichtlich der Vermittlung von Fakten einiges schief.
      Also:
      – Humusschwund: Langjährige, sehr umfangreiche Untersuchunmgen von Körschens et. al. zeigen, daß die Humusgehalte unserer landw. genutzten Böden konstant bleiben bzw. leicht steigen. s. http://www.agrarfakten.de.
      – Bodenerosion: Spielt unter mitteleuropäischen Klimaverhältnissen und sachgerechter Bodenbearbeitung nicht oder nur in äußerst geringem Ausmaß statt.
      – Überdüngung: In den vergangenen ca. 30-40 Jahren ist der Aufwand an mineralischen Düngemitteln in der BRD deutlich gesenkt wordcn und zwar. minus ca. 80% Phosphat, minus ca. 70% Kalium und minus ca. 30% Stickstoff. Das gleiche gilt für die meisten übrigen mitteleuropäischen Staaten. Die Daten kann jeder unter Destatis im Internet ansehen.
      Leider ist nach wie vor ist die sachgerechte Verwendung der organischen Dünger bei uns nicht gelöst.
      – Nitratbelastung des Grundwassers: Dazu empfehle ich die Publikationen von Keckl anzusehen.
      – Belastung von Oberflächengewässer: Bereits seit den frühen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde von Seiten der Limnologen dringend vor der ständig steigenden Verschmutzung der limnischen Gewässer gewarnt.
      Als Urasache wurde seinerzeit erkannt, das die permanente Einleitung von unzureichend geklärten oder ungeklärten Abwässern aus Haushalt und Industrie als Ursache in Frage kam. Der Bau von Kläranlagen und die konsequente Ausfällung des enthaltenen Phosphates aus Fäkalien und Waschmitteln führte schließlich dazu, das heute der größte Teil unserer Gewässer einen überwiegend oligotrophen Zustand wieder erreicht hat.
      Siehe dazu igkb – „Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee“.
      Limnologen, die seit Jahrzehnten am und im Bodensee arbeiten, haben dafür gesorgt, daß der Bodensee nach wie vor als Trinkwasserspeicher nutzbar ist.
      Das bezüglich des Bodensees u.a. Gewässer die Landwirtschaft für die Eutrophierungsprozesse nicht verantwortlich war und ist, ist alleine durch die nach wie vor überwiegend konventionelle Landbewirtschaftung im Einzugsbereich des Sees belegt, weil der oligotrophe Zustand des Sees erhalten bleibt trotz der konventionellen Landbewirtschaftung.
      Die Eutrophierungsprozesse des Bodensees und der meisten übrigen Gewässer waren übrigens nicht durch Nitrat, sondern durch Phosphat bedingt. Da das Phosphat ob aus organischen oder mineralischen Düngern in den Böden prinzipiell schwer löslich ist, ausgefällt wird, kommt die Landwirtschaft als Verursacher hier nicht in Frage.
      Hier zeigt sich, das es gut ist, wenn der Bodenkundler auch über grundlegende Kenntnisse aus dem Fach Chemie verfügt.
      Noch eine Frage an Frau Rohmann:
      Wenn die Journalisten des WDR so gründlich recherchieren – das ist übrigens eine Grundverpflichtung der Journalisten – dann hätte ich die Bitte an Frau Rohmann, das sie diese journalistische Grundtugend auch ihren KollegInnen vom SWR vermittelt.
      Anläßlich der Sendung: „odysso – Wissen im SWR“ / „Wie wollen wir uns künftig ernähren?“ wurde die journalistische Verpflichtung auf faktenbasierte Berichterstattung grob fahrlässig verletzt.
      Beste Grüße
      E. Grantzau

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      • Marco G. sagt

        @ E. Grantzau
        Sehr geehrter Herr Grantzau,
        ich bemühe mich stets wissenschaftlich objektiv zu äußern und halte mich stark an die Literatur ohne jeglichen greenpeace-Hintergrund. Bitte verstehen Sie mich da nicht falsch. Ich weiß, dass unsere Landwirte aufgrund der Marktsituation nahezu gezwungen sind die Praxis so durchzuführen wie sie derzeit läuft und sich beste Mühe geben im Rahmen der Gesetze zu handeln, so schwer und anspruchsvoll es auch sein mag. Ich zeige mit meinem Finger auf niemanden.

        -Humusschwund:
        das sind die Ergebnisse einer Studie. Andere widerlegen dies aber auch (bez. auf landwirtschaftlich genutzte Böden) da mit mangelndem Kohlenstoff-input (z.B. organische Dünger) kein Kohlenstoffreservoir im Boden aufgebaut werden kann (mit steigenden Temperaturen wird letztendlich auch die Zersetzung zu CO2 beschleunigt somit gibt es einen Netto C-Abbau) [1, 2, 3, 4, 5]. Aber vielleicht liegt hier wieder ein Definitionsproblem vor: Humus, organische Bodensubstanz, organischer Bodenkohlenstoff meint das alles das Gleiche?

        -Bodenerosion:
        a) Wassererosion: Für Deutschland gibt es dazu einige Untersuchungen seit dem Jahr 2000 in Niedersachsen und erst seit ein paar Jahren auch in Baden-Württemberg. Das Umweltbundesamt weist derzeit 14% der landwirtschaftlich genutzten Fläche eine mittlere langjährliche Gefährdung von >3 Tonnen pro Hektar und Jahr aus. Für 36% der Flächen besteht eine mittlere bis geringe Erosionsgefährdung [6]. Somit sind 50% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland von Wassererosion betroffen. Die BGR hat dazu auch einige nützliche Karten und Flächenverteilung der potentiellen Erosionsgefährdungsstufen herausgegeben [7].

        b) Winderosion: „Auf etwa 25% der Ackerfläche ist der Boden gefährdet. Die Schwerpunkte der potentiellen Winderosionsgefährdung sind im Norddeutschen Tiefland“ [8]. Wobei die Flächenverteilung für 50% der Ackerflächen eine sehr geringe Gefährdung angibt.

        -Überdüngung:
        mir ging es hier in erster Linie um die organischen Dünger. Da habe ich den klaren Bezug vergessen.

        -Nitratbelastung des Grundwassers:
        Wie habe ich diesen Kommentar zu deuten? Die Karten sind alle rot [9] obwohl die mittleren Nitratgehalte im EU-Messnetzt langsam zurückgehen [10] aber das ist der Mittelwert über die EU. Schaut man sich z.B. in Niedersachsen die Tierzuchtregionen an, so werden die Grenzwerte ständig überschritten [11]. Aber wohin mit dem Überschuss an organischen Düngern? Der Export in andere Regionen ist teuer.

        -Belastung von Oberflächengewässer:
        wegen Zustimmung habe ich dem nichts mehr hinzuzuführen.

