Bauer Willi
Kommentare 39

Es gibt Tage, da möchte man…

…die Brocken einfach hinschmeißen. Letzte Woche hatte ich so ein paar Tage. Am letzten Sonntag das heftige Gewitter, dass all unsere Rüben verschlämmt hat. Darauf hin Kommentare wie „Zucker ist sowieso ungesund“ oder „So eine Monokultur braucht kein Mensch“.

Dann will uns Julia Klöckner erklären, dass das mit dem Verbot von Neonicotinoiden so schlimm ja nicht ist, weil es ja mechanische Verfahren gegen Insekten gibt. Die Frau ist Landwirtschaftsministerin! Weiß sie es nicht besser?

Die Grünen stellen einen Antrag, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in 4 Jahren um 40% zu senken. Und selbst die AfD klatscht Beifall. Wie die Alternativen aussehen sollen, sagen sie alle nicht. Wollen sie nicht oder können sie nicht?

Im Dorf hat sich jemand beim Ordnungsamt darüber beschwert, dass es bei der Ausbringung von Gärsubstrat stinkt. Dabei wird es mit dem Ausbringfahrzeug direkt eingearbeitet. Besser geht es nicht. Mineraldünger stinkt nicht, will aber auch keiner. Was denn nun? Überhaupt nicht mehr düngen?

Eine Brücke, die unsere Felder miteinander verbindet, wurde abgerissen. Ersatzlos. Jetzt müssen wir einen Umweg von 3 km fahren, der durch ein Neubaugebiet führt. Es gibt schon die ersten Beschwerden. Wie soll ich denn zum Acker kommen?

An einem Hang neben der Weizenparzelle hat man das Geländer entfernt, weil man jetzt dort den Hang mit dem Moped runterfährt und durch unseren Weizen wieder zurück. Jugendlicher Übermut?

Alois hat mir eine Mail weitergeleitet, wo sich jemand von unserem Newsletter abmeldet, weil „unsere Artikel immer blöder werden“ und das so mit dem Dialog nichts würde. Liegt das an mir oder seinen hohen Ansprüchen?

Heute morgen ist es kalt. Und es gibt ständig Schauern. April eben. Ich ziehe mir jetzt ein warme Jacke an. Ich wollte schon immer die Garage streichen. Heute ist ein guter Tag dafür. Ich komme auf andere Gedanken und denke über einen Artikel nach, der nicht so blöd ist.

Übrigens: der Raps steht in voller Blüte! Ein tolles Bild und die Bienen sind eifrig unterwegs. Die Gerste beginnt mit dem Ährenschieben, die Grannen „spitzen“ schon. Der Weizen steht auch prächtig und Wasser haben wir auch genug. Die ganze Natur steht im vollen Saft. Ich bin gerne Bauer!

Meistens jedenfalls…

Euer Bauer Willi

Geschrieben am 24.4.

Mitte kommender Woche werden wir entscheiden müssen, ob wir all unsere Rüben neu säen…

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39 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Ich bin gerne Bauer und stecke ungern den Kopf in den Sand , aber wenn man seit Jahren permanent Knüppel zwischen die Beine geschmissen bekommt , dann reicht es auch mal.
    Erst hat Frau Merkel die CDU sozialisiert und jetzt wird die CDU grün gemacht , mit dem Ziel der SPD und den Grünen die Stimmen abzujagen. So wird ihr das wohl auch gelingen , aber wenn man rechts von der CDU eine Lücke läßt, freut sich die AFD. Inzwischen haben wir in der CDU nur noch Stiefellecker als Minister. Es gibt keine Persönlichkeiten mehr und ohne die AFD hätten wir auch keine Bundestagsdebatten aller der 1970er Jahre mehr. Erst jetzt werden wieder Debatten geführt die um den besseren Weg kämpfen. Auch müßen jetzt wegen der Beschlußfahigkeit mehr Parlamentarierer im Bundestag vorhanden sein. Während vorher alles in den Hinterstübchen von SPD und CDU ausgekungelt wurde , muß man sich jetzt dem Parlament stellen. Die Landwirtschaft spielt hier keine Rolle mehr . Auch Sachthemen werden dem deutschen Mainstream geopfert.Bin gespannt wie lange das noch gut geht ? Bin gespannt wann man sich endlich der Realität stellen muß. Vielleicht kommt ja der von mir erwartete Stromchrash schneller als gedacht und dann ist die Realität gefragt und nicht , wie man es jetzt so gerne macht , in dem man sich immer der Verantwortung entzieht.

