Jahr: 2025

Zucker wird billiger, Süßes wird teurer

Im August 2023 berichtete die Tagesschau von einem „Zuckerschock“. Zucker war deutlich teurer geworden, was man auch im Laden spüren konnte. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/zucker-preis-inflation-100.html Mittlerweile hat sich der Markt aber deutlich gedreht. Der Zuckerpreis ist deutlich gefallen und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. https://www.agrarticker.de/maerkte/alle-maerkte/detail/fuenf-jahres-tief-erreicht/ Auch im Laden ist der Zuckerpreis gefallen und zwar seit dem August 2024 um 29%. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/verbraucherpreise-august-warenkorb-100.html Die Zuckerunternehmen reagieren auf die fallenden Preise. Um den Markt zu entlasten bieten sie ihren Rübenanbauern an, ihre Vertragsmenge zu kürzen und weniger Rüben anzubauen. Es gibt also eine Branche, die in der Lage ist, den Markt in gewissen Maße selbst zu steuern. Doch es gibt noch ein anderes Problem, auf das die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) hinweist und das die Zuckerbranche, bestehend aus Rübenanbauern und Zuckerunternehmen, nicht regeln können. Zitat: „Neben den regulären zollfreien Importen, die in Freihandelsabkommen vereinbart wurden, belasten weitere zollfreie Sonderimporte den EU-Markt. Über die Zollregelung „aktive Veredelung“ gelangt Zucker ohne Einfuhrzölle in die EU. Ursprünglich war das gedacht für den Re-Export. Tatsächlich entwickelt sich das zum Schlupfloch für billigen Zucker, …

Kein Essen ohne Gentechnik!

Mal ganz ehrlich: interessiert es Sie wirklich, woher unser Essen kommt und wie es hergestellt wird? Klar, in Umfragen soll es regional, saisonal und bio sein, aber bei Aldi und Lidl achten Sie vor allem auf den Preis. Billig muss es sein. Mich erinnert das immer an den Satz eines Soziologen, der sinngemäß gesagt hat: „In Umfragen wird soziale Schizophrenie empirisch abgebildet“ Das bedeutet, dass wir gerne Antworten geben, die sozial erwünscht sind, mit dem eigenen Handeln aber nichts zu tun haben. Tierwohl ist da auch so ein Thema: abends läuft in den Nachrichten ein Video, dass Jan Peifer oder ein anderer selbsterklärter „Tierschützer“ investigativ erstellt hat und dafür widerrechtlich in einen Stall eingebrochen ist. Am nächsten Morgen läuft man zum Discounter, weil dort das Hähnchen im Sonderangebot ist. Man verdrängt das Video vom Abend vorher. Wer aber ein Hähnchen für 2.49 kauft, gibt an der Kasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung aufzuregen. Mit diesem Satz bin ich 2015 beim Deutschlandfunk schon mal  aufgefallen. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/ern%C3%A4hrung-bauer-willi-platzt-der-kragen  Dirk Steffens hat es dann noch mal erläutert: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/was-faire-h%C3%A4hnchen-kosten …

Gebratener Biber

Lange war der europäische Biber vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste für Europa wird er mittlerweile als „nicht gefährdet“ geführt. Mittlerweile sind es regional so viele Tiere geworden, dass sie ernsthaften Schaden verursachen. In Sachsen will man die Population dadurch begrenzen, dass Tiere gefangen und nach Frankreich umgesiedelt werden. Darüber haben jetzt Richter zu befinden, denn wie so oft in solchen Fällen, regt sich Widerstand seitens der Tierschützer gegen diese geplante Maßnahme. https://www.welt.de/regionales/sachsen/article6918174658d2cfb625f5cb56/haarige-angelegenheit-richter-haben-ueber-biber-zu-befinden.html In Brandenburg durften in der Vergangenheit Biber geschossen („entnommen“) werden. Dies war zuletzt etwa der Fall, weil eine Gefährdung für die Sicherheit der Hochwasserdeiche an der Oder und beim Flughafen BER gesehen wurde. Fleisch und Fell können dann privat verwertet werden. Auf eine offizielle Speisekarte in Gaststätten darf der Biber nicht. https://www.welt.de/wissenschaft/article6916f93bcc12c94ca4e4259f/gebratener-biber-auf-dem-teller-streit-um-den-geschuetzten-nager-eskaliert.html Kenner der Szene halten das Fleisch des Biber für sehr schmackhaft und plädieren dafür, das ganze Tier zu verwerten. Wer es nicht weiß: der Biber ernährt sich vegetarisch.