        1] Capriel, P. (2013): Trends in organic carbon and nitrogen contents in agricultural soils in Bavaria (south Germany) between 1986 and 2007. Eur. J. Soil Sci. 64, 445–454. DOI: 10.1111/ejss.12054

        2] Goidts, E., Van Wesemael, B., (2007): Regional assessment of soil organic carbon changes under agriculture in Southern Belgium (1955–2005). Geoderma 141, 341–354. DOI:10.1016/j.geoderma.2007.06.013

        3] Mestdagh, I., Sleutel, S., Lootens, P., et al., (2009): Soil organic carbon-stock changes in Flemish grassland soils from 1990 to 2000. J. Plant Nutr. Soil Sci. 172, 24–31. DOI: 10.1002/jpln.200700132

        4] Sleutel, S., De Neve, S., Hofman, G., (2007): Assessing causes of recent organic carbon losses from cropland soils by means of regional-scaled input balances for the case of Flanders (Belgium). Nutr. Cycl. Agroecosyst. 78, 265–278. DOI: 10.1007/s10705-007-9090-x

        5] Wiesmeier, M., Hübner, R., Kögel-Knabner, I. (2015): Stagnating crop yields: An overlooked risk for the carbon balance of agricultural soils? Science of the Total Environment, August 2015. DOI:10.1016/j.scitotenv.2015.07.064

        6] http://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/bodenbelastungen/erosion

        7] http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Boden/Ressourcenbewertung-management/Bodenerosion/Wasser/Karte_Erosionsgefahr_node.html

        8] http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Boden/Ressourcenbewertung-management/Bodenerosion/Wind/PEG_wind_node.html

        9] http://www.zdf.de/planet-e/nitratbelastung-im-grundwasser-durch-guelle-duengung-aus-massentierhaltung-39250414.html

        10] http://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/naehr-schadstoffe

        11] http://www.umwelt.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=26048&article_id=88735&_psmand=10

        0
        • Mr Tom sagt

          Sehr geehrter Herr G.,
          offen gestanden finde ich Ihre Ausführungen zur Bodenfruchtbarkeit eher verwirrend als erhellend.

          – Humusschwund:
          Zunächst gehe ich ebenfalls davon aus, dass mit Humus Kohlenstoff gemeint, also mit Humusaufbau Kohlenstoffanreicherung im Boden gemeint ist.
          Einem Bodenkundler muss man sicherlich nicht erklären, dass der Kohlenstoff zu allererst in Form von Ernterückständen (z. B. Stroh) vorliegt. Sicherlich ist Ihnen bewusst, dass zur Humusbildung dem Kohlenstoff (Stroh) in angemessener Menge Stickstoff (Nitrat !!!), sei es mineralisch oder organisch zur Verfügung stehen muss. Stichwort C:N Verhältnis >> lernen wir Landwirte bereits im Berufsgrundschuljahr.
          Das Dilemma ist ja nun der Vorwurf der Überdüngung…..

          -Bodenerosion:
          Sie sprechen hier von einem Gefährdungspotential, das heißt noch lange nicht, dass in diesem Ausmaß Bodenerosion statt findet. Ich selbst habe auch Flächen, welche als erosionsgefährdet eingestuft sind – na und? Das habe ich schon gewußt, bevor mir das Schreiben der Behörde ins Haus geflattert ist. Für die damit verbundenen Bewirtschaftungsauflagen habe ich allenfalls ein müdes Lächeln übrig, die werden auf unserem Betrieb schon seit dreißig Jahren übererfüllt.

          -Überdüngung:
          Beim Thema Humusschwund war noch von fehlendem organischem Dünger die Rede?
          Halten Sie sich noch ein Hintertürchen offen?

          -Nitrat:
          In Ihrem ZDF – Link, Nitratbericht 2012 Seite 8 – 9, kann ich erkennen, dass kaum eine Meßstelle in D vorhanden ist, welche den Grenzwert von 50 mg/l überschreitet…..

          3+
  5. Birgit Sauter sagt

    Mich würde noch interssieren wo Sie sich genau über Landwirtschaft informieren?

    Nach welchen Kriterien suchen Sie sich ihre Quellen aus.

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    • Iris Rohmann sagt

      Recherchen beziehen möglichst viele Quellen ein. Der Milchfilm: Die Kriterien sind anfangs so allgemein wie möglich: Ich lege einen „Milch-Alert“ an und schaue, was reinkommt. Meine Kollegin und ich waren in Supermärkten und haben ca. 20 verschiedene Milchsorten gekauft, auf ihre Herkunft untersucht. Gespräche mit Landwirten (schon bekannte und neue) waren natürlich das Kernstück. Wir haben auch gesprochen mit: Milchverbänden, z.B. MIV, Molkereien, Milchherstellern (verschiedene Marken), Universitäten (Wissenschaftler, auch Kassel), Kliniken (Ernährung), NGOs und Vereinen, von Welttierschutzgesellschaft bis Greenpeace, Verbraucherportalen (VZ und Lebensmittelklarheit). Unsere Gesprächspartner empfehlen in der Regel weitere Quellen und vermitteln weitere Gesprächspartner. Was die Gesundheit von Milch angeht, haben wir gezielt „Milchbefürworter“ und „Milchskeptiker“ angesprochen, Ärzte und Ernährungswissenschaftler. Recherchen verliefen quer durch Lexika, Ministerien (Berichte und Gutachten), Zeitungsrecherchen, auch Fachblätter, Videos, Twitter, Archivrecherchen im eigenen Fundus. In dem fertigen Film konnte nur ein Teil der Recherchen verarbeitet werden. Und die Recherche läuft weiter. Ehrlich gesagt auch deswegen, weil das Thema mich mittlerweile persönlich interessiert ;))

      3+
  6. Weserwirt sagt

    Dialog ist immer gut, Frau Rohrmann, und Ihr Einbringen hier auch!
    Aber der hehre WDR-Journalismus und Sie als als Apologetin für die sauberen Filmbeiträge, mir kommen die Tränen der Rührung. Die Zeitgeist-Frage biegen Sie gleich elegant ab auch die Grundsatzschiene, unser Wirtschaftssystem. Es geht in den Medien doch überall immer auch um Quote, Meinungsführerschaft, Sensation und Unterhaltung. Das liegt in der Natur der Sache. Dokumentation ist wichtig und dazu man muss zwischen den Zeilen lesen. Ich als leidgeprüfter WDR-Konsument musste das so sagen und nur ein Teil meines Vorwurfes geht an Sie direkt…
    Schöne Grüße

