Monate: November 2015

Knusper, Knusper, Knäuschen…

wer spritzt da an dem Häuschen… Ich bewirtschafte eine idyllische Bergwiese. Sie liegt auf ca. 1000 Meter Höhe am Grünten im Allgäu. Am oberen Rand steht diese wunderschöne Hütte (siehe Bild).  Die Hüttenbesitzer halfen uns früher oft beim Heumachen auf der „Schwandenwiese“. Mit den heutigen Maschinen ist das zwar nicht mehr notwendig, aber wir pflegen immer noch freundschaftlichen Verbindungen mit ihnen. Anfang Juni mähte ich die Bergwiese bei herrlichstem Sommerwetter. Ich komme also früh am Vormittag zum Heuwenden mit meinem Traktor zur Hütte rauf. Da sehe ich die rüstige Besitzerin mit einer Rückenspritze auf der rund 20 Quadratmeter großen  Natursteinterrasse stehen. „Nanu“, denke ich, „was macht denn die gute Frau dort“ und halte an. Ich gehe zu ihr hin und sehe auf dem Boden neben ihr eine 1-Liter-Flasche Roundup. Ich frage sie, was sie denn da macht? Sie lacht freudig und sagt, „Unkraut von den Steinplatten putzen!“ Ich zeige auf die Dose Roundup und frage sie nochmals, „mit dem Mittel da?“ Wieder lächelt sie mich an. „Das mach ich schon immer damit. Das Mittel ist gut. Ich muss da …

Chia

Ne, dass hat nichts mit Erkältung zu tun, sondern ist ein neues Lebensmittel, das seit einiger Zeit auch in einigen Supermärkten zu finden ist und dem als „Super-Food“ tolle Dinge nachgesagt werden. Unser Junior brachte das neulich mit und da lag das bei uns in der Küche. Weil ich ja ein neugieriger Mensch bin, hab ich mir die Tüte angesehen und gelesen, was da so draufsteht. Na ja, dachte ich, das mit den Omega-Dingsbums ist wohl irgendwie gesund, verstehe ich aber so auf Anhieb nicht. Aber wenn es von den Azteken kommt, kann es ja so verkehrt nicht sein. Gut, die sind jetzt ausgestorben, aber das lag ja wohl an den Spaniern und nicht an dem Samen. Aber warum dieser Samen hier in Uganda angebaut wurde erschließt sich mir auch nicht gleich. Das liegt doch in Afrika, oder? Und die Azteken lebten doch in Mittelamerika. Komisch! Doch dann habe ich gelesen, dass man von diesem Samen nicht mehr als 15 g am Tag zu sich nehmen sollte! Ja, was ist dass denn? Grenzwert für ein …

Mit Hackschnitzel heizen

Holzhackschnitzel sind ein idealer Brennstoff für uns Landwirte –  und auch für die Umwelt. Denn sie sind klimaneutral. Die Einrichtung einer Hackschnitzelheizung ist zwar wesentlich teurer wie bei einer Ölheizung, aber man wird damit ein Stück unabhängig. 0

Pfiffige Bayern: Kräuteria

Bei meinem Besuch in Bayern war ich auch auf dem Hof von Christine und Georg Huber. Der Kreuthof liegt am Kreutweg 1 in Puchheim. Ist jetzt kein Rechtschreibfehler, der Kreutweg schreibt sich tatsächlich mit einem E statt einem Ä. Dass würde viel besser passen zur Kräuteria, die die beiden dort eingerichtet haben. Christine ist eine Kräuterpädagogin, Erlebnishofbäuerin, Ernährungsberaterin und Agrarbetriebswirtin, also sehr vielseitig. Ihr Mann Georg bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit Pensionspferdehaltung. Beide zusammen kümmern sich um ihre drei Kinder und den Hofhund. Schon wenn man in die Kräuteria hineinkommt, strömt einem der Geruch von vielen verschiedenen Kräutern und Gewürzen entgegen, viele davon selbst gesammelt oder angebaut. Christine bietet  Wildkräuter-wanderungen an, in denen sie Interessierten zeigt, wo Löwenzahn, Spitzwegerich oder Gänseblümchen wachsen und was man mit ihnen anstellen kann. Auch kochen mit Wild- und Gartenkräutern kann man bei ihr lernen und dabei erfahren, welche Inhalts- und Wirkstoffe sie enthalten. Außerdem stehen unter anderem auch Seminare zu Brotbacken und Teegenuss auf dem Programm, die sie in dem eigens dazu eingerichteten Raum mit Küche und einem großen Tisch für …

