Diesen Beitrag habe ich von Andreas Sommers übernommen. Auf seinem Blog https://www.andreas-sommers.de/ beschäftigt er sich vor allem mit Brot und Backen. Sein Text erinnert mich sehr an Diskussionen, wie wir Landwirte sie auch häufig führen.
„Mir fällt immer wieder auf, vor allem in persönlichen Diskussionen, wenn es um die Ernährung geht, dass Missverständnisse entstehen. Ganz einfach, weil nicht klar ist, über was eigentlich geredet wird.
Am deutlichsten zeigte es die Diskussion über „den Weizen“ in den letzten Jahren. Ich bin Ernährungsberater und Getreideexperte. Ich bin mit auf den Feldern, auf denen das Getreide gedeiht. Bekomme es aus dem Drusch (Ernte), mahle es, siebe es, verarbeite es mit meinen Sauerteigen zu köstlichen und gesunden Lebensmitteln. Ich denke also, ich weiß, über was ich rede. Trotzdem gibt es immer wieder Animositäten, wenn ich auf Menschen treffe, die mir andeuten, dass sie sich ja auch mit Ernährung beschäftigen. Oft ist die Eingangsfrage: „Haben Sie etwas ohne Weizen?“, auch gern genommen: „Haben Sie glutenfreie Produkte?“. Hinterfrage ich diese Fragen, wird es oft wirr. Ich möchte das hier jetzt nicht weiter ausführen, nur dass oft vermeintliche Studien, Erkenntnisse oder einfache Annahmen behaupten, der Weizen beinhalte ja diese oder jene Stoffe, sei überzüchtet, usw. Ich frage dann, von welchem Weizen überhaupt geredet wird. Wenn das Gespräch dann nicht frostig beendet wird, kommt meist die Antwort: „Der moderne, hochgezüchtete Weizen, da sind ja so viele unnatürliche Stoffe drin“, wahlweise: „Der ist ja genverändert“. Geduldig erkläre ich, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU nicht zugelassen sind, und dass es sehr gute, Allergiker freundliche Weizenzüchtungen gibt. Dann eskaliert das Gespräch meist.
Gerade wieder ein Interview in einer großen Tageszeitung mit einer Ernährungsmedizinerin die sich mit Darmbeschwerden befasst gelesen: „der hochgezüchtete Weizen“ eine völlig undifferenzierte Annahme.
Doch über was haben wir hier eigentlich geredet?
Über das Getreide (Feld), das Korn (geerntet), das Mehl (in welcher Art gemahlen), das Brot (in welcher Weise zubereitet)?
In jeder dieser Stufen des Lebewesens Getreide, hin zur Zubereitung zu einem Lebensmittel, hat es völlig unterschiedliche Eigenschaften.
Das Getreidekorn am Halm weist vor der Ernte völlig eigene Eigenschaften auf. Es ist vor allem damit beschäftigt, reif zu werden. Aber auf dem Weg dahin muss es sich gegen Fraßfeinde, Hitze (oder Kälte-) Stress, UV-Strahlen und zu wenig oder zu viel Feuchtigkeit wehren. Als direktes Lebensmittel ist das Korn eher ungeeignet. Es gibt die Möglichkeit, die Körner gründlich zu zerkauen, damit die Enzyme des Speichels Nährstoffe herauslösen können. Bei Körnern die, wie die meisten ursprünglichen Getreide, noch durch den Spelz geschützt werden, bestimmt kein kulinarischer Genuss.
Ist das Korn abgedroschen, weil es reif ist, beginnen die Enzyme zu arbeiten (haben sie auch vorher schon). Der neue Entwicklungszyklus muss in Gang gebracht werden, die Keimung ausgelöst, sich auf die Photosynthese vorbereitet werden, also auf die eigenständige Energieversorgung, unabhängig vom Stärkekörper, der absehbar erschöpft ist. Hier kann man tatsächlich schon von einem tauglichen Lebensmittel sprechen. Aber erst, wenn die Keimung in vollem Gang ist. Dann nämlich sind die Fraßgifte, die die Pflanze bildet, um sich vor Fraßfeinden zu schützen, weitestgehend abgebaut, der Spelz womöglich entfernt. In dieser Stufe ist das Getreide jedoch für die Lebensmittelindustrie ungeeignet. Es ist schlichtweg zu lebendig.
