Bauer Willi
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Trump, Corona-Leugner und Glyphosat-Gegner

Was haben alle diese Personen gemeinsam? Sie nehmen die Realität anders wahr. Doch woran liegt das? Ich habe mich auf die Suche nach möglichen Gründen gemacht. Und das hier gefunden:

  • Emotionale Beweisführung

Dabei betrachtet man die eigenen Gefühle als Beweis für die Richtigkeit von Behauptungen. In Sachen Corona bedeutet das etwa: „Ich fühle mich nicht wohl mit einer Maske, also ist sie schädlich.“

Für Glyphosat heißt das: „ich höre so viel Gefährliches darüber und ich möchte mich keiner Gefahr aussetzen“. Ob diese Gefahr faktisch besteht, spielt keine Rolle bei der Wahrnehmung. Die Bedrohung der eigenen Gesundheit und die der Kinder ist ein Motiv, das starke Gefühle mobilisiert. Aussage eines NGO-Campaigners: „Wenn die Leute keine Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder haben, geht das Portemonnaie nicht auf“.  Dann muss man nur noch einen Gegner identifizieren, der sowieso keiner mag (Monsanto, Nestle, Bayer) und man kann seine Argumentation auf den typischen David-gegen-Goliath-Konflikt reduzieren. Das klappt immer.

  • Angst

Ein starker Beweggrund ist Angst. Wenn man Angst hat, existiert definitiv ein Grund, um Angst zu haben. Wenn man spürt, da sei etwas faul, dann ist etwas faul. Wenn man sich wütend fühlt, dann ist das der Beweis dafür, dass etwas schiefläuft und jemand verantwortlich sein muss. So sehen es die oben genannten Personen. Ganz wichtig dabei ist die Suche nach demjenigen, der verantwortlich dafür ist,  dass man selbst Angst hat. Und meist ist der Schuldige schnell gefunden. Bei Trump ist es der „Betrug“ des politischen Gegners, bei Corona die „unfähige Regierung“, bei Glyphosat der „giftspritzende Bauer“, der die „Umwelt verseucht“ und die „Menschheit vergiftet“.

Angst ist schwer auszuhalten, sie lähmt und macht hilflos. So fühlt sich niemand gern. Deshalb sucht das menschliche Gehirn nach Möglichkeiten, aus diesem Gefühl herauszukommen. Dann werden Verschwörungen konstruiert.

  • Verzerrungsblindheit

Sie bedeutet etwa, dass man sich selbst für kaum oder gar nicht beeinflusst hält. Die ständigen Aufrufe, endlich „aufzuwachen“, sind ein Zeichen dafür. In ihrer Welt gibt es nur zwei Sichtweisen: die falsche derjenigen, die es noch nicht wissen und noch schlafen, und die richtige, wenn man endlich aufgewacht ist – sprich: nicht mehr den vermeintlichen Lügen des „Mainstream“ folgen. Man ist jetzt in seiner eigenen Blase.

Die Verzerrungsblindheit ist damit die Vorstufe der Haltung, es gäbe nur eine einzige, klare, eindeutige Wahrheit, in deren Besitz die eigene Gruppe ist. Alle Interpretationen, Meinungen, Uneindeutigkeiten und auch Diskussionen sind Ablenkungen von der reinen Wahrheit. Besonders deutlich war das bei der Reaktion von Trump nach dem Bekanntwerden seiner Wahlniederlage. Bei Corona-Leugnern und Glyphosat-Gegner werden die jeweils passenden Studien herangezogen, auch wenn diese schon längst als unlauter, wiederlegt oder erfunden bekannt sind. Das blendet man bewusst aus. Man ist dafür blind.

  • Ratlosigkeit

Die Menschheit fängt gerade erst an, Corona samt Pandemie zu verstehen. Für viele Zusammenhänge existieren bisher nur wenige oder keine Daten. Weil wissenschaftliche Erkenntnis eben kein linearer Prozess ist, entsteht ein Wissensvakuum: die große Corona-Ratlosigkeit. Und wenn neue Erfahrungen bisherige Erkenntnisse ersetzen, ist es für die Gruppe nur der Beweis, dass man betrogen wird.

  • Überreaktion

Die Öffentlichkeit braucht mehr Wissen, Eindeutigkeit und Klarheit, als verfügbar ist. Die Radikalisierung entsteht auch deshalb, weil man dieses Wissensvakuum so einfach, schnell und eindeutig mit selbstgemachten Informationen füllen kann. Menschen halten Ungewissheit nur schwer aus, erst recht in Krisenzeiten. Das gilt allerdings nur für Corona. Nicht so bei Glyphosat: Hier gibt es eine Tausende von Studien. Und wie oft üblich, werden immer nur die passenden Studien zitiert. Übrigens von Gegnern und Befürwortern.

