Ein Gastbeitrag von Arnold Krämer
Landwirtschaft ist immer direkt oder indirekt mit Bodennutzung verbunden. Die Verfügbarkeit von Boden entscheidet deshalb auch immer, mehr oder weniger, über die wirtschaftliche Situation landwirtschaftlicher Betriebe. Selbst wenn flächenlos, also steuerrechtlich gewerblich Nutztiere gehalten werden, ist spätestens über die Entsorgung von Mist oder Gülle (= Düngung aus Sicht der „Aufnehmerbetriebe“) landwirtschaftliche Nutzfläche im Spiel.
Landwirtschaftliche Nutzflächen sind in der Vergangenheit stetig teurer geworden, was auf eine zunehmende Zahlungsbereitschaft der Betriebe schließen lässt. Das gilt sowohl für den Kauf wie auch für die Pacht.
In „Berichte über Landwirtschaft“, der Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft, Band 104 wurden kürzlich wesentliche Fakten und Zusammenhänge zur Thematik dargestellt und diskutiert.
https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/571/811
Die Autoren des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Brauschweig haben die Bestimmungsgründe für die Preisentwicklungen umfassend wiedergegeben und mit dem verfügbaren statistischen Datenmaterial einige Vergleichsrechnungen angestellt, auch um die ökonomische Rationalität vieler einzelbetrieblicher Entscheidungen für mutmaßlich überhöhte Zahlungen nachvollziehbar zu machen.
Einige wesentliche Aussagen sollen nachstehend wiedergegeben werden.
- Die Bodenmobilität (Anteil veräußerter Flächen an der Gesamtfläche) liegt in allen Bundesländern deutlich unter 1%.
- Das Niveau für Kauf- und Pachtpreise ist regional sehr unterschiedlich. Die Kaufpreise lagen 2024 durchschnittlich in einem sehr großen Bereich von unter 14.000 €/ha z. B. in Thüringen bis über 77.000 €/ha in NRW und Bayern.
- Kauf- und Pachtpreise haben unterschiedliche Bestimmungsgründe.
Während bei der Flächenpacht die Gewinnerzielungsabsichten eindeutig im Vordergrund stehen, geht es bei Kauf (insbesondere in Westdeutschland) häufig auch um Vermögensstreuung, Kapitalanlage und Reinvestition zur Steuervermeidung. Setzt man regionale oder örtliche Pacht- und Kaufpreise in Relation zueinander, liegt die Kapitalverzinsung in den Hochpreisgebieten brutto meist bei 1% und weniger.
- Der starke Preisanstieg bei Pachten in der Vergangenheit hat vor allem mit der guten Ertragssituation in manchen Betriebszweigen, mit der Förderung der Bioenergie, mit Vorteilen im Steuerrecht und Baurecht und der Transparenz bei öffentlichen flächenbezogenen EU-Subventionen zu tun. Die umsatzsteuerlichen Vorteile sind aber mittlerweile mit dem Wegfall der Pauschalierung in größeren Betrieben und mit der massiven Absenkung des Pauschalierungssatzes praktisch vollständig entfallen. Die EU-Subventionen sind rückläufig.
- Aussagekräftige amtliche Pachtpreisstatistiken gibt es nicht. Alle wesentlichen Zahlen beruhen auf Selbstauskünften der Landwirte. Die Agrarberichtsdaten sind nicht repräsentativ.
- Neupachtverträge weisen allgemein höhere Pachtpreise aus als Altpachtverträge. Die mit Abstand höchsten Pachtzahlungen je Hektar Agrarfläche gibt es im Nordwesten Deutschlands.
- Die Pachtpreise werden weitgehend bestimmt von den wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben, die mit ihren Betriebszweigen überdurchschnittlich verdienen und einen Teil des damit erzielten Betriebseinkommens weitergeben an die Verpächter. Die Grundrenten (= Entlohnung des Faktors Boden nach Abzug pauschaler Entlohnung für das Eigenkapital ohne Boden und die nicht entlohnten Familienarbeitskräfte) lassen Pachtzahlungen zu, die kleinere Betriebe mit unterdurchschnittlichen Erträgen im Wettbewerb um die Fläche nicht tragen können. Selbst größere Betriebe stoßen bei unterdurchschnittlichen Erträge relativ schnell an ihre wettbewerblichen Grenzen, wenn sie nicht besonders viele Eigentumsflächen aufweisen können.
