Bauer Willi
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Geld stinkt nicht

Da der Milchpreis im Keller und eine Erholung nicht in Sicht ist, hat mich Alois aus dem Allgäu, erfahrener Tierhalter und kreativer Marketing-Experte auf ein neues Produkt hingewiesen, dass die Misere für viele Milchviehhalter beenden könnte: Kuhscheiße!

Da ich von Tierhaltung nicht viel verstehe, hier seine Rechnung:

Erlös Kuhscheiße

Eine deutsche Durchschnitts-Kuh produziert am Tag rund 0,055 Kubikmeter Gülle. Umgerechnet auf organische Trockensubstanz (oTS) ergibt das rund 4,4 kg trockenen Rinderdung. OBI verkauft 12,5 kg Rinder-Dung für 15,99 €, was einem Kilopreis von 1,28 € entspricht. Dies ergibt somit einem Erlös von 5,63 € pro Kuh und Tag.

Bildquelle: www.obi.de

Bildquelle: www.obi.de

Erlös Milch

Die durchschnittliche Milchleistung in Deutschland 2013 betrug 7.400 Liter pro Kuh und Jahr, was einem Output pro Tag von 20,27 Liter entspricht. Bei einem Erlös von 0,26 € pro Liter ergibt sich ein Erlös von 5,27 € pro Kuh und Tag.

Was will uns das sagen und welche Folgen sind zu erwarten?

Diese Rechnung belegt eindeutig, dass Milchviehhalter das falsche Produkt verkaufen. Kuhscheiße bringt mehr ein! (gut, das mit dem Trocknen haben wir mal außen vor gelassen, geht ja aber auch an der Luft)

Diese revolutionäre Erkenntnis kann nicht ohne Folgen bleiben. Zuchtverbände sollten nun sofort ein Programm mit der Selektion auf Scheiß-Leistung einführen. Da dadurch die Produktion kontinuierlich ansteigen wird, ist von politischer Seite zu überlegen, ob man nicht eine Scheiß-Quote einführen sollte, um einer Überproduktion rechtzeitig entgegen zu wirken. DBV und BDM könnten sich dann darüber streiten, wer als erster die Abschaffung der Quote und ein Ende des Scheiß-Wettbewerbs fordern soll.

Der neue Werbeslogan ist auch schon gefunden: „Wir scheißen auf den Weltmarkt“.

NGO´s und Tierschützer werden hingegen die Scheiß-Globalisierung sofort bekämpfen.

Nur Grüne und Bauern sind sich einig: Endlich ist sie da, die Scheiß-Agrarwende.

Eure Bauern Willi und Alois

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44 Kommentare

  1. M. C. aus O sagt

    Hier wird der Nettopreis der Milch ((as was der Bauer bezahlt bekommt) mit dem Bruttopreis (was das Produkt im Laden kostet) vermischt! Wenn ich bei Obi für das Kilo 1.28 zahle hrißt das ja noch lange nicht das diese dann beim Bauern auch ankommen! Ich zahl ja auch 55 cent für die Milch und die kommen nicht an!
    Außerdem müsste der Landwird dann die Nährstoffe die er durch die Gülle auf die Felder bringt teuer kaufen!

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  2. Thorsten S sagt

    Vor 10, 15 Jahren konnte man HTK mit Torf und etwas Mutterboden noch als „Bio-Erde mit Dünger“ in den Baumärkten verkauft werden.
    Mein Nachbar hatte sich da ne ganze Palette von geholt, etwas Öko der Mann, als er fertig war mit Lebensbäume pflanzen und der Hühnerscheiße hab ich ihm gesteckt was seine Bio-Erde ist 🙂

    Er war nicht amüsiert.

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  3. Walter Parthon sagt

    @Fendt „Bekannterweise wird in der Bullenmast nicht mit Antibiotika gespart und Kühe haben ziemlich Glyphosat im Urin, alles super für den Biogarten zu Hause…“

    Giftalarm im Futtertrog: In MV ist binnen weniger Wochen ein zweites Mal mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln verseuchtes Öko-Futter entdeckt worden. 22 Betriebe in MV seien gesperrt und der Verkauf von Öko-Ware gestoppt worden, teilte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin mit. Betroffen seien Eierproduzenten, Öko-Milchlieferanten, Schweinemastbetriebe, ein Kückenbetrieb, eine Schäferei – wie auch mehr als 30 Betriebe in anderen Bundesländern. Prüfer hätten vor Weihnachten den kontaminierten Sonnenblumenkuchen aus der Ukraine und Bulgarien entdeckt. Zulässige Grenzwerte seien um 25 Prozent überschritten gewesen. Die 1966 Tonnen Bio-Ware hatte ein holländischer Händler über den niedersächsischen Hafen Brake auf den Markt gebracht. 

