Bauer Willi
Kommentare 129

Die Kritik an der Nutztierhaltung…

…ist Gegenstand eines Gutachtens („Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“), an dem Prof. Grethe maßgeblich beteiligt war. Ich habe Prof. Grethe anlässlich einer Podiumsdiskussion bei der Masterrind GmbH in Verden getroffen und ihn um ein Interview gebeten. Prof. Dr. Grethe lehrt an der Uni Hohenheim Agrar- und Ernährungspolitik und ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz, der das Ministerium in diesen Fragen berät.

Bauer Willi: Herr Grethe, der Wissenschaftliche Beirat hat keine Vorgaben, mit welchen Themen er sich beschäftigen soll. Wie sind Sie auf das Thema „Akzeptanz der Nutztierhaltung“ gekommen?

Grethe: Wir halten die zunehmende Lücke zwischen gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft und gesellschaftlicher Wahrnehmung der Landwirtschaft für eine große Herausforderung: Sie muss dringend verringert werden, denn sie ist eine Belastung für die Landwirte und schafft sehr viel Unsicherheit. Gerade in der Tierhaltung ist diese Lücke besonders groß, vor allem, weil die Rahmenbedingungen zu einem zu geringen Tierschutzniveau in der deutschen Nutztierhaltung geführt haben. Hier sahen wir auch erheblichen Beratungsbedarf, denn die deutliche Verbesserung des Tierschutzniveaus ist aufgrund der Einbindung in internationale Märkte nicht einfach zu erreichen, wir brauchen hier ein breites Maßnahmenpaket aus Kennzeichnung, Einbindung des Lebensmitteleinzelhandels und staatlicher Förderung, denn Tierschutz kann man nicht nur von den Landwirten fordern, man muss ihn auch bezahlen!

Bauer Willi: Wir Bauern haben oft das Problem, dass in Diskussionen mit Mitbürgern unsere Nutztierhaltung „vermenschlicht“ wird. Da ist dann von „süßen Kälbchen“ die Rede, denen wir die Mutter wegnehmen. Auch „niedliche Ferkel“ dürfen nicht allzu lange bei der Mama bleiben. Was sollen wir solchen Mitbürgern antworten? Was sagen wir Mitbürgern, die die Nutztierhaltung generell ablehnen?

Grethe: Es ist ja nur eine sehr kleine Gruppe von Menschen, die die Nutztierhaltung generell ablehnt. Mit dieser Gruppe gibt es nur eingeschränkte Möglichkeiten für ein fruchtbares Gespräch zur Zukunft der Nutztierhaltung! Es gibt allerdings sehr viele Menschen, die eine tierfreundlichere Nutztierhaltung fordern und die für schrittweise Verbesserungen eintreten. Die „Vermenschlichung“ von Tieren kann problematisch sein, wenn sie zu falschen Schlussfolgerungen führt. Hier hilft es nur, im Dialog Wissen über Tiere zu vermitteln. Allerdings ist sie auch ein Ausdruck von Mitgefühl mit Tieren, und somit auch Ausdruck einer sich verändernden Mensch-Tier-Beziehung und Motivation für eine stärker am Tierwohl orientierte Nutztierhaltung. Dies sollte man nicht diskreditieren, sondern muss es zur Kenntnis nehmen.

Bauer Willi: In unserer Diskussion haben Sie meinen Vergleich des Ferkelschutzkorbes und dem Laufstall bei Kleinkindern, die ja beide dem Schutz des Nachwuchses dienen, kritisiert. Können Sie mir noch einmal erklären, warum?

Grethe: Weil ihr Vergleich meines Erachtens die Haltung von Säuen in Kastenständen verharmlost. So ein Kastenstand bietet kaum Möglichkeiten zur Bewegung, in einem Laufstall haben Kinder aber eben die Möglichkeit zu laufen! Ihr Vergleich suggeriert ja, dass es kein Problem gibt. Dem ist aber nicht so: Auch viele Fachwissenschaftler halten die Kastenstände aus Tierschutzsicht für problematisch und arbeiten an der Entwicklung von Möglichkeiten, Ferkelverluste auch in alternativen Haltungsverfahren zu verringern (z.B. stärkere Züchtung auf Mütterlichkeit, Freilaufbuchten mit nur kurzfristiger Fixierung). Dies wird auch gelingen!