Fazit der Studie:
Die agrarstrukturellen Folgen steigender Bodenpreise in Deutschland können nicht pauschal beurteilt werden:
- Die Option, Eigentumsflächen zu verpachten oder zu verkaufen, oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen, wird bei steigenden Preisen attraktiver.
- Hohe bzw. steigende Vermögenswerte bei Boden verbessern dagegen den Zugang zu Fremdkapital und damit verbundene Wachstumschancen.
- Ertragsstarke (Veredelungs-) Betriebszweige ermöglichen eine „Quersubventionierung“ der Flächenpacht.
- Staatliche Eingriffe in den Pachtmarkt, grundsätzlich möglich nach § 4 Abs. 3 Landpachtverkehrsgesetz, würden weder die sektorale Wettbewerbsfähigkeit stärken noch die Betriebsaufgaben stoppen. Da sie mit steigendem (unangemessenem) Bürokratie- und Verwaltungsaufwand verbunden wären, sind sie nicht sinnvoll.
Meine persönlichen Ansichten:
Der Preisanstieg bei der Pacht im Nordwesten aber auch in anderen Regionen Deutschlands ist vorbei. Wesentliche „Treiber“ wie Bioenergieförderung, Umsatzsteuerpauschalierung, EU-Förderung, zwischenbetrieblicher Wettbewerb haben an Bedeutung verloren oder sind nicht mehr existent. Der Nachfragepachtmarkt wandelt sich zum Angebotspachtmarkt. Betriebliches Wachstum über die Fläche erfolgt unter den sich deutlich ändernden Rahmenbedingungen deshalb immer weniger unter strategischen und taktischen Gesichtspunkten, als das in der Vergangenheit oft der Fall war. Erfolgreiche Landwirte haben meist „runde“ Betriebe und lernen „Nein“ zu sagen.
Beim Flächenkauf wird es einen längeren „Bremsweg“ geben, der vor allem davon abhängt, ob und wann die außerlandwirtschaftliche Nachfrage nach Bau- und Industrieland nachlässt und ob mehr landwirtschaftliche Nutzfläche von den Eigentümern auf Druck der Banken zum Kauf angeboten werden muss.
Gastartikel stellen die Meinung des Autors dar


Bei Punkzt 4 muss ich widersprechen. Pauschalierung bzw Optierung haben NUll Einfluss auf Bodenmarkt, weil es für Kauf und Pacht keine Umsatz/Mehrwertsteuer gibt. Und hohe Kaufpreise werden hauptsächlich durch außerlandwirtschaftliche Investoren kreiert, welche das Bodenverkehrsgesetz oft durch Strohmänner umgehen und durch reich gewordene Bauplatzbauern, die sich durch völlig blödsinnige Reinvestitionsvorschriften zum Kauf gezwungen fühlen.
Es gab in der Vergangenheit durch die Umsatzsteuerpauschalierung deutliche Vorteile in der Schweinehaltung, Hähnchenmast und Bullenmast, wenn diese steuerlich landwirtschaftlich (siehe Vieheinheitenschlüssel und -staffelung) betrieben wurde. Deshalb die vielen Betriebsteilungen mit Einheiten bis jeweils ca. 50 ha LF.
Was den reinen Pacht- oder Kaufvorgang angeht, haben Sie natürlich recht (umsatzsteuerfrei!).
Außerlandw. Investoren spielen in Westdeutschland so gut wie keine Rolle. Dafür sind die Renditen mit teilweise unter 1 % zu gering. Und es gibt ja auch Landwirte, die aus verschiedenen Gründen „mithalten“ können und dann vom Grundstücksverkehrsgesetz bevorzugt werden.
@ Arnold Krämer. Ich kenne hier in B.W. in meiner unmittelberen Nähe 4 außerlandwirtschaftliche Investoren und weiß auch die angewandten Tricks. Denen ist die schlechte Rendite egal, wenn sie uhr Geld in einer sicheren Anlage wähnen.
