Bauer Willi
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Der unbelehrbare Verbraucher?

Zu diesem Ergebnis muss man kommen, wenn man den nachfolgenden Beitrag liest. Alle Bemühungen einer Supermarktkette in England, die Verschwendung von Lebensmitteln beim Konsumenten zu reduzieren, sind gescheitert. Jetzt wurde das Projekt erfolglos beendet.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/lebensmittelverschwendung-sainsbury-s-stoppt-projekt-15582582.html

Immerhin hat es mal jemand versucht, statt nur zu reden. Ich kann die Sprechblasen  von „mehr Wertschätzung unserer Lebensmitteln“ bald nicht mehr hören. Egal von welcher politischen Partei oder den diversen Nicht-Regierungsorganisationen. Diese Sprüche sind genau so hohl wie die ständigen Absichtserklärungen für ein Schulfach Ernährung und Landwirtschaft. Und dann passiert wieder nichts.

Alles was weggeworfen wird, hat einmal Kosten verursacht. Für die Arbeit, die Energie usw. Jeder weiß das. Doch wie bekommen wir das hin, dass sich etwas ändert??? Es hilft ja nicht, es ständig zu beklagen. Habt ihr neue Ideen? Welche, die auch einfach umzusetzen sind? Und wer fängt damit an?

Euer Bauer Willi

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46 Kommentare

  1. Paulus sagt

    Was die statischen Mengenangaben der im Abfall endenden Lebensmittel betrifft sollte man nicht auf minderbemittelte Journalisten hereinfallen. Ein großer Teil endet z.B. in der Biotonne und wird in den Anlagen der Abfallwirtschaft zu wertvollem Kompost.
    Nicht zu unterschätzen ist die Leistung einer gewissen Fa. ReFood, die Küchen- und z.T. auch Schlachtabfälle sowie die gammeligen Abfälle der SB-Märkte entsorgt. Daraus wird Biogas und elektrische Energie erzeugt. Selbst Bananen- und Orangenschalen sowie anderes unverdauliche Zeug tragen dazu bei.
    Und wo landet das Gärsubstrat? Genau, als wertvoller Dünger auf dem Acker. Man sollte nicht alles verteufeln, nur weil man es nicht überblickt. Diese sogen. Kreislaufwirtschaft ist weit fortgeschrittener als so mancher es glauben mag.

    Dieses elende MHD ist ganz anderes Thema. Wir lassen z.B. einen Camembert mind. 8 – 10 Wochen über das MHD hinaus kontrolliert reifen bis er als genussfähig erscheint. Man muss ihn, im Zustand der Reife und des Verzehrs ja nicht unbedingt unters Mikroskop legen. 🙂 Gilt übrigens auch für so manche andere Lebensmittel.

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  2. Monique sagt

    Danke für den Artikel und die Kommentare. Es wurde bei der Zeitung noch folgender Artikel vorgeschlagen:
    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurter-gruenanlagen-sind-zugemuellt-15577621.html
    Als Grund wird das verschwinden des Zeitgefühls (es gibt nur die Gegenwart) und die Fachspezialisierung (es gibt den Stadtreiniger) angegeben. Diese „Gründe“ kann man meiner Meinung nach auch auf die Lebensmittelverschwendung nehmen. Wenn ich nur in der Gegenwart lebe, wie kann ich mir da Gedanken über ein Menu aus vorhandenen Resten oder Vorräten im Kühlschrank / Küche machen? Ausserdem kocht der Profi eh besser als ich und es macht weniger Arbeit (im Kopf und für den Körper).

    Die Lebensmittelkette hat versucht, das menschliche Verhalten mit technischen Mittel zu optimieren oder zu verbessern. Nur kann der Mensch ausschliesslich SELBER sein Verhalten ändern! Von dem her war klar, dass das Projekt zum Scheitern verurteilt war.

    Meiner Meinung nach ist ein weiteres Grundproblem, mangelnde Achtung und Respekt vor dem Gegenüber. Dazu braucht es aber auch eine gewisse Empahtiefähigkeit. Beides wird in der Regel wenig in unserer Geschellschaft vorgelebt, gefördert und kultiviert und dadurch weiter gegeben. Wenn ich Achtung vor dem Lebewesen Schwein habe, schmeisse ich nicht Fleisch von ihm weg sondern versuche es sinnvoll zu verwerten. Zeitgenossen können sicher auch sagen, dass wenn ich das Abfall-Fleisch in die Biogasanlage gebe, es auch sinnvoll verwertet wird… Gibt ja Strom für mein I-Phone!

    Die Kommentare, dass die Lebensmittelverschendung gut für die Bauern sei, weil ja dann mehr verkauft wird als nötig, ist unter finanzieller Sicht der Dinge evt. richtig wenn der Verkaufserlös des Bauers Überlebenssichernd wäre.

    Ich frage mich aber, wer motiviert sich damit selber seine Wohnung oder Auto sauber zu halten in dem er/sie es nach erfolgter Reinigung wieder die Wohnung / das Auto zu x % verschmutzt nach der Reinigung? Das wäre Verschwendung auf seine Arbeitsleistung umgemünzt. Wenn ich vier Äpfel kaufe und nur zwei davon esse, habe ich auch 50% des Geldes verschwendet. Wenn aber der Konsum das Wohl des Menschen ist, kann es keine Verschendung geben weil Konsum der einzige Wert ist! Gute Recyclinglösungen verhindern Verschwendung – somit kann ohne Gewissenbisse geshopt/konsumiert werden…

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    • Wer sagt, dass ich so etwas esse? Weil es vegan ist? Licht und Steine sind auch vegan.

      Ja, ja die E-Nummern, Chemtrails nun auch im Essen, ach schon seit den 60ern. Gibt es ein homöopathisches Präparat zur Neutralisation?

      Was noch viel schlimmer ist: Wissen Sie, worin sich folgende Stoffe befinden?

      Ingredients: aqua, vegetable oils, sugars, starch, carotene, tocopherol (E306), riboflavin (E101), nicotinamide, pantothenic acid, biotin, folic acid, ascorbic acid (E300), palmitic acid, stearic acid (E570), oleic acid, linolic acid, malic acid (E296), oxalic acid, salicylic acid, purines, sodium, potasium, manganese, iron, copper, zinc, phophorous, chloride, colours, antioxidant.

      Zum Abbau innerer Spannungen erst mal einen Song: https://www.youtube.com/watch?v=SqX8BSGCsyI

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      • Ich weise auf die große Toxikologie- und Ernährungsexpertin Katarina Schickling hin: Sendung „Schöne neue Essenswelt“ im SWR. Sie isst nichts mit Inhaltsstoffen, die sie nicht aussprechen kann. Also auch keine ….Äpfel. Bauer Willi, Du kennst sie auch.