Marktlücke Weideschwein

Vergangene Woche war ich in Bayern eingeladen. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fuerstenfeldbruck/landsberied-willi-wills-wissen-1.2744910 Und passend zum Bundesland war sogar der Himmel weiß-blau und mit 15 Grad für Mitte November ungewöhnlich mild. Vor dem abendlichen Vortrag hatte mir die (noch! kommissarische) Geschäftsführerin des Verbandes, Simone Strobel, zwei Betriebe ausgesucht, die wir besucht haben. Einer davon war in Germering. Familie Kirmair hält dort Schweine. Das Besondere an diesen Schweinen ist zum einen die Rasse (Schwäbisch-Hällisches Landschwein), zum anderen die Haltungsform: diese Schweine werden auf der Weide gehalten und nur mit eigenem Futter gefüttert. Dazu gehören unter anderem eigene Erbsen, Gerste und pelletierte Grünpellets, in denen auch Luzerne enthalten ist, die etwa drei bis vier Jahre auf der gleichen Parzelle wächst. Die Schweine wachsen zwar langsamer, dafür ist aber die Fleischqualität sehr gut. Geschlachtet wird in einem kleinen Schlachthof in der Nachbarschaft, zerlegt und portioniert wird auf dem Hof. Vermarktet werden Pakete von je 10 kg, die zum Preis von 79 € reißenden Absatz finden. Zur Zeit ist die Nachfrage höher als das Angebot. Deshalb plant Familie Kirmair auch eine Aufstockung des Bestandes. Die …

Was sich liebt…

Jeder kennt das: Kommentarschreiber in Facebook oder in einem Blog geraten unversöhnlich aneinander. Dann ist es nicht mehr weit zu persönlichen Beleidigungen und am Ende kann der Administrator nur noch drohen, löschen oder sperren. Doch setzt man sich mit einem Kontrahenten alleine auseinander, ist von solchen Aggressionen keine Spur mehr. Sogar das Gegenteil ist oft der Fall: Freundlich und engagiert erfährt man so manche wertvolle Erkenntnis von einem vermeintlichen „Streithansel“. Warum aber reagieren dann diese Kommentarschreiber so aggressiv? Wohl deshalb, weil sie ihre Arbeit, ihren Hof und „ihr Ding“ so innig lieben. Weil sie von dem was sie tun und wie sie es tun, hochgradig überzeugt sind. Sie lieben ihre tägliche Arbeit sogar so sehr, dass sie meinen, sie müssten den Andersdenkenden vor einem vermeintlichen Schaden bewahren. Und dass der eintreten könnte, weiß halt nun nur ein wirklicher „Überzeugungstäter“. Was man so sehr liebt, will man auch auf keinen Fall verlieren. Ergo kommt sofort Verlustangst dazu, wenn ein anderer mit einem Argument daher kommt, das einem das Gefühl vermittelt, eventuell selbst auf dem Holzweg zu …

Die Kritik an der Nutztierhaltung…

…ist Gegenstand eines Gutachtens („Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“), an dem Prof. Grethe maßgeblich beteiligt war. Ich habe Prof. Grethe anlässlich einer Podiumsdiskussion bei der Masterrind GmbH in Verden getroffen und ihn um ein Interview gebeten. Prof. Dr. Grethe lehrt an der Uni Hohenheim Agrar- und Ernährungspolitik und ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz, der das Ministerium in diesen Fragen berät. Bauer Willi: Herr Grethe, der Wissenschaftliche Beirat hat keine Vorgaben, mit welchen Themen er sich beschäftigen soll. Wie sind Sie auf das Thema „Akzeptanz der Nutztierhaltung“ gekommen? Grethe: Wir halten die zunehmende Lücke zwischen gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft und gesellschaftlicher Wahrnehmung der Landwirtschaft für eine große Herausforderung: Sie muss dringend verringert werden, denn sie ist eine Belastung für die Landwirte und schafft sehr viel Unsicherheit. Gerade in der Tierhaltung ist diese Lücke besonders groß, vor allem, weil die Rahmenbedingungen zu einem zu geringen Tierschutzniveau in der deutschen Nutztierhaltung geführt haben. Hier sahen wir auch erheblichen Beratungsbedarf, denn die deutliche Verbesserung des Tierschutzniveaus ist aufgrund der Einbindung in …