Jahr: 2025

Humus: wer hat mehr?

Das Thünen-Institut hat untersucht, ob es einen Unterschied im Humusgehalt bei konventionellen und biologisch bewirtschafteten Flächen gibt. Ergebnis: es gibt keinen Unterschied. https://www.agrarticker.de/nachrichten/detail/bewirtschaftungsart-hat-keinen-einfluss/ Hier ein Zitat aus der Studie: „In dieser Studie wurden zwei unabhängige großflächige Bodenbestandsdatensätze (2159 und 811 Standorte) analysiert, darunter sowohl ökologische als auch konventionelle Anbauflächen in Deutschland. Unterschiede in SOC aufgrund pädoklimatischer Bedingungen zwischen den Standorten wurden mit einem zufälligen Waldmodell korrigiert. Croplands unter biologischem Anbau wies weder einen höheren SOC-Gehalt noch höhere SOC-Bestände auf als solche in der konventionellen Landwirtschaft in beiden Datensätzen.“(SOC= soil organic carbon, also vergleichbar mit Humus) Folgenden Satz in der Zusammenfassung finde ich bemerkenswert: „Unsere Ergebnisse stellen die bisherige Wahrnehmung in Frage, dass der ökologische Landbau SOC aufbaut.“ Das heißt also, dass die subjektive Wahrnehmung durch faktische Untersuchungsergebnisse widerlegt wurden. Als Gründe wird vermutet, dass die geringe Menge an Ernterückstände und eine geringere Nährstoffverfügbarkeit im Bio-Landbau zu diesem Ergebnis geführt haben. Entscheidend für den Gehalt an Humus ist daher im wesentlichen der Betriebsleiter und nicht das Bewirtschaftungssystem. Wer die ganze Studie lesen will, hier der Link: …

Abschmelzen des Grönland-Eis und Phytoplankton

Diese Meldung wurde 2013 vom „Spiegel“ gebracht. Der erste Satz daraus: „Wenn das Eis taut, gedeiht das Leben: In Grönland haben Forscher entdeckt, dass mit Gletscher-Schmelzwasser im Sommer weitaus mehr Eisenpartikel als gedacht ins Meer gespült werden. Der Stoff wirkt als Dünger für eine erstaunliche Algenblüte.“ https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/groenland-schmelzwasser-der-gletscher-bringt-naehrstoffe-ins-meer-a-888004.html 2016 haben Forscher herausgefunden, dass das Schmelzen von Eisbergen ebenso positiv für das Phytoplankton und für die CO2-Bindung ist https://www.deutschlandfunk.de/klimawandel-eisberge-als-naehrstofflieferanten-100.html „Der südliche Ozean spielt eine relativ große Rolle bei der Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Denn er ist sehr groß und sehr kalt, das Kohlendioxid kann sich also gut im Wasser lösen. Normalerweise ist er allerdings nicht sehr produktiv, denn hier fehlen die Nährstoffe für ein starkes Phytoplanktonwachstum. Gerade an Eisen mangelt es.“ Schmilzt also einer der großen Eisberge, bringt er genau die dringend benötigten Nährstoffe und kurbelt die Primärproduktion an. Durch die Klimaerwärmung werden die Eisschilde instabiler und immer mehr Eisberge brechen ab. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat ihre Zahl im südlichen Ozean um 5 Prozent zugenommen. Allen Klimaprognosen zufolge wird dieser Trend wahrscheinlich anhalten, …

