Monate: Juli 2019

Sind wir die nächsten, die…

Diesen Brief schrieb mir Sonja. Ich kenne Sonja nicht, ich weiß nicht wo sie wohnt und wie alt sie ist. Sie hat mir diesen Text geschickt, damit auch andere erfahren, was so in ihrem Kopf und in ihrem Herzen vorgeht. Er hat mich tief bewegt. Aber was soll man antworten? Die Milchkuhherde auflösen? Oder nochmals viele weitere Jahre ohne Lohn arbeiten? Wie würdest Du Dich entscheiden? Rundherum schließen die Betriebe – sind wir die nächsten? Die Fakten: Wir haben einen idyllischen Hof mit Milchkühen, seit vielen Generationen. Wir sind stolz auf eine Herde gesunder, freundlicher Fleckviehkühe. Der neue Kuhstall ist etwa 15 Jahre alt und zur Hälfte abbezahlt. Davor waren es 30 Kühe, angebunden mit Sommerweidegang. Zurzeit teilen sich noch 80 Kühe einen Stall mit 120 Stroh-Liegeboxen, alle haben nachts direkten Zugang auf die Weide und werden im Stall zugefüttert mit Grassilage, Maissilage und Heu, sowie ein wenig Getreide vom Acker.  Ein nicht kostendeckender Milchpreis und zu wenig Futter wegen Trockenheit hat die Herde bereits um 40 Köpfe reduziert. Was nicht rentiert, wird reduziert….  Wir …

Volksbegehren: Bauern gegen Bauern?

Auch in Baden-Württemberg wird jetzt mit dem zwar einfachen, aber trotzdem falschen Slogan „Rettet die Bienen“ für ein Volksbegehren geworben. Am Freitag, dem 26. Juli wurden dazu genügend Unterschriften beim Innenministerium in Stuttgart überreicht, damit das Volksbegehren bald starten kann. Urheber dieser Initiative ist  „proBiene – Freies Institut für ökologische Bienenhaltung“, einer Gesellschaft mit 2 Geschäftsführern und 4 Mitarbeitern, die 2015 gegründet wurde. Die Forderungen sind recht einfach gestrickt und lassen sich so zusammenfassen Ausbau der ökologischen Landwirtschaft auf 50% bis 2035 Reduktion des Pestizideinsatzes um 50% bis 2025 Wie das erreicht werden soll, beantwortet die Homepage der Initiative nicht. https://volksbegehren-artenschutz.de/ Die Maßnahmen, die Forderungen in die Tat zu überführen, überlässt man der (grün-schwarzen) Landesregierung. Das ist immer sehr einfach: Fordern, ohne Lösungen anzubieten. Wie so oft bei Volksbegehren. Man möchte auf einen Mißstand hinweisen, zieht sich dann aber aus der Verantwortung. Allerdings man hat in Baden-Württemberg aus dem bayrischen Volksbegehren gelernt. Dort waren unsinnige Lösungen, wie z.B. das Walzverbot von Wiesen und Weiden ab dem 15. März, in den Gesetzentwurf geschrieben worden. Da liegt …

Hilfreiche Wissenschaft (Video)

Der nachfolgende Beitrag der SWR-Sendung Odysso zeigt, dass unspektakulärer, sauberer und vor allem verständlicher Journalismus möglich ist. Es geht um Grundlagenforschung, die in der Züchtung hilfreich sein kann, wenn man die Aufgaben, die in 30 Jahren auf uns zukommen könnten, lösen will. Danke an Frau Lauff, die dass alles so verständlich in 5 Minuten verpackt hat, dass es auch der landwirtschaftliche Laie versteht. Und das ist schon eine Kunst. Und Danke an das Jülicher Forscherteam für seine wertvolle Arbeit. Das im Text eingefügte Video bitte unbedingt bis zum Schluss ansehen. Das macht wirklich Mut und ist eine frohe Botschaft. https://www.swr.de/odysso/klimaresistentere-pflanzen-per-hightech/-/id=1046894/did=24118384/nid=1046894/1x05z0w/index.html Das Video wurde im Frühjahr aufgenommen, aber erst jetzt gesendet. Deshalb die dicken Jacken. 🙂 0