  • Wut

Die Überreaktion entlädt sich oft in Wut. Wut ist viel einfacher auszuhalten als Angst und Sorgen. Wer wütend ist, fühlt sich ermächtigt und kann etwas tun: auf eine Demo gehen, Politiker*innen anschreien, ein Video drehen, sich in einer Kommentarspalte austoben. Daher auch der neue Begriff „Wutbürger“.

Wenn ihr wissen wollt, wie man reagieren kann, wenn man auf Menschen trifft, die Verschwörungsmythen unterliegen, sei dieser Artikel empfohlen. Da habe ich auch den Satz mit der Wut gefunden.

https://www.zeit.de/campus/2020-05/falschinformationen-verschwoerungstheorien-coronavirus-bill-gates-5g-lydia-benecke

Und hier geht es 45 Minuten um Querdenker, Coronaleugner und Wutbürger:

https://programm.ard.de/TV/Untertitel/Nach-Rubriken/Dokus–Reportagen/Alle-Dokus/?sendung=287213714953121

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38 Kommentare

    • Reinhard Seevers sagt

      Ja, der hat sich gestern so richtig ausgekotzt….😀
      Fragt sich nur, ob dem alten weißen Mann evtl. die treuen Zuschauer wegsterben, bevor die Vernunft zurückkehrt.😎

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  1. Wilhelm Harms sagt

    Siehe z. B. „Weltbester Weizen“
    http://www.farve.de

    Gut gemacht als „Erklärbar“ mit Hintergrund.
    Auch auf Instagram und Co zu finden.

    Wichtig ist das dem Leser oder Zuhörer Fragen offen bleiben damit er hinterfragt, googelt, neugierig ist.

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  2. Wilhelm Harms sagt

    Moin,
    – so viel zum Ist-Zustand der jeweiligen Befindlichkeiten.
    Was aber tun?
    Daurfeuer ist ja richtig aber der Begriff selbst suggeriert Kampf.
    Klar, es ist ein Kampf aber nicht mit harten Mitteln oder hohem Druck zu gewinnen denn das erzeugt Gegenstück!

    Unser Image und das der verbundenen Branchen muss verändert und verbessert werden.
    Über die Veranstaltungen und Demos (z.B. Treckerdemos) haben wir die notwendige Aufmerksamkeit erreicht ( ohne BV sondern aus gewachsener Eigeninitiative)
    Das muss mit sanften Mitteln fortgeführt werden. Kraftmeierei führt ins Gegenteil und führt zu Ablehnung.
    WIR müssen aufklären – immer und überall: beim Sonntagsspaziergang mit den nichtlandwirtschaftlichen Freunden, an der Schule, am Kindergarten, auf oder vor Festivitäten, Treffen, Veranstaltungen.
    Leise und dezent von hintenherum die Leute ins Thema holen z. B. mit einer neugierweckenden Aussage – und dann ehrlich aufklären mit Fachwissen und Fakten !
    WIR müssen die Multiplikatoren für unsere Imagecampagne selbst ausbilden.
    Unser Bauernimage muss dem neuzeitlichen Fachkraft Landwirtschaft mit gehobener Ausbildung weichen.

    Aber wir müssen wohl akzeptieren das die heute 20 – 45 jährigen aus ihrer pseudointellektuellen Sesselpuper Realität nicht mehr zurückzuholen sind = Vergangenheit.
    Umso wichtiger ist die Aufklärung der jüngsten und jungen Jahrgänge – das ist die Zukunft.

    Nur 1 Beispiel:
    Mit den Grünen in den 90ern haben WIR es zugelassen das aus Pflanzenbehandlungsmitteln „Pestizide“ wurden – grüne Wortsschöpfung die durch Dauergebrauch etabliert ist – obwohl sinn- und inhaltsfrei.

    Darüber hinaus:
    Warum sind WIR nicht in der Lage an uns partizipierende Branchen mit ihren erheblichen Werbemitteln zusätzlich vor unseren Karren zu spannen ?
    Chemie, Technik, Handel usw.

