Alle Artikel in: Bauer Willi

Was saubere Luft mit Starkregen zu tun hat…

In China hat sich die Zahl der Starkregen-Ereignisse seit 2010 deutlich erhöht. Schnell ist man mit einer Erklärung bei der Hand: es muss der Klimawandel sein. Forscher haben nun herausgefunden, dass zwischen der Konzentration der Aerosole und den Starkregenereignisse ein deutlicher Zusammenhang besteht. Stark vereinfacht gesagt: je sauberer die Luft wird, umso wahrscheinlicher wird Starkregen. https://www.scinexx.de/news/geowissen/weniger-aerosole-luftreinhaltung-verstaerkt-extremregen-in-china/ Man kann das natürlich auch wissenschafftlicher ausdrücken und dann klingt das so: „Als Maß nutzte das Team den Index R95pTOT, der den Niederschlag an Tagen summiert, an denen die Regenmenge über dem 95. Perzentil aller nassen Tage am jeweiligen Gitterpunkt liegt. Im Zeitraum 2000 bis 2010 nahm dieser Extremniederschlag im chinesischen Mittel um 2,88 Millimeter pro Jahrzehnt zu. Von 2010 bis 2023 waren es dagegen 22,88 Millimeter pro Jahrzehnt und damit etwa achtmal so viel wie zuvor. Ein möglicher Mechanismus liegt in der Wolkenmikrophysik, weil bei höherer Aerosolkonzentration unter sonst gleichen Bedingungen mehr und kleinere Wolkentröpfchen entstehen, deren Zusammenwachsen zu Regentropfen weniger effizient ist. Sinkt die Aerosolbelastung, werden die Tröpfchen im Modell größer und können leichter zusammenfließen, während Veränderungen …

Eine Maß Bier…

Eine Maß Bier auf dem Oktoberfest in München  hat in etwa den Gegenwert (gerundet) von jeweils 75 kg Brotweizen (Erzeugerpreis) 92 kg Brotroggen (Erzeugerpreis) 115 kg Hafer (Erzeugerpreis) 75 kg Erbsen (Erzeugerpreis) 50 kg Kartoffeln (Erzeugerpreis) 40 kg Äpfel 34 kg Weißzucker (Börsenpreis für Dezember) 450 kg Zuckerrüben (Erzeugerpreis) 37 Liter Milch (Erzeugerpreis) 70 Eier (Größe L, Erzeugerpreis) 10 kg Schweinefleisch (Erzeugerpreis) 6,25 l Diesel 34 kg Holzpellets Für 2 Maß Bier kann man ein Ferkel kaufen (25 kg) Für 30 Maß Bier kann der Landwirt eine Tonne Kalkammonsalpeter (Dünger) kaufen Auf dem Oktoberfest in München werden jährlich zwischen 6,5 und 7,5 Millionen Liter Bier getrunken. (Ich habe den Preis für eine Maß Bier wohlwollend mit 15 €/Maß angesetzt. In manchen Zelten kostet sie auch mehr)  

Agrarbündnis hat Petition gestartet

Der Deutsche Bauernverband (DBV), der Zentralverband Gartenbau (ZVG), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), DER AGRARHANDEL (DAH), der Industrieverband Agrar (IVA), die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO), die Bundesfachgruppe Obst (Obstbau), die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA), der Verband Deutscher Hopfenpflanzer (VDH), die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ), die UFOP Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen, der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband (DHWV) und OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland haben auf OpenPetition die Initiative „Damit regionale Lebensmittel Zukunft haben” gestartet. https://www.openpetition.de/petition/online/damit-regionale-lebensmittel-zukunft-haben Den Verbänden geht es darum, Innovationen schneller für die Betriebe verfügbar zu machen. Neue Wirkstoffe im Pflanzenschutz werden dringend benötigt, um Erträge zu sichern und auf neue Herausforderungen reagieren zu können. Solange ihre Prüfung und Genehmigung aber Jahre dauern, bleibt die Praxis auf bestehende und teilweise weniger wirksame Lösungen angewiesen. Die Forderung des Bündnisses ist deshalb ein wissenschaftsbasiertes und effizientes Zulassungssystem, welches die Einhaltung der gesetzlichen Fristen auch ermöglicht. Die Petition wurde am 15.9. gestartet und ist noch einige Monate offen. Für ein Quorum werden 30.000 Unterschriften benötigt. Aktuell …