Da hat die Nahrungsmittelindustrie, speziell die Bäcker, natürlich etwas dagegen. Es wird erwartet, eine fest definierte Ausgangszutat geliefert zu bekommen. Das Lebewesen „Getreide“ kann doch nicht einfach machen, was es will. Also wird getrocknet, in riesigen Mahlstühlen in der Hochmüllerei bis zu feinsten Pudern gemahlen. Hauptsache, es ist kein Eigenleben mehr im Getreide. Dabei ist übrigens egal, ob es Auszugsmehle sind oder Vollkornmehle.
Schön, die Mehle stehen bereit, es soll Brot gebacken werden. Mehl, Hefen, Sauerteigmikroben, Teigreife, Backen unter großer Hitze (bei den Bäckern). Das Ergebnis ist die Scheibe Brot auf Ihrem Frühstücksteller. Aber auch hier muss man unterscheiden. Industriell gemahlene staubfeine Mehle; verschnitten, damit immer die gleichen Backeigenschaften gewährleistet sind. Verknetet mit Hochleistungshefen, bei kurzer Teigreife (hier geht es nur um das Aufgehen des Teiges), bei sehr hohen Temperaturen zum Brot verbacken. Oder aber es wird mit langsam gemahlenen, griffigen Mehlen, einem vitalen Sauerteig und sehr langer Teigreife (12-24 Std.) und sanften Temperaturen beim Backen das Brot bereitet.
Auf der einen Seite ein stark standardisiertes Industrielebensmittel (und es ist egal, ob es vom Handwerksbäcker oder der Backindustrie kommt), auf der anderen eine traditionelle Zubereitung des Getreides, hin zu einem gesunden und bekömmlichen Lebensmittel.
Ich unterstelle jetzt mal, dass meine Diskussionspartner sich durchaus ernsthaft informiert haben, wo auch immer. Aber wenn sie sich mit mir über „den Weizen“ und seine negativen Folgen für die körperliche Gesundheit unterhalten, müssen sie sich die Frage gefallen lassen: „Worüber reden wir hier eigentlich?“
Diese Weizengeschichte soll stellvertretend für eine ganze Reihe von Beispielen stehen, die in der Ernährungsdiskussion falsch laufen.
Nehmen wir die Kohlenhydrate. Gehören Ballaststoffe dazu oder nicht (natürlich tun sie es)? Für die „Low Carb Fans“ aber nicht, sie rechnen diese einfach heraus. Jetzt verschieben sich die Nährwerte praktischerweise zugunsten der Proteine. Ein Trick mit weitreichenden Folgen. Die Ballaststoffarmut in der Ernährung in Deutschland hat dramatische Folgen. Macht Fett fett? Aus diversen Studien weiß man, natürlich nicht. Trotzdem wird bei Diskussionen rund um die Ernährung auf den Fettgehalt verwiesen. Meist wird dann auch noch „wolkig“ hinterhergeschoben, dass es gute und schlechte Fette gibt. Immer wieder wird behauptet, Sport hilft beim Abnehmen. Möchten Sie abnehmen, müssen Sie mehr Sport treiben. Viele Menschen haben eine Abneigung gegen Sport (wenn sie ihn selbst betreiben müssen), keine Zeit dafür, Vereinsmeierei, die Klamotten, die Kosten, also wird kein Sport betrieben. Dabei ist „Sport“ der völlig falsche Begriff. Es geht darum, den Kreislauf zu fordern, den Grundumsatz zu steigern. Dazu braucht es Bewegung. Sicher ist Sport auch „Bewegung“, aber spazieren gehen, mit dem Hund Gassi gehen, die Brötchen mal mit dem Fahrrad holen usw., sind ebenfalls Bewegungen, die helfen den Kreislauf zu fordern.
Also reden wir doch mal über Bewegung, wie sie in Ihren Alltag integriert werden kann, bevor gleich der „Sport“ gefordert wird.
Es passiert leider viel zu oft (und das nicht nur in der Ernährung), dass sehr komplexe Sachverhalte stark verkürzt werden, um sie dann, passend zur Meinung, in den Raum zu stellen. Immer ärgerlich, wenn dann denen, die diese Taktik betreiben, sich jemand entgegenstellt, der gut informiert ist, nicht gleich über jedes Stöckchen springt, und kritisch nachfragt.
Ich hoffe, Sie verstehen, wenn ich frage: „Über was reden wir hier eigentlich?“ Eine Frage, die sich in vielen Lebenssituationen, in Diskussionen, beim Medienkonsum immer wieder lohnt zu stellen.
In diesem Sinne, fragen Sie!
Ihr
Andreas Sommers“


was ist dein Spezialgemüse?
Gras kann es nicht sein, denn das ist ja kein Gemüse.