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    • bauerhans sagt

      „Warum sind WIR nicht in der Lage…“

      weil es kein WIR gibt unter bauern!
      die pachten zu,kaufen grosse trecker,produzieren und jammern.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Das österreichische AMA – Gütesiegel ist so ein mit Geld und know -how versehener Versuch etwas zu verbessern….hat aber auch gleich wieder seine Gegenspieler:

        Quelle WIKI:

        Die Qualität des AMA-Gütesiegels wurde 2017 von den NGOs Global 2000 und Südwind überprüft aber für eher mangelhaft befunden:

        „(…) Der Einsatz von gentechnisch verändertem Futter ist jedoch erlaubt. Das AMA-Gütesiegel setzt einige wenige Ansprüche an die gue (sic!) landwirtschaftliche Praxis, Kriterien beziehen sich jedoch hauptsächlich auf Verarbeitungs- und Hygienevorschriften“.

        Greenpeace ließ 2018 das Futter der Schweine vom Umweltbundesamt testen. Es zeigte sich, dass rund 90 % des im Futter enthaltenen Soja aus transgenen Sojabohnen besteht.[3]

        Vor allem der Anspruch bzgl. der Kriterien „Umwelt“, „Soziales“ und „Tierwohl“ wurden als „Gering“ eingestuft. Das Kriterium „Fundiertheit“ erfüllt ebenfalls nur „mittleren Anspruch“.[4]

        Laut einer Prüfung der Arbeiterkammer Oberösterreich und Vier Pfoten im April 2020 orientiere sich „das am meisten verwendete AMA-Gütesiegel im Wesentlichen nur an gesetzliche Mindeststandards, die als zu niedrig angesehen werden“.[5]

        Das GUTE wird niemals vollständig erfüllt werden….man muss den Weg aber irgendwie beschreiten.

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  3. Obstbäuerin sagt

    Nach der Aussage von Frau Benecke bin ich eine Verschwörungsmythikerin, denn obwohl der wissenschaftliche Mainstream offensichtlich beweisen kann, dass es bald keine Insekten mehr gibt, glaube ich das nicht. Ich sehe die hohe Biodiversität in unserem mit Glyphosat und Pflanzenschutzmitteln behandelten landwirtschaftlichen Umfeld aber keiner erkennt meine Basisfakten an. Und es macht mich zunehmend wütend, wenn die Krehfeldstudie immer noch als wissenschaftlicher Beweis für das Artensterben in ganz Deutschland herangezogen wird. Und wenn mich Frau Benecke dann anruft und fragt: „Wie fühlst du dich, wenn du morgens aufstehst?“ Dann antworte ich ernsthaft: „Es geht mir schlecht, obwohl in meiner Familie alles okay ist und wir auch nicht arbeitslos sind. Das Bauernbashing und der Einfluß der NGO`s auf politische Entscheidungen, die wissenschaftlich höchst fragwürdig sind, nehmen mir die Zuversicht, morgen auch noch wirtschaftlich und sinnvoll zu arbeiten.“ Und wenn sie dann einfühlsam weiter gefragt: „Du musst ja furchtbar traurig sein. Und was macht es mit dir, wenn du so einen giftigen Kommentar schreibst?“ Dann kommt von mir zurück: „Tja, dann merke ich, wie wenig ich erreichen kann und wie mächtig die andere Seite ist.“

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    • Reinhard Seevers sagt

      Die Forschung im Bereich „Insektenschwund“ ist eben noch lange nicht wissenschaftlich abgesichert….darum geht es doch auch immer. Es fehlen Aussagen über Ursache und Wirkung. Im Moment hat man nur einige Studien aus der ganzen Welt zusammengesucht, die dazu dienen unsere Landwirtschaft zu diskreditieren, mehr nicht. Wir stehen noch ganz am Anfag wissenschaftlich basierten Wissens auf dem Gebiet……

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      • Obstbäuerin sagt

        Das ist die Meinung vieler Bauern, Reinhard, die tatsächlich hier schon oft diskutiert wurde. Die Artensterbenbefürworter sehen das ganz anders.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Deshalb musst du dich doch nicht als Opfer einer mainstream-Meinung darstellen….es ist eben noch nicht bewiesen. In dem podcast (oben verlinkt) kann man schön die Widersprüchlichkeit der Wissenschaftsbasierten politischen Meinungsbildung nachhören, am Beispiel der Grünen. Es ist nichts abschließend manifestiert…wir sind in einem Findungsprozess, in dem die Landwirtschaft im Moment aber einen ausschließlichen Schuldanteil inne hat…da kommt man aber nicht mal eben so wieder raus.