„Der Green Deal ist gescheitert“ sagt die DLG

Vielleicht merken Sie es auch: Seit einigen Monaten verändern sich politische Diskussionen  in ihrer Richtung. Bestimmten bis dahin  vor allem eher Umwelt- und Klimathemen den öffentlichen Diskurs, so verlieren diese immer mehr an Bedeutung. Auch werden Strategien, die bisher die Politik bestimmten, nach und nach zurückgezogen. Wenn eine landwirtschaftliche Organisation wie die Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft (DLG e.V.) ihren Präsidenten sagen lässt, dass der Green Deal gescheitert ist, dann dürfte das auch so sein. https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/paetow-wie-ein-gescheiterter-green-deal-zum-neustart-wird-20020744.html? Den Grund dafür benennt Herr Paetow auch: Zitat: „Der Green Deal ist daran gescheitert, dass man die Aufgaben der Zukunft mit den Instrumenten der Vergangenheit bewältigen wollte. Ordnungsrechtliche Regulierung und starre Vorgaben ohne unternehmerische Gestaltungsoptionen, fehlende Innovationsoffenheit sowie die Vermischung der richtigen Ansätze mit ideologisch motivierten Projekten einzelner Gruppen haben zum Scheitern geführt.“ Er geht auch auf die Frage ein, warum auch die ZKL gescheitert ist: Zitat: „Die Ergebnisse der ZKL waren von Anfang an nicht geeignet, kurzfristig politische Wirksamkeit zu entfalten. Sie haben aber den Diskussions- und Lösungsraum im Bereich der Agrar- und Umweltpolitik nachhaltig geprägt. Die Leitlinien des Berichts …

Kommt eine neue Eiszeit?

Während die Medien nicht müde werden, auf die drohende Überhitzung der Erde hinzuweisen, könnte es für Europa ganz anders werden: der Stillstand des Golfstroms könnte dazu führen, dass es in Europa deutlich kälter wird. Und das nicht erst in ein paar tausend Jahren, sondern noch in diesem Jahrhundert. https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/europaeische-eiszeit-wieso-ein-kaelteeinbruch-wahrscheinlicher-denn-je-ist-accg-200335827.html? Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel: „Die neuen Zahlen, das sind die Ergebnisse aus 768 Risikoberechnungen mit 38 unterschiedlichen Klimamodellen der neuen Generation. Demnach käme es ohne Klimaschutzmaßnahmen in mehr als zwei Drittel der Kalkulationen im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu einem nahezu völligen Zusammenbruch der Umwälzpumpe im Atlantik, der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC). Selbst bei einem Niedrigemissionsszenario, sprich: mit einem restriktiven klimapolitischen Kurs weltweit, belaufe sich das von den Modellen berechnete Risiko auf knapp 25 Prozent. Es geht, das muss betont werden, um einen nahezu vollständigen Zusammenbruch des Stromsystems nach 2100. Doch das wäre, so die Wissenschaftlergruppe um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und René van Westen vom Königlichen Wetterdienst der Niederlande, quasi der Endpunkt einer langen Entwicklung. „Entscheidend ist, dass die Tiefenkonvektion in …

Landwirtschaft und Katastrophenschutz

Katastrophenschutz? Was soll das Thema denn jetzt? Es ist ein Thema, dass leicht verdrängt wird, weil es unangenehm ist und Geld kostet. Wie Katastrophenschutz funktioniert, bzw. nicht funktioniert, konnte man nach dem 15. Juli 2021 an der Ahr und der Erft sehen. Die ersten Helfer, die vor Ort waren, waren die Landwirte mit ihrer Arbeitskraft, ihren Traktoren, ihren Maschinen und ihrer Zeit. Wenn es um schnelle Hilfe geht, will man zukünftig die Zusammenarbeit mit den Landwirten nutzen. So sagte ein Vertreter des Kreisfeuerwehrverbandes : „Die Landwirte muss man nicht erst holen, die sind schon da.“ https://www.agrarticker.de/nachrichten/detail/leuchttuerme-in-der-katastrophe/ Die Zusammenarbeit wird in einem neuen Projekt mit Namen „LuKaS“ bearbeitet. https://www.hswt.de/forschung/projekt/2687-lukas Landwirte können nicht nur Transportaufgaben übernehmen oder mit Frontladern Dinge bewegen, sie verfügen häufig auch über Notstromaggregate, die bei einem Stromausfall (aus welchen Gründen auch immer) schnell einsatzbereit sind. https://www.hef.tum.de/hef/aktuelles/nachrichten/details/article/zusammenarbeit-fuer-den-katastrophenschutz/ Katastrophenschutz und Landwirtschaft, ein Thema, dass auch einmal in die Öffentlichkeit gehört.      