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    • Stadtmensch sagt

      Ich weiß nicht, warum du so verbittert bist. Hast alles richtig gemacht, nicht auf Pump expandiert, klug gewirtschaftet und dich weitgehend unabhängig gemacht (Energieproduktion). Was kann die Politik oder der Konsument für die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen einzelner Betriebsleiter? Wenn die Hofnachfolger das bequeme Einkommen in der Lohnabhängigkeit einer unternehmerischen Tätigkeit in der LW (mit eingebauter Krisensicherheit) vorziehen, könnt ihr das auch nicht der ahnungslosen Spaßgesellschaft anlasten.

      Zum Thema „rechts von der CSU ist kein Platz mehr für eine politische Kraft“:
      Aus „Dichter, Denker, Fahnenschwenker Erkundungen auf den Nachttischen der neuen Rechten“ (Dlf)
      „Und deswegen ist das neue rechte Denken im Prinzip alter Kaffee, alter Wein in alten Schläuchen. Mich langweilt das. Das ist generell das Problem in diesen Kreisen: Dass praktisch nichts originär Eigenes formuliert wird. Alles, was im Umfeld der Neuen Rechten zu Papier gebracht wird, ist schon dagewesen. Und das Schlimme ist: Es hat noch nicht mal das Niveau der Originale.“

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Mein lieber Stadtmensch, für Fehlentscheidungen wird kein Bauer Politik oder der Konsument verantwortlich machen, das hat der Friedrich auch nicht getan.

        Was glauben Sie, warum die vorgesehenen Hofnachfolger als Arbeitnehmer ihr Geld verdienen wollen? Sie selbst meinen auch, es handle sich um bequeme Einkommen in der Lohnabhängigkeit. Bin generell nicht der Meinung, dass Arbeitnehmer das Geld hinterher geschmissen bekommen.

        Friedrich hat jedoch Recht, wenn die Bevölkerung bestimmt und nicht die Wissenschaft was für PSM noch angewendet werden darf, dann ist der Zeitpunkt da, wo man von der deutschen Landwirtschaft Abstand nehmen muss.

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  2. Eckehard Niemann sagt

    Zum Thema Rübenbau gab es kürzlich einen Workshop von Mellifera (Bienenschutz) zum „naturnahen Rübenbau“ mit Referenten aus allen „Lagern“:

    https://www.mellifera.de/blog/bienen-schuetzen/expertenworkshop-zuckerruebe.html
    Präsentationen zum Download:
    • T.-D. Schade: Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft (pdf/1,8 MB)
    • W. Haefeker: Neonicotinoide in der Landwirtschaft: Expositionspfade für Bienen (pdf/3,7 MB)
    • A. Lopez-Anita: The risk of imidacloprid-treated seeds for red-legged partridges (pdf/3,7 MB)
    • A. Safer: Wirkweise, Mobilität und Persistenz der Noenicotinoide und anderer für Zuckerrüben relevanter PSM (pdf/3,8 MB)
    • A. Bertschi: Herausforderungen im konventionellen Zuckerrübenanbau (pdf/3,6 MB)
    • C. Lang: Nachhaltigkeit im Zuckerrübenanbau (pdf/5,2 MB)
    • W. Klingenbrunner: Praktische Methoden der Schädlingsbekämpfung im biologischen Zuckerrübenanbau (pdf/1,9 MB)
    • H. Griepentrog: Innovationen der machanischen Unkrautbekämpfung in der Zuckerrübe (pdf/4,8 MB)
    • N. Simon Delso: Bee Life – European Beekeeping Coordination: Prediciting risk exposure to pesticides (pdf/5,0 MB)
    • L. Neumeister: Pestizidreduktion im Zuckerrübenanbau – Mittel und Wege (pdf/1,6 MB)
    • M. Baumann: Agroökonomischer Vergleich von konventionellem und ökologischem Zuckerrübenanbau (pdf/306 KB)
    • S. Bell: Sugarbeet-farming without neonics in the UK (pdf/180 KB)