Wie war das damals bei unserer Großfamilie zu Hause in der DDR als Kind? An Nahrungsmitteln war ja nie Mangel, bei Brot und Brötchen sowieso nicht! Zum Frühstück gab’s für uns sechs Kinder Brötchen ( 5 Pf)oder Doppelbroetchen (10 Pf)!Brotaufstrich war immer Honig oder Marmelade, nie Wurst! Der Bäcker hing diese frueh an die Haustür…Geld wurde am nächsten Tag in den Beutel gelegt! Ein Dreipfundmischbrot( 78Pf) gab’s als Schulbrot bzw.zu Abend. Ergänzt mit Kraftmabrot. So war das,je frischer das Brot desto besser!
Zum Trinken gab’s Malzkaffee den ganzen Tag über für uns Kids…
Hatten alle 6 eine tolle Kindheit im Westerzgebirge…
Ergänzung: Leider sind solche Topbroetchen nach TGL gebacken, heute kaum noch zu finden. In der Heimat bekommt man sie hin und wieder nach damaligen Rezept und Form beim einschlägigen Bäcker zu kaufen!
Wie stets sehr gut herausgearbeitet Genosse Bothe! Zu erwähnen wäre noch die kulturelle Bereicherung in Form der sozialistischen Wartekollektive (heute einfach „Schlange“…) um an diese auserwählten Konsumprodukte zu gelangen. Im Umkreis fußläufig oder mit dem Fahrrad hatte „man“ mind. 3 Ausgabestellen. Gestählt durch den Sportunterricht u.a. Handgranate-F1 und Panzerfaust, sowie einer ausgeklügelten (vor-?-) militärische Ausbildung waren wir in der Lage, diese Herausforderung zu meistern. Es wurde versucht am Samstag früh bei Ladenöffnung möglichst weit vorn „dabei zu sein“. Hatte man es geschafft, konnte man die Eltern erfreuen und evtl. der Hübschen aus der Nachbarschaft ein paar Plätze näher zum Ziel verhelfen. So kam man zum morgendlichen (öffentlichen😋) Zungenkuß und konnte rufen „Wir gehören zusammen!“…nicht, dass die Mitwettbewerber unlauteres Vordrängeln vermutet hätten. Die hinteren Plätze gingen evtl. leer aus und versuchten ihr Glück dann in HO oder Konsum …ohne Zungenkuß, aber evtl. mit „noch mehr Kultur“, weil es Radeberger Bier oder Bananen gab. Das waren Zeiten! …😉😁🤮
Peter: Was reden Sie wieder für einen Sch….! Sie reden einen Quatsch! Ist aber nett,das Sie mich als Genosse ansprechen! Weiß aber nicht,was das alles soll? Gehen Sie doch mal in sich, bevor Sie solchen Blödsinn erzählen!!!
Im Übrigen habe ich nur dargestellt wie es bei uns lief… Wenn Sie andere Erfahrungen haben,können Sie diese auch darlegen!
Jetzt hat das Verwaltungsgericht Berlin beschlossen, dass die Stasi-Akten zu Merkel nicht herausgegeben werden müssen, da die frühere Stasi-Mitarbeiterin und spätere Bundeskanzlerin (Zitat) „kein herausragendes Licht“ gewesen sei.
Der Bundesgauckler ist auch so ein U-Boot, und der Gysi auch.
das war im Westen auch so.
1960 kostete ein Brötchen uch 5Pf.
ab da wurde es immer teurer.
Das mit den Brötchen an der Haustüre gab es im Westen auch,.
das ist noch eine Gewohnheit vom vor dem WK2. als wir nch eins waren.
Bothe@ Als ich vor ca 62 Jahren in die Grundschule ging, wurden in einem Jahr für die armen , hungrigen Kinder in Ostdeutschland Lebensmittel gesammelt und in Paketen in den Osten versendet.
Die Lehrerin hat für jeden Schüler bestimmt, was er zu spenden hatte. Da wir damals (für Bayern) einen der größten Höfe hatten, musste ich eine ganze Dauersalami abdrücken. Ich hatte vorher auch nie Salami gegessen und hab bis heute den sehr interessanten Geruch in Nase.
Wenn ich Ihre Geschichten lese, kann ich nur hoffen, dass das Paket nicht in Ihrer Schule gelandet ist, sonst würde ich heute noch durchdrehen.
Verstehe ich nicht. Waren die Ossis damals gar nicht spendenbedürftig, sondern es wurde im Westen nur so getan?
https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00023341/Konsumgeschichte.pdf
Andreas: Tut mir leid, haben nie etwas bekommen! Brauchten wir auch nicht wie ich es dargestellt habe… Im Übrigen hat ein Teil meiner Familie als Heimatvertriebene in Westdeutschland gelebt…Da gab‘s dann zu Weihnachten halt mal ein Westpaket!
