Bauer Willi
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Wenn Wissenschaft instrumentalisiert wird…

Was wissen Sie über Usbekistan? Ehrlicherweise vermutlich nicht viel und so geht es mir auch. Dieses Land spielt aber eine bisher unterschätzte Rolle in der Klimadebatte.

https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/beyond-the-obvious-die-angstfalle-der-klimadebatte/100154823.html

Es geht um eine Studie, in der die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimas auf die Weltwirtschaft berechnet wurden. Es stellte sich nun heraus, dass sich dort ein Fehler eingeschlichen hatte. Hier ein Zitat:

„Mittlerweile steht fest, dass die Studie fundamental fehlerhaft ist. So wurden beispielsweise anomaliebehaftete BIP-Daten aus Usbekistan verwendet. Durch eine fehlerhafte Umrechnung – Marktwechselkurs statt Kaufkraftparität – erhielten diese Daten einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Gesamtergebnisse und verzerrten die Prognosen weltweit. Das führte zu den eingangs erwähnten extrem hohen Schätzungen für wirtschaftliche Verluste (19 Prozent bis 2050, gar 62 Prozent bis 2100) durch den Klimawandel. Nachdem die Werte aus Usbekistan korrigiert wurden, sanken diese Werte dramatisch auf sechs Prozent und auf 23 Prozent.“

Was ich damit sagen will: in der Wissenschaft können bereits geringe Änderungen der Ausgangsdaten zu fundamental anderen Ergebnissen führen. Wir kennen diesen Effekt aus der Wettervorhersage: mehr als drei Tage lässt sich das großräumige Wetter nicht verlässlich vorhersagen, weil dann nicht kalkulierbare Faktoren das „chaotische System Wetter“ beeinflussen.

Bei unserem Wetter spielt Usbekistan allerdings keine gravierende Rolle… 🙂

 

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15 Kommentare

  1. farmer sagt

    In dem o.a. Artikel ist wesentlich, dass man der Auffassung ist, die GHG Emission Problematik könne nur mit Technologie und Wirtschaftswachstum bewältigt werden.
    Womöglich ist man da auf dem Holzweg.
    Wo sind die Ökonomen, die andere Wege aufzeigen?
    Zitat: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. (Einstein)

    • Eckart Grünhagen sagt

      Im Nature-Artikel geht es im Wesentlichen um eine monetarisierte Bewertung von Auswirkungen der prognostizierten Änderungen des Klimas.

      Szenarien mit einem Vorhersagehorizont von mindestens 25 Jahren zu betrachten, ist naturgemäß mit einem erheblichen Fehler behaftet.

  2. Ludwig sagt

    Unbeabsichtigte wissenschaftliche Rechenfehler kann man ja noch korrigieren, aber wenn da Ideologie hintersteht oder Vorgaben des Auftragsgebers mit einem bestimmten Ergebnis , dann ist das schon verwerflich. Diesen Eindruck muß man leider heute in Deutschland haben. Es drängt sich schon lange der Eindruck auf , daß nur noch Forschungsaufträge und entsprechende Gelder nur noch an Wissenschaftler oder UNIs vergeben werden , die ihre Forschung in eine bestimmte Richtung einstellen. Damit haben wir keine Freiheit der Forschung mehr. Nur eine Vielzahl von Forschungsrichtungen und die offene Diskussion um den richtigen Weg kann unser Gemeinwesen weiterbringen. Dabei kommt es nicht auf die Mehrheitsergebnisse der Forschung an , denn sehr viele bahnbrechende Forschung wurde in der Geschichte oft von Einzelpersonen vollbracht. Wundere mich , daß die widerlegten Klimaforschungsergebnisse des Potsdaminstituts nicht zu einer Umkehr in der Politik führen. Man hat den Eindruck , daß Berlin und Brüssel krampfhaft daran festhalten um nicht zugeben zu müßen , daß man sich an die Falschen gewendet hat . Da aber unter anderem unsere Regierung dieses Institut unterhält, könnte man ja auf ein bezahltes und gewolltes Ergebnis kommen und deshalb wagt man die Kehrtwende nicht. Um Wirtschaft und Wohlstand aber zu retten wäre eine 180-Gradwende erforderlich , aber hierzu fehlt es den Regierenden , denn dann müßten sie ihre Fehlentscheidungen zugeben , an Mut.. Der jetzige Weg in den Untergang kann aber auch nicht richtig sein und diese Regierenden in Berlin und Brüssel hinwegfegen.