    4+
    • Iris Rohmann sagt

      Zunächst danke ich Ihnen für Ihre Tränen und den – zumindest teilweisen – Ablass. Ich gebe Ihnen recht, in den Medien (nicht nur im TV) geht es oft um Dinge, die nur wenig mit Information, aber viel mit Ablenkung und Unterhaltung zu tun haben, und im Wort „Sensationsgier“ spielt ja wieder die Gier eine Hauptrolle. In meinen Augen gibt es ein sich gegenseitig verstärkendes System von Medien und Konsumenten. Beispiel: Ende der 90er Jahre habe ich für eine Talkshow gearbeitet. Anfangs war das recht seriös. Für meine Themen bin ich kreuz und quer durch Deutschland gereist, habe Menschen interviewt, zu jeder Sendung gab es Dossiers vom Umfang einer Diplomarbeit, und mindestens 2 Experten. Dann kamen von einem Tag auf den anderen Formate auf den Sender, in denen Menschen sich vor der Kamera gegenseitig angefeindet haben, privateste Geheimnisse in die Öffentlichkeit gezerrt wurden und so weiter. Tränen flossen, Gäste rissen sich das Mikro von der Brust und rannten schreiend von der Bühne. Innerhalb kürzester Zeit verlor meine Sendung derart an Quote (es war ein Privatsender), und die „Schrei-und-Heulorgien“ am Nachmittag hatten solch starke Zuschauer-Resonanz, dass intern eine Krisensitzung nach der anderen abgehalten wurde, weil der Sender drohte, den Produktions-Vertrag mangels Quote nicht mehr zu verlängern. Eine Sendung ohne Quote ist eine Sendung ohne Werbekunden, also eine wirtschaftlich tote Sendung. Binnen 1-2 Jahren hängte die Moderatorin ihren Job an den Nagel, die Show wurde eingestellt. Warum sage ich das? Weil wir, glaube ich, systemischer denken müssen. Wenn Instinkte bedient werden, Sex, Crime, Spannung, Böses verkauft wird, steigt die Nachfrage (Quote) „Sex sells“ – heißt es, und das stimmt häufig. „Only bad news is good news“ – und auch das stellt sich leider immer wieder als richtig heraus, inklusive eines wachsenden Voyeurismus in der Medienlandschaft, der die Quote/Auflage wiederum erhöht. Das führt dazu, dass in Hinblick auf diese Nachfrage produziert wird, damit die Gewinne steigen. Dass dieses System der Quote zu den ÖR übergeschwappt ist, ist allerdings ein Phänomen, das ich von Anfang an mit Staunen beobachtet habe und bis heute nicht wirklich nachvollziehen kann.

      5+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Journalisten sind nun einmal Menschen. Darum kann es keinen absolut wertfreien Journalismus geben. Umso wichtiger ist es persönliche Ebenen zu Journalisten und Redaktionen zu suchen.

      2+
  7. Schweinebauer Piet sagt

    Hallo Frau Rohnann, ich hoffe Sie bekommen auch so Ferkel zu sehen, wie hier auf der Homepage oder sind es nur schlimme Beispiele?

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    • Iris Rohmann sagt

      Ehrlich gesagt habe ich mich noch gar nicht mit Ferkeln beschäftigt… nur mit Rindern und Hühnern… ;))

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          • Schweinebauer Piet sagt

            Die Schweine bei uns bekommen keine Hormone! Nur Fertigfutter und wenn nötig eine Spritze.

            0
            • bauerhans sagt

              meine jungsauen bekamen früher hormone,wenn sie nicht in die „rausche“ kamen(erstbesamung)
              heute setzt man hormone ein,um die „rausche“ zu harmonisieren d.h. dass zb.100 sauen innerhalb von 3 bis 5 tagen abferkeln,damit man eine ferkelpartie von 1000 und mehr verkaufsfertig hat.
              übrigens,menschinnen nehmen täglich hormone,aus lauter lust……….

              1+
            • Andreas Fendt sagt

              Piet, was heisst wenn nötig? wie oft? wieviel % des bestandes und WAS ist in der Spritze?

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              • Schweinebauer Piet sagt

                Wenige bekommen Penicillin oder Antibiotika. Gelenkentzündung, Husten oder. … Aber nur wenige, Tierarztkosten sind gering.

                0
          • Andreas,
            setzt du denn Antibiotika ein, falls deine Tiere krank werden? Oder verzichtest du auch auf so etwas?

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            • Andreas Fendt sagt

              ich versteh den Zusammenhang nicht, Hormone werden zur Brunssynchronisation aus wirtschaftlichen Gründen, Antibiotika eigentlich nur im Krankheitsfall, so jedenfalls wird behauptet. Seit der Erklärung von den Brokser Sauer was Metaphylaxe ist (man gibt dem Tier AB, weil es krank werden könnte, aber noch nicht krank ist) und dem Fall Kexxtone bei Rindern glaube ich das jedoch nicht mehr. Und ja, bei Bedarf, verordnet mein TA auch AB und die bekommen die Tiere auch, volle Dosis über volle Länge, da ich keine Resistenzen züchten möchte.

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            • Birgit Sauter sagt

              Kexxtone wird bei ca. 1,6% der Kühe eingesetzt – und ebenfalls nur bei Bedarf. Von einem flächendeckenden Einsatz kann also nicht die Rede sein.
              http://www.wir-sind-tierarzt.de/2015/08/kuhdoping-mit-kexxtone/

              Vorbeugend bekommt auch der Mensch häufig Antibiotika (Penicillin) z.B. beim Zahnarzt, damit es nicht zu einer Entzündung kommt.
              Und anders wie bei den Frauen, die täglich die Pille nehmen ist die Hormongabe bei den Tieren im allgemeinen einmalig.

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            • Andreas Fendt sagt

              Zitat “ „Ein ausufernder Einsatz läuft der gesellschaftlichen Forderung nach einer Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes und unserem eigenen Anspruch zuwider, verantwortungsvoll mit Antibiotika umzugehen und die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern“, erklärte BTK-Präsident Prof. Theo Mantel.

              Er empfahl den Tierärzten die intensive Beratung der Milchviehhalter insbesondere zu Fütterungsfragen, um das Auftreten von Stoffwechselerkrankungen wie der Ketose in den Beständen einzudämmen.“

              70.000 Kühe sind doch erst der Amfang, aber eben der Beleg, dass uns Plattformen wie Frag den Landwirt, Stallbesuch usw. belügen, wenn sie behaupten es gäbe keinen prophylaktischen Einsatz von Antibiotika. Ursache von Ketose ist Qualzucht auf Hochleistung, und die Krankheit lässt sich durch passende Zucht auf Lebensleistung komplett ausrotten.

              Bei Recht auf Leben etc. verbitten sich Landwirte den Vergleich von Mensch und Tier, wenn es um die Rechtfertigung von Hormoneinsatz geht, dann ist es hoffähig. Ich fordere nun monatlichen Friseur für Kühe, da Menschinnen statistisch das auch bekommen!

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          • bauerhans sagt

            „Ich fordere nun monatlichen Friseur für Kühe….“

            gibts doch,zwar nicht monatlich,aber zur tierschau…..

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  8. Schweinebauer Piet sagt

    Ein sehr aufschlussreiches Interview! Super Willi! Jetzt möchte ich wirklich mal wissen, wenn ich mit meinen Ferkeln und Mastschweinen anscheinend nicht der Standardbauer bin, wie andere damit Geld verdienen und noch Spass dabei haben. 

    1+
  9. Friedrich sagt

    Hallo Frau Rohmann,

    ich finde es gut, dass der Dialog nun die eigentlichen Gesprächspartner erreicht: Medienleute und die Landwirte. Schließlich sollen die Medien ja das vermitteln, was als „gesellschaftliche Meinung“ gerade gelten soll und beeinflussen damit die tatsächliche Meinungsbildung. Daher habe ich einige Nachfragen:

    Wenn Sie sagen, dass Sie keine Vorgaben seitens der auftraggebenden Redaktionen in den ÖR-Sendern erleben mussten, mag das ein guter Beleg für unsere Pressefreiheit sein.

    Andererseits haben Sie dadurch eine hohe Verantwortung, weil Sie als privilegierte Journalistin Ihre Zuschauer an Ihrer persönlichen Meinungsbildung teilnehmen lassen dürfen. Wer darf so etwas sonst?

    Wenn Sie zum Beispiel eine der biologischen Landwirtschaft kritisch eingestellte Journalistin wären – würden Sie dann weiterhin noch Aufträge erhalten?

