Monate: April 2018

GAP 2020 konkret – Eine Grundlage zur Diskussion

Viele Behörden und Organisationen, auch außerhalb der Landwirtschaft, machen sich derzeit Gedanken und formulieren Vorschläge, wie es mit der europäischen Landwirtschaft nach 2020 weitergehen soll. Außer beim Praktiker-Netzwerk des BMEL hat mich bisher noch niemand nach meiner Meinung gefragt. Deshalb melde ich mich jetzt mit konkreten Vorschlägen zu Wort. Bin auf eure Meinung gespannt. Wenn sie euch gefallen, könnt ihr die ja eurem lokalen Politiker weitergeben. Egal, in welchem Land der EU ihr lebt. Was wir verstanden haben Wir wollen unserer Aufgabe, gesunde Nahrungsmittel zu erzeugen und gleichzeitig Leistungen für die Allgemeinheit (Landschaft, Umwelt, Klima etc.) zu erbringen, auch weiterhin nachkommen. Wir haben erkannt, dass der Gesellschaft (zumindest in Deutschland)  offensichtlich eine Verbesserung ökologischer Leistungen und mehr Tierwohl wichtiger sind als Nahrungsmittelsicherheit und Importunabhängigkeit. Wir stellen zugleich fest, dass zusätzliche Leistungen bisher nicht angemessen honoriert werden. Soziale und ökologische Standards werden in der EU als selbstverständlich hingenommen, finden jedoch bei Importen keine Anwendung. Wir stehen in einem unfairen Wettbewerb. Die Gesellschaft, vertreten durch diverse Parteien, aber auch eine Vielzahl von Nicht-Regierungsorganisationen, fordern öffentliches Geld nur noch bei öffentlichen Leistungen. Das …

Rübensaat – besser spät als nie

In diesem Jahr mussten wir lange auf günstiges Wetter für die Rübensaat warten. Der Boden war durch die Winterniederschläge gut mit Wasser gefüllt. Das ist ja eigentlich gut, aber dadurch wollte er auch nicht abtrocknen und es kamen immer wieder neue Regenschauern. Nachdem wir Gärsubstrat bekommen haben, das mit der Scheibenegge eingearbeitet wurde (wir haben das Video ja gezeigt) haben wir mit der Kreiselegge in einer Überfahrt das Saatbett bereitet und am 19. und 20. April gesät. Wir legen das Saatgut in einer Reihenweite von 45 cm ab, in der Reihe liegt alle 21 cm eine „Rübenpille“. Bei den derzeitigen Bodentemperaturen dürften nach etwa 7-8 Tagen die ersten Pflanzen zu sehen sein. Was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist ein heftiger Gewitterregen, der den Boden „verschlämmen“ würde. Eine nachfolgende Kruste würde es den Keimlingen schwer machen. Ein schöner Landregen von 5 mm wäre dagegen ideal, damit auch das Saatgut, das eventuell keinen Anschluss an die Bodenfeuchte hat, keimen kann. Aber sonst habe ich keine besonderen Wünsche. Jedenfalls fallen mir derzeit keine ein, aber das kann …

Eldorado für Insekten

Das „Goldene Land“ (= Eldorado) für Insekten ist ein kleiner Fleck von organischem Gärsubstrat auf unserem Acker, das (bisher) nicht eingearbeitet wurde. Auf nur 1 Quadratmeter sitzen bestimmt 100 Fliegen. Klar, dass es genau an dieser Stelle etwas riecht. Heute nachmittag kommt aber die Saatbettbereitung und vermischt alles im Boden. Dann riecht es an dieser Stelle zwar auch nicht mehr aber auch die Fliegen haben keinen Spaß mehr. Tja, so ist das mit dem Dilemma der Essensmachern. Allen kann man es nicht recht machen. Und die Entomologen werden nichts haben, was sie in der Falle fangen können. Wobei diese dicken Brummer so richtig Gewicht auf die Waage gebracht hätten… 😉 Euer Bauer Willi 0

Endlich! Es geht los…

Wir haben hier im Rheinland lange auf eine stabile Hochdruck-Phase gewartet. Jetzt ist sie da, und wir können bald mit der Saat der Zuckerrüben beginnen. Am Mittwoch haben wir organischen Dünger (Gärsubstrat) bekommen, der mit einer Scheibenegge sofort eingearbeitet wird und so mit dem Boden vermischt wird. So kann es keine gasförmigen Verluste geben und es riecht auch nicht. Schließlich liegt das Feld nahe am Ort  und da spielt das natürlich auch eine Rolle. Der Bürger will zwar gerne ländlich wohnen, aber die Landwirte sollen ihn nicht beeinträchtigen und so bemühen wir uns auch nach Kräften, diesen Spagat hinzubekommen. Das Ausbringfahrzeug hat sehr breite Reifen und fährt zudem versetzt im sogenannten „Hundegang“. Die Räder laufen also nicht in der gleichen Spur. So wird die Last auf eine große Fläche verteilt. Das ist derzeit die neueste Technik, die aber auch ihren Preis hat. Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen ist unser Ziel. Wir hätten auch mit  einem leichten Schlepper und dem Düngerstreuer Mineraldünger (manche sagen auch „Kunstdünger“) ausbringen können, aber dann bringen wir keine organische Masse aus, …