Aktuell: Export-„Strategie“ des BMLEH

Gestern, 10.12.2025 hat der Bundeslandwirtschaftsminister seine Agrar-Export“strategie“ der Presse vorgestellt. Hier die Pressemitteilung: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/120-agrarexportstrategie.html Hier der Wortlaut der Agrarexportstrategie: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Agrarexportstrategie.pdf?__blob=publicationFile&v=6 Sie brauchen diese nicht in Gänze zu lesen, da rund 80% des Papieres eine Beschreibung des Zustandes ist und nur etwa drei Seiten darauf eingeht, wie die Politik den Agrarexport fördern will. Es sind 5 Punkte, die ich hier kurz kommentieren möchte. Wir stärken die Wettbewerbsfähigkeit: Die deutsche Wirtschaft braucht Luft zum Atmen. Je besser es gelingt, für Entlastungen zu sorgen und etwa Bürokratie abzubauen, desto mehr stärken wir die Wirtschaft. Daher unterstützt und flankiert das BMLEH die Ziele der Bundesregierung. Für den Bürokratieabbau wurde im BMLEH bereits eine eigene Stabstelle geschaffen. Bürokratieabbau um den Export zu fördern? Und das man dafür eine Stabsstelle geschaffen hat, ist keine besondere Leistung. Wir stellen die Strukturen im BMLEH neu auf: Wir wollen neue Märkte eröffnen – dafür stärken wir entsprechende Arbeitsbereiche. Es wird klare Ansprechpartner geben, die die Anliegen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft auf hoher politischer Ebene begleiten und unterstützen: Mit einer Exportkoordinatorin schaffen wir eine …

Deutschland wie es isst

Seit etwa 10 Jahren gibt das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Ernährungsreport heraus, der im Wesentlichen auf Umfragen beruht. https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2025.html Dort finden sich Sätze wie Dass es schnell geht, wird wichtiger: Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) findet es sehr wichtig oder wichtig, dass sich das Essen einfach und schnell zubereiten lässt (vgl. 2015: 45 Prozent). Auch der Preis wird beim Einkaufen wieder mehr beachtet (2015: 58 Prozent, 2020: 46 Prozent, 2025: 59 Prozent). Beim Einkauf achten 79 Prozent darauf, dass Gemüse und Obst saisonal sind. 77 Prozent geben an, es treffe voll und ganz oder eher zu, dass sie darauf achten, wie das Tier gehalten wurde, von dem das Lebensmittel stammt. Dass die Produkte aus ihrer Region kommen, darauf achten viele Befragte beim Lebensmitteleinkauf. 77 Pro­zent geben an, dass dies voll und ganz oder eher auf sie zutrifft. Die Erwartungen an einen landwirtschaftlichen Betrieb sind vielfältig: Im Vordergrund stehen für die Befragten eine „artgerechte Haltung der Tiere“ (59 Prozent), eine „faire Entlohnung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ (56 Prozent) sowie die „Qualität der Produkte“ (52 Prozent). …