Bauer Willi: Im Gutachten ist zu lesen, dass der Prozentsatz der negativen Berichte über die Agrar- und Ernährungswirtschaft zwischen 70 und 85% beträgt. Halten Sie das für berechtigt und wenn ja, können Sie uns Landwirten Hinweise geben, was wir tun müssen, um dies zu ändern?

Grethe: Grundsätzlich ist es so, dass negative Nachrichten einen höheren Nachrichtenwert haben. Aber es hilft überhaupt nicht, negative Berichterstattung als „unberechtigt“ zu diskreditieren: Der Berufsstand muss Kritik aufnehmen, auch selbstkritisch sein! Das erlebe ich zwar durchaus an der Basis, aber, zumindest in der öffentlichen Auseinandersetzung, so gut wie gar nicht an der Spitze des organisierten Berufsstandes. Dort wird Kritik häufig pauschal zurückgewiesen („wir Landwirtinnen und Landwirte wirtschaften schon immer nachhaltig“) oder disqualifiziert (die Leute haben „keine Ahnung“, es sind „Agrarromantisierer“ oder „Ponyhofisierer“ der Landwirtschaft….). Das kann nicht funktionieren! Nur wer einen echten Dialog sucht, also auch zuhört, kann ungerechtfertigter Kritik auch glaubwürdig entgegentreten und zurecht dafür eintreten, nicht als Projektionsfläche missbraucht zu werden von denjenigen, die den Verlust eigener Naturverbundenheit bedauern!

Bauer Willi: Sie identifizieren eine Käuferschicht von rund 20%, die bereit wäre, für Fleisch 20-30% mehr zu bezahlen. Einer der Vorschläge ist, ein staatliches Label einzuführen und dies intensiv zu bewerben. Doch dann kann man lesen, dass Labelprodukte häufig nur im SB-Regal geführt werden, während die potentielle Zielgruppe eher an der Bedien-Theke zu finden ist. Ist das kein Widerspruch?

Grethe: Nein, das macht eine Kennzeichnungsstrategie nicht einfacher, aber es ist kein Widerspruch. Auch die gerne geübte Verbraucherschelte hilft nicht weiter. Wir wissen von anderen Produkten (Fisch – MSC-Label; Eier – Bio- und Freilandware), dass etwa 20-30% der Konsumentinnen und Konsumenten dazu motiviert werden könnten, an der Ladentheke für als besonders tiergerecht gekennzeichnete Produkte einen moderaten Mehrpreis von bis zu 20% zu bezahlen. Diese Zahlungsbereitschaft sollten wir nutzen. Wir brauchen dafür aber ein starkes, mit Nachdruck beworbenes sektorales Label. Der Beirat empfiehlt deshalb die Schaffung und starke Bewerbung eines staatlichen Labels!

Bauer Willi: Verbraucher entscheiden sich beim Kauf oft anders, als sie dies in Meinungsäußerungen von sich geben (Citizen-Consumer-Gap). Dies zu ändern dürfte schwierig werden. Welche Rolle sehen Sie aber für den Lebensmittel-Einzelhandel (LEH)? Der wird in der „Nahrungskette“ vom Erzeuger zum Verbraucher ja häufig ausgeblendet. Macht der alles richtig?

Grethe: Genau, mit diesem Citizen-Consumer-Gap müssen wir leben. Eine Möglichkeit, trotzdem Geld für mehr Tierwohl an die Landwirtinnen und Landwirte zu bekommen, sind staatliche Tierwohlprämien. Aber auch der LEH kann in der Tat etwas tun. Zwei Dinge sind besonders wichtig. Erstens, die Bereitschaft zur Marktdifferenzierung bei Fleisch: Wir brauchen die Kommunikation von Tierwohlqualität und der damit verbundenen Kosten an die Verbraucher! Zweitens sollte der LEH das Budget für die Brancheninitiative Tierwohl möglichst schnell aufstocken. Diese Brancheninitiative ist ein faszinierendes Modell mit großem Potenzial. Allerdings sind 4 Cent pro kg Fleisch (insgesamt zurzeit 85 Mill. €/Jahr) viel zu wenig, um einen substanziellen Beitrag zu den Herausforderungen (Kosten für eine deutliche Erhöhung des Tierwohls in D laut WBA 3-5 Mrd. €/Jahr) zu leisten.