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        • Bauer Willi sagt

          Ja, die kenne ich. Sie hat in der Tat sehr einfache Rezepte. Bin mit ihr immer noch in Verbindung wegen Exporte nach Afrika. Aber ihr gehen so langsam die Argumente aus. Langsam spricht sich nämlich herum, dass China „noch viel schlimmer“ als die EU ist. Und in China gibt es kein ZDF…
          Bauer Willi

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  3. Altbauer Jochen sagt

    Ein Problem liegt doch auch darin das sich junge Menschen
    nicht in ihren Lebens-und Ernährungsgewohnheiten
    beeinflussen lassen wollen. Dabei sehe ich schon, das die heutigen
    Lebens-,Haushaltsverhältnisse einfach anders sind als früher !
    Eine geringere Produktion z.B. durch Bioerzeugung
    bringt vielleicht höhere Lebensmittelosten (wieder ein Problem
    für die alleinerziehende/alleinverdienende Mutter/Vater.
    Das es dadurch ein weniger selektives Essverhalten gäbe
    bezweifle ich.
    Und ob jetzt Fisch oder Fleisch, Gemüse oder Brot,
    es geht doch darum :von allem etwas ,und alles in Maßen !

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  4. Friedrich sagt

    Es ist der lässige, nicht nachdenkende, faule , unwissende Verbraucher. Jeder kann sich etwas davon ausssuchen. Was nichts kostet , ist auch nichts Wert. So ist das. Ex und hopp. Das wars.
    Bei dem Spottpreis und nur 8% von Netto , ein zu kleiner Betrag , um an das Sparen zu denken. Man stelle sich morgens von 6 – 9 Uhr mal an einen Kiosk an einer vielbefahrenen Straße und schaue sich an , was da alles gekauft wird. Essen für den ganzen Tag , an statt sich
    eine Thermoskanne oder Getränk und Essen von zu Hause mit zu nehmen. Nein alles kaufen, kostet ja nur fast 10 Euro/Tag , also 200 – 300 Euro im Monat. Ich frage mich , warum die Leute überhaupt noch eine Küche haben. Jedes Jahr sammle ich bis zu dreimal auf dem Acker an der Bundesstraße Müll ein . Meistens von Mc Doof. Merkens denn die Leute nicht, das , um satt zu werden , daß das bei Mc Doof eine teure Sache ist. — Habe bei meinen Töchtern eine die Hauswirtschaftsleiterin ist , während die anderen andere Berufe haben. Allein schon bei der Resteverwertung und dem Müllanfall gibt es schon große Unterschiede. Die Unwissenden kaufen viel Fertigprodukte und essen unausgewogen.Sind auch öfter krank.— Ohne Bildung und Teuerung werden wir nicht weiterkommen.

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  5. Christian Bothe sagt

    Auszüge aus einem Leserbrief zur Ressource Lebensmittelabfälle meinerseits „Die goldene Tonne“ OTZ 25.07.18
    Allerdings waren wir da in der Vergangenheit ( 2006 EU-Verbot) schon mal weiter, was den Einsatz von Küchenabfällen in der Schweinemast betrifft. Zu DDR-Zeiten wurden Küchen-und Lebensmittelabfälle von der Stadtwirtschaft gesammelt, in Gera gab es die „Speckitonnen“,erhitzt und mit anderen Futterkomponenten gemischt an Mastschweine verfüttert.Damit wurde eine wichtige Futterreserve erschlossen, der Mastbetrieb wurde mit guten Mast-und Schlachtleistungen belohnt und es erhöhte die Schmackhaftigkeit des feuchtkrümeligen Futters. Leider ist das heute nicht mehr möglich, und so gehen wertvolle Energie-und Eiweißreserven in den Müll. Bedenkt man die gegenwärtige Erntesituation und die steigenden Getreidepreise, dann wäre das gerade in der Gegenwart ein wichtiger Faktor zur Minderung von Futterkosten in der Schweinemast und ein Beitrag zur umweltfreundlichen Landwirtschaft.
    Ergänzung :Bestand 10000 MS und ca.6500-7000to/a Abfälle wurden gewogen und eingekauft.

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  6. Lieschen Müller sagt

    Kleinere Packungen führen wieder zu mehr Plastikmüll. Das müsste man also gleichzeitig ändern. Etwas essen, was vielleicht doch schon angegammelt ist, führt eventuell zu Krankheit. Selber kochen führt, auf globalen Maßstab gesehen, sicher zu viel mehr Energiebedarf (C02!). So hängt immer eins mit dem anderen zusammen.

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  7. Obstbäuerin sagt

    Diese Kritik trifft auf ALLE zu – auch auf uns Bauern, denn wir sind Verbraucher. Wenn ich in den obigen Abfallcontainer schaue, sehe ich einiges, was zu den Abfällen zählt, die von vornherein nicht verwertbar sind – z.B. Bananenschalen. Jeder sollte seine noch verwertbaren Abfälle einschränken, das ist gar keine Frage aber das Ziel war wohl zu hoch angesetzt. Ich hab keine Zahlen von Großbritannien aber in Deutschland werden 9 % verwertbare Lebensmittel in den Haushalten weggeworfen. Das ist eine statistisch belegbare Größe. Bei einer Umstellung auf Bio würde der Anteil definitiv steigen, weil Bio-Lebensmittel öfter von Pilzen und Bakterien befallen werden. Außerdem ist die Bio-Landwirtschaft zur Zeit fast zu 2/3 flächenmäßig auf Tierproduktion bezogen.

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  8. fingerphilosoph sagt

    Noch im April 2018 war in den meisten Medien von 18 Millionen Tonnen verschwendeter Lebensmittel die Rede. In dem FAZ-Artikel vom 10. Mai ist von 11 Millionen Tonnen die Rede. Das heißt, in nur einem Monat wurde die Lebensmittelverschwendung in Deutschland von 18 auf 11 Millionen Tonnen reduziert. Warum also wieder diese Verbraucherschelte? Das ist doch eine gute Nachricht!

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    • Ach, fingerphilosoph,

      Das ist doch keine Verbraucherschelte, denn der LEH wirft doch viel mehr weg,

      weil die Nahrungsmittel zu billig sind und deswegen nicht respektiert werden.

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  9. Warum sorgen sich Landwirte um Lebensmittelverschwendung? Dadurch werden doch mehr Lebensmittel gekauft.