Lecker Löwenzahn – nicht nur Superfood

Jetzt blüht er wieder und ist damit eine der ersten Pflanzen, die in Mengen für die Insekten zur Verfügung stehen. Die Blüte beginnt oft schon Anfang April und kann bis in den Juni hinein andauern. Doch auch danach sind noch einzelne Blüten zu sehen. Die Blätter des Löwenzahn schmecken zwar etwas bitter (Bitterstoff: Taraxacin), enthalten aber Inhaltsstoffe, die therapeutisch genutzt werden können. So soll Löwenzahn gegen Verdauungsbeschwerden helfen, den Gallenfluß anregen sowie entwässern. Im Französischen heißt die Pflanze deshalb auch in der Umgangssprache „piss-en-lit“, was soviel wie Bettnässer bedeutet. Kennt ihr noch andere regionale Bezeichnungen? Im Vergleich zu anderen Salaten zeichnet sich Löwenzahn durch einen sehr hohen Gehalt an den Vitaminen A, C und E aus, an Mineralstoffen sind Calcium, Magnesium und Eisen zu nennen. Wer Leckeres aus Löwenzahn (Blätter und Blüten) selbst herstellen will, findet hier über 200 Rezepte. https://www.chefkoch.de/rs/s0/l%C3%B6wenzahn/Rezepte.html#more1 Naturkautschuk aus Löwenzahn? Erforscht wird auch, inwieweit sich aus Löwenzahnsaft ein Naturkautschuk herstellen lässt: https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2015/Juni/naturkautschuk-aus-loewenzahn.html Hier gibt es auch ein Video dazu: https://www.automobil-produktion.de/zulieferer/conti-baut-labor-fuer-kautschuk-aus-loewenzahn-238.html Wenn das klappt, baue ich vielleicht demnächst ja Löwenzahn im größeren Umfang an! …

Die Macht des Lebensmittelhandels beschränken

Um Landwirte und kleine Lebensmittelproduzenten gegen unfaire Praktiken des Lebensmitteleinzelhandels zu schützen. Das will die EU nun anpacken. Jedenfalls hat der EU-Agrarkommissar Hogan vor ein paar Tagen ein Gesetz-Entwurf dazu vorgestellt. Wenn dies wirklich gelingen würde, dann wäre uns Bauern doch sehr gut geholfen. Doch bisher ist es nur eine Ankündigung. Wie die Sache dann umgesetzt wird, werden wir sehen. Denn es sind erwartungsgemäß nicht alle dafür. Die Einzelhandelsverbände winken schon mal ab. Und unsere Landwirtschaftsministerin hat auch noch nix dazu gesagt. http://www.tagesschau.de/ausland/eu-bauern-handelskonzerne-101.html   0

Rhabarber mit warmen Füßen

Familie Bong baut auf ihrem Hof neben anderen Kulturen auch Rhabarber, Spargel, Tomaten, Paprika und Erdbeeren mit „Fußbodenheizung“ an. Ich bin mal hingefahren und habe mir von Michael alles über Rhabarber erzählen lassen. Und wir sehen, wie Rhabarber geerntet wird. Wieder was gelernt! 🙂 0

Julia Klöckner: „Was der Biene schadet, muss weg vom Markt“

Unsere Bundes-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will dem Vorschlag der EU-Kommission zum Verbot der Neonicotinoide im Freiland zustimmen. Aus Sicht des Zuckerrübenanbauers vollkommen unverständlich. Die Rübe blüht nicht im Jahr der Ernte und von daher sind Bienen nicht gefährdet., . Mit einem Verbot werden Rübenanbauer also wieder dazu gezwungen, gegen virusübertragende Blattläuse flächig zu spritzen. Das ist aus Sicht der Umwelt kontraproduktiv. Für Bio-Zucker gibt es nur einen Nischenmarkt und die häufige Bodenbearbeitung (Pflügen, mehrfach Hacken) schadet dem Boden mehr als es nutzt. Das sieht man auch in Österreich so: https://kurier.at/wirtschaft/bauern-fuerchten-um-die-zukunft-der-zuckerruebe/299.450.953 Euer Bauer Willi   0

„Das Bild der Bauern…“

ist der Titel eines 8-minütigen Beitrages von Oda Lambrecht im NDR. Mit dabei die Agrarblogger Markus Holtkötter, Thomas Fabry und Dirk Niehaus (Bocholter Landschwein), die auf unterschiedlichen Medien (Twitter, Youtube, Facebook, Snapchat) immer aktuell über die Arbeit auf ihren Höfen berichten. Zum Thema befragt wird auch der Vizepräsident des DBV, Werner Schwarz, sowie der Wirtschaftsjournalist der FAZ, Jan Grossarth. Ich habe mir den Beitrag jetzt mehrfach angesehen, um zu ergründen, warum er gemacht wurde und wem er hilft. Im Gedächtnis geblieben ist mir der Satz von Oda Lambrecht zum Schluss des Berichtes: (Zitat) „Je mehr schöne und problemfreie Bilder er und seine Kollegen (gemeint sind die Agrarblogger) verbreiten, desto mehr müssen Journalisten auf die Probleme schauen“. (Zitat Ende) Mein persönliches Fazit: Das Wirken der Agrarblogger wird als störend empfunden. Das Wissen über die Wahrheit und die Hoheit über die Meinungsbildung ist Journalisten vorbehalten. Oder wie seht ihr das? Bildet euch eine eigene Meinung. Deshalb hier der Link zum Film und bitte danach kommentieren: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medienpolitik/Das-Bild-der-Bauern,bauernverband148.html Euer Bauer Willi, der trotzdem weiter bloggen wird. Und den sachlichen Dialog mit denjenigen suchen, die dazu bereit sind.  Am …