@Bauer Willi z.B. isst, glaube ich, morgens immer erst mal ein Müsli.
Ja, hat er mal geschrieben, er hat aber auch von einem Herzinfarkt geschrieben. Deshalb spüre ich keine große Motivation da nach zu eifern.
Ich denke es ist eh ein Problem, dass wir zu wenig gesunde alte Männer haben. Adenauer war 72 als er Bundeskanzler wurde und es was gut gegangen.
Vollkornbrot wird schon das gesündeste sein, den früher konnten die Menschen nicht trennen.
https://bodendenkmalpflege.lvr.de/de/aktuelles/fund_des_monats/fund_des_monatts_juni_2012~id_295913.html
Von Udo Pollmer habe ich eine andere Aussage in Erinnerung. Woos Gwies woas ma ned.
Die ürsprünglichen Sorten hat man schon stark verändert. Man denke da nur an den Weizen mit Sorten von A……..!
Ich würde jedenfalls keinen Bio-Weizen kaufen, weil die besondere Gesundheit deren Sorten hat man durch extreme genetische Veränderungen erreicht.
Sorry, sollte unter Ex- Baumschuler, ganz unten stehen.
@evonik
Ich esse morgens nur ein Müsli. Selbst gemacht. Abends esse ich Schwarzbrot.
Ich hatte bisher zwei Herzinfarkte, was aber definitiv nichts mit der Ernährung zu tun hat, sondern wei ich mich schnell aufrege. Ich weiß, das merkt man nicht… 🙂
Werde diese Jahr 72 und wollte dann Merz ablösen. (Ironie off)
sehr guter lehrreicher Beitrag !
moin damals in der Schule hat man mich immer falsch verstanden da ich so schnell gesprochen habe. jetzt ist es aber so in der Landwirtschaft wird immer alles falsch verstanden weil man meint es besser zu wissen, was aber nicht stimmt. da liegt ein Problem was wir lösen müssen, habe aber ehrlich gesagt keine Ahnung wie. schönen Tag
„Es passiert leider viel zu oft (und das nicht nur in der Ernährung), dass sehr komplexe Sachverhalte stark verkürzt werden, um sie dann, passend zur Meinung, in den Raum zu stellen“.
Komplexitätsreduktion (nicht -verkürzung) ist im wirtschaftlichen wie im gesellschaftlichen Leben notwendig, um nicht in einer Informationflut zu ertrinken und letztlich handlungsunfähig zu werden.
Was sehr oft fehlt ist die Kenntnis und der offene/ehrliche Umgang mit der 80:20-Regel, mit dem Paretoprinzip (https://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip).
Es geht um Prioritätensetzung für die Zielerreichung. Die „Nebenkriegsschauplätze“ werden argumentativ gern genutzt, um „Nebelkerzen zu werfen“, Sonderinteressen zu bedienen, abzulenken, zu diskreditieren. u.ä.
Der Beitrag von Andreas Sommers hat bei mir einen Nerv getroffen.
Gestern war ich mit einem Bekannten und unserem Hund etwa 10 km unterwegs – durch unsere Gemarkung und den Wald. Zeit, um zur Ruhe zu kommen, Dinge bewusst wahrzunehmen und Gedanken zu sortieren.
Dabei sind wir auf ein Thema gestoßen, das mir immer häufiger begegnet:
Wir sprechen oft über komplexe Sachverhalte, ohne sie wirklich zu differenzieren.
Gerade in der Ernährung sieht man das gut – am Beispiel „Weizen“. Der Beitrag zeigt sehr anschaulich, wie unterschiedlich ein Thema je nach Betrachtungsebene sein kann: vom Korn über das Mehl bis hin zur Verarbeitung.
Und trotzdem wird in Diskussionen häufig stark vereinfacht.
Ich glaube, genau hier liegt eine Herausforderung unserer Zeit:
Komplexität auszuhalten, statt sie vorschnell zu reduzieren.
Denn echte Lösungen entstehen selten durch einfache Antworten.
Vielleicht hilft uns dabei eine einfache Gewohnheit:
In Gesprächen, beim Lesen oder Zuhören öfter innezuhalten und zu fragen:
Worüber reden wir hier eigentlich?
Für mich eine der wichtigsten Fragen – nicht nur bei Ernährungsthemen.
Das beginnt eigentlich schon früher, nämlich damit, daß Gesprächspartner dieselben Vokabeln benutzen, ohne auch nur ansatzweise zu klären, ob sie auch tatsächlich dasselbe Verständnis von ihnen haben. So läßt sich trefflich stundenlang diskutieren, ohne daß irgendetwas dabei herauskommt.