    Ein Rezept: Weniger tierische Produkte kaufen, oder gar keine, weniger Fertigprodukte- und Zusatz-/Konservierungsstoff-Paranoia haben (Haltbarkeit).

    Überhaupt ist eine pflanzenbasierte Ernährung ressourcenschonender, auch weil es eine kürzere Verarbeitungskette gibt, in der weniger weggeworfen wird (zudem entfällt meist eine geschlossene Kühlkette (CO2)).

    Weizmann Institute of Science, The opportunity cost of animal based diets exceeds all food losses, PNAS March 26, 2018:

    „We find that although the characteristic
    conventional retail-to-consumer food losses are ≈30% for plant and
    animal products, the opportunity food losses of beef, pork, dairy,
    poultry, and eggs are 96%, 90%, 75%, 50%, and 40%, respectively.
    This arises because plant-based replacement diets can produce 20-
    fold and twofold more nutritionally similar food per cropland than
    beef and eggs, the most and least resource-intensive animal cate-
    gories, respectively.“

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    • fingerphilosoph sagt

      Was Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit angeht, schneidet das Nomadentum deutlich besser ab als der Ackerbau. Im Nomadentum hat man übrigens für sämtliche Teile des Tiers Verwendung.

      Was die Ökosysteme durcheinanderbringt, ist jedoch der Ackerbau, der großflächige Anbau von Getreide, Obst und Gemüse in sog. Monokulturen bzw. Fruchtfolgen. Nicht die Weidehaltung auf Flächen, die sich sowieso nur für Gräser eignen. Von 149 Mio km² Landmasse sind übrigens 25 Mio km² Grasland und nur 9 Mio. (plus 4 Mio. nicht voll genutzte) km² Ackerland. Dazu noch 16 Mio km² nur für Nomaden verwendbare Steppenlandschaft

      Du hast dann Recht, wo extra Futtermittel für das Vieh angebaut werden, was bei der heutigen Tierhaltung ja meistens der Fall ist. Das kann man schon kritisch sehen.

      Da Obst und Gemüse saisonale Produkte sind, muss in den Winter- und Frühlingsmonaten ein Großteil frischer Produkte entweder über weite Strecken importiert werden, was Ressourcenverschwendung par excellence ist, oder der Mensch leidet in diesen Monaten, also einen Großteil des Jahres, eben Mangel. Eine regionale Ernährung ausschließlich von Kohlsorten, Kartoffeln, Karotten, Äpfeln und Rüben ohne Fleisch reicht nicht aus. Und dafür ist das Fleisch ja eigentlich da: um vor allem in den Wintermonaten die notwendigen Nährstoffe zu liefern. Bei Bedarfsschlachtung sogar ohne lange Kühlkette.

      Oder die Kühlkette ist bei veganer Ernährung deutlich energieintensiver, weil Obst und Gemüse über diese Monate hinweg eingefroren werden muss.

      Es ist nicht richtig, vegan als ressourcenschonende Ernährung anzupreisen.

      Die Graslandschaften, die Meere und die nicht vom Menschen verwendbaren Teile im Ackerbau nicht zu nutzen, kann sich die Menschheit nicht leisten. Es gibt auch keinen vernünftigen Grund, darauf zu verzichten.

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      • Wieviel absolutes Grasland gibt es denn in Deutschland?

        Womit werden die Almrinder, etwa in Bayern, gefüttert, wenn sie nicht auf der Alm stehen (3/4 des Jahres)?

        Was passiert, wenn alle Menschen die Fischverzehrempfehlung der DGE für Mischköstler einhalten (fetter Meeresfisch 2x/Woche)?

        Warum essen Vegetarier/Veganer angeblich so viel Obst? Weil da so viele Proteine drin sind? Laut Udo Pollmer essen Veganer doch vorwiegend Spargel und grünen Salat, oder war es Klaus Alfs? 😉

        Fragen über Fragen…

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        • fingerphilosoph sagt

          1. Laut Bauer Willi stehen jedem Bundesbürger 1454 m² Acker und 616 m² Grünland zu.

          2. Wenn es gut läuft: mit Heu. Ich kenne es übrigens noch so, dass Schweine und Hühner mit Küchenabfällen und Essensresten gefüttert wurden, eine sinnvolle Maßnahme gegen Lebensmittelverschwendung, wie ich finde.

          3. Ich nehme an, die durchschnittliche Lebenserwartung würde weiter steigen, ist doch erwiesen, dass in den hochzivilisierten Ländern diejenigen am ältesten werden, die viel Fisch verzehren. Vier von fünf Hot Spots mit über 100jährigen finden sich in Küstenregionen, der fünfte ist eine religiöse Gruppe, ich weiß aber nicht mehr, ob es die Amish sind.

          4. Ich schätze mal, weil proteinhaltige Ackererzeugnisse auf Dauer vielleicht doch eine zu eintönige Kost sind, die wenn schon nicht mit Fleisch, dann doch wenigstens mit Obst und Gemüse geschmacklich aufgepeppt werden muss.

          Im übrigen verstehe ich nicht so ganz, worauf du mit den Fragen hinaus willst. Wenn Du mit Frage 1 und 2 den globalen Kontext, auf den ich mich bezogen habe, in Frage stellst, dann konterkarierst Du diese zwei Fragen mit der dritten, wo du dich auf „alle“ Menschen beziehst, also doch wieder den globalen Kontext herstellst. Du musst dich schon entscheiden, auf welcher Ebene du argumentierst, auf regionaler oder globaler, sonst ist das Willkür und Beliebigkeit.

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          • “3. Ich nehme an, die durchschnittliche Lebenserwartung würde weiter steigen, ist doch erwiesen, dass in den hochzivilisierten Ländern diejenigen am ältesten werden, die viel Fisch verzehren.“

            Mit von Bedeutung dürfte der Jodgehalt der Nahrung sein. Jod ist das von Natur aus effizienteste Antioxidans und vermag mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu schützen wie nichts anderes. Interessant, dass in den chronisch kranken Zivilisationen Jodmangel herrscht und zudem noch künstlich Fluor über das Zähneputzen verabreicht wird. Fluor “kickt“ das wenige Jod im Körper heraus und macht es unverfügbar. Übrigens ist Jod für haltbare Zähne langfristig ebenfalls besser und wirkungsvoller als Fluor. Warum man heute chronisch krank trotzdem 80 Jahre alt und älter werden kann? Todesvermeidung durch Technologie, sprich, Fremdenergieausnutzung:

            https://guidovobig.com/2017/05/02/was-kann-einer-von-der-lebenserwartung-erwarten/

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          • Das mit der Lebenserwartung bestreite ich. Da gibt es andere Erklärungen für die Lebenserwartung in den blue zones, z.B. wenig Fleisch und viel Gemüse, Getreide einschl. Reis. Die Portugiesen, die fünfmal so viel Fisch essen wie die Deutschen, stechen die Lebenserwartungs-Loser Europas, also die Deutschen, auch nicht gerade um Längen aus.