Bauer Willi: Zum Schluss noch eine eher persönliche Frage. Das Gutachten ist ja von Seiten der Landwirtschaft zum Teil heftig kritisiert worden. Die Diskussionen, die Sie mit der Agrarbranche führen, sind sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Verlässt Sie da nicht manchmal der Mut und sagen Sie sich nicht in einer schwachen Stunde auch einmal „Hätten wir das nur nie geschrieben“?

Grethe: Ich stehe voll und ganz hinter dem Gutachten und vertrete es deshalb gerne in der Diskussion mit den unterschiedlichsten Gruppen, auch und gerade mit Landwirtinnen und Landwirten. Die sind übrigens in ihrer Bewertung der zentralen Empfehlungen des Gutachtens meist sehr viel differenzierter, als ihre organisierten Vertreter in der Öffentlichkeit! Mir ist in den letzten Monaten sehr deutlich geworden, in was für einer besonderen Situation wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Politikberatung sind: Wir können wissenschaftsbasierte und unabhängige Empfehlungen geben, ohne dabei eigene Interessen, wie etwa die Rücksicht auf Wählerstimmen oder wirtschaftliche Motive, zu verfolgen. Vor diesem Hintergrund sollten und können gerade wir Positionen, die wir für richtig halten, auch dann vertreten, wenn sie „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ sind!

Bauer Willi: Lieber Prof. Grethe, vielen Dank für die offenen und klaren Worte.

 

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129 Kommentare

  1. Qwertz sagt

    Achja ehe ich es vergesse ich wollte mich bei dir nochmal bedanken für diesen Dialog hier. Obwohl hier einige manchmal übertreiben mit den Kommetaren, machst du das schon sehr gut. Weiter so !

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  2. Qwertz sagt

    Ich finde es schade das diese Studie so oft zitiert wird, wenn es um das Thema Tierwohl geht. Diese Studie hat nicht viel mit den Bedürfnissen der Nutztiere zu tun, denn darum geht es hier auch gar nicht. Es ist eine Studie über die Akzeptanz der Tierhaltung.
    Wenn der Verbraucher blaue Schweine wünschen würde wäre, bei dieser Studie herrausgekommen das blaue Schweine gezüchtet werden müssen…
    Wir Tierhalter müssen also noch deutlich mehr mit dem Kunden kommunizieren. Der Kunde oder auch Verbraucher kann ja gar nicht wissen das ein von ihm gewünschtes Schwein mit hohem Magerfleischanteil eine Wohlfühltemperatur von 20-26Grad hat, und das deshalb eine Freilandhaltung nicht möglich ist. Bei Speckschweinen geht das ganze relativ ploblemlos, nur leider möchten nur wenige Kunden dieses Fleisch essen.
    Wir sollten zu einem Dialog kommen bei dem am Ende das beste für beide Seiten rauskommt: Beste Bedingingen für das Tier, damit es sich wohlfühlt, wie von den Kunden gefordert und damit es gut wächst wie vom Tierhalter gefordert.
    Allerdings würde ich mir wünschen das von Seiten der Medien etwas mehr Objektivität gebracht wird. Dieses ständige Gut Böse Spiel hängt mir zum Hals raus und verhärtet nur die Fronten.

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    • bauerhans sagt

      „Allerdings würde ich mir wünschen…“

      als erstes würde ich mir wünschen,dass wir produzenten etwas weniger produzieren würden.

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  3. fleckviehzüchter sagt

    Armer Bauer Willi,

    ich habe erst heute die Zeit gefunden das Interview zu lesen und bin erschrocken über die Anzahl der Kommentare, ich habe sie dann eigentlich auch nur noch überflogen und mir gedacht welch „armes Schwein“ Du eigentlich bist das Du das alles lesen musst.

    Ich glaube nicht das es ein neues Label braucht, vorallem nicht von staatlicher Seite, ich würde da eine Einrichtung wie früher die CMA die generell Werbung macht für deutsche Lebensmittel und über deren Entstehung und Verarbeitung für viel sinnvoller halten.