Und ja, wenn man sich mit einer Sache intensiv befaßt, ist sie eigentlich immer komplexer als es auf den ersten Blick scheint. Der Bäcker, der hier im Text sehr unterkomplex mal eben mit der Industrie gleichgestellt wird, hat nicht umsonst eine Lehre, Gesellen- und Meisterprüfung hinter sich.
Daß er nach Ansicht des Autors etwas falsch macht, hat aber wesentlich mit Bedingungen zu tun, die sich nicht vom Weizen ableiten lassen.
Eine Bekannte, Goldschmiedin, klagte mir einmal, wofür sie so viel gelernt und so viele Ideen für Schmuck habe, wenn sie doch den größten Teil ihrer Arbeitszeit damit zubringe, Uhrenbatterien zu wechseln…
Guter Diskurs André, wir können Komplexität nicht nur „aushalten“, doch auch „managen“, was nichts anders ist als „immer besser Entscheidungen in Komplexität treffen“. Allan Savory hat hierfür mit einen Team das Ganzheitliches Management – „frame-work“ entwickelt. Auf Youtube hat er beim COP 26 darüber gesprochen und im Netz findet man auch Informationen darüber. „Unsavory“ ist sein aktuellsten Buch (Memoires).
Welch angenehme Überraschung! Ein Crashkurs in Sachen Ludwig Wittgenstein! Am Beispiel von „Weizen“ und „Brot“. Nicht schlecht, Herr Specht, äh, Herr Sommers.
Ja, die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge. Es geht um den Kontext, in welchem Dinge sich erst zu Sachverhalten bzw. Tatsachen, verbinden. Wie leicht kommen wir laut Wittgenstein in den Bereich des Unsinnigen, wenn wir versuchen zu sagen, was sich nur zeigen kann. Und worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Sonst produzieren wir nichts als Scheinsätze in einer Scheinwelt namens Internet.
@Marian
„Und worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Sonst produzieren wir nichts als Scheinsätze in einer Scheinwelt namens Internet.“
Danke für diesen Satz, den ich mir einrahmen werde. Schade, dass Du gestern nicht hier warst…
In meiner angeheirateten Verwandtschaft gibt es eine Linie mit der Neigung zu Autoimmunkrankheiten. Ein Mann ( Mitte 30) hatte gesundheitliche Probleme und die Ärzte haben u. a. eine Weizenunverträglichkeit diagnostiziert. Ich bin geschieden und weiß deshalb nicht was im Detail gelaufen ist.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Autoimmunprobleme von unpassender Ernährung kommen. Wie bei der Laktose wird es hier auch unterschiedliche Gene geben.
Ich selber ernähre mich mit einer Tendenz zu Low Carb und brauche keinen Arzt. Eine Freundin hat mal gesgt:
“ Kein Mann hat soviel Power wie du.Mit Abstand!“
Dass Brot im Vaterunser erwähnt wird, hat wohl zu einer Überbewertung von Brot beigetragen. Da müsste man mal wissen,was die Juden vor 2000 Jahren für Brot hatten. Im Buch der Könige ( > 2000 v.Chr.) habe ich von Gerstenbroten gelesen.
In der Landschaft östlich vom Harz findet man (fast) nur noch Ackerbau und abgedichtete Ställe. Hin und wieder sieht man riesige, leerstehende Fahrsilos die verfallen. Das heißt, dass es dort mal Rinderhaltung gab.
Ich finde die Tendenz zu tierischen Produkten aus reinem Ackerbau nicht richtig gesund.
Was man auf den Flächen da sonst alles machen könnte!
Mir hängen diese Diskussionen zum Halse raus, genauso wie die über Superfood usw – ich halte sie für üble Auswüchse einer übersättigten Gesellschaft, die sich durch die ewige Angstmacherei ein wenig gruseln möchte und zwar aus der (Essens-)Sicherheit heraus gruseln möchte, natürlich nicht aus wirklicher Not.
Wer will sowas noch hören oder gar lesen?
wir haben ja wirklich echte Probleme am Hals und wir haben zu erwartende große weitere Probleme, wenn die Grünen (Gem Özdemir) tatsächlich in BW wieder den Ministerpräsidenten stellen.
Sie schreiben von einer übersättigten Gesellschaft, und das ist unser Problem. Nachdem man eine Zeit lang kaum ohne Chia-Samen auskommen konnte, ist Rotkraut das neue Superfood.
https://das-ernaehrungshandbuch.de/rotkohl/
Offensichtlich wussten unsere Altforderen schon von der gesundheitsfördernden Wirkung von Rotkraut und überließen die Körner den Vögeln.
