Alois
Kommentare 42

Knusper, Knusper, Knäuschen…

wer spritzt da an dem Häuschen…

Ich bewirtschafte eine idyllische Bergwiese. Sie liegt auf ca. 1000 Meter Höhe am Grünten im Allgäu. Am oberen Rand steht diese wunderschöne Hütte (siehe Bild).  Die Hüttenbesitzer halfen uns früher oft beim Heumachen auf der „Schwandenwiese“. Mit den heutigen Maschinen ist das zwar nicht mehr notwendig, aber wir pflegen immer noch freundschaftlichen Verbindungen mit ihnen.

Anfang Juni mähte ich die Bergwiese bei herrlichstem Sommerwetter. Ich komme also früh am Vormittag zum Heuwenden mit meinem Traktor zur Hütte rauf. Da sehe ich die rüstige Besitzerin mit einer Rückenspritze auf der rund 20 Quadratmeter großen  Natursteinterrasse stehen. „Nanu“, denke ich, „was macht denn die gute Frau dort“ und halte an. Ich gehe zu ihr hin und sehe auf dem Boden neben ihr eine 1-Liter-Flasche Roundup. Ich frage sie, was sie denn da macht? Sie lacht freudig und sagt, „Unkraut von den Steinplatten putzen!“

Ich zeige auf die Dose Roundup und frage sie nochmals, „mit dem Mittel da?“ Wieder lächelt sie mich an. „Das mach ich schon immer damit. Das Mittel ist gut. Ich muss da nur einmal im Jahr spritzen und dann kommt da kein Unkraut mehr.“

Nun bin ich zwar Biobauer, aber ich weiss auch dass Roundup der Wirkstoff Glyphosat ist und spreche die gute Frau deshalb sofort darauf an, dass Glyphosat derzeit heftig in der Kritik sei, wegen Krebsverdacht. Die Antwort kam wie aus der Pistole: „Das ist mir wurscht! Das Mittel nehme ich schon seit 30 Jahren. Davon brauche ich auch nicht viel. So eine Flasche reicht mir 10 Jahre.“

Ich wurde nun etwas ernster und sagte ihr, dass ich das nicht gut finde, zumal ich nebendran meine Bergwiese habe. Meine Ernsthafigkeit übertrug sich zwar auf meine Gesprächspartnerin, doch in der Sache blieb sie hart. „Sie sei schon über 70 und wolle hier nicht auf den Knien das Unkraut zwischen den Steinplatten zupfen!“ Und im übrigen soll man nicht immer so ein „Geschiss“ machen. Solche Mittel würden ihre Nachbarn im Dorf ja auch verwenden, um damit die Einfahrt zur Garage oder den Bürgersteig sauber zu halten.

Danach lenkte sie mit Fragen nach meinen Kindern von dem lästigen Thema ab und ich gab auch Ruhe, weil ich keinen Sinn darin sah, weiterzubohren und mir auch die Zeit davon lief.

Wieder daheim erzählte ich Willi das Erlebnis, der mir sofort sagte, dass Roundup keine Zulassung für solche Steinterrassen hätte, wegen der Abschwemmung. Und auch das Nachrechnen der Dosierung ließ mich erschaudern. 10 Jahre für 20 qm? Also 1 Liter für 200 qm!? In der Landwirtschaft reicht das locker für ein paar tausend Quadratmeter.

Jetzt, nach fast einem halben Jahr bin ich immer noch ratlos. Jedenfalls weiss ich seit damals, dass Glyphosat-Rückstände auch von netten Großmüttern verursacht sein können. Und diese hat bestimmt all die Jahre ihre Kinder und auch ihre Enkelkinder sorglos auf der so geputzten Steinterrasse spielen lassen.

Euer Alois

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42 Kommentare

  1. Philip sagt

    Man kann die Unkräuter auch in Streusalz begraben oder mit Essigessenz gießen.

    In diversen Foren habe ich gelesen, dass auch Diesel, Chlorreiniger oder Batteriesäure funktioniert. Davon rate ich aber ab! Dann lieber Glyphosat über dunkle Quellen beziehen; der Umwelt und sich selbst zuliebe.