So macht man in jeder Region, in jedem Landkreis unterschiedliche Erfahrungen. Nichtlandwirte kommen immer dann zum Zug, wenn kein Landwirt „mithalten“ kann. In der höchstrichterlichen Rechtsprechung heißt es salopp, dass man dem Verkäufer kein gutes Geschäft (sehr hoher Preis) kaputt machen darf.
Im Osten sieht die Lage teils etwas anders aus. Auf den ertragsschwachen Standorten Nordost wurde versucht die verloren gegangene Viehhaltung durch Umstieg auf Energieerzeugung zu kompensieren, Biogas, Photovoltaik Windräder (Extremfall DAH). Das bricht gerade ein. Die größeren, die gegensteuern können, tun das.
Insgesamt ist es aber wie mit den Fensterbaufirmen nach der Wende … Riesenboom, weil hoher Bedarf, danach fast Totalzusammenbruch der Branche, weil der Reinvestitionsbedarf sich ebenso en bloc in weite Ferne verschoben hat.
Bei uns hat gerade ENERPARK als größte Solarfirma in Dt. Insolvenz angemeldet. Das betrifft auch eins unserer Projekte … Stillstand.
Die haben alle Anbieter in den Bieterverfahren mit Pachtpreisen oberhalb von 4.000 €/ha weggebissen. Jetzt zeigt die Realität, dass Pachten über 3.000 € nicht wirtschaftlich darstellbar sind. Ich denke zwar, die wollen damit die alten Verträge annullieren und werden mit neuer GmbH wieder auftauchen und die Pacht bei 2.800,- anbieten, aber selbst das ist nicht sicher.
Jedenfalls haben wir gerade in Stadtnähe eine Fläche für unter 1 €/m² kaufen können und solche Angebote werden zunehmen … vor allem in Stadt-fernen Gebieten.
Ich gehe davon aus, dass die Mittel für geförderte Naturschutzmaßnahmen stark zurück gefahren werden (der Kriegspanzler braucht das Geld dringender) und dann i.d.R. direkt von den NGO´s abgerufen werden und dort verbleiben. Die Landwirte bekommen bestenfalls ein Almosen. Hier werden einige Flächen in nächster Zeit aus der Bewirtschaftung fallen.
Viele Verzerrungen im Bodenmarkt sind durch staatliche Eingriffe entstanden. Weil diese aber selten oder nie von Dauer sind, entstehen neue Verzerrungen bzw. Anpassungsprobleme bei Wegfall. Ein typisches Beispiel dafür ist auch die frühere massive EU- Förderung der Stärkekartoffel mit Überkapazitäten in der Verarbeitung und enormen Nematodenbelastungen in den Niederlanden und den emslaendischen Grenzgebieten.
Mal zur Info, ob von Interesse oder nicht … Heute Abend, Mo., 21.9., läuft im NDR um 22 h die Sendung „Wem gehört das Ackerland?“
Die Doku ist von 2025, Thema: Steigende Ackerlandpreise und die Folgen für die Landwirtschaft
Danke für die Info!
Ich kann mir schon denken, dass der NDR wieder aktivistisch unterwegs ist. In Norddeutschland mit den überdurchschnittlich hohen Kauf- und Pachtpreisen haben es Öko-Betriebe schwer, in der Konkurrenzsituation an Fläche zu kommen. Außerdem gibt es für potentielle Neueinsteiger aus der alternativen Szene kaum eine Möglichkeit wegen des enormen Kapitalbedarfs für Grund und Boden einen Betrieb zu gründen.
Aber vielleicht tue ich den Filmautoren auch Unrecht. Schauen wir mal.
Hier, linker Niederrhein liegen die Konditionen für Ackerland ab ca. 2 ha eher bei 15 €/qm . Anleger von Bauland, und Kiesverdrängte lassen grüßen. Über den Gewinn aus Landwirtschaft lässt sich das schon lange nicht mehr abdecken. Obwohl dieses Jahr durch nahezu Optimale Beregnungsmöglichkeiten bei den Hackfrüchten ganz ordentliche Zahlen zu erwarten sind.
in den hackfrüchte sind Zuckerrüben nicht enthalten, Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl, Rollrasen usw.