    Aus

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    • Andreas Fendt sagt

      ja hammer denn schon wieder Weihnachten? Oder is der Text einfach schon 1 Jahr alt.
      Bekannterweise kritisiere ich Bio für zu lasche Richtlinien und Futterzukauf gibt es bei meinem Biolabel eben gar nicht…

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  4. Michael Haagen sagt

    Ja Bauer Willi!
    Es geht doch mit den Innovationen und den Nischen. Mit Guano wird das ja schon viele Jahre gemacht. Ihr glaubt nicht, wie viele Hobbygärtner diesem Guano hinterherjagen. Als ich meine Weiterbildung zum Techniker gemacht habe, war ich bei OBI im Gartencenter. Ich fand das nicht schlimm. Für meine Mitschüler war ich der böse Feind. Letztendlich stellte es sich heraus, dass wir viel regionaler gehandelt haben, als die meisten kleinen Floristen. Ok, das hat sich im Laufe der Jahre gewandelt, aber ich bin ja auch nicht mehr dort.
    Und jetzt sind wir wieder bei meinem Bauernsupermarkt. Da wird nicht nur das Rind verkauft, sondern auch der Mist. Und ich wette, die Kunden rennen Euch die Türen ein. Wenn da noch ein Verkäufer steht, der was vom Boden und Dünger erzählen kann, dann stellt die Paletten erst gar nicht in den Laden. Packt das Zeug noch in Eimer mit Pfand und der Kunde kommt immer wieder. Auch Kompost ist ein Geschäft. Gerade in der regionalen Vermarktung. Mulch aus Miscanthus. Ey wenn man da anfängt, es nimmt kein Ende.
    Was wollt ihr eigentlich immer mit der Milch für die Großmolkerei? Oder die Kartoffeln für den Großhändler, der Euch ein paar Euros zuwirft. Wenn ihm die Kartoffeln nicht passen, dann soll er die doch sonstwo kaufen. Oder der Einkäufer der Großmolkerei soll seine Frau um Milch anpumpen. Außer er bezahlt eben den geforderten Preis.
    Ich bin überzeugt, dass der gemeine Kunde bei Aldi, Lidl, sonstwem auch 1 Euro für den Liter Milch bezahlt. 90 % schaut nicht drauf, was die Milch kostet.
    Merkt Ihr was?

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Den Milchmarkt gibt es nicht als einheitlichen Block. Sondern der Markt ist immer eine Ansammlung von großen oder kleineren Nischen. Je mehr Leute ihr Heil in einer großen Nische suchen, desto härter ist das Hauen und Stechen darin.
      Das große Problem der Bauern ist doch, dass ein LKW mit 10.000 Liter verderblicher Milch keine verkaufsfähige Ware für den Verbraucher ist. Die Molkereien bestimmen also mit ihren Marken, in welchem Marktsegment verkauft wird. Hochpreisige Marken, wie z.B. Zott Joghurt haben doch keine Absatzprobleme. Dennoch haben diese Molkereien mit den Bauern oder MEG’s Lieferverträge auf Durchschnittwerte von Börsen. Das heisst im Klartext, die Bauern haben die Arschlochkarte, wenn an den Börsen die Kurse nach unten gehen und die Markeninhaber verdienen dabei doppelt gut.
      Das einzige was also dauerhaft hilft, sind eigene, starke Erzeugermarken.

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      • Michael Haagen sagt

        Meine Worte, aber da wird ja munter jede erdenkliche Ausrede gesucht. Da startet man nicht mal den Versuch. Lieber stellen sich 3 Bauern mit dem Protestschild vor den Aldi.

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  5. Schweinebauer Piet sagt

    Die Scheiße muss dann aber auch gemeldet werden, als Wirtschaftsdüngerabgang. Den Beleg dann gut abheften, damit es keine Probleme bei der Kontrolle der Düngebilanz gibt, die dann auch besser aussieht.

    Ob man mit dem ganzen Bürokratie sparrt?????

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  6. Nachdem vor allem Gülle zunehmend das Image von Sondermüll hat, ist es nicht einfach potentiellen Käufern (Landwirten) klar zu machen, was ihnen die Gülle als wertvoller Mehrnährstoffdünger bringt, bzw. wieviel Mineraldünger sie im Gegenzug einsparen könnten.

    Da sind wir also wieder beim Thema Image! Gute, vielleicht auch humorvolle, einprägsame Werbung wäre hilfreich und notwendig!

    Hat Jemand Ideen?

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  7. fleckviehzüchterin sagt

    Hallo zusammen,

    was ihr hier alle für einen Witz haltet ist bei uns längst realität, mein Mann fährt die Gülle und den Mist nicht mehr auf die Felder und Wiesen sondern in die Biogasanlage des Nachbarn. Dafür bringt der im Gegenzug mit dem großen Schleppschlauchfass, Biogasgärreste auf unseren Flächen aus. Mein Mann ist davon begeistert, nicht nur weil er jetzt auf das Wetter keine Rücksicht nehmen muss, der Boden nicht mehr so verdichtet wird wie mit unserem kleinen Fass sondern auch weil er es wircklich schafft mit der Scheiße auch noch Geld zu verdienen.

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      • Thorsten S sagt

        Dachte das kommt vom RR-Soja…
        Wie Monika doch immer schnell auf einen neuen Zug aufspringt… Die ist schneller wie der Fendt.