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    • bauerhans sagt

      „….oder Batteriesäure funktioniert.“

      ein junger pole erzählte mir vor 20 jahren,dass bei ihnen so das unkraut auf der terasse und zufahrt „gekillt“ würde,aber auch,dass es sehr viele krebsfälle in der familie gab.

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  2. Rebecca sagt

    @Alois, nicht jeder, aber viele sehen nur ihren eigenen Vorteil bzw ihre eigenen Interessen. Das ist leider so und auch bei dir und der Besitzerin der Hütte ist das so. Sie will eine Unkrautfreie Teresse, du sorgst dich um deine Bergwiese.

    So wie es im Artikel rüberkommt hast du auch deine Argumentation so aufgebaut. Kein Wunder das es an Einsicht fehlt.
    Es ist sicher auch schwer für manche zu verstehen dass dass verspritzen auf der Terasse so schädliche Folgen hat.
    Eigentlich hat sie dir mit ihrer Frage nach den Kindern einen prima Punkt zum einhaken gegeben um ihr klar zu machen das es nicht richtig ist was sie macht.
    Wenn du ihr erklärst das sie mit ihren Handeln die Gesundheit ihrer Kinder und Enkel gefährdet ist das wesentlich überzeugneder als ihr zu erklären dass sie möglicherweise deine Bergwiese damit schädigt.
    Sicher ist ein Landwirt kein Kommunikationsexperte, aber bischen mehr Empathie für den Gegenüber und Sicht aufs Ganze kann nicht schaden.
    Dann können alle gemeinsam vielleicht die Welt auch ein bischen besser machen.

    Allerdings sind dazu klare Vorgaben hilfreich . Die Argumentation Chemische Pflanenschutzmittel und Unkrautvernichtungsnmittel durch fachkundige Bauern angewandt ist gut, durch Privatanwender böse, zieht nicht wenn man auf Gesundheitsgefahren aufmerksam machen will.

    Hier wäre ein generelles Verbot sicher hilfreich.
    Gerade für Straßen, Wege, Terassen und ähnliches gibts heute Möglichkeiten die genau so leicht ohne Chemie Unkrautfrei zu bekommen. Kostet vielleicht paar Euro mehr, aber das ist eben der Preis für eine gesunde Umwelt.

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    • Alois.wohlfahrt sagt

      Hallo Rebecca, in der Tat ist mir damals das Argument mit dem Schutz der Kinder nicht eingefallen. Wenn ich mir es bildlich vorstelle wieviel Glyphosat ihre Kinder und Enkel mit dieser „kontaminierten“ Steinterrasse „aufgeschleckt“ haben, dann schaudert es mich. Ich glaube, wenn die Frau das gewusst hätte, dann hätte sie das nicht gemacht.
      Alois

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  3. Katha sagt

    Also wenn es nach mir gehen würde, würden synthetische Pflanzenschutzmittel absolut nicht in die Hände von Privatpersonen gehöhren. Und wenn, dann nur wenn diese einen aktuell gültigen Sachkundenachweis haben. Landwirte brauchen diesen doch auch um mit Herbizieden hantieren zu dürfen, bzw. diese zu erwerben.

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  4. Ehemaliger Landwirt sagt

    Vor ein paar Jahren wurde im Trinkwasser mit steigender Tendenz der Wirkstoff Dichlobenil festgestellt, der Einsatz war damals im Obst und Weinbau erlaubt.

    Die Medien haben die angeblichen Missetäter sofort gefunden, die Winzer sollen es gewesen sein.

    Ein einfaches Gespräch hätte genügt um zu wissen, dass Winzer dieses Mittel (ein Granulat) aus arbeitstechnischen Gründen schon 10 Jahre nicht mehr anwendeten.

    Was mir aber auf viel, waren die unbefestigten Gartenwege und Garagenzufahrten, auf denen kein noch so kleines Gräschen zu sehen war. Wie die das wohl gemacht haben?

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  5. bauerhans sagt

    zum thema passt der leserbrief von heute morgen in der NW über glyphosat:

    ….das BFR sei ein total korrupter verein,weil die nicht sehen wollen,dass es z.b. überall zu missbildungen und schweren gesundheitlichen schäden kommt….