Ackerland war bisher eine sehr wertstabile Anlage, die letzten 50/60 Jahre ist der Preis nur nach oben gegangen . Von daher wird es von vielen als inflationssicher betrachtet und nur um Notfall verkauft
Als Rheinländer, der auf der richtigen Rheinseite wohnt, kann ich das nur bestätigen. Unter 15 €/qm bei Kauf ist kaum etwas zu bekommen. Solar, Windräder, Batteriespeicher buhlen auch um die Flächen, hier allerdings überwiegend nur als Pachtland. Die Zahlen, die hier genannt werden, sind absurd hoch.
eine Erklärung könnte weiterhin sein, in der Region gibt es Gemüsebaubetriebe die erzielen 2 Ernten pro Jahr von Flächen mit Beregnungsmöglichkeiten. Die Flächen rotieren wohl auch zwischen den spezialisierten Betrieben mit unterschiedlichen Produktionsschwerpunkten. Zu beobachten ist seit Jahren eine Umwandlung der Höfe in Wohnflächen durch Immobilienfirmen. Die Wohnungen sind nicht gerade günstig.
Ich will mal eine andere Geschichte erzählen, in Bezug zum Einen auf den Kauf von landwirtschaftlicher Fläche … Mein ältester Sohn hat vor ca drei Jahren die Wiese neben unserem Grundstück gekauft, 1500 qm, kein Bauland (obwohl er ja gerne dort hin bauen würde). Nix günstig, so € 3,- oder € 5,- für landwirtschaftliche Fläche, nee, hat € 50,-/qm gezahlt, und noch runter gehandelt…
Und meinem Mann wurde eine Fläche von 3300 qm, das im Flächennutzungsplan als Gewerbe angegeben ist (voll erschlossen, Strom, Wasser etc. liegen , bereits vor Jahren als Lagerplatz genutzt) als landwirtschaftliche Fläche umgewidmet, ohne uns davon zu informieren. Dieses Grundstück wurde damals der Deutschen Bundesbahn abgekauft und ist ihr heute noch gewidmet. Auch die Deutsche Bundesbahn rechtfertigt diese von der Gemeinde getroffene Entscheidung in keiner Weise… Zudem haben wir das Grundstück seit ein paar Monaten verpachtet, dem Pächter wurde angedroht, obwohl er eine Gewerbegenehmigung von der Gemeinde erhalten hat, das Grundstück zu räumen. Wir führen seitdem einen Kampf mit der Gemeinde und kommen keinen Schritt weiter, obwohl Deutsche Bundesbahn und RA eingeschaltet sind.
Ihr seht, auch Nicht-Landwirte haben Sorgen mit der „Bodennutzung“ 😉
Schon klar, aber die von dir angesprochenen Fälle haben nicht, wie in der Landwirtschaft, mit der Möglichkeit zur Bewirtschaftung bzw. zur Existenzsicherung zu tun…..ist mehr oder weniger Just for fun.
Und Spaß kostet so viel, wie der Spaßhabenwollende bereit ist, dafür zu zahlen 🙏😌
Herr Seevers, es geht mir/uns eigentlich u. a. hier darum, wie Fremde mit dem Eigentum anderer umgehen! Und auch wenn man „just for fun“ Grundstück kaufen will, wird einem das Geld aus der Tasche gezogen. Und manche Leute kaufen Grundstücke ja auch nicht for fun, sondern als Wertanlage und vielleicht auch, um (eigenen) Wohnraum zu schaffen.
Auch bei uns im noch nicht erschlossenen Neubaugebiet soll der qm € 200,- (s. Jek) kosten; das kann kaum ein Mensch noch bezahlen. Unser Ing. Büro hat seit fast drei Jahren nur noch mit Sanierungen und Energieberatung zu tun, Neubauten in weiter Ferne. Vor Jahren hat die Gemeinde dem einzigen Landwirt in der Stadt die Fläche fürs neue Baugebiet abgekauft, um ihn aus der Stadt raus zu bekommen. (Ist immer noch am gleichen Ort, bewirtschaftet aber noch ein paar Äcker) Anderen Landwirten hat man für den Bau einer neuen Umgehungsstraße fruchtbaren Acker weggenommen, einer der Landwirte ist gerichtlich dagegen vorgegangen und jeder kann sich denken, wie das ausgegangen ist.
In Berlin wählt das Volk heute die Partei, die jene Eigentums – Enteignung manifestieren will …so what?