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          • Obstbäuerin sagt

            Wenn die Forderung durchgesetzt wird, 50% der Pflanzenschutzmittel zu verbieten, egal in welchem Zusammenhang, dann ist der Obstbau in Deutschland nicht mehr machbar. Und diese Forderung steht, egal was die Grünen sonst noch an Redundanz von sich geben.

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      • Bauer Willi sagt

        Wissenschaft ist immer dann gut, wenn sie den eigenen Zielen nützt. Heute ist Parteitag der Grünen. Für den Klimawandel werden alle verfügbaren Wissenschaftler als Beleg herangezogen. Wenn es um Gentechnik geht, werden wissenschaftliche Erkenntnisse nicht berücksichtigt. Und bewusst verschwiegen. Nennt man mittlerweile Öko-Trumpismus.

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  4. Walter Böß sagt

    Lieber Bauer Willi,
    sehr oft stimme ich mit Ihnen überein, weil ich Ihr Bemühen um Fakten schätze.
    Das ist Ihnen hier leider nicht gelungen. Allein schon die Verwendung des Begriffes „Corona-Leugner“ zeigt mir, dass Ihre Recherche nicht sehr tiefgründig war. Es ist ein Framing, das an „Holocost-Leugner“ erinnern soll. Ich kenne niemanden, der den Regierungsmaßnahmen gegen COVID skeptisch gegenüber steht, der die Existenz von Sars CoV 2 „leugnet“. Wenn Sie sich zB mit den Zahlen des RKI und denen des DIVI-Intersiv-Registers beschäftigt hätten, kämen Sie vielleicht auch ins Grübeln, ob die derzeitigen staatlichen Maßnahmen verhältnismäßig sind.
    Bei der Berichterstattung über Trump in den deutschen Medien habe ich noch keinen einzigen positiven Beitrag gelesen.
    Da wundere ich mich schon, dass er bei der Wahl die Hälfte der Stimmen bekommen hat, obwohl ihn auch in den USA die komplette öffentliche Meinung (außer Fox News), das gesamte Establishment und die Künstlerszene bekämpft haben.
    Schon mal drüber nachgedacht?
    Oder ist die Hälfte der Amerikaner blöd, sozusagen „Trumpidioten“?

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    • Reinhard Seevers sagt

      Zitat: „Oder ist die Hälfte der Amerikaner blöd, sozusagen „Trumpidioten“?
      Was spricht dagegen? 250000 Corona Tote?
      Man kann wohl kaum eine Korrelation deutscher Befindlichkeiten mit amerikanischem Denken hervorkramen.
      Und wenn Sie die Demo in Berlin verfolgt haben, dann haben Sie doch eine Menge Menschen gesehen, die sich sogar geäußert haben, dass es sich lediglich um eine Grippe handeln würde, und dass man das Recht habe auch zu sterben….Schwurbel, Schwurbel…Corona- Leugner eben. Was will man nun Schutz oder Freitod?

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    • Bauer Willi sagt

      Sie unterstellen mir Dinge, die ich nicht geschrieben habe. Es geht auch nicht um Politik, sondern um das Verhalten von Menschen.

      Oder war es Ihr Ziel, mir etwas zu unterstellen? Es klingt fast so… 🙁

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    • Thomas Apfel sagt

      Walter Böß,
      Corona-Diskussion, Glyphosat Diskussion, Trump Diskussion, alles eigentlich nicht mehr neutral möglich, von verschiedensten Seiten vermintes Gelände überall. Ich halte mich sonst nicht raus … hierbei schon.

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  5. Moin,

    man kann nicht Donald-Trump, Corona-„Querdenker“-Honks und Glyphosatkritiker in einen Topf werfen, echt nicht!

    Glyphosat wurde vierzig Jahre lang mit dem nachweislich erbgutschädigenden Netzmittel Tallowamin eingesetzt. Egal, ob der Wirkstoff per se krebserregend wäre, in der praktischen Anwendung waren die Formulierungen es. Und je nach Zusatzstoff sterben bei Gewässerkontakt nahezu alle Amphibien usw. Das Zeug kommt ja nicht pur auf die Äcker.

    Also Kritik dürfte da durchaus angebracht sein. Zum Beispiel die Kritik, warum man Wirkstoffe nur einzeln testet, jedoch nicht die Formulierungen samt Tensiden etc.

    Vom Thema Shikimatweg, den nicht nur Pflanzen nutzen, lange praktizierter und andernorts immer noch üblicher Sikkation oder Super Weeds, die auf Glyphosat schei*en und zeigen, daß es keine dauerhafte Lösung ist, mal ganz zu schweigen.

