Bauer Willi
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Wir können alles!

Ende Oktober hat die EU-Kommission eine Einigung zur GAP präsentiert. Erfreut
über die Ergebnisse zeigte sich Ministerin Köstinger: „Damit ist der bisherige österreichische Weg und unser Agrarmodell gesichert.“ Doch können die Bauern wirklich zufrieden sein? Wohl kaum.In ganz Europa stellten viele von ihnen in jüngster Vergangenheit grüne Kreuze auf ihre Flächen – als stiller Protest.

Was hat die Landwirte dazu gebracht? Es ist die blanke Angst. Angst um die Zukunft ihrer Betriebe und ihrer Familien. Und es ist immer noch die Angst, bei den imme neuen Pakten, Deals und Strategien nicht mehr mitzukommen und schließlich den Betrieb aufgeben zu müssen. Deshalb bedarf es eines neuen Aufbruchs.

Wir brauchen im wahren Sinne des Wortes eine Agrarwende! Eine Agrarwende hin zu einer Politik der Realitäten – weg von den theoretischen Phantasien urbaner Eliten. Es gibt einige Gruppierungen, die sich für etwas Besseres halten und ihre Meinung gerne zur gesellschaftlichen Meinung erklären möchten. Dafür haben sie aber keine Legitimation.

Ein Grundprinzip, dass uns Landwirte leitet: Wir können alles. Wir können Nahrungsmittel, wir können Natur-, Arten- und Klimaschutz. Wir können Tierwohl,
können Hühner-Mobilställe und Ziegenkäse. Wir können auch 100% Bio. Wir können alles: Wenn die Gesellschaft es will und wenn sie es bezahlt. Wir wollen eine Entlohnung für eine erbrachte Leistung. So wie jeder Handwerker eine Rechnung für seine Leistung schreibt, so stellen wir auch eine Rechnung für unsere Leistung. Wir wollen nichts geschenkt haben, wollen aber auch nichts verschenken. Wir können öffentliche Leistungen erbringen, wollen aber dafür fair entlohnt werden. Ich erwarte, dass die vielen Zielkonflikte öffentlich gemacht, benannt und gelöst werden. Hier nur eine kleine Auswahl:

• Will die Bevölkerung Außenklimaställe für noch tiergerechtere Haltungsformen?
Dann brauchen wir zeitnah die Baugenehmigungen und das Verständnis der Menschen, wenn es dann stinkt.
• Wenn Anbindehaltung nicht mehr gewollt ist, dann muss den vielen kleinen
Betrieben im Alpenvorland und den Mittelgebirgen erklärt werden, was dann aus ihnen wird. Sie erwarten Antworten.
• Viele Menschen wollen Weidehaltung und gleichzeitig eine ungehemmte  Wolfsausbreitung. Dann muss den Tierhaltern erklärt werden, wie sie nachts noch ruhig schlafen sollen.
• Gewünscht wird eine vielfältige Fruchtfolge, gleichzeitig werden aber ständig Wirkstoffe verboten. So wird jede Ackerbaustrategie zur Farce.
• Für Klimaschutz und konservierende Bodenbearbeitung brauchen wir Glyphosat.
Auch wenn vielen das nicht gefällt.
• „Mehr Bio“ ist die neue Formel. Doch der Markt nimmt mehr Bio nicht auf
und so fallen dort auch die Erzeuger-Erlöse. Soll diese Nische jetzt auch noch kaputtreguliert werden?
• Alle reden von regional einkaufen, im Einkaufswagen landen dann aber Gewürzgurken aus Indien. Wer fragt denn hier nach den Standards?

Für diese und weitere Zielkonflikte erwarte ich konkrete Antworten und keine
blumigen Umschreibungen oder vagen Andeutungen. Was ich auch erwarte, ist
eine Folgenabschätzung, was mögliche Maßnahmen angeht. Mit Abwarten, Hinhalten
und Aussitzen muss jetzt Schluss sein. Wegducken geht nicht mehr.

Mein Artikel für top agrar Österreich. Kopieren erlaubt. Weiterleiten sowieso.

https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/bauer-willi-brauchen-agrarwende-hin-zu-realitaeten-12407100.html

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68 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Ich weiß, ich wiederhole mich:
    Leider sind sind Bauern beileibe nicht die einzigen, die jetzt mit dem Rücken zur Wand stehen. Dank Corona betrifft das auch viele andere kleine Wirtschaftstreibende, während Riesen wie Amazon, Alibaba und natürlich die LEH – Konzerne fette Gewinne machen. Es stimmt das ganze System nicht, und die Bauern täten gut daran, andere mitzunehmen. Dazu braucht man eine gesamtpolitische Vision, was das Ziel des Wirtschaftens sein soll: derzeit ist der Sinn nur das Geld. Je weniger man produziert, umso mehr Gewinn kann man machen. Am meisten Geld kann man machen, indem man gar nichts produziert, sondern an der Börse spekuliert. Es braucht gesetzliche Grundlagen, die dafür sorgen, dass ehrliche Arbeit den Vorzug bekommt vor der Gewinnsucht. Konzepte gäbe es sehr wohl. Kürzlich hat der ORF Liane Eisler vorgestellt: https://orf.at/stories/3187108/
    Das Buch „Small Is Beautiful“ von Ernst FRiedrich Schumacher ist viel fundierter als der Titel vermuten lässt. Jean Ziegler gefällt mir persönlich weniger gut.

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    • bauerhans sagt

      „Am meisten Geld kann man machen, indem man gar nichts produziert, sondern an der Börse spekuliert.“

      so ganz einfach ist es nicht!
      man muss sich ständig informieren und da kommen schonmal schnell einige stunden recherche zusammen,auch das risiko ist nicht zu unterschätzen.
      fällt ein gewinn an,werden sofort 25% abgeltungssteuer + soli fällig.
      in D sinds wohl nur um 10% ,die sich mit börse beschäftigen.

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Das kann man natürlich Arbeit nennen, wenn man will. Lukrativer als in der Realwirtschaft zu werken, ist es allemal. Warum sonst geht die Arm-Reich-Schere immer weiter auseinander.

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        • bauerhans sagt

          „Warum sonst geht die Arm-Reich-Schere immer weiter auseinander.“

          börse ist ein legale möglichkeit, geld anzulegen.
          man zahlt ein und hofft,mehr raus zu bekommen.
          das klappt aber nur,wenn immer weitere einzahler dazu kommen.
          der staat profitiert durch steuern.

          ob börse dafür verantwortlich ist,dass reichtum ungleich verteilt ist??