Wenn jeder so denkt …
„…dem einzigen Landwirt in der Stadt die Fläche fürs neue Baugebiet abgekauft“
Weils gerade zum Thema passt:
in Österreich werden täglich 12 ha versiegelt. In zweihundert Jahren gibts dann bei denen keine Anbaufläche mehr.
https://www.deutschlandfunk.de/versiegelte-zukunft-rettungsversuche-fuer-oesterreichs-boden-100.html
Dazu ein Zitat aus „Schmerzgrenze“ Joachim Bauer:
„Da im Westen so gut wie alle Menschen nach dem Besitz von Geld streben, könnte man auf die Idee eines natürlichen Erwerbstriebes kommen. Doch wie sollte sich in der Evolution ein biologisch verankerter Erwerbstrieb herausgebildet haben, da es während mehr als 90 Prozent der Zeit seit homo sapiens existiert, weder Handel als Erwerbsgrundlage noch so etwas wie Geld und Geldverkehr gegeben hat?“
Wir sehen, alles erlernt. Alles nachgemacht. Kann man sich auch abtrainieren und viele Probleme lösen sich auf: knapper Wohnraum – fette Mieteinnahmen, Fachkräftemangel, weil niemand eine bezahlbare Bleibe findet, usw.
Von der Gemeinschaft nach Regeln zugestandenes Nutzungsrecht wird sich wohl evolutionär gegen Privateigentum durchsetzen. Oder man lebt mit ständigen „Entspannungskriegen“. Auch gut…
„in Österreich werden täglich 12 ha versiegelt. In zweihundert Jahren gibts dann bei denen keine Anbaufläche mehr.“
Man kann die Entwicklung der letzten Jahre/Jahrzehnte doch nicht einfach linear fortschreiben. Dagegen spricht die Demographie, die Wirtschaftsentwicklung, die Einkommenentwicklung.
Man macht es aber, um aufzurütteln. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Man sollte nie vergessen, dass der Landentzug für die meisten betroffenen (nicht alle) Landwirte eher ein Segen als ein Fluch oder Ärgernis ist.
Ein Segen kann es nur für diejenigen sein, die ohnehin aufgeben wollen. Für andere, für die ein Landverkauf ein Segen wäre, haben es verpasst, rechtzeitig auszusteigen.
Bei mir war es so, dass unsere beiden Kinder nicht wollten, das aber ohne Landverkauf.
„in Österreich werden täglich 12 ha versiegelt. In zweihundert Jahren gibts dann bei denen keine Anbaufläche mehr.“
man muß nicht nach Österreich schauen es reicht der Blick in dt Städte wie z.b Berlin. Punktuell ist es in D passiert. Stadtteile wie Pankow, Tempelhof, Neukölln oder Wedding waren mal Dörfer mit Landwirtschaft wie auch Mahrzahn oder Hellersdorf die teilweise von dem damaligen „kleinen Berlin“ als Rieselfelder genutzt wurden um ihre Fäkalien zu entsorgen. Heute alles versiegelt, statt Nutzung als Rieselfelder fliessen die Fäkalien über ein ausgeklügeltes Rohrsystem schnell aus der Stadt nach der Devise aus dem Auge aus dem Sinn. Die Landwirtschaft ist weg und abgewickelt, der Schrei der Städter vor allem nach noch mehr billigen Wohnungen auf begrenzter Fläche ist weiterhin laut zu vernehmen. So lief es nicht nur in Berlin sondern generell überall in dt Städten.
Von der noch auf dem Lande verbliebene Landwirtschaft haben sich Akteure und Politiker etwas anderes ausgedacht. Gesetzliche Regelungen wer Tiere halten will muß eine bestimmte Flächengröße pro Tier vorhalten sonst wird der Betrieb bestraft und geschlossen. Ergebnis keine Aufstockung möglich, Bestandsschutz für eine Übergangszeit dann Abbau der Bestände. Hinzu kommen Vorschriften für die Fruchtfolge etc. Warum wendet man dieses „Erfolgsmodell“ nicht für alle Lebensbereiche auch in den Städten an. Zuzugsstopp bzw Abbau der Bevölkerung auf übervölkerten Flächen. Heute passiert punktuell vor allem in den Städten das Gegenteil immer mehr wollen für lau in die Mitte oder andere attraktive Stadteile.