    Und zuletzt: Nicht alle der genannten TV-Dokumentationen sind als „ausgewogen“ zu bezeichnen, sondern enthalten fachliche Fehler oder sind eindeutig tendenziös. Nur demjenigen werden diese als „neutral“ erscheinen, dem sie sein eigenes Leitbild der Landwirtschaft bestätigt. Und Sie sprechen ja eindeutig für Bio-Landwirtschaft, oder?

    Bitte verstehen Sie meine kritischen Nachfragen, ich würde mich freuen, wenn sich in den Internetdiskussionen noch mehr JournalistInnen wie Sie sich einbringen würden. Nur eine Diskussion auf Augenhöhe kann eine Vertrauensbasis und tatsächliche Bewegung in die verhärtenden Fronten zwischen beide Gruppen bringen.

    Friedrich

    5+
    • Iris Rohmann sagt

      Lieber Friedrich,
      ich verstehe manchmal nicht wirklich, dass Menschen erstaunt darüber sind, wenn sie erfahren, dass wir vielleicht (!) doch kein „Propagandafernsehen“ betreiben. Es gibt sicherlich etliches zu kritisieren und auch zu verbessern an unseren Medien, auch am ÖR, doch ist die überwiegende Anzahl der Journalisten die ich kenne, ernsthaft in der Arbeit, leidenschaftlich in den Recherchen, und sorgfältig gegenüber der Wahrheit.
      Natürlich habe ich eine hohe Verantwortung, und diese spiegelt sich hoffentlich auch in den Ergebnissen meiner Arbeit wieder. Es hat sich zum Beispiel noch niemand darüber beschwert, in einem meiner Beiträge falsch dargestellt worden zu sein. Das ist ein wichtiges Sorgfaltselement – der journalistische Ethos – ein respektvoller Umgang mit denen, über die man berichtet. Das ist aber auch rein egoistisch – ich möchte nämlich an jedem Morgen meines Lebens in den Spiegel sehen können ohne dass ich Hörnchen am Haaransatz entdecke… Bisher ist mir das gottseidank auch gelungen.
      Konkret zu Ihrer Frage – es geht in meiner Arbeit nicht darum, die biologische Landwirtschaft grundsätzlich als die bessere Form darzustellen, auch wenn ich persönlich einen bestimmten Naturverband bevorzuge (als romantische Verbraucherin). In unserem Milchfilm kamen sowohl Bio-Landwirte, als auch konventionelle Landwirte gleichermaßen zu Wort. Insofern gibt es auch keine Vorgabe seitens der Redaktion, eine bestimmte Form von Landwirtschaft zu unterstützen, oder eine andere zu kritisieren. Ich habe Ställe mit mehr als 600 Rindern besucht, in denen ich sofort mein Bett aufgeschlagen hätte. Und ich habe Ställe mit 30 Rindern gesehen, die in sehr schlechtem Zustand waren. Ich bin fasziniert von Melkrobotern und stimme gleichzeitig vielem zu, was Tanja Busse in ihrem Buch „Die Wegwerfkuh“ beschreibt. In dieser Spannung befindet sich der öffentliche Diskurs, und dieser ist nicht abgeschlossen. Er beschränkt sich auch nicht auf die Landwirtschaft. Die Frage ist doch: Taugt unser momentanes Wirtschaftssystem für die Zukunft? Ich finde: Nein.
      Ich erlebe, dass Landwirtschaft sehr komplex ist. Die von mir genannten Beispiele für „gute“ TV-Produktionen mögen Fehler haben – ich bin sehr interessiert daran, welche Sie meinen. Weil Journalismus vor allem auch das bedeutet: Nie fertig sein mit dem Dazulernen ;))

      5+
      • Andreas Fendt sagt

        Sehr gute Antwort!
        Ja Landwirtschaft ist ziemlich komplex, wenn man sich mal von Grundsätzen wie „was ist nachhaltig“ „wie ernähren wir die Menschheit“ entfernt. Wir Bauern neigen dann gerne dazu uns bis ins letzte Detail zu streiten, da geht es dann um Milchviehrassen, Abgangsursachen, und oft um Tierwohl, welches aber auch nicht definiert ist. Manchmal kommen wir nicht umhin uns wissenschaftliche Studien um die Ohren zu hauen usw. Ich kann gut verstehen, dass wir den Dialog mit Verbrauchern, was Willis Anliegen hier ja ist, eben verständlich führen müssen. Und da können wir von engagierten Journalisten viel lernen. Meinen höchsten Respekt hat, wer sich monatelang durch widersprüchliche Fakten quält, immer verschiedene Aussagen von angeblichen Fachleuten hört und dann am Ende einen Beitrag, Film oder Artikel, erstellt, der versucht alle Meinungen genauso zu berücksichtigen wie wissenschaftliche Fakten und dann am Ende auch noch für „normale“ Menschen, die nicht Agraringenieur studiert haben, verständlich zu sein. Und genau das ist Frau Rohmann mit dem Beitrag über Milch gelungen. Aber dem einfachen Gemüt reicht so eine Ausgewogenheit nicht, er tut sich leichter, wenn er einen Beitrag in vorgefasste Schubladen einordnen kann, Hier eben die „ach die will doch auch nur Bio“ Schublade. Genauso geht es mit mit Beiträgen von Pollmer, Miersch u.a., da hör ich oft nicht mehr genau hin, denn das sind ja eh Agrarlobbyisten…

        5+
        • Iris Rohmann sagt

          Danke für die Wertschätzung. Viel habe ich gelernt von meiner Mit-Autorin Monika Kovacsics, die als Wissenschafts-Journalistin (Biologin) die nötige Durchhaltekraft mitbrachte, sich durch umfangreiche Studien zu graben, was beispielsweise die gesundheitlichen Aspekte von Milch anging. Und es beruhigt mich irgendwie, wenn Sie sagen, dass Landwirte sich gern um die Stiele der Kirschen streiten, wie man in Frankreich sagt. Das entspricht auch meiner Ahnung, allein wurde es mir noch nicht von einem Insider bestätigt ;))

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        • bauerhans sagt

          „Wir Bauern neigen dann gerne dazu uns bis ins letzte Detail zu streiten, da geht es dann um Milchviehrassen, Abgangsursachen, und oft um Tierwohl….“

          nö,bei bauern gehts um trecker und erträge,nichtmal um frauen….LEIDER…..

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      • Friedrich sagt

        Hallo Frau Rohmann,

        Ich meinte die drei erstgenannten Filmbeiträge. Armes Schwein und Ihre Milch-Dokumentation sind größtenteils ausgewogen.
        Auch wenn einige Idioten auf Topagrar.com zu diesem Interview wüten – lassen Sie sich bitte nicht abbringen, immer unvoreingenommen mit beiden Fraktionen von Landwirten zu sprechen: Bios und Konvis.
        Auch wir konventionellen Betriebe sind zu 99,9% Familienbetriebe und damit bäuerliche Landwirtschaft. Leider haben uns die Grünen Ideologen und Gleichgesinnte Medien als „Agrarindustrie“ gebrandmarkt. Unsere Kinder können nun nachfühlen, wie es ist, wenn man als Bevölkerungsgruppe schlecht gemacht wird.