Landwirtschaft: Zielkonflikte und Zukunft

Ich bin von einer Tageszeitung befragt worden, wo ich Zielkonflikte rund um die Landwirtschaft sehe und wie ich persönlich die Zukunft der Landwirtschaft sehe. Hier das Interview. Welches sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Zielkonflikte in der Agrarbranche? Landwirtschaft ist immer ein Eingriff in die Natur. Den größten Zielkonflikt stellt die Frage dar, ob wir Nahrungsmittel erzeugen sollen, so wie wir es bisher getan haben, oder ob wir andere Ziele verfolgen sollen, wie Naturschutz, Artenschutz und Klimaschutz. Das können wir auch machen, wenn die Richtlinien klar festgelegt werden und uns der entsprechende Deckungsbeitrag gezahlt wird. Diese Frage möchte ich von der Gesellschaft beantwortet haben. Weitere Beispiele wären der Konflikt Weidehaltung – Wolf, bäuerliche Landwirtschaft –Anbindehaltung, Verbot Glyphosat – Humusaufbau oder auch Wohnungsbau – Artenvielfalt Wie können diese Zielkonflikte aufgelöst werden? Aus meiner Sicht sind sie nicht zu lösen, weil das eine Ziel dem anderen diametral widerspricht. Wenn ich Weidehaltung in einer Region mit Wölfen haben möchte, dann geht das nur, wenn ich 1,80 Meter hohe Zäune errichte und diese möglicherweise noch unter Strom setze. Dann …

Bauern kämpfen gegen die Natur?!

Wenn man den Fernseher anmacht, muss man nicht lange warten, bis wieder ein Experte darüber berichtet, dass unsere industrielle Landwirtschaft irgendwas zerstört, vergiftet oder, noch besser verseucht. Rundum: ihr Bauern arbeitet gegen die Natur. Und da kann ich als Bauer nur sagen: richtig, genau so ist es. Und das machen wir seit Jahrtausenden so. Gut, wir arbeiten in der Natur (das wünscht sich doch jeder), wir arbeiten mit der Natur, egal ob wir Pflanzen anbauen oder Tiere halten. Aber wir arbeiten auch gegen die Natur. Überhaupt ist jede Form der Nahrungsmittelbeschaffung gegen die Natur. Wenn Sie Waldbeeren pflücken oder Pilze sammeln, ist das genauso gegen die Natur. Denn alle Lebewesen haben nur ein Ziel: sich selbst zu vermehren, und wenn Sie Waldbeeren pflücken oder Pilze sammeln, greifen Sie in die Natur ein. Na, na, werden Sie sagen, das ist doch wohl etwas anderes als dass was Du da machst. Was mache ich denn? Ich säe auf meinen Feldern bestimmte Pflanzen aus, die ich später ernten will. Auf jedem Feld eine bestimmte Art, wozu Sie dann …

Ärgernis und Segen: Landwirtschaftlicher Bodenmarkt und Bodenpreise in Deutschland

Ein Gastbeitrag von Arnold Krämer Landwirtschaft ist immer direkt oder indirekt mit Bodennutzung verbunden. Die Verfügbarkeit von Boden entscheidet deshalb auch immer, mehr oder weniger, über die wirtschaftliche Situation landwirtschaftlicher Betriebe. Selbst wenn flächenlos, also steuerrechtlich gewerblich Nutztiere gehalten werden, ist spätestens über die Entsorgung von Mist oder Gülle (= Düngung aus Sicht der „Aufnehmerbetriebe“) landwirtschaftliche Nutzfläche im Spiel. Landwirtschaftliche Nutzflächen sind in der Vergangenheit stetig teurer geworden, was auf eine zunehmende Zahlungsbereitschaft der Betriebe schließen lässt. Das gilt sowohl für den Kauf wie auch für die Pacht. In „Berichte über Landwirtschaft“, der Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft, Band 104 wurden kürzlich wesentliche Fakten und Zusammenhänge zur Thematik dargestellt und diskutiert. https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/571/811 Die Autoren des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Brauschweig haben die Bestimmungsgründe für die Preisentwicklungen umfassend wiedergegeben und mit dem verfügbaren statistischen Datenmaterial einige Vergleichsrechnungen angestellt, auch um die ökonomische Rationalität vieler einzelbetrieblicher Entscheidungen für mutmaßlich überhöhte Zahlungen nachvollziehbar zu machen. Einige wesentliche Aussagen sollen nachstehend wiedergegeben werden. Die Bodenmobilität (Anteil veräußerter Flächen an der Gesamtfläche) liegt in allen Bundesländern deutlich unter 1%. …