    Und dann immer die leidvollen Pflug vs. pfluglos Diskussionen, obwohl es da schon mehrere Analysen gibt:
    https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/bodenschutz/bodennutzung-bearbeitungsverfahren.html
    https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/humus-boden-pfluglos-arbeiten-bringt-nichts-559984

    Die eigentlich nur folgende Schlußfolgerung zulassen:
    Hat man sandigen Grund und muß Humus auch tiefer im Boden aufbauen, lieber mit mechanischer Bearbeitung das Material tiefer in den Boden bringen.
    Hat man (an)moorigen Grund und hohen Kohlenstoff-/Humusanteil, sind Themen wie Entwässerung (tiefgrabende Regenwürmer etc.) wichtiger, konservierende Bearbeitung.
    Der Mix macht’s!

    Die Realität hat die Befürworter eingeholt. Neben Glyphosat werden zunehmend auch Mittel wie 2,4-D oder Atrazin eingesetzt als Beispiel (siehe USA, der exzessive Einsatz von Glyphosat hat den Resistenzdruck massiv gesteigert).

    Man verwendet gewissermaßen Agent Orange, wo Glyphosat nicht mehr wirkt. Da sollten bei jedem die Alarmglocken angehen. Vietnam-Krieg gegen Pflanzen und Böden, oder was?

    Und bevor irgendwas kommt von wegen immer mehr Menschen:
    Komisch, daß in Deutschland und Japan die Bevölkerungszahl stagniert mehr oder minder trotz reichem Nahrungsmittelangebot, oder?

    No Fun Fact: In Entwicklungsländern, siehe Afrika, verliert man gut 30% der Lebensmittel über Nachernteverluste. mehr bzw. besser ausgebaute Straßen und Kühlräume wären da das Mittel der Wahl gegen den Hunger.

    Aber könnte ja klappen, wenn man berechtigte Kritik in einen Topf wirft mit den Populisten!

    Ohne Frage gibt es manche Glpyhosat-Kritiker, die den Bogen überspannt haben in der Kommunikation. Doch dem gegenüber stehen auch diverse Lobbyisten.

    Meine Meinung:
    Pflügen kostet weit mehr Kraftstoff als Glyphosat zu spritzen, man wollte und mußte Geld sparen, Versprechen klangen zu schön, also los geht’s. Doof, daß der Handel es eh wieder einpreist und die Böden davon nichts haben, höchsten noch Bodenmikroben einen auf den Deckel bekommen, aber wer zählt schon. Die einfachste und billigste Lösung ist nicht immer die nachhaltigste!

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    • Reinhard Seevers sagt

      Suhr: „man kann nicht Donald-Trump, Corona-„Querdenker“-Honks und Glyphosatkritiker in einen Topf werfen, echt nicht!“

      Stimmt!

      Suhr:“ Die Realität hat die Befürworter eingeholt. Neben Glyphosat werden zunehmend auch Mittel wie 2,4-D oder Atrazin eingesetzt als Beispiel (siehe USA, der exzessive Einsatz von Glyphosat hat den Resistenzdruck massiv gesteigert).“

      Man kann aber auch nicht USA mit Deutschland gleichsetzen….Suhrsche Kausalitätskette, wie immer…

      Herr Suhr, die Landwirtschaftskammer Hannover hat bereits vor 25 Jahren über lange Zeit Experten nach Russland entsandt, die denen halfen ihre Verluste bei der Kartoffelllagerung zu beseitigen….hat nie eine Sau interessiert…..machen wir das nun mit Afrika, und es interessiert wieder keine Sau, wetten. Hohle Phrasen helfen niemanden und wirkliche Hilfe nimmt keiner wahr.

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    • brouss sagt

      Wenn ich Mais- oder Sojaprodukte essen würde, würde ich Monsanto- oder Syngenta-…. sorten nehmen.
      Gentechnisch veränderte Sorten werden viel sorgfältiger geprüft. Mutagenese -mit der allgemein gezüchtet wurde und wird- ist ja auch Gentechnik. Wenn wir überall „Ohne Gentechnik“ draufschreiben, schließen wir sorgfältig geprüfte Sorten aus. So werden wir wohl langfristig pathogenere Pflanzen essen als die Amis.