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Fleckviehzüchter,
      nö, dass hab ich mir doch selbst „eingebrockt“. Aber schon interessant, wie die Berufskollegen reagieren. Was die CMA angeht so wäre eine Werbung für all unsere Lebensmittel und deren Herstellung schon das Richtige. Und das gibt es schon! Geh mal auf die Seite http://www.heimischelandwirtschaft.de
      Und mach mit. Ich bin auch dabei.
      Bauer Willi

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  4. Ehemaliger Landwirt sagt

    @Ingrid Slavik
    „Mir ist bewußt, dass die Entwicklungen der letzten Jahrzehnten dazu beigetragen haben, dass die Bedingungen für Mensch und Tier teilweise echt schlimm sind. Und das ist das, was ich nicht akzeptabel finde.“
    Ich habe in meinem Betrieb nie Tiere gehalten, deshalb traue ich mir zu, objektiv urteilen zu können.
    Die heutigen Ställe sind gegen die vor 50 Jahren reine Wohlfühloasen, Kühe und Schweine wurden in dunklen Löcher gehalten, die mit den heutigen Ställen nichts mehr gemeinsam haben.
    Selbstverständlich kann man darüber diskutieren, ob die Muttersauenhaltung verbessert gehöre, man sollte auch bedenken, dass ohne die Gestänge einige Ferkel von der Muttersau erdrückt werden, ist das aus humaner Sicht besser?
    Die Hühner hatten es bei meinen Eltern besser, 1300 m² für 20 Hühner, doch der Spaas hatte bald ein Ende, die Lebensmittelhändler unterboten den Preis meiner Eltern um einen Pfennig. Ich konnte meine Eltern davon überzeugen, nur noch für den Eigenbedarf Hühner zu halten.

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  5. Bauer Gutmensch sagt

    Zitat:“Bauer Willi: Zum Schluss noch eine eher persönliche Frage. Das Gutachten ist ja von Seiten der Landwirtschaft zum Teil heftig kritisiert worden. Die Diskussionen, die Sie mit der Agrarbranche führen, sind sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Verlässt Sie da nicht manchmal der Mut und sagen Sie sich nicht in einer schwachen Stunde auch einmal „Hätten wir das nur nie geschrieben“?“

    Leider sind in Deutschland weder dumme Fragen noch Nestbeschmutzung strafbar. Bauer willi hat seinen Dr. wohl gekauft oder was?

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    • Bauer Willi sagt

      Könnten Sie das etwas näher ausführen? Weshalb halten Sie die Frage für dumm? Falls Sie Interesse an der Zusendung meiner Dissertation haben, schicken Sie mir bitte ihre Adresse.
      Bauer Willi

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  6. Schweinebauer Piet sagt

    Was auch immer im Fernsehen oder von Parteien gefordert wird, nächstes Jahr werde ich wieder über die Zeitung interessierte in unseren Stall einladen. Dort können wir dann vernünftig über unsere Tierhaltung reden und die anwesenden Personen werden dann sagen, wie ihnen das gefällt. Das haben wir schon mal gemacht und es war sehr aufschlussreich.

    Was haltet ihr davon? ?

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  7. Palla sagt

    Die Art wie hier diskutiert wird ist irgendwie typisch für den ganzen Sektor: Gegenseitige Schuldzuweisungen, Besserwisserei, persönliche Angriffe aber wenig Sachlichkeit, Selbstkritik, und Offenheit für andere Wege! Wer soll unsere Branche denn damit ernst nehmen?

    Ich sehe da noch viel Potential bei jedem einzelnen Landwirt und ich glaube wir Landwirte müssen weg von diesem „Es ist doch alles gut-Ich weiß gar nicht was ihr wollt-Also weiter wie bisher!“

    Ich habe allerdings meine Zweifel ob ein neues Label der richtige Weg ist. Schon wieder eins, dass die Mehrheit der Einkaufenden nicht richtig wahrnimmt? Schon wieder eines, das mit viel Tamtam angekündigt wird und dann entweder in der Versenkung verschwindet oder schleichend zum Produktionsstandard wird und in der Folge nicht mehr ausreichend bezahlt wird?