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  6. Bauer Willi sagt

    Hallo Weserwirt, es ging Alois weniger darum, den Zeigefinger zu heben als vielmehr den sorglosen Umgang unserer lieben Mitbürger mir Chemikalien, für die wir Landwirte einen Sachkundeausweis benötigen. Wenn Round up von Platten, Pflaster, Beton und Bitumen in hoher Konzentration in die Kanalisation gespült wird: wer ist es dann wieder gewesen?
    Alternativen: Dazu hat das JKI (Julius-Kühn-Institut, ehemals BBA) ein Faltblatt herausgegeben. Eine vergleichbare Patentlösung ist nicht dabei, es sind halt Alternativen.

    http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_veroeff/faltblaetter/Unkraeuter_auf_Wegen_und_Plaetzen.pdf

    Und auch dieser Link hilft weiter:

    http://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/oeffentliches-gruen/unkrautbekaempfung/wege-und-plaetze-nichtkulturland/chemische-vegetationsbeseitigung-auf-wegen-und-plaetzen-sachgerecht-in-profihand/

    Bauer Willi

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    • Weserwirt sagt

      Danke, Bauer Willi, für die Link-Hinweise!
      Das RP Hessen empfiehlt andere Boden- oder Blattherbizide als Alternative zu Glyphosat. Die sind teilweise noch gefährlicher als das geschmähte Roundup.
      Das JKI zeigt die Alternativen auf mit Hinweisen wie diesen (aus der Erinnerung): „hält nicht lage vor“, „muss nachgearbeitet werden“, „Flächen ständig mit dem Besen kehren“. Genau darin liegt doch das Problem, weshalb die Leute auch zu Salz, Essig und anderen Säuren greifen – oder in der Endstufe Kunstgärten bauen mit Folien, Steinwüsten und Plastikgewächsen. Wollen wir das?
      Auch diesen Satz habe ich imn Faltblatt gefunden: „Der Pflegaufwand ist fünf mal höher“. – Die Bauamtsarbeiter der Gemeinden freuen sich, die Bürger eher weniger, weil sie das bezahlen müssen.

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  7. Weserwirt sagt

    Den Zeigefinger heben, kann jeder, Alois. Aber bitte sag doch mal, was sie sonst nehmen soll. Alle echauffieren sich, aber keine hat eine vergleichbare Patentlösung.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Nein, ich hebe keinen Zeigefinger. Damals im Sommer hätte ich das getan. Da war ich sogar etwas wütend, weil meine Wiese ja nebendran ist. Ich erzähle die Geschichte, weil ich damit vor allem Nicht-Landwirte zum Nachdenken anregen möchte. Der bequeme, oft gedankenlose Griff „zum Mittelchen“ kann einem sogar selbst schaden. Ist übrigens bei Medikamenten dieselbe Situation.
      Alois

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      • Stadtmensch sagt

        Hallo Alois, sehe ich auch so. Pestizide sollte nur jemand mit Sachverstand benutzen. Die für die Anwendung im Privatgarten oder auf städtischer „Kulturlandschaft“ zugelassenen „Mittelchen“ stehen deshalb normalerweise im Bau- o. Gartenmarkt in einer verschlossenen Vitrine und werden vom Fachpersonal rausgegeben. Roundup gibts da jedenfalls nicht. Nun weiß ich aus dem Bekanntenkreis (meist Eigenheimbewohner am Stadtrand), dass man sich „wirksame“ Mittelchen für die „Säuberung“ von Hof und Rasen durchaus beschaffen kann (dabei immer mit vielsagendem Schmunzeln). Dass sind jedenfalls keine Bios…
        Die Landwirte sollte aber auch nicht vergessen, dass mit dem Schwinden der „nutzlosen“ Kräutlein (auch über die Grenzen der Monokulturfläche hinaus) auch alles Getier, welches unter und oberirdisch davon abhing, ebenfalls verschwindet. Über die Folgen davon gibt es wieder haufenweise streitbare Studien…

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        • bauerhans sagt

          „Die Landwirte sollte aber auch nicht vergessen, dass mit dem Schwinden der “nutzlosen” Kräutlein (auch über die Grenzen der Monokulturfläche hinaus) auch alles Getier, welches unter und oberirdisch davon abhing, ebenfalls verschwindet. Über die Folgen davon gibt es wieder haufenweise streitbare Studien… “

          woher kenne ich diesen schreibstil……

          „monokulturfläche“ ist ein forenbegriff!
          im obstbau,wo die apfelplantage 10 bis 15 jahre besteht,könnte man den ausdruck gebrauchen.
          jedenfalls darf glyphosat nur auf dem acker gespritzt werden,nicht am wegrand,aber tiere werden nicht getroffen.
          ich habe da langjährige erfahrung.