      Die Resistenzgene in den div. GMO-Sorten sind ja keine künstlich Erzeugten. Es gibt Pflanzen, die schon von Natur aus resistent gegen Glyphosat sind. Von diesen Pflanzen hat man die Gene auf Mais, Raps,… übertragen. Neue Gene hat man also mit GMO-Sorten nicht in die Umwelt entlassen, die waren schon immer da.
      Wenn immer nur Glyphosat gespritzt wird, siedeln sich mit der dann Beikräuter an, die auch resistent sind. So wie der Wind Sand aus der Sahara nach Südamerika oder über die Alpen bläst, wird er wohl auch diverse Unkrautsamen weit verbreiten.

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  6. Reinhard Seevers sagt

    Emotionale Beweisführung, Angst, Verzerrungsblindheit, Ratlosigkeit, Überreaktion und Wut.

    Das sind Gefühlesbetonte Attribute gegen die man nicht anargumentieren kann. Wie sagte es Frau Benecke:
    “ DAS GRUNDPROBLEM IST, DASS MAN MIT FAKTEN GEGEN EMOTIONEN ARBEITET.“
    Lydia Benecke

    Das haben wir doch auch bereits mehrfach herausgearbeitet. Da hilft nur positives Dauerfeuer aus den Reihen der Agrarbranche. Positive Selbstdarstellung, ohne falsche Romantik, ohne Rückwärtsdenke. Neue, junge, offene Gesichter, Freude und Elan….Perspektiven aufzeigen, ohne ständig das Büßergewandt zu tragen und ohne auf die Anfeindungen zu reagieren….einfach positiv loslegen….dafür braucht es aber GELD!

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  7. Elisabeth Ertl sagt

    Herzlichen Dank für dieses wichtige Thema! Ja, die Form von Emotionalität, die hier angesprochen wird, ist eine animalische, subhumane, antiaufklärerische, und sie ist vehement abzulehnen.
    Es wäre aber falsch, jedes Missbehagen der modernen Landwirtschaft gegenüber mit dieser Form von Emotionalität zu erklären. Was den Menschen zum Menschen macht, ist die Fähigkeit zu achtsamer Beziehung. Menschen wollen Landwirte sehen, die emotional in Beziehung stehen zu Pflanzen und Tieren. Sie wollen von ihm gekraulte Tiere sehen, ihn übers Feld gehen und den Boden spüren sehen etc. In der industriellen Landwirtschaft haben diese domestizierten (ins Haus, in die Symbiose geholten) Wesen aber oft nur noch Beziehung zu Anbaugeräten, Fütterungsrobotern und Melkrobotern etc. Das wird als unmenschlich wahrgenommen. Pflanzen und Tiere mögen unter diesen Bedingungen ja physiologisch optimal gedeihen, aber da fehlt eben etwas, was die Brücke zum Menschen schlägt. Man will dann eben auch nicht nur ein Fahrzeug sein, welches sich mit diesem Treibstoff betankt. Und dann unterstellt man eben irgendwelche Gifte, fehlende Nährstoffe, schlechten Geschmack etc., worum es eigentlich gar nicht geht.
    Da erhebt sich selbstverständlich die Forderung: Wenn ihr das haben wollt, dann bezahlt! Und über diese Zusammenhänge kann auch nicht genug aufgeklärt werden. Das „Geiz ist Geil“ – Wirtschaftssystem hat den Menschen über 30 Jahre hinweg verroht, und es ist eine Knochenarbeit, ihn wieder zu zivilisieren. Die Forderungen an die Landwirtschaft dürfen vor diesem Hintergrund vorerst als unberechtigt bezeichnet werden, aber sind sie deshalb auch schon falsch?
    Jedenfalls gibt es immer mehr Betriebsinhaber, die ihrem eigenen Missbehagen Aufmerksamkeit schenken und Auswege suchen. Eine große Fleischfirma in Österreich orientiert sich jetzt neu und bietet auch vegetarische Produkte an. Was der Beweggrund dafür war, das schildert der Inhaber im folgenden Interview sehr überzeugend. Da geht es keineswegs nur ums Geschäft, ums Aufspringen auf einen Trend, da ist auch persönliche Betroffenheit wahrnehmbar. Der alte gelernte Fleischhauer erinnert sich an die Tierhaltung in seiner Kindheit und Jugend und kritisiert eben die heutige Beziehungslosigkeit. Ihm ist bewusst, dass sein Unternehmen die Entwicklung befeuert, und er kann das mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Die Leute sollen Fleisch lieber bei kleinen Selbstvermarktern kaufen und nur zweimal pro Woche essen.
    https://www.bauertothepeople.at/podcast/2757/
    Es gibt auch Beispiele aus Deutschland: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/video-podcast/Endlich-wieder-Bauer-Klasse-statt-Masse,minuten3364.html?fbclid=IwAR0Dp0N8nWNdT2DXAF_wknpuu0c-xFTje2uCKFdt5pu5fMZAAvUDR_eVV0c