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          • Europolitikus sagt

            Warum wird Getreide an der Börse gehandelt?
            Warum Zucker?
            Warum handeln Raiffeisen, Südzucker, Agrana, Baywa an den Börsen?
            Es bringt Stabilität ins Geschäft und Planbarkeit, zB Verkauf oder Kauf auf Termin.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          An der Börse kann man Geld verdienen, oder das meiste investierte auch verlieren.
          Das ist bei denen der Fall, die bei Höchstständen meinen, kaufen zu müssen.

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    • firedragon sagt

      …die Bauer täten gut daran, andere mitzunehmen…
      Frau Ertl, wen soll ich mitnehmen und wohin ?

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    • Reinhard Seevers sagt

      Eisler: „Das Ziel: Ein gutes Leben für alle.“

      8 Milliarden Menschen definieren den Begriff anders und für sich individuell. Es gibt Nachholbedarf bei der Mehrheit der Weltbevölkerung. Das wird nicht allein durch den Wunsch nach einer Gleichheit der Geschlechter erfüllt. Wenn man keine Alternative für die materielle Befriedigungskultur hat, wird das nichts….und das wird nichts.

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    • Paulus sagt

      Hochverehrter gnädige Frau Elisabeth Ertl, ich wiederhole mich jetzt auch mal. Wenn ich richtig informiert bin beziehst du eine Pension. Dein Versorger ist genau so wie alle Rentenversicherer, Pensions-, Versorgungs-, und Zusatzversorgungskassen, welcher Couleur auch immer, an den Börsen und im Immobilienbereich investiert. Würden sie das Beitragsaufkommen auf einem Nullzinskonto bei der Voba in Hallstadt oder bei der Sparkasse in Wien deponieren, wäre es um deine Altersversorgung schlecht bestellt.
      Ich liebe solche Lackschuh- und Salonsozialisten, vor allem jene die kurz vor erreichen des Pensionsalters noch einmal völlig sinnfrei befördert werden.
      Wie immer: mit einem vollendeten Diener – dein Paulus.

      3+
  2. Thomas Apfel sagt

    Lieber Edakteur,
    als intensiver Pflanzenschutzanwender habe ich sowohl noch DNOC, als auch Parathion oder Dimethoat in der praktischen Anwendung gekannt. Es waren Produkte ihrer Zeit und, man mag es kaum glauben; Weiterentwicklungen mit Vorteilen gegenüber den Vorgängermitteln.
    Dinitroorthokresol DNOC (oder Gelbspritzmittel) war von seiner Natur her ein Desinfektionsmittel und das erste durch Bayer zugelassenen Pflanzenschutzmittel (Nonnin) 1896. Das ist zum Glück weg, hat die Landwirtschaft aber 50 Jahre lang als Getreideherbizid und den Obstbau als Austriebsspritzmittel begleitet. Das hätte nun definitiv zu „Biodiversitätsschädigung“ führen müssen, hat es aber nicht, wegen des Anwendungstermins.
    Dimethiat (Bi58) war ebenfals 50 Jahre lang Standard in Landwirtschaft und Obstbau (die Kleingärtner lieben es immer noch). Hier waren die jetzt geschmähten Neonics die Nachfolgeprodukte, sehr viel ungiftiger für Anwender und Tierwelt. Thiacloprid (Calypso/Biscaya) ist zum Beispiel als Nachfolgeprodukt selbst laut Untersuchungen der Institutes für Bienenschutz in Braunschweig für Bienen (in der Anwendungskonzentration) völlig unbedenklich für Bienen. Es ist jetzt aus der Anwendung genommen, obwohl es derzeit keine Alternative gegen Käfer gibt (Rüben, Raps, Obstbau).
    Selbst das wegen seiner Persistenz später aus der Anwendung genommene Lindan war eine Verbesserung gegenüber den 1942 aus der Anwendung genommenen Arsenmitteln (Frankfurt Grün, Urania Grün, Frankonia Grün) nach dem hunderte Weinbauer an Rhein und Mosel Arsenvergiftungen hatten. Die kamen interessanterweise nicht aus der Anwendung oder Rückständen beim verkauften Wein, sondern aus der Nachpressung der Trester für den sogenannten Haustrunk. Im Trester war die Konzentration dann entsprechend hoch, dass es zu Vergiftungen kam.
    Ich will damit nur sagen, der Pflanzenschutz ist, wie die Mineraldüngung auch, als Instrument zur Sicherung der Ernährung der wachsenden Bevölkerung entstanden und sinnvolles technologisches Instrument. Jetzt kann man sicher wieder die Diskussion aufmachen: Gäbe es nicht soviel Nahrung dank der modernen Landwirtschaft, gäbe es vielleicht auch nicht so viele Menschen. Das ist für mich aber einen Henne oder Ei Diskussion. Mit der Bekämpfung der Möglichkeiten des chemischen Pflanzenschutzes sägen wir jedenfalls definitiv an dem Ast auf dem wir sitzen.

    11+
    • Edakteur sagt

      @Thomas Apfel:
      bin von Ihrer Argumentation überzeugt. Das Prinzip: neue Erkenntnisse (nicht zuletzt durch Analysenmethoden und praktische Erkenntnisse) führen zu Anwendungsverboten bzw. zu neuen Präparaten. So ist Fortschritt auch sinnvollerweise zu verstehen.

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Aber man darf nicht ein Verbot erzwingen, bevor ein besseres Produkt verfügbar ist. Genau das machen aber NGOs.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Außer den Arsen Mitteln, haben mein Vater und ich alle angewendet.
        Damals gab es noch keine Kabinen, mit gefilterter Luft, nein, eine Spritzpistole war das Gerät.

        Mein Vater wurde 90 Jahre alt und bis 86 bei bester Gesundheit.

        1+
  3. Edakteur sagt

    der Leserbrief von Eckart Wendt in top agar zu Bauer Willis Beitrag trifft allerdings voll zu:

    Aufklärung und Aufrichtigkeit tun not!