    Eckehard Niemann:
    Naturnaher Rübenbau: „Die Zeit hierfür war nie besser!“
    Gedanken und erste Schlussfolgerungen nach dem ersten Expertenworkshop für einen naturnahen Rübenanbau (siehe auch die Links zu den Präsentationen der Workshop-Referenten!)
    Die „Mellifera-Initiativen für Biene, Mensch, Natur“ und die Aurelia-Stiftung veranstalteten im Januar einen zweitägigen Experten-Workshop in Frankfurt, um die Notwendigkeit und die praktisch-konkrete Ausgestaltung von naturnahen Anbaumethoden der Zuckerrübe zu erörtern. Ein wirklich beispielhafter und hoffentlich beispielgebender Ansatz, um endlich wirklich über pauschal-nichtssagende Beteuerungen oder Forderungen hinauszukommen, dass neben dem Ökolandbau nun auch ein echt-„integrierter Ackerbau und Pflanzenschutz“ angesagt sei.
    „Echt-integriert“ in dem Sinne, dass endlich die Definitionen ernst und wörtlich genommen werden, dass Chemie erst nach Ausschöpfung aller ackerbaulichen Maßnahmen (Fruchtfolge, Sortenwahl, Bodenbearbeitung, mechanische Beikrautregulierung etc.) angewendet werden soll: Der § 2 des Pflanzenschutzgesetzes definiert integrierten Pflanzenschutz als eine Kombination von Verfahren, bei denen unter vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wird. Nach § 2a gehört zur guten fachlichen Praxis bei der Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen die Berücksichtigung des integrierten Pflanzenschutzes.

    Mein ganz persönliches und erstes Fazit nach diesen zwei Tagen höchst-interessanter Vorträge, Debatten und Überlegungen:

    1. Mit diesem „echt-integrierten“ Ansatz sind durchweg höhere Kosten und verringerte Erträge (bzw. Verzicht auf Maximalerträge) verbunden.

    2. Anzustreben ist angesichts der massiven Naturschutzprobleme ein flächendeckender (also ordnungsrechtlicher) Ansatz – bestimmte Anreiz-Programme für veränderte Anbauverfahren im Rahmen der „Zweiten Säule“ der EU-Agrarförderung reichen nicht aus, könnten aber kurzfristig nützlich sein.

    3. Deshalb bedarf es folgender politisch-ordnungsrechtlicher Rahmenbedingungen, damit diese Produktionsweise nicht durch Billigangebote (aus Produktion nach bisherigen Niedrig-Standards oder durch Billig-Rohrzucker/Isoglucose) wettbewerblich unterlaufen werden:

    a. EU-weite (wenn auch regionalisierbare) ordnungsrechtliche Regelungen angesichts nicht mehr möglicher nationaler Alleingänge in der EU und im EU-Binnenmarkt – z.B. durch klare Vorgaben zu Fruchtfolgen, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln etc. in der Gemeinsamen Agrarpolitik (Cross-Compliance-Anforderungen als Voraussetzung für den Erhalt von EU-Direktzahlungen) und in Pflanzenschutz-Regelungen;

    b. Außenschutz des EU-Binnenmarkts gegenüber Drittlands-Importen (ggf. wie schon bisher mit Ausnahmen für Import-Kontingente für bestimmte Länder oder Herkünfte im Rahmen eines „qualifizierten Außenschutzes“).
    In diesem Falle müssen verringerte Erträge durchaus keinen ökonomischen Nachteil für Landwirte bedeuten, weil damit preisdrückende Überschüsse vermieden werden und weil ein verringertes Angebot speziell auf Agrarmärkten (mit ihrer relativ unelastischen Nachfrage) zu über-proportional höheren Erzeugerpreisen führt. Speziell im Zuckerrüben-Bereich haben die Zuckerfabriken (als „Flaschenhälse“) zudem besondere Lenkungsmöglichkeiten für „Klasse statt Masse“ mit fairen Preisen und gesellschaftlicher Akzeptanz.

    4. Die Veränderung innerhalb der Produktionsverfahren einzelner Kulturen (z.B. Zuckerrüben) reicht nicht aus: Zu verändern und zu optimieren sind ganze (vielfältigere) Fruchtfolgen – zu betrachten und ökonomisch zu bewerten sind deshalb die ackerbaulichen und ökonomischen Ergebnisse ganzer Fruchtfolgen (einschließlich Synergie-Effekten).

    5. Angesichts sehr unterschiedlicher klimatischer, anbautechnischer und ökonomischer Rahmenbedingungen und insbesondere auch wegen zukünftig veränderter Schaderreger-Relevanz muss ein Anbau-System regional und zeitlich flexibel sein.