Ich habe keine Ahnung vom Ackerbau…

Zu diesem Ergebnis bin ich gekommen, nachdem ich die Gewichte auf den Lieferscheine der Parzelle zusammengezählt habe, die zwei Drittel unseres Weizens ausmacht. Es sind 11,4 t/ha! Und das mit Qualitäten, die für Brotweizen ausreichend sind. Das ist eine Riesenüberraschung. Und damit bin ich nicht alleine, auch meine Kooperationspartner am Mähdrescher berichten über ähnlich gute Erträge und auch sie sind absolut überrascht. Jetzt frage ich mich, fragen wir uns, wie dieser hohe Ertrag zustande kommen konnte. Die Körner waren alle relativ klein, aber voll ausgebildet. Das sonst bei Trockenheit übliche „Schmachtkorn“ (auch „Kümmerkorn“ = geschrumpelte Körner mit Falten) konnte ich nicht entdecken. Diese kleinen Körner müssen enorm schwer gewesen sein, worauf das Hektolitergewicht zwischen 80 und 83,5 ja hindeutet. Zur Fruchtfolge: Der Weizen stand nach Winterraps, der eine sehr gute Vorfrucht für Weizen ist, weil er tiefe Wurzeln hinterlässt. In diesen Wurzelgängen konnte der Weizen mit seinen Wurzeln leicht nach unten wachsen. Die Sorte war Chevignon, der dafür bekannt ist, das er früher abreift als Standardsorten. Die Sorte stammt aus Frankreich, die häufiger mit Frühsommertrockenheit …

Zwischenbericht 24. Juli um 16:00 Uhr

Habe jetzt 60 Minuten Pause. Die ersten Anhänger sind in der Genossenschaft. Feuchte des Weizen: Mit 12% begonnen, jetzt 10,9%. 14% ist die Norm. Hektoliter-Gewichte zwischen 82 und 83,5, was sehr gut ist. Protein (Eiweißgehalt) zwischen 11,5 und 11,9. Ist o.k. Morgen kann ich was über Erträge sagen. Gehe mal vorsichtig davon aus, dass vorne eine 9 steht. Damit wäre ich für dieses Jahr sehr zufrieden. Wenn es mehr ist, nehme ich das auch gerne. Weiter geht’s. Euer Bauer Willi 0

Bericht vom Acker: Getreideernte hat begonnen

Am Mittwoch, also heute, werden wir Weizen mähen. Deshalb habe ich den Text gestern geschrieben. Wie ist der aktuelle Stand? Mit Dienstag Abend werden in dem Bereich, über den ich berichten kann (Teile der Köln-Aachener Bucht), etwa 25% des Weizens vom Feld sein. Die bisherigen Ertragsergebnisse sind überraschend gut, die große Katastrophe, die manche, (ich auch) erwartet haben, scheint es nicht zu sein. Die Rede ist von 8 bis 10 t/ha, manche auch darüber, und das ist ein durchschnittliches Ergebnis für unsere Region. Da derzeit frühreifende Sorten (meist französischer Abstammung) als Erste gemäht werden, kann sich das natürlich noch ändern. Protein (Eiweiß) liegt zwischen 10 und 12%. Das ist nicht so toll, wir sind da etwas verwöhnt. Hektolitergewichte liegen zwischen 74 und knapp über 80, das ist ordentlich. Fallzahlen werden nicht gemessen, weil dies alle weit über der geforderten Norm liegen. Die Kornfeuchte dürfte nirgends ein Problem sein. Wer jetzt keine trockene Ware liefert, der hatte keine Geduld. Vereinzelt wird auch Raps gedroschen. Hier sind die Erträge nicht berauschend, von 3,2 t/ha bis 4,5 t/ha …