    Wir brauchen viel mehr Aufklärung über die Zusammenhänge. Nutztierhaltung im derzeitigen Ausmaß basiert leider auch auf Futtermittel-Importen. In Brasilien und anderen Ländern, die Grundnahrungsmittel zur Verfütterung in den sogen. „entwickelten“ Ländern exportieren, gibt es noch immer arme Hungerleider. Diesen Zusammenhang sehen viele Menschen nicht oder sie verdrängen dies. Das gilt nicht nur für die oft geschmähten „urbanen Eliten“, die nicht nur Ihnen, Dr. Kremer-Schillings, ein willkommenes Feindbild sind, sondern auch für Landwirte. Unter diesen kennen ich übrigens auch welche, die bedenkenlos preisorientiert kaufen. Herr Rößle weist auf die Möglichkeit hin, Fair Trade Produkte zu kaufen. So gesehen, dürfte Fleisch aus unseren Großschlachthöfen keine Abnehmer mehr finden angesichts der Ausbeutung der Leiharbeiter. Wer bei einem der wenigen noch nicht wegstrukturierten regionalen Schlachter kauft, zahlt mehr, weil das Schlachter-Handwerk nicht nur durch die Bürokratie stärker belastet ist, sondern normalerweise keine Rumänen oder Bulgaren beschäftigt. Doch wie sollen Verbraucher für mehr Tierwohl mehr bezahlen, wenn sie nur über Enthüllungsmedien / -formate informiert werden, die Mäster ihnen aber keinen realistischen Einblick gewähren und Missstände mit Euphemismen (beschönigenden Ausdrücken) kaschieren? Noch ein Wort zu den „Pflanzenschutzmitteln“: Als Leser mehrerer landwirtschaftlicher Medien finde ich nur ganz, ganz selten mal kritische Anmerkungen zu Herbiziden. Fast immer handelt es sich um relativierende Darstellungen zu kritischen Berichten der Tagespresse und Zeitschriften. Wie war das noch mit Parathion, auch als E 605 bekannt? Obwohl die von E 605 und seiner sehr giftigen Metaboliten ausgehenden Gefahren auf die Anwender und auf dem Land und im Wasser lebende Tiere schon früh erkannt wurden, wurden parathionhaltige Spritzmittel von der EU für die Anwendung in der EU erst ab 08. Jan. 2002 verboten … gegen Proteste aus der Landwirtschaft! Es ließe sich noch viel mehr sagen …

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    • Reinhard Seevers sagt

      Tja, die armen Hungerleider der Entwicklungsländer…..1,5 Millionen Hungernde in New York…ist doch wirklich unglaublich, oder?
      Und die Mainstream – Sicht auf die Schlachtbetriebe ist einfach nur peinlich.
      Und dann die noch peinlichere Rückblende auf Jahrzehnte alte Probleme, als Diffamierungs- Instrument, wie billig ist das denn?

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      • Edakteur sagt

        @R.Seevers: was ist denn da peinlich an der Feststellung der Hungernden? Was ist peinlich an der Feststellung der Schlachtbetriebe? Gab es Tönnies nicht??
        Was ist peinlich an der Feststellung von E 605 – einem Mittel, was leider von vielen für Suizid verwendet wurde (katastrophale Wirkung im übrigen)?
        Kann man die Wirklichkeit wirklich so ausblenden?

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    • Ostbauer sagt

      Zur “ Aufrichtigkeit und Aufklärung“ gehört dann aber auch zu sagen, dass der Eiweisfuttermittelimport aus Sojaextraktionsschrot besteht, qwasi ein Abfallprodukt der Sojaölherstellung.

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      • Thomas Apfel sagt

        Das hatten wir schon mal als Thema. Die Erlöse im Sojahandel kommen zu mehr als 50 % aus dem Extraktionsschrot und nicht aus dem Öl. Die Verwendung als Futter ist schon Anbaugrund, soviel Ehrlichkeit muss schon sein.

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    • Arnold Krämer sagt

      …. und wer ist jetzt für welche vorhandenen, behaupteten, unterschiedlich bewerteten, behobenen oder sonstigen Mißstände verantwortlich? Der Verbraucher, der Händler, der Verarbeiter, der Landwirt, der Politiker, die Medien? Und wie sehen die konsensualen Ziele in all den von E.Wendt angesprochenen Bereichen aus? Kann man diese aus den Grundsatzprogramm der Grünen ablesen? Und wie ist das mit den notwendigen individuellen Verhaltensänderungen auf allen Ebenen und notwendigen politischen Maßnahmen, um diese auch nur näherungsweise zu erreichen?

      Ich befürchte, es bleibt hier bei E.W. bei der Diffamierung (wie von R.S. vermutet).
      Soviel Aufklärung und Transparenz wie nötig, verträgt schon rein physisch kein Mensch.

      Das Grundproblem liegt darin, dass in einer immer egoistischeren Gesellschaft, denen die Grundwerte menschlichen Zusammenlebens (vielleicht in den 10 Geboten des Christentums artikuliert, im Koran sieht das anders aus) und der Konsens darüber immer mehr abhanden kommen, das Mißtrauen immer größer wird/immer größer werden muss. Das Vertrauen in allen gesellschaftlichen Bereichen verschwindet mehr und mehr. Und der Staat kann das Grundproblem trotz oder auch wegen immer umfangreicherer Bemühungen (man denke z.B. nur an die vielen und immer zahlreicher werdenden Staatsbeauftragten für …….) keine Abhilfe schaffen, auch wenn es bestimmte politische „Heilsbringer“ behaupten.
      Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Satz des Staatsrechtlers Böckenförde: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“.

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      • fingerphilosoph sagt

        Wenn Menschen mehr als die Hälfte des Jahres für den „Staat“ (= Gemeinwohl) arbeiten, ohne dass es deswegen zu Revolutionen kommt, kann man nicht von einer Gesellschaft reden, die immer egoistischer wird.

        Keine jemals existierende Gesellschaft hat dafür gesorgt, dass ihre Kinder circa 25 Jahre lang ausgebildet werden und die alt gewordenen Mitbürger 25 Jahre lang mit Rente versorgt werden, ohne dass diese beiden Gruppen der Jungen und Alten noch nennenswert zur Wohlstandsvermehrung der Gesellschaft beitragen. Keine jemals existierende Gesellschaft hat jemals so viele Menschen zur Betreuung anderer Menschen, sei es in der Erziehung, im Gesundheitswesen oder in der Altenpflege, eingesetzt wie die derzeitige.