    6. Der Unterschied eines solchen „naturnahen Zuckerrüben-Anbaus“ zum Ökolandbau bestände u.a. darin, dass weiterhin chemisch-synthetische Düngemittel und organische Düngemittel aus konventioneller (aber demnächst hoffentlich deutlich artgerechterer) Tierhaltung verwendet werden können und dass in bestimmten, genau zu definierenden „Ackerbau-Notsituationen“ auch ein begrenzter chemischer Pflanzenschutz im Rahmen von Notfall-Zulassungen möglich wäre (ohne den Verlust einer Zertifizierung). Im Gegensatz zu bloßen Pestizid-Reduzierungs-Programmen (z.B. „Nationaler Aktionsplan Pflanzenschutz“ – NAP) sind die Wirkungen eines solchen neuen konventionellen Anbausystems nicht nur viel umfassender – die gesellschaftliche Akzeptanz des konventionellen Ackerbaus lässt sich (angesichts sonst nie lösbarer Rückstands-Risiko-Debatten) nur so erreichen.

    7. Ein solcher konventioneller Anbau muss für die Vorzüglichkeit du die Chancen des Ökologischen Landbaus nicht unbedingt negativ sein: Der jetzt noch sehr hohe Abstand von Kosten und Preisen wäre deutlich geringer. Und der Ökologische Landbau bekäme so mehr Freiraum, bestimmte Probleme und Defizite auch in seinem Bereich offensiver anzugehen.

    Speziell zum Rübenbau scheint mit Folgendes wichtig:

    A. Neo-Nikotinoide sind bienenschädlich und werden in naher Zukunft auch im Rübenbau verboten sein. Die bisherige Notwendigkeit, der jungen und anfälligen Rübenpflanze für die lange Frist zwischen Keimung und voller Ausbildung des Blattwerks einen Pestizid-Schutz-Vorrat mitzugeben und diesen Schutzvorrat in dem sehr kleinen Rübensamen-Hüllmaterial unterzubringen, führte zu Beizmitteln mit hochdosierten und höchst wirksamen Wirkstoffen. Diese waren aber auch höchst wirksam in Natur und Umwelt, so dass selbst kleine Staub-, Abrieb- oder Guttationsmengen und im Boden verbleibende Reste schädliche Wirkungen zeigen. Dr. Safer stellte in einer Berechnung deutlich dar, wie selbst geringste Neonikotinoid-Mengen bei einer flächigen Ausbreitung auch geringer Mengen in der Natur zu bienenschädlichem Neonic-Staub auf Blütenpflanzen führe – so dass dann die Schaffung von mehr Blütenpflanzen-Angeboten sogar zu einer schädlichen Verlockung und somit noch verstärkten Schädigung der Bienen führe.

    B. Man wird der ja besonders anfälligen und gefährdeten Rüben-Jungpflanze auch weiterhin einen Schutz geben müssen – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass bei Ablage der Saatpillen auf Endabstand kaum Pflanzen ausfallen dürfen. Interessant deshalb der Bericht im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (Westfalen-Lippe) 1-2018 von Heinz Georg Waldeyer über die KWS-Wintertagung in Einbeck, bei der es u.a. um Alternativen für Neonikotinoid-Beizmittel (gegen Befall der Zuckerrüben mit der Grünen Pfirsichblattlais als Überträger des Vergilbungsvirus´) im Falle eines Verbots auch im Rübenbau ging. KWS Fachmann Philipps berichtete über alternative, kombinierte Strategien: „Diese könnten unter anderem chemische Beizmittel, physikalische Saatgutbehandlungen (Heißdampf, Elektronenbeize) und sogenannte Biologicals beinhalten. Das sind nützliche Mikroorganismen, welche auf der Rübenpille appliziert werden, um den Keimling gezielt zu unterstützen.“ Ralf Tilcher, der an diesem Thema bei KWS arbeitet: „Die bei der Rübensaat ausgebrachten Biologicals vermehren sich rasch und besetzen den Platz an Saatkorn und Wurzel. Den Schädlingen bleiben dann weniger Nährstoffe. Zudem können die nützlichen Bakterien Stoffwechselprodukte herstellen, die den Rübenkeimlingen Schutz vor Kälte, Trockenheit, hohem Salzgehalt des Bodens oder vor schädlichen Pilzen bieten. Vor allem unter ungünstigen Verhältnissen können dann die Bakterien den jungen Rüben helfen“. KWS habe zudem hochleistungsfähige Sorten entwickelt, die gleichzeitig resistent oder tolerant gegenüber wichtigen Rübenkrankheiten bzw. –schädlingen sind. Diesen Trend der Mehrfachresistenzen will man fortführen, um die Zuckererträge abzusichern.
    In diesen Zusammenhang gehört auch die Meldung in LAND & FORST 14/2017,
    bei Zuckerrüben versuche „Syngenta ab 2018 mit der ersten vierfach toleranten Zuckerrübensorte Rhinema den geringen Marktanteil von derzeit 7% wieder auszubauen“.