        2+
        • Mr Tom sagt

          „Unsere Kinder können nun nachfühlen, wie es ist, wenn man als Bevölkerungsgruppe schlecht gemacht wird.“

          Das ist genau der Punkt, der mich wütend macht.
          Die Vorwürfe, dass wir die Umwelt zerstören, Tiere quälen, die Menschheit vergiften sind nichts Neues.
          Aber wenn ich Angst haben muss, dass mein Kind in der Schule oder vielleicht schon im Kindergarten Opfer von seelischer oder gar körperlicher Gewalt werden könnte, dann hört sich wirklich alles auf.
          Spätestens dann sollte sich unsere derzeit vor Nächstenliebe strotzende ach so tolerante Gesellschaft Gedanken machen was hier eigentlich vor sich geht.
          Eine ganz besodere Verantwortung an diesem Punkt hat nun einmal die Medienlandschaft und dieser sollte sie sich wieder bewußter werden – nicht nur beim Thema Landwirtschaft.
          An der Berichterstattung zur LW erkenne ich allenfalls, dass ich in anderen Themenbereichen äußerst vorsichtig sein sollte, bei dem was mir an Berichterstattung vorgesetzt wird.

          3+
          • Iris Rohmann sagt

            Lieber Mr.Tom,

            ich darf Ihnen widersprechen: Unsere Gesellschaft ist weit davon entfernt, vor Nächstenliebe zu strotzen, tolerant zu sein, oder sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, was hier eigentlich vor sich geht.

            Wenn das nämlich so wäre, würde insgesamt niemand verletzt, ausgebeutet oder misshandelt.

            Aber ebenso wie Sie pauschal sagen „Die Medienlandschaft“ – sagen eben viele andere „Die Landwirte“. Beides ist nicht zutreffend. Beides existiert so nicht. Beides ist aber anscheinend unglaublich naheliegend. Pauschalisierung vereinfacht das Leben. Und im gleichen Maße fördert Pauschalisierung Ungerechtigkeit nach dem Motto: Wo gehobelt wird fallen Späne.

            Sie erleben Pauschalurteile, und das ist nicht schön. Ich verstehe Ihre Wut, glaube jedoch, dass aus der Wut heraus allein keine Lösungen entstehen. Die Wut kann eine Quelle der Kraft sein, wenn sie transformiert wird in klare Haltungen und klare Handlungen. Dafür gehört jedoch auch das Verständnis, dass es (leider) ein Teil der menschlichen Natur ist, es sich einfach zu machen, in der Herde mitzulaufen (oder zu grölen), und jenseits von Schwarz-und-Weiß am liebsten alle Zwischentöne auszublenden.

            Mangelndes Verständnis ist in meinen Augen der Grund, warum wir zwar in unseren Krankenhäusern Herzen verpflanzen können, aber immer noch nicht in der Lage sind, in dieser Welt für ein gerechtes und friedliches Zusammenleben zu sorgen. Mögen wir mehr Verständnis für einander entwickeln!

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            • Mr Tom sagt

              „Aber ebenso wie Sie pauschal sagen “Die Medienlandschaft” – sagen eben viele andere “Die Landwirte”. Beides ist nicht zutreffend.“

              Sitzen wir im selben Boot?

              Den Eindruck habe ich mittlerweile, sie haben ja ein wenig Einblick in die Arbeit bzw. Entlohnung der Journalisten gegeben.

              Mein Fazit: Qualität (bzw. das, was für Qualität empfunden wird) hat seinen Preis.

              Und übrigens:
              Den Eindruck von Toleranz und Nächstenliebe in unserer Gesellschaft bekommt man durchaus in unserer derzeitigen „Medienlandschaft“ vermittelt.

              1+
        • Iris Rohmann sagt

          Hello Friedrich am Tag der Deutschen Einheit,

          ich bin erstaunt, dass Sie die drei erstgenannten Beiträge als Beispiele für kritische oder tendenziöse Berichterstattung nennen. Tatsächlich vertreten diese drei Filme eine klare Haltung: „Die Kleinen gegen die Großen“ könnte man sagen.

          Viele Landwirte beschweren sich bei mir, dass sie in einen Topf geworfen werden mit Massentierhaltung, Gewinn um jeden Preis, Billigproduktion, Monokulturen, Agrarindustrie – genauso wie Sie jetzt. Dass eine solche Industrie entstanden ist, die mit Tier, Boden und Ressourcen nicht gut umgeht – die allein um des Profits willen immer weiter hochfährt, finden die meisten Gesprächspartner überhaupt nicht gut, auch nicht, dass eine solche Agrarindustrie nicht den Hunger in der Welt vermindert, sondern im Gegenteil erhöht.

          Ich würde sagen: 80% meiner Gesprächspartner wollen ein solches System nicht – egal ob bio oder konventionell.

          Wenn aber diese Landwirte – genau die, die von dem vielbesprochenen Bauernsterben betroffen sind, oder davon gefährdet sind – sich nicht deutlich und hörbar von einer Industrialisierung und Instrumentalisierung distanzieren, und von einem „Wachse und Weiche“ das festgeschrieben scheint wie die 10 Gebote, dann müssen sie sich auch nicht wundern, wenn sie in einen Topf geworfen werden mit allen anderen.

          Ich haben schon so manchem Landwirt die Würmer aus der Nase ziehen müssen, doch schneller als der Schall fühlen sich meine Gesprächspartner stellvertretend angegriffen, wenn es um ausbeuterische und gierige Agrarkonzepte geht, oder um Tierquälerei. Obwohl Sie selbst doch weder ausbeuten noch Tiere quälen!
          Was ist das für eine schräge Identifikation? Und: Warum schreien Sie nicht laut auf, wenn Ihre eigenen Verbände Ihnen erklären, dass Ihre Höfe kaputtgehen, weil SIE unfähig sind, ein ordentliches Management zu betreiben oder unternehmerisch zu denken?

          Sie sagen „wir Landwirte“ – doch SIE sind ja gar nicht gemeint! Also: Diese Identifikation aufzugeben wäre schon ein Schritt in Richtung mehr Dialog. Ihre Kinder können stolz sein auf das was Sie tun. Erklären Sie ihnen, dass viele Menschen eben gern schwarz-weiss denken, und dass das nichts mit ihnen zu tun hat!

          Ich weiß das ist nicht einfach zu differenzieren – zur Zeit wird ja auch der Berufsstand der Journalisten extrem angegriffen, und jeden Tag bekomme ich unglaublich „tolerante und verantwortungsvolle“ Kommentare zu meiner Arbeit – z.B. auf topagrar vor wenigen Tagen, aber auch überall sonst. Ständig wird mir erzählt, dass ich zur Lügenpresse gehöre, keine Ahnung habe oder sonst was bin (übrigens leider auch hier, auf Bauer Willis Seite), oder dass ich nach Nordkorea auswandern soll.

          Ich sage Ihnen ganz offen: Da müssen Sie drüberstehen. Ich mache gute Arbeit. Sie machen gute Arbeit. Kopf hoch und selbstbewußt das Gute vertreten. Sich von dem Unguten deutlich distanzieren. Und genau hinzuschauen, wem man vertraut, hat noch nie geschadet, nicht wahr ;))

          Ich wünsche ihnen einen schönen Feiertag – Sie müssen wahrscheinlich mehr arbeiten, als ich. Danke dafür.