            Wenn Sie Senf drauf tun, schmeckt alles wie Fleisch – wer’s braucht. Die Obstfrage war allerdings ironisch gemeint.

            Na ja, die Frage mit dem Meeresfisch auf den nationalen Kontext zu beziehen, macht wenig Sinn. Die Menge Fisch aus deutschen Küstengewässern ist im bundesdeutschen Kontext verschwindend gering. Nimmt man den globalen Kontext, also die Hochseefangmenge, und rechnet diese auf den Bevölkerungsanteil Deutschlands an der Weltbevölkerung um, erübrigt sich die Frage nach 2 x pro Woche Fisch (1,5-2 kg/Person/Jahr). Vielleicht 2 mal pro Quartal.

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        • Sabine sagt

          Unser Land ist größten Teils Wald-Land. Die Niederschläge und der Boden bevorzugt den Aufwuchs von sehr dichten Wäldern, meist Buchenmischwäldern in ihren verschiedenen Ausformungen, seltener Eichenmischwälder, die im Nordwesten idealere Bedingungen finden. Man kann sich streiten, wie hoch die natürliche Tierdichte in solchen Wäldern ist. Die Römer, denen man ja auch nicht alles glauben kann, schrieben feuchte, dunkle, fast undurchdringliche Wälder, reich an Großwild wie Elchen. Es wird mehrfach erwähnt, dass die germanischen Stämme halb-nomadisch lebten. Die dafür angeführten moralischen Gründe sind wohl eher erdichtet, um den im Luxus schwelgenden römischen Elite an den Karren zu pissen. Wahrscheinlicher ist, dass die damaligen Anbaumethoden den Boden schnell unfruchtbar machten und man daher gezwungen war nach wenigen Jahren umzusiedeln. Der Mangel an fruchtbarem Land und die daraus resultierende Spannungen unter den einzelnen Stämmen werden ja auch öfters beschrieben.
          So ziemlich alles, was wir hier für Natur halten, ist also in Wahrheit Kulturlandschaft. Ohne menschliche Eingriffe wäre NRW wahrscheinlich nicht besonders anziehend, es würden Bäche und Flüsse mit freundlicher Unterstützung der Biber hier breite Auenlandschaften bilden, die selbst im Sommer kaum trocken fallen würden. Dass auch große Flussläufe sich über die Jahrhunderte hinweg stark verändern konnten, davon kann die Stadtgeschichte vieler Orts erzählen, dass z.B. Duisburg-Ruhrort mal eine Rheininsel war, gehört dazu. Hinweise auf viele diese Bruch- und Sumpflandschaften geben alte Ortsnamen in Verbindung mit -broich. Ich denke, dass gerade da wo Bauer Willi wirtschaftet, auch einige Ortsbezeichnungen darauf Hinweisen, dass es dort auch einmal viele Flutungsgebiete gab, die jetzt landwirtschaftlich erschlossen sind. Auch Ortsbezeichungen mit Rot, Rod, Rat oder Rath verraten, dass diese Orte einst oft von der Obrigkeit oder/und von Ordensgemeinschaften angelegte Rodungen mitten im Wald waren. Sich in einem solchen Gebiet vegan zu ernähren, wird wohl eher schwierig gewesen sein. Selbst in den eher günstigen Witterungsbedingungen im Hochmittelalter mit ihren bahnbrechenden neuen Bewirtschaftungstechniken (Dreifelder-Wirtschaft, Ausbau des Obst- und Weinanbaus, verbesserte Anspanntechnik für Rinder und Pferde, Knaller-Erfindungen wie Wind- und Wassermühlen) war der Fleischkonsum recht hoch.
          Steppen in ihren verschiedenen Ausformungen finden wir vor allem da, wo der jährliche Niederschlag nicht gleichmäßig verteilt ist und der Aufwuchs durch lange Trocken- und/oder Frostphasen begrenzt wird.
          Die klassischen Grassteppen entwickelten sich zusammen mit denen für sie so typischen oft großen Wildtierherden, die durch ihre Migration die Steppen kontinuierlich verjüngten. Diese Zusammenarbeit von Pflanze und Pflanzenfresser sorgte für die Entwicklung sehr, sehr fruchtbarer Böden, die über die Jahrtausende unglaubliche Massen an Kohlenstoff speicherten. Von dieser Fruchtbarkeit und diesen Speichereigenschaften leben wir, leider meist auf Pump. Genau diese Böden aufzureißen ist, zu bestellen und zu bewässern war vllt. nicht die klügste Entscheidung, die die Menschheit je getroffen hat. Das sieht man nicht nur an den verheerenden Wirkungen die, diese Maßnahmen in der ehem. UDSSR hatten, sondern auch an den immer wiederkehrenden Staubstürmen in USA. Wenn man nachhaltig solche Zonen bewirtschaften will, wäre es wohl sinnvoller auf Getreide und Baumwolle zu verzichten und auf mehr und größere extensiv gehaltene Viehherden zu setzten.
          Allerdings hat der Anwalt recht, wenn er sagt, dass das eh nicht passieren wird.
          Was unser Wirtschaftssystem im Allgemeinen betrifft: Wir rühren in einem Topf mit Loch in der Bodenmitte. Zur Zeit rechnen wir uns vor, dass wenn wir nur schnell genug im Uhrzeigersinn rühren, kaum Wasser entweichen wird. Wie lange man das durchhalten kann, darf jeder selber ausprobieren.

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          • Richtig! Ich habe hier ja schon mal gesagt, dass ich extensive Weidehaltung befürworte. Wegen der Artenvielfalt und weil die gehaltenen Tiere im Schutz vor Prädatoren (außer Greifvögeln) leben, ohne furchtbar eingepfercht zu sein.

            Das Kuriose ist ja: Das Grünlandargument, das gern von den Befürwortern der heutigen Land- und Fleischwirtschaft herangezogen wird, spricht ja klar gegen die heutige Land- und Fleischwirtschaft. Denn für diese braucht man vorwiegend Ackerfrüchte, selbst für die Fütterung von Milch- und Fleischrindern – auf Kosten von Grünland und Wäldern!