    C. Bei der Bewertung der hier angedachten Änderung des Rübenanbaus ist zu berücksichtigen, dass bestimmte Wirkstoffe (wie Neonikotionoide oder Glyphosat) aller Voraussicht nach ohnehin schon bald nicht zulässig sein werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass immer mehr Unkräuter, Ungräser und Schaderreger mittlerweile resistent gegen Pflanzenschutzmittel geworden sind, dass die Nematoden-Problematik wächst und dass deshalb ohnehin eine Veränderung des Anbaus, der Sortenwahl und der Fruchtfolge notwendig ist. Zudem sind Pilz- und Insektenschäden (mit Ausnahme vielleicht der Vergilbungskrankheit) im Rübenanbau nicht das Hauptproblem, zumindest in Norddeutschland.

    D. Als Hauptproblem bleibt die Verunkrautung. Auch wenn Fruchtfolgen dieses Problem verringern können, bleibt als Alternative zu Herbiziden doch nur die mechanische Unkrautregulierung. Von ausgesprochenen Problemjahren abgesehen, ist die Unkrautregulierung zwischen den Reihen relativ gut mit den immer besseren Hackgeräten zu erreichen. Für die notwendige Unkrautbeseitigung zwischen den Pflanzen und insbesondere direkt an der Pflanze bleibt auf absehbare Zeit – neben der Bandspritzung) nur die Handarbeit, und dies in einem großen Ausmaß.
    Robotik- und Digitalsysteme können sicherlich auch dieses Problem irgendwann mit kleinen und leichten Feldrobotern lösen – aber hier sind noch deutliche Entwicklungsfortschritte erforderlich. Nicht aus dem Augenverlieren sollte man die Möglichkeiten, die mit bewährten oder neu zu entwickelnden „milden“ Mitteln (ohne Rückstands- und Naturschädlichkeits-Problemen) verbunden wären. Auch das Wissen um die Bedeutung und die Förderung von Nützlingen (mit Biotopmanagement) ist sicher ausbaufähig.

    E. Die aktuelle Ausrichtung der EU-Zuckerkonzerne auf Überproduktion (für den höchstriskanten und zumeist niedrigpreisigen Absatz auf dem von Billigproduzenten beherrschten Weltmarkt) und die nach dem Ende der Quotenregelung ebenfalls angestrebte Konzentration des Rübenbaus in Fabriknähe (zwecks Ersparnis von Transportkosten) passt nicht zu dieser strategischen Neuausrichtung auch des Rübenbaus: Deutlich weitere Fruchtfolgen und damit geringerer Schädlingsdruck passen nicht zu dieser bewussten Verlagerung des Rübenbaus in Fabriknähe und auch nicht zu den Interessen vieler (bisheriger) Rübenbauern.

    F. Ein pestizidarmer oder pestizidfreier Zuckerrübenanbau (auch im Rahmen analoger Produktionsverfahren auch der anderen Fruchtfolge-Glieder) ist nur ein Beitrag zur Biodiversität. Hier sind weitere Maßnahmen erforderlich.

    G. Entscheidend für den Erfolg dieses neuen Anbausystems aber ist und bleibt die Motivation der Landwirte – vor allem als Ackerbauer- oder Pionier-Passion, aber auch als Ergebnis von Rentabilitätserwartungen, von zunehmenden Problemen auf dem bisherigen Weg oder von öffentlichem Druck. Öffentliche Kommunikation und Erfahrungsaustausch sind hier die Schlüssel-Elemente. Hierfür, so der Moderator der Schlussdiskussion, „war die Zeit nie besser!“

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    • Bauer Willi sagt

      Genau diese Quellen habe ich gemeint. Habe selber vor 20 Jahren viel mit Bio-Zuckerrübenanbauern zu tun gehabt, von daher ist mir das Thema nicht fremd. Allerdings gibt es eine Reihe von Problemen, die bisher noch nicht gelöst sind. Das kommt auch in den Artikeln zum Ausdruck.
      Bauer Willi

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    • Obstbäuerin sagt

      Ich hab ja keine Ahnung vom Rübenanbau aber mir ergibt sich folgendes Bild: Da sitzen 12 Experten zusammen und wollen den Rübenanbau, der bis jetzt von den Rübenbauern gut gemeistert wurde, so verändern das er mit mehr Problemen behaftet sein wird und weniger Ertrag bringt. Fortschritt der begeistert.