          2+
          • Friedrich sagt

            Hallo Frau Rohmann,
            und wieder schreiben wir ein bißchen aneinander vorbei…
            Vielen Dank – ja, unsere Tiere mussten auch an diesem Feiertagswochenende gefüttert werden.
            Was ich an den besagten TV-Berichten bemängele ist, dass übersehen wird, dass wir inzwischen Familienbetriebe in der Landwirtschaft haben, die optisch nicht von „industriell geführten Massentierhaltungsanlagen“ unterschieden werden können. Große Stallanlage ist große Stallanlage ist gleich böse.
            Die nicht ausreichend differenzierten TV-Berichte, die als Ansprechpartner meist jemanden von der AbL, Ökoverbänden oder BDM zitieren, bewirken, dass die Zuschauer alle Betriebe in einen Topf werfen, was nicht nach einem idyllischen 20 Kuh-Betrieb aussieht. Selbst ein Biobauer in Hessen, der seinen Stall auf 200 Mastschweine erweitern wollte, hat es mit einer Bürgerinitiative zu tun bekommen (!) – Das sind leider die Nebenwirkungen, wenn die Medien undifferenziert über „Massentierhaltung“ berichten.
            Die Karte „Klein gegen Groß“ auszuspielen reicht wahrlich nicht aus, um dem komplexen Thema Landwirtschaft gerecht zu werden.
            Ein guter Beitrag war die Doku von Sven Jaax „Armes Schwein?“, der eine tatsächlich differenzierte Sichtweise auf die Mattscheibe brachte. Genau dieser Art Journalismus hilft uns weiter: Keine Polemik, keine Feindbilder, keine „Helden“, die in Ställe einbrechen.
            Jedenfalls freue ich mich sehr, dass wir ins Gespräch gekommen sind.

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          • Alexis Zsipras sagt

            Frau Rohmann!

            Hiermit outen Sie sich aber, das Sie die ganzen Problemfelder nicht verstanden haben:

            „Viele Landwirte beschweren sich bei mir, dass sie in einen Topf geworfen werden mit Massentierhaltung, Gewinn um jeden Preis, Billigproduktion, Monokulturen, Agrarindustrie – genauso wie Sie jetzt. Dass eine solche Industrie entstanden ist, die mit Tier, Boden und Ressourcen nicht gut umgeht – die allein um des Profits willen immer weiter hochfährt, finden die meisten Gesprächspartner überhaupt nicht gut, auch nicht, dass eine solche Agrarindustrie nicht den Hunger in der Welt vermindert, sondern im Gegenteil erhöht“

            Obwohl ich bei vielem, was sie sagen durch aus
            zustimmen kann.
            Das Problem an der heutigen Gesellschaft ist, es wird nur noch schwarz/weiß wahrgenommen. Zwischentöne gibt es nicht mehr. Die grundlegenden Dinge des Wirtschaftens sind auch meist unklar.

            Wenn nur noch 5 % des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden können, dann kann man das nicht einfach auf 30 % hochziehen. Dann müssen Sie sich alle „Shopping Malls wegdenken“.

            Vielen ist nicht bewußt, über welche Größenordnungen man redet, wenn man bestimmt Dinge ändern möchte.
            Man kann das ändern, das ist nicht das Problem.
            Z.B. Demeter mit der Kreislaufkompostwirtschaft, das ist extrem aufwändig. Das funktioniert nur, weil die Leute sich entschieden haben anders zu leben und auf vieles verzichten. Also ein Gemeinschaftsauto, kein Handy, nicht ständig neue Klamotten kaufen usw.

            Wenn man das aber für die ganze Gesellschaft umsetzen wollte, schafft man die Geschäftsgrundlage ab.

            Nächster Punkt: sobald man eine Mastdauer extrem verlängert oder die Legeleistung um 10 oder 20 % verringert, verteuert es das Produkt in Größenordnungen, 50 oder 100 %. Das Produkt wird dadurch für 90 % der Bevölkerung nicht besser (äußere Qualität). Man könnte dem Produkt einen höheren Wert zuweisen durch die Produktionsbedingungen.

            Nächster Punkt, alle Forderungen und Auflagen an die LW erreichen nur eins…..wachsen oder weichen.

            Bsp. kleinere Sauenhalter müssen teilweise Hormonvors

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            • bauerhans sagt

              „Z.B. Demeter mit der Kreislaufkompostwirtschaft, das ist extrem aufwändig. Das funktioniert nur, weil die Leute sich entschieden haben anders zu leben und auf vieles verzichten.“

              das funktioniert nur mit praktikanten,also billigarbeitskräften,so ist mir von einer praktikantin berichtet worden.

              0
            • Alexis Zsipras sagt

              @bauerhans

              Ja zum Teil FÖJ, es gibt auch stille Sponsoren oder Teilhaber. Spielt ja jetzt nicht die Rolle, es geht um das Prinzip. Kann sich ja jeder selbst ausrechnen, der praktisch mit LW zu tun hat. Ist für konvent. Betriebe keine Konkurrenz. Ganz anderer Markt, ganz andere Mengen.

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            • Andreas Fendt sagt

              bauerhans „das funktioniert nur mit praktikanten,also billigarbeitskräften,so ist mir von einer praktikantin berichtet worden. “
              Der scheint es ja zu wissen! Ich kenne viele Demeterhöfe ohne Praktikanten, und viele konv. Gemüse/Spargelhöfe mit rumänischen Billiglöhnern.

              Mal abgesehen davon dass die Ausbildung/Anleitung von Praktikanten/ FÖJ / Lehrlingen auch Zeit kostet, und Zeit ist Geld.

              Alexis Zsipras „es gibt auch stille Sponsoren oder Teilhaber.“ Ja gibt es bei 1-5% aller Demeterhöfe vielleicht, viel alter Adel und Industrielle betreiben nebenher eine konv. Landwirtschaft als Hobby oder wieviele Nebenerwerbler sponsern ihre Landwirtschaft mit dem Haupteinkommen?

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            • Alexis Zsipras sagt

              @Andreas Fendt

              Ich sehe das nicht negativ! Ich kenne einen Betrieb und schätze den Kollegen dort sehr! Super Ackerkultur bei sehr schlechtem Boden. Man muß nur realistisch sein, es bedeutet sein Leben darauf einstellen. Ich war im Urlaub auch auf einem Demeterhof am Chiemsee, sehr nette Leute, gute Gespräche usw. Sehr schöne Ferienwohnung. Das waren keine abgedrehten Dogmatiker, wie manche meinen. Ich finde das ganzheitl. Konzept von Demeter überzeugend.
              VG

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  10. Warum ist es schlecht, wenn ein Unternehmer Gewinne machen will?
    Das ist der Antrieb, der unsere Wirtschaft zu immer neuen Höchstleistungen motiviert.
    Alle anderen Alternativen, wie etwa die Planwirtschaft, sind gescheitert. Die Beschäftigung von Frau Rohmann bei einem öffentlich-rechtlichen Sender mit garantierten Einnahmen durch die erzwungene „Haushaltsabgabe“ trübt hier wohl etwas ihren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge. Wenn sie sich an schwarzen Schafen und negativen Entwicklungen stört, dann sollte sie nach Zollkontrollen rufen und den Gesetzgeber in die Pflicht nehmen, aber nicht unser gut funktionierendes Wirtschaftssystem verteufeln.
    Dank aber an Bauer Willi für das erhellende Interview.