        Es ist schlichtweg falsch, dass unsere Gesellschaft immer egoistischer wird. Um Menschen zu altruistischem Verhalten zu bewegen, muss Druck in Form von Lob (Anerkennung, Ehre, Ruhm) oder Tadel (Strafe, Verachtung) auf sie ausgeübt werden. Oder man muss ihnen gehörig Angst machen. Früher wurde dieser Druck über hierarchische Strukturen aufgebaut, heute geschieht das über den Mainstream in den sozialen Medien.

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        • Arnold Krämer sagt

          Kann Ihnen diesmal nicht ganz folgen. Ich sehe z. B. dass im sozialen Sektor fast keine Menschen mehr, die für „Gotteslohn“ (Ordenskräfte spielten in kath. Regionen bis vor 60 Jahren noch eine relativ große Rolle) arbeiten. Für diese Tätigkeiten reichen heute selbst die Einheimischen nicht mehr aus. Für die Altenpflege, die Krankenhäuser etc. sind immer mehr osteuropäische oder ostasiatische Menschen erforderlich. Die hohen Abgaben an den Staat stellen teilweise ein Freikaufen von lästigen Verpflichtungen dar. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen.

          Ihrer Aussage, dass man menschliches Verhalten/Gewohnheiten am schnellsten und wirksamsten über „Geld oder/und Peitsche“ (alternativ gehörige Angst) verändern kann, stimme ich allerdings vollumfänglich zu.

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          • fingerphilosoph sagt

            Seit 1980 haben sich die Zahlen der im Gesundheitswesen Beschäftigten mehr als verdoppelt. Wegen der Wiedervereinigung nehme ich jedoch die Zahlen von 1990 als Vergleich.

            1990 gab es in D rund 237.000 Ärzte (in Krankenhäusern und Praxen) und etwas mehr als 500.000 Krankenschwestern. Im Jahr 2019 gab es rund 402.000 Ärzte und mehr als 1. 700.000 Pflegekräfte (Krankenhäuser, Reha und Altenheime). Ähnliche Steigerungsraten finden sich bei Zahnärzten, Apothekern, Optikern, Psychologen, alle möglichen Therapeuten. Hinzu kommen relativ neue Berufsfelder im Bereich alternativer Therapien, die als Basis eine Heilpraktiker-Ausbildung oder dergleichen haben.

            Insgesamt sind im Gesundheitswesen heute knapp 6 Mio. Menschen beschäftigt. Da die Geburtenzahlen jedoch ständig zurückgehen und die jungen Leute heute lieber Berufe mit besserer Ausbildung anstreben wie Arzt oder Therapeut, fehlen logischerweise Pflegekräfte. Aber nicht, weil die jungen Leute egoistisch sind, sondern weil an die Gesundheitsfürsorge heute erstens ganz andere Ansprüche gestellt und die Menschen sehr viel älter werden.

            Mit den hohen Abgaben an den Staat können die nachfolgenden Generationen sich eben nicht freikaufen. Irgendjemand muss die Arbeit ja machen. Der Unterschied besteht nur darin, dass dies heute weniger für die Pflege nicht-ausgebildete Familienangehörige machen, sondern stattdessen ausgebildete Fachkräfte.

            Wie das Wort „Gotteslohn“ schon sagt, haben die Ordenskräfte nicht aus Altruismus gehandelt, sondern sich einen Lohn erhofft. Sie glaubten, dass Gott sie im Jenseits bevorzugt behandeln würde, wenn sie im Diesseits anderen Leuten helfen. Die „guten Taten“ erfolgten also aus Berechnung, nicht aus natürlicher Hilfsbereitschaft.

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    • Schmeckt gut sagt

      Edakteur, sie sprechen von Aufrichtigkeit und beziehen sich auf jahrzehntelang zurück liegende Entwicklungen und Veränderungen, die intensiv diskutiert wurden und die selbstverständlich auch die Konkurrenzfähigkeit beeinflusst haben. Wir Bauern haben uns nie illegal verhalten und auf unsere Stellung im Markt immer und immer wieder hinzuweisen ist nach wie vor überlebenswichtig. Denn ihr angesprochenes E605 wird noch in großen Mengen angewandt. Nur nicht in Europa, aber die damit behandelten Feldfrüchte werden mit für den Import erhöhten Rückstandswerten in der EU als „Billigmacher“ verarbeitet. Und über massiv fehlende Arbeitskräfte in Handwerk und Landwirtschaft lasse ich mich nicht schon wieder aus. Offensichtlich sind sie mit der Komplexität des Themas Landwirtschaft überfordert. Oder sie unterstellen uns mit noch zu definierender Absicht mangelnde Veränderungsbereitschaft.

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      • Edakteur sagt

        @schmeckt gut: bitte ganz genau lesen, was ich geschrieben habe! Zum E 605 kann ich nur aus fachlicher Sicht beschreiben, was mit Suizid-Menschen passiert, wenn sie das Zeug einnehmen: es verabschieden sich die Organe einzeln, bei vollem Bewußtsein! Die Anwendung erfolgt in außereuropäischen Ländern wie z.B. bei DDT, Lindan und anderen Präparaten immer mit folgendem Hinweis: nur nach Anwendung, mit Schutzanzug oder Maske und ohne Hautkontakt. Ein Schelm, wer glaubt, dass das die z.T. Analphabeten oder der Anwendung unerfahrenen Menschen beherzigen (können)!
        Über den joke meiner landwirtschaftlichen Expertise habe ich herzlich gelacht!

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      „Wie war das noch mit Parathion, auch als E 605 bekannt? Obwohl die von E 605 und seiner sehr giftigen Metaboliten ausgehenden Gefahren auf die Anwender und auf dem Land und im Wasser lebende Tiere schon früh erkannt wurden, wurden parathionhaltige Spritzmittel von der EU für die Anwendung in der EU erst ab 08. Jan. 2002 verboten … gegen Proteste aus der Landwirtschaft“

      Die Landwirtschaft stellt sich nicht gegen Verbote von PSM, wenn Ersatzprodukte zu kaufen sind, Produkte die Umweltvertägliecher sind.
      Gerade die Entwiklung, bzw. die Zulassung wird massiv verhindert, meiner Meinung nach steht da Methode dahinter- man will die BIO Landwirtschaft erzwingen und damit eine weitere Unterversorgung bei den Lebensmittel.

      Wo kommen dann diese Lebensmittel her?
      Aus Brasilien und anderen Ländern, da wo die Menschen – ihrer Meinung nach- bereits jetzt hungern.
      Anders gesagt, die Katze beißt sich in den Schwanz.