            Warum esse ich trotzdem kein Fleisch, wenn ich Weidehaltung befürworte? Weil ich mein Lebenszeit-Fleisch- und Milchkontingent, das bei Weidehaltung möglich wäre, längst aufgebraucht habe nach über 30 Jahren fast täglichem Fleisch-und Milchproduktekonsum. Daher für den Rest (fast) vegan, und zwar fit und durchtrainiert. Und weil es mir Spaß macht. 🙂

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            • Übrigens, die oben von mir angeführte Studie bezieht sich nur auf Ackernutzung. D.h. was man aus Grünland- und Meeresnutzung gewinnt, kommt noch hinzu (wurde auch in der Berichterstattung über die Studie unterschlagen; da musste gleich das Klicks garantierende V-Wort her). Daher sprach ich oben auch von pflanzenBASIERTER und nicht von veganer Ernährung.

              Auch deshalb greift das Argument vom Fipho nicht.

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            • fingerphilosoph sagt

              @AdT
              Pflanzen-Basierte Ernährung sagt nichts aus, denn auch der Fleischkonsum ist über den Umweg Tier pflanzenbasierte Ernährung.

              Ich denke, dass wir meinungstechnisch teilweise gar nicht so weit auseinander sind, denn auch ich befürworte die extensive Weidehaltung. Ich glaube, wir sind auch derselben Meinung, was den Verbrauch von Ackerland für Tierfutterzwecke anbelangt. Ich sage ja auch, dass das kein Weg sein kann. Ebensowenig wie Fischmehl als Nahrung für reine Pflanzenfresser und solche Geschichten.

              Auch das Argument mit der Verfügungsmenge von Fisch stimmt natürlich. Bloß ist das kein Grund, ganz auf Fisch zu verzichten. Also kein Argument für die vegane Ernährungsweise.

              Unser Hauptproblem ist das Bevölkerungswachstum, und das geht wesentlich aufs Konto des Getreideanbaus und nicht der Tierhaltung. Die Bevölkerungsexplosion in den 60er Jahren konnte nur stattfinden, weil sich die Getreideproduktion vervielfacht hat.

              Deshalb ist der Anbau proteinreicher Erzeugnisse genauso zu hinterfragen wie die Tierhaltung. Bei näherer Betrachtung schadet der Ackerbau der Natur bzw. dem Ökosystem mehr als die Tierhaltung. Es ist Getreideanbau, was Artenvielfalt massiv vernichtet, nicht Tierhaltung.

              Wenn der Mensch vor 10.000 Jahren mit Getreideanbau einen schwierigen Weg eingeschlagen hat, heißt das nicht, dass man durch vegane Ernährung aus der Sackgasse herauskommt. Im Gegenteil. Man setzt auf dieselben Methoden noch eins drauf.

              Was den Gesundheitswert von Getreide, Kartoffel- oder Reis-basierter Ernährung angeht, sind wir nicht derselben Meinung. Ich halte die vegane Ernährungsweise nach eingehender Prüfung nicht für gesund. Aber darüber will ich mich gar nicht auseinandersetzen. Mit seiner eigenen Gesundheit kann jeder umgehen, wie er will. Es kann auch jeder essen, was er will und was ihm schmeckt. Ich wehre mich nur gegen die Behauptung, dass eine vegane Ernährungsweise besser ist als Mischkost, und genau das wird eben immer und immer wieder behauptet.

              Außerdem liegt in der veganen Argumentation m.E. ein grundlegendes Missverständnis bezüglich der Natur vor, wo es drum geht, möglichst viel Sonnenlicht in möglichst viel Lebendes zu verwandeln. Pflanzen sind der grundlegende Kreislauf zur Umwandlung von Sonnenlicht in Leben. Tiere, die Pflanzen fressen, ein zweiter, der mit dem ersten untrennbar verwoben ist. Tiere, die Tiere fressen, ein dritter, um noch mehr Leben und noch mehr Diversität auf diesem Planeten unterzubringen. Es gibt keinen Grund für uns Menschen als Allesfresser, sich diesem dritten Kreislauf grundsätzlich zu verweigern. Für mich bedeutet diese Weigerung eine Absage ans Leben. Und ich meine das ganz konkret und nicht auf einer abstrakten Ebene. Wenn man sich weigert, ein Schnitzel zu essen, heißt das, dass man dem Schwein nicht gestatten will, Teil des eigenen Körpers zu werden, obwohl man verdauungstechnisch dafür eingerichtet ist. Mir kommt es immer so vor, als wäre das der wahre Grund für den Veganismus. Der Ekel oder das Grauen davor, dass ein Tier Teil des eigenen Körpers wird. Falls es so ist – ja, erstmal ist es Unterstellung – , finde ich diese Grundeinstellung bedenklich.

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            • Jetzt wird’s wieder stuhlkreismäßig. Waren Sie schon mal auf einschlägigen Seiten regelmäßiger Puffgänger? Das klingt auch so verschwurbelt, nur nicht ganz so bemüht, das eigene Handeln zu rationalisieren. Der Grund, warum sie es machen, ist unumwunden: „Weil ich’s kann“. Schlicht und einfach. Offen und ehrlich.

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            • fingerphilosoph sagt

              Ja, solche Diskussions-Abwürg-Antworten kommen regelmäßig, wenn die Gegenseite keine Argumente hat, die das Gesagte schlüssig widerlegen.

              „Weil ich’s kann“ gilt umgekehrt auch für dich, ebenso die bemühten Rationalisierungen. Wenn man dem Gegenüber keine anderen Gründe zugestehen will als diesen, ist jede Diskussion überflüssig, dann verstehe ich nicht, warum du hier so eifrig die vegane Lebensweise verteidigst. Ist doch eh egal, macht ja doch jeder, was er kann oder was er will.
              Du unterstellst mir, dass ich nicht offen und ehrlich bin. Ja, bist du es denn?

              Das Ansatz, dass alles Leben auf unserem Planeten umgewandeltes Sonnenlicht ist, ist im Übirgen keine verschwurbelte rationalisierte Bemühung, sondern eine Tatsache. Ebenso, dass sich dieses Leben zu immer komplexeren Formen und komplizierteren Abhängigkeiten aufschwingt, wozu auch der Stoffwechselkreislauf in seinen verschiedenen Abstufungen gehört.

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            • Sorry, ich vertrete eine anthropozentrische Sichtweise, was auch eigentlich der Wertekonsens in der westlichen Welt ist, plus Rücksicht auf Tiere – Natur- und Ressourcenschutz zur Erhaltung der menschlichen Lebensgrundlagen. Im Kern bin ich nämlich sozialliberal bis konservativ.

              Alles darüber hinaus, Religion, Esoterik und sonstige Transzendenzerfahrung wie das Einswerden mit dem Schwein, von dem Du sprachst, ist auf dieser Grundlage möglich, aber eine Angelegenheit der persönlichen Vorstellungswelt, über die man schlecht ernsthaft reden kann, geschweige denn in den Gesellschaftsvertrag reinverhandeln kann.