    8+
    • Iris Rohmann sagt

      Lieber Uli,
      ich finde nichts Schlechtes daran, wenn ein Unternehmer Gewinne machen will. Ich stelle infrage, dass Gewinn das einzige Kriterium ist, das ein Wirtschaftssystem – und menschliche Beziehungen ebenso wie die Beziehung zwischen Mensch und Natur – dominiert. Ganz nebenbei möchte ich anmerken, dass ich keine Festanstellung bei einem öffentlich-rechtlichen oder anderen Sender habe, daher denke ich, mein Blick ist im Gegenteil geschärft für die Nachteile dieses Wirtschaftssystems: Prekäre Beschäftigung nimmt in unserem Land zu, soziale Verantwortung wird abgeschafft. Parallel werden Produktionen aller Art seit Jahrzehnten in Billiglohnländer verschoben, in denen man munter Böden und Flüsse vergiften, und Menschen versklaven darf. Ich habe das hautnah mitgekriegt in den 90er Jahren: Konzern X sagt Oberbürgermeister Y: Entweder Du sagst dieses und jedes Umwelt- oder Sozialprojekt ab, oder wir verlagern die Produktion ins Ausland. Das waren Konzerne, die schwarze Zahlen schrieben – aber es genügte nicht. Es musste immer noch mehr sein. Gewinn ist das eine – Gier etwas anderes. In den letzten Jahren sind Agrarexporte explodiert – und haben in Drittweltländern Millionen Kleinbauern in den Hunger getrieben. Aber auch in Deutschland kann ein Schweinebauer von 1000 Tieren seine Familie kaum noch ernähren, die Milch wird für 55 Cent verschleudert, der Apfel für 20 Cent das Kilo. Sie finden, unser Wirtschaftssystem funktioniert gut? Da kann ich nicht zustimmen. Und das hat nichts mit dem Teufel zu tun.

      6+
      • Liebe Frau Rohmann,
        ich bin beeindruckt, daß Sie sich die Zeit nehmen und Kommentare hier im Blog beantworten! Allerdings führt Ihre Antwort direkt zu der grundsätzlichen Frage nach unserem Wirtschaftssystem. Wenn Sie der Meinung sind, daß dieses nicht gut funktioniert, dann müßten Sie schon eine Alternative benennen. Und was wichtig ist, diese Alternative müßte mit den heute lebenden Menschen funktionieren. Eine alternative Wirtschaftsform, die nur funktioniert, wenn alle Menschen edel, hilfreich und gut sind, ist nichts für die Praxis einer pluralistischen Gesellschaft.
        Beste Grüße, Uli

        6+
        • Lieber Uli,
          ja, man kann nicht sicher sein, ob ein anderes Wirtschaftssystem besser funktioniert. Aber dann muss man es eben ausprobieren! Denn eines steht fest: das jetzige funktioniert auch nicht. Es wird früher oder später scheitern. Und es würde mich nicht wundern, wenn es damit beginnt, dass wir Landwirte ihm vollends zum Opfer fallen.
          Je mehr Menschen Kritik daran üben, desto eher bewegt sich etwas, ggf. in die richtige Richtung. Ist es Aufgabe einer Journalistin oder eines Landwirtes ein komplettes Konzept für ein neues Wirtschaftssystem vorzulegen? Haben wir nicht Unmengen Wirrschaftswissenschaftler?
          In unserer Gesellschaft ist etwas neues einfach nicht gewollt. Wir sind überwiegend konservativ, insbesondere wir Landwirte, „lieber alles lassen, wie es ist“ und „bloß kein Risiko eingehen, es könnte sich ja was verändern“. Überspitzt gesagt, ist der derzeitige vielfache Tenor in Politik und Gesellschaft die Angst vor der Zukunft. Es braucht Innovation – aber nicht nur in Wirtschaft, sondern auch in Gesellschaft. Denn beides hängt unabdingbar miteinander zusammen. Kommt diese in einem der Bereiche zum Erliegen, kommt auch der andere Bereich etwas zeitversetzt zum Erliegen.

          1+
          • bauerhans sagt

            „Denn eines steht fest: das jetzige funktioniert auch nicht. Es wird früher oder später scheitern. Und es würde mich nicht wundern, wenn es damit beginnt, dass wir Landwirte ihm vollends zum Opfer fallen.“

            das jetzige system basiert auf eigeninitiative und läuft m.m.n. nicht schlecht!
            insbesondere landwirte können,obwohl ihnen viele vorgaben gemacht werden,sich frei entscheiden,was und wieviel sie machen wollen,müssen aber auch damit leben,dass märkte durch überangebote mit preisverfall reagieren.
            der emotionalen diskussion über anbau(glyphosat) und tierhaltung(massentierhaltung)kann man nur sachlich begegnen und hoffen,dass die politik besonnen reagiert.

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        • Iris Rohmann sagt

          Lieber Uli, ich wünschte, ich hätte das Ass im Ärmel, das die Welt rettet. Aber leider habe ich auch kein „System“ im Angebot, das für alle funktioniert, edel, hilfreich und gut ist. Ich habe immer den umgekehrten Standpunkt vertreten: Jede Veränderung fängt bei mir an. Und so versuche ich im Mikrokosmos meines Lebens so anständig wie möglich zu sein, niemanden auszubeuten oder zu übervorteilen, nicht auf Kredit zu leben und sorgfältig mit den Ressourcen umzugehen, die mir gegeben sind. Keine befriedigende Antwort, ich weiß. Aber ich habe keine andere.

          2+
          • Liebe Frau Rohmann, sie schreiben, daß unser momentanes Wirtschaftssystem nicht für die Zukunft taugt und daß es nicht funktioniert. Das klingt sehr nach Revolution. Auf die Nachfrage, wo es denn statt dessen hingehen soll, antworten Sie sinngemäß „ich weiß es nicht“.
            Ich finde es gut, wenn Sie auf Mißstände und schwarze Schafe hinweisen. Selbst anständig zu leben, wie Sie schreiben, ist sicher auch der richtige Ansatz. Aus beidem ergibt sich aber noch nicht die Notwendigkeit eines Systemwechsels.
            In Ihrem Film über die Milch geben Sie ganz konkrete Hinweise und Empfehlungen, das ist hilfreich für mich als Verbraucher. Da sehe ich ihre Stärken. Vielleicht sollten Sie sich weiter auf ihre Stärken konzentrieren und mit unserem Wirtschaftssystem ihren Frieden schließen.
            Grüße von Uli

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            • Andreas Fendt sagt

              unser Wirtschaftssystem basiert auf einem Geldsystem mit Zins und Zinseszins und ist somit zu immerwährendem Wirtschaftswachstum verdammt. Da es aber dieses nicht dauerhaft geben kann, wird das System kollabieren. Bestenfalls mit galoppierender Inflation und folgender Währungsreform, schlimmstenfalls mit breiter Vernichtung von Werten durch Krieg.
              Ein Lösungsansatz wäre die Abschaffung von leistungslosem Einkommen, also Einkünften aus Vermögen und Einführung eines Verfalldatums für Geld

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            • Iris Rohmann sagt