      Durch die Anwendung von PSM wurde noch niemand krank, auch ist noch niemand gestoben, nur durch die Angstmacherei wurden labile Menschen krank, krank vor Angst

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      • Edakteur sagt

        @ehemaliger Landwirt: Vorsicht vor so weitgehenden Behauptungen, dass Menschen durch Pflanzenschutzmittel (selbst bei ordnungsgemäßer Anwendung!) noch nie gestorben sind: Nach Erkenntnissen der EMA bzw. der FDA ist z.B. bewiesen, dass Winzer durch Pflanzenschutzmittel Leberkrebs bekommen haben – und leider starben!

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        • Obstbäuerin sagt

          Ich nehme mal an, wenn es denn so war, dass die Anwendung diese Mittels verboten oder so verschärft wurde, sodass es die Gefahr auf ein Minimum reduziert hat. In letzter Zeit scheint es aber kaum noch oder gar keine Fälle mehr zu geben, sonst hätten wir medial davon erfahren. Anders sieht es z.B. bei LKW-Fahrern (selbst bei ordnungsgemäßer Anwendung!) aus. Ich weiß nicht wie viele da Jahr für Jahr bei ihrer Berufsausübung versterben aber von einem LKW-Verbot habe ich noch nichts gehört.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Faktoren, die die Leber belasten und/oder zu einer Zirrhose führen können, erhöhen die Gefahr einer Krebserkrankung: Dazu zählt in erster Linie ein übermäßiger Alkoholgenuss. Aber auch viele Medikamente, darunter Verhütungsmittel und Anabolika, setzen der Leber zu.

          Die Ansteckung mit einem Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virus steigert das Risiko, im Laufe des Lebens Leberkrebs zu entwickeln. Da die Viren vor allem durch Sexualkontakte oder Blut übertragen werden, erhöhen ungeschützter Geschlechtsverkehr und Drogenkonsum auch das Leberkrebsrisiko. Auch sind Menschen in medizinischen Berufen, die mit Blut bereits infizierter Menschen in Kontakt kommen können, stärker gefährdet. Blutkonserven werden heutzutage sorgfältig auf Hepatitis-Viren getestet, so dass eine Übertragung durch eine Bluttransfusion ausgeschlossen werden kann.

          Organische Lösungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Insektizide etc. schaden der Leber und vergrößern das Leberkrebsrisiko für Menschen, die häufig mit diesen Substanzen in Kontakt kommen. Auch Vergiftungen mit Arsen oder dem Ausgangsstoff von PVC, dem Vinylchlorid, erhöhen die Gefahr für Leberkrebs.

          Kommen mehrere Faktoren zusammen, ist natürlich nicht auszuschließen, dass auch PSM, besonders Kupfer eine Rolle spielen kann.

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        • Edakteur sagt

          @ehemaliger Landwirt: noch ne Ergänzung:

          Krebs aus Weinbergen – Einzelfall oder beunruhigender …
          http://www.vinum.eu › yoopress-news › portraits › krebs-aus…

          FRANKREICH (Bordeaux) – Eine Untersuchung der französischen Gesundheitsbehörde Agence Régionale Santé (ARS) und der französischen Gesundheitsüberwachung Institute de Veille Santé (InVS) ergab, dass in Preignag, einer Stadt in der Appellation Sauternes, Kinder unter 15 Jahren fünf mal häufiger an bestimmten Krebsarten als der Durchschnitt erkranken. Die Behörden geben als Grund eine zu hohe Pestizidbelastung an

          „Beruflich verursachte Krebserkrankungen“ – Wolfgang Hien

          Mit steigender Dosis steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit. Krebs erzeugende Stoffe fanden sich mit der Industrialisierung an vielen Arbeitsplätzen in der Industrie, im Handwerk und in der Landwirtschaft. Fast das gesamte 20. Jahrhundert erlebte schreckliche Massenerkrankungen durch chemische Stoffe, so z. B. der Anilinkrebs – das ist der Krebs der Harnblase (Farbenarbeiter in der Chemieindustrie), der Arsenkrebs der Winzer und der Leberkrebs bei Kunststoffarbeitern.

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Landwirtschaft ohne Schädlingsbekämpfung funktioniert nicht oder ist zumindest sehr riskant. Denken Sie daran, dass im 19. Jahrhundert in Irland eine Million Menschen verhungert ist wegen der Kartoffelkrautfäule. Das natürliche Insektengift Pyrethrum des Biolandwirtes ist für FAST ALLE (!) Insekten und auch für Fische hochgiftig. Auch beim Menschen gibt es gesundheitliche Beeinträchtigungen. Aber es ist zu 100% biologisch abbaubar, das ist tatsächlich der wesentliche Unterschied zu chemisch-synthetischen Produkten. Allerdings wird es aus Chrysanthemen produziert, die nur in Ostafrika wachsen und dort in diesen Hungerländern riesige Flächen beanspruchen. Eine Tonne Biolebensmittel braucht doppelt so viel landwirtschaftliche Fläche wie eine Tonne konventionell erzeugter Produkte. Aber Agrarfläche ist bereits knapp, auch weil die Bautätigkeit der Städte sich immer weiter ins Land hineinfrisst.
        Ich bin trotzdem nicht gegen Biolandwirtschaft, sie ist zum Beispiel in den Alpen die Methode der Wahl – so ferne es genug Absatz für die teureren Produkte gibt. Unter anderen Bedingungen kann konventionelle Landwirtschaft viel sinnvoller sein. Aber es ist einfach so, dass NGOs meist mit irgendwelchem Halbwissen, das sie irgendwo gegoogelt haben, gegen Landwirte mit jahrzehntelanger fachlicher Erfahrung antreten, und nur deshalb, weil ihnen die Spendengelder ermöglichen, den ganzen Tag Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben – wofür der Bauer nun einmal keine Zeit hat – das vermeintliche Wissen der urbanen Eliten prägen – ja, das sind Eliten, es sind die, welche allein auf Grund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit die Macht haben.
        Am giftigsten war die konventionelle Landwirtschaft in den 1970er Jahren. Seither wurde es sukzessive besser, und von heute auf morgen geht es nun einmal nicht. Insektizide werden immer schädlingsspezifischer, das heißt, sie haben immer weniger Nebenwirkungen auf andere Organismen. In die Medien kommen aber immer nur jene Mittel, die noch immer Probleme machen, von den anderen hört man nichts. Verbesserungsbedarf gibt es zweifellos weiterhin. Wenn aber NGOs gegen alles, was nicht bio ist, sofort wieder zu Felde ziehen und ein Verbot fordern, dann wird keine Firma mehr bereit sein, noch Geld in eine entsprechende Forschung zu investieren. Und dann bleibt den Landwirten nichts übrig, als auf der Verwendung des bisherigen Präparates zu bestehen.
        Biolandwirtschaft war in ihren Anfängen in den 1970er Jahren ein faszinierendes Konzept. Heute ist das Prinzip in seiner Ausschließlichkeit längst veraltet, ein rein ideologisches Überbleibsel. Was ökologisches Wirtschaften betrifft, ist heute das Land die Avantgarde der Gesellschaft, und sie wäre es in noch weit höherem Maße, wenn sie nicht durch all das gebremst würde, was Bauer Willi oben aufzählt. Reaktionär ist die urbane Elite. Sie wird leider noch viele Jahre brauchen, um aufzuschließen.