Abwehren und verteidigen…

Nein, die Rede ist nicht vom Fußball, sondern von Kommunikation. Denn wie im Fußball kann man mit Abwehren und Verteidigen nur selten ein Spiel gewinnen.  So ist es auch mit Themen rund um die Landwirtschaft. Sie kennen die Situation: Sie sehen im Fernsehen wieder einen Bericht, in dem über „üble Zustände in der Tierhaltung“ oder „giftige Lebensmittel durch Pestizide“ berichtet wird. Sie werden wütend über so viel Unwissen, dass in diesen Beiträgen zum Ausdruck gebracht wird. Sie als Landwirt wissen es doch viel besser. Warum fragt Sie nur keiner? Die Antwort ist recht einfach. Weil Sie niemand kennt. Sie machen Ihren Job, sind den ganzen Tag im Stall oder auf dem Acker unterwegs. Sie haben keine Zeit, sich auch noch um ihr Image zu kümmern. Doch stopp, so ganz stimmt das nicht. Sie nehmen sich nicht die Zeit. Warum? Weil es Ihnen nicht wichtig genug ist? Weil Sie es nicht können? Weil „es ja eh nichts bringt“? Weg vom Fernsehen oder der Zeitung. Jetzt wird es persönlich. Sie sind auf einem runden Geburtstag eingeladen und …

Die letzten Ferkel…der Stall wird leer…

Vor kurzem hat mich ein Freund angerufen, um mir mitzuteilen, dass er die letzten Ferkel abgeholt hat. Wenn diese Ferkel ausgewachsen sind, wird er keine Schweine mehr halten. Der Stall ist dann leer. Er ist nicht der Erste, von dem ich persönlich weiß, dass er die Schweinehaltung beendet hat. Ich sage bewusst nicht „aufgegeben“, weil das einen falschen Zungenschlag in die Diskussion bringt. In allen Fällen war es eine persönliche betriebliche Entscheidung, die aber absolut nachvollziehbar ist, wenn man sich die Situation in der deutschen Schweinebranche ansieht. Nur in ganz wenigen Jahren konnten Gewinne erzielt werden, in zu vielen Jahren mussten die Betriebe Verluste hinnehmen. Nicht jeder kann einen solchen Entschluss fassen. In beiden Fällen war der Stall bezahlt und abgeschrieben. In beiden Fälle hat sich niemand gefunden, der den Stall übernehmen wollte. In beiden Fällen kann der Stall anderweitig genutzt werden und so noch ein Einkommen generieren. Auch wenn es vorher noch einiger Maßnahmen bedarf. Ich habe erst nicht gewusst, was ich meinem Freund sagen sollte, als er mir sagte, dass es seine letzen …

Mit Fleisch essen besser abnehmen

Mir ist klar, dass die Überschrift provozierend wirkt. Auf einer Veranstaltung der top agrar hat jetzt ein Mediziner wissenschaftlich erläutert, warum ein Abnehmen ohne Fleisch schwierig bis unmöglich ist. https://www.topagrar.com/gefluegel/mediziner-klart-auf-wer-abnehmen-will-muss-fleisch-essen-20028917.html Er kritisiert auch die Empfehlung, mehr Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Auch der neue Trend zu mehr Protein in der Nahrung sieht er kritisch. Hier ein Auszug aus dem Artikel: „Der Chefarzt der Düsseldorfer Kliniken der Franziskus-Stiftung erklärte zunächst, dass hinter den großen epidemiologischen Studien keine wissenschaftlichen Analysen stehen, sondern Befragungen und Datenbankauswertungen. So komme es zu Ergebnissen, dass die eine Studie sagt, Fleisch ist gefährlich und die andere, Fleisch ist schützend. Die Basis liefere ein und dieselbe Datenbank.“ Auch die weiteren Ausführungen sind lesenswert.

Von der Unfreiheit der Wissenschaft

Vor einigen Monaten durfte ich vor dem „Freundeskreis des Botanischen Gartens“ einen Vortrag über Landwirtschaft halten. Meine Aussagen wurden sehr strittig diskutiert. Dabei ging es mir noch gut: Prof. Kunz, emeritierter Professor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf wurde einen Tag vor seinem Referat ausgeladen. Weil er Dinge gesagt haben soll, die er nie gesagt hat. Hier die Einzelheiten. https://www.cicero.de/kultur/cancel-vorfall-in-dusseldorf-sittenwachter-ubernehmen-die-heinrich-heine-universitat Mir ist kein Fall bekannt, in der die Studenten letztendlich ihren Professor aus dem Amt gejagt haben. Lesen Sie unbedingt den ganzen Artikel, es ist haarsträubend, was an deutschen Universitäten möglich ist. Man darf wirklich nicht mehr alles sagen. Was meinen Vortrag anging: Es ging um das „Insektensterben“ in der Krefelder Studie. Weil ich einen anderen Erklärungsansatz als die alleinige Schuld bei der Landwirtschaft wurde mir unterstellt, dass ich das Insektensterben leugne. Nein, die Biomasse der Fluginsekten in Naturschutzgebieten ist tatsächlich zurückgegangen. Aber eben nur die Biomasse der Fluginsekten in Naturschutzgebieten und es ist unwissenschaftlich, daraus abzuleiten, dass es ein weltweites Insektensterben gibt. Ich habe im Titelbild mögliche Gründe aufgezählt. Auf die Bemerkung hin, dass es …