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      • Lieschen Müller sagt

        Nein, die Experten suchen nach Lösungen, um auch in 20 Jahren noch Landwirtschaft betreiben zu können.

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        • Obstbäuerin sagt

          Lieschen Müller, vor 40 Jahren war das große Waldsterben angesagt. Wir hatten große Angst, dass es bald keine Bäume mehr gibt. Dann wurde uns das Schmetterlingssterben prophezeit. Das trat dann auch nicht ein und damals gab es noch DDT, das tatsächlich mit dem Agrarflieger versprüht wurde. DDT wurde irgendwann weltweit verboten, weil es als für den Menschen gefährlich eingestuft wurde. Darauf hin starben in Afrika wieder viele Tausende an Malaria, weil DDT dort gegen die Mücke, die den Erreger überträgt nicht mehr eingesetzt werden durfte. Was sagt uns das? Was dem einen nicht mehr schadet, kann den anderen umbringen.

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          • Sabine sagt

            Also ich kann nur von Nord-Indien mitreden, was Malaria angeht. Dort stirbt niemand, weil es keine chemische Keule gäbe. Die gibt es und die Regierung versucht es dort auch damit. Trotzdem ist Malaria neben Ruhr, Cholera, unspezifischen Durchfallerkrankungen, Tuberkulose und Anämie die Haupttodesursache nicht nur bei Kindern.
            Dort stirbt man, weil man nicht weiß, wie man die Vermehrung der Moskitos mit einfachen Mitteln wie Abdecken der Wasserfässer etc. verhindern kann, dass man Wasser abkochen muss, wie und wo man Aborte richtig einrichtet, wie man bei Mensch und Tier, in Haus und Stall für grundlegende Hygiene sorgt. Dort stirbt man, weil man nichts über ausgewogene Ernährung weiß, weil Landwirtschaft außerhalb der großen Plantagen oft auf einem Stand ist, den man sich hier einfach nicht mehr vorstellen kann. Da weiß man so gut wie nichts über Düngung, Fruchtfolgen etc. Dagegen ist hier jede Schrebergartenkolonie ein Hort der landwirtschaftlichen Kompetenz. Selbst wenn der Monsun pünktlich kommt und Schädlinge ausbleiben, haben die Bauern dort kaum Möglichkeiten ihre Produktion zu vermarkten bevor sie verdirbt. Und weil alles irgendwann mal verdirbt, deshalb sterben dort auch Menschen. Ich hab erst da begriffen, warum meine Oma den alten Weckautomaten und die gefühlt 5000 Einmachgläser nie weggetan hat. Da kann man Lebensmittel drin haltbar machen.
            Man stirbt dort, weil robuste Moskitonetze einfach nicht verfügbar sind, weil die Menschen über die Anfangssymptome von Erkrankungen nicht aufgeklärt sind und sich daher viel zu spät zu den Gesundheitsstützpunkten aufmachen, sofern den überhaupt einer in erreichbarer Nähe ist. Dort stirbt man, weil die wirksamen, westlichen Medikamente im Land nicht produziert oder/und verkauft werden und wenn Medis erhältlich sind, sind sie zu teuer und die Leute nicht verstehen wie sie eingenommen werden müssen. Dazu kommt noch eine explosive Mischung aus ethnischen Spannungen und Korruption, die es Helfern von Außerhalb fast unmöglich machen auch nur kleinste Schritte voran zu kommen. Die Mücke ist nicht das Problem, sie ist selber ein Symptom für eine sehr viel schwerwiegendere Krankheit in den jeweiligen Ländern.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Indien ist der weltweit größte Generikaproduzent. 70 Prozent aller Generika stammen von dem Subkontinent. Jede Menge internationale Pharmakonzerne lassen in Indien produzieren, da steht dann Bayer oder Novatis darauf.

              Die Bezahlbarkeit dürfte das größere Problem sein.