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          • Stadtmensch sagt

            Es ist plausibel, dass das Wirkprinzip von Glyphosat auf Pflanzen zugeschnitten ist.
            Trotzdem sind im Herbizit neben Glyphosat noch weiter Stoffe enthalten (z.B. Benetzungsmittel). Mir ist auch klar, dass man nicht in Hysterie verfallen muss, nur weil man z.B. im Mehl Glyphosat nachweisen kann. Mir geht es eigentlich immer nur um die Umweltwirkung moderner Agratechnologie und da können wir leider einen anhaltenden Verlust der (Achtung Forenbegriff!) Biodiversität verzeichnen.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Aktuell leben über 7 Milliarden Menschen auf der Erde, gut das Doppelte von 1960, und für 2050 werden es von der UN geschätzte 9,5 Milliarden Menschen sein. Diese Menschen brauchen in erster Linie Platz, um zu leben und um Nahrungsmittel zu produzieren. Aber auch durch die ständig wachsenden Ansprüche – v.a. in den Industrieländern Europas und Nordamerikas – wird immer mehr Raum für Produktion und Transport von unterschiedlichsten Gütern gebraucht. Dem Drang nach flexibler und weitreichender Mobilität kann nur durch den Bau von Infrastrukturen (z.B. Straßen, Parkplätze, Flughäfen) entsprochen werden. Nicht zuletzt die Erzeugung von Energie, die in exponentiell steigendem Maße gefordert wird, beansprucht Flächen und wirkt sich somit direkt oder indirekt auf die verschiedenen Ökosysteme aus. Weltweit gesehen beeinflussen die menschlichen Aktivitäten mindestens 83% der Landfläche.

              http://www.lfu.bayern.de/natur/biodiversitaet/gefaehrdung/index.htm

              Es ist nicht allein die moderne Agrartechnologie, auch der Geissenhof auf 900 Meter Höhe sorgt für eine Störung der Biodiversität.

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            • Stadtmensch sagt

              @Ehemaliger Landwirt: es schmeichelt mir zwar, wenn sie mich immer wieder in Verbindung mit einem gewissen „Geissenhof“ bringen, aber ich bin wirklich einfach nur ein anderer „Nervsack“.
              Wenn die Zahlen stimmen, werden hierzulande tatsächlich knapp 80ha zugebaut und ich lehne das auch komplett ab. Das hat meiner Meinung nach nichts mehr mit Wohlstandssteigerung zu tun.
              Aber falls sie den Inhalt hinter ihrem link: http://www.lfu.bayern.de/natur/biodiversitaet/gefaehrdung/index.htm

              auch gelesen haben, stehen da neben haufenweise „Forenwörtern“ u.a. Begriffe wie „Vernetzung von Lebensrauminseln“ und das könnten die Landwirte meiner Meinung nach am besten.

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        • Philip sagt

          Streitbare Studien sind für mich Studien, bei denen nichts klares rausgekommen ist. Verlinken Sie doch mal eine. Würde das gerne zurücknehmen.
          Im Gegensatz zu streitbaren Studien gibt es handfeste Studien, die zeigen, dass wenn man den Acker generell für alle möglichen Kräutlein öffnet, man sich zusätzlich diverse andere Probleme ins Feld holt.

          Z.B. gibt es Pilze / Insekten, die in Unkräutern „überwintern“.
          Z.B. gibt es Unkräuter, die das Erntegut kontaminieren bzw. unmöglich machen.
          usw usf.
          Falls sie sich mal einlesen möchten, hier gehts los:
          http://www.hortipendium.de/Feldhygiene

          Dies sollte man auch mal bedenken und dies kommt zur Ertragsminderung noch dazu. Wir haben ja mal diskutiert, dass mehr Biodiversität mit weniger Ertrag einhergeht. Offenbar reicht ihnen das Argument nicht. Deshalb: neue (zusätzliche!)

