Bauer Willi
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Almwissen vom Almfuchs – warum uns die Almen alle etwas angehen

Als bekennender Flachlandtiroler habe ich nicht wirklich Ahnung von den Almen. Ganz anders Peter Fuchs – der Almfuchs, den ich schon lange kenne. Er kennt als erfahrener „Alminger“ die Bergweiden seit Jahrzehnten und erklärt sie so, dass selbst wir Tiefländer sofort verstehen, warum dort oben vieles anders tickt – und weshalb diese Kulturlandschaft weit über die Alpen hinaus Bedeutung hat.

Also habe ich ihn gebeten, mir meine Fragen zu beantworten. Und das hat sich gelohnt:
25 Minuten Almkunde, ruhig, klar und erstaunlich kurzweilig. Ich habe einiges erfahren, was mir vorher schlicht nicht bewusst war. Auch der Wolf läuft durchs Gespräch…

🎧 Hier geht’s zum Podcast – reinhören lohnt sich.

 

Peter betreut außerdem das Portal www.unsere-almen.at,  eine echte Fundgrube für alle, die verstehen wollen, wie Almen funktionieren – ökologisch, wirtschaftlich und kulturell.

Warum das auch für deutsche Gäste wichtig ist

Viele Urlauber aus Deutschland lieben den Alpenraum – Wanderwege, Aussichten, Hütten, Tiere. Aber auch im Winter wird auf Almflächen Ski-, auf Almwegen Schlitten gefahren. Was oft vergessen wird:
Dieses Freizeitparadies existiert nicht von selbst.
Almen sind kein Naturpark, sondern eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, die nur durch Bewirtschaftung offen bleibt. Ohne Weidetiere, ohne die Arbeit der Hirten und Bauern würden Wege zuwachsen, offene Landschaften verbuschen, steile Hänge erodieren und ganz wortwörtlich würden wir alle im Wald stehen.

Kurz gesagt: Die Almen sind ein Lebensraum, den  gerade auch wir Deutsche genießen – und der Pflege braucht.


Ein paar Fakten, die im Podcast nicht vorkommen – aber den Blick schärfen:

  • 20 % Österreichs sind Almgebiet – rund 1,67 Mio. ha, doppelt so viel wie das restliche Dauergrünland. Beweidet wird davon jedoch nur etwa die Hälfte.
  • Auf den Almen stehen jährlich:300.000 Rinder (davon 51.000 Milchkühe),114.000 Schafe,10.000 Ziegen und 10.000 Pferde.
  • Die Schweiz kommt sogar auf 36 % Almfläche – bei nur halber Staatsgröße.
  • In Deutschland machen Almen rund 5 % des Dauergrünlands aus, etwa 235.000 ha – ähnlich viel wie Südtirol (248.000 ha). Auch dort gilt: ohne Weidetierhaltung kein offener Alpenraum.

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5 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Dass mittlerweile nur noch die Hälfte der Almflächen Österreichs beweidet wird, ist ein Problem. Wenn nichts weiter geschehen würde, als dass der Wald drüber wächst, wäre das noch ein relativ geringer Schaden. Auf Steilhängen aber tragen die Lawinen den Boden ab, weil er nicht mehr durch Beweidung befestigt wird. Wie das dann aussieht, kann man hier sehen:
    https://www.google.com/maps/place/Frommer+Kogel/@47.4675143,13.3241279,1192m/data=!3m1!1e3!4m6!3m5!1s0x4776ce2f5d8b3d35:0x93533e7c5d2fe2e!8m2!3d47.4666667!4d13.3333333!16s%2Fg%2F11bx89dn_p?authuser=0&entry=ttu&g_ep=EgoyMDI1MTIwOS4wIKXMDSoKLDEwMDc5MjA2N0gBUAM%3D
    Die vegetationsfreien Stellen waren in den 1950er Jahren noch nicht da. Sie werden in den nächsten Jahrzehnten zu Schutthalden zusammen wachsen. Schlecht für das Klima: Kein Co2 und kein Wasser wird mehr gespeichert, Quellen versiegen. Die Alpen als Wasserschloss Europas leiden nicht nur durch den Verlust der Gletscher.
    Die Almwirtschaft profitiert von einer relativ mächtigen Bodenkrume, die unter den wärmeren Klimabedinungen des Atlantikums entstanden war und jetzt verloren zu gehen droht.
    Es gab früher auf den Almen verschiedene Berufe: Hirt, Melker, Senner und – ganz wichtig – Almputzer. Die hielten die Flächen instand. Im Frühling sammelten sie die vom Frost aus den Felswänden abgesprengten Steine auf und schlichteten sie zu Weidegrenzen, Viehpferchen und den Unterständen der Hirten auf den abgelegenen Hochalmen. Sie schwendeten die aufkommenden Bäume und Sträucher. Die schränken ja nicht nur die Weidefläche ein, sondern flachwurzelnde Bäume auf Steilhängen werden im Winter von Lawinen ausgerissen und hinterlassen die oben abgebildeten Plaiken, an denen dann Abspülung und Lawinenschurf weitere Zerstörungsarbeit leisten können. Entstandene Plaiken wurden mit Heublumensaat wieder begrünt. Vom Vieh abgetretene Rasenziegel wurden sorgfältig wieder festgeklopft. Verunkrautete Flächen wurden vor der Blüte ausgemäht. An manchen Stellen wurde sogar bewässert.
    Ist eine Fläche einmal derart geschädigt, treibt erst recht niemand mehr Tiere auf. Dann müsste man mit hohem Aufwand Hochlagenaufforstung machen, eine Pflanzung unter Lawinenschutz, aber dafür hat heute niemand mehr das Geld.