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        • Edakteur sagt

          @Elisabeth Ertl: die Kartoffelfäule in Irland wird heute als Auslöser der Mutation für die Rothaarigen angesehen, die die Iren heute prägen…

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          • Reinhard Seevers sagt

            Ja klar Edakteur (Matthias W.?), so wie das Roggenbrot die Nordischen hat blond werden lassen!
            Und zu viel Sonnenlicht die Afrikander schwarz und die fehlende Laktase die Asiaten gelb…..usw….heiligs Blechle.

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            • Edakteur sagt

              @R.Seevers:
              https://www.welt.de/kultur/history/article106227344/Es-war-ein-Pilz-der-eine-Million-Iren-toetete.html
              Im frühen 19. Jahrhundert war die Kartoffel die Grundlage der irischen Ernährung. Doch 1845 kam Phytophthora infestans über das Land. Die Ernte verfaulte. Millionen Iren retteten sich in die USA.
              Man hätte gewarnt sein können auf den Britischen Inseln im Jahr 1842. Es stand in den Zeitungen. Eine mysteriöse Krankheit hatte in Amerika bedeutende Teile der Kartoffelernte vernichtet. Doch man fühlte sich nicht angesprochen. Keiner wusste, warum die Knollen verfault waren, es war ja auch weit weg. ..Dass da ein gewisser Phytophthora infestans tätig war, ein Pilz, der die Knollen verfaulen lässt, ahnte niemand… Die Iren hatten nichts mehr zu essen. Die englische Obrigkeit erbrachte keine nennenswerte Hilfe, im Gegenteil. Selbst von schlechter Ernte betroffen, saugte der Adel Albions seine Liegenschaften auf der grünen Nachbarinsel umso stärker aus. Grenzenlos wurde die Not, als auch im folgenden Jahr die Ernte ausfiel, der Sommer 1846 war nicht weniger verregnet. Eine Million Menschen starben, das war jeder neunte Ire.
              Weltweit sind zirka ein Prozent der Menschen rothaarig. In Schottland und Irland hingegen sind es zehn Prozent. Ursache könnte auch ein Mangel an Vitamin D vor etwa tausend Jahren gewesen sein. In Deutschland sind zwei Prozent der Menschen rothaarig.

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    • Christian Bothe sagt

      Ziemlich viel Unfug,den Sie da von sich geben,Edakteur.Wir in Thüringen sagen:“wohl auf der Wurstsuppe her geschwommen“.Mehr will ich zu Ihrem Beitrag(weil Zeitverschwendung für mich)als Dipl.Agr.Ing. gar nicht sagen und überlasse die Statements den Kollegen im Blog.

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    • Bauer Willi sagt

      @Edakteur, Sie machen es sich sehr einfach. Lassen Sie uns doch einfach alles Negative, dass Sie uns Bauern in die Schuhe schieben wollen, morgen abstellen. Was hindert uns daran? Meine grobe Schätzung: Anstieg der Lebensmittelpreise um 300%, Engpässe bei bestimmten Produkten und weiter steigende Importe.

      Sie wollen es so.

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      • Edakteur sagt

        @Bauer Willi
        bisher habe ich immer geglaubt, dass Ihnen Wahrheit wichtig ist.
        Meine Feststellungen sind alle belegt – abgesehen davon, dass ich mich mit diesem Metier jahrzehntelang fachlich beschäftigt habe.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Herr Edakteur, da müssen wir bei Adam und Eva anfangen, und der Umfang würde diesen Beitrag sprengen. Es gibt auf dieser Seite ein Archiv, da können sie alle bereits erfolgten Diskussionen zu Ihren Themen nachlesen.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Herr Edakteur: Es ist ein Unterschied, ob jemand preisbewusst kauft, um sich den nächsten Luxusurlaub leisten zu können, oder weil ihm finanziell das Wasser bis zum Hals steht. Zugegeben: Letzteres trifft nicht nur für Landwirte zu, sondern generell für einen wachsenden Teil der Gesellschaft. Und: Ausnahmen bestätigen die Regel – auf allen Seiten.

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  4. Friedrich sagt

    R. Seevers

    Natürlich sehe ich das unter den derzeitigen Rahmenbedingungen selbst eine Rechnung zu schreiben als nicht durchführbar an, aber wenn die Rahmenbedingungen mit z.B . Außenschutz und begrenzten Angebot als machbar an. Auch bei einem evtl. Währungsverfall würde wieder die Tauschwirtschaft einsetzen , wie das in den 1920er Jahren oder nach 1945 der Fall war . In Argentinien oder Venezuela z.B. läuft die Tauschwirtschaft, weil Staatsbankrott und Währungsverfall das als einzige Möglichkeit erscheinen , um das Überleben zu ermöglichen. Auch wenn im Euroland nur noch der digitale ‚Euro vorhanden wäre , würde dann sofort ohne Bargeld die Tauschwirtschaft einsetzen.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Wenn die Apokalypse die Grundlage sein soll, dann kann ich die Aussage über die Rechnungsstellung nicht ernst nehmen, sorry.