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  3. Rößle Rudolf sagt

    Lieber Willi
    Das ist wie mit der privaten Vorsorge fürs Alter
    In den Fachzeitschriften werden lieber die neuen Schlepper ausgestellt und ausführlich besprochen, anstatt das wichtige Thema Betriebsstabilität und Vorsorge, Altersvorsorge, ausführlich mit Beispielen und Angaben zu Versicherungen, Anlegemöglichkeiten zu besprechen und vorzustellen. Ich bin froh, dass wir in regenerative Energien investiert haben. Es kommt uns jetzt schon zu Gute

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    • Reinhard Seevers sagt

      „Ich bin froh, dass wir in regenerative Energien investiert haben. Es kommt uns jetzt schon zu Gute.“

      Schön, dass wenigstens einige profitieren, während andere dieses Geschenk langfristig mit hohen Stromkosten alimentieren dürfen….mal gewinnt man, mal verliert der andere.

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    • Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

      Die regenerativen Energien haben den Strom erst richtig verteuert , man sieht es ja an der Industrie. Aber schön das wenigstens sie profitieren.

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  4. Eckart Grünhagen sagt

    Heutzutage ist es in angesehenen Journals üblich bzw. Pflicht, die in der Studie verwendeten Daten zu veröffentlichen. So auch im beschriebenen Fall einer Retraction in Nature. Die betroffenen Akademiker aus Potsdam haben die Daten zwar veröffentlicht, aber um diese Daten in .pkl- bzw. .npy-Format lesen zu können, benötigt man zusätzliche Tools. Offenbar ging man deshalb davon aus, dass sich niemand die Mühe machen würde, um nachzurechnen.

    Dass es sich lohnen könnte, Studien nachzurechnen, habe ich in den letzten Wochen auch festgestellt. In zwei Studien, die Milcherzeuger betrafen und deren Schlussfolgerungen die Landwirte nachhaltig in ihrer Wirtschaftsweise in der Zukunft treffen sollten, brauchte man noch nicht einmal einen Taschenrechner, um offensichtliche Fehler zu erkennen.

    Es ist befremdlich, wie einfach es sich manche – nicht alle – Lehrstühle an agrarwissenschaftlichen Fakultäten machen. Diese Studien sind nicht replizierbar und offensichtlichste Fehler werden vom wissenschaftlichen Personal nicht entdeckt.

    Nun geht alles seinen Gang…

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  5. zmp_nachfahre sagt

    Man darf das nicht als Flüchtigkeitsfehler abtun.
    Für solche Untersuchungen gibt es bewährte und wichtige Tests auf Korrektheit und Relevanz, die eigentlich zum kleinen Einmaleins zählen und die gemacht werden sollten, bevor man überhaupt darüber nachdenkt, es zu veröffentlichen. In diesem Falle z.B., daß man der Reihe nach jeweils eines der Länder aus der Gesamtstichprobe herausnimmt und schaut, wie sich das Ergebnis verändert. Bei einer großen Veränderung muß sehr genau geprüft werden, ob das so stimmen kann.
    Daß das offensichtlich niemand gemacht hatte, weder die Autoren, noch die Gutachter oder die Herausgeber, stellt allen ein sehr schlechtes Zeugnis aus und läßt profunde Zweifel an ihrer neutralen Wissenschaftlichkeit aufkommen.

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  6. Frikadellen piet 47 sagt

    guten Morgen schade dass so etwas immer passiert. ich glaube aber momentan gibt es sehr viele Dinge die eine Planung unheimlich schwer machen. zu diesen Sachen gehört auf der einen Seite Russland und auf der anderen Seite das Freihandelsabkommen. wir leben also in sehr unsicheren Zeiten und ich hoffe dass wir trotzdem ein schönes Weihnachtsfest haben! schönes Wochenende

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