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    • Andreas Fendt sagt

      Wieder volle Zustimmung von mir!

      Aus meiner Wahrnehmung besteht die Öffentlichkeitsarbeit des DBV im Wesentlichen aus jenem „“Es ist doch alles gut-Ich weiß gar nicht was ihr wollt-Also weiter wie bisher!”

      Andere, wie BDM, ABL und auch die Bioverbände sind da wesentlich selbstkritischer.

      Im Grunde bräuchte es einen Dialog auf politische Ebene, zwischen Wissenschaft, die den Verbraucherwillen darlegt (wie im WBA Gutachten) und wirklicher Vertreter des Berufsstandes, deren Interesse primär das wirtschaftliche Überleben möglichst vieler Familienbetrieb sein müsste. Politik muss dann den Kompromiss finden und die Rahmenbedingungen setzen. Real vertritt die regierende Politik weder die Interessen der Verbraucher, noch der bäuerlichen Familienbetriebe.

      Ob jetzt Diskussionsplattformen, wie hier, überhaupt etwas bringen, dazu habe ich immer mehr Zweifel. Immerhin findet hier noch ab und zu Dialog statt. Sonst gibt es eben die Selbstbeweihräucherungs Seiten, wo die jeweiligen Kritiker ausgesperrt werden, Egal ob die nun Bauernwiki oder Peta heissen, die Festgefahrenheit ist überall diesselbe.

      Mein Vorschlag wäre ja sich wieder mehr als Dienstleister zu verstehen, d.h. Bauern fragen den Verbraucher, was er möchte und machen das dann auch und wenn dazu die Finanzierung der Verbraucher nicht reicht (wovon auszugehen ist „geiz ist geil“) dann muss klar sein, dass Verbraucher und Bauern gemeinsam die Politik auffordern muss, den Ausgleich zu einkömmlichem Dasein aus Steuermitteln zu decken.

      Dieses Prinzip haben wir ja heute schon, nur sind die heutigen Kriterien für alle Beteiligten nachteilig.

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      • Palla sagt

        Meine Wahrnehmung ist nicht, dass die Verbände wie BDM, ABL und die Bioverbände offener gegenüber Diskussionen sind. Eher verfolgt jeder sein eigenes Interesse. Irgendwie normal, denn dazu gibt es diese Verbände ja, leider aber häufig zu intolerant und angriffslustig gegenüber den anderen aus der Branche.

        Ich fürchte landwirtschaftsferne Menschen nehmen das als unterträgliches Hickhack war und es schadet uns als Branche insgesamt!

        @bauerhans: Friedlich?-Man geht vielleicht nicht mit Keulen auf einander los, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich der ein oder andere Leser dieser Kommentare hier genervt abwendet und sich nicht weiter äußert! Wie schade!

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        • Andreas Fendt sagt

          kleines Beispiel: Bioland antwortet auf meine Kritik, dass sie darauf angewiesen sind 80% der Bullenkälber in die konv. Mast zu verkaufen mit „Und die Bullenkälber: Ja, das ist in der Bio-Branche ein Problem und belastet auch viele Bauern“

          Ähnliches ich vom DBV zur kurzen Nutzungsdauer von Milchkühen nie gelesen, im Gegenteil sie lügen, wenn sie schreiben:
          „Behauptet wird, dass in Deutschland „Turbokühe“ gezüchtet werden, die immer mehr Milch geben sollen, aber früher sterben.
          Tatsache ist, dass die Züchtung auf Fitness der Kühe ausgelegt ist. Das Durchschnittsalter deutscher Milchkühe bleibt auch bei gestiegener Milchleistung stabil. “

          Eine akzeptable Antwort wäre hingegen: durch einseitige Zucht auf Milcleistung sank das Abgangsalter der Milchkühe bis vor wenigen Jahren so weit ab, dass oft eine Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben war. Inzwischen beraten wir unsere Mitglieder wie sie das Durchschnittsalter ihrer Herden wieder steigern können“

          Aber das ist eher mein Wunschdenken als Realität, genauso wie es ja nett ist, wenn Bioland Probleme einräumt, aber sich allen vorgeschlagenen Lösungen verweigert…

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          • Palla sagt

            Der DBV ist ja auch keine Zuchtorganisation, es ist also nicht seine Aufgabe! Ich versteh auch nicht, was du mit der Aussage zum Alter der Kühe sagen willst. Tatsache ist, dass es diese einseitige Ausrichtung der Zucht auf Milch längst nicht mehr gibt und Fitnessmerkmale seit Jahren immer größere Bedeutung haben. Wenn eine Kuh viel Milch gibt, heißt das nicht, das sie deswegen früher als eine Kuh mit weniger Milch stirbt. Das kannst du noch so oft behaupten, es stimmt einfach nicht!