Eule und Nachtigall

„Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall“  lautet ein plattdeutsches Sprichwort, was so viel bedeutet wie „jeder sieht es aus seinem Blickwinkel“. So ist es auch mit der Trockenheit, die zwar geringeren Aufwuchs im Grünland bringt, dafür aber mehr Kräutern. Und die sind wiederum gut für die Insekten, von denen es jetzt mehr gibt. Dazu ein sehr gut geschriebener Artikel aus (Ober-) Österreich, der aber auch den landwirtschaftlichen Aspekt (Futterversorgung) im Auge hat. https://ooe.lko.at/vermehrt-kräuter-im-grünland+2500+2953174 Ich persönlich habe selten so viele Heuschrecken beobachtet wie in diesem Jahr. Wie sieht es bei euch aus? Bauer Willi   0

Fäkalien-Einleitung in die Flüsse

Kein besonders „appetitliches“ Thema, zumal nicht bei der Hitze. In Magdeburg sorgt gerade ein fast nicht zu glaubender Fall von wissentlicher Umweltverschmutzung für Aufregung. Bei einem Starkregen wurden städtische Abwässer verdünnt in die Elbe eingeleitet. Das im nachfolgenden Link zu sehende Video ist nicht nur eklig, sondern gefährdet die Gesundheit und bringt unkontrolliert Nährstofffrachten in die Umwelt. Aussage der Behörde: „Das war schon immer so und ist normal.“ https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/abwasser-in-elbe-100.html Wem dieses Verhalten im wahrsten Sinne des Wortes „stinkt“, kann dazu eine Online-Petition unterschreiben. Die findet ihr hier: https://www.openpetition.de/petition/online/kanalisationen-modernisieren-anstatt-abwaesser-ungeklaert-in-die-fluesse-einzuleiten?fbclid=IwAR2XAP_Z_YGl5kp8CxK7gk3Ytq3F79IKNEoCBHvZF4UEhaOFMGb9ioQppiQ     0

Das Grünland vertrocknet

Dürre 2019 – wie soll das weitergehen?

Ich habe gerade im Garten den Regner umgestellt. Damit der Rasen und die Pflanzen, die Mutter gesetzt hat, nicht ganz „verrecken“. Schon wieder, wie 2018. Und die Trockenheit ist ja nicht nur in der Köln-Aachener Bucht so. Im nachfolgenden Link ist zu sehen, wie weit die Trockenheit nach unten reicht. Daran ändern auch die 5 mm von Samstag nicht viel. https://www.ufz.de/index.php?de=37937 Irgendwie erinnert mich das an das vergangene Jahr. Und wie sollte es auch anders sein, sind die Erklärungen die gleichen wie im Vorjahr. Der Wettermann Sven Plöger hat das kürzlich in „hart aber fair“ geschildert. Sinngemäß sagte er „Weil der Temperaturunterschied zwischen den Polen und dem Äquator immer geringer wird, bleiben die Hoch´s und Tief´s länger ortsstabil liegen“. Und auch hier ist es noch mal anschaulich erklärt: https://www.scinexx.de/dossierartikel/blockade-im-luftraum/  Der Artikel wurde am 3. August 2018 veröffentlicht. Er liest sich aber fast so, als wäre er aktuell. Natürlich gilt das nicht nur für Hochdruckgebiete, es kann also auch Jahre geben, in denen es den ganzen Sommer lang nur regnet, weil sich ein Tiefdruckgebiet festsetzt. Auch …

Bericht vom Acker: Bienenweide am 20. Juli 2019 (Video)

Ich bin wieder mal an unsere Bienenweide gegangen und habe mir angesehen, wie sich der letzte Saattermin entwickelt hat. Er ist etwas dünner geraten, aber die Pflanzenvielfalt ist größer geworden. Das kann man (hoffentlich) im Video so einigermaßen sehen. Jetzt blüht auch der Buchweizen, der bei den ersten Saatterminen eher unterdrückt wurde. Auch das Ramtillkraut steht jetzt besser da. Und Malven, Kornblumen und andere sind auch reichlich da. Die Insekten freut es, weil jetzt, im Juli, das Nahrungsangebot eher knapp ist.     0