Ich fürchte, dass die Ereignisse im Nahen Osten dazu führen, dass es bei der Dubai-Schokolade einen Abgesang gibt, bevor ich davon gekostet habe. 😉
@Ehemaliger Landwirt: Der vermeintliche Rotkohlkopf im Titelbild Ihres verlinkten Artikels ist übrigens ein Radicchio-Salat. Na gut, rot und rund sind sie beide, aber ein bisschen peinlich ist die Verwechselung für eine scheinbar prof. Ernährungsberatung schon.
Haben die da irgendwelche Qualitätsprobleme bei der Content-Generierung?
Danke für den Hinweis – hab ich sofort ausgetauscht 🙂
Man muss mal Weißkohl dem Rotkohl gegenüberstellen, dann wird sichtbar, dass das Superfood nicht viel mehr kann als der Weißkohl. Ich halte nichts von solchen Zuweisungen, schließlich wird man bei abwechslungsreicher Ernährung immer genug von allem bekommen.
1.
vieles ist gesund, deswegen sollte man sivh ausgewogen ernähren.
2. Die UrGrossmütter, bestimmt auch. -väter wussten viel, was unsere Kräuter in sich haben.
weil es damals noch nicht in jedem Dorf eine Apotheke war und weil die Bauern noch keine Krankenkasse hatten.
Ich weiss nur, Kamille ist gut für Erkältung und Kümmel für d3n Magen.
Deswegen kommt es an viekw Kohlgerichte.
Meine Oma machte es auch an Sauerkraut.
An Hand- u. Kochkäse wird er auch getan.
Die wussten früher viel.
Ja,
als das Problem mit der glutenfreien Nahrung wegen der Krankheit öffentlich wurde
hat sich der LEH drangehängt und hat das Thema zur Mode gemacht, um da Vorteile raus zu ziehen.
Unser Edeka hatte damals
glutenfreie Wurst
im Angebot!
Meine Mutter hat uns Kindern schon in den 1960er Jahren immer gesagt: „Schwarzes Brot macht Wangen rot, weißes Brot macht Kinder tot.“ Da ging es um Roggen versus Weizen. Weizenbrot war nur für Sonn- und Feiertage, jeden Tag sei das nicht gesund. Unter der Woche gab es nur Roggenbrot. Mein Arzt sieht das auch heute so.
War es nicht ein Wiener Bäcker, der das Baguette im 19. Jahrhundert nach Frankreich brachte und was dazu führte, dass das weiße Weizenbrot zu Weltrang und dem Sinnbild von Lebensfreude kam?
Wohingegen die Verherrlichung des dunklen Roggenbrots und dessen Assozierung von Gesundheit und Stärke aus der Not der Versorgung entstand?
https://innsbruck-erinnert.at/vollkornbrot-vuer-volksgesundheit/
Ich esse, was mir schmeckt, nicht was Google oder Berater mir vorkauen.
Mein gesundheitsbewusster und sparsamer Großvater hatte bis an sein Lebensende Grahambrot gegessen und hatte zwischenzeitlich wohl auch versucht, dieses praktische und effiziente Brot den Franzosen nahezubringen, offenbar, ohne sich von deren Baguette-Duft groß beeindrucken zu lassen.
Danach waren die Völker wieder auseinandergegangen, ohne ihre Brotvorlieben gegenseitig zu übernehmen.
Heutzutage in Deutschland ist frisches Baguette höchstens noch stundenweise in ausgewählten Bäckereien erhältlich und abgepacktes Grahambrot nirgendwo mehr.
@Ex-Baumschuler
Kurz mal gegoogelt:
https://www.lieken-urkorn.de/produkte/produkt/grahambrot
Danke für nichts.. 🙂
Das sag ich ja: „Danke für nichts..“, denn Grahambrot wird seit Jahren und wohl seit Jahrzehnten bei REWE, NETTO, Penny, Aldi, Lidl oder Edeka überhaupt und gar nicht mehr angeboten. Es ist wie ausgelöscht aus der Speisekultur, obwohl ich es sonst wie Knäckebrot sogar in meinen regulären Speiseplan einbauen würde, weil die praktischen Eigenschaften so gut sind.
Aber das Grahambrot von früher (das mein Großvater erst auf seine strapaziösen Frankreich-Reisen mitnahm und danach auf seine deutlich angenehmeren Segeltörns) war dunkler und fester als das jetzige, oben verlinkte Nischenprodukt von Lieken. Es war dunkler und fester, und war somit auch nicht aus Weizen-, sondern aus Roggenmehl.