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      • bauerhans sagt

        mein nachbar hatte 30 jahre bio gemacht,ohne jemals auf einen „grünen zweig“ gekommen zu sein.
        nach den anfangsjahren hatte er eine frau mit geld getroffen,die in den betrieb investiert hatte,um die direktvermarktung auszubauen,aber wenn arbeit da war,hat sie mit den kindern fussball gespielt.
        die altbäuerin hatte dann versucht,die arbeit zu leisten.
        als nix mehr ging,ist die frau mit den kindern abgezogen,das geld der frau war grundbuchlich abgesichert im betrieb und hatte diesem dann den „todesstoß“ gesetzt.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          >>das geld der frau war grundbuchlich abgesichert<<

          Kenne einen Fall, wo die Zukünftige im Falle einer Heirat das Haus des "glücklichen" Grundbuchlich übereignet haben wollte.

          Der Mann hat das einzig richtige gemacht, er hat sie rechtzeitig vom Acker gejagt. 🙂

          1+
  3. Eckehard Niemann sagt

    Lieber Willi,
    ich kann Deinen Frust (und auch Deine Freude) gut nachvollziehen.
    Halte die Ohren steif.

    2+
  4. Altbauer Jochen sagt

    Mist, wenn man die Rüben nochmal neu säen müsste.
    Bei uns heut Vormittag 35 mm Gewitterregen aber
    auf unserem Sandboden ist Verschlämmung kein Problem.
    Eher die Winderosion ,sobald es trocken und stürmisch wird.
    Mit dem Wetter mussten wir schon immer irgendwie fertig
    werden, aber heute „wettert“ es aus vielen Richtungen
    gegen die Landwirtschaft.
    Kopf hoch und nicht die Beine wegziehen lassen !

    2+
  5. Jochen Böhrer sagt

    Klar geht Insektenbekämpfung mechanisch.. Kennst Du keine Fliegenklatschen?

    4+
  6. Obstbäuerin sagt

    Auch wenn ich gerne Bäuerin bin, mir meine Arbeit sehr viel Freude macht, wenn ich sehe, wie Natur und Produktion eine Einheit bilden. Auch Bienen, Insekten, Schmetterlinge und Vögel, die bei uns sehr arten- und zahlreich vorkommen, sind ein hoher Zufriedenheitsfaktor. Und trotzdem merke ich, wie meine Frustration immer mehr zunimmt, weil ich auch die Anerkennung der Gesellschaft, die Unterstützung durch die Politik und die Akzeptanz in meiner unmittelbaren Umgebung brauche.
    Die Qualität meiner Produkte wird nicht nur angezweifelt, sondern es wird nachgewiesen, dass sie gar nicht gut sein können, weil ein Molekül gefunden wurde, dass eventuell schädlich sein könnte. Ich werde verantwortlich gemacht für alle negativen Auswirkungen dieser zivilisierten stadtdominierten Gesellschaft. Nahrungsmittelsicherheit ist dagegen ein zu vernachlässigender Faktor. Denn Hungersnöte treffen nicht die Reichen, sondern die Armen und die leben bis jetzt irgendwo ganz weit weg.

    9+
    • Lieschen Müller sagt

      Ich glaube, der Streit „Stadt gegen Land“ dient dazu abzulenken. Die große Ungerechtigkeit ist doch „Arm gegen Reich“. Und da wir alle wahrscheinich so im Mittelbereich sind (weltweit gesehen) zerfleischen wir uns gegenseitig, anstatt im Kampf gegen die Zerstörung der Natur, unserer Lebensgrundlagen und die Ausbeutung durch die Superreichen zusammenzuhalten.

      4+
      • Obstbäuerin sagt

        Das sehe ich anders. Im Jahr 2030 werden 75% aller Deutschen in Städten wohnen. Ich denke nicht, dass Stadtmenschen die Landwirtschaft vorsätzlich verurteilen und von Natur aus bösartig sind. Das Problem ist, dass die Medien und NGO´s eine Deutungshoheit haben, die mit der Realität wenig zu tun hat und den Stadtmenschen die Überprüfbarkeit oft gar nicht mehr möglich ist. Es hat eine Glaubensebene erreicht und Wissenschaft wird ausgeklinkt..

        14+
        • Brötchen sagt

          Obstbäuerin, dass sehe ich auch so. teilweise wissen die Leute gar nicht mehr, wer einen Mehrwert schafft und wer nur Geld kostet.