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    • Reinhard Seevers sagt

      https://www.rts-salzburg.at/clip/kaeserei-woerle-und-bauern-wollen-mit-eintausend-naturbelassenen-gelaendegebieten-den-artenschutz-foerdern/

      https://www.youtube.com/watch?v=0XSyNPupSpk

      Diese beiden Beispiele spiegen die völlig unterschiedliche Sichtweise über Landwirtschaft und Zukunft wider. Die einen kuschelig kleinteilig in der Umgebung der wohlig warmen Bergwelt, die anderen in einer Technikbasierten spezialisierten Umgebung niederländischer Weiden und Felder….
      Das ist ein Kontrast, den man erst mal wirken lassen muss, um zu verstehen, dass auch Landwirte unterschiedliche Sichtweisen haben, und haben dürfen.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Die KÄSEREI WOERLE macht Werbung für ihren Käse und die Bauern verdienen durch den Artenschutz weniger. Bravo kann ich da nur sagen. 😒

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      „Der alte gelernte Fleischhauer erinnert sich an die Tierhaltung in seiner Kindheit und Jugend und kritisiert eben die heutige Beziehungslosigkeit. “

      Das was er macht ist nichts anderes, als auf eine Zug aufzuspringen, auf einen Zug wo er mehr Geld macht. Da kommt jede Kritik über die jetzige Tierhaltung recht.

      Während meine Eltern 1947 einen damals hochmodernen Stall bauten, hatten die Küher einen Bretterverschlag vor dem Kopf, der Bretterverschlag wurde nur während der Fütterung geöffnet. Die Ställe waren damals dunkle Löcher.

      Wer halt 100 Kühe, oder mehr zum Überleben braucht, kann die Viecher nicht 3 x am Tag streicheln.

      Das mit den Selbstvermarktern ist ja schön und gut, die Städter können ja auf das Zeugs dieser Firma ausweichen.
      buon appetito! 😂

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  8. fingerphilosoph sagt

    So ist das nun halt mal in der Menschheitsentwicklung in einem sog. Phasenumbruch, auch Quantensprung genannt. Ein solcher ist beunruhigend, und deshalb klammern sich die Menschen schutz- und haltsuchend an ihre jeweiligen „Wahrheiten“, die sie aus einem Mischmasch aus Emotionen, Ängsten, Wissenschaften und medienmanipulierten Meinungen generieren. Daraus zieht der Phasenumbruch sogar einen Teil seiner Dynamik, die nicht linear, sondern chaotisch ist.

    In chaotischen Prozessen helfen leider auch die Wissenschaften nicht weiter, sondern werden erratisch, je mehr sie versuchen, chaotische Prozesse wissenschaftlich zu erklären und zu kontrollieren.

    Für ein gutes Leben sind weder Wissenschaften noch Meinungen entscheidend und schon gar nicht das Anklammern an irgendwelche daraus generierten „Wahrheiten“.

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    • firedragon sagt

      Irgendwie seltsam, die derzeitige Entwicklung in allen Bereichen mit einem Quant zu vergleichen…

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    • Paulus sagt

      Naja Fi-phil, wie ein „gutes Leben“ ohne die Erkenntnisse der Wissenschaften bzw. wenn man diese ignoriert aussieht, kannst du in einigen Ländern dieser Erde durchaus noch erleben. Damit muss man sich aber nicht zwingend abfinden, mit chaotischen Systemen hingegen schon.
      Ich habe in meinem Leben schon einige Phasenumbrüche erlebt, angefangen von der LW bis zum industriellen Bereich. Sie erschienen einer Mehrheit der Betroffenen immer als bedrohlich, war aber Quatsch. Ich z.B. habe noch keinen kennengelernt der sich die ursprünglichen Zustände wieder zurück wünscht.
      Die nicht nur von Angela Merkel in Davos angekündigte große Transformation wird stattfinden. Ich sehe da eher Chancen, sofern sie vernunftgesteuert und nicht von irgendwelchen Ideologien geprägt sind.