Opi war immer streng (wenn auch untergründig tolerant, liebevoll und respektvoll), und wenn wir Kiddies auf dem Segelboot auf dem Ijsselmeer nicht die ganze Butter restlos aus der Verpackung schabten, rügte er uns: „Da wird ja noch eine ganze Kompanie von satt!“
Opi war so ein Gesundheits-Nazi, wie ihn @evonik gerne abfällig schildert. Der hätte nie einem Kaninchen die Kehle durchgebissen, hatte aber stattdessen die Fluor-Zahnpasta noch drei Minuten nach dem Putzen einwirken lassen.
– Das bringt mich zu einem weiteren Thema, das ich hier grundsätzlich gerne gründlich, aber früher oder später, aufgreifen würde: Und zwar gibt es zwei Typen von Menschen: die einen, die grundsätzlich zu jeder Zeit versuchen, das Angemessene zu tun, und welche, die es gar nicht erst versuchen (und welche, die ständig zwischen den Positionen hadern). – Das ist ein wichtiges Themenfeld, das aber noch kaum angesprochen wurde.
Früher hatten die auch Leinsamenbrot gebacken, jetzt nicht mehr.
Das ist schade!
Na,
das mit Roggen- und Weissbrot werden die Menschen aus der Praxis kennen.
Roggen sättigt besser bei körperlicher Arbeit.
Weizenbrot können Schreibtischtäter vertragen,
statt weissem Brot es könnte reines Weizenbrot gemeint sein bietet sich Weizenmischbrot an. Wird hergetellt aus Weizen und Roggen und ist in D weit verbreitet. Da beide unterschiedliche Standortansprüche Weizen gute Böden, Roggen wächst auch auf Grenzstandorten konnte der Bauer früher beide beim Müller abliefern und an den Bäcker weitergereicht buck dieser dq nn unter Verwendung seiner geheimen Zutaten ein leckeres Brot. Hatte die Region oder der Betrieb nicht ausreichend weizenfähige Böden dann wurde auch reines dunkles Roggenbrot gegessen. Heute kein Thema mehr die Backfabriken haben ausreichend Mehle zur freien Wahl.
Folgt man ihrer These dann auf keinen Fall Kaiaerschmarrn füe Kinder. Hab ich nicht gewusst werde es beim nächsten Besuch in einem österreichischen Restaurant ansprechen und die Reaktionen ab warten.
Als Kind war es wie ein Weihnachtstag, wenn die Oma ein Kastenweißbrot am Bäckerwagen kaufte…dann mit frischer selbstgemachter Erdbeermarmelade und dick Butter….die Butter musste aber streichfähig sein, sonst versaute man sich sein fluffiges Weißbrot. Getoppt wurde das Ganze nur durch ein Rosinenbrot.
Es war eine ersehnte Abwechslung vom trockenen Roggenmischbrot und vom Schwarzbrot, das es morgens, Mittags (als Krümel mit Zucker auf der Sauermilch) und Abends gab.
Zwetschgenmus
schmeckt sehr gut.
dazu
zum Weissbrot
das habe ich nicht von meiner Mutter gesagt bekommen, sondern von der Lehrerin in der Grundschule in den 60igern.
Die freinen geistig arbeitenden Leute assen nur Weissbrot und wurden krank, die armen körperlich arbeitenden Leute eher Vollornbrot mit weniger fein gemahlenen und dadurch billigeren Mehl gebacken.
Wer blieb gesünder?
Kein Wunder, die Grundschullehrerin war ja durch das Reichsvollkornprogramm ideologisch vorgeprägt.🤗
ha ha,
sie war 4 Jahre jünger als meine Mutter.
Stammte aus einem Schwälmerdorf, wo das Brot im Backhaus gebacken wurde.
Das hat aber nichts damit zu tun.
sie erzählte nur, dass die armen Leute Roggenbrot, was bei körperlcher Arbeit auch besser sättigte, gegessen haben und Vollkornbrot hat auch mehr Vitamine.
Die reichen Städter eben Weissbrot und hüteten ihre Krankheiten.
Ach so, im Rheinland haben ja die armen Leute auch dunkles Vollkornbrot gegessen. Die reicheren bestimmt nur Weissbrot.
Als Napoleon, da mal durchritt auch.
Da hat man ihm das dunkle Vollkornbrot angeboten.
Das dunkle Brot mit Abfall vom Korn, eigentlich nur Viehfutter wollte er aber nicht essen und sagte
das ist was für Nickel
so hiess sein Pferd.