              Lieber Uli, zuerst kommen Sie zu dem Schluss, mein Blick sei getrübt, jetzt geben Sie mir den Rat, Frieden mit unserem Wirtschaftssystem zu schließen. Vielleicht sollten Sie in einen beratenden Beruf umsatteln? Sie haben sicher Talent. ;))

              0
            • Gernot sagt

              Hallo Andreas,

              stimme Dir voll und ganz zu.
              Aber nur gleichzeitig in dem Verfall des Eigentums an Produktionsmitteln.
              Will sagen, wenn Du Dir Land, Maschinen o.ä. anschaffst gehören diese nach, na sagen wir mal 5 Jahren der Allgemeinheit und dürfen von jedem kostenfrei genutzt werden.
              Also ich komme dann demnächst vorbei und werde Deine Backstube nutzen.
              Achja, im nächsten Jahr kannst Du leider weniger Dinkel pflanzen, weil ich andere Feldfrüchte auf unseren Äckern sähen werde……
              Und liebe Landwirte, leider gibt es auch keine neuen Maschinen, da keiner Euch die Kredite zur Anschaffung der selben geben kann…

              Letzte Frage,
              wie passt Deine Forderung der Abschaffung des leistungslosen Einkommens zu Deiner Forderrung des bedingslosens Grundeinkommens?

              2+
            • Werte Frau Rohmann, wenn ich mit einem System unzufrieden bin, aber keine Alternative weiß, für die es sich zu kämpfen lohnt und wenn dann noch die Mehrheit der Menschen in meinem Land gar keinen Systemwechsel will, dann versuche ich mit dem bestehenden System meinen Frieden zu schließen, sonst werde ich auf Dauer ja bitter und zynisch. Diese Haltung hat bestimmt auch was mit Altersmilde zu tun. 1968 habe ich noch anders geredet. Grüße Uli.

              2+
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Werter Herr Fendt,

              „Ein Lösungsansatz wäre die Abschaffung von leistungslosem Einkommen, also Einkünften aus Vermögen und Einführung eines Verfalldatums für Geld“

              ich weis nicht wie sie ihren Lebensunterhalt im Rentenalter mal bestreiten, ich kann von meinem Altersgeld nicht überleben, deshalb haben meine Frau und ich etwas angespart um,
              1. unseren Lebesunterhalt wie bisher bestreiten zu können und
              2. auch mal andere Länder zu besuchen.

              Wir brauchen uns auch nicht zu entschuldigen, Zins für unser erspartem anzunehmen.

              Wer ein Verfalldatum für Geld fordert, hat im besten Fall eine schwarze Null auf seinem Konto.

              1+
            • Hallo Gernot und Ehemaliger Landwirt,
              Die Idee, daß Geld mit der Zeit seinen Wert verliert stammt nicht von Herrn Fendt, sondern von Silvio Gesell:
              https://de.wikipedia.org/wiki/Silvio_Gesell
              Dadurch soll die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und damit der Konsum erhöht werden. Die EZB hat mit der Einführung negativer Zinsen dies Idee aufgegriffen und bezieht sich explizit auf Silvio Gesell:
              http://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2014/html/sp140909.en.html
              In der Realität funktioniert dieses Experiment aber nicht. Anstatt das Geld auszugeben flüchten die Leute in Sachwerte (Immobilien, Aktien, Kunstobjekt, etc.).
              Grüße Uli

              0
            • Andreas Fendt sagt

              @Gernot leistungsloses Einkommen, das ich meine sind Kapitalerträge und die haben die Bedingung Vermögen zu haben, während das bedingungslose Grundeinkommen unabhängig von Vermögen ist und auch besitzlose bekommen.

              @Uli49 Richtig, das ist Silvio Gesell! Er gehörte zum Kreis der Lebensreformer der Siedlung Eden und das war die Wiege des ökologischen Landbaus, auch wenn Athros immer behaupten, es wäre Steiner 1924 gewesen. Die Lebensreformer wollten eben freies Kapital, freien Boden (im Gemeinbesitz) und freie Kultur (auch Körperkultur) Sie sind die „Erfinder“ von FKK, Reformhäusern usw. und vertraten vegetarische Lebensweise mit viel Gemüse/Obstanbau, im Gegensatz dazu hielt Steiner seine Vorträge vor adligen Grossgrundbesitzern, was bis heute nachklingt. Viele grosse Demeterhöfe sind im Besitz von altem Adel.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              @uli49

              Wer das ursprünglich gesagt hat, dass das Geld mit der Zeit seinen Wert verliert ist mir jetzt egal, tatsacheist dass Herr Fendt die Abschaffung von leistungslosem Einkommen, also Zinsen aus Vermögen und Einführung eines Verfalldatums für Geld gefordert hat.
              Wenn ich den Wert meines Geldvermögen erhalten will, brauche ich Zinsen, oder Dividenden in der Höhe der Inflation.

              Die derzeitige Politik der fast Nullzinsen bringt nicht den Erfolg eines weltweiten wirtschaftlichen Aufschwunges, sicher treibt sie einen großen Teil unserer Kinder später in die Altersarmut.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              leistungsloses Einkommen, das ich meine sind Kapitalerträge und die haben die Bedingung Vermögen zu haben, während das bedingungslose Grundeinkommen unabhängig von Vermögen ist und auch besitzlose bekommen.
              Herr Fendt,
              Vermögen müssen zuerst erwirtschaftet werden, es sei denn man erbt ein großes Geldvermögen.

              Es steht jedem frei, ob er im Hochschwarzwald Grundstücke kauft, oder Firmenanteile kauft, ich ziehe Dividendentitel vor.

              Das bedingungslose Grundeinkommen haben wir bereits, das ist das Arbeitslosengeld II.

              1+
            • Gernot sagt

              @ Andreas

              Hallo,
              mir war sehr wohl klar was Du meintest und ich stimme „Ehemaliger Landwirt“ hinsichtlich des bedigungslosen Grundeinkommens zu.
              Es scheint mir, dass Du jemand bist der den Sozialismus idealisierst.
              Hier verweise ich gerne auf den Spruch von Benedetto Croce:
              „Wer vor seinem dreißigsten Lebensjahr
              niemals Sozialist war,
              hat kein Herz.
              Wer nach seinem dreißigsten Lebensjahr
              noch Sozialist ist,
              hat keinen Verstand.“
              Der Sozialismus hat überall auf der Welt, wo man versucht hat ihn zu implementieren, die Menschheit nur in Unfreiheit und Elend gestürzt, eben weil der Mensch von seinen Instinkten nicht Sozialist sein kann.
              Sicher stimme ich Dir zu, dass der ungezügelte Kapitallismus, den wir momentan erleben auch nicht das Mittel der Wahl sein kann sondern wir uns auf eine soziale Marktwirtschaft zurückbesinnen sollen.
              Das schwierige ist allerdings in wie weit wir den Staat alles reglementieren lassen wollen.

              2+
  11. bauerhans sagt

    ich hatte mal ne anfrage einer fernsehjournalistin,ob ich interessiert wäre,ein bestimmtes thema am beispiel meines betriebes darzustellen.
    ich war überrascht und fragte,wie sie auf mich aufmerksam geworden war,worauf sie antwortete,ich hätte zu einen landwirtschaftsthema des senders sehr erklärend geantwortet.
    ich hatte abgelehnt,das thema war mir zu heiss.

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