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  9. Brötchen sagt

    Ich weiß nicht, ob Küchenpsychologie irgendwie weiter hilft, auf der Ebene….und andere Personen irgendwie analysieren zu wollen, hinsichtlich ihrem Befinden und ihrer Motivation.
    Der Bauer das unbekannte Wesen, nimmt der wirklich seinen Mist mit nach Hause…;)

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  10. bauerhans sagt

    die öffentliche meinung wird von den medien „gemacht“ und von google verteilt.
    auf knopfdruck hat jeder „seine“ meinung.
    dagegen zu halten,ist sehr anstrengend,gelingt im einzelfall bei mir,wenn ich es schaffe,sehr sachlich zu antworten.

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  11. Wolfgang sagt

    Ja, viele der Mechanismen haben wir alle in der letzten Zeit selbst miterlebt. Und auch die Landwirte sind vor den Gefahren nicht gefeit. Ich denke beispielsweise an die Ausweisung der Roten und Gelben Gebiete. Wieviel davon beruhen auf ordentlich ermittelten Daten, auf schlampigen Falschmessungen, gezielt ausgewählten Ausreißern, falschen Hypothesen von Wissenschaftlern und Politikern? Welchen Quellen darf man glauben? Und warum glauben die Anderen gerade denen nicht? Die Ministerin redet vom „Verursacherprinzip“. Wir düngen nachweislich weniger als andere Regionen, bleiben aber aufgrund von Klima (Trockengebiet mit fehlendem Verdünnungseffekt) und Böden weitgehend rot. Und jetzt kommt noch gelb dazu, wenn nicht nachweislich über 80 % der Phosphateinträge aus nichtlandwirtschaftlichen Quellen stammen.

    Und waren wir nicht auch alle in unserer eigenen Blase, als wir die Euphorie erlebten bei den Schlepperdemos im letzten Jahr. Wir haben es ein paar mal in die Tagesschau gebracht und über Wochen in die lokalen Zeitungen (zumindest auf dem Land). Viele hatten das einmalige Erlebnis, mit dem Schlepper auf der Autobahn nach Berlin gefahren zu sein. Mit dem Segen der zuständigen Ministerien. Und was haben uns manche Politiker noch unmittelbar vor der Komunalwahl (Bayern) bei der Gelegenheit alles versprochen…

    Und jetzt sind die Gebiete so gut wie ausgewiesen. Mit weiteren Erleichterungen ist nicht mehr zu rechnen. Stattdessen kommen alle möglichen neue Auflagen zum Insektenschutz, CO2,… und Umschichtungen der Haushaltes dazu, die ein Wirtschaften in den betroffenen Gebieten unmöglich machen werden.

    Und die billigen Lebensmittel kommen aus dem Ausland, wo viele dieser Auflagen keine Rolle spielen. (Apfelsaftkonzentrat aus China, während bei uns die Streuobst-Äpfel auf den Wiesen und an den Straßenrändern verfaulen…)

    Gestern standen wieder die Traktoren zu Hunderten vor Milchwerken und Schlachtbetrieben, um auf die Existenznöte der Bauern aufmerksam zu machen und die verarbeitende Industrie auf unsere Seite zu holen. Habt ihr in der Tagesschau etwas davon gesehen? Erfahren haben es wohl nur die, die in den betreffenden Chatgruppen oder eben dieser „Blase“ unterwegs sind.

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    • Bauer Willi sagt

      Zu den Demonstrationen gibt es eine Pressemeldung des DRV (Deutscher Raiffeisenverband). Zitat: “Demonstrationen und kurzfristig unrealisierbare Preisforderungen tragen nicht dazu bei, die Herausforderungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu bewältigen”

      Und weiter: “Die Landwirtschaft und die Verarbeiter müssen auch mit geeigneten kommunikativen Mitteln darauf hinarbeiten, ihre Produkte zu stärken.”

      Alles klar?

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      • Wolfgang sagt

        Mir ist klar, das da der DRV keine Almosen verteilen hat, da die Genossenschaften ja auch nur den Preisdruck von oben nach unten weiterleiten können. (Böse Zungen würden anfügen, um ihren historisch gewachsenen Wasserkopf erhalten zu können.)

        Ich erlebe es ja selbst bei meiner Winzergenossenschaft, die es nicht schafft, im LEH als gehobene Marke von anderen im Preis abzuheben. Obwohl es da ganz andere Chancen gäbe als bei standardisierten Produkten wie Milch, Butter und Schweineschnitzeln. (Aber letzlich ist die teure Marketingabteilung ja auch Teil des oben angesprochenen Wasserkopfes.)

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