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  5. Friedrich sagt

    Seit über 50 Jahren basteln die Politiker im Land und EU eine immer „Neue Agrarpolitik“, aber die Gesetze und Richtlinien kommen immer schneller und umfangreicher, sodaß kaum noch ein Praktiker hinter herkommt. Die Politik meint alles vorgeben zu müßen und mit Angst und Schrecken alles kriminalisieren zu wollen. Inzwischen haben wir die DDR 2.0 .
    Mit immer mehr Steuern , Abgaben und ständig sich verteuernder Produktion produzieren wir heute trotz der Prämien unter Weltmarktgestehungskosten. Ein Wunder , daß es überhaupt noch wirtschaftende Bauern gibt. Gewerbe- und Industriebetriebe können ja die Kosten einfach weitergeben , aber eben die Bauern nicht. Wir müssen eben selbst die Rechnungen bei Lieferung schreiben , denn dann wäre der Spuk mit der ständigen Belastung der Bauern zu Ende. Großer Vorreiter auf der Kostenseite ist natürlich Deutschland mit der moralisch-ideologischen Politik ohne Volkswirtschaftssicht.
    Die Politiker meinen hier wirklich die „besseren Unternehmer“ zu sein. Überall gibt es inzwischen Vorgaben. Ob Energie, Autos, Landwirtschaft, Währung usw. ist die Lage inzwischen so weit , daß nichts mehr geht. Jetzt wird sogar der Verbrennungsmotor ab 2025 verboten. Auch bei der Coronalage weis die Politik alles besser . Überall werden die „Andersdenkenden Fachleute “ als Rechte , Querdenker, Nazis usw. in die Ecke abgestellt . Man weis ja schließlich alles besser. Auch EU-Verträge und Grundgesetz werden gebrochen , ohne mit der Wimper zu zucken , denn man weis es natürlich wie immer alles besser. Auch die vielen Strafanzeigen der wachen Bürger gegen die Regierung nutzen nichts , weil die Richter und Staatsanwälte nichts machen , weil hier keine Gewaltenteilung herrscht . Das hat sogar der EU-Gerichtshof bestätigt.

    4+
    • Reinhard Seevers sagt

      Zitat Friedrich: „Wir müssen eben selbst die Rechnungen bei Lieferung schreiben , denn dann wäre der Spuk mit der ständigen Belastung der Bauern zu Ende. “

      Ja, und wenn der Kollege seine Rechnung 30% niedriger als deine vorlegt, was machste dann? Bei der nächsten Lieferung biste raus…..Kollegen werden dann direkt zu Mitbewerbern, zu Konkurrenten…..dann ist ein nachträgliches Jammern über Wachsen und Weichen schwierig.
      Oder meinst du eher eine kollektiv abgestimmte Rechnungshöhe?

      2+
      • Arnold Krämer sagt

        Bei homogenen, austauschbaren Agrarrohstoffen wie überwiegend in der Landwirtschaft, wo es keine Kundenpräferenzen gibt, zählen nur der Preis und auf Anbieterseite die Stückkosten. Nur wenn der selbstgemachte Käse und anderes mehr (z. B. das gute Gefühl) von der freundlichen Seniorchefin des Hofes an Endverbraucher verkauft wird, gibt es Kundenbindung, Präferenzen und die Möglichkeit, Gewinne deutlich über Herstellungskosten zu erzielen.

        5+
        • Bauer Willi sagt

          Und wenn es die hübsche, freundliche Junior-Chefin ist, kann man glatt noch mal 10% drauflegen 🙂
          Kein Chauvinismus, sondern Erfahrung von einem Betrieb in der Nachbarschaft… 🙂

          1+
          • Elisabeth Ertl sagt

            „Weil wir den Zwängen folgen und nicht unserer Sehnsucht, sieht die Welt aus, wue sie ist“ Heini Staudinger

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            • fingerphilosoph sagt

              Sehnsüchte sind in der Regel diffus, unter anderem weil von immanenten Widersprüchen durchsetzt. Beispielsweise sehnt Mensch sich sowohl nach Freiheit als auch nach Sicherheit und beides zugleich ist nun mal nicht zu haben. Mensch will freiwillig nur wenig für Andere tun, sehnt sich aber danach, von Anderen versorgt zu werden im Falle er nicht mehr selbst für sich sorgen kann. Die Zwänge, denen wir ausgesetzt sind, entstehen dadurch, dass wir sehr wohl unseren Sehnsüchten folgen, jedoch deren immanente Widersprüche permanent ignorieren.

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          • Arnold Krämer sagt

            …….weil es aus objektiven Gründen meist nicht möglich ist. Urproduzenten und Verbraucher sind räumlich weit und zunehmend weiter voneinander getrennt.

            1+
            • Arnold Krämer sagt

              Und zum guten produzieren (über das bekannte hinaus) muss auch noch das gute verkaufen dazu kommen. Das muss man sich erst einmal zusätzlich zutrauen. Und dann ist die alternative Verwertung von Fläche und Arbeitskraft oft doch attraktiver. Gilt für viele Regionen.

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                • Smarti sagt

                  Wie hoch sind die Kosten für einen Verkaufsraum oder Automaten ? Die spezielle Kasse, die geeichte Waage, die Verkäufer(in), den Hygienekurs…. Das Klo, zwei Waschbecken und …. die Biozertifizierung – sicher habe ich noch einiges vergessen. Zum Beispiel den Burnout, weil nebst der normalen Landwirtschaft noch Laden in Schuss halten, sich um die Kundschaft kümmern und am Sonntag Büro anstehen. Ich bewundere jeden, der das freiwillig macht. Tauschen will ich sicher nicht – auch nicht auf einen Markt stehen.

                  2+
                • Ferkelhebamme sagt

                  Automat: Basisversion 10.000,-, dazu braucht man aber auch einen passenden Standort. Mitten in der Wallachei wird der nicht extra angefahren. Dazu kommen Diebstahl (die Basisversion läuft mit Bargeld) und Vandalismus. Bei entsprechendem Umsatz für Obst, Gemüse, Eier als Waren gut möglich, davon kann man aber niemals eine Familie ernähren. Ist eher eine 24h-Stunden Ergänzung zu gut gehenden Hofläden. Bei Fleisch braucht’s dann direkt eine Metzgerei dahinter. Oder sollen wir Ferkel to Go anbieten?