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          • Stadtmensch sagt

            Hallo Philip, danke für den Link – ist sehr interessant.
            Biodiversität geht nicht automatisch mit weniger Ertrag einher (Fibl-Dok Versuch). Ist es nicht so, dass der Mehrertrag bei konventionellem Anbau aus der Anwendung von Hochertrags- (meist Hybrid) Saatgut + Mineraldünger + chemischer Pflanzenschutz resultiert? Außerdem muss die Energiebilanz auch noch stimmen (ist zur Zeit leider kein Thema). Ich befasse mich in meiner Freizeit mit Permakultur. Also Obst- und Gemüseanbau ohne chemische Boden- und Pflanzenpflege. Das ist ein anderer Ansatz als der, der mit den (sicher bewährten) Empfehlungen in den Tips zur Feldhygiene verfolgt wird. So steht jedenfalls in „Kleber: Gärtnern im Biotop mit Mensch“ auf Seite 47: „Durch Monokultur sowie chemische Düngung und Kulturpflanzenschutz wird das Bodenleben entsozialisiert“ (Stichwort Sekera, Bodensoziologie). Das Bodenleben (Lebendverbau) ist immens wichtig für Aufrechterhaltung der Bodengare (Krümelstruktur, Speicherkapazität für Luft und Wasser als Voraussetzung für Humusbildung). Beide Herangehensweisen an das Problem Unkraut (Pflanzenhygiene oder Mischkultur) setzen eine tiefe Kenntnis der Wechselbeziehungen zwischen Bodenlebewesen, Boden, Pilzen und Pflanzen voraus. Ich vermute aber, dass bei der Anwendung der chemischen Keule mehr kaputt geht als nötig. So, hier noch die Studie (ganz frisch, Seite 14):
            http://www.boelw.de/uploads/media/pdf/Themen/Klima/15-11-27_Regeneration_von_Boeden_und_OEkosystemen.pdf

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            • Philip sagt

              Ok, das war missverständlich ausgedrückt von mir. Selbstverständlich bedeutet mehr Biodiversität nicht automatisch weniger Ertrag.
              Allerdings, in einer Situation (wie oben beschrieben) bei mehr Biodiversität in Form von Unkräutern im Feld, wird der Ertrag des Feldes sinken. Das kann man ja mal so zugeben.
              Jawohl, der Mehrertrag resultiert aus den 3 genannten Faktoren (die ja auch bio und konvi allgemein unterscheiden). Nehmen sie eins Weg sinkt der Ertrag, und nehmen sie Pflanzenschutzmittel weg sinkt der Ertrag und die Ertragsstabilität.

              Ich glaube wir reden teilweise aneinander vorbei, weil wenn sie über Landwirtschaft sprechen, haben sie oft Gemüse- und Obstanbau im Hinterkopf. Währendessen spreche ich (eigentlich) immer von Getreide, Mais und Kartoffelanbau auf riesigen Flächen (fast ohne Handarbeit).
              Die Dinge von denen sie oft sprechen sind, sagen wir, eher angepasst für Obst- und Gemüseanbau und nicht angepasst für die Grundnahrungsmittelanabu. Und man kann das nicht 1 zu 1 übertragen, weil es eben fundamentale Unterschiede gibt.

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          • Stadtmensch sagt

            @Philip, Nein ich rede nicht nur von meinem Radieschenbeet. Ich habe wie gewünscht auf eine Studie verwiesen, die u.a. die Umweltwirkung von Pflanzenschutzmitteln beschreibt. Ich möchte das gerne diskutieren, warum man trotz jahrzehntelanger Versuchsreihen, die einen weitgehenden Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz (aufgrund hinzugewonnener Erkenntnisse in der Pflanzen- und Bodensoziologie) in den Bereich des Möglichen rücken, so krampfhaft daran festhält. Ich möchte, dass mir jemand erklärt, warum sämtliche Kritik am chemischen Pflanzenschutz mit dem Verweis auf Ertrag abgeblockt wird, wo man es sich doch gleichzeitig leisten kann, auf 16% der Ackerfläche Energiepflanzen anzubauen. Energie, die (bilanzmäßig) nur gebraucht wird, um das Brot zu backen, das dann wieder verbrannt wird:
            http://www.evb-online.de/schule_materialien_wertschaetzung_b11.php

            Habt ihr denn die Geschichte vom Brötchen hier im Blog nicht gelesen? Vom Feld bis zum Verbraucher werden Wege zurück gelegt…
            Ist das Effizienz?