Brasilien vorne – mit Technik aus Deutschland

Das der „Focus“ über Technik in der Landwirtschaft schreibt, kommt auch nicht jeden Tag vor. https://www.focus.de/earth/weltklimakonferenz/meilenweit-voraus-brasilien-haengt-deutschland-ab-mit-technik-aus-deutschland-landwirtschaft-agrar_b9c2c1df-2efd-4289-bec4-af0054a4a109.html Diesmal geht es nicht um herkömmliche Landtechnik (hier sind deutsche Firmen in Brasilien deutlich unterrepräsentiert) sondern um elektronische Lösungen, wie z.B. Xarvio von BASF. Auf den großen Flächen werden statt Flugzeugen zunehmend Drohnen eingesetzt. Was in dem Artikel auch noch gesagt wurde und mir in der Dimension nicht klar war: „Mehr als 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt werden Schätzungen zufolge durch brasilianische Produkte ernährt. Und die FAO denkt, dass es noch mehr werden: „Die brasilianischen Exporte wichtiger Agrargüter dürften im kommenden Jahrzehnt deutlich anwachsen“, heißt es.“ Mein Fazit: Die europäische Landwirtschaft wird, was den Export angeht, für den Weltmarkt immer unbedeutender. Und was Exporte aus Brasilien angeht, so lautet die Reihenfolge der Bedeutung dort: China, Indien, Russland, USA, EU. Mittlerweile sind in Brasilien alle wichtigen Agrarrohstoffe gentechnisch verändert. Wer etwas anderes will, muss dies entweder woanders einkaufen (weil sich Brasilien mit solch kleinen Mengen nicht abgibt) oder teuer bezahlen.

Zucker wird billiger, Süßes wird teurer

Im August 2023 berichtete die Tagesschau von einem „Zuckerschock“. Zucker war deutlich teurer geworden, was man auch im Laden spüren konnte. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/zucker-preis-inflation-100.html Mittlerweile hat sich der Markt aber deutlich gedreht. Der Zuckerpreis ist deutlich gefallen und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. https://www.agrarticker.de/maerkte/alle-maerkte/detail/fuenf-jahres-tief-erreicht/ Auch im Laden ist der Zuckerpreis gefallen und zwar seit dem August 2024 um 29%. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/verbraucherpreise-august-warenkorb-100.html Die Zuckerunternehmen reagieren auf die fallenden Preise. Um den Markt zu entlasten bieten sie ihren Rübenanbauern an, ihre Vertragsmenge zu kürzen und weniger Rüben anzubauen. Es gibt also eine Branche, die in der Lage ist, den Markt in gewissen Maße selbst zu steuern. Doch es gibt noch ein anderes Problem, auf das die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) hinweist und das die Zuckerbranche, bestehend aus Rübenanbauern und Zuckerunternehmen, nicht regeln können. Zitat: „Neben den regulären zollfreien Importen, die in Freihandelsabkommen vereinbart wurden, belasten weitere zollfreie Sonderimporte den EU-Markt. Über die Zollregelung „aktive Veredelung“ gelangt Zucker ohne Einfuhrzölle in die EU. Ursprünglich war das gedacht für den Re-Export. Tatsächlich entwickelt sich das zum Schlupfloch für billigen Zucker, …

Kein Essen ohne Gentechnik!

Mal ganz ehrlich: interessiert es Sie wirklich, woher unser Essen kommt und wie es hergestellt wird? Klar, in Umfragen soll es regional, saisonal und bio sein, aber bei Aldi und Lidl achten Sie vor allem auf den Preis. Billig muss es sein. Mich erinnert das immer an den Satz eines Soziologen, der sinngemäß gesagt hat: „In Umfragen wird soziale Schizophrenie empirisch abgebildet“ Das bedeutet, dass wir gerne Antworten geben, die sozial erwünscht sind, mit dem eigenen Handeln aber nichts zu tun haben. Tierwohl ist da auch so ein Thema: abends läuft in den Nachrichten ein Video, dass Jan Peifer oder ein anderer selbsterklärter „Tierschützer“ investigativ erstellt hat und dafür widerrechtlich in einen Stall eingebrochen ist. Am nächsten Morgen läuft man zum Discounter, weil dort das Hähnchen im Sonderangebot ist. Man verdrängt das Video vom Abend vorher. Wer aber ein Hähnchen für 2.49 kauft, gibt an der Kasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung aufzuregen. Mit diesem Satz bin ich 2015 beim Deutschlandfunk schon mal  aufgefallen. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/ern%C3%A4hrung-bauer-willi-platzt-der-kragen  Dirk Steffens hat es dann noch mal erläutert: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/was-faire-h%C3%A4hnchen-kosten …