              Sorry, es bröckelt ja schon der Konsens, von dem ich oben sprach, und zwar durch Erstarken libertärer bis sozialdarwinistischer und nihilistischer Ansichten. Aufgezwungene Esoterik und Mystik sind Teil des Problems, das zeigt auch die Geschichte, und keinesfalls die Lösung.

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            • fingerphilosoph sagt

              Warum gibst du deine eigene Position als Wertekonsens der westlichen Welt aus? Etwa, um dir Autorität von der westlichen Welt zu borgen, um deine eigene Position zu verstärken? Wenn du der Ansicht bist, dass viele sich in ihrem Wertekonsens nicht irren können, dann musst du den 1,6 Milliarden Fettleibigen Recht geben, das dürfte eine der größten Gruppen innerhalb des anthropozentrischen Wertekonsens ausmachen.

              Es geht nicht um Religion, Mystik, Transzendenz, sondern um schnöde Materialität. Die Nährstoffe, die du isst, laufen nicht durch dich hindurch wie Benzin durch den Motor und geben dabei nur ihre Energie ab, sondern dein Körper nimmt die Nährstoffe als solche und verwandelt sie in Teile von sich selbst, auf chemischer und nicht auf energetischer Ebene. Innerhalb von sieben Jahren sind alle Stoffe, die dich als Körper ausmachen, einmal ausgetauscht. Du bist zudem kein homogener Körper, sondern ein Komplex aus Zellen und jeder Menge Bakterien, die über den Austausch von Stoffen ständig interagieren. Es ist dieser Stoffwechselaustausch, der dich als AdT zusammenhält und der dich überdies in die Welt integriert.
              Wenn du das nicht weißt, hast du im Biologie-Unterricht nicht aufgepasst.

              Sorry, du bist es doch, der menschliche Befindlichkeiten aufs Schwein projiziert und dich empathisch mit dem Schwein identifizierst. Projektion und Identifikation: Das versteht man in der Religion unter Einswerden, und das bist von uns beiden eher du. So wie du dich ja auch mit dem westlichen Wertekonsens (statt Gott) identifizierst und damit eins wirst.

              Sorry, es ist in der Regel gerade umgekehrt. Wer auf esoterisch-mystische Weise mit dem Schwein eins geworden ist, kann es nicht mehr essen, weil er das als Barbarei empfindet. Je mehr einer eins mit der Welt wird, desto weniger Lebewesen bleiben übrig, die er essen kann. Auf den Vegetarismus der Veganismus, dann folgt der Fruktarier, den es auch schmerzt, der Karotte und dem Kohl durch Essen Schmerz zuzufügen und am Ende Lichtnahrung.

              Ich habe in den Diskussionen schon begriffen, dass du dich eben von dieser Haltung abgrenzen willst, aber bitte nicht, indem du sie mir in die Schuhe schiebst.

              Ein großes Schlagwort ist „Artenvielfalt“. Artenvielfalt entsteht nicht, indem man geistig eins wird mit der Welt, sondern das Andere als Anderes erkennt. Artenvielfalt entsteht durch Stoffwechselaustausch, dadurch, dass eins vom anderen lebt und sich trotzdem abgrenzt. Hast du dich nie gefragt, warum es so eingerichtet ist, dass wir töten müssen, um selber zu leben?

              Hast du noch nie drüber nachgedacht, dass es weit mehr der Ackerbau ist als die Weidehaltung, der langfristig unsere menschlichen Lebensgrundlagen bedroht? Weil Ackerbau der weit größere Eingriff in die Ökosysteme bedeutet als Weidehaltung?

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            • In der Tat geht es auch um Abgrenzung von der Spinnerecke.

              Mit bloßer Weidewirtschaft lässt sich die Menschheit nicht ernähren. Wiederkäuer können zwar Gras verwerten, aber auch für sie ist es energiearmes Futter, von dem sie sehr viel benötigen. Der physiologische Brennwert ist ja nicht höher als der physikalische.

              Die „Logik“, dass die Menschheit zu groß sei, weil sie mit ineffizienten Methoden nicht hinreichend ernährt werden kann, obwohl es effizientere Methoden gibt, ist für mich unbegreiflich. Wir können eher unseren Ernährungsstil ändern – und andere Länder können das auch – als das Wachstum der Menschheit unterbinden.

              Ersteres ist unsere Pflicht, letzteres steht uns nicht zu. Wertekonsens. An der Durchführung hapert es noch.

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            • fingerphilosoph sagt

              Ich habe nicht behauptet, dass sich die Menschheit allein von Weidehaltung ernähren kann. Ich halte es nur für extrem schlecht durchdacht, auf den Teil der Nahrungsmittel, der durch eine ökologisch verträglichere Art als Ackerbau zur Verfügung steht, aus Prinzipienreiterei zu verzichten.

              Habe ich das richtig verstanden, dass du die Bevölkerungsexplosion befürwortest? Bevölkerungswachstum und Ernährungsstil lassen sich übrigens schon beides steuern – mit entsprechend rigiden staatlichen Methoden, wie China ja gezeigt hat. Auf Kosten der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen.

              Effiziente Methoden in der Landwirtschaft gehen zu Lasten dessen, was du angeblich schützen willst: Natur, Tier und Ressourcen. Das Argument, dass Subsistenzwirtschaft die Natur mehr zerstört als intensivierte Landwirtschaft stimmt nur bei oberflächlicher Betrachtung. Unsere geschätzte Kulturlandschaft gibt es nur deshalb, weil wir fossile Brennstoffe verfeuern und deshalb den Wäldern ihre 80-100 Jahre Wachstum zubilligen können. Schon jetzt verändert sich die Kulturlandschaft trotz effizienter Methoden in Richtung mehr Monotonie. Stichwort Vermaisung zu Energiezwecken.

              Ich stimme dir allerdings darin zu, dass die Verwendung von Ackerfläche ausschließlich für Tierfutter ineffizient ist. Aber ich halte auch den globalen Hin- und Hertransport von Nahrungsmitteln und sonstigen Produkten, wie er im westlichen Wertekonsens gang und gäbe ist, für keine effiziente Methode. Meiner Ansicht nach funktioniert vegane Ernährung nur, wenn der Hintergrund global ist, und das, was momentan nicht vor Ort wächst, importiert und/oder eingefroren wird.