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                • Arnold Krämer sagt

                  Der klassische westdeutsche Landwirt, der vielleicht den Anschluss „verpasst“ hat, zu geringe Einkommenpotentiale besitzt oder aber auch ausreichende Einkommenspotentiale bisher nicht nutzen kann, tut sich allgemein sehr schwer, alternative Betriebskonzepte auszuprobieren und völlig neue Wege zu gehen. Der hört eher auf und verpachtet den Rest (in unserer Region oft auch Ställe).
                  Die Chancen für alternative Betriebskonzepte sind generell am größten im Generationenwechsel und/oder wenn die „richtige“ Frau auf den Hof kommt (wegen der Ideen und der Motivation).
                  Chancen haben auch junge Menschen, die sich ohne Standesdünkel (oft mit wenig anfangend) stetig weiter entwickelnd, Wege der Direktvermarktung gehen.
                  Ich habe z.B. guten Kontakt zu einem jungen Mann, der neben seinem Beruf im Schichtsystem einer Chemiefirma (und verheiratet mit einer Lehrerin) Grünlandflächen mit Nutzungsauflagen in Südoldenburg pachtet, diese ausschließlich mit Gallowayrindern beweiden lässt, die Tiere im Lohn schlachten lässt und das Fleisch jeden Samstag zusammen mit seiner Mutter auf einem Wochenmarkt einer kleineren Großstadt mit entsprechend geneigter und kaufkräftiger Kundschaft anbietet. Die Ehefrau kümmert sich währendessen um den eigenen und als Lehrerin um familienfremden Nachwuchs.
                  Und es läuft. Ich sage ja immer: „Unternehmen sind selbstgebastelte Abenteuerspielplätze.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Die Erfahrung sagt, dass je größer die Direktvermarkter- Dichte in einem bestimmten Raum umso schlechter die Aussicht auf langfristigen Erfolg. Nur die Nischenstellung bringt den Erfolg, und zwar so lange, wie der Mitbewerber nicht „besser“ geworden ist, bzw. andere Gefühle anspricht. Es geht ja nicht ums Produkt, wie gesagt, es geht um die Geschichte dahinter. 😉

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              • Reinhard Seevers sagt

                Gemüsekiste gab es bei uns auf dem Land bereits vor 20 Jahren…spätestens nach der 5. vergammelten Restmenge lässt man das sein. Der Lieferant hat übrigens kein Jahr durchgehalten, dann war er Pleite. Gu,t Wien ist aufgrund der Kundendichte einfacher, aber deshalb nicht weniger fragwürdig. Lieferando ist da eine andere Nummer….die Jugend bestellt fertige Produkte oder neuerdings Kochboxen wie z.B. hellofresh…..

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    • Arnold Krämer sagt

      An Selbstbeschränkung ist nicht zu denken und ich wiederhole mich, wenn ich schreibe: „Die Politiker wollen die Probleme lösen, die sie selbst geschaffen haben“. Ein Perpetuum mobile, wenn man so will. Eine evolutionäre Entwicklung aus diesem Dilemma heraus ist nicht erkennbar.

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  6. bauerhans sagt

    die bevölkerung will „gut und günstig“!
    alles andere interessiert nicht.
    die politik will die welt retten,kann das aber nicht durchsetzen.
    also werden maßnahmen gegen die erlassen,die sich nicht wehren können.
    jetzt haben wir covid 19 und alles ist komplett durcheinander geraten.
    mal sehen,ob im wirtschaftlichen niedergang weiter so für das überleben der welt gekämpft wird.

    1+
    • Aber die Politik kann veranlassen,
      dass

      Gut und Günstig

      mal vorbei ist und man den wahren Wert für die Waren bezahln muß!

      Na ja unter Berücksichtgiung der Schäden für die Volkswirttschaft.
      Wieviel Leute mußten schon umschulen.

      Man muß nur geistig beweglich bleiben oder werden!

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      • Paulus sagt

        Inga, der wahre Wert eines Lebensmittels ist nicht vergleichbar mit der gefühlten Wertigkeit. Dieser Grundsatz gilt annähernd für die gesamte Wirtschaft, sofern es Konsumgüter betrifft. Eine gute Bekannte von uns hat ein Pferd und kauft Möhren in 25 kg-Netzen für ein paar €. Die gleiche Menge kostet im LEH locker das 10-15 fache. Die Möhren sind, bis auf marginale optische Unterschiede die gleichen. Trotzdem kauft sie die Möhren für ihre Küche im Hofladen oder im LEH.
        Ich gehe noch weiter: Bioprodukte, vorzugsweise die verarbeiteten, werden in den Testergebnissen überwiegend negativ bewertet. Da fragt sich doch jeder halbwegs klar denkende Verbraucher aus welchem Grund er diese kaufen soll. Mind. 80% ihres Einkommens beziehen die Ökofritzen leistungslos, damit schaffen sie im Vergleich zu den Konvis gerade mal 50-60% des Ertrags, ernährungsphysiologisch hat bio nachweislich keinen Vorteil. Dafür soll ich das Doppelte oder sogar mehr bezahlen?

        3+
  7. Reinhard Seevers sagt

    Zur Zeit ist jede Forderung der Landwirtschaft Nebensache. Corona hat alle Bereiche im Griff, die nicht systemrelevant sind. Kunst und Kultur, Feuerwerk und Weihnachtsmärkte stehen am Abgrund….alle klagen, weil sie kein Einkommen haben und sie argumentieren mit der Notwendigkeit der Unverzichtbarkeit für das Wohlfühlen. Sie bekommen Geld aus dem System, das angeblich so schlecht ist, dass es abgeschafft gehört: dem kapitalistischen.
    Nahrung ist im Überfluss vorhanden, deshalb ist die Versorgung und damit die Versorgenden auch kein Thema.

    7+
  8. Ludger sagt

    Es wäre ganz einfach, ohne viel Bürokratie, leider würde aber u der Außenhandel gewaltig einen auf den Deckel kriegen, der Deutsche landwirt darf das produzieren was der deutsche Verbraucher einkaufen will, und im umkehrschluss, der deutsche Verbraucher darf nur kaufen was der deutsche landwirt auch produzieren darf, das würde auch über alle Gewerke und Gewerbe funktionieren dann sind die NGO arbeitslos jede Menge Beamte könnten ihr sinnloses Dasein an den Nagel hängen und sich realen Problemen widmen ,Politiker könnten aus ihrer Parallelwelt wieder ins wahre Leben zurückkehren und Landwirte würden wieder ihrer eigentlichen Berufung nachgehen statt für Theoretiker irgendwelche Formulare auszufüllen.

    9+

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