        Warum treten die Fälle auch in Biobetrieben auf?
        Illegale Fütterung gepaart mit Gärsubstraten?

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    • Michael Haagen sagt

      Ich halte das nicht für einen Witz, sondern für eine Pflicht, die Energiereserven nicht sinnfrei auf den Acker zu verteilen, sondern die Gülle eben zu vergären, dabei die Energie zu nutzen und anschließend als „Kompost“ auf den Acker zu verbringen. Dabei kommt die Aufgabe eines Chemikers noch ins Spiel, was man mit den Gärresten noch anfangen könnte? Möglicherweise kann das noch separiert werden und als Blattdüngung ausgebracht werden? Hat es eine fungizide Wirkung?
      Wenn man das klärt, lässt sich möglicherweise ein Spritzgang (der ja auch Geld kostet) einsparen.
      Das sind letztendlich die Innovationen, die ein Landwirt haben sollte. Und dazu braucht er keine Demo vor dem Aldi und schon gar keinen Bauernverband, der ihn dabei schnell noch TTIP verkaufen will. Dazu braucht es Pflanzenschutzexperten und Chemiker.

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  8. sibylle sagt

    Ihr seid Eurer Zeit voraus – nicht der elfte im elften ist gemeint, sondern die Zeit da es keinen Phosphatdünger mehr wie bisher gibt, dann ist Kuhdung – auch und gerade der flüssige gefragt. Schiet war schon immer gefragt. Kauschiet erst recht, nur noch von Bullschiet zu übertreffen.

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    • Andreas Fendt sagt

      und wie soll Phosphat in die Kuhscheisse kommen? Streut das der liebe Gott in die Futtertröge der Rinder oder kauft der Bauern kein Phosphorhaltiges Mineralfutter, wenn der bergmännische Phosphor zu Ende geht. Ist heute der Tag der „Milchmädchenrechnung“ und ich hab nix davon mitbekommen?

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      • Mr Tom sagt

        Bei 150g Mineralfutter pro Tier undTag mit 2,5% Phosphorgehalt kommen schon Unmengen an Phosphat zusammen 😉

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  9. Gernot sagt

    Lieber Bauer Willi,

    Dein Ansatz ist zwar richtig, aber mal wieder zu kurz gedacht.
    Du beschränkst Dich wieder auf ein einzelnes Produkt und in kürzester Zeit, wird hier der Markt übersättigt sein, die Preise demnach fallen.

    Wichtig wird sein in die Breite zu gehen und die Vermarktung von vielen Komponenten anzukurbeln.

    Da wären Hornspäne 1,70 Euro pro Kilo bei Amazon
    Einfach öfter mal Deinen Kühen eine Pediküre gönnen.

    Die Kuhhörner bringen als Trinkhorn sogar etwa 25 Euro das Stück.
    (Und Ihr Bauern wollt Hornlose Kühe, schön blöd…)

    Mit den 2 Produkten und dem Kuhdung bist Du dann schon besser aufgestellt.

    Wenn Du dann noch auf die Kuhrasse „Paula“ umstellst, solltest Du auch einen grandiosen Profit bei Dr. Oetker erziehlen, da die Kuh ja bekanntlich nicht einfach Milch sondern Pudding mit Flecken gibt. (Kg 3,60 Euro)

    So, und schon hat ein böser Verbraucher Dir geholfen Deine Rentabilität zu steigen.

    LG
    Gernot

    5+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Gernot
      danke, danke, danke! Ich werde Dich für das Amt des Bauernpräsidenten vorschlagen. Oft hilft doch der Blick von außen!
      Bauer Willi

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  10. Richard sagt

    Als ob sich der gute Willi nicht darueber im Klaren ist, dass er die Rechnung manipuliert hat. Was soll das?
    Die Milch Erzeugerpreise mit Einzelhandelspreisen vergleichen… unserioes.

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    • Bauer Willi sagt

      Die Milch ist „Ab-Hof-Preis“, klar. Aber warum nicht auch den Rinderdung selbst vermarkten. Hat das mal einer probiert? Nein, aber Obi macht was draus. Und wie wir schon im Impressum schreiben: uns geht es nicht so sehr um die letzte wissenschaftliche Genauigkeit, sondern darum, eine Diskussion in Gang zu setzen. Und selbst wenn der Bauer nur 20% vom Ladenpreis bekommen würde, wäre es ja immer noch ein gutes Zusatzgeschäft. Oder?
      Bauer Willi

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Der Berechnung liegt sogar eine Milchleistung von 7400 Liter Milch zugrunde. Wenn ich eine Kuh nur mit Grundfutter versorge, also billiger füttere, wird sie nicht diese Milchleistung bringen, aber sie wird trotzdem die 4,4 kg Kuhdung „scheißen“. Dann kann ich auch die 55 Cent des Discounterpreises bei der Milch ansetzen und die Rechnung fällt nicht wesentlich anders aus.

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  11. bauerhans sagt

    hatte letzte woche einige m3 „betonkuhgülle“ geschenkt bekommen,musste nur das verteilen bezahlen.

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