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  2. Elisabeth Ertl sagt

    Sehr gut finde ich auf der Webseite die Erfahrungen mit Herdenschutz dargestellt. Mir war von Anfang an klar, dass der WWF die ahnungslose Bevölkerung belügt, wenn er behauptet, die Bergbauern müssten den Herdenschutz nur „wieder“ lernen. Es gibt keine einzige autochthone Herdenschutzhunderasse in den Ostalpen. Die Namen der bekannten HSH deuten auf die großen submediterranen Transhumanzgegenden hin: Owtscharka (Kaukasus), Kangal (Türkei), Maremmano (Italien), Batou (Pyrenäen) Mastiff (spanische Meseta). Am ehesten könnte man den Schweizer Sennenhund (nicht Berner Sennenhund!) als solchen einstufen.
    Welcher österreichische Bergbauer mit seinen ehemals vielleicht maximal 20 Milchkühen hätte so einen Hund durchfüttern können? Es gibt auf dem Gebiet Österreichs überhaupt nur 2 autochthone Hunderassen, und die sind klein: die Dachsbracke (Jagdhund) und der österreichische Pinscher, ein multifunktionaler Bauernhund als Mäusefänger, Wachhund, Jagdbegleiter und – gelegentlich – Hütehund. Auf Almen waren Hunde nie üblich, weil das Gelände zu gefährlich ist, um Herden durch Hunde zu lenken. Dass die Tourismusverbände seit etlichen Jahren nicht mehr umhin kommen, Urlauber mit Hunden zu bedienen, kostet so manchem Schaf das Leben.
    Und gehütet wurden ja die Tiere früher von den Kindern. Wenn dann der Gottseibeiuns, der Wolf auftauchte, ließ so manches Kind sein Leben.
    Da gibt es nichts „wieder“ zu lernen.

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  3. Brandenburgbauer sagt

    Moin, allen im Blog erholsame, gesunde und friedliche Weihnachtstage. Als bekennender Flachlandtiroler , war meine Familie und ich ,den Hund darf ich nicht vergessen sehr oft auf den Almen besonder in Österreich unterwegs. Unvergessen sind die deftigen Brotzeiten mit hervorragendem Käse, knusprigen Brot und natürlich schmackhaften Bier. Auch wir haben LEUTE getroffen wie im Beitrag erwähnt.
    Als Landwirt hat mir diese Denk und Verhaltensweise überhaupt nicht gefallen. Da konnte ich mich auch nicht mit meiner anderen Meinung zurück halten. Denen die die Almen so bewirtschaften wie es notwendig ist wünsche ich weiterhin viel Tatkraft.

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  4. Frikadellen piet 47 sagt

    guten Morgen und frohe Weihnachten in dem Teil den man lesen sollte wird schnell klar dass es ohne Landwirtschaft nicht geht! unsere schöne Kulturlandschaft gebe es also ohne Landwirtschaft nicht und hier sieht man vor allen Dingen die Almen und so weiter. schöne Weihnachten weiterhin

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