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            • Andreas Fendt sagt

              Das durchschnittliche Abgangsalter ist einer von ein paar geeigneten Tierwohlindikatoren und sagt was darüber aus, wie es den Kühen im Schnitt in deutschen Ställen geht und das Ergebnis ist leider: schlecht und die Verbesserungen der letzten Jahre sehe ich nicht.

              Der DBV vertritt die meisten Bauern und setzt bei der Milchkrise einseitig auf weitere Exportmärkte (im Gegensatz zum DBM) und von daher finde ich schon, dass sie hier Verantwortung hätten, die sie nicht wahrnehmen.

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    • bauerhans sagt

      „Die Art wie hier diskutiert wird ist irgendwie typisch…..“

      menschlich!
      …aber eigentlich doch recht friedlich.

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  8. Uli49 sagt

    Es lohnt sich doch noch hier mal wieder vorbei zu schauen. Die Interviews sind Bauer Willis Stärke, mein Kompliment!
    Prof. Grethe ist natürlich auch ein kompetenter Gesprächspartner, der offen und ohne falsche Rücksichten reden kann.
    Wie bekannt, gehöre ich zu den 20% der Verbraucher, die deutlich mehr für ihr Fleisch bezahlen. Ich würde ein staatlich kontrolliertes Label begrüßen, da bei den vom Handel selbst erfundenen Labeln zu oft betrogen wurde (Neuland!).

    Bauer Willi sollte ein Label für qualitativ hochwertige Interviews bekommen.
    Grüße
    Uli

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    • Bauer Willi sagt

      Danke. Aber der Stil der „Diskussion“ meiner landwirtschaftlichen Berufskollegen, die sich mehr damit beschäftigen, sich gegenseitig zu attackieren, lässt mich langsam aber sicher daran zweifeln, ob diese Seite überhaupt noch für Normalos interessant ist.
      Bauer Willi

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      • Alexis Zsipras sagt

        Finde ich auch, die Interviews sind recht gut! Ich bin der gleichen Meinung, was Prof. Grethe sagt! Die Bauern müssen zur Kenntnis nehmen, das sich viele Kunden von Ihnen abwenden. Wichtig für einen Anfang ist, das Kritik ernst genommen und zur Kenntnis genommen wird. Sicher ist vieles schwierig umsetzbar.
        Z.B. Kälber länger bei der Mutter lassen, verringerter chem. Pflanzenschutz. Gentechnik über Artgrenzen hinweg usw…….

        Ich denke viele Bauern sind auch nicht damit glücklich, wie sich manches entwickelt hat. Es ist nur manchmal schwierig sich das einzugestehen.

        Wichtig wäre aus meiner Sicht ein Statement ….ala…wir haben verstanden, wir nehmen euch ernst (auch wenn ihr fachl. nicht alles durchschaut), wir machen uns Gedanken, wir gucken was umsetzbar wäre, wir machen Vorschläge/Angebote..

        VG

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        • bauerhans sagt

          „Die Bauern müssen zur Kenntnis nehmen, das sich viele Kunden von Ihnen abwenden.“

          das stimmt so nicht,die mehrheit kauft nach wie vor billig,weil sie wissen,dass die qualität grundsätzlich stimmt.
          einige wenige lassen sich durch meldungen aufschrecken,kehren aber nach kurzer zeit in ihr verhaltensmuster zurück.
          ngo`en,die grünen und die medien bauschen gern „lebensmittelskandale“ auf,aber darauf reagieren nur wenige dauerhaft.
          das grosse problem der bauern ist,dass sie einfach zuviel produzieren.