Neue EU-Strategie: Bioökonomie

Am 27. November hat die EU-Kommission eine neue „Bioökonomie-Strategie“ vorgelegt. Hier die Link dazu: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_25_2819 Hier einige Zitate: „Entwicklung von Leitmärkten für biobasierte Materialien und Technologien Um Investitionen zu mobilisieren und den Ausbau zu ermöglichen, ermittelte die Kommission innovative Märkte für biobasierte Materialien und Technologien. Dazu gehören biobasierte Sektoren wie Kunststoffe, Fasern, Textilien, Chemikalien, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Baumaterialien, Bioraffinerien, fortschrittliche Gärung und dauerhafte Speicherung von biogenem Kohlenstoff, die ein hohes Potenzial für Wirtschaftswachstum und Umweltvorteile haben. Die Kommission wird die Nachfrage nach biobasierten Inhaltsstoffen in Produkten ankurbeln, indem sie beispielsweise Ziele in den einschlägigen Rechtsvorschriften festlegt. In der EU-Bioökonomiestrategie wird daher betont, dass Biomasse verantwortungsvoll beschafft werden muss, um sicherzustellen, dass Wälder, Böden, Wasser und Ökosysteme innerhalb ihrer ökologischen Grenzen bewirtschaftet werden. Die Förderung der Kreislaufwirtschaft und die Steigerung des Wertes sekundärer Biomasse – wie landwirtschaftlicher Rückstände, Nebenprodukte und organischer Abfälle – ist von entscheidender Bedeutung. Die Kommission wird Initiativen ins Leben rufen, mit denen Landwirte und Forstwirte belohnt werden, die Böden schützen, Kohlenstoffsenken verbessern und die nachhaltige Nutzung von Biomasse unterstützen.“  Zitatende Ich würde mir …

Oligopol? Nein, aber man kennt sich…

Kürzlich hat die Monopolkommission ein Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebensmittelkette erstellt. https://monopolkommission.de/de/gutachten/sondergutachten/sondergutachten-auf-eigene-initiative/484-84-sondergutachten-wettbewerb-in-der-lebensmittellieferkette.html Wer ist die Monopolkommission? Gehört sie zum Kartellamt? Hier die Beschreibung von der Homepage: „Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Bundesregierung und die gesetzgebenden Körperschaften auf den Gebieten der Wettbewerbspolitik, des Wettbewerbsrechts und der Regulierung berät. Ihre Gutachten werden veröffentlicht.“ Hier das Sondergutachten im Volltext. Es sind zwar 287 Seiten, die aber gut gegliedert sind, so daß man sich über die einzelnen Märkte, wie z.B. Getreide, Milch, Fleisch, Kartoffeln oder Zucker schnell informieren kann. Die grafischen Darstellungen machen das Verständnis einfacher. https://monopolkommission.de/images/PDF/SG/SG%20LLK%202025/Sondergutachten%20Lebensmittellieferkette_Monopolkommission.pdf Hier einer der Kernsätze, der sich durch das gesamte Gutachten zieht: S. 87: „Seit etwa dem Jahr 2013 gehen die Preisentwicklungen der Landwirtschaft und den nachgelagerten Stufen zunehmend auseinander. Die Preise der nachgelagerten Stufen bleiben selbst bei sinkenden Landwirtschaftspreisen oft stabil oder steigen sogar, sodass sich zwischen den Stufen über den Jahren eine Preisdivergenz entwickelt.“ Diese Formulierung bedeutet ja nichts anderes, als dass die Gewinnmarge des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) immer größer wird. Wie aber kann man diesem Oligopol wirksam …

18.12: Demo der europäischen Landwirte in Brüssel

Den 18.12. schon mal freihalten. Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft. Die Demonstration wurde angemeldet und soll vom späten Vormittag bis frühen Nachmittag stattfinden. Details später So kündigen es die verschiedenen Länder an: Deutschland: https://www.agrarheute.com/politik/protest-gegen-mercosur-10000-landwirte-bruessel-erwartet-637786 Belgien: https://www.vrt.be/vrtnws/de/2025/11/25/tausende-bauern-demonstrieren-am-18-dezember-in-bruessel-gegen/ Schweiz: https://www.schweizerbauer.ch/artikel/bruessel-10000-landwirte-wollen-gegen-eu-politik-protestieren

Kartoffeln: vom Feld bis in den Laden

Heute mal was zur Weiterbildung: Ein Beitrag des WDR von einem Betrieb am Niederrhein, der Kartoffeln für den Handel aufbereitet. Zwei Dinge, die ich nicht wusste: 60-mal wird jede Kartoffel fotografiert. Und: bis auf den Ersten Weihnachtstag wird jeden Tag im Kartoffel-Sortierbetrieb gearbeitet. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren

„Zukunft säen“ Teil 2

„Farmer Billy“, (gelernter Journalist) hat sich über weitere Themen rund um die Landwirtschaft geäußert. Hier die Fortsetzung der Buchbesprechung mit den nächsten 10 Kapiteln. Und wie schon im 1. Teil nur selten eine eigene Bewertung sondern Zitate aus dem Buch, die ich dann in Anführungszeichen setze. Los geht´s:  10. Kein Dünger ins Trinkwasser und ins Meer „Unser Trinkwasser wird mit Nitrat verseucht, das besonders für Säuglinge gefährlich ist“. „Wieviel Dünger in die Umwelt gelangt, statt auf dem Acker zu bleiben, ist je nach Region unterschiedlich. In Niedersachsen kommen teilweise hunderte von Großvieheinheiten auf den Hektar.“ „Landwirtschaft geht nicht ohne Nährstoffverluste“. „Wer Schweinefleisch oder Hähnchen  aus den konventionellen deutschen Mastfabriken auf dem Teller hat, verschlingt Regenwald und Artenvielfalt“. „Der optimale Weg wäre die Rückkehr zu einer Landwirtschaft, in der die Tierhaltung und die Pflanzenproduktion wieder flächendeckend miteinander gekoppelt sind.“ 11. Klimaneutral mit Tierhaltung – wie denn das? Berichtet wird über Ergebnis einer Studie, die von BMLEH mit 1,5 Mio. Euro gefördert wird. Beteiligt sind die Uni Gießen, TU München und der Forschungsring in Darmstadt.   Der Forschungsring …

„Zukunft säen“ – Das Buch hat definitiv kein „Farmer“ geschrieben (Teil 1)

Kürzlich erhielt ich ein kleines Päckchen mit dem Absender Stefan Michel. Inhalt: ein Buch, auf dem als Autor lediglich „Farmer Billy“ genannt ist. (erinnert mich sehr an „Bauer Willi). Der Autor, ein Journalist, also kein „Farmer“, fragt nach, ob ich das Buch rezensieren würde, da sich darüber auch sein Freund Herbert (Milchbauer aus der Eifel) freuen würde. Mit ihm wäre er auch nicht immer einer Meinung. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, kann ich das gut verstehen. Eine richtige Rezension wird es aber nicht. Ich habe im wesentlichen Ausschnitte von Texten aus den einzelnen Kapitel gewählt, die mir „interessant“ erschienen und die zeigen, wie der Autor die Landwirtschaft sieht. Und um es gleich vorweg zu sagen: eine schlüssige Darstellung, wie eine „andere Landwirtschaft“ aussieht, habe ich in dem Buch nicht gefunden. Hier also einige Auszüge mit den jeweiligen Überschriften des Buches 1. Vom Bauernhof direkt auf den Tisch Hier schildert der Autor seine Einkäufe auf dem Wochenmarkt und in Hofläden. Er wirbt dafür, es ihm nachzutun. Für die Landwirte hat er als Vorschlag „SoLaWi“ …

Herr Spiller, ernsthaft? Noch mal eine Kommission?

Prof. Achim Spiller hat erkannt, dass sowohl die Borchert- Kommission als auch die ZKL (Zukunftskommission Landwirtschaft) gescheitert sind. Und wenn das der Co-Vorsitzende der ZKL sagt, dann wird es ja wohl stimmen. https://www.topagrar.com/schwein/news/tierschutzstrategie-2026-agrarokonom-spiller-pladiert-fur-neuen-anlauf-20019949.html? Für Julia Klöckner war die Zeit zu kurz seit der Veröffentlichung der Ergebnisse, Cem Özdemir hat auch nichts davon umgesetzt und Alois Rainer, unser derzeitiger Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (LEH…) findet die Ergebnisse nett, sagt aber ganz deutlich, dass dafür kein Geld da ist. Also: ab in die Tonne damit. Ich will ja nicht sagen, dass ich es „schon immer gewusst habe“, aber es stimmt trotzdem. Wenn, wie es die ZKL gemacht hat, einen „Vertrag zu Lasten Dritter“ abschließt, kann das nicht funktionieren. Es war von Beginn an so angelegt, dass die Beschlüsse der Kommissionen lediglich beschreiben, was an gesellschaftlichen Wünschen von den Landwirten umgesetzt werden soll. Es sollte für öffentliche Leistungen öffentliches Geld geben. So wie es die diversen Agrar-Professoren es seit langem fordern. Aber Die Umsetzung der ZKL-Ergebnisse hätten rund 6 Milliarden Euro, die der Borchert-Kommission weitere 4 …