Pomm per Nickel
schon hatte das Brot seinrn Namen weg.
die Grundschullehrerin war in den 60gern 30.
Also eine moderne Frau mit Auto.
Die Eigenart des Backgetreidekorns und dessen Backeigenschaften und die daraus entstehenden Techniken hat mit der Politik und Zeit nichts zu tun.
Ich finde es nicht gut, wenn Zöliakie-Kranke, die keine glutenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen dürfen, dargestellt werden als hätte sie eine „Modekrankheit“.
Es kommt ja auch keiner auf die Idee, Brillenträgern zu unterstellen sie hätten keine Sehschwäche sondern wollen nur intelligent aussehen.
Ja ich weiß, dass ist nicht das Thema und aber es ist mehr als ärgerlich, dass Zöliakie-Kranke mit den „Anti-Gluten-Aposteln“ in einen Topf geworfen werden.
Zöliakiekranken wissen, wie schwierig es ist, schmackhafte Backwaren zu bekommen. Da halt Weizen durch Mais, Reis etc. ersetzt werden muss. Man möchte halt morgens eine Brötchen essen und keine Kartoffelchips.
@Liesel
An welcher Stelle wird über Zöliakie gesprochen?
„Haben Sie glutenfreie Produkte?“
Das kann auch die Frage eines Zöliakiekranken sein, der wissen will ob der Bäcker auch entsprechende andere Mehle verarbeitet.
Richtig,
wer diese Krankheit in seinem Darm hat,
kann kein Gluten vertragen.
Man möchte halt morgens eine Brötchen essen und keine Kartoffelchips.
Traditierte Verhaltensmuster? Während meines Single-Daseins bin ich da vollkommen flexibel geworden.
Heute früh gab es bei mir Lachs mit Salat. Hab da keine Brötchen vermisst. Dann hab ich Hackschnitzel geliefert , nebenbei eingekauft und zu Mittag gab es dann Hackepeter auf Brot.
Ich habe jahrelang praktisch kein Brot gegessen, nur wenn es Tage mit viel Arbeit gab und ich was Schnelles wollte.
@evonik: „Heute früh gab es bei mir Lachs mit Salat. Hab da keine Brötchen vermisst.“
Es gibt aber auch Leute mit Routinen. – @Bauer Willi z.B. isst, glaube ich, morgens immer erst mal ein Müsli. Das schmeckt zwar nicht so sensationell, aber es ist billig und zuverlässig, denn man weiß, was man drin hat und dass man damit bis zum Mittagessen durchkommt, auch, wenn man körperlich arbeiten sollte.
Außerdem ist mit einer täglichen Portion Getreidevollkorn zumindest mal die Verdauung gesichert. Lachs und Spinat, ähm, Salat, haben ja meistens fast überhaupt keine Ballaststoffe.
P.S.: Bei mir gab’s heute morgen Möhrensalat, Tsatsiki mit Quark, Kartoffeln und Ei, aber alles Top-Zutaten vom Billigsten! – Normalerweise gäbe es noch eine Gyrospfanne dazu, aber erst, wenn der Abfluss der Küchenspüle wieder frei ist, und dazu müsste ich meine Drehspirale wiederfinden, oder will jemand seine Bratpfanne in der Badewanne reinigen?
@evonik noch mal: „Heute früh gab es bei mir Lachs mit Salat.“
Das ist als Grundnahrungsmittel aber viel zu teuer. Der Räucherlachs kostet bestimmt ab 35 €/kg und der feine Blattsalat wohl gar dreistellige Euronen pro Kilo.
Diesen horrenden Kilopreisen stellen wir mal die Zutaten meines gefühlt gleichwertigen Gerichts gegenüber:
Möhren bio 60 Ct/kg
Kartoffeln bio 70 Ct/kg
Quark 2,20 €/kg
Zitrone bio 5 €/kg
Knoblauch 6 €/kg
Olivenöl extra-nativ 9 €/L
Ei Freiluft 30 Ct/Stück
Gleich zu Beginn meiner netzaktiven Zeit habe ich mal diese Volksweisheit gelesen:
„Am Essen spart man nicht!“
Nun leiste ich mir ein paar Mal die Woche Lachs. Aber das versuche ich durch „Eigenleistung“ wieder auszugleichen.
Vor ein paar Tagen hatte ich die erste Schnecke in der Spüle. Die hatte sich entweder in Feldsalat oder Winterportulak aus meinem Garten versteckt.
Letzte Woche hatte ich die letzte eigene Zwiebel aus 2025 und die 26er sind auch am Wachsen.
Mein „Spezialgemüse“ ist auch schon aufgelaufen.