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          • Alexis Zsipras sagt

            Doch das stimmt, ich rede mit vielen. Selber halte ich viele Kritikpunkte für berechtigt. Obwohl vieles fachl. nicht richtig dargestellt wird. Das stimmt auch.

            Das mit der Überproduktion ist richtig!

            Das zur Zeit die Schweinepreise so schlecht sind (seit mitte letzten Jahres) liegt an dem sehr hohem Bestand + 1 Mio und !!!! an der verhaltenen Nachfrage!!!!

            Wird von der AMI auch so dargestellt.
            #die mehrheit kauft nach wie vor billig,weil sie wissen,dass die qualität grundsätzlich stimmt.#

            Das ist auch richtig! Zum Teil aber auch, weil sich viele höhere Preise nicht leisten können, Angebot ist ja da, also warum sollen sie teurer kaufen.
            Viele die sich abwenden, werden gleich Vegetarier. Ist auch ein Problem in den Biomärkten.
            In der Schweineproduktion (Fleischproduktion) ist kein Spielraum in den Kosten mehr, deshalb gilt nur noch absolute Effizienz.

            Wir müssen es schaffen, das Fleisch wieder mehr wert wird.
            Bei offenen Märkten ist das sehr sehr schwierig. ich weiß auch keine Lösung. Die Erzeuger müssten auch größtes Interesse haben, das das Produkt wieder mehr wert wird. Aber lieber erschöpft sich die Branche in Grabenkämpfe und lässt sich vom LEH ausspielen.

            Für 2016 sind Strompreise von 0,40 Cent/Kwh angekündigt!

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        • Jochen Böhrer sagt

          Die Bauern nehmen zur Kenntnis, dass von Seiten der Politik, diverser NGOs und der Medien Dauerkampagnen gegen sie gefahren werden. Sie nehmen auch zur Kenntnis, dass immer mehr Verbraucher in die thumben Parolen miteinstimmen. Sie nehmen auch zur Kenntnis, dass da manche „Kollegen“ mit Dollarzeichen in den Augen miteinstimmen und sich über die Verunglimpfuung der Wettbwerber freuen, Aber es war in der Geschichte noch nie ratsam, wenn sich eine verleumdete und böswillig verächtlich gemachte Bevölkerungsgruppe Asche übers haupt streut und wider besseres Wissen die vorgeworfene Boshaftigkeit eingesteht. Das deckt sich eigentlich nicht mit unserem Rechtssystem. Man ist jahrelang den Forderungen entgegengekommen. Sowohl in der Tierhaltung als auch in der Schlachtwirtschaft als auch im Ackerbau gab es immer strengere Vorschriften. Teils sinnvoll, oft blödsinnig. Auflagen, Dokumentationen, teure Umbauten und Umrüstungen und unzählige Landwirte und kleine Metzger , die aus DIESEN und KEINEN ANDEREN Gründen das Handtuch warfen. Man hat den kleinen Finger gegeben, man hat die ganze Hand gegeben, man nahm die andere Hand und ist jetzt bei den Zehen. Und die Schürer werden NIE genug haben.. egal was man macht. Jetzt ist Zeit, sich zu wehren.

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          • Alexis Zsipras sagt

            Herr Böhrer! Es geht nicht um das Asche aufs Haupt streuen, es geht um in die Offensive gehen! Das ist ein Unterschied. Ihre Wortwahl spricht schon Bände „kleinen Finger geben“ Also stehen sie nicht dahinter, wie soll das dann ein Kunde glauben? Ihr Kunde ist zu tiefst verunsichert!!!!!!
            Es gibt ja schon sehr viele, die das begriffen haben und an der Umsetzung arbeiten. Viele werden nur zur wenig wahrgenommen. Das Hauptproblem ist die Nichtwahrnehmung und das austauschbare anonyme Produkt.
            Es ist auch nicht so, das ich das „Wehren“ ablehne. das ist auch ein wichtiger Teil.

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  9. bauerhans sagt

    kernaussage von prof.greten:
    es stehen somit durch tierwohl ca.3% der gelder zur verfügung, die eigentlich gebraucht werden,um die tierhaltung tierwohlgerecht umzubauen.
    wie soll das dann finanziert werden,woher sollen die fehlenden 97% kommen??

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