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            • Philip sagt

              Tja, habe ich doch oben versucht (Thema Feldhygiene).

              In nassen Jahren (mit hohem Pilzdruck) kann ohne Pflanzenschutz die Ernte ausfallen; deshalb ist es wichtig.
              Oder, nehmen eine Insekten Plage. Gab es schon zu biblischen Zeiten. Heute gibt es Insektizide und die Ernte ist (relativ) sicher.

              Und jetzt speziell für Herbizide. Schauen sie, jedes Feld ist anders. Manche haben einen geringen Unkrautdruck, andere einen hohen Unkrautdruck (was zusätzlich auch noch sehr vom Wetter abhängt).
              Der Vorteil ist, dass Herbizide zuverlässig überall funktionieren, was die Unkrautkontrolle planbar macht.
              Klar kann man Unkräuter auch mechanisch kontrollieren, aber nicht so gut (mehr Einsatz, auch in Form von Diesel!). Und machen sie das mal wenn der Boden nass bis aufgeweicht ist (dann geht es nicht).

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            • Philip sagt

              …und bezüglich der Verschwendung von Lebensmittel, habe ich auch schonmal versucht darauf hinzuweisen, dass generell 110% Versorgungsgrad einer Gesellschaft angestrebt werden sollten. Nur dann hat man die Freiheit, gesellschaftliche und umweltpolitische Fragestellungen zu erörtern.
              Das rechtfertigt natürlich nicht jeden Auswuchs des Systems!

              Zum Thema Energiepflanzen wird Ihnen das hier keiner erklären können, weil die Entscheidung wahrscheinlich keiner versteht…

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          • Stadtmensch sagt

            Ja – sicher. 110% Versorgungsgrad. Alles richtig.
            Trotzdem – ist das hier rational?:
            http://www.ecoglobe.ch/agri/d/eroi1982.htm

            Ich gebe niemandem irgendeine „Schuld“ aber so kann es nicht mehr lange weiter gehen. Zum Glück bin ich Laie und was da jemand im Netz an Rechnungen aufstellt ist sicher Kokolores. Warum genieße ich nicht einfach das Leben und freue mich über die besten Lebensmittel aller Zeiten?

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            • Stadtmensch sagt

              @Philip: In der Tat; Hier prallen zwei Weltbilder aufeinander. http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0002573, Dass der Herr Prof. Reinhard Szibor es nötig hat, Gegner seiner Sicht als „reaktionäre Spießer“ und Rudolf Steinar-Jünger zu verunglimpfen….(tja).
              Auch ich sehe großes Potenzial in der weiteren Erforschung einer „Solaren Chemie des 21. Jahrunderts (Herrmann Fischer)“ um endlich vom Öl loszukommen (meinetwegen mit Gentechnik).
              Allerding ist die Leidenschaft von Wissenschaftlern schon oft zur Hybris geraten (Konrad Adam: Kampf gegen die Natur).
              Laut „Subsistenz und Moderne“ geht es den Menschen in der sog. Dritten Welt erst seit Einführung der modernen Landwirtschaft richtig schlecht. Das ist jetzt zwar sehr pauschal aber ich wüsste nicht, wie die ihre Fähigkeit zu Eigenversorgung mit genoptimierten Hochleistungssorten wiedererlangen sollen.
              Es sei denn man will das gar nicht. Ich werde aber nochmal in die Thematik abtauchen – weil ich mir doch keine Gedanken über die Nahrungsbeschaffung machen muss 😉

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      • bauerhans sagt

        „…..auch der Geissenhof auf 900 Meter Höhe sorgt für eine Störung der Biodiversität. “

        ziegen pupsen doch auch……

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