Diese „Feindbild-Argumentation“ hier gequälte Landbewohner, da unwissende Städter, trifft man als Muster in nahezu jeder Debatte, in der Probleme analysiert und diskutiert werden. Ermüdend!
Den Vorwurf lasse ich mir natürlich auch gefallen bei nächster Gelegenheit. Bin ja auch nicht frei davon.
Ich würde jetzt auch nicht die Bevölkerungszahl zur Zeit der Rieselfelder mit der aktuellen Situation vergleichen. Es hat auch immer zu jeder Zeit Leute gegeben, die einfach Entwicklungstrends in die Zukunft projeziert und „gemahnt“ haben.
Mir wäre eine Diktatur, die den Menschen vorschreibt, wo und auf wieviel Raum sie zu leben haben, auch lieber. Wir haben hier im Osten so viel verfallende Nester, die wiederbelebt werden müssen…
Die Menschen würden sicher auch freiwillig migrieren, wenn sie eine wirtschaftliche Perspektive hätten, die sich offensichtlich nur ohne Wachstumszwang, Renditeversprechen und im Kreislauf organisieren lässt.
Leider ist das im kapitalistischen Kontext nicht organisierbar. Da muss Geld in Kriegen „verbrannt“ werden, statt den Wiederaufbau in natürlichen (durch den Zahn der Zeit entstehenden) Ruinen, zu praktizieren.
Aber das erzähl mal einem Boomer, der Angst um Ertragseinbußen seiner Kapitalvorsorge hat.
Die Städter sind nicht nur weit überwiegend unwissend sondern durch ihre Masse eben auch über das Wahlverhalten zum Nachteil der meisten Landbewohner auch bestimmend. Und je kleinteiliger Regularien werden, um der Sicherheit, der Gerechtigkeit, der Moral Genüge zu tun, um so schlimmer wird es.
Ich hab mal gelesen, dass die GAP das Einzige ist, was die EU noch zusammen hält. Sieht man ja an den Fischereirechten, welche Befindlichkeiten im Primären Sektor
einem WettbewerbKooperation auf EU Ebene normalweise zuerst im Wege stehen (Island).Und ein Europa, in der nur noch bilaterale Deals zwischen den Fürstentümern gemacht werden, hatten wir schon mal. Wenn Sie mir also erklären können, wie wir zu einer offensichtlich vielfach gewünschten „Renationalisierung“ (mit „Schutz der Außengrenzen“) kommen können? Falls die Umverteilung beibehalten werden soll, nach welchem Schlüssel, „Gerechtigkeitsempfinden“ wird dann zugeteilt? Zu kompliziert? Vom Tisch wischen? Wer will diese Vorgänge mit dem Diktum „Recht des Stärkeren“ vor „Stärke des Rechts“ durchsetzen?`Keine Antwort? Seid ihr zu Wenige? Kein Kluger dabei?
Stadtmensch, vielleicht mal in anderen Dimensionen denken? Ich empfehle Ulrike Guérot: „Warum Europa eine Republik werden muss!: Eine politische Utopie“
Ansonsten hat dieses Europa global betrachtet sowieso keine Zukunft….die Dystopie hat gestern in Berlin begonnen, wo die Dümmsten der Dummen jetzt eine Metropole zerstören werden. Wir können alle zusehen, wie eine Gesellschaft sich selber zerlegt, während der Rest der Welt Zukunft gestaltet. Wir haben es verdient!
@Stadtmensch
Die GAP war einmal das wirklich Verbindende, das auch die Masse der Finanzmittel damals gebunden hat. Das ist schon lange vorbei. Einfach mal googlen nach EU-Haushalt. Und ein Großteil der Fördergelder, die der Landwirtschaft zugeordnet werden, sind Mittel für den ländlichen Raum und nicht für die Landwirte.
Außenschutz ja, Renationalisierung nein, weniger Detailvorschriften für Produktion und Konsum ja
Man sieht doch schon an der GAP, dass dieses Konstrukt der EU ein Monster ist. Man stelle sich vor, sie hätten alle Bereiche der Wirtschaft und des Steuerrechts eingebunden, das Chaos wäre perfekt…bzw. die anderen Länder würden sich niemals darauf einlassen. Die GAP war als kleinster gemeinsamer Nenner am Start, weil die Menschen zuerst das Fressen brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen…so schlau waren die Vorgänger schon….leider sind sie da stehen geblieben und haben lediglich diesen Bereich der Regelung überreguliert. Und nun stehen wir da, wo wir stehen.