              Ich würde eigentlich schon gern wissen, was du tatsächlich isst. Du isst vegan, also keinerlei Tierprodukte: kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte, kein Honig. Du isst keine veganen Produkte wie Soja, Tofu und all diese speziellen Sachen. Du isst laut deinen Aussagen auch nicht mehr Obst und Gemüse als der Fleischesser. Was isst du außer Vitamin-B-Pillen? Also mal nicht in Kohlehydraten, Proteinen und Vitaminen, sondern in Lebensmitteln gedacht.

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            • fingerphilosoph sagt

              Übrigens: Wie können Gemsen und Yaks im Hochgebirge überleben, da sie ja von energiearmem Futter leben, das dort eben gerade nicht in großen Mengen zur Verfügung steht? Wie konnte die karge Grassteppe Antilopenherden in Millionenzahlen ernähren?

              1+
            • Ich befürworte die Bevölkerungsexplosion nicht, aber sie ist nun mal da. Mit effizienten Methoden meinte ich eine effizientere Ressourcenverwertung. Naturschutz ist kein absolutes abwägungsfestes Gut. Absoluten Vorrang hat für mich der Mensch. Wir haben viel Spielraum zur Herstellung praktischer Konkordanz zwischen individueller Freiheit und Naturschutz. Den müssen wir nutzen.

              Was ich so esse als Proteinträger? Getreide in Form von Brot, Nudeln, Pizzateig, Couscous usw.; Kartoffeln in allen möglichen Zubereitungs- und Verarbeitungsformen. Erbsen, Linsen, Bohnen, Kichererbsen etc. (Falafel, Hummus, Eintopf, Suppe); Nüsse, Kastanien.

              Vieles kann man aus der italienischen, türkischen, maghrebinischen und Maschrek-Küche übernehmen. Es ist vielfältiger als man denkt. Mittlerweile hat es sich auf ein paar Sachen eingependelt, die sich wiederholen – wie das eben auch bei Fleischessern ist (Wiener Schnitzel mit Pommes, Jägerschnitzel mit Pommes, Zigeunerschnitzel mit Kroketten).

              Die Klassiker unter den Süßigkeiten sind Oreos, Manner-Waffeln, Mon chérie, dunkle Schokolade, Sorbet. Inzwischen gibt es auch „Milch“-Eis vegan: schön länger in Liter-Packungen, nun auch am Kiosk, z.B. Cornetto von Langnese.

              Gemüse esse ich durchaus mehr als viele andere. Erst seit ich Fleisch und Käse weglasse, mag ich es richtig gern. Damit erkläre ich mir meine körperliche Transformation hin zum Definierten.

              Soja und Tofu esse ich auch. Das Soja für en menschlichen Verzehr soll ja aus Österreich und Südosteuropa stammen. Soja ist übrigens keine böse Pflanze, sondern bewirkt wie andere Hülsenfrüchte eine Gründüngung mit pflanzenverfügbaren Stickstoffverbindungen und ist damit ganz hervorragend für ökologisch sinnvolle Fruchtfolgen geeignet (die in Südamerika und USA nicht stattfinden, wo sie Roundup-resistent genverändert sind).

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            • fingerphilosoph sagt

              Ja, die vielen Menschen sind nun mal da, ich sehe aber nicht, dass das Wohl all dieser Menschen zum Wertekanon der westlichen Welt gehört. Die 820 Millionen Hungernden gehen der westlichen wie auch der übrigen Gesellschaft hinten runter.
              Heute gibt es soviele Hungernde wie es vor 200 Jahren Menschen insgesamt gegeben hat. Ist das wirklich Fortschritt?

              Die Gesellschaft ist immer nur begeistert dabei, wenn es um die Einführung neuer Technologien geht. Der Mensch ist grundsätzlich bereit, sich seinen Technologien zuliebe zu ändern. Er ist nicht bereit, sich anderen Menschen zuliebe zu ändern.

              Ich kann es nicht mehr hören, wie gebetsmühlenartig die angeblichen Imperative von Menschwürde, Menschlichkeit, Empathie, Solidarität usw. wiederholt werden, während jeder um sich selber kreist und die Gemeinschaft doch nur benutzt, um größtmöglichen Nutzen auf Kosten anderer daraus zu ziehen. Ich bin überzeugt, unsere Welt wäre menschenwürdiger und empathischer, wenn wir generell dazu stehen, dass es jedem zuerst mal um sein eigenes Wohl geht und nicht um die Menschheit, die Würde oder Werte.

              Couscous mit Gemüse esse ich schon auch gern, allerdings nur als Sommergericht und mit Harissa, Koriander und Kreuzkümmel gewürzt. Dann noch Currys, bspw. Mangold mit roten Linsen und Kokosmilch. Vegan, aber eben nicht regional, was die Gewürze anbelangt. Pizza ohne Käse: undenkbar!! Brot und Nudeln in Maßen. Gemüse mit Fleisch ergänzt sich gut. Wiener Schnitzel am liebsten mit Kartoffelsalat, weil sonst zu trocken.

              Dir noch einen schönen Tag.

              9+
  10. Arnold Krämer sagt

    Die Bauern müssen doch froh sein, weil all das, was weggeworfen wird, vorher bezahlt wurde!?

    Die Lösung liegt im gesetzlich verordneten Biolandbau (Ziel: geringere Erträge) bei gleichzeitiger Schließung der Aussengrenzen. Außerdem weiterer Flächenentzug durch Bebauung und Aufforstung. Die Klimaveränderung hilft vielleicht auch noch.
    Geht nicht??? Darf nicht sein!!!

    Wenn die Verbraucher ihre Nachfrage reduzieren, die Mengen beim angebotenen Buffett auf Veranstaltungen deutlich verringert werden (die nicht geringen Reste müssen danach immer entsorgt werden), die Nachfragekurve sich folglich verschiebt, müssen die Preise für die Landwirte zunächst noch weiter sinken.
    Das Klagen des Berufstandes über Lebensmittelverschwendung sind also ein Stück weit heuchlerisch oder??

    1+
  11. sonnenblume sagt

    Nur eine intensive Schulung im Umgang mit Lebensmittel und Ernährung kann dem entgegenwirken. Unser Leben ist voll auf die außerhäusliche Tätigkeit ausgerichtet. Dadurch ist viel Wissen, was früher automatisch in der Familie weitergegeben wurde, verloren gegangen.
    Der gesamte Sektor Ernährung und Gesundheit leidet an dieser Entwicklung.
    Kochen und Haushaltsführung werden als Teilbereich des Lebens nicht mehr als wichtig erachtet. Das muss alles so nebenbei erledigt werden. Wenn dann eingeübtes Wissen fehlt, kann es nur schief gehen. Der Preis tut sein übriges.