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        • Lieschen Müller sagt

          Nein, die Realität ist da: weltweites Artensterben, Anstieg des C02-Gehaltes in der Athmospäre. Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Ob da nun ein einzelner Landwirt Schuld daran ist, ja, das bezweifle ich auch. Ich bin es als Stadtbewohner aber eigentlich auch nicht. Ich schlage nicht über die Stränge. Wer ist es dann? Wer zerstört unsere Erde?

          1+
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Wir, die Bevölkerung tragen täglich dazu bei. der Stadtbewohner, wie der auf dem Land. Bei den Landbewohnern handelt sich bei einem kleinen Anteil auch um Bauern.

            Wenn sie aus dem Haus gehen, wo sehen sie das Paradies für Vögel und Insekten? Der einsam stehende Straßenbaum macht die Amsel auch nicht fett.

            Nur, bei der Schuldzuweisung an andere sind wir Deutsche vermutlich die Weltmeister.

            9+
            • sonnenblume sagt

              Das wir über diese Probleme kontrovers diskutieren ist wohl verständlich. Niemand will dafür die Verantwortung übernehmen und schon gar nicht alleine. Aber für uns Landwirte ist doch besonders die Art und Weise der Diskussion das Problem. Solche „Holzhammermethoden“ schädigen nachhaltig die Psyche der Menschen. Das wird überhaupt nicht mehr wahrgenommen.

              4+
          • Obstbäuerin sagt

            Weltweit gesehen ist die größte Katastrophe und Ursache für die Umweltzerstörung der Krieg.

            3+
            • Lieschen Müller sagt

              Ja, es wäre gut, wenn die Bundesregierung die vielen Milliarden nicht für den Militärhaushalt ausgibt, sondern für irgendetwas anderes (wofür, darüber können wir gerne streiten 🙂

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            • sonnenblume sagt

              Wird wohl jemals der Tag kommen, wo der Mensch begreift, wie unsinnig Kriege sind? Man sollte denken, dass das möglich wäre, aber es geschieht nichts!

              0
            • Inga sagt

              Ja, Sonnenblume,

              der Bauer verschmutzt ja beruflich die Umwelt und der Städter nicht.
              Also wird dem Bauern das schlechte Gewissen zugewiesen.
              Ist ja so beqem.

              Aber in jedem Beruf wird mehr oder wenger Umweltverschutzung betrieben.

              Der geht zu Lasten von uns allen, denn in den vielen Berufen werden ja Konsumgüter für uns alle hergestellt;

              aber der Bauer auch, oder nicht?

              Also ist ein Problem für uns alle und nicht nur von einzelnen.

              Ja, Obstbäuerin, die vielen Millitärausgaben könnte man besser für sinnvollen Umweltschutz ausgeben.
              Aber auch in der jetzigen Situation?
              Aber was soll man dagegen tun?

              0
    • Philipp sagt

      Ich selbst lebe quasi in der Stadt und mein kompletter Freundes- und Verwandtenkreis hat keine Ahnung von Landwirtschaft und auch nichts mit dieser zu tun. Gegessen wird aber allgemein sehr gerne! Auch trifft die ständige undifferenzierte Kritik bzw. die fehlende Akzeptanz eher selten zu. Es ist halt eine kleine Gruppe die laut schreit. Also Kopf hoch! Die meisten sind sehr dankbar, dass es euch Baurn/Bäuerinnen gibt!

      4+
  7. schmidt Betty sagt

    bei uns hat es leider gar nicht geregnet, also freu dich über das Wasser.Das andere wird immer schwieriger wie es in der Landwirtschaft weitergeht, das wissen nur die besonders Schlauen,nicht die , die es gelernt haben

    1+
  8. Carmen Pamler sagt

    Kopf hoch! Solche Tage haben wir alle mal – doch dann gehts zu deine 🐮🐷🐏🐔🐓 oder deine 🌱 und fangst wieder von vorne an! Obs richtig ist? Wer weiß – aber ich für meinen Teil möchte nucht mehr als Bürokauffrau arbeiten dafür liebe ich die Arbeit mit meinen 🐮 zu sehr!

    1+
  9. Peter DROVE sagt

    Das geht mir auch so.Bei uns in Zülpich werden alte Brücken ersatzlos weggebaggert.Und dann noch die E Mail vom Rübenbauerverband über die unvollendende Preisfindung für unsere Rüben.

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