Ich kann diese dumme Laberei darüber, dass wir die EU (in der Form) brauchen würden, nicht mehr hören. Sind denn alle komplett verblödet?
„Diese „Feindbild-Argumentation“ hier gequälte Landbewohner, da unwissende Städter, trifft man als Muster in nahezu jeder Debatte, in der Probleme analysiert und diskutiert werden. Ermüdend!“
Ach so wenn mit Fakten und in einer Analyse zutreffend argumentiert wird inkl Lösungsoptionen dann ist dies eine „Feindbild-Argumentation. Wer so argumentiert hat keine eigenen valide Argumente, lebt in einer eigenen Welt und vor allem fallen ihm keine eigenen konstruktiven Lösungen zum Thema ein. Wäre ja auch zu anstrengend oder.
Da steht was von Zwangsumsiedlung einhergehend mit massiven Eingriffen ins Eigentumsrecht. Konstruktiver gehts eigentlich nicht mehr….
Muss jetzt arbeiten…nur Stress heute wieder…bis Ende September muss alles gehen!
Ich kenne vier Betriebe, die seit vielen Jahren verkaufen möchten, aber die keine Käufer finden, weil entweder die Bewilligungen für Pferdehaltung nicht gegeben werden oder (wenn Boxen, Reithalle und Weiden vorhanden sind, keine Bank finanziert). Sobald einige ha Land dabei sind, dann „muss“ man diese Kosten aus Eigenmitteln bezahlen und zusätzlich noch etwa 25 % des Kaufpreises. Das ist bei einem ganz normalen Hof in der Gegend schnell mal eine halbe Million und mehr – und wer eine halbe Mio unter dem Kopfkissen hat, der kauft sich keinen solchen Hof, sondern eher eine Jacht 🙂 . Also hocken die Verkäufer auf einem tollen Hof wo sie im Laufe der Jahre ein Vermögen ausgegeben haben und bringen ihn nicht mehr los. Meist ist der Verkäufer und seine Kinder sowiso schon vom Staat gefrustet und wollen nicht auch noch die Hälfte des Verkaufserlöses versteuern.
Also verpachten ? Einen Hof, wo selbst die Kinder viel zu viel Verantwortung und Arbeit gegen viel zu wenig Einkommen sehen und deshalb nicht mehr übernehmen ? Das kann eigentlich nur schief gehen. Selber haben wir versucht, einen Stallteil mit Weideanteil zu verpachten, es ging drei mal schief…
….und es gibt gaaanz viele Betriebe, die nie eine Genehmigung für ihre Hotties eingeholt haben. Das Geld ist verbrannt, wenn sich das Anwesen nicht veräußern lässt.
Es wird sehr viel Kapital sinnlos verbrannt werden, wenn Politik nicht endlich pragmatische rechtliche Lösungen für die Nachnutzung solcher Anlagen auf den Tisch legt. Das Geld fehlt im System, das schnallt aber keiner.
„…pragmatische rechtliche Lösungen für die Nachnutzung solcher Anlagen…“: „Pflugscharen zu Schwertern“ …läuft doch: plus 24% bei den Bewerbungen für die Bundeswehr, plus 13% bei den Einstellungen, 96% Rücklaufquote bei der Wehrerfassung … „Deus vult!“
Guten Morgen
Ich habe gerade im Gemeindeblatt vom Bauplatz verkauf der Gemeinde für mehrere Häuser gelesen 200,-€/m2 .
Ich habe bei der Bank nach einem Soforthilfe Darlehen der Rentenbank angefragt, diese sind nun der Meinung das die vorliegenden Sicherheiten nicht mehr ausreichen.
Es geht dabei nur um 40.000,-€, im gleichen Zeitraum sind Kredite in Höhe von 160.000,-€ und 100.000,-€ abbezahlt.
Das schlimme ist die Bank gibt es nur weil sich Landwirte zusammen getan haben und eine Genossenschaft gegründet haben.
Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen das es am Ende des Jahres heißt, die Landwirte wollen/ brauchen oder rufen gar keine Soforthilfe Kredite der Rentenbank ab.
Das liegt nicht an den Landwirten sondern viel mehr am Sicherheitsdenken der Bank.
Wenn sie dieses Sicherheitsdenken bei Aktien auch an den Tag legen würden, würden bald keine Aktien mehr gehandelt werden.
Wünsche allen einen schönen Sonntag.
@Jek
Moin Jek, keine Bank will mit Krediten der Rentenbank zu tun haben weil die Zinsen zur Rentenbank gehen, die „Hausbank“ eben nur die Arbeit mit diesem „Fall“ hat und so nur eine Aufwandentschädigung bekommt (die ist denen zu niedrig).
Wenn bei den letzten Krediten nur ein einziges Mal etwas Mehrarbeit für die Bank entstanden war schalten die auf ROT und du bekommst nie mehr zu vernünftigen Bedingungen einen Kredit.
Schau genau hin wer Sachbearbeiter ist, denn sitzt dort ein junger dynamischer Mensch frisch von der Fachhochschule dann hast du verloren, denn der darf sich keinen Schnitzer leisten auf dem Weg seiner Karriere. ….
Mit einem Absolventen von Montabaur hatte ich nur Ärger, Stress und schlaflose Nächte wegen eigentlich bedeutungslosen Vorgängen.
Danke Herr Aupperle, das erklärt gerade Vieles !
Als vor 15 Jahren mit den Biogasanlagen in unserem Raum der Pachtpreis durch die Decke ging, entzog ich mich dem Preiskampf und stieß ca. 70 % meiner damalig bewirtschafteten Pachtfläche ab und wurde gewerblicher Schweinemastbetrieb – das war die beste Entscheidung überhaupt, gerade im Hinblick auf das heurige ackerbauliche Katastrophenjahr. Mehr Lebensqualität und weniger Risiko!
Politik hat es nicht verstanden, dass die Flächenbindung erheblichen Anteil an der Bodenmarkt-Problematik hat. Im Focus stand und steht die ideologisch verblendete Begrenzung der Großvieheinheiten pro ha…..Auch hier muss Deutschland die Welt retten. Die Schuldgefühle der Branche waren so groß, dass keiner Widerstand wagte. Nun ist es eben zu spät ……es hätte Eier gebraucht, wie immer..
Ein guter Überblick über die Lage am Bodenmarkt Herr Krämer.
Was mir noch fehlt zur Vollständigkeit der Perspektive, ist die hohe Zahl an Aussteigern aufgrund fehlender Nachfolge. Daraus entwickelt sich meines Erachtens die größte Veränderung am Markt.
Im Nachbarort hat ein Kollege Jahrzehnte ausschließlich in Flächenkauf investiert. Inzwischen hat er über 200ha Eigentum, ist Mitte 70, hat keinen Nachfolger, veraltete Betriebsmittel…..
Auf der anderen Seite steht ein reiner Pachtbetrieb, dutzende kleine Einzelflächen, schlechter Boden, kein Nachfolger….usw., usw.
Letztere Flächen werden langfristig aus der Produktion fallen, denke ich.
@RS
Ich war neulich im Hunsrück unterwegs. Dort werden extensive Wiesen und Weiden verpachtet. Für 1 €/ha und der Verpächter ist froh, wenn er jemanden findet, der pachtet. Dass wirklich Flächen aus der Produktion genommen werden? Sie können immer noch für – bezahlte – Naturschutzmaßnahmen genutzt werden. Nun ja, „Produktion“ ist das nicht…
Das Problem der Hofnachfolge auch bei größeren Betrieben mit entsprechendem Einkommenspotential wächst. Zuwenige Kinder, zuwenig positive Vorbildwirkung durch Eltern, zuwenig Transparenz für potentielle Nachfolger.
Auf der anderen Seite oft auch zwei oder drei Kinder, die Interesse an Landwirtschaft und sogar entsprechende Ausbildung haben. Nicht immer sind die Elternbetriebe dafür groß genug, manche aber schon.
Grundsätzlich gute Möglichkeiten zur Einheirat, aber nicht immer ganz leicht bei den schlauen und selbstbewussten Hoferbinnen, die in unserer Region immer zahlreicher werden.