    4+
    • Bauer Willi sagt

      Das bedeutet dann aber doch, dass die Schulung in der eigenen Familie stattfinden sollte?
      Wenn dann noch „Ernährungs-Bildung“ von den Schulen unterstützt würde… Aber da spielt sich nicht viel ab. Es gibt immer weniger Schulgärten und dort könnte praktisch erfahren werden, welche Arbeit es macht, Lebensmittel zu erzeugen.
      Bauer Willi

      1+
      • sonnenblume sagt

        In den letzten Jahrzehnten ist doch innerhalb der Familie schon viel zu viel Wissen verloren gegangen. Das MUSS zunächst im Schulbereich wieder aufgebaut werden.
        In dem Fall wäre vielleicht eine Schulung mit speziell ausgebildeten Landfrauen nicht so schlecht. Beim Gartenbau angefangen bis einschließlich Kochen und Aufbewahren. Ich weiß, das ist Utopie, aber eine andere Möglichkeit wüsste ich nicht. Und dann haben wir ja auch wieder das leidliche Thema der Finanzierung. Aber ist es nicht kostengünstiger die Ausbildung in der Schule zu finanzieren, wie später die Kosten im Gesundheitswesen? Zumal ja auch die Familien einen finanziellen Vorteil davon hätten.

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        • bauerhans sagt

          „In dem Fall wäre vielleicht eine Schulung mit speziell ausgebildeten Landfrauen nicht so schlecht.“

          gibt es bereits!

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          • sonnenblume sagt

            Um diese Damen voll in den Schulunterricht zu integrieren braucht man vielleicht noch eine Zusatzausbildung. Ernährung müsste dann ein selbständiges Schulfach werden, wie Deutsch oder Mathe. Bei der Ganztagsbetreuung dürfte Zeit doch kein Problem sein. Man kann statt Spielerunde am Nachmittag auch in den Schulgarten gehen.
            Da fällt mir noch die Diskussion um Zucker und Fett ein. Hier wäre doch ein hervorragender Ort, um diese Problematik anzusprechen und entsprechend zu bearbeiten.

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            • bauerhans sagt

              hatte mich gerade nochmal erkundigt:
              wird in den hiesigen schulen nur wenig nachgefragt!

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        • Ja Sonnenblume,
          Das Unwissen darum ist nun schon in der 2. Oder 3. Generation vorhanden.

          DAZU MÜSSTE NICHT NUR KOCHEN und Aufbewahren gehören, sondern auch Ernährungskunde,
          Was braucht unser Körper an Nährstoffen, wie Vitamine und Spurenelemente neben Eiweiss, Fett und Kohlenhydrate.

          Und warum,…

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    • Paulus sagt

      @Sonnenblume
      Die Schulen, zumindest die in NRW sind damit überfordert. Dort schafft man es mit viel Mühe so gerade noch den Kindern lesen, schreiben und rechnen beizubringen. Angefangen von Kevin und Chantalle bis zu Maximilian und Magdalene Sophie gelten andere Prioritäten, da spielt die Ernährung eine weitgehend unterordnete Rolle.
      Als Vater einer Tochter kann ich ein Lied davon singen wie schwer es ist ein Kind von bestimmten abzulehnenden Ernährungsgewohnheiten abzuhalten, sonst hätten wir unser Kind isolieren müssen. Unser Tochterherz gelangte irgendwann von selbst zu gewissen Erkenntnissen und achtet heute viel strenger auf gesunde Ernährung, Abfallvermeidung etc. als ihre Eltern.
      So sehr wir uns auch Enkelkinder wünschen; sollte ich als Opa irgendwann mal stolz einen Kinderwagen durch die Gegend schieben, werde ich statt dieser üblichen Kekse und so, dem Kind wahrscheinlich (übertrieben) B12 Tabletten verabreichen müssen. Finde ich jetzt auch nicht so toll.

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      • Mausschubser sagt

        Das funktioniert deswegen nicht, weil man meint Ernährung mit Erziehung verbinden zu müssen. Man sieht es bereits hier, man muss die Kinder schon darauf beeinflussen, dass sie als Erwachsene nicht mehr so viel wegwerfen, deswegen brauchen wir Ernährung als Schulfach. Für andere soll dieses Ziel eine gesündere Ernährung sein. Was ist das? Wieder andere möchten ihre politische Richtung in den Lerninhalten unterbringen. Und deshalb scheitert man bereits an der Aufstellung des Bildungsplans. Hoffe ich jedenfalls.

        Man könnte nur Wissen um Ernährung, ihre Erzeugung und ihre Zubereitung vermitteln, dazu gehört auch eine Grundbildung in Biologie, Chemie und Physik bei den Schülern und beim Lehrpersonal. Gerade diese Fächer sind, mit Ausnahme der Biologie vielleicht, bei den Schülern nicht gerade in. Wissen zu vermitteln, ohne Menschen beeinflussen zu wollen, ist heutzutage nicht mehr gefragt.

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      • sonnenblume sagt

        Wenn Kinder den Weg vom Säen, über Wachsen und Ernten kennen lernen und dann auch noch Grundlagen in der Zubereitung und Verwertung, dann sind wir doch schon einen guten Schritt voran gekommen. Dann wissen sie schon, dass ihr tägliches Essen nicht nur aus der Dose, oder von McD., oder aus der Tiefkühltruhe kommt. Kinder vergessen so etwas nicht. Und die Erfahrungen von Paulus kann ich nur bestätigen. Habe ich auch gemacht. Nur, wenn man es nie gesehen hat, dann kann man diese Erinnerungen auch nicht abrufen und weiterentwickeln.

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  12. bauerhans sagt

    ideen hab ich nicht,denke aber,solange wir diesen überfluss an „billigen“ lebensmitteln haben,wird sich nix ändern.
    überrascht bin ich doch,dass hier die gemeindeeigenen apfelbäume am strassenrand leer gepflückt werden,was nicht ungefährlich ist,obwohl wir im ort einen grossen obsthof haben.
    desweiteren bin ich erstaunt,dass in meinen maisflächen innerorts praktisch kein vandalismus zu erkennen war und auch kein „kolbenklau“ stattfand.

    2+
    • Die Äpfelbäume der Gemeinde werden gepflückt, weil man die selbstgeplückten Äpfel zur Seitenlage bringen kann und das macht so viel Spass macht, denke ich.

      Warum sollten Maiskolben geklaut werde?
      Kartoffeln wurden auch schon mal vom Feld geklaut, ich denke das war in den 70igern.

      Aber Obst aus den obstpkantagen würde geklaut, vielleicht weil